Teheran: Der große Häuptling hat gesprochen

Ajatollah Chamene‘i, der Religiöse Führer der Islamischen Republik Iran, hat sich über das jüngste Atomabkommen geäußert und dabei indirekt gegen Ajatollah Haschemi Rafsandschani Stellung bezogen, der meinte, es stehe nirgends geschrieben, dass man die USA auf ewig zum Feind haben müsse.

Kein Abschied vom guten alten Feindbild
Ajatollah Chamene‘i bezeichnete die USA einmal mehr als „Symbol des Feindes“, wobei er die Bezeichnung des Staates stets mit dem Wort „estkbar“ umschrieb, was soviel wie Arroganz bedeutet. Das ist nichts Neues, so redet die fundamentalistische Geistlichkeit schon seit 30 Jahren. Chamene‘i warnte jedenfalls davor, dass die USA versuche, das Atomabkommen zu nutzen, um im Iran wirtschaftlich, kulturell und politisch Fuß zu fassen. Davor müsse man sich in Acht nehmen. Er betonte, dass der Iran weiter auf der Seite der Unterdrückten in Jemen stehe und die territoriale Integrität Syriens und des Iraks verteidigen werde. Den „Islamischen Staat“ bezeichnete er als Gruppe von Ungläubigen, als eine Kreatur der USA. Ansonsten behauptete er, dass der Iran allen Islamischen Staaten die Hand reiche.
Nichts Neues also, ein deutliches Signal, dass der Ajatollah die liebgewordenen Feindbilder nicht aufgeben will. Das fällt auch schwer, schließlich muss er seine Mannschaft im Iran zusammenhalten, und je schlechter die Wirtschaftslage, desto schwerer fällt es ihm.

Was tut der Führer, um seinen Konkurrenten auszuschalten?
Spannend wird, was Ajatollah Chamene‘i in der Praxis tun wird, um Ajatollah Haschemi Rafsandschani auszuschalten. Denn solange dieser sich frei bewegen kann, ist er für das Volk eine praktikable Alternative, die man unterstützen kann, ohne sich selbst zu gefährden. Es besteht die Gefahr, dass ein Teil der Geistlichen und auch der Padaran und Bassidschis, sich auf diese Seite begibt. Reagiert Chamene‘i jetzt nicht, bedeutet die jüngste Erklärung Rafsandschanis einen Gesichtsverlust, reagiert er falsch, kommt es zu einer Spaltung, der sich quer durch den gesamten Herrschaftsapparat zieht.

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