Die iranische Wirtschaft liegt im Koma

Als Rouhani Präsident wurde, erklärte er gleich in seinem ersten Interview, dass er ein schweres Erbe von der Vorgängerregierung übernommen habe. Es gäbe zwei große Probleme in der Wirtschaft: die Depression und die Inflation. Das gleichzeitige Auftreten dieser beiden Phänomene sei nicht normal und eine Ausnahmeerscheinung. Er versprach der iranischen Bevölkerung, beide Probleme zusammen mit seinem Regierungs-Team zu lösen.

Seit etwa zwei Jahren wird im Iran eine Hochzinspolitik verfolgt, die der massiven Inflation entgegenwirken sollte. Teilweise wurden von den Banken bis zu 30% Zinsen pro Jahr bei Festgeld mit einer Laufzeit von fünf Jahren bezahlt. Die Schuldzinsen lagen sogar bei 50%. Dies machte es der Wirtschaft quasi unmöglich, Kredite aufzunehmen, man ließ sein Geld lieber bei der Bank. Die Folge war eine tiefe wirtschaftliche Depression.

Letztes Jahr hatten die Wirtschaftswissenschaftler eine kleine Erholung der iranischen Konjunktur mit einem Wachstum von 3% beobachtet und vorausgesagt, dass sich dieser Trend in diesem Jahr fortsetzen würde, aber sie hatten sich getäuscht. Dies war in der Annahme begründet, dass bei einem erfolgreichen Ausgang der Atomgespräche in den 5+1-Verhandlungen als erstes die Sanktionen beendet würden und danach die Wirtschaft im Iran schnell wieder wachsen würde. Die Atomgespräche zogen sich allerdings hin und auch wenn sich der erfolgreiche Ausgang mittlerweile abzuzeichnen beginnt, drehte sich die Konjunktur in der Praxis wieder Richtung Nullwachstum. Valiollah Seif, der Vorsitzende der iranischen Zentralbank hat in einem Interview gesagt, dass der Iran in den verbleibenden Monaten des laufenden Jahres (noch 6 Monate nach dem iranischen Kalender) große Wirtschaftsprobleme habe und das Wachstum sich auf 1% reduziere.

Viele Wirtschaftsfachleute und Unternehmer schätzen die Aussichten noch negativer ein und vermuten, dass die Konjunktur unter Null sinken könnte. In der Zeitung „Welt der Wirtschaft“ ist heute ein Artikel veröffentlicht worden, dessen Tenor lautet, dass die Wirtschaft des Landes unglaublich erlahmt sei und es für die iranische Zukunft sehr gefährlich würde. Während die Wirtschaftsmächte aus aller Welt in schneller Folge ihr Stelldichein im Iran gegeben haben, fragt man sich im Iran: Warum? Die iranische Wirtschaft liegt im Koma.

Ein Faktor sind die ausländischen Sanktionen. Es wurden zwar Atom-Vereinbarungen unterschrieben doch die Sanktionen sind de facto geblieben. Sie haben auch einen wichtigen psychologischen Einfluss auf die Wirtschaft. Die Wirtschaftsdelegationen alleine, die zwischen dem Iran und dem Ausland hin- und herreisen, können keine große Wirkung haben.

Ein weiterer, noch wichtigerer Faktor, ist, dass der Ölpreis so stark gefallen ist.

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