Irans Militäreinsatz in Syrien: Spätfolgen

Dieser Artikel, der am Freitag, den 23. Oktober 2015, von der Webseite iran-emrooz.net veröffentlicht wurde, stammt von Michael Eisenstadt am Washington Institute und wurde auch von Voice of America veröffentlicht.

Michael Eisenstadt schreibt, dass der iranische Militäreinsatz in Syrien zwar dem Iran geholfen hat, die 20% Schiiten unter den Muslimen hinter sich zu vereinen, allerdings auf Kosten einer Blockbildung unter den Sunniten, die dadurch die Schiiten als Bedrohung wahrnehmen. Das habe zu einem Zusammenrücken von Türkei, Saudi-Arabien und Qatar geführt, was das militärische Eingreifen Saudi-Arabiens im Jemen begünstigt habe. Die neue Frontenbildung zwischen Schiiten und Sunniten werde sich aber noch in den nächsten Jahrzehnten auswirken.

Der Arabische Frühling

Als nach den Umstürzen in Ägypten, Tunesien und Libyen auch die Herrschaft in Syrien zu wackeln begann, unterstützte das iranische Regime die Regierung Assad dabei, die Kontrolle über die Massen zu behalten. Die Regierung im Iran hatte 2009 erfolgreich vorgeführt, dass sie eine Protestbewegung von Millionen von Menschen niederschlagen konnte. So beriet sie das syrische Regime in Sachen Internet-Zensur und Technologien der Massen-Kontrolle.

Bürgerkrieg in Syrien

Die massive Unterdrückung der Proteste in Syrien im Jahr 2012 führte in einen Bürgerkrieg, in dem Assad unterlag. Nun mobilisierte der Iran die Hisbollah und schickte Einheiten der Pasdaran (Revolutionswächter) nach Syrien, um den Präsidenten zu „beraten“. Der Iran beaufsichtigte auch die Entsendung irakischer, afghanischer und pakistanischer Schiiten nach Syrien.

Die Bildung von „Volksmilizen“

Ein wichtiger iranischer Beitrag zum Erhalt des Regimes von Assad war die Bildung von Volksmilizen nach dem Vorbild der iranischen Bassidschis. So entstand eine neue Kraft von 100.000 bis 150.000 Kämpfern.


Iranische Tote in Syrien

Seit etwa zwei Jahren gibt der Iran öffentlich eigene Verluste in Syrien zu. In dieser Zeit sollen 140 Angehörige der Pasdaran in Syrien umgekommen sein. Angesichts der Stärke der Pasdaran im Iran (ca. 100.000 Mann) ist das wenig. Vermutlich dienen die Pasdaran vor allem dazu, die neu gebildeten syrischen „Volksmilizen“ zu trainieren und evtl. zu führen. Der Iran greift dem syrischen Regime außerdem mit Milliardenkrediten und Erdöllieferungen unter die Arme und hat somit auch wirtschaftlich im Land Fuß gefasst. So sind iranische Firmen damit beschäftigt, in Syrien Immobilien zu kaufen, Firmen zu gründen, sie bewerben sich bei staatlich ausgeschriebenen Aufträgen und versuchen, das Handelsnetz zu durchdringen.

Russland tritt auf den Plan

Mit dem militärischen Eingreifen Russlands auf der Seite von Baschar Assad hat der Iran einen Konkurrenten bekommen. Dennoch ist die Bilanz auf den ersten Blick positiv. Iran hat seinen einzigen regionalen Verbündeten, Baschar Assad in Syrien, an der Macht erhalten. Es kann Syrien weiterhin als Verbindungsbrücke zur Hisbollah im Libanon benutzen. Es hat bewiesen, dass es ein zuverlässiger Verbündeter ist und im Zweifelsfall auch noch den Großen Bruder in Moskau mobilisieren kann.

Die Haben-Seite

Mit russischer Rückendeckung können Syrien und der Iran versuchen, die Mittelmeer-Häfen von Tartus und Latakia zu benutzen, um die Hisbollah mit Raketen zur Bekämpfung von Schiffen und Flugobjekten zu versorgen, vorausgesetzt, Israel bemerkt es nicht. Außerdem kann der Iran Syrien dazu nutzen, Lang- und Mittelstreckenrakten in Syrien zu stationieren, um so die Infrastruktur an Israels Küste und eine Basis des NATO-Raketenabwehrsystems wirksamer zu bedrohen.

Die Schattenseiten

Der Iran konnte sich zwar im Nahen Osten als Schutzmacht der Schiiten etablieren, allerdings auf Kosten eines Bedrohungsgefühls unter den Sunniten, was bei diesen die Blockbildung begünstigte.

Bemerkung:

Die Analyse liest sich eher wie eine Schuldzuweisung an den Iran. Die USA, Westeuropa oder die Türkei scheinen als Akteure in Syrien nicht zu existieren. Man hat eher den Eindruck, als diene der Artikel dazu, neue Rüstungslieferungen an Israel zu rechtfertigen.

Quelle:

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/57986/

Biographie von Michael Eisenstadt:
Biography
Michael Eisenstadt is the Kahn Fellow and director of The Washington Institute’s Military and Security Studies Program. A specialist in Persian Gulf and Arab-Israeli security affairs, he has published widely on irregular and conventional warfare, and nuclear weapons proliferation in the Middle East.

Prior to joining the Institute in 1989, Mr. Eisenstadt worked as a military analyst with the U.S. government.
Mr. Eisenstadt served for twenty-six years as an officer in the U.S. Army Reserve before retiring in 2010. His military service included active-duty stints in Iraq with the United States Forces-Iraq headquarters (2010) and the Human Terrain System Assessment Team (2008); in Jerusalem, the West Bank, and Jordan with the U.S. Security Coordinator (USSC) for Israel and the Palestinian Authority (2008-2009); at U.S. Central Command headquarters and on the Joint Staff during Operation Enduring Freedom and the planning for Operation Iraqi Freedom (2001-2002); and in Turkey and Iraq during Operation Provide Comfort (1991).

http://www.washingtoninstitute.org/experts/view/eisenstadt-michael

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