Archiv für November 2015

Iran: Der Dollar ist stärker als die Atombombe

Im Iran gibt es jetzt einen Dollar zu einem Kurs von 3700 Tuman. Das ist eine drastische Verschlechterung des Wechselkurses und gewiss nicht das, was sich die Wähler von der Wahl des Präsidenten Rouhani erwartet haben. Immerhin hat er es geschafft, ein Abkommen mit den Westmächten über die atomare Abrüstung auszuhandeln. Die Hoffnung im Volk war die, dass mit dem Ende der Sanktionen die Wirtschaft wieder in Gang kommt und damit natürlich auch der Dollar wieder fließt. Es kommt leider anders. Warum?

Woher kommen die Dollars?
Die Deviseneinnahmen des Irans sind stark vom Erdölverkauf abhängig. Der Erdölpreis ist innerhalb eines Jahres um 60% gesunken. Hinzu kommt, dass im Iran auch die Fördermengen gesunken sind. Die Folge: in den letzten vier Jahren sind die Erdöleinnahmen des Irans von 110 Milliarden Dollar auf 25 Milliarden Dollar gefallen. Die Dollars fehlen jetzt.

Fallender Euro
Parallel dazu sinkt aus anderen Gründen der Kurs des Euros gegenüber dem Dollar, dadurch wird die Nachfrage nach dem Dollar auf dem Weltmarkt größer, sein Preis steigt weltweit. Diese Rechnung müssen alle Länder bezahlen.

Die Hände des Staats sind gebunden
Angesichts des Dollarmangels kann der iranische Staat den Importeuren nicht mehr den günstigen staatlichen Wechselkurs von 1 Dollar für 3000 Tuman bieten, jetzt kostet er 3100 Tuman, was den Preis auf dem freien Devisenmarkt erhöht.

Haushaltsdefizit
Vor dem Hintergrund der schweren Wirtschaftskrise im Iran hat der Staat nur 50% der geplanten Einnahmen erzielt, auch das untergräbt den Wert der eigenen Währung, weil es zu einer drastischen Mehrverschuldung des Staats führt.

Schluss mit der Hochzinspolitik
Die angekündigte Rücknahme der hohen staatlichen Zinsen für Ersparnisse führte zum Ansturm auf die Sparkonten. Der Wertverfall gegenüber dem Dollar veranlasst die Sparer, das Geld abzuheben und auf dem Schwarzmarkt gegen Dollar einzutauschen, was die Nachfrage und somit den Wechselkurs erhöht.

Der liebe Gott ist Schuld
Ja, und dann ist jetzt auch die Zeit der Pilgerreisen für die Gläubigen und Geschäftstüchtigen. Wer nach Kerbela im Irak reisen will, braucht auch Devisen…

Dollar statt Gold
In der letzten Zeit ist im Iran die Nachfrage nach Gold gesunken, entsprechend auch der Kurs und die Möglichkeit, damit zu spekulieren. Spekulanten aus diesem Bereich stürzen sich deshalb auch auf den rasch steigenden Dollar.

Inflation gesunken, aber zu hoch
Inflation zwar von 40% auf 14% gesunken, aber immer noch viel höher als in den meisten Industriestaaten, daher Flucht aus der iranischen Währung in stabilere Währungen.

Die Gießkanne ist leer
Die geringen staatlichen Dollar-Einnahmen durch Zentralbank (für’s Erdöl nur noch 25 Milliarden im Jahr) führen dazu, dass die Bank keinen Dollar mehr auf den Markt werfen kann, um den Kursanstieg zu dämpfen.

Wie man sieht, es gibt einen ganzen Strauß von Gründen, wieso es mit dem Wechselkurs des iranischen Rials bergab geht. Da die Industriestaaten kein Interesse an einer baldigen Erhöhung des Erdölpreises haben und ein Aufschwung der iranischen Industrie ohne Investitionen nicht möglich ist, wird sich die Lage nicht so rasch bessern.

Quelle:
Freydun Chawand auf der Webseite von Radio Farda, 30. November 2015
http://www.radiofarda.com/content/f8-dollar-vs-rial/27398003.html

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Erdogan in den Fußstapfen des Islamischen Staats?

Am 31. Oktober 2015 stürzte ein Flugzeug mit mehr als 200 russischen Passagieren ab, das von Scharm sch-Scheich nach St. Petersburg fliegen sollte. Spätere Auswertungen des Flugschreibers ergaben, dass die Behauptung des IS (Islamischer Staat), der die Verantwortung für den Absturz übernahm, wohl doch zutrafen und eine Bombe an Bord geschmuggelt worden war.
Am 24. November 2015 wird über Syrien ein russisches Militärflugzeug abgeschossen, eine SU-24. Der Unterschied ist groß. Die Opfer waren in diesem Fall zwei russische Militärs, die dabei waren, Bomben über Syrien abzuwerfen. Die Begründung für den Abschuss auf türkischer Seite ist scheinheilig: Das Flugzeug habe die türkische Grenze verletzt und nicht auf Warnungen reagiert. Die russische Seite bestreitet, dass es Warnungen gegeben habe, und weist darauf hin, dass das Flugzeug und die Besatzung über Syrien abgeschossen wurden und dass das türkische Kampfflugzeug dazu in den syrischen Luftraum eingedrungen sei. Über die Details mögen sich Militärs und Geheimdienste streiten, die Zugriff zu den Daten haben – wir haben sie nicht.

Ein geplanter Abschuss
Die Behauptung der türkischen Regierung, man habe nicht gewusst, dass es sich um ein russisches Flugzeug handle, klingt lächerlich. Die Türkei war Jahrzehnte der Frontstaat und das Ohr der NATO im Süden der Sowjetunion, natürlich kennen die türkischen Militärs die sowjetischen Flugzeugtypen.
Deswegen ist es beachtlich, wenn der Oberkommandierende der russischen Luftstreitkräfte Viktor Bondaryew erklärt, dass das türkische Flugzeug, das Luft-Luft-Raketen auf das russische Flugzeug abfeuerte, vom Boden aus dirigiert worden sei. (http://ria.ru/world/20151127/1330013643.html). Auch standen auf syrischer Seite Leute mit Videokamera bereit, den Abschuss aufzunehmen und ihn über youtube und die türkischen Medien zu verbreiten. Auch dies erfordere Vorbereitung.
Die Verantwortung für die tödlichen Schüsse auf den Piloten, der sich mit Fallschirm aus dem abgeschossenen Kampfflugzeug katapultiert hatte, übernahm ein Kommandant der „Turkmenischen Division“ der „Freien Syrischen Armee“, ein gewisser Alpaslan Celik, der nach Angaben der russischen Zeitung Moskovskiy Komsomolets den türkischen „Grauen Wölfen“ angehört. Die der MHP nahe stehenden Grauen Wölfe stehen zwar eigentlich in Opposition zur AKP-Regierung, aber wo sich die Interessen decken, haben sie freie Hand. So überrascht es nicht, dass die türkische Regierung dann den Leichnam des beim Fallschirmabsprung erschossenen Piloten von ihren Verbündeten in Syrien ausgehändigt bekam und am 29. November an Russland überstellen konnte.
(http://www.mk.ru/politics/2015/11/29/turciya-vernet-rossii-telo-ubitogo-pilota-su24.html)


Das strittige Gebiet: Die blaue Linie von Nord nach Süd ist der Euphrat, dort ist Cerablus auf syrischer Seite eingezeichnet (auf türkischer Seite ist der Übergang Karkamis). Nördlich von Azez liegt auf türkischer Seite Kilis. Die nächstgelegene türkische Großstadt ist Gaziantep, die man im Norden der Karte noch im Ausschnitt erkennt

Der Abschuss gilt den Kurden
Am 13. Oktober 2015 berichtete die türkische Tageszeitung radikal, dass die türkischen Machthaber beunruhigt seien, dass die kurdischen Milizen der PYD, die als Schwesternorganisation der PKK betrachtet wird, im Rahmen des Kampfes gegen den „Islamischen Staat“ sowohl von den USA als auch von Russland unterstützt würden. Namentlich dank russischer Unterstützung bereite sich die PYD darauf vor, das Gebiet westlich des Euphrat zwischen Cerablus und Azez einzunehmen. Im Juni habe die PYD durch Einnahme von Tel Abyad die kurdischen Kantone Kobani und Cizre vereinen können, jetzt versuche sie, den nördlichen Grenzstreifen westlich des Euphrat bis zum kurdischen Kanton Afrin einzunehmen. Auf diese Art würde an der syrischen Nordgrenze zur Türkei ein kurdischer Korridor entstehen. Diese Aussicht beunruhigt die türkischen Regierenden offensichtlich mehr als die Machtausübung des Islamischen Staates in Syrien.
(http://www.radikal.com.tr/turkiye/pydnin-firatin-batisina-gecmesi-kabul-edilemez-1451221/)
Auch Dogan Durgun schreibt am 29. November 2015 in der Zeitung Özgür Gündem, dass die türkischen Regierung vor allem verhindern wolle, dass die Kurden das Gebiet zwischen Kobani und Farin unter ihre Kontrolle bringen. Denn zum einen wollte die Türkei dort eine Pufferzone einrichten, in der sie die Flüchtlinge unterbringt, zum anderen ist der türkische Geheimdienst MIT in der Region Bayburcak, wo das Flugzeug abgeschossen ist, aktiv und fördert dort einige – auch islamistische Gruppen wie El Nusra.

Die Schmuggelbrüder
Und so, wie im Iran die Pasdaran (Revolutionswächter) ein reges Interesse an der Aufrechterhaltung des Embargos haben, um ihren profitablen Grenzschmuggel in großem Ausmaß zu betreiben, hat auch der türkische Staatspräsident Erdogan etwas zu verlieren, wenn die Grenze in die Händen der syrischen Kurden fällt. Immerhin ist der „Islamische Staat“ auf offene Grenzen für seine Erdölexporte angewiesen, und Erdogans Sohn soll da mitverdienen. Es ist auch kein Zufall, dass der neue Energieminister der Türkei ein Schwiegersohn von Erdogan ist. Auch heimliche Waffenlieferung an Islamisten in Syrien dürften schwer fallen, wenn die Grenze von Einheiten der syrisch-kurdischen PYD kontrolliert wird. Zwei türkische Journalisten wurden unlängst verhaftet, weil sie über diese Lieferungen recherchieren wollten.

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Ungewöhnliches Treffen zwischen Putin und Chamene‘i

Über zwei Stunden dauerte das gestrige Treffen zwischen dem russischen Staatspräsidenten Putin und Religionsführer Chamenei in Teheran

Im Rahmen des dritten Treffens der Gas-exportierenden Länder (Gas-OPEC) kam Putin nach Teheran und begab sich ohne Umwege direkt von seinem Flugzeug zum Religionsführer Chamenei, was äußerst ungewöhnlich ist. Als Gastgeschenk überreichte Putin eine wertvolle historische Originalausgabe des Korans.

Putin verbrachte über zwei Stunden im direkten Gespräch mit Chamene‘i. Es wurde nicht bekannt, was Gegenstand des Gesprächs war. Daher stellen sich nun alle die Frage: Was ist dort gesprochen worden?

War evtl. der Islamische Staat (IS) das beherrschende Thema? Der IS beansprucht für sich, genau so zu handeln, wie es der Koran vorschreibt. Auch im Iran versuchen die Mollas streng nach den Vorschriften des Korans zu handeln. Einerseits überreicht Putin also ein heiliges Buch, den Koran, andererseits lässt er in Syrien den IS bombardieren. Wie passt das zusammen? Welche Politik verfolgt Putin? Im Iran heisst es jedenfalls, Putin ist ein Fuchs.

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Iran: Dürre Zukunft

Wie berichtet, gab es im iranischen Aserbaidschan schon Kundgebungen gegen das Austrocknen des Urumije-Sees, das durch staatliche Projekte begünstigt wird. Um den Urumije-See leben 6 Millionen Menschen. Das allmähliche Austrocknen des Salz-Sees führt dazu, dass Salz mit den Stürmen über die Felder verstreut wird und den Boden unfruchtbar macht. Der Feinstaub macht den Menschen zu schaffen. Diese Umständen begünstigen eine Flucht aus der Region in die Großstädte wie Urumije und Tabris.

Im Zentraliran ist Wassermangel und Dürre ebenfalls ein schwerwiegendes Problem. Die Menschen ziehen in Städte wie wie Teheran, Karadsch oder Maschhad. Doch auch dort ist das Wasser nicht grenzenlos. Durch den Zustrom an Menschen werden illegale Brunnen betrieben, die das Grundwasser ausbeuten, bis es versickt. Stellenweise hat der Boden schon begonnen, einzusacken, was die Stabilität der Häuser in der Region beeinträchtigt. Beim nächsten Erdbeben sind sie reif für den Einsturz. Es braucht nicht viel Fantasie, sich auszumalen, dass der Iran in Zukunft ein wichtiges Herkunftsland für Dürreflüchtlinge sein dürfte.

Quelle:
http://shahrvand-newspaper.ir/news:nomobile/main/49734/

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Iran: Keine Gewalt gegen Frauen


Am vergangenen Donnerstag war weltweit der Tag zur Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen. In Sanandadsch, einer Stadt im iranischen Kurdistan, fand auf dem Friedhof am Grab von Amane Mohammadi eine Versammlung von Frauen statt, die folgende Forderungen erhoben:

  1. Die Täter und Auftraggeber des Mords an Amane Mohammadi sollen bestraft werden.
  2. Überarbeitung und Änderung von Gesetzen, die Frauen diskriminieren
  3. Verabschiedung von Gesetzen, die die Gleichberechtung von Mann und Frau in allen gesellschaftlichen Bereichen sicherstellen
  4. Einrichtung eines Zentrums zur Aufnahme und zum Schutz von bedrohten Frauen
  5. Aufklärung der Bevölkerung

Amane Mohammadi war selbst Opfer eines sogenannten „Ehrenmordes“.

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Teheran: Proteste vor Ewin-Gefängnis enden mit Verhaftungen


Dass vor dem Ewin-Gefängnis in Teheran Proteste der Angehörigen und ehemaliger Gefangener stattfinden, hatten wir wiederholt berichtet. Am Samstag, den 21. November 2015, fand wieder so ein Protest statt. Diesmal schlugen die Staatskräfte brutal zu, es kam zu einer beträchtlichen Zahl von Verhaftungen. Ein Teil der Verhafteten wurde ins Gefängnis Qaratschak bei Waramin verlegt, ein anderer Teil in die Sonderhafteinrichtung der Pasdaran innerhalb des Ewin-Gefängnisses – auch das eine Besonderheit. Schließlich ist es nicht unbedingt üblich, dass sich eine Streitmacht im Gefängnis ein eigenes Gefängnis mit eigenen Verhörbeamten einrichtet.

Quelle.
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=98819

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Iran: Abgeordenter überfällt Innenminister

Abd-ul-Wahed Mussawi Lari, der Innenminister des Irans, war am 19.11.2015 in Qaretschak (Waramin bei Teheran), um auf einer genehmigten Versammlung der iranischen Reformisten zu sprechen. Dies missfiel dem Parlamentsabgeordneten des Wahlkreises Waramin, Herrn Naqawi. Er organisierte eine Bande von Bassidschis, das sind Milizen, die heute den Revolutionswächtern unterstehen, und überfiel – natürlich ohne Genehmigung – die Versammelten. Beim Angriff fiel dem Innenminister der Turban vom Kopf. Naqawi berief sich bei seiner Attacke auf Äußerungen des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i, der die Reformisten als Herd der Unruhestifter bezeichnet hatte. Diesen „Unruhestiftern“ wolle man nicht gestatten, hier Fuß zu fassen, meinte Naqawi bei seinem Überfall.
Man darf davon ausgehen, dass die Täter nicht strafrechtlich verfolgt werden, da der Staatsapparat in den Händen der Fundamentalisten liegt, egal, wer die Regierung bildet.

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Kurdistan-Irak: Barsani, Onassis der Zukunft?

Solange der Islamische Staat (IS) im Irak und in Syrien kämpft, kann auch der irakische Kurdistan nicht abseits stehen. Einerseits sind bis jetzt angeblich eine Million Flüchtlinge aus Syrien im irakischen Kurdistan eingetroffen, andererseits kämpfen Truppen des autonomen kurdischen Staates im Irak gegen den IS. Sowohl die Unterbringung wie die Flüchtlinge und noch viel mehr der Krieg kosten Geld. Dies sollte die irakische Zentralregierung beisteuern, was sie angeblich nicht getan hat. So ist die kurdische Regierung in Erbil auf die Idee gekommen, das im kurdischen Gebiet geförderte Erdöl selbst zu verkaufen. Die irakische Zentralregierung protestierte, und so gab es anfänglich noch Absatzschwierigkeiten. Aber im Laufe der Zeit fanden die kurdischen Verkäufer Makler, die für Kundschaft sorgten. Derzeit sollen täglich eine halbe Million Fässer Rohöl aus irakisch-Kurdistan exportiert werden.

Das ist freilich nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist die, dass die Familie Barsani ihre Hände auf alle Einnahmequellen Kurdistans legt und sich massiv dagegen wehrt, dass die Einnahmen aus den Erdölverkäufen offen gelegt werden. Darüber hatten wir schon berichtet. Es darf angenommen werden, dass die Barsanis nur auf einen günstigen Vorwand und geeignete internationale politische Umstände warteten, um die Erdölexporteinnahmen in ihre Taschen fließen zu lassen. Ob sie sich dann so geschäftstüchtig erweisen wie Onassis oder nur so verschwenderisch wie gewisse Scheichs am Persischen Golf wird die Zukunft zeigen. Es ist typisch, dass Radio Farda, ein von den USA betriebener persischsprachiger Sender, genau diese Rolle der Familie Barsani ausklammert.

Quelle:
http://www.radiofarda.com/content/o2-sr-kurdistan-iraq-oil-market/27378490.html

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Iran: Auf nach Jerusalem!

Vergangenen Freitag fand in der Region Qom ein militärisches Manöver unter dem Namen „ela: beyt-ol-moqaddas“ (Vorwärts nach Jerusalem) statt, an dem 120 Bataillone der Bassidschi-Milizen teilnahmen. Insgesamt gibt es 500 „Imam-Hossein“-Bataillone und 1500 „Beyt-ol-Moqaddas“-Bataillone im Iran. Ein Bataillon fasst 300-800 Kämpfer, nimmt man als Durchschnitt 500 Personen an, so bedeutet dies 250000 Kämpfer in den Reihen den Imam-Hossein-Bataillonen und 750000 Kämpfer in den Reihen der Beyt-ol-Moqaddas-Bataillone.
Auch wenn der Name suggeriert, dass es um die Eroberung von Jerusalem geht, ist das erste erklärte Ziel dieser Einheiten die „Sicherung der Wahlen“, sprich, sollte es im Iran Proteste geben, können diese Truppen auch in den entferntesten Landesteilen eingesetzt werden.
Die Rhetorik ist noch immer islamistischer Expansionsdrang, aber die Praxis zielt darauf, das eigene Land besetzt zu halten, damit die Bevölkerung nicht aufmuckt.

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Iran: Menschenkette um die Sozialversicherung

Vergangenen Freitag, den 20. November 2015, fand vor der iranischen Sozialversicherung in Teheran eine Kundgebung von über 5000 Teilnehmern statt, die eine Menschenkette um das Gebäude bildeten. Die Teilnehmer protestierten gegen das Ausufern von befristeten Arbeitsverträgen, die die Menschen aus der Sozialversicherung ausschließen. Außerdem verlangten sie, dass die Verschmelzung der bankrotten Krankenversicherung mit der Arbeitslosenversicherung rückgängig gemacht werden soll. Ein Sprecher der Protestierenden erklärte, für diese Maßnahme gebe es überhaupt keine gesetzliche Grundlage.
Quelle:
http://www.kaleme.com/1394/08/29/klm-230051/

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Iran: Arbeit für Männer, Arbeitsverbot für Frauen

Seyed Yussef Tabataba‘i, der Vertreter des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i für die Provinz Isfahan und zugleich Freitagsprediger von Isfahan hat kürzlich erklärt, dass es falsch sei, den Frauen ein Recht auf Arbeit zu suggerieren. Es sei Aufgabe des Staates, dafür zu sorgen, dass die Männer Arbeit hätten, damit sie ihre Familie versorgen könnten und ihren finanziellen Verpflichtungen gegenüber der Ehefrau nachkommen könne. Den Frauen dagegen sollte man verbieten, in Behörden und auf den Märkten zu arbeiten. Der Freitagsprediger meinte auch, dass der Mann sich gedemüdigt fühle, wenn er sein Geld von der Frau erhalte, weil sie Arbeit habe und er nicht, während die Frau sich freue, wenn der Mann für ihren Unterhalt sorge.
Quelle:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=98660

Nachtrag: Solche Denkweisen gibt es auch hierzulande. So habe ich mit einem älteren Herrn gesprochen, der fand, dass die Tatsache, dass Frauen arbeiten, der Grund sei, wieso es Arbeitslosigkeit unter den Männern gebe.

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Attentate in Paris: Was sagt die iranische Linke?

Kerzen vor der französischen Botschaft
Auch vor der französischen Botschaft in Teheran waren die Beileidsbotschaften und Zeichen der Verbundenheit mit den Opfern der Anschläge in Paris zu sehen, wir hatten darüber berichtet. Die iranische Regierung zögert auch nicht damit, die Anschläge zu verurteilen, ist doch die IS ohnehin ihr Waffengegner in Syrien. Insoweit steht der Iran – die Regierung wie die Bevölkerung – auf der Seite der Opfer des Attentats. Interessant ist, wie diverse linke Gruppen mit dem Ereignis umgehen.

Tudeh-Partei spricht von Inszenierung
Ein Beispiel ist die kommunistische Tudeh-Partei. Sie vergleicht in einem Kommentar unter dem Titel „Yasdah-e septambr schab-e gosaschte dar paris tekrar schod“ (Der 11. September wurde vergangene Nacht in Paris wiederholt“) die Anschläge in Paris mit dem 11. September. Nun, das ist nichts Besonderes, andere tun das auch. Aber die Tudeh-Partei sieht in dem ganzen eine Inszenierung, wie auch im Anschlag vom 11. September. Letzterer habe nur dazu gedient, eine Rechtfertigung für die Besetzung Afghanistans und des Iraks zu schaffen. Und so sei es auch eine Inszenierung („Sahnesasi“), dass der französische Präsident zum deutsch-französischen Freundschaftsspiel im Stadium anwesend gewesen sei, um sich dann evakuieren zu lassen.

Vom gesunden Menschenverstand
Der oder die Verfasser nehmen es den französischen Behörden nicht ab, dass es angesichts der Sicherheitsmaßnahmen in der Hauptstadt überhaupt möglich gewesen wäre, so einen Anschlag unbemerkt und für die Behörden überraschend zu verüben: „Der gesunde Menschenverstand kann es nicht akzeptieren, dass die französische Polizei und der französische Sicherheitsapparat derart unwissend und überrascht sein könnten, wie es vergangene Nacht während der terroristischen Anschläge in Paris zur Schau getragen wurde. Das, was sich ändern muss, ist eine Änderung der Strategie der größten und einflussreichsten europäischen Staaten neben den USA und Israel im Nahen Osten, in Afghanistan und zumindest in Ostafrika. Solange diese Politik, die Libyen, Syrien und Afghanistan in ein Trümmerfeld verwandelt hat, solange die heimliche Unterstützung der IS (Islamischer Staat) und anderer gleichgesinnter Gruppen und die Zusammenarbeit mit ihnen nicht aufgehoben wird, begegnet man (wörtlich: das Volk) jedem Vorfall von der Art der vergangenen Nacht in Paris mit Zweifel und Misstrauen.“
Quelle:
http://www.pyknet.net/1394/05aban/23/page/paris.php
Wie man sieht, können sich die Verfasser von ihren Verschwörungstheorien nicht lösen. Alles Übel kommt demnach immer von außen.
Anders geht der Verfasser einer Analyse in der Internet-Zeitung von Rah-e Kargar (Hey‘at-e edschra‘i) (Weg des Arbeiters – Exekutivkomitee) vor.

Menschen im Nahen Osten – Menschen zweiter Klasse?
Unter dem Titel „Dschang-e bi-rahmane dar paris, beyrut, baghdad, scharm osch-scheich“ (Unerbittlicher Krieg in Paris, Beirut, Baghdad, Scharm osch-scheich) weist er auf etwas anderes hin. Nämlich dass andere Attentate des IS, wie der in Beirut am Vortag des Attentats von Paris, keineswegs so viel weltweite Anteilnahme ausgelöst hätten wie die in Paris, obwohl auch sie viele zivile Menschenleben trafen. Er stellt die Frage, ob Menschenleben im Nahen Osten weniger wert seien als die in Paris, dass diese so wenig Beachtung fänden. Die Antwort auf diese Frage würde einen längeren Ausflug in das Funktionieren der heutigen Medien bedeuten, man darf aber annehmen, dass mehr Menschen im Nahen Osten sich diese Frage stellen werden, unabhängig von ihrer politischen Richtung.
http://www.rahekargar.net/browsf.php?cId=1075&Id=399&pgn=

Fragen, die bleiben
Hier wurde nur an zwei Beispielen beleuchtet, was linke Gruppen im Iran zu den Attentaten von Paris schreiben. Was dort kaum zur Sprache kommt, ist aber die Frage, was denn der IS damit bezweckt, nicht nur in der Hochburg der Hisbollah in Libanon – die zusammen mit dem Iran und den syrischen Truppen gegen die Truppen des IS kämpft – Zivilisten zu ermorden, sondern auch mit dem Bombenanschlag auf ein Flugzeug mit russischen Touristen und mit den Anschlägen in Paris die Regierungen in Moskau und Paris gegen sich aufzubringen. Viel Feind viel Ehr? Das wird wohl nicht der Grund sein. Eher ist politisches Kalkül zu vermuten. Es liegt nahe, dass die verschärften Kontrollen und Durchsuchungen in Frankreich vor allem zu Lasten der dort lebenden Muslime gehen. Das schafft ein Gefühl von Entrechtung und Ohnmacht, das der IS neue Anhänger zuführt. Und Russland hat mit Tschetschenien auch noch einen gärenden Konflikt, neben den Marionettenregierungen in Tadschikistan und Usbekistan, die ihre Diktatur mit der „islamistischen Bedrohung“ rechtfertigen. Soll die Explosion des Touristenflugzeugs auch da die Verfolgung der Muslime anheizen? Ob das das Ziel der Anschläge ist? Wir wissen es nicht.

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Ahwas (Iran): Staat tötet Araber

Ahwas liegt nahe der irakischen Grenze. In der Region lebt eine arabische Minderheit, deren kulturellen Forderungen bislang vom iranischen Staat mit Gewalt und Verhaftungen, sogar mit Hinrichtungen beantwortet wurden. Vergangene Woche soll nun in Ahwas eine Versammlung von rund 100 „Banditen“ stattgefunden haben, wie es in der Polizeimeldung heißt. Die Polizei habe deren Versammlung auflösen wollen und sei dann mit Steinen beworfen worden, es seien angeblich sogar „heiße Waffen“ eingesetzt werden, auf Persisch ein Ausdruck für Schusswaffen. Ob das stimmt, können wir nicht feststellen. Faktum ist, dass die Polizei Verstärkung geholt hat und dann einen Jugendlichen erschossen hat. Als die Angehörigen protestierten, erklärte der Verantwortliche der Sicherheitsbehörden der Region Ahwas, die Versammelten seien von der Organisation „Islamischer Staat“ aufgehetzt worden. Es scheint nun Mode zu werden, allen, die dem Regime kritisch gegenüberstehen, das Etikett „IS“ anzuheften, dann kann man sich sicher sein, dass keine Kritik aus dem Ausland kommt…

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Der Islamische Staat: seine iranische Version


Fahrzeugkontrolle: sitzt das Kopftuch tief genug?

Sa‘id Montaser ol-Mehdi, Pressesprecher der iranischen Polizei, hat gestern, den 15.11.2015, öffentlich erklärt, dass im Iran von nun an alle Fahrzeuge beschlagnahmt werden, in denen „schlecht verschleierte“ Frauen sitzen. Die Fahrzeuge werden aus dem Verkehr gezogen und können ein Jahr nicht genutzt und nicht verkauft werden.


Beschlagnahmt: Grund schlechte Verschleierung

Dies ist kein Witz, sondern iranische Realität heute. Ein Geistlicher meinte deshalb kürzlich, es sei schon seltsam: Während der Wahlen frage keiner nach dem Kopftuch, da sei jede Stimme recht, aber sobald sie vorbei seien, mache man wieder Jagd auf die achtlosen Trägerinnen.

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Sistan und Balutschistan: Polizei schießt auf Autofahrer

Im Kreis Chasch in der Region Sistan und Balutschistan hat die Polizei vergangenen Donnerstag das Feuer auf einen jungen Autofahrer eröffnet und ihn dabei schwer am Bein verletzt. Die Polizei behauptet, er habe keinen Führerschein gehabt und nicht auf das Halt-Zeichen geachtet. Dieser Behauptung scheint die örtliche Bevölkerung keinen Glauben geschenkt zu haben, denn es kam anschließend zu einer Menschenansammlung am Ort des Geschehens. Die Bevölkerung attackierte dabei auch das Polizeiauto.

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