Nationalismus im Iran: vom Fernsehen auf die Straßen


Der Film, um den es geht
http://news.gooya.com/politics/archives/2015/11/204543.php

Kürzlich wurde im iranischen Fernsehen in der Sendung „fitile“ (Docht, Zündschnur), die für Kinder und Jugendliche bestimmt ist, ein Sketsch gezeigt, in dem sich zwei iranisch-aserbaidschanische Gäste, deren Persisch mit türkischen Wörtern durchsetzt ist, bei der Rezeption des Hotels beschweren, weil es in ihrem Zimmer so stinkt. Der Mann an der Rezeption versucht die beiden – Vater und Sohn – zu beschwichtigen, wobei er auch ein paar türkische Redewendungen zustande bringt, und den Grund der Beschwerde zu ermitteln. Es kommt heraus, dass der Vater dem Sohn die Zähne mit der Klobürste geputzt hat und dass es aus dem Mund des Sohnes stinkt. Der Rezeptionist versucht dem Vater diplomatisch beizubringen, dass es für kleine empfindliche Kindermünder extra kleine Zahnbürsten gibt…


Aseris demonstrieren gegen ihre Verunglimpfung im Fernsehen

Diese Art von Witz ist den iranischen Türken (Aseris) genauso sauer aufgestoßen wie einem in Deutschland die Türkenwitze auf den Wecker gehen können. Mehr noch, sie empfanden es als Beleidigung des aseri-türkischen Volks und gingen heute auf die Straße. In mehreren Städten – Tabris, Urumije, Ardabil und Meschkin-Schahr – kam es deshalb zu Zusammenstößen mit den angeblichen Sicherheitskräften, die nicht nur Knüppel, Tränengas und Pfefferspray einsetzten, sondern auch Sonderkräfte einsetzten, die mit dem Motorrad rücksichtslos in die Menge fuhren.


Motorrad-Armee vor dem Angriff aufs Volk

Das iranische Fernsehen reagierte zwar mit einer Entschuldigung für diese Sendung und versprach, die Schuldigen zu bestrafen, aber mit so einer Art von Polizeieinsätzen wird das Klima gewiss nicht besser. Dem Staat ist offensichtlich bewusst, dass er hier ein riskantes Spiel spielt, aber er ist offensichtlich nicht willens und nicht fähig, über den Schatten des persischen Nationalismus hinwegzuspringen. Das verheißt nichts Gutes für den Fortbestand des Staates, denn dieses Regime wird genauso wegbrechen, wie die Sowjetunion, und dann können solche gärenden Konflikte enden wie in Jugoslawien.

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