Iran: Der Dollar ist stärker als die Atombombe

Im Iran gibt es jetzt einen Dollar zu einem Kurs von 3700 Tuman. Das ist eine drastische Verschlechterung des Wechselkurses und gewiss nicht das, was sich die Wähler von der Wahl des Präsidenten Rouhani erwartet haben. Immerhin hat er es geschafft, ein Abkommen mit den Westmächten über die atomare Abrüstung auszuhandeln. Die Hoffnung im Volk war die, dass mit dem Ende der Sanktionen die Wirtschaft wieder in Gang kommt und damit natürlich auch der Dollar wieder fließt. Es kommt leider anders. Warum?

Woher kommen die Dollars?
Die Deviseneinnahmen des Irans sind stark vom Erdölverkauf abhängig. Der Erdölpreis ist innerhalb eines Jahres um 60% gesunken. Hinzu kommt, dass im Iran auch die Fördermengen gesunken sind. Die Folge: in den letzten vier Jahren sind die Erdöleinnahmen des Irans von 110 Milliarden Dollar auf 25 Milliarden Dollar gefallen. Die Dollars fehlen jetzt.

Fallender Euro
Parallel dazu sinkt aus anderen Gründen der Kurs des Euros gegenüber dem Dollar, dadurch wird die Nachfrage nach dem Dollar auf dem Weltmarkt größer, sein Preis steigt weltweit. Diese Rechnung müssen alle Länder bezahlen.

Die Hände des Staats sind gebunden
Angesichts des Dollarmangels kann der iranische Staat den Importeuren nicht mehr den günstigen staatlichen Wechselkurs von 1 Dollar für 3000 Tuman bieten, jetzt kostet er 3100 Tuman, was den Preis auf dem freien Devisenmarkt erhöht.

Haushaltsdefizit
Vor dem Hintergrund der schweren Wirtschaftskrise im Iran hat der Staat nur 50% der geplanten Einnahmen erzielt, auch das untergräbt den Wert der eigenen Währung, weil es zu einer drastischen Mehrverschuldung des Staats führt.

Schluss mit der Hochzinspolitik
Die angekündigte Rücknahme der hohen staatlichen Zinsen für Ersparnisse führte zum Ansturm auf die Sparkonten. Der Wertverfall gegenüber dem Dollar veranlasst die Sparer, das Geld abzuheben und auf dem Schwarzmarkt gegen Dollar einzutauschen, was die Nachfrage und somit den Wechselkurs erhöht.

Der liebe Gott ist Schuld
Ja, und dann ist jetzt auch die Zeit der Pilgerreisen für die Gläubigen und Geschäftstüchtigen. Wer nach Kerbela im Irak reisen will, braucht auch Devisen…

Dollar statt Gold
In der letzten Zeit ist im Iran die Nachfrage nach Gold gesunken, entsprechend auch der Kurs und die Möglichkeit, damit zu spekulieren. Spekulanten aus diesem Bereich stürzen sich deshalb auch auf den rasch steigenden Dollar.

Inflation gesunken, aber zu hoch
Inflation zwar von 40% auf 14% gesunken, aber immer noch viel höher als in den meisten Industriestaaten, daher Flucht aus der iranischen Währung in stabilere Währungen.

Die Gießkanne ist leer
Die geringen staatlichen Dollar-Einnahmen durch Zentralbank (für’s Erdöl nur noch 25 Milliarden im Jahr) führen dazu, dass die Bank keinen Dollar mehr auf den Markt werfen kann, um den Kursanstieg zu dämpfen.

Wie man sieht, es gibt einen ganzen Strauß von Gründen, wieso es mit dem Wechselkurs des iranischen Rials bergab geht. Da die Industriestaaten kein Interesse an einer baldigen Erhöhung des Erdölpreises haben und ein Aufschwung der iranischen Industrie ohne Investitionen nicht möglich ist, wird sich die Lage nicht so rasch bessern.

Quelle:
Freydun Chawand auf der Webseite von Radio Farda, 30. November 2015
http://www.radiofarda.com/content/f8-dollar-vs-rial/27398003.html

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