Iran: Offener Brief von 296 Professoren

296 Professoren aus dem ganzen Iran haben einen offenen Brief an Staatspräsident Hassan Rouhani gerichtet, der am Montag, den 8. Februar 2016, auf iranischen Webseiten veröffentlicht wurde.

Die Professoren gratulieren darin zum Erfolg in den Atomverhandlungen, die zur Aufhebung der Sanktionen geführt haben. Sie fordern nun eine vergleichbare Anstrengung im Namen der „nationalen Aussöhnung“, um die Gegensätze im Land ebenfalls auf dem Verhandlungsweg zu lösen. Ansonsten sei die territoriale Integrität des Irans in Gefahr, wie die Situation in den Nachbarstaaten zeige.

Ohne die Dinge beim Namen zu nennen, fordern die Professoren hiermit, die Interessen der verschiedenen Volksgruppen im Iran zu berücksichtigen, also die der Kurden, Turkmenen, Aseris, Balutschen, Araber und anderer. Auch der Gegensatz zwischen Sunniten und Schiiten wird hier angesprochen, denn im Iran sind auch Sunniten staatlicher Unterdrückung ausgesetzt. Um eine „nationale Aussöhnung“ zu ermöglichen, seien offene Wahlen erforderlich, in denen die verschiedenen Positionen im Wettkampf stünden.

Wenn die Regierung dies nicht garantieren könne, sei es besser, auf deren Abhaltung zu verzichten. Damit ist nicht gemeint, dass die Wahlen nicht stattfinden sollen, denn laut Verfassung wird alle vier Jahre das Parlament gewählt, vielmehr verbirgt sich dahinter die Forderung an den Präsidenten, für den Fall, dass er auf die Streichung so vieler Kandidaten durch den Wächterrat keinen Einfluss nehmen kann, selbst zurückzutreten. Dann läge die Durchführung der Wahlen in der Hand des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i und der Pasdaran – und wahrscheinlich würde nur ein Bruchteil der Wähler hingehen.

Hassan Rouhani hat mit seinem Vergleich vom Kleiderkauf letztlich schon abgelehnt, was die Professoren fordern. Aber die Analyse trifft zu. Wenn die iranischen Machthaber weiterhin so rücksichtslos gegen die verschiedenen Volks- und Religionsgruppen vorgehen, leisten sie ihren Beitrag zum Zerfall des Landes. Der Irak ist gespalten, Syrien, und es ist denkbar, dass Organisationen wie der Islamische Staat auch versuchen, im Iran Fuß zu fassen.

Quelle:
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/02/208282.php

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