Türkei im Krieg – zwei Fronten geschlossen, zehn neue eröffnet

Wie berichtet, begann Mitte Dezember 2015 die Eroberung von Straßengräben und Barrikaden in drei türkischen Ortschaften: in Sur (Diyarbakır), in Silopi (Şırnak) und in Cizre (Şırnak). An den drei Orten hatte sich die PKK verbarrikadiert, wohl um „autonome Zonen“ zu schaffen. Die türkische Armeeführung nahm den Auftrag zur „Säuberung von Terroristen“ wohl erst an, nachdem ihr Staatspräsident Erdogan zwei Dinge zugesichert hatte: 1. Straffreiheit 2. das Militär entscheidet, wann der Krieg zu Ende ist.
Die Meldungen der Webseite des türkischen Generalstabs über den Verlauf des Kriegs (www.tsk.tr) bezüglich der Kämpfe in Silopi (Şırnak) enden Ende Januar 2016, wobei wohl auch eine beachtliche Zahl von Kämpfern (mehrere Dutzend!) in die Hände der Staatsorgane fiel, als sie versuchten, den Kampfort zu verlassen und unter der Bevölkerung unterzutauchen. Von den beiden anderen Kampforten wurde derartiges nicht gemeldet. Inzwischen scheinen auch die Kämpfe in Cizre beendet, es gibt Tage, da taucht der Ort nicht mehr in den Armeemeldungen auf. Es fällt aber auf, dass seit 10. Februar von unter den Trümmern gefundenen Leichen von „Terroristen“ die Rede ist, 12 am 10. Februar, 24 am 11., 30 am 12. (korrigiert auf 31 am 13.), 13 am 17. Februar, macht also 80 Leichenfunde bis zum 19. Februar 2016. Ein Teil davon war schon davor als „unschädlich“ gemacht in den Armeestatistiken gezählt worden, der Totenstand für Cizre betrug zuletzt (17.2.2016) 663. Der einzige Ort, wo anscheinend noch bewaffneter Widerstand geleistet wird, ist Sur (Diyarbakır), mit amtlich 219 toten „Terroristen“ (am 19.2.2016).
Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Für den 16. Februar berichtet die Armeeseite von „Operationen“ in Bulanık (Provinz Muş), Erciş (Van) und in Sason (Batman), sowie von einem „Feldzug der Luftwaffe“ in Nusaybin (Mardin) – also in vier neuen Kampfzonen.
Für den 17. Februar vermeldet sie „Operationen“ in Bulanik (Mus,), Sason (Batman), Ovacik (Tunceli). Da ist ein fünftes Kriegsgebiet dazugekommen.
Für den 18. Februar meldet sie eine Operation mit 5 „unschädlich gemachten“ Terroristen in İdil (Şırnak), für den 19. Februar Operationen mit einem weiteren toten Terroristen in İdil (Şırnak), sowie Operationen in Kulp (Diyarbakır), in Sarıkamış (Kars), in Bitlis und in Gürpınar (Van).
Macht nochmals 5 neue Kriegsgebiete, insgesamt 10 neue in vier Tagen.
In İdil (Şırnak) hat die Armee schon wieder begonnen, die Toten zu addieren (bis 19. Februar 6), was darauf hindeutet, dass sie dort mit längeren Kämpfen rechnet. Dies könnte ein Indiz sein, dass die PKK die Kämpfer aus Silopi nach İdil verlagert hat, deshalb auch der Versuch, im Volk unterzutauchen.
Aus Yüksekova in der Provinz Hakkâri berichtet die Armee außerdem zum 19. Februar, dass bei einer Wegkontrolle vier Personen verhaftet wurden, die von zu Hause geflohen waren, um sich einer „separatistischen Terrororganisation“ anzuschließen, drei von ihnen Kinder.

Quelle:
http://www.tsk.tr/4_olaylar/4_2_onemli_yurtici_olaylar/onemliyurticiolaylar.html
(an verschiedenen Daten abgerufen)

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