Erlangen: Selbstmord eines iranischen Flüchtlings


Hossein Rahimi, Erlangen

Wie die persische Webseite peykeiran am 20. April 2016 unter Berufung auf einen Bericht des BBC meldet, hat ein iranischer Jugendlicher in Erlangen in der Nacht zuvor Selbstmord begangen. Es handelt sich um den 16-Jährigen Hossein Rahimi, der zusammen mit seinen Eltern in einer Massenunterkunft für Flüchtlinge in Erlangen untergebracht war. Wie sein Vater Behnam Rahimi gegenüber dem persischsprachigen Dienst des BBC erklärte, hat sein Sohn, der sich außerhalb des Lagers erhängt hatte, einen Brief hinterlassen. Darin hatte er geschrieben, dass er dieses Leben nicht mehr aushalte.
Herr Rahimi sagte gegenüber dem BBC: „Wir sind vor etwa 6 Monaten nach Deutschland eingereist und haben die ersten zwei Monate in einem Lager verbracht. Dann hat man uns versprochen, dass wir in eine Wohnung verlegt würden, um aus dieser Lage rauszukommen. Seit vier Monaten sind wir nun in einer Basketballhalle untergebracht, wo Männer, Frauen und Kinder aus den verschiedensten Nationen unter schlechten Bedingungen leben.“
Er sagte weiter: „Um meinen Sohn aus der schlechten gesellschaftlichen Lage im Iran zu befreien, habe ich ihn über das Meer nach Europa und dann nach Deutschland gebracht. Aber die Bedingungen unserer Unterbringung in der Basektballhalle waren so schlecht, dass mein Sohn einen Antrag gestellt hatte, in den Iran zurückkehren zu dürfen. Obwohl ich eingewilligt hatte, wurde der Antrag abgelehnt, ihn zurückzuschicken.“
Nach den Worten seines Vaters war sein Sohn Hossein in eine depressive Stimmung geraten: „Er hatte den Verantwortlichen des Lagers wiederholt gesagt, sie sollten ihn nach Hause schicken oder er werde Selbstmord begehen.“
Wie sein Vater berichtet, hatte sein Sohn auch „ein oder zwei Mal durch Schlucken von Tabletten und Aufschneiden des Handgelenks“ versucht, Selbstmord zu begehen.
Peykeiran schreibt zum Schluss: „Weitere Einzelheiten zu diesem Vorfall wurden nicht veröffentlicht.“
Tatsächlich führt eine Suche bei google.de auch zu keinem Treffer, der auf diesen Sachverhalt führt.
Auch auf dem Presseportal des Polizeipräsidiums Mittelfranken ist nichts zu finden. Warum?

Kommentar: Angesichts der vorausgegangenen Selbstmordversuche und der offen ausgesprochenen Selbstmordäußerungen gegenüber zuständigen Personen hätte eine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung nahe gelegen. Warum ist dies nicht geschehen? Gab es keine Sozialbetreuung in dieser Sporthalle, die die kritische Verfassung des Jugendlichen hätte feststellen können und die vermutlich auch einen Arzt vermittelt hätte?
Diese Frage lässt sich nur vor Ort klären. Das erweckt den Toten nicht zum Leben, aber eine Aufklärung und eine bessere Organisation der Betreuung könnte helfen, solche Todesfälle zu verhindern.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=107053

Presseportal Polizeipräsidium Mittelfranken:
http://www.presseportal.de/blaulicht/nr/6013
http://www.presseportal.de/blaulicht/nr/6013/27

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