Archiv für Mai 2016

Auf Befehl von Religionsführer Chamene‘i wird Minu Chaleqi endgültig vom iranischen Parlament ausgeschlossen.


Der Abgeordneten Minu Chaleqi bleibt der Sitz im iranischen Parlament versagt

Wir haben berichtet, wie die frisch gewählte Paralementsabgeordnete von Isfahan, Minu Chaleqi, durch den Wächterrat vom Parlament ausgeschlossen werden sollte. Für diesen nachträglichen Ausschluss bestand keine gesetzliche Grundlage. Höchstens das Parlament selbst hätte Minu Chaleqi nach den Wahlen noch ausschließen können, keinesfalls aber der Wächterrat.

Nun kam es zu Vermittlungsbemühungen seitens der Regierung Rouhani und des Wächterrates. Der Wächterrat blieb bei seiner ablehnenden Position. Diesen Beschluss hat der Religionsführer Chamene‘i nun endgültig bestätigt. In einem offiziellen Schreiben ans Parlament teilte er mit, dass Minu Chaleqi vom Parlament ausgeschlossen bleibt.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Schiraz (Iran): Streik für ausstehenden Lohn

Die Belegschaft des Telekommunikationsunternehmens ITI in der Stadt Schiras streikt seit heute, den 31. Mai 2016, für ausstehende Löhne.

In der Vergangenheit waren die Angestellten immer wieder vertröstet worden, wenn es um die Auszahlung der ihnen zustehenden Löhnen ging. Der Arbeitgeber vertröstete sie auf ein oder 2 Monate später, dann sollten die Löhne überwiesen werden. Was nicht geschah. Insgesamt schuldet der Arbeitgeber seinen Angestellten 30 Mrd. Toman (ca. 7,5 Mio. Euro).

Der Streik hat während des Tages begonnen und soll in der Nacht fortgesetzt werden – daher die im Hintegrund sichtbaren Zelte. Die Beschäftigten haben sich vor dem Bürogebäude versammelt und zeigen ihre Transparente.

Nicht nur die Angestellten sondern auch ehemalige Angestellte sind vor Ort. Einerseits warten entlassene Angestellte auf ihre Abfindungen. Außerdem haben Rentner zu wenig oder gar keine Betriebsrente mehr erhalten.

Auf diesem Transparent beschweren sich die Angestellten über eine Anzeige in der Zeitung, wo das Unternehmen zum Verkauf angeboten wurde. Sie fragen, warum bei der Anzeige nicht erwähnt wurde, dass das Unternehmen ausstehende Löhne nicht bezahlt hat.

Das Unternehmen stand vor einem halben Jahr schon einmal zum Verkauf. Das hatte aber nicht geklappt, weil schon damals die Belegschaft gestreikt hatte.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Irans Nomaden: Almauftrieb

Almauftrieb der Familien der Baqir-Bek Yurdi, aus dem Großverband der Tschelebiyanlu von Qara-Dagh, die ihre Sommerweidegebiete 30 km nordwestlich von Ahar (Region Ost-Aserbaidschan, Iran) und 40 km südwestlich von Kalibar im Arasbaran-Gebirge haben.


Wo liegt das?


nach der Beschreibung liegt das Ziel südlich des roten Kreises

Dieses Jahr hat sich der Auftrieb wegen des schlechten Wetters und der Krankheit tab-e barfaki (Schneefieber), wie die Maul- und Klauenseuche im Iran heißt, um 20 Tage verzögert.

diese und viele weitere Fotos finden sich auf:
http://tabnak.ir/fa/news/592955/%DA%A9%D9%88%DA%86-%D8%B9%D8%B4%D8%A7%DB%8C%D8%B1-%D9%82%D8%B1%D9%87-%D8%AF%D8%A7%D8%BA
vom 8. Chordad 1395 (28. Mai 2016)
kuche ashayere qara-dagh (Almauftrieb der Nomaden ins Asbaran-Gebirge)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Arbeitnehmerrechte im Islam: Auspeitschung


Der Staat steht hinter den Ausbeutern: Auspeitschung von Bergarbeitern

Im Dezember 2014 hatte die Firma Puya Zarkan, der Hauptkontraktunternehmer zur Ausbeutung des Goldbergwerks Aq-Dare in West-Aserbaidschan (Iran), 350 Arbeitnehmer entlassen, die nur Zeitverträge besaßen. Ein Arbeitnehmer beging darauf Selbstmord. Seine entlassenen Kollegen versammelten sich damals (6. Dey 1393 = 26. Dezember 2014) vor dem Bergwerk, worauf es zu einem Handgemenge zwischen den Arbeitern und den Wächtern des Bergwerks kam. Darauf verklagte der Arbeitgeber die entlassenen Arbeiter wegen Unruhestiftung. Erst jetzt erging ein Gerichtsurteil. 17 Arbeiter wurden zu Gefängnisstrafen zwischen 37 Monaten und 5 Jahren verurteilt, zu 20 bis 50 Peitschenschlägen und zu einer Geldstrafe von 500.000 Tuman. Die Haftstrafe müssen sie noch verbüßen, das Geld wurde ihnen gleich abgeknöpft und ausgepeitscht wurden sie auch schon, nämlich gestern.
Steht so zwar nicht im Koran, aber entscheidend ist nicht, was dort steht, sondern wer ihn auslegt…
Gegen das Urteil und die Vollstreckung haben 460 Intellektuelle im Iran protestiert: Ihr Motto – Auspeitschung ist nicht die Antwort auf Forderungen der Arbeitnehmer!

Quellen:
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=73903
vom 9. Chordad 1395 (29. Mai 2016)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Vom Schlusslicht an die Spitze


Ahmad Dschannati, Vorsitzender des Wächterrats, nun auch des Expertenrats

Wir hatten berichtet: Am 26. Februar 2016 fanden im Iran Wahlen zum Parlament und zum Expertenrat statt. Bei den Parlamentswahlen setzten sich die sogenannten Reformer durch, bei den Wahlen zum Expertenrat wurden zentrale Figuren des islamistischen Regimes von den Wählern nicht wiedergewählt. Zu diesen Personen gehörte auch Ahmad Dschannati, der zugleich auch Vorsitzender des Wächterrats ist. Es bedurfte erst einiger Aktivitäten hinter den Kulissen – so dem „freiwilligen“ Verzicht gewählter Kandidaten zum Expertenrat und dem nirgends erklärten Fehlen von 36 Millionen Stimmen (72 Millionen Stimmen waren in Teheran zu vergeben), dass Ahmad Dschannati mit Ach und Krach als Schlusslicht in den Expertenrat einzog. Am 4. Chordad 2016 (24. Mai 2016) fanden nun die Wahlen des neuen Vorsitzenden des Expertenrats statt. Stolzer Sieger: Ahmad Dschannati mit 51 der 88 möglichen Stimmen. Wir hatten damals geschrieben, dass von den 88 Mitgliedern des Expertenrats 51 geblieben sind, und dass unter den neuen gerade mal 12 Personen waren, die den Reformern oder den Gemäßigten nahe stehen. Insofern bräuchte das Ergebnis nicht zu verwundern.


Schuss in den Nationalfarben

Ein Schuss aus der Signalpistole
Aber so einfach ist die Sache nicht. Immerhin hatte Ajatollah Rafsandschani bei den Wahlen zum Expertenrat die höchste Stimmenzahl erhalten, und erreichte ohne Wahlfälschung den ersten Platz unter den gewählten. Das würde normal als Eintrittskarte zum Amt des Vorsitzenden genügen. Die Rechnung sieht anders aus: Wenn derjenige, der vom Volk abgewählt wurde, nun an die Spitze eines Gremiums gewählt wird, das über die Nachfolge des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i entscheidet, ist das ein Signal ans Volk: Schaut her, euer Protest hat euch nichts gebracht. Wir sind immer noch da und wir haben das Sagen.


vorne rechts sieht aus wie Kopfsalat, in der Mitte sieht aus wie Laridschani

Der zweite Schuss fällt im Parlament
Nein, diesmal sind es symbolische Schüsse, im Parlament hat keiner geschossen. Am Sonntag, den 29. Mai 2016, fanden im neu gewählten Parlament Wahlen ins provisorische Präsidium des Parlaments und die Wahl des Parlamentssekretärs statt. Im Parlament hatte die Reformliste Omid 121 Sitze gewonnen, die Liste des Kritikers Ali Mottahari bekam weitere 11 Abgeordnete, für die Fundamentalisten zogen 83 Abgeordnete ein, von insgesamt 290. Die sogenannten Unabhängigen gewannen 65 Sitze. Bei diesen Verhältnissen sollte man erwarten, dass derjenige, der mit der höchsten Stimmenzahl (1,6 Millionen) von der Bevölkerung gewählt wurde, nämlich Mohammad-Resa Aref, auch zum (vorerst provisorischen) Parlamentspräsidenten gewählt wird. Es kam anders. Zum neuen Parlamentspräsidenten wurde der bisherige gewählt, nämlich Ali Laridschani, mit 173 Stimmen. Erster Stellvertreter wurde Mas’ud Peseschkian mit 154 Stimmen, zweiter Stellvertreter Mohammad Dehqan mit 136 Stimmen. Mohammad-Resa Aref erhielt nur 103 Stimmen. Das bedeutet, dass nicht einmal die Abgeordneten der Liste Omid geschlossen für ihren Kandidaten gestimmt haben. Auch hier die klare Botschaft ans Volk: Egal, wen ihr wählt, Ihr habt nichts zu entscheiden.

Was ist los im Parlament?
Natürlich wetterten die den Reformern nahestehenden Medien gleich vom Verrat. Immerhin ist deutlich, dass unter den gewählten Abgeordneten der Liste Omid nicht für ihren Parteikollegen gestimmt haben. Aber dieser Protest klingt nicht sehr glaubwürdig. Die Wähler können die Abgeordneten, die ihnen auf einer Liste vorgeschlagen werden, nur durch Mundpropaganda und eventuellen Zugang zum zensierten Internet beurteilen. Aber die Parteikollegen kennen in der Regel die Vorgeschichte der Kandidaten in ihrem Wahlkreis. Das bedeutet, dass sie eigentlich keinen Grund dazu haben, von „Verrat“ zu jammern.

Gründe, für den Gegner zu stimmen
Ein Kritiker des Systems, Sadeq Siba-Kalam (Ziba-Kalam), hat das treffend ausgedrückt. Nehmen wir an, Aref wird gewählt. Mit wem will er denn reden? Der Religiöse Führer wird ihn vermutlich ignorieren, die Pasdaran ebenfalls, und über Geldmittel hat er auch nicht zu entscheiden, denn die Laufen über die dunklen Kanäle des Pasdaran-Schattenstaats, einschließlich der Erdöleinnahmen. Da ist es doch besser, Laridschani zu wählen. Der hat einen einflussreichen Bruder, nämlich den obersten Vorsitzenden der Justiz, einen engen Verbündeten von Ajatollah Chamene’i. Und nicht zu vergessen die Besucher, die sich in letzter Zeit im Parlament einfanden, um den Abgeordneten „ihre Ehre zu erweisen“. Das war die geballte Macht der Waffenträger, mit entsprechend viel Sternchen auf den Schultern. Egal ob von den Streitkräften, den Revolutionswächtern oder den Bassidschi-Milizen. Die mögen auch auf den Ausgang der Abstimmung eingewirkt haben.

Die verborgene Koalition
Der eigentliche Grund für diese auf den ersten Blick überraschenden Wahlergebnisse dürfte aber ganz woanders liegen. Es geht nicht nur darum, den Wählern eine lange Nase zu drehen und Ätschi-Bätschi zu sagen, sondern vor allem um eine Entscheidung der Gewählten, auf welcher Seite sie stehen wollen. Natürlich hätten sie anders abstimmen können, aber was passiert, wenn die Bevölkerung daraus den Schluss zieht, dass ihre Stimme zählt? Was passiert, wenn sie plötzlich wieder zu Millionen auf die Straßen kommt und weitere Reformen fordert? Wer gibt die Garantie, dass man sie wieder nach Hause schicken kann, selbst wenn man ein Blutbad anrichtet? Auch die sogenannten Reformer sind in der Regel Anhänger des islamistischen Regimes und wollen es erhalten, weil sie davon ausgehen, dass nach einer Revolution das letzte Stündlein für alle geschlagen hat, die auf der Seite der Turbanträger stehen. Denn nach 37 Jahren „Islamische Republik“ wissen die Iraner besser, was ein „islamischer Staat“ ist, als die Mehrheit der Iraker oder Syrer, die erst am Anfang der Leidensgeschichte stehen.
Vor diesem Hintergrund ist die Wahl von Laridschani und Dschannati eine Richtungsentscheidung der Gewählten.

Der Joker
Und dass keiner auf die Idee kommt, die Mollas für dumm zu halten. Denn dass sie die Wirtschaftskrise nicht in den Griff bekommen, wissen sie auch, und so haben sie in der Schublade noch den Plan B. Wenn trotz bester Bemühungen das Volk schließlich doch auf die Straßen strömt, gibt es ja da noch die scharfen Kritiker des Regimes, Ali Mottahari und Fa’ese Rafsandschani. Die können sich dann immer noch an die Spitze der Mengen stellen und sie dazu ermutigen, Fernsehstation und Behörden zu stürmen. Sie sind beliebt, und es ist absehbar, dass die Bevölkerung dann diese zum Führer ihrer Forderungen machen wird. Ali Mottaharis Schwester ist mit Ali Laridschani verheiratet, dem Parlamentspräsidenten, und Fa’ese Rafsandschani ist immerhin die Tochter von Ajatollah Akbar Haschemi Rafsandschani. Dann bleibt die Macht immer noch in der Familie!

Quellen:
http://www.radiofarda.com/content/f8-janati/27754808.html
vom 10. Chordad 1395 (30. Mai 2016)
ma°naye entexabe ahmade jannati dar xobregan chist?
(Was für eine Bedeutung hat die Wahl von Ahmad Dschannati im Expertenrat?)

http://www.radiofarda.com/content/f7-pkg-over-iran-parliament-temporary-presidium/27764027.html
vom 10. Chordad 1395 (30. Mai 2016)
entexabe hey’ate ra’iseye mowaqqate majlese dahom che payami ba xod dasht?
(Welche Botschaft verbirgt sich hinter der Wahl des provisorischen Parlamentspräsidiums?)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Rachejustiz


Catherine Ashton (links) mit Narges Mohammadi (rechts außen) und Gouhar Eschqi, die Mutter von Satar Beheschti, ein an staatlicher Folter gestorbener Blogger (zweite von rechts)

Am 8. März 2014, dem Internationalen Tag der Frau, hatte Catherine Ashton, die damalige Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik, bei einem Besuch in Teheran auch mehrere iranische Menschenrechtsaktivistinnen getroffen, darunter Narges Mohammadi. Narges Mohammadi war nach den Protesten gegen die Wahlfälschung vom Juni 2009 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Sie war in Haft schwer erkrankt und litt unter anderem an Muskellähmung.

Beim Treffen mit der „EU-Außenministerin“ nahm sie kein Blatt vor den Mund. Dafür, dass die österreichische Botschaft in Teheran das Treffen vermittelt hatte, wurde ihr eine „Protestkundgebung von Studenten“ angedroht, eine der Varianten, mit der das Regime die Unverletzlichkeit der Botschaften angreift. Die Methoden im Iran reichen dabei von Geiselnahme über Gewalttätigkeiten bis zu Brandstiftung, wie zuletzt bei den Vertretungen von Saudiarabien in Maschhad und Teheran.

Jetzt hat die iranische Justiz mit einem sehr bekannten Namen wieder zugeschlagen. Das Revolutionstribunal Teheran unter dem Vorsitz von Richter Salawati hat Narges Mohammadi jetzt wegen „Gründung der Kampagne Legam“ (was sachlich falsch ist), wegen „Bildung einer Vereinigung und kriminelle Tätigkeit gegen das System“ und wegen „Propaganda gegen das System“ zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt.
Man darf gespannt sein, wie die EU reagiert.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=109272
vom 03. Chordad 1395 (23. Mai 2016)
enteqam az narges mohammadi baraye didar bo katrin eshton


Aufruf


Wir rufen alle fortschriftlichen Menschen dazu auf, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für Narges Mohammadi einzusetzen. Leiten Sie diese Nachricht in Ihrem Bekanntenkreis weiter, informieren Sie sich selbst und andere über die lebensbedrohliche Situation von Narges Mohammadi. Schreiben Sie Briefe an den Religionsführer Ali Khamenei, den Chef der Justiz Sadegh Larijani, den iranischen Staatspräsidenten Hassan Rouhani und an Ali Majedi, den Leiter der iranischen Botschaft in Berlin.

RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed ‚Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader, Islamic Republic Street – End of Shahid Keshvar Doust Street
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
E-Mail: info_leader@leader.ir
Twitter: @khamenei_ir

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
[c/o] Public Relations Office
Number 4, 2 Azizi Street intersection
Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
E-Mail: info@dadiran.ir
(Betreff: FAO Ayatollah Sadegh Larijani)

KOPIEN AN
PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
The Presidency
Pasteur Street
Pasteur Square
Tehran, IRAN
E-Mail: media@rouhani.ir
Twitter: @HassanRouhani (Englisch) und
@Rouhani_ir (Persisch)

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herr Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de oder info@iranbotschaft.de

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Karun-Fluss in Gefahr


Die Bevölkerung in Ahwas, einer der heißen Regionen im Westen Irans, ist darüber besorgt, dass Wasser aus dem Karun-Fluss in andere Regionen umgeleitet werden soll. Sie befürchten, dass der Karun dann ebenso austrocknet, wie dies bei einem anderen Umleitungsprojekt der Fall war, dem Sayande-Rud in Isfahan.

http://www.akhbar-rooz.com/news.jsp?essayId=73790
vom 3. Chordad 1395 (23.05.2016)
tajammo°e mojaddade shahrvandane ahvazi dar e°teraz be enteqale abe karun

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Journalist wieder im Gefängnis


Mohammad Sadiq Kabudwand

Der iranische Journalist und Menschenrechtsverteidiger Mohammad Sadiq Kabudwand, der 2007 wegen „staatsfeindlicher Tätigkeit“ zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt wurde – in der Berufung auf 10 Jahre reduziert, ist noch immer in Haft. Aufgrund seines miserablen Gesundheitszustands und des Versuchs, ihm zusätzliche Delikte anzuhängen, ist er Donnerstag, den 19. Mai 2016, in Hungerstreik getreten. Er wurde darauf am Samstag, den 21. Mai 2016, ins Taleqani-Krankenhaus verlegt. Da er aber seinen Hungerstreik nicht abbricht, solange auf seine Forderungen nicht eingegangen wird, wurde er heute wieder ins Gefängnis zurück verlegt.

http://www.akhbar-rooz.com/news.jsp?essayId=73789
vom 3. Chordad 1395 (23. Mai 2016)
bazgashte mohammad sadiq kabudwand az bimarestan be zendan, tadawome e°tesabe ghad_a

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Gerüchte von einem Attentat im Sitz des Religiösen Führers


angebliches Schreiben von Modschtaba Chamene‘i, in dem von einem Vorfall und dem „Märtyrertod“ einer Person die Rede ist

Die Nachrichtenseite gooya.com berichtete am Samstag, den 21. Mai 2016, unter Berufung auf Meldungen der Webseite „Chabarnameye Melliye Iraniyan“, dass am 7. Ordibehescht 1395 (26. April 2016) im Amtsitz des Religiösen Führers des Irans, also von Ajatollah Chamene’i, Schüsse gefallen seien. Ein Leibwächter habe das Feuer eröffnet, der Amtsleiter Hodschatoleslam Mohammad Mohammadi-Golpayegani sei dabei verletzt werden, außerdem auch andere Leibweichter. Mohammad Mohammadi-Golpayegani sei darauf in eine nahegelegene Klinik verlegt worden, aufgrund der starken Blutverluste aber dann ins Bahman-Krankenhaus überführt worden. Er hätte eigentlich zwei, drei Tage später wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden sollen, ist aber bislang nicht mehr an der Öffentlichkeit aufgetaucht. Bei der Amtseinführung des neuen Direktors der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt Seda wa Sima, der vom religiösen Führer direkt bestimmt wird, fiel auch die Abwesenheit von Ajatollah Chamene’i auf, der normalerweise zu so einem Anlass erscheint. Es heißt, nach dem Vorfall in seinem Amtssitz traue der den Leibwächtern nicht mehr, die mit seinem Schutz betraut sind. Ein weiteres Indiz für diesen Vorfall ist ein im Internet veröffentlichtes Schreiben, dass angeblich von Ajatollah Chamene’is Sohn Modschtaba Chamene’i stammt und in dem ebenfalls von einem „Vorfall, der sich ereignet hat“ die Rede ist sowie vom „Märtyrertod unseres lieben Bruders Hadsch Hassan Akbari“. Bruder ist hier kein Verwandtschaftsverhältnis sondern hat eine ähnliche Funktion wie das Wort „Genosse“ unter Kommunisten.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/05/212560.php
vom 1. Chordad 1395 (21. Mai 2016)
edde°aye sayte xabarnameye melliye iraniyan: hadet_eye tirandazi dar beyte rahbari
(Behauptung der Webseite Chabarnameye melliye Iraniyan (Nationale Nachrichten der Iraner): im Sitz des Religiösen Führers sind Schüsse gefallen)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Frauenfeinde: der real existierende Islam im Iran


Der Menschenfeind – ein Bild von Pieter Bruegel d. Ä., die Ähnlichkeit zu den Ajatollahs täuscht: er lässt die anderen wenigstens in Ruhe…

Vergangene Woche wollte die Musikgruppe von Schahram Naseri (Shahram Nazeri) ein vorher genehmigtes Konzert traditioneller iranischer Musik in Nejschabur geben. Aber die Genehmigung des Innenministeriums und des Ministeriums für religiöse Aufklärung nützte nichts. Die Mollas vor Ort, namentlich der von Ajatollah Chamene’i eingesetzte Freitagsprediger hetzten gegen die Gruppe von der Kanzel. Die organisierten Fundamentalisten blockierten den Frauen der Musikgruppe den Zugang. Entweder ohne Frauen oder gar nicht, lautete ihre Drohung. Die Gruppe von Schahram Naseri sagte daher das Konzert ab. Das stieß bei den Zuhörern auf massiven Protest.

Frauenverbot auch in Isfahan
Vergangenen Freitag, den 20.05.2016, wollte die Gruppe ein Konzert in Isfahan geben. Aber auch hier wurde ihr aufgrund der Einmischung aus der gleichen politischen Ecke kurzfristig verboten, die Frauen im Konzert auftreten zu lassen. Da in Isfahan angesichts der umstrittenen nachträglichen Annullierung der Wahl der lokalen Abgeordneten Minu Chaleqi ohnehin die Stimmung in der Bevölkerung auf Protest steht, beschloss die Musik-Gruppe, trotzdem aufzutreten und das Publikum auch als Adressat für den Protest gegen diese Politik nutzen. Schahram Naseri erklärte: „Der Platz der Frauen in unsere Musikgruppe ist leer. Es darf nicht sein, dass ein Mensch aufgrund seines Geschlechts daran gehindert wird, seine Kunst vorzutragen.“


Bild von einem früheren Konzert der Gruppe von Schahram Naseri in Isfahan

Kampf den Engstirnigen
Schahrm Naseri sprach weiter: „Heute muss ich mich entweder von der Welt der Musik verabschieden und mich zu Hause verkriechen, oder ich muss meine Heimat verlassen, oder ich muss zur Förderung der Musik dieses Landes und zur seelischen Aufmunterung des Volks einen Schritt vorwärts machen und mit diesen engstirnigen Gestalten den Kampf aufnehmen. Ich habe den dritten Weg gewählt.“

Quelle:
http://www.radiofarda.com/content/f7-female-musicians-of-group-not-allowed-to-join-nazeri-concert-in-isfahan/27749410.html
vom 21.05.2016 (1. Chordad 1395)
jelougiri az hozure navazandegane zan dar konserte shahram nazeri dar esfahan
(Verhinderung der Teilnahme von Musikerinnen am Konzert von Schahram Naseri in Isfahan)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Türkei – Denunziantenstaat

Wie die türkische Tageszeitung Evrensel (Universell) auf ihrer Webseite am 18. Mai 2016 berichtete, wurde in İzmit, der Hauptstadt der an die Provinz Istanbul angrenzenden Provinz Kocaeli, eine Presse-Erklärung der türkischen Gewerkschaft BES abgebrochen. Ein Bürger hatte sich an die Polizei mit der Behauptung gewandt, ein Mitglied der Gewerkschaft habe den Staatspräsidenten (Erdogan) beleidigt. Die Polizei wollte daraufhin das Gewerkschaftsmitglied Ayhan Yüce umgehend verhaften. Einer Intervention der CHP-Abgeordneten des Wahlkreises Kocaeli, Frau Hürriyet Kaplan, war zu verdanken, dass es wenigstens nicht dazu kam. Die BES ist eine Gewerkschaft, die Arbeitnehmer im Bereich Bürowesen, Banken und Versicherung vertritt und in zahlreichen staatlichen Einrichtungen vertreten. Sie soll über 18000 Mitglieder haben.
An dieser Stelle sei auch daran erinnert, dass die Staatsanwaltschaft Mainz laut Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 27. April 2016 mehrere Hundert Strafanzeigen gegen Jan Böhmermann wegen „Beleidigung des Staatspräsidenten“ (Erdogan) erhalten hat.
Auch die Webseite des Generalstabs der Türkischen Armee berichtet immer wieder von Fahndungserfolgen Dank Denunziationen von Bürgern, so am 13. Mai 2016 in der kurdischen Provinz Siirt, wo 700 kg Ammoniumnitrat in 83 Dampfdruckkochtöpfen auf dem Gelände einer Grundschule entdeckt worden seien.

Zuwendung zum Rechtsstaat?
So unerquicklich die Erscheinung des Denunziantentums ist, könnte man sie ja als Indiz dafür werten, dass die türkischen Bürger (und Bürgerinnen?) zunehmend mehr zu rechtsstaatlichen Methoden greifen und auf die Justiz vertrauen, statt zu Selbstjustiz zu greifen. Das wäre eine Fehldeutung. Nicht nur der Mord an Hrant Dink, auch der Mordversuch am Cumhuriyet-Chefredakteur Can Dündar in einer Pause der Gerichtsverhandlung vom 6. Mai 2016, zeigen deutlich, dass der Griff zur Waffe nach wie vor als Alternative gesehen wird. In den beiden Fällen wird deutlich, dass die Täter aus einem „patriotisch“ gesinnten Milieu stammen. Insofern ist das Denunziantentum kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu den Methoden der körperlichen Gewalt.

Die Wurzeln
Dass Denunziantentum zur Festigung der staatlichen Gewalt eingesetzt wird, ist auch in der Türkei nicht neu. Anfang der 1980-er Jahre kam ein Reiseleiter aus Konstanz für mehrere Monate hinter Gittern, weil er im Osten der Türkei in Zusammenhang mit armenisch-christlichen Denkmälern auch vom Völkermord an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts gesprochen hatte. Ein deutsch sprechender Türke verpfiff ihn bei der Polizei und der Reiseführer wurde verhaftet. Das Denunziantentum ist letztlich Ausdruck einer Nationalismuspolitik, die dem kleinen Bürger Macht verschafft, indem er angebliche Gegner an den Staat ausliefert. Der Bürger wird stark – so glaubt er, indem er den Staat stark macht. Auf Kosten von Feinden, die ihm die staatliche Propaganda serviert.

Bürger zu Kollaboranten
Erdogan kann sich daher rühmen, ein Heer von kostenlosen informellen Mitarbeitern geschaffen zu haben. Dabei macht er sich die nationalistische Denkweise zunutze, die unter Atatürks Zeitgenossen und Nachfolgern herrschte und darin bestand, alles als „Feinde“ auszugrenzen, die sich dem türkischen Nationalismus nicht unterordnen wollten. Das betraf bevorzugt Kurden, Armenier und internationalistisch denkende Linke. Durch die Wiederaufnahme des Kriegs gegen bewaffnete Kurden (PKK) hat Erdogan wieder die nationalistische Atmosphäre geschaffen, mit der sich die Bürger mobilisieren lassen. Heute bekommt man in der Türkei schon Probleme, wenn man Frieden – als Gegensatz zum Krieg – fordert, denn in der Türkei gibt es keinen Krieg, sondern nur „Kampf gegen Terrorismus“. Obwohl Erdogan also das gleiche Vorgehen und Vokabular wie seine türkisch-nationalistischen Vorgänger benutzt, setzt er diese Methoden zu anderen Zielen ein: Ihm geht es darum, die ohnehin bescheidene staatliche Gewaltenteilung zu zerstören und alles den Befugnissen des Präsidenten unterzuordnen. Am Ende steht kein gestärkter Staat, was den Bürgern vorgetäuscht wird, sondern ein gestärkter Alleinherrscher.

Quellen:
http://www.evrensel.net/haber/280468/basin-aciklamasi-sirasinda-cumhurbaskanina-hakaret-fisleme
Basın açıklaması sırasında ‚Cumhurbaşkanına hakaret‘ fişleme, İŞÇİ-SENDİKA
18 Mayıs 2016 22:23

https://tr.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCro_Emek%C3%A7ileri_Sendikas%C4%B1
abgerufen 20.05.2016

http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/528327/Karar_kursun_gibi_agir…_Gazetecilik_m_hkum_edildi.html
7 Mayıs 2016 Cumartesi

http://www.tsk.tr/4_olaylar/4_2_onemli_yurtici_olaylar/onemliyurticiolaylar.html
13 Mayıs 2016: Siirt’de, Gökçebağ Beldesi İlköğretim Okulu bölgesinde vatandaşların ihbarı üzerine yapılan aramada, ayrı ayrı 83 düdüklü tencere içerisine hazırlanmış toplam 700 kg el yapımı patlayıcı (amonyum nitrat) ele geçirilerek imha edilmiştir.

http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/529162/Can_Dundar_a_saldiran_Murat_Sahin__Sedat_Peker_e_mesaj_mi_atti_.html
7 Mayıs 2016 Cumartesi

http://www.sueddeutsche.de/medien/streit-um-erdoan-gedicht-zahl-der-strafanzeigen-gegen-boehmermann-steigt-auf-mehrere-hundert-1.2968939
27. April 2016, 09:32 Uhr
Streit um Erdoğan-Gedicht: Zahl der Strafanzeigen gegen Böhmermann steigt auf mehrere Hundert. Laut der Mainzer Staatsanwaltschaft liegt die Zahl „im oberen dreistelligen Bereich“.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Festnahmen und Strafverfahren gegen iranische Modelszene

Am gestrigen Montag, den 16.5.2016, kam es im Iran zu Festnahmen von acht iranischen Models, die angeblich auf Instagram oder anderen sozialen Medien Fotos von sich mit „unislamischer Kleidung“ – z.B. ohne den islamischen Schleier – verbreitet haben sollen. Gegen 21 weitere Personen wurde ein Strafverfahren eröffnet.


Instagram – Foto von einem durch das iranische Regime zensierten Model-Account

Im iranischen Fernsehen wurde berichtet, dass seit zwei Jahren eine verdeckte Organisation unter dem Namen „Spinne II“ die iranische Modelszene ins Visir genommen hat. In ihrem Fokus sind etwa 170 Personen, darunter 58 Models, die ihre Fotos auf Instagram veröffentlichen, 59 Fotografen und Makeup-Künstler sowie 51 Manager von Modesalons.

Der im Fernsehen sprechende Ermittler Javad Babaei teilte mit, dass die verdeckte Organisation über eine Datenbank mit 300 Instagram-Accounts verfügt. In der gleichen TV – Sendung wurde ein Model gezeigt, dass bei ihrem Prozess Reue zeigte und ihren „Fehler“ zugab.

Instagram ist äußerst poplär im Iran und wird aus diesem Grund auch von den iranischen Behörden blokiert. Das hindert die Iraner keineswegs, die einfachen technischen Maßnahmen zu umgehen. Einzelne der betroffenen Models haben über 500.000 Followers bei Instagram.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iranischer Verein Sanat Naft Abadan steigt in die Profiliga auf

Am Montag, den 16.5.2016 gewann die Mannschaft von Sanat Naft Abadan gegen Fajr Sepasi mit 2:1. Dadurch stieg der Verein in die iranische Profiliga auf. Die Freude seiner Fans ist unermesslich.

Sanat Naft Abadan ist ein iranischer Fußballverein, der vor allem von der Erdölrafinerie der Stadt Abadan gesponsert wird. Die Trikotfarben orientieren sich seit den 1970er Jahren an den brasilianischen Nationalfarben und ihr Vorbild ist der brasilianische Fußball.

Vgl. Wikipedia

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Toleranz im Islam – zwei Welten

Wer den Koran liest, findet sowohl Sätze, die religiöse Toleranz und Respekt vor anderen Religionen – zumindest einigen – nahelegen, als auch andere Sätze, die das Gegenteil predigen. Das Ausmaß der Toleranz nahm in dem Maß ab, in dem der Prophet Mohammad an Macht gewannt. Eine bekannte Erscheinung in der Entwicklung diverser Weltanschauungen.
Aus diesem Grund macht es wenig Sinn, sich den Koran um die Ohren zu werfen, um zu beweisen, wessen Interpretation Recht hat. Böse gesagt: Recht hat, wer die Macht hat. Und das sind derzeit in der Islamischen Republik Iran und auch im sogenannten „Islamischen Staat“ in Syrien und Irak diejenigen, die von Toleranz nichts halten.


Fariba Kamal-Abadi, die Frau rechts neben Fayese Haschemi (letztere im Tschador)

Umstrittener Besuch
Das bedeutet aber nicht, dass es dort keine Moslems gäbe, die das Gegenteil für richtig halten. Sie haben eben nur keine Macht. Zu diesen gehört sogar die Tochter des Ajatollahs Rafsandschani, Fayese Haschemi.
Sie besuchte vergangene Woche Fariba Kamal-Abadi, eine langjährige politische Gefangene, die in der Gruppe Yarane Iran (Freunde des Irans) aktiv war. Yarane Iran ist Teil der Baha’i-Bewegung, einer relativ jungen Religion, die im 19. Jahrhundert im Iran entstanden ist. Fariba Kamal-Abadi hatte jetzt nach 8 Jahren Gefängnis einen Hafturlaub von 5 Tagen erhalten, in dessen Rahmen sie sich sowohl mit Fayese Haschemi als auch mit der iranischen Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotude traf.
Von diesem Treffen zwischen Fayese Haschemi und Fariba Kamal-Abadi gab es auch ein Foto, das sich rasch im Internet verbreitete. Für die iranischen Fundamentalisten, also den bewaffneten Komplex von Pasdaran, Bassidschis und „spontanen Elementen“ sowie den verbündeten Geistlichen um den Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i, war dies ein gefundenes Fressen.


Fatwa gegen die Baha‘is von Ajatollah Chamene‘i, Juli 2009 – der handschriftliche Satz unter dem Brief

Fatwa des Ajatollahs behandelt Baha’is wie Aussätzige
Rasch holten sie eine Fatwa (Verbindliche religiöse Rechtsauskunft) des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i vom 20. Mordad 1388 (Juli 2009) bezüglich der Religionsgemeinschaft der Baha’i aus der Schublade. Damals hatte er geschrieben: „Man soll sich jeglichen Kontakts mit dieser hochgradig schädlichen Sekte enthalten.“
(az har gune mo°asherat ba in ferqeye zalle parhiz shawad)

Die Hetze geht los
Darauf wurde Fayese Haschemi beschuldigt, gegen die islamischen Grundsätze verstoßen zu haben, indem sie sich mit Fariba Kamal-Abadi traf. Ihr Vater, Ajatollah Haschemi Rafsandschani, ein windiger Politprofi, trat gleich auf Distanz und erklärte, sie habe etwas Schlechtes getan und müsse den Schaden wieder gutmachen. (Kare badi karde, bayad inra jobran konad)

Die ungehorsame Tochter
Fayese Haschemi gab darauf in einem Interview Contra. Sie habe überhaupt nichts Schlechtes getan. Und zudem sei sie mit Fariba Kamal-Abadi in einer Zelle gesessen. Fariba habe sie in der Haftzeit sehr unterstützt. Und als Mensch zu Mensch habe sie das Recht, sich für die Unterstützung in dieser schweren Zeit dankbar zu zeigen. Außerdem verwies sie auf ein Beispiel aus dem Leben von Imam Ali – eine zentrale Figur im Schiitentum, der dem islamischen Militär-Befehlshaber Malek Aschtar erklärt habe, er müsse Menschen anderer Überzeugung respektvoll behandeln. Fayese Haschemi fügte hinzu, dass sie eine Anhängerin der Menschenrechte sei und dass den Baha’is Unrecht angetan wurde.

Fayese for President?
Es versteht sich, dass Fayese Haschemi mit ihrem entschiedenen Eintreten für Toleranz unter der Bevölkerung an Beliebtheit gewinnt. Nicht ohne Grund hatte der Wächterrat ihre Teilnahme an den diesjährigen Parlamentswahlen abgelehnt, aus Angst, dass sie zu viele Stimmen bekommt. Aber in einem Land, in dem so vieles hinter verschlossenen Türen verläuft, ist die Neigung groß, solche Ereignisse als politische Intrige wahrzunehmen. Dadurch, dass auch nach Aufhebung der Sanktionen die meisten Banken weltweit zurückhaltend sind – die Struktur des Systems hat sich ja nicht geändert, geht es auch mit der Wirtschaft noch nicht aufwärts. Die Machthaber rechnen schon seit einiger Zeit mit erneuten Massendemonstrationen wie im Jahr 2009. Nun, sollen die Massen kommen und Karubi und Mirhossein Mussawi aus dem Hausarrest befreien, Fayese Haschemi auf den Schultern tragen und zur Präsidentin machen. Zumindest bleibt die Macht in der Familie, und keine der genannten Personen wird die Islamische Republik abschaffen. Das ist das kleinere Übel aus der Sicht der Machthaber, die nichts mehr fürchten als eine Revolution, die das ganze islamische Regime wegfegt.

Quellen:
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/05/212271.php
rewayate fayeze hashemi wa nasrin sotude az didar ba zendaniye baha‘i
vom 24. Ordibehescht 1395 / 13. Mai 2016
http://www.radiofarda.com/content/f14_iran_bahai_society_faezeh_hashemi/27734243.html
Hamle be xanewadeye rafsanjani dar peye didare fayeze hashemi ba rahbare baha‘i
vom 25. Ordibehescht 1395 / 14. Mai 2016
https://fa.wikipedia.org/wiki/%DB%8C%D8%A7%D8%B1%D8%A7%D9%86_%D8%A7%DB%8C%D8%B1%D8%A7%D9%86
yarane iran, abgerufen am 16. Mai 2016
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahaitum
abgerufen am 16. Mai 2016

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Das Geld der Heiligen stinkt

Am Donnerstag, den 12. Mai 2016, fand in Maschhad, einem religiösen Zentrum des Irans, eine Kundgebung statt. Mit dieser Demonstration brachten die Opfer finanzieller Machenschaften ihren Protest zum Ausdruck, die ihr Geld Finanzinstituten anvertraut hatten, die den Pasdaran, der Justizverwaltung und der Stiftung des Imam-Resa-Heiligtums gehören. Die Reaktion der sogenannten Sicherheitsorgane bestand darin, bestimmte Straßen zu sperren und Menschenansammlungen gewaltsam aufzulösen. Ein Video-Film vom Polizeieinsatz, der auf der Webseite von Peyke-Iran zu sehen war, ist nicht mehr abgreifbar.

Quelle:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=108539
sarkube shadide tazahorate emruz mashhad + film
Massive Niederschlagung der heutigen Demonstration in Maschhad
vom 23. Ordibehescht 1395 / 12. Mai 2016

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email