Kindesmissbrauch – nicht nur bei der Katholischen Kirche


In der Mitte: Mohammad Gandom-Neschade Tussi, kurz Sa’id Tussi

Mohammad Gandom-Neschade Tussi, kurz Sa’id Tussi genannt, ist ein berühmter Mann im Iran. Er gehört zu den Koran-Vorlesern, die in der Gunst des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i stehen und zu verschiedenen Anlässen geladen werden, um aus dem Koran zu lesen.
Koran hin, Koran her, sein Umgang mit Kindern, die das Koranlesen bei ihm Lernen wollten, würde nicht nur im Iran, sondern auch in westlichen Staaten unter das Strafgesetzbuch fallen, Kategorie: Missbrauch von Minderjährigen. Seit über fünf Jahren sind deshalb gegen ihn die Klagen der Eltern von fünf Kindern anhängig, ohne Erfolg. Die Staatsanwaltschaft stellte zwar die Daten zusammen, aber die Justiz, die sich sonst nicht gerade durch Schnelligkeit auszeichnete, lehnte die Anzeige schon nach einem Tag als unbegründet ab. Die Eltern der Opfer ließen nicht locker, ihre Anwälte wandten sich mit einem erneuten Klageantrag an Dscha’far Doulatabadi, den Staatsanwalt der Stadt Teheran. Dieser lehnte eine Klageerhebung ab. Der mutmaßliche Täter, Sa‘id Tussi, wurde rasch auf freien Fuß gesetzt und nutzte die Zeit, die Eltern der betroffenen Kinder zu bedrohen oder ihnen Geld anzubieten, wenn sie die Klage zurückziehen. Die Eltern gingen nicht darauf ein, so dass die Angelegenheit nach den Regeln der islamischen Justiz noch nicht abgeschlossen ist.
Die Webseite Amad-News hat nun den Fall aufgegriffen und die Vorwürfe aus den Akten veröffentlicht. Das sollte den Druck auf die Justiz erhöhen, sich des Falls endlich ernsthaft anzunehmen.
Eine erste Reaktion gab es auch schon. Vergangene Woche, am 7. Juni 2016, war Sa’id Tussi vom Religiösen Führer eingeladen worden, öffentlich zum Fest des Fastenbrechens am ersten Tag des Fastenmonats Ramadan aus dem Koran zu lesen. Die Botschaft ist klar: Lasst die Finger weg von ihm, er steht unter meinem Schutz.
Wie wir sehen, halten nicht nur Bischöfe ihre schützende Hand über den sexuellen Missbrauch von Jugendlichen durch Geistliche, in der Islamischen Republik Iran geht es den Opfern nicht besser. Solange die Herrschaft der Geistlichen nicht beendet wird, besteht auch wenig Hoffnung auf Gerechtigkeit. Aber immerhin hat die Veröffentlichung der Vorwürfe ein Gutes. Die Eltern anderer Kinder sind gewarnt, sie werden es sich wohl überlegen, ob sie diesem Mann ihre Kinder anvertrauen.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/06/213559.php
vom 24. Chordad 1395 (13.06.2016)
qari-ye qor’an mottaham-e a°mal-e manafi-ye °effat, nazde rahbari raft

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