Iran: Der Parlamentspräsident nennt Zahlen

Ali Laridschani, der iranische Parlamentspräsident, hat auf dem 12. Landeskongress der Islamischen Ingenieursvereinigung (des Irans) eine Rede gehalten, die sich im Gegensatz zum Titel des Artikels in Iran-emrooz.net „Warum ist die wirtschaftliche Lage des Landes nicht angemessen?“ nicht groß mit Ursachenforschung befasst, dafür aber deutlich macht, wie heruntergewirtschaftet der Iran nach 37 Jahren als Islamische Republik ist.
In seiner Rede sagte Ali Laridschani:

Inflationsrate: Platz 180 unter 188 Staaten

„Das Bruttosozialprodukt pro Kopf ist einer der Indikatoren für die Wirtschaftslage eines Landes. Unter 185 Staaten nehmen wir Platz 94 ein. Was die wirtschaftliche Freiheit angeht, belegen wir unter 178 Staaten Rang 171. Das bedeutet, dass der Wettbewerb in unserem Land sehr gering ist (…). Unter 104 Staaten nimmt unser Land hinsichtlich der Arbeitslosenquote Rang 82 ein. Es gibt nicht viele Staaten, in denen die Arbeitslosenrate zweistellig ist. Freilich gab es eine Zeit, in der sie sogar bei 40% lag. (…) In der Inflationsrate nimmt der Iran unter 188 Staaten Platz 180 ein. In den letzten 30 Jahren war sie meist zweistellig, nur gelegentlich einstellig. Und das waren keineswegs nur die Zeiten des Embargos. (…) Auch in Zeiten, in denen der Verkauf des Erdöls gut lief, hatten wir trotzdem eine zweistellige Inflationsrate. (…) Was den Anteil der Auslandsinvestitionen in der Wirtschaft angeht, nimmt der Iran unter 181 Staaten Platz 164 ein. Dies zeigt, dass wir Probleme damit haben, ausländische Investitionen anzuziehen. Dabei nimmt der Iran unter 187 Staaten Platz 167 ein, was den Schutz von Investitionen angeht. (…)“

Arbeitslosenrate: Unter 104 Staaten Rang 82

Was die Verstädterung angeht, nimmt der Iran unter 216 Staaten Platz 12 ein. Das ist kein Grund, sich zu rühmen, denn dies zeigt nur, dass die Lage auf dem Land so miserabel ist, dass die Menschen in Scharen das Land verlassen und in die Städte ziehen.

Landflucht: an der Spitze

Ursachenforschung mit Scheuklappen
Die Art der Ursachenforschung, die Ali Laridschani betreibt, zeigt sich deutlich bei der Diskussion über den fehlenden Beitrag der Hochschulen zur wirtschaftlichen Entwicklung. Ali Laridschani führt das darauf zurück, dass Wirtschaft und Unis beide vom Staat Geld für die Forschung erhalten und deshalb nicht darauf angewiesen sind, selbst nach Geldquellen zu suchen. In anderen Ländern bekämen die Unis kein Geld vom Staat und seien deshalb darauf angewiesen, für die Wirtschaft nützliche Forschungsprojekte auszuarbeiten. Kein Wort von der Unterdrückung der Studenten 1999 und 2009, vom Terror der staatlichen Islamisten an den Hochschulen, von der Tatsache, dass Investitionen in die Produktion von der Ideologie der Geistlichen nie gefördert wurden und dass die Pasdaran, die beträchtliches Einkommen durch die Kontrolle der Import- und Schmuggelwege erzielen, gar kein Interesse daran haben, dass die einheimische Wirtschaft sich aufrappelt. Denn mit der Kontrolle des Handels lassen sich ohne wirtschaftliche Kenntnisse und Fähigkeiten horrende Einnahmen erzielen, wenn man eine Monopolstellung innehat, während man schlicht und einfach arbeiten muss, um ein Produktionsunternehmen am Laufen zu halten. Danach steht der Sinn der iranischen Machthaber nicht. So eine Analyse darf man von Ali Laridschani nicht erwarten. Er ist der Mann des Religiösen Führers an der Spitze des Parlaments und dafür zuständig, die Parlamentarier an den Zügeln zu halten, aber er würde nie etwas tun, was die Interessen seines Herrn schädigt.

Quelle:

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/64064/
a:ma:r-e negara:n-konande-ye eqtes.a:di-ye °ali larija:ni
cera: wad.°iyat-e eqtes.a:di-ye keshwar mona:seb nist?
veröffentlicht am 26. August 2016

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