Archiv für Oktober 2016

Iran: 2000 Gewerkschafter vor dem Parlament


Versammlung der Gewerkschafter vor dem Parlament – das Gebäude ist nicht zu sehen

Am Sonntag, den 30. Oktober 2016, versammelten sich vor dem iranischen Parlament rund 2000 Gewerkschafter, die aus dem ganzen Land gekommen waren. Sie vertraten die Arbeitnehmer der ehemals staatlichen Fernmeldegesellschaft (Moxaberat), die dann scheinprivatisiert wurde, also in die Hände der Pasdaran (Revolutionswächter) überging. Die Gesellschaft ist in Untergesellschaften aufgesplittet, die aber der Zentrale unterstehen. Im Vorfeld hat die Zentrale die Einzelfirmen aufgefordert, für den 30. Oktober keinen Urlaub zu genehmigen und genehmigten Urlaub zu widerrufen. Dass trotzdem 2000 Arbeitnehmer gekommen sind, ist ein beachtlicher Erfolg. 10 Abgeordnete des Parlaments kamen raus, um mit den Gewerkschaftern zu sprechen. Sie bestätigten, dass die Fernmeldegesellschaft die staatlichen Gesetze über Lohnzahlungen verletze und sie der Sache nachgehen werden. Von der Seite des Arbeitgebers erschien niemand – warum auch, im Iran haben die Pasdaran das Sagen, nicht das Parlament.
Die Gewerkschafter erklärten, dass sie ohne konkrete Zusagen weiter in Teheran bleiben werden.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=76341
vom 9. Aban 1395 (30. Oktober 2016)
tajamo°e kargaran wa personele baxshe xosusiye moxaberat dar moqabele majles

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Iran: Massenkundgebung für Kyros II.


Kundgebung am Grab von Kyros II.

Eigentlich ist Kyros II, der unter anderem Babylonien eroberte und in der Bibel als eine Art Befreier der Juden aus der babylonischen Gefangenenschaft dargestellt wird, kein Grund, heute für ihn auf die Straße zu gehen. Der Mann ist seit 2500 Jahren tot. Trotzdem haben sich am 7. Aban (28. Oktober) etwa 15.000 bis 20.000 Iranerinnen und Iraner an seiner Gedenkstätte in Pasargad versammelt, vielleicht die gleiche Zahl blieb unterwegs im Verkehr oder in den polizeilichen Kontrollen stecken.


ein anderes Photo von derselben Kundgebung

Auf der Kundgebung wurden sowohl nationalistische Parolen wie „Kurush pedare mast, Iran watane mast“ (Kurusch ist unser Vater, der Iran ist unsere Heimat) wie auch religionskritische: „Azadiye andishe, ba rish-o-pashm nemishe“ (Gedankenfreiheit gibts nicht mit Bart und Wolle – Anspielung auf die wuchernde Bärtigkeit der fundamentalistischen Geistlichen) ausgerufen, der Dichter Halu trug ein Gedicht vor, in dem er die Menge aufforderte, sich nicht von der Erinnerung an die Geschichte lähmen zu lassen, sondern daraus Mut zum Handeln zu schöpfen. Prompt wurde er verhaftet und von den bewaffneten Staatsorganen krankenhausreif geprügelt, wie sein Sohn später bekannt gab.

Der Dichter Halu, von der Polizei verhaftet und verprügelt

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/10/219408.php
vom 8. Aban 1395 (29. Oktober 2016)
tajamo°e hazaran nafar dar atrafe aramgahe kurush
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/10/219414.php
vom 8. Aban 1395 (29. Oktober 2016)
niruhaye amniyati mohammadreza °ali-payam (halu)-ra bazdasht karde wa ura kotak zadand

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Iran: Hassmord an Baha’i


Farhang Amiri, wegen seines Glaubens in Jasd ermordet

Farhang Amiri, ein Angehöriger der Glaubensgemeinschaft der Baha’i, wurde vor etwa einem Monat in Jasd (Zentraliran) von zwei Männern vor seinem Haus ermordet. Die Männer, zwei Brüder, hatten unter einem Vorwand das Gespräch gesucht, der eine hielt ihm dann den Mund zu, während der andere ihn mit dem Messer tödlich verwundete. Farhang Amiri erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Die Mörder, die verhaftet wurden, beriefen sich für ihr Tun auf den Koran, ohne auch nur sagen zu können, auf welchen Koranvers sie sich dabei beziehen. Wie die Eltern der Mörder berichteten, hatten sie bemerkt, dass die Söhne in fundamentalistisches Fahrwasser gerieten und auch den Geheimdienst informiert, er solle ein Auge auf sie haben.
Das einzige, was der iranische Staat im Vorfeld geleistet hat, waren Hausdurchsuchungen beim Opfer. Nach der Ideologie der iranischen Mollas sind Baha’is unrein und rechtlos, seit dem Sieg der iranischen Revolution sind schon eine ganze Reihe Baha’is umgebracht worden.
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/65526/
vom 26.10.2016, 23:19
joz’iyati az qatle farhange amiri, shahrwande baha’i dar yazd

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Iran: Verkehrsunfälle werden zum Politikum

Nicht nur, dass die iranischen Mollas und ihre Verbündeten, die Revolutionswächter (Pasdaran), die iranische Erdölindustrie verlottern ließen, so dass sie jetzt Investitionen in Höhe von 200 Milliarden US-Dollar benötigt, um wieder auf die Beine zu kommen, das erdölreiche Land ist nicht einmal in der Lage, das Benzin für den eigenen Verbrauch herzustellen. Und schlimmer noch: Die Autos, die im Lande fahren, sind auf ein so miserabel in Stand gehaltenes Verkehrsnetz angewiesen, dass Verkehrstote häufig sind. Wir hatten schon über Proteste der Bevölkerung von Mariwan über den tödlichen Tanklastwagenverkehr aus dem Irak berichtet, vor kurzem fand in einer anderen kurdischen Stadt des Irans ein Protest statt. Mit einer Menschenkette vom Ortsausgang in Piranschahr bis zum Beginn des Industriegebiets von Piranschahr protestierten die Einwohner gegen die schlechten Straßenverhältnisse, die laufend zu Unfällen führt. Das Motto der Kundgebung: Man qorbaniye ayande hastam – Ich bin das nächste Opfer.

http://www.radiofarda.com/a/b1-khoshnam-on-demo-in-sardasht/28074707.html
vom 6. Aban 1395 (27. Oktober 2016)

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Iran: Ardebil (Nord- Iran)

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Iran: Im Paradies für Männer

Für die Männer gibt es im Paradies laut dem Koran Sure 52 (at-Tus – der Berg) nicht nur großäugige Jungfrauen (Huri genannt) (in Vers 20 der Sure 52), sondern sie werden von Jünglingen mit Früchten, Fleisch und Getränken versorgt.

Sure 52, Vers 24 – deutsch

Zu diesen Jünglingen lautet eine deutsche Internet-Übersetzung:
Sure 52, Vers 24: Und unter ihnen gehen Jünglinge umher, die zu ihnen gehören, als wären sie wohlverwahrte Perlen.
Quelle: http://islam.de/13827.php?sura=52
(Von den Frauen im Paradies ist hier nicht die Rede…)


Das arabische Original, mit Lautzeichen und Punkten, die in frühen Fassungen des Korans noch nicht existierten

Sure 52, Vers 24 – englisch

Englische Übersetzungen dieser Stelle sind online zahlreich verfügbar, hier sieben Versionen auf dem Quranic Arabic Corpus
Verse 52:24

Sahih International: There will circulate among them [servant] boys [especially] for them, as if they were pearls well-protected.
Pickthall: And there go round, waiting on them menservants of their own, as they were hidden pearls.
Yusuf Ali: Round about them will serve, (devoted) to them, young male servants (handsome) as Pearls well-guarded.
Shakir: And round them shall go boys of theirs as if they were hidden pearls.
Muhammad Sarwar: They will be served by youths who will be as beautiful as pearls.
Mohsin Khan: And there will go round boy-servants of theirs, to serve them as if they were preserved pearls.
Arberry: and there go round them youths, their own, as if they were hidden pearls.

http://corpus.quran.com/translation.jsp?chapter=52&verse=24

Sure 52, Vers 24 – türkisch
Eine türkische Übersetzung lautet:

24- Kendileri için (hizmet eden) civanlar, etrafında dönüp dolaşırlar; sanki (her biri) ‘sedefte saklı inci gibi tertemiz, pırıl pırıl.’
Für sie (dienende) Jünglinge, die um sie herum hin- und her gehen; als wäre (jeder einzelne) wie eine in der Muschel verborgene Perle rein und glänzend.
http://www.turkcekuran.net/52-tur-suresi/

Sure 52, Vers 24 – persisch

Und hier der oben abgebildete persische Koranlehrer Gharaati aus dem Iran:
Er berichtet den Zuhörern mit Verweis auf diese Koranstelle, dass die Männer im Paradies von hübsch aussehenden Jungen bedient werden, die nur ihnen zur Verfügung stehen, da werde einem das Essen noch mehr schmecken.
Der Herr ist nicht irgendwer: Zur Schahzeit war er Religionslehrer (Islamische Lehre) an einer Oberschule, ein beliebter Kollege, auch wenn keiner genau wusste, wie es um seine Beziehungen zum Geheimdienst SAVAK stand. Später gründete er in der Moschee einen „Islamischen Verein“, das sind Gremien, die unislamisches Verhalten ausforschen, was für die Betroffenen schwere Folgen haben kann, bis hin zum Arbeitsplatzverlust und Haft.
Nach der Revolution von 1979 stieg er zum Koranlehrer der Nation auf, indem er im staatlichen Rundfunk und Fernsehen (Seda wa Sima) den Koran unterrichtete.
Inzwischen ist er ein betagter, angesehener Lehrer, der mehrmals wöchentlich im staatlichen Fernsehen den Koran auslegt…

Quelle für den Film:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=118771

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Iran: Narges Mohammadi wehrt sich gegen Verleumdung


Narges Mohammadi mit ihren Kindern, die jetzt zusammen mit dem Ehemann von Narges Mohammadi ins Ausland fliehen mussten

Wie berichtet, haben eine Reihe von Abgeordneten des iranischen Parlaments kürzlich gefordert, dass im Fall der Menschenrechtlerin Narges Mohammadi, die von der Berufungsinstanz zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, das Verfahren wieder aufgenommen werden soll. Der Justizsprecher und Generalstaatsanwalt Mohsen Esche’i, früher Geheimdienstminister unter Präsident Ahmadineschad, hat daraufhin dem Parlament vorgehalten, es habe sich in Justizangelegenheiten nicht einzumischen. Außerdem erging er sich in Andeutungen, um Narges Mohammadi zu diskreditieren. Diese hat darauf aus dem Gefängnis mit einem offenen Brief geantwortet, in dem sie den kriminellen Machthabern des Landes die Leviten liest und darauf hinweist, dass sie nichts zu verbergen habe. Sie habe im Prozess stets gefordert, dass die Vorwürfe öffentlich gemacht werden und in den iranischen Medien bekannt gegeben werden. Es sei die Justiz, der ja auch der Justizsprecher angehöre, die darauf bestanden habe, das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit abzuwickeln.
Eine mutige Antwort.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/65451/
Mon, 24.10.2016, 11:55
pasoxe nargese mohammadi be ezharate dadsetane kolle keshwar

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Iran: Kindesmissbrauch nicht nur bei katholischen Geistlichen


Sa‘id Tußi, noch nicht rechtskräftig verurteilt

Vorwürfe gegen katholische Geistliche wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen sind sowohl aus Europa wie aus den USA bekannt. Die katholische Kirche hatte einen langen Arm, die Opfer zum Schweigen zu bringen und die Justiz rauszuhalten.

Nicht nur Koranvorleser
Wer glaubt, im Islam sehe es anders aus, täuscht sich. Im Iran wurde dieses Jahr ein besonders prominenter Fall bekannt. Sa’id Tußi ist einer der bekanntesten Koranleser des Irans und hat auch schon auf internationalen Koran-Lesewettbewerben Preise errungen. Er liest nicht nur, er unterrichtet auch die Technik des Koranlesens im ganzen Iran. Allerdings nicht nur das. So wurden allmählich Vorwürfe laut, dass er wiederholt Jungen, die zu ihm geschickt wurden, um das Koranlesen zu lernen, sexuell missbraucht habe.
Sa’id Tusi bestritt das und behauptete, das sei eine israelische Schmierkampagne gegen ihn. Immerhin drei Eltern haben nicht nachgelassen und die ohnehin einseitige iranische Justiz bemüht. Die Beweise müssen erdrückend gewesen sein, dass die erste Instanz ihn zu vier Jahren Gefängnis verurteilte. Laut einer Meldung der iranischen Agentur Fararu vom 24. Oktober 2016 soll der Sprecher der iranischen Justiz Mohsen Esche‘i erklärt haben, dass es sich bei den Klägern um vier Familien handle, nicht um drei.

Die schützende Hand von oben
Denn Sa’id Tußi hat mächtige Befürworter: Der religiöse Führer Ajatollah Chamene’i schätzt ihn als Koranleser persönlich, und im Amt des Religiösen Führers sitzt ein gewisser Herr Seyyed Ali Moqaddam, der unter anderem auch dafür sorgt, dass Sa’id Tußi Jahr für Jahr zum Kreis der 20 Auserwählten gehört, die dem Religiösen Führer aus dem Koran vorlesen dürfen. Sei es zur Eröffnung des Parlaments, sei es zu hohen religiösen Feiertagen, es ist Sa’id Tußi, der zum Vorlesen ausgewählt wird – und gewiss auch nicht schlecht dafür bezahlt wird.
Lange hat Seyyed Ali Moqaddam dafür gesorgt, dass die Klagen gegen Sa’id Tußi überhaupt nicht zu Ohren von Ajatollah Chamene’i kamen, aber als die Sache auch im Iran und nicht nur in US-Medien ruchbar wurde, gelang es ihm wohl, den Ajatollah zu überzeugen. Angeblich hat er Sa’id Tußi verziehen, der seinerseits zwar stets seine Unschuld betont hatte, aber nach dem Urteil ein Reueschreiben an den Religiösen Führer und die klagenden Familien verfasst haben soll – das ist aber nur gerüchteweise bekannt. Ebenfalls laut Gerüchten soll Ajatollah Chamene’i das Oberhaupt der iranischen Justiz, Sadeq Laridschani, angewiesen haben, die Angelegenheit rasch zu beenden, damit es kein Gerede mehr gibt.

Warten auf die nächste Instanz
Was kein Gerücht ist, ist, dass die Klage derzeit vor dem Revisionsgericht anhängig ist, sprich der Täter hat das Urteil angefochten, so dass es noch nicht rechtskräftig ist. Dies bietet Menschen wie ihm die Gelegenheit, die Familien weiter unter Druck zu setzen oder Geldzahlungen anzubieten und die Sache auf diesem Weg doch noch aus der Welt zu schaffen. Man sieht, islamische Justiz ist nicht viel anders als im Westen, wenn es um die Mächtigen geht.
Und es fällt auf, dass iranische Menschenrechtler schon in Haft kommen, wenn noch nicht einmal das erste Gericht ein Urteil gesprochen hat, während mutmaßliche Vergewaltiger auf freiem Fuß bleiben und weiter ihr Amt ausüben dürfen, wenn sie nur einflussreich genug sind.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/10/219187.php
vom 2. Aban 1395 (23.10.2016)
che kesi az daftare xamene’i dar parwandeye qariye qor’an dexalat kard?

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/10/219216.php
vom 3. Aban 1395 (24.10.2016)
sir ta piyaze majaraye sa°ide tusi

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Iranischer Ölminister: 200 Mrd. Dollar an Investitionen erforderlich

Der iranische Erdölminister Bijan Zanganeh hat heute, den 18.10.2016, bekannt gegeben, dass die Erdölindustrie im Iran Investitionen in Höhe von 200 Mrd. Dollar benötigt. Der größere Teil dieser Summe, 134 Mrd. Dollar, wird allein für die Entdeckung und Förderung der iranischen Erdölvorkommen benötigt, 52 Mrd. Dollar werden für die Petrochemie, der Rest für sonstige Ausgaben im Erdölsektor.

Diese Summe entspricht laut Bijan Zanganeh 14 mal den Erdöleinnahmen aus den letzten 10 Monaten. Der Iran sei daher auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen. Laut dem Minister hat der Iran in den letzten 6 Monaten 3,8 Mio. Barrel Öl pro Tag gefördert. Bis Jahresende soll die Förderung auf 4,3 Mio. Barrel pro Tag steigen.

Ausländische Unternehmen werden aufgefordert, sich mit ihren Investitionswünschen vorzustellen. Ali Karder, ein hoher Vertreter der iranischen Erdölindustrie erklärte, dass heute Anzeigen in internationalen Zeitungen geschaltet wurden, mit der Aufforderung, sich zu bewerben. Die Unternehmen, die sich bewerben, würden vom Ministerium dahingehend geprüft, ob sie z.B. in der Lage sind, ihre Vorhaben auch durchzuführen und würden dann, wenn die Bedingungen zu den iranischen Interessen passen, eine Genehmigung erhalten.

Die Äußerungen stammen von einem Mitglied der iranischen Regierung Rouhani und entsprechen deren Politik, sich gegenüber dem Westen zu öffnen, verlässliche Vereinbarungen zu treffen und sich ein Stück auf Abhängigkeiten vom Ausland einzulassen. Die eigentlichen Machthaber, Anhänger von Chamene‘i, fundamentalistische Rechtsgelehrte, Bassidschi, Revolutionswächter und Geheimdienste haben daran keinerlei Interesse. Nach dem Verständnis einer Fraktion der Fundamentalisten ist es verboten, mit dem Ausland auch nur zu sprechen, geschweige denn Vereinbarungen zu treffen. In ihren Zeitungen und politischen Pamphleten weisen sie ständig darauf hin. Manche gehen so weit, dass sie geradezu das Erscheinen des 12. Imams herbeiführen wollen, der nach ihrer Vorstellung erst auftreten wird, wenn die Zustände in der Gesellschaft so katastrophal sind, dass alles den Bach herunter geht.

Die Bassidschi und Revolutionswächter haben einen großen Teil der iranischen Wirtschaft in ihren Händen und forcieren seit vielen Jahren eine rasante Deindustrialisierung im Iran. Ihre Geschäfte laufen dann am besten, wenn im Iran Mangel herrscht und wenn alle Waren aus dem Ausland importiert (bzw. geschmuggelt) werden müssen.

Wer kann also diese 200 Mrd. US Dollar in die Ölindustrie investieren? Der Iran selber kann es natürlich nicht. Ausländische Firmen haben Erfahrung mit dem Iran und sind mittlerweile mit ihren Investitionen sehr vorsichtig geworden. Direktinvestitionen erfordern ein hohes Maß an Vertrauen und nicht zuletzt Rechtssicherheit.

Vor über einem Jahr wurden die ausländischen Sanktionen gegenüber dem Iran gelockert und viele ausländische Wirtschaftsdelegationen kamen in den Iran um Geschäftsmöglichkeiten zu prüfen. Bislang gab es aber nur Versprechungen und von großen Abschlüssen war noch nicht viel zu hören. Auch die Probleme im Bankensektor sind weiterhin vorhanden.

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Irak: Kurden protestieren gegen kurdische Regierung


Bekanntlich hat die Regierung der Kurdischen Autonomie im Nordirak beschlossen, das in der Region geförderte Erdöl selbst auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Darauf hatte die Regierung in Baghdad beschlossen, die Löhne der staatlichen Bediensteten in der Region nicht mehr zu bezahlen. Es läge nahe, dass die kurdische Regierung diese Aufgabe übernimmt. Den jetzigen Protesten nach zu schließen, war dies nicht der Fall.


Die untere Zeile des Plakats lautet:
bese talani we dizi
Es reicht mit Plünderung und Diebstahl

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=118295
vom 25. Mehr 1395 (16. Oktober 2016)
e°terazate xiyabani dar kordestane °eraq

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Iran: Parlamentsabgeordnete gegen Verurteilung von Narges Mohammadi


Narges Mohammadi mit ihren Kindern. Ihre Kinder und ihr Mann mussten nach Europa fliehen.

Wir hatten von der Verurteilung der iranischen Menschenrechtsaktivistin Narges Mohammadi berichtet, die zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Jetzt haben mindestens 15 Abgeordnete des iranischen Parlaments, darunter Ali Motahhari, das Urteil kritisiert und erklärt, dass dieses Urteil nur dazu diene, den Preis für vernünftige Kritik möglichst hoch anzusetzen. Sie fordern in einem offenen Brief an den Obersten Justizrat des Landes die Aufhebung des Urteils und eine erneute Revision. Die Abgeordneten weisen auch darauf hin, dass Narges Mohammadi dringend eine angemessene medizinische Behandlung benötigt. Eine Kopie des offenen Briefs liegt uns nicht vor, daher lässt sich derzeit auch nicht feststellen, wie viele Abgeordnete sich insgesamt an diesem Protest beteiligt haben.
Dennoch ist es ein erfreuliches Zeichen, dass der Protest selbst dieses Gremium erreicht hat, das aus vom Wächterrat handverlesenen Kandidaten besteht.

http://www.radiofarda.com/a/f7-iranian-mps-call-for-reconsideration-of-narges-mohammadi-case/28057225.html
vom 25. Mehr 1395 (16. Oktober 2016)
darxaste nemayandegane majles baraye naqze hokm wa residegiye mojaddad be parwandeye narges mohammadi

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Iran: Kurdin in Haft


Seynab Dschalalian

Seynab Dschalalian (geb. 1361/1982) ist eine Kurdin, die seit 2007 in Chuy (Region West-Aserbaidschan) in Haft ist und 2009 wegen angeblicher Zugehörigkeit zur bewaffneten kurdischen Organisation Peschwak zum Tode verurteilt wurde. Aufgrund der Bemühungen ihrer Anwälte gelang es, die Todesstrafe in lebenslänglich umzuwandeln. Seit ihrer Verhaftung hat sie noch keinen einzigen Hafturlaub erhalten. Sie leidet zudem an einer Augenkrankheit namens Pterygium conjunctivae (Persisch bima:ri-ye na:xunak-e cheshm), einer Wucherung der Bindehaut, die auf die Hornhaut übergreift und operativ entfernt werden muss. Eine solche Operation ist nur außerhalb des Gefängnisses möglich.
Amirsalar Dawudi, ihr Rechtsanwalt, berichtet jetzt, dass die Pasdaran und das Geheimdienstministerium die Gefangene unter Druck setzen, sich filmen zu lassen und dabei sich selbst zu belasten. Zuvor haben diese Organe sie schon heimlich gefilmt und versucht, durch nachträgliche Manipulationen der Aufnahmen zu belegen, dass sie eine Terroristin sei. Sogar einen „Dokumentarfilm“ machten die Behörden aus diesen Aufnahmen, der am 21. Ordibehescht 1395 (10. Mai 2016) vom Fernsehen der Region West-Aserbaidschan unter dem Titel „Saye-ye terurism“ (Der Schatten des Terrorismus) ausgestrahlt wurde.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/65183/
vom 14.10.2016
talash baraye axze e°terafe telewizyuni az zeynab jalaliyan

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Iran: Vom Bündnis der Machthaber mit der Unterwelt

Im Mai dieses Jahres kam es in Teheran zu eigenartigen Szenen: Städtische Ordnungsbeamte (Ma’murane Sadde Ma°bar) erschienen gemeinsam mit grobschlächtigen Kerlen, um die fliegenden Händler von den Straßen zu vertreiben. Die Stadtverwaltung vertritt in solchen Fällen die Interessen der ansässigen Ladenbesitzer. Die Ordnungsbeamte forderten die fliegenden Händler auf, den Platz zu räumen, dann traten die Messerstecher und Schläger in Aktion, warfen die grünen Edelpflaumen und die grünen Mandeln der Handverkäufer auf die Straße, und prügelten mit Knüppeln auf sie ein. Begleitet waren diese Überfälle von vulgären Ausdrücken.

Schläger im Dienste der Stadtverwaltung
Eine spätere polizeiliche Untersuchung dieser Vorfälle ergab, dass die Stadtverwaltung selbst diese Schläger und Messer als Tagelöhner anheuert und zu den verschiedensten Zwecken einsetzt, sei es, um die Straßenhändler zu vertreiben, unliebsame Konzerte aufzulösen, Studenten oder Journalisten mit handfesten Argumenten einzuschüchtern oder mundtot zu machen, aber auch, um gegen die Frauenbewegung und andere gesellschaftliche Bewegungen vorzugehen.


Rechts: zwei der Leibwächter von Ajatollah Rafsandschani

Die Vorzüge der Messerstecher
Die iranischen Machthaber haben mehrere gute Gründe, solche Menschen, die meist arbeitslos sind und eine lange Karriere als Gewalttäter hinter sich haben, für ihre Zwecke einzuspannen:
Erstens sind viele Revolutionswächter und Angehörige der Bassidschi-Miliz selbst aus diesen Schichten hervorgegangen, man versteht sich und man kennt sich.
Viele derjenigen, die heute im Iran an der Macht sind, betrachten Gewalt als einziges Mittel, Probleme zu lösen. Sie kennen nichts anderes.
Die iranische Geistlichkeit ist mit dieser Unterschicht von Arbeitslosen traditionell eng verbündet. Wenn sie Predigten oder Reden halten, sorgen diese „Teilnehmer“ dafür, dass kein Protest und keine Kritik laut wird. Dafür erhalten diese Meister der Faust und der Klinge ein monatliches Gehalt (badsch – Tribut genannt, man nennt sie auch badsch-chor, diejenigen, die von solchen Tributen leben).


Schaban Bi-Moch oder auch Schaban Dschafari, einer der führenden Schläger der Schahzeit, 2015 im US-Exil verstorben

Und zu guter Letzt tragen sie keine Uniform. Wenn man die Polizei oder die Pasdaran schickt, dann sagt jeder, der Staat hat sie auf uns gehetzt, aber die Schläger kommen in Zivil, und die Regierung kann immer sagen: „Das waren nicht wir, das war die Reaktion des einfachen Volks.“ Sprich, man gibt die Schläger für’s Volk aus. Schon zu Schahzeiten war diese Methode sehr beliebt, und wie man sieht, daran hat auch die Revolution von 1979 nichts geändert.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=118063
modirane jomhuriye eslami dar che mawaredi be arazel wa oubash wa latha motewassel mi shawand?
vom 21. Mehr 1395 (12. Oktober 2016)

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Iran’s Schule: Schläge für die Armen


Auf der Tafel steht:
Was ist besser – Wissen oder Reichtum?

Laut einer Meldung von Radio Farda, die ihrerseits auf mehreren iranischen Quellen wie der Webseite von tabnak beruht, hat ein Schuldirektor in Mochtar-Abad, Kreis Rudbare Dschonub, in der zentraliranischen Provinz Kerman, Anfang Oktober mehrere Schülerinnen und Schüler mit schmerzlichen Stock- oder Rutenschlägen auf den Rücken dafür bestraft, dass ihre Eltern das monatliche Schulgeld nicht bezahlen konnten. Das Schulgeld (Schahriye) ist eigentlich illegal, denn laut iranischer Verfassung ist der Schulbesuch bis zum Abitur kostenlos. Das Erziehungsministerium pfeift darauf und erhebt trotzdem diverse Gebühren von den Eltern.

Wieso halten sich solche Praktiken?
Vor Gericht zu gehen ist ohnehin nur etwas für die Reichen, wer schon das Schulgeld nicht aufbringt, kann sich auch keinen Anwalt leisten. Hinzu kommt, dass die iranische Justiz in der Hand der Fundamentalisten ist, Recht wird da in der Regel nicht gesprochen. Bleibt die Möglichkeit, sich an den lokalen Parlamentsabgeordneten zu wenden. Bevor man dies tut, wägt man ab: Wer ist der Schuldirektor, mit wem arbeitet er zusammen, welche Macht haben diese Leute und welche Macht hat der Abgeordnete? Wenn der Schuldirektor eng mit dem örtlichen Freitagsimam zusammenarbeitet und dann noch den Bassidschis oder Pasdaran angehört, kann man nichts gegen ihn tun. Es kann höchstens passieren, dass dann die Eltern noch im Gefängnis landen, die diesen Amtsmissbrauch an die Öffentlichkeit bringen.

Quelle:
http://www.radiofarda.com/a/f3-lashes-students-for-lack-money/28044193.html
shalaq xordane danesh-amuzane natawan az pardaxte shahriye dar kerman
vom 19. Mehr 1395 (10. Oktober 2016)

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Iran: Gedenken an die Massenproteste des Jahres 2009

Der Rechtsanwalt Mohammad Ali Najafi aus Shazan (Zentraliran) wurde festgenommen, weil er am Dienstag, den 11.10.2016 mit einer politischen Aussage auf die Straße gegangen ist. Auf sein grünes Hemd hatte er in roten Lettern geschrieben: „Ashura 88“


Mohammad Ali Najafi

Dies verweist auf den Gedenktag zu Ehren von Imam Hussein (Ashuratag) der jedes Jahr von Schiiten im Iran offiziell gefeiert wird. Am Ashuratag des Jahres 1388 (iranischer Kalender), ein paar Monate nach dem Betrug bei den iranischen Präsidentschaftswahlen kamen Millionen Menschen zum Protest auf die Straße. Man nannte das die „Grüne Bewegung“.

Angesichts der starken Repression des Staates, der versuchte, den Protesten Herr zu werden, wurden gerade diese offiziellen Gedenktage zu Tagen des Widerstands. Am Ashuratag musste nicht gearbeitet werden, niemand konnte einem verbieten, auf die Straßen zu kommen und die Sicherheitskräfte konnten nicht unterscheiden, wer aus religiösen Gründen und wer aus politischen Gründen auf die Straße kam.

Mohammad Ali Najafi war im Jahr 2009 auch bei den Protesten dabei und war damals festgenommen worden. Diese Woche wollte er mit seiner Aktion an den Protesttag erinnern. Dafür wurde er am Dienstag wieder festgenommen. Er hätte gegen Kaution entlassen werden können, allerdings wurde sie mit 200 Mio. Tuman (ca. 50.000 Euro) so hoch angesetzt, dass er oder seine Familie das Geld nicht aufbringen können. Er muss also in Haft bleiben.

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