Archiv für November 2016

Denkt jemand an den leisen Tod meines Mannes?

Offener Brief von Golroch Irani für Arash Sadeghi und internationale Menschenrechtsorganisationen.


Arash Sadeghi und Golroch Irani

An alle internationale Menschenrechtsorganisationen!

Obwohl mehr als ein Monat des Hungerstreiks meines Mannes Arash Sadeghi vergangen ist und obwohl seine gesundheitliche Situation so problematisch ist, dass er mehrmals Magenbluten hatte und die Ärzte der kleinen provisorischen Gesundheitsstation im Gefängnis eine sofortige Verlegung in ein Krankenhaus empfohlen haben, haben die Zuständigen im Gefängnis nicht reagiert und ihm die Krankenhausbehandlung versagt.

Diesen Hungerstreik hat mein Mann als Protest gegen meine Festnahme begonnen, weil die Revolutionswächter – Organisation mich grundlos festgenommen hatte, um auf ihn noch mehr Druck auszuüben. Sie haben mich vor Gericht gebracht und ich wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. Mein Mann muss 19 Jahre im Gefängnis bleiben. Obwohl der Staatsanwalt meinen Prozess und die verhängte Strafe für fehlerhaft hält, traut er sich nicht, das Verfahren neu zu eröffnen, aus Angst vor den Revolutionswächtern.

In diesen Tagen ist die Gesundheit meines Mannes sehr angegriffen und er liegt im Sterben. Für seine gesundheitliche Situation sind die Judikative und die Revolutionswächter verantwortlich. Ich bitte alle internationalen Menschenrechtsorganisationen, aktiv zu werden gegen den leisen Tod meines Mannes. Lassen Sie nicht zu, dass mein Mann einfach stirbt!

Golroch Ebrahimi Irani (Frau von Arash Sadeghi)

An meinem Mann Arash Sadeghi!

Frei denkende Menschen haben eine stolze Geschichte.

Niemand kann das freie Denken knebeln.

Während uns so viel Unterdrückung von den Machthabern auferlegt wird,

werden wir von Tag zu Tag stärker und machen weiter.

Mit jedem Ein- und Ausatmen, gehen wir einen Schritt vorwärts

in den Morgen.

Dafür ertragen wir die Trennung.

Du bist weit entfernt hinter einer Mauer

und kämpfst mit dem Tod.

Ich weiß wenig von dir.

Die Liebe zu dir durchströmt meinem Körper und meinen Gedanken.

Ich sehe nur deine Liebe.

Und mehr und mehr glaube ich an deine Ehrbarkeit.

Ich weiss, uns ist Ungerechtigkeit widerfahren,

und du schreist mit deinem Leben dagegen an.

Der Morgen, den wir erwarten, ist unterwegs.

Du musst bleiben, bis der Morgen der Freiheit anbricht.

Wir werden unsere Fahne hochhalten

und in das Licht der Freiheit schauen.

Ich bewundere deinen Widerstand, mein lieber Arash!

Du musst bleiben, weil ich dich liebe.

Für immer mit dir zusammen

Golroch

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Nayband (Iran) – ein Dorf in der Wüste

Im Süden des Landkreises Tabas (Iranische Zentralwüste) liegt das Dorf Nayband. Hier einige Fotos

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Iran: 21 Jahre für ein Tonband: Reaktion von Ahmad Montaseri

Wie berichtet, wurde Ahmad Montaseri wegen der Veröffentlichung der Tonbandaufnahme, in der sein Vater Ajatollah Montaseri das Gefängnismassaker von 1988 kritisierte, zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon er 6 Jahre absitzen muss. Außerdem darf er 3 Jahre lang nicht das Gewand eines Geistlichen tragen.


Ahmad Montaseri

In einer ersten Reaktion erklärt Ahmad Montaseri, dass er nach der Gerichtsverhandlung angesichts des Verhaltens des Richters von einem Freispruch ausging. Es sei auffällig, dass bis zur Verkündung des Urteils längere Zeit verging und im Urteil selbst Dinge angesprochen wurden, die in der Verhandlung überhaupt nicht zur Debatte standen – zum Beispiel der Vorwurf des Geheimnisverrats. Er geht deshalb davon aus, dass dieses Urteil von oben diktiert wurde und die Verkündung deshalb solange dauerte. Er wird gegen das Urteil in Berufung gehen, wozu er zwanzig Tage Zeit hat. Er sagte auch: Wenn sie ihn einsperren, wird das nur dazu führen, dass die anderen Tonbänder noch schneller in die Öffentlichkeit gelangen…

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220643.php
vom 8. Adhar 1395 (28. November 2016

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Iran: 21 Jahre Gefängnis für die Wahrheit


Ahmad Montaseri, der Sohn des verstorbenen Ajatollahs Montaseri, wurde jetzt wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ und wegen „Propaganda gegen das System“ zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihm für drei Jahre untersagt, die Kleidung eines Geistlichen zu tragen, weil er die Ehre dieser Berufskleidung entwürdigt habe. Seine Schuld bestand darin, ein Tonband zu veröffentlichen, in dem sein Vater, Ajatollah Montaseri, das Gefängnismassaker von 1988, das auf Anweisung von Ajatollah Chomeini verübt wurde, vor der zuständigen „Säuberungskommission“ scharf kritisierte. Ahmad Montaseri wurde angekreidet, dieses Tonband sei von den arabischen Staaten und von den Volksmodschahedin gegen den Iran ausgeschlachtet worden. Weil der Bruder von Ahmad Montaseri als „Märtyrer“ gestorben ist und Ahmad Montaseri selbst schon fortgeschrittenen Alters und zudem nicht vorbestraft ist, muss er „nur“ sechs Jahre von den 21 Jahren absitzen.
Die harte Strafe ist nicht verwunderlich: Die Täter von damals sind noch heute an der Macht.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220612.php
vom 7. Adhar 1395 (27. November 2016)
ahmade montazeri be habse tulani wa xal°-e leba:s mahkum shod

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Iran: Kindesraub durch den Staat

Der Bruder von Rahele Rahemi-Pur, Hossein Rahemi-Pur, war 1362 (1983) zusammen mit seiner schwangeren Frau inhaftiert worden. Seine Frau entband im Gefängnis. Als die Angehörigen Nachforschungen über den Verbleib des Kindes anstellten, hieß es, es sei gestorben. Auch Hossein Rahemi-Pur starb im Gefängnis. Die Mutter des Kindes wurde später aus der Haft entlassen. Die intensiven Nachforschungen der Angehörigen nach dem Ort der Bestattung der beiden Toten blieben ohne Erfolg, ihnen wurde nur gedroht, wenn sie so weiter machten, verschwänden sie selbst im Gefängnis. Jetzt ist Rahele Rahemi-Pur, eine iranische Menschenrechtsaktivisten, selbst im Gefängnis. Sie hat nun von der iranischen Justiz verlangt, aufzuklären, wo ihr Bruder und dessen Kind geblieben sind. Dafür hat sie jetzt eine Vorladung von der Kammer des Revolutionstribunals in Teheran erhalten, und zwar von dessen berüchtigten Vorsitzenden Salawati. Ein schlechtes Omen. Als diese Nachricht bekannt wurde, traten fünf Institutionen der Vereinten Nationen, die sich für die Menschenrechte einsetzen, an die iranische Regierung und forderten sie auf, von Repressalien gegen die Menschenrechtlerin abzusehen.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120434
vom 5. Adhar 1395 (25. November 2016)
panj nehade sazmane melal: karzar aleyhe rahele rahemi-pur-ra motewaqqef konid

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Iran: informelle Berufe


da:d-zan (Ausrufer) gesucht: eine Stellenanzeige…

In einem Land, in dem schon seit längerem ein großes Firmensterben um sich greift – und der Iran gehört zu der Sorte, ist es naturgemäß schwer, Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze zu finden. Das bedeutet nicht, dass es in solchen Gesellschaften nichts zu tun gibt, aber meistens ohne Fachausbildung, ohne Kontrollen, ohne Gewerkschaften. Alles geradezu ein kapitalistisches Wunderland, sollte man meinen.

Die Webseite peykeiran hat eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr über einige Berufe veröffentlicht, die in der Islamischen Republik Iran heutzutage ausgeübt werden. Manche Berufe sind schon älter, manche existieren in Abwandlung auch hierzulande, andere muten schon recht fremd an.
Wir führen hier die persischen Bezeichnungen und die deutschen Erklärungen auf:

sharr-xar – (sharr – Bandit, Verbrecher, Schurke, xar – von xaridan, kaufen)
Ein Gläubiger, der die Schulden nicht eintreiben kann, wendet sich an so eine Person, die mit Gewalt, Messer und anderen Formen der Erpressung (Kindesentführung etc.) den Schuldner dazu bringt, die Schulden zu begleichen. Ein solcher Schuldeneintreiber hat gewöhnlich keine Angst davor, ins Gefängnis zu kommen. Für seine „Mühen“ erhält er einen Teil des eingetriebenen Geldes. Im „zivilisierten“ Deutschland übernehmen zwielichtige Anwaltsfirmen diese Funktion, die z.B. windige Rechnungen von Internet-Anbietern unter Androhung von Prozessen eintreiben.

da:d-zan (Rufer, Schreier)
Wer seine Pizza oder seine Ware auf der Straße anpreisen will, mietet sich für einen Tag so einen Ausrufer.

tra:kt-paxsh-kon (Flyer-Verteiler)
Verteilt die Werbeflyer einer Firma, auch hier ein gängiger, aber nicht eben einträglicher Beruf, der meistens von Schülern ausgeübt wird.

pla:k-mahw-kon (Nummernschild-Auslöscher)
In der Hauptstadt Teheran gibt es diverse Bereiche, in die keine Autos fahren dürfen. Wer es trotzdem tut, wird geblitzt und muss dann eine Strafe zahlen. Um dies zu umgehen, warten an solchen Stellen Personen mit ausufernden Mänteln, die vor oder hinter dem Auto hergehen, je nachdem, wo die Kamera steht, und so dafür sorgen, dass zwar ein Foto vom Auto gemacht wird, aber das Nummernschild verdeckt ist.

ja:-ye pa:rk-gir (Parkplatz-Besetzer)
Leute, die Parkplätze mit irgendwas vollstellen und dann gegen Entgelt den (nicht ihnen gehörenden) Platz freigeben, wenn jemand einen Parkplatz sucht. Wäre sicher auch in Konstanz eine einträgliche Beschäftigung.

gerye-kon-e mara:sem tarh.im (Trauerfrau, Trauermann)
Leute, die auf Begräbnissen kräftig und laut weinen und klagen und die Verdienste des Verstorbenen preisen. Solche Personen werden gern auf Staatsbegräbnissen angeheuert.

dast-forush (Straßenverkäufer)
Wer seine Ware bei sich trägt und auf der Straße verkauft, heute in Teheran besonders häufig in der Metro und in den Metro-Stationen. Sind recht aufdringlich.

hamra:h-e bimar (Krankenbegleiter)
Wenn die Angehörigen arbeiten müssen und sich nicht um den im Krankenhaus liegenden Patienten kümmern können, heuern sie die Dienste eines Krankenbegleiters an. Er verrichtet auch nicht-medizinische Hilfleistungen, z.B. Begleitung zur Toilette u.ä. Angesichts der starken Einsparungen im öffentlichen Gesundheitswesen in Deutschland sollten wir uns nicht wundern, wenn der Beruf hier bald auch auftaucht. Man sieht, man kann von Entwicklungsländern lernen…

sha:hed-e da:dga:h (Gerichtszeuge)
Unfall, Überfall, Ehestreit? Sie suchen einen Zeugen? Alles zu kaufen.

do°a:-newis (Gebetsschreiber)
Ein alter Beruf. Diese Leute schreiben einen Koranspruch oder ein Gebet auf ein Stück Papier. Wer krank ist, wirft den Zettel in ein Glas Wasser und trinkt das Wasser aus, dann wird er wieder gesund. Es gibt Bücher, in denen diverse Gebete stehen, die helfen, dass man Arbeit findet, gesund wird, die Ernte reich ausfällt etc.

noubat-forushi (Schlangensteher)
Wer etwas bei der Deutschen Botschaft oder auf der Bank zu erledigen hat, muss warten. Es sei denn, er kauft sich den Platz in der Warteschlange bei einer entsprechenden Person.

ka:r-ra:h-benda:z (der die Sache auf den Weg bringt)
Eine Person, die als Vermittler tätig wird, wenn man zum Beispiel später zum Militärdienst will oder als Student eine Wohnung benötigt u.s.w.

rang-ka:r-e morakkaba:t (Zitrusfrüchte-Anmaler)
Mitunter sieht die Schale von Orangen oder Zitronen farblich nicht so attraktiv aus, wie man sich selbige vorstellt. Dafür gibt es diese Art von Malern, die die Schalen färben. Wenn die Früchte dann noch in einem Netz verkauft werden, merkt man das nicht gleich. Evtl. kann man es am Geruch feststellen, aber das benötigt Erfahrung. Wer es beim Einkaufen eilig hat, hat das Nachsehen.

Quelle

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120423
vom 5. Adhar 1395 (25. November 2016)
ba ajibtarin mashaghele kadhebe iran ashna shawid

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Iran: ein Bild der Zerstörung

Der iranische Soziologe Madschid Mohammadi stellt in einem Interview mit Radio Farda seine Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung im Iran vor.
Seine Worte sind auf drei Grafiken dargestellt, die hier in den wichtigsten Punkten auf Deutsch wiedergegeben werden.


Ziegelproduktion mit Kinderarbeit im Iran

Die Wurzeln des sozialen Niedergangs im Iran
Armut: Zwei Drittel der Bevölkerung des Landes leben unter der relativen Armutsgrenze, 15 Millionen leben in absoluter Armut (Gesamtbevölkerung 80 Millionen Menschen).
Arbeitslosigkeit: 7-11 Millionen Menschen sind arbeitslos, rund 50% der Akademiker sind ebenfalls arbeitslos
Umweltkrise: Verschmutzung des Grundwassers, Austrocknen der Flüsse, Seen, Meere und Sümpfe. In der Folge sind 30.000 Dörfer menschenleer geworden

Formen der sozialen Krise im Iran
Bildung von Slumvierteln: über 20 Millionen Menschen leben in Slums an den Stadträndern
Drogensucht inkl. Alkoholismus: 4-7 Millionen, hinzu kommen 20 Millionen Nikotinsüchtige
Fehlernährung: betrifft zig Millionen
Prostitution: betrifft Hunderttausende, sie reicht inzwischen bis zur Altersgruppe der 10-Jährigen
Studienabbruch: betrifft jeden 4. Studierenden
Kinderarbeit: 1,5 bis 7 Millionen Kinder müssen arbeiten
Kinderehe: betrifft Hunderttausende von Kindern
Obdachlosigkeit: betrifft 150.000 Menschen, die im Freien auf Kartons übernachten

Mitschuld der Regierung

  • zu ungleiche Verteilung des Nationaleinkommens durch die Regierung (Erdöl)
  • Aufrechterhaltung der gespannten Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Iran und dem Westen
  • Staat fördert Bevölkerungswachstum, ohne entsprechend für Wohnraum, Arbeitsplätze, Bildungsmöglichkeiten etc. zu sorgen
  • Kein Interesse an der Einführung und Durchsetzung von Umweltnormen in der Industrie
  • nicht durchdachte Staudammprojekte
  • Abholzung der Wälder
  • Vergeudung von Milliarden US-Dollar für militärische Zwecke (Atombombenbau, Raketenbau)
  • Politik stützt sich auf Interessen der Pasdaran und der Geistlichen, ohne Fachleute zu berücksichtigen
  • institutionalisierte Korruption

http://www.radiofarda.com/a/f3-social-problems-iran/28126330.html
vom 1. Adhar 1395 (21. November 2016)
saxtare asibhaye ejtema°i dar iran dar se nemudar

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Iran: Oberster Chef der Justiz ist natürlich unschuldig

Wir hatten berichtet, dass Ajatollah Sadeq Laridschani 63 Konten auf der Iranischen Nationalbank hat, auf denen insgesamt 250 Millionen Euro liegen.
Jetzt kam ihm der Wirtschaftsminister Ali Tayeb-Niya zu Hilfe. Er erklärte gegenüber dem staatlichen iranischen Sender Seda wa Sima: „Die Meldungen einiger ausländischer Webseiten über Bankkonten der Justiz sind absolut unwahr. Das, was es gibt, besteht seit rund 20 Jahren in Absprache mit der Staatskasse und der Nationalbank. Und zwar wurden bestimmte Beträge unter Einhalten der Vorschriften des Gesetzes und der Scharia auf den Namen der Justiz im Banksystem des Landes eingezahlt. Natürlich gibt es auch für diese Einzahlungen Zinsen. Der eigentliche eingezahlte Betrag wurde nie verwendet und ist immer auf dem Konto erhalten geblieben. Der Gewinn, der auf diese Konten entfällt, wurde für bestimmte Ausgaben der Justiz eingesetzt.“

Mutige Anfrage

Der Teheraner Parlamentsabgeordnete Mahmud Sadeqi hat darauf im Parlament eine Anfrage an den Wirtschaftsminister gerichtet, nach welchen Vorschriften des Gesetzes und der Scharia es denn erlaubt sein, staatliche Einnahmen auf Privatkonten zu verbuchen. Auch forderte er die Justiz auf, im Sinne der Transparenz die Zahlungen und Verwendung der Gelder der letzten 5 Jahre offenzulegen.

Kampf zwischen Regierung und Justiz

Resa Haqiqat-Neschad, ein Journalist, der in Istanbul lebt und seit längerem zu diesem Thema recherchiert, sieht im Hintergrund des Skandals einen Kampf zwischen den Institutionen. Einerseits die Regierung mit ihrem gewählten Präsidenten, andererseits das vom religiösen Führer ernannte Oberhaupt des Justizrats. Resa Haqiqat-Neschad erklärte gegenüber der Deutschen Welle, dass es schon seit 1360 (1981) Briefwechsel über solche Konten der Justiz gebe. Resa Haqiqat-Neschad ist bei seinen Nachforschungen auf einen Beschluss des Obersten Justizrats des Landes vom 5. Dey 1360 (Ende 1981) gestoßen, mit dem die Justiz des Landes angewiesen wird, die Beträge, die aufgrund der Begleichung von Geldstrafen, aufgrund von Beschlagnahmungen oder von Rückzahlungen an die Staatskasse bei der Justiz eingezahlt werden, auf bestimmte, von der Staatskasse festgelegte Konten eingezahlt werden, von denen man kein Geld abheben kann.“
(Anmerkung: Das erklärt freilich nicht die Eröffnung von Konten auf konkrete Personen).

Es geht nicht ums Volk
Schirin Ebadi, Juristin von Beruf, im Ausland mehr wegen ihres Friedensnobelpreises bekannt, kommentiert den Vorgang mit dem Hinweis darauf, dass es erstaunlich sei, dass diese Streitigkeiten zwischen dem Justizapparat, der unter der Kontrolle des Führers und des von ihm ernannten Oberhaupts des Justizrats und nicht des Justizministers steht, in die Presse gelangt ist. Das sei ein Indiz dafür, dass es im Machtapparat Streit um den Zugriff auf diese Einnahmen gebe. Allerdings nicht, um dafür zu sorgen, dass das Geld der Bevölkerung zugute komme, sondern dafür, dass eine Gruppe der Machthaber ihren Einfluss auf Kosten einer anderen erweitert. Man könne sicher sein, dass das Justizoberhaupt Sadeq Laridschani, der direkt vom Religiösen Führer unterstützt wird, nicht das direkte Ziel der Angriffe sei, sondern diese Gelder.

Quelle:
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220216.php
vom 27. Aban 1395 (17. November 2016)
wathiqeha’i ke sar az hesabhaye shaxsi dar awardand

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Iran: Gefangener zerreißt Bild des Führers


Mahdi Farahi Schandis

Wie die Webseite sahba.news/ berichtete, hat der politische Gefangene Mahdi Farahi Schandis aus Protest gegen die Fabrizierung erfundener Vorwürfe gegen ihn das Bild des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i zerrissen. Darauf erhielt er einen Monat Einzelhaft. Danach erhielt er eine Vorladung vom Staatsanwalt von Karadsch. Dort wurde ihm damit gedroht, dass er für das Zerreißen des Bildes noch 5 Jahre zusätzlich bekommen könne. Auch der Stellvertreter des Gefängnisdirektors von Radscha’i-Schahr war in diesem Moment anwesend. Aus Wut über diese Willkür schlug er mit der Faust auf ein gerahmtes Bild von Ajatollah Chamene’i, dass auch dort hing – der Führer eben, und rief mehrere Parolen gegen Chamene’i. Der Mann sei Schuld am Unglück der Menschen im Iran, Irak, Syrien und Jemen. Darauf stürzten sich mehrere Beamte auf ihn und verprügelten ihn.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220247.php
vom 29. Aban 1395 (19. November 2016)
pare kardane °akse rahbar tawassote zendaniye siyasi, hamrah ba sho°are marg bar xamene‘i

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Türkei: Straffreiheit für Vergewaltiger – Opfer heiraten

18 November 2016
Ein entsprechender Gesetzesvorschlag im türkischen Parlament, der Straffreiheit für Vergewaltiger vorsieht, wenn sie ihr Opfer heiraten – siehe die ai-Meldung unten, hat sowohl in der Türkei als auch im Iran heftige Wellen geschlagen. Die Iraner haben wenig Freiheit, ihre eigenen Machthaber zu kritisieren, also greifen sie Themen auf, die die Denkweise ihrer eigenen Herrscher widerspiegeln, und kritisieren sie im Nachbarland Türkei.


Polizei prügelt Bevölkerung, die gegen Straffreiheit für Vergewaltiger (im Fall der Heirat) auf die Straße geht

Proteste in der Türkei
In der Türkei hat dieser Gesetzesentwurf an vielen Orten zu Protesten geführt, und einmal mehr ist der Ausnahmezustand, den die Regierungspartei mit Unterstützung der sogenannten Opposition aus MHP und CHP nachträglich auch im Parlament absegnen ließ, ein willkommener Vorwand, Proteste zu verbieten und Demonstranten mit Tränengas und Polizeiprügeln zum Schweigen zu bringen, wie hier in Hopa, Provinz Artvin.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/istismar-onergesine-kolluk-kalkani-hopada-yurttaslara-polis-saldirdi/
İstismar önergesine ‘kolluk kalkanı’: Hopa’da yurttaşlara polis saldırdı
21/11/2016 17:45

Amnesty International
18. November 2016
Turkey: Proposal to free those convicted of sexual assault if they marry their victims must be rejected

In response to proposals submitted to the Turkish parliament that would potentially allow thousands of people convicted of sexual assault to be let out of jail if they marry the victim of their crime, Gauri van Gulik, Amnesty International’s Deputy Europe Director said:

“Suspending the sentence for any criminal offense, but in particular sexual assault, by offering the perpetrator to marry the victim can be dangerous, sends the wrong message and could lead to further abuse.”

“While the government claims these cases do not include any involving coercion, it is impossible in the case of a blanket suspensions to guarantee that there was in fact full and informed consent of the girl, not just of her family.”

According to news reports, Prime Minister Binali Yildirim said the aim of the proposal was to remedy the situation of men who are in jail and are married to women under the age of 18 in a religious ceremony and with the consent of their family. He said “it will end the victimhood of around 3,000 families”.

The proposal, which would apply to cases of sexual abuse that occurred before 16 November 2016, has attracted widespread condemnation and an online petition gathered over 500,000 signatures in less than 24 hours.

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Iran: Vom Sinn der Strafe

Wer sich mit dem Sinn von staatlichen Strafen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass die Todesstrafe nichts dazu beiträgt, dass die Menschen in einem Lande sicherer Leben, und dass Gericht und Gefängnis auch nicht unbedingt das Mittel der Wahl sind, unerwünschte Verhaltensweisen zu verhindern. Es gab Zeiten und Länder, in denen Alkohol verboten war, und trotzdem getrunken wurde, und gleiches gilt auch für andere Drogen der Neuzeit.
Im Iran sind Razzien gegen Jugendliche, die Alkohol trinken, oder Paare, die ohne Trauung zusammenleben, so häufig, dass sie meist nicht in den iranischen Medien veröffentlicht werden. Wieweit diese Razzien somit zur Abschreckung beitragen können, ist zweifelhaft. Wie kann mich etwas abschrecken, wovon ich nichts erfahren habe?

Die Wirkung von Strafe
Man kann natürlich auch schauen, wie die Strafen auf die Betroffenen wirken. In peykeiran ist jetzt ein Erlebnisbericht einer jungen Frau veröffentlicht, die von den Bassidschis mit Alkohol erwischt wurde, darauf verprügelt und gedemütigt wurde, indem man sie zwang, die Klos in der Bassidschi-Station zu putzen, die dann auf die Polizeiwache ging, um sich über die Misshandlung zu beschweren, was die Polizei gar nicht interessierte, die erkundigte sich nur nach der Herkunft des Alkohols, dann hatte sie eine 5-Minuten-Gerichtsverhandlung, auf der der Richter sie nur mit den Worten abwürgte – Halt’s Maul – (xafe shou), und dann erhielt sie eine saftige Geldstrafe und ein Urteil über 20 Peitschenhiebe.

Verletzung der Normen als Protest
Bei so viel Ungerechtigkeit sollte keiner erwarten, dass Jugendliche sich „bekehren“. Strafe erzeugt das Gefühl von Ohnmacht, Wut und Hass auf das System. In diesem Sinne erzieht die Islamische Republik die nächste Generation. Und es kann leicht passieren, dass diese Menschen die verbotene Handlung nun erst recht wiederholen, als Protest.

Quelle
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120155
vom 30. Aban 1395 (20. November 2016)
revayate hokme shalaq dar iran: sade-louh hastand agar fekr konand darse °ebrat shod, mashrub hala neshane
e°teraze man ast

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Iran: Die Wüste

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Entwurf für das neue Arbeitsgesetz im Iran vorerst gescheitert

Heute, am 15.11.2016, wurde im iranischen Parlament über den Entwurf für das neue Arbeitsgesetz der Regierung Rouhani beraten. Zu diesem Anlass versammelten sich tausende Gewerkschafter ab 10 Uhr vor dem Parlamentsgebäude um mit Parlamentariern zu diskutieren und den Entwurf zu kritisierten. Der Entwurf wurde vom Parlament zur Nachbesserung zurückgewiesen.

Seit langer Zeit versuchten iranische Arbeitnehmervertretungen zahlreiche Missstände im iranischen Arbeitsgesetz zu beseitigen. Das betraf u.a. Regelungen zum Mindestlohn, zu Arbeitsbedingungen, zu Kranken-, Sozial- und Arbeitslosenversicherungen, zu Inflationsausgleich und vielem mehr.

Die Regierung Rouhani hat nun einen Entwurf zur Reform des Arbeitsgesetzes vorgelegt, der den Wünschen der Arbeitnehmer in keinster Weise gerecht wird. Er wurde im Vorfeld selbst von islamischen Gewerkschaften scharf kritisiert. Die Gewerkschaften drohten mit landesweiten Streik, falls dieser Entwurf so beschlossen wird.

Tausende Beschäftigte haben sich vor dem Parlament in Teheran versammelt. Es waren vorwiegend ArbeitnehmervertreterInnen aus dem ganzen Iran aber auch Beschäftigte aus Betrieben in Teheran und der näheren Umgebung, darunter auch zahlreiche in Arbeitskleidung, die nur für wenige Stunden frei bekommen hatten und Beschäftigte die als Arbeiter von Teheraner Busunternehmen erkennbar waren.

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Iran: Die Basis der Macht – Erpressung


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: nicht islamisch verschleierte Frauen gehören ausgepeitscht

Am 16. Aban 1395, also am 6. November 2016, verstarb in Teheran im Alter von 84 Jahren der als islamischer Extremist bekannte Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni. Zur Schahzeit soll er mit Seyyed Modschtaba Nawwab Safawi zusammengearbeitet haben, dem Begründer der islamischen Terrorgruppe Dscham’iyate Fedayane Eslam (Vereinigung derer, die sich für den Islam aufopfern). Er war Abgeordneter im ersten Parlament der Islamischen Republik Iran nach der Revolution von 1979 und nach eigenen Angaben Ermittler (also Folterer) im Ewin-Gefängnis in Teheran. Er gehörte stets zu den massivsten Angreifern der Reformisten und schreckte auch vor Vorwürfen unter der Gürtellinie nicht zurück. Sein Tod wurde von Ajatollah Chamene’i entsprechend gewürdigt. Er sei ein mustergültiger Soldat im Kampf für den Islam gewesen.


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: in seiner Jugend

Bettgeschichten
So viel Moralismus wirkt als Herausforderung. Und die Historiker wurden fündig. So hat der SAVAK, der berüchtigte Geheimdienst des Schahs, eine Frau dazu benutzt, diverse Geistliche auf ihre Standfestigkeit zu testen. Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni gehörte zu denen, die sich einwickeln ließen. So wurden von ihm Aufnahmen gemacht, wie er mit einer Frau im Bett beschäftigt war, die nach eigenen Angaben verheiratet war. Nach der Auslegung der Scharia, die eben jener Hodschatoleslam Schodschuni verkündete, wäre das ein Grund für Steinigung, sowohl seiner selbst wie der Frau.

Versuch gescheitert
Als es darum ging, aus diesen Fotos politisches Kapital zu schlagen, geriet das Schahregime allerdings auf Glatteis. Der Geheimdienst wählte Hodschatoleslam Falsafi aus, der mit derselben Frau im Bett gewesen war, um Hodschatoleslam Schodschuni zu überzeugen, sich auf der Kanzel zu mäßigen, sonst würde man seine Fotos im ganzen Land verbreiten. Dazu merkte Hodschatoleslam Falsafi allerdings an, dass das Volk schon merken werde, dass die Fotos montiert seien und dass deren Veröffentlichungen den Zorn des Volks nur verdoppeln würde. Sprich: Der Schah scheiterte an der Redekunst der Geistlichen und an seiner eigenen Unglaubwürdigkeit. Wer glaubt schon Geheimdiensten?


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: am Sternenhimmel der Macht

Sieg der Revolution
Nach der Revolution fanden viele Leute vom Schlage Hodschatoleslam Schodschunis den Weg nach oben. Nicht ohne Grund: Ob Ajatollah Chomeini, ob Ajatollah Chamene’i, sie umgaben sich gern mit Menschen, deren Schwächen sie kannten. So waren sie erpressbar und willige Werkzeuge. Geradlinige Menschen mit eigener Überzeugung wie Ajatollah Montaseri oder Ajatollah Taleqani waren ihnen suspekt und wurden früher oder später entmachtet oder umgebracht. So ist es kein Wunder, dass Leute wie Haddad Adel unter Ajatollah Chamene’i aufstiegen, der früher mit dem Schahregime zusammengearbeitet hatte. Auch Sadegh Laridschani, bis kurz vor seiner Ernennung zum Oberhaupt der Justiz noch kein Ajatollah, gehört in die Kategorie. Dass er Geld im Wert von 250 Millionen Euro auf seinen Kontos bei der Iranischen Nationalbank hat, dürfte auch Ajatollah Chamene’i nicht verborgen geworden sein.


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: sein Begräbnis

Ahmadineschad – ein gelehriger Schüler
Die Methode, kompromittierende Fakten über die Machthaber zu sammeln, übernahm auch Ahmadineschad in seiner Amtszeit als Präsident. Mit seinen Leuten im Geheimdienst ließ er auch den Apparat des Religiösen Führers bespitzeln und hat genügend belastendes Material über Modschtaba Chamene’i, den Sohn des Ajatollahs, über Haddad Adel, dessen Tochter mit Modschtaba Chamene’i verheiratet ist und der selbst ein enger Berater von Ajatollah Chamene’i ist, usw. Aus diesem Grund traut sich auch heute noch keiner an Ahmadineschad ran.

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AC%D8%B9%D9%81%D8%B1_%D8%B4%D8%AC%D9%88%D9%86%DB%8C
(abgerufen am 14.11.2016)

http://news.gooya.com/didaniha/archives/2016/11/220033.php
vom 22.11.2016
didani-ha: fesade axlaqiye hojaje eslam-ra behtar beshenasim

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Chorramabad (Iran): Tödlicher Müll


Protestkundgebung in Chorramabad

Am Montag, den 7. November 2016, verwandelten sich die Straßen in Chorramabad (Region Lurestan) aufgrund starker Regenfälle in Sturzbäche. Hinzu kam, dass der Müll einer Großbaustelle am Bulvar Shoura in Chorramabad das Wasser aufstaute, so dass eine Studentin, die mit dem Auto fliehen wollte, dabei ertrank. Die Reaktion des Bürgermeisters: Sie ist selber schuld, sie hätte halt nicht diese Straße benutzen sollen.
Angesichts dieses Zynismus gingen am Folgetag Studenten und Einwohner von Chorramabad auf die Straße, um gegen diesen Todesfall zu protestieren, der durch die Nachlässigkeit und Ignoranz der Stadtverwaltung verursacht wurde.

Quelle
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=76521
vom 18. Aban 1395 (8. November 2016)

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