Iran: informelle Berufe


da:d-zan (Ausrufer) gesucht: eine Stellenanzeige…

In einem Land, in dem schon seit längerem ein großes Firmensterben um sich greift – und der Iran gehört zu der Sorte, ist es naturgemäß schwer, Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze zu finden. Das bedeutet nicht, dass es in solchen Gesellschaften nichts zu tun gibt, aber meistens ohne Fachausbildung, ohne Kontrollen, ohne Gewerkschaften. Alles geradezu ein kapitalistisches Wunderland, sollte man meinen.

Die Webseite peykeiran hat eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr über einige Berufe veröffentlicht, die in der Islamischen Republik Iran heutzutage ausgeübt werden. Manche Berufe sind schon älter, manche existieren in Abwandlung auch hierzulande, andere muten schon recht fremd an.
Wir führen hier die persischen Bezeichnungen und die deutschen Erklärungen auf:

sharr-xar – (sharr – Bandit, Verbrecher, Schurke, xar – von xaridan, kaufen)
Ein Gläubiger, der die Schulden nicht eintreiben kann, wendet sich an so eine Person, die mit Gewalt, Messer und anderen Formen der Erpressung (Kindesentführung etc.) den Schuldner dazu bringt, die Schulden zu begleichen. Ein solcher Schuldeneintreiber hat gewöhnlich keine Angst davor, ins Gefängnis zu kommen. Für seine „Mühen“ erhält er einen Teil des eingetriebenen Geldes. Im „zivilisierten“ Deutschland übernehmen zwielichtige Anwaltsfirmen diese Funktion, die z.B. windige Rechnungen von Internet-Anbietern unter Androhung von Prozessen eintreiben.

da:d-zan (Rufer, Schreier)
Wer seine Pizza oder seine Ware auf der Straße anpreisen will, mietet sich für einen Tag so einen Ausrufer.

tra:kt-paxsh-kon (Flyer-Verteiler)
Verteilt die Werbeflyer einer Firma, auch hier ein gängiger, aber nicht eben einträglicher Beruf, der meistens von Schülern ausgeübt wird.

pla:k-mahw-kon (Nummernschild-Auslöscher)
In der Hauptstadt Teheran gibt es diverse Bereiche, in die keine Autos fahren dürfen. Wer es trotzdem tut, wird geblitzt und muss dann eine Strafe zahlen. Um dies zu umgehen, warten an solchen Stellen Personen mit ausufernden Mänteln, die vor oder hinter dem Auto hergehen, je nachdem, wo die Kamera steht, und so dafür sorgen, dass zwar ein Foto vom Auto gemacht wird, aber das Nummernschild verdeckt ist.

ja:-ye pa:rk-gir (Parkplatz-Besetzer)
Leute, die Parkplätze mit irgendwas vollstellen und dann gegen Entgelt den (nicht ihnen gehörenden) Platz freigeben, wenn jemand einen Parkplatz sucht. Wäre sicher auch in Konstanz eine einträgliche Beschäftigung.

gerye-kon-e mara:sem tarh.im (Trauerfrau, Trauermann)
Leute, die auf Begräbnissen kräftig und laut weinen und klagen und die Verdienste des Verstorbenen preisen. Solche Personen werden gern auf Staatsbegräbnissen angeheuert.

dast-forush (Straßenverkäufer)
Wer seine Ware bei sich trägt und auf der Straße verkauft, heute in Teheran besonders häufig in der Metro und in den Metro-Stationen. Sind recht aufdringlich.

hamra:h-e bimar (Krankenbegleiter)
Wenn die Angehörigen arbeiten müssen und sich nicht um den im Krankenhaus liegenden Patienten kümmern können, heuern sie die Dienste eines Krankenbegleiters an. Er verrichtet auch nicht-medizinische Hilfleistungen, z.B. Begleitung zur Toilette u.ä. Angesichts der starken Einsparungen im öffentlichen Gesundheitswesen in Deutschland sollten wir uns nicht wundern, wenn der Beruf hier bald auch auftaucht. Man sieht, man kann von Entwicklungsländern lernen…

sha:hed-e da:dga:h (Gerichtszeuge)
Unfall, Überfall, Ehestreit? Sie suchen einen Zeugen? Alles zu kaufen.

do°a:-newis (Gebetsschreiber)
Ein alter Beruf. Diese Leute schreiben einen Koranspruch oder ein Gebet auf ein Stück Papier. Wer krank ist, wirft den Zettel in ein Glas Wasser und trinkt das Wasser aus, dann wird er wieder gesund. Es gibt Bücher, in denen diverse Gebete stehen, die helfen, dass man Arbeit findet, gesund wird, die Ernte reich ausfällt etc.

noubat-forushi (Schlangensteher)
Wer etwas bei der Deutschen Botschaft oder auf der Bank zu erledigen hat, muss warten. Es sei denn, er kauft sich den Platz in der Warteschlange bei einer entsprechenden Person.

ka:r-ra:h-benda:z (der die Sache auf den Weg bringt)
Eine Person, die als Vermittler tätig wird, wenn man zum Beispiel später zum Militärdienst will oder als Student eine Wohnung benötigt u.s.w.

rang-ka:r-e morakkaba:t (Zitrusfrüchte-Anmaler)
Mitunter sieht die Schale von Orangen oder Zitronen farblich nicht so attraktiv aus, wie man sich selbige vorstellt. Dafür gibt es diese Art von Malern, die die Schalen färben. Wenn die Früchte dann noch in einem Netz verkauft werden, merkt man das nicht gleich. Evtl. kann man es am Geruch feststellen, aber das benötigt Erfahrung. Wer es beim Einkaufen eilig hat, hat das Nachsehen.

Quelle

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120423
vom 5. Adhar 1395 (25. November 2016)
ba ajibtarin mashaghele kadhebe iran ashna shawid

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