Ankara: Russischer Botschafter erschossen

Botschaften sind ein beliebtes Ziel für symbolische Handlungen – so die Besetzung der US-Botschaft in Teheran im November 1979. Diesmal galt der Anschlag dem russischen Botschafter Andrey Karlov in Ankara, als er eine Fotoausstellung eröffnete. Andrey Karlov hat übrigens auch als Russlands Vertreter in Nord- und Südkorea gearbeitet und verstand Koreanisch.
Die russische Zeitung Novaya Gazeta berichtete am 19.12.2016 um 19:15 vom Mordanschlag auf Andrey Karlov, den russischen Botschafter in Ankara. Die Zeitung berichtet weiter unter Berufung auf Habertürk, dass der Attentäter seit 2014 bei einer Spezialeinheit der türkischen Polizei gedient habe, im Rahmen der Entlassungswellen nach dem Putschversuch im Juli 2016 aber entlassen worden sei. Letzteres Detail geistert zwar auch durch andere Medien des ehemaligen Sowjetraums (z.B. in der georgischen Zeitung presa.ge), kann aber anhand der Meldung von habertürk (s.u.) nicht bestätigt werden. Nowaja Gazeta schreibt, der Todesschütze habe Allahu akbar und Sätze wie: „Vergesst Aleppo nicht, vergesst Syrien nicht!“ gerufen. Das Wort Dschihad fehlte natürlich auch nicht. Das persische Internetportal gooya.news ergänzt hierzu, dass der Attentäter einen arabischen Vers zitiert habe, den die Grabenkrieger des Islams in seinen Anfangszeiten auf ihren Lippen gehabt hätten:
„نحن الذین بایعوا محمداً علی الجهادِ ما حیینا ابداً“
Der Täter habe damit seine Gefolgschaft für Mohammad ausgedrückt (falls das sein wahres Motiv war, das wissen höchstens die, die ihn näher kennen…)
Novaya Gazeta erwähnt, dass einmal die Organisation Dschebhat an-Nusra und ansonsten die „FETÖ“ – wie die Glaubensgemeinschaft um den Prediger Fethullah Gülen in der staatlichen türkischen Propaganda genannt wird – als mögliche Täterorganisation hinter dem Attentat bezeichnet wurde. Novaya Gazeta zitiert weiterhin Reuters, wonach Fethullah Gülen den Mordanschlag verurteilt habe. Diese Meldung findet sich in den türkischen Medien nicht. Novaja Gazeta schreibt weiterhin, dass derzeit in der Türkei fast täglich Proteste gegen die russische Politik in Syrien (Krieg um Aleppo) stattfänden.

Was berichtet nun Habertürk?
Die Zeitung verweist zum einen auf das bevorstehende Treffen zwischen Vertretern Russlands, des Irans und der Türkei in Moskau zum Thema Syrien. Das Treffen werde nicht abgesagt. Die Zeitung schreibt weiter, dass der Attentäter die Polizeihochschule in Izmir nach zwei Jahren abgeschlossen habe. Und dann im Einzelnen: „Es wurde bekannt, dass in der Zeit, in der Mert Altintas (der jetzige Attentäter) in der Polizeihochschule aufgenommen wurde, das Erziehungsministerium in den Händen von FETÖ-Mitgliedern war, und dass in der Zeit, in der er seine Ausbildung erhielt, wie auch in der Zeit danach das unter- und übergeordnete Personal der Staatssicherheit sowie die Leute in seinem Umfeld unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der FETÖ aus ihrem Beruf ausgeschlossen wurden. Es wurde vorgebracht, dass Mert Altintas wie eine „schlafende Zelle“ innerhalb der FETÖ zu werten sei.“ (Das ist also die Quelle für seine angebliche Entlassung aus dem Staatsdienst).
Habertürk schreibt auch, dass der Vater des Attentäters, seine Mutter, seine Schwester und seine Gefährtin festgenommen worden seien. Der Vater arbeitet als Geselle auf Baustellen. Die Familie stammt aus Aydın, einer Provinz in der Westtürkei.
http://www.haberturk.com/gundem/haber/1338550-ankarada-silahli-saldiri
Rusya‘nın Ankara Büyükelçisi Andrey Karlov‘a silahlı saldırı
19 Aralık 2016 Pazartesi, 19:14:36 Güncelleme: 20 Aralık 2016 Salı, 00:01:46

Unschädlich gemacht
Interessant ist, wie die türkischen Amtspersonen auftreten, um von der Tötung des Attentäters durch die türkische Polizei zu berichten. Sowohl Ministerpräsident Binali Yıldırım wie das türkische Außenministerium erklärten, dass der Täter „in einen wirkungslosen Zustand versetzt“ worden sei, sprich er starb im Schusswechsel mit der Polizei. Die gleiche Floskel bekam man auch zu hören, als die Armee gegen die Grabenkämpfer in Diyarbakir und Mardin vorging. Denn der Staat ist ja gut und tötet niemanden…

Wie die türkische Internetzeitung diken am 19.12.2016 um 21:01 Uhr berichtet, hat der türkische Innenminister Süleyman Soylu Details über den Lebenslauf des Attentäters bekannt gegeben, der heute den russischen Botschafter in Ankara bei der Eröffnung einer Ausstellung in einer Galerie für zeitgenössische Kunst mit Schüssen in den Rücken erschoss. Es handelt sich um einen 22-Jährigen, der die Polizeihochschule in Izmir absolviert hat und seit zweieinhalb Jahren bei einer Spezialeinheit der Polizei in Ankara (Çevik Şube Müdürlüğü) Dienst tut. Reuters berichtet, er sei an diesem Abend nicht im Dienst gewesen.
Der Journalist Haşim Kılıç, der für Hürriyet arbeitet und bei dem Anschlag anwesend war, erklärte, dass der Botschafter seines Wissens nach nicht mit Leibwächtern herumzureisen pflegte und auch keinen Leibwächter dabei hatte. In der Kunstgalerie sei keine Polizei anwesend gewesen. Je nach Version heißt es, dass der Attentäter sich als Leibwächter des russischen Botschafters bezeichnet habe bzw. seine Polizeidienstkarte vorgewiesen habe, um in die Galerie eingelassen zu werden.
http://www.diken.com.tr/rusya-ankarada-silahli-saldiriya-ugrayan-buyukelci-karlov-hayatini-kaybetti/
Ankara’da silahlı saldırıya uğrayan Rus büyükelçi Karlov hayatını kaybetti
19/12/2016 21:01

Verbot in der Türkei für unabhängige Nachrichten und Kommentare
Der Radio- und Fernsehaufsichtsrat (RTÜK) gab laut einer Meldung von Habertürk bekannt, dass das Amt des Ministerpräsidenten bezüglich des Mordanschlags auf den russischen Botschafter eine Medienbeschränkung verhängt habe. Die Beschränkung umfasse alle Bilder, Filme und Kommentare, die nicht von amtlichen Stellen stammen.
Die Internet-Ausgabe der türkischen Zeitung Cumhuriyet berichtet um 22:34, dass nach dem Mordanschlag auf den russischen Botschafter in Ankara der Zugang zu Facebook, Instagram und Twitter erschwert sei und der Internetzugang sich verlangsamt habe.
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/647873/Buyukelciye_suikast_sonrasi_internete_erisim_engeli.html#
Cumhuriyet 19.12.2016 22:34
Büyükelçiye suikast sonrası internete erişim engeli

weitere Quellen:
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/12/221561.php
vom 29. Adhar 1395 (19.12.2016)
safire rusiye dar ankara be d.arbe golule koshte shod

https://www.novayagazeta.ru/articles/2016/12/19/70950-v-ankare-zastrelili-posla-rossii-v-turtsii
В Анкаре застрелили посла России в Турции Андрея Карлова
Москва назвала случившееся терактом
19:15 19. Dezember 2016

http://www.presa.ge/new/index.php?m=politics&AID=50987
ვინ იყო თავდამსხმელი, ვინც ანკარაში რუსეთის ელჩი მოკლა? (ფოტო 18+)
vin iqo tavdamsxmeli, vinc ank‘arashi rusetis elchi mok‘la?
22:49 19.12.2016

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