Archiv für Dezember 2016

Natur im Iran

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16. Asar – Traditioneller Studentischer Aktionstag im Iran

Der 16. Asar ist der traditionelle Tag der iranischen Studentenbewegung. An diesem Tag wird an 3 Studenten gedacht, die bei einem Angriff der „Sicherheitskräfte“ des Schahs auf die Technische Hochschule in Teheran umgebracht wurden. Das war am 7. Dezember 1953.

Dieses Jahr gab es wieder Demonstrationen an den Universitäten verschiedener iranischer Städte. Es wurde gegen miserable Zustände in den Mensen protestiert, und verschiedene studentische Anliegen thematisiert.

Darüber hinaus wurden Parolen für die Freiheit und die Gleichheit aller Menschen gerufen und die Diskriminierung von Studentinnen kritisiert. Sie bekundeten auch ihre Solidarität mit den protestierenden Busfahrern.

Die Proteste fanden dieses Jahr unter erschwerten Bedingungen auf dem Universitätsgelände statt, obwohl die Universitätsleitungen alle Proteste verboten hatte. Allerdings hatten die gleichen Universitäten den studentischen Bassidschi die Erlaubnis erteilt, ihre Kundgebungen abzuhalten.

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Im syrischen Bürgerkrieg gefallene Bassidschi-Studenten

Der Leiter der iranischen Studenten-Bassidschi, Davud Gudars, hat erstmals zugegeben, dass bisher 50 Bassidschi in Syrien gefallen sind.

Bassidschi sind eine paramilitärische Gruppe (Miliz) im Iran, die seit Beginn der Islamischen Revolution organisiert wurden. Es handelt sich bei ihnen meist um ganz normale Leute, die in ihrem Betrieb, in der Schule, auf der Universität oder im Basar organisiert werden und eine wichtige Funktion bei der Stabilisierung des Regimes haben. Sie erhalten eine Waffenausbildung und genießen verschiedene Privilegien.

So erhalten sie ein Vielfaches des Lohns ihrer Kollegen, werden bei der Wohnungssuche bevorzugt, bekommen als erste Lebensmitteel zugeteilt, sollten sie knapp werden, haben erleichterten Zugang zu Bankkrediten, dürfen studieren selbst ohne die Aufnahmeprüfung zu schaffen, oder ihre Noten das eigentlich nicht zulassen und machen sogar ihre Universitätsabschlüsse.

Die Information vom Tod der 50 studentischen Bassidschi wurde von Davud Gudars auf einer Trauerfeier bekannt gegeben, bei der heimkehrende Märtyrer aus Syrien zu Grabe getragen wurden.

Die Zahl von nur 50 Toten ist äußerst fragwürdig. Vor Monaten hatte nämlich der Leiter der Märtyrerstiftung (Boniad Shahid), Mohammad Ali Mahalati, bereits erklärt, dass seit Beginn der iranischen Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg etwa 1000 Bassidschi aus dem Iran gestorben sind.

Aber es nehmen nicht nur Bassidschi sondern noch weitere Gruppen am Krieg in Syrien teil:

  • Pasdaran (Revolutionswächter)
  • Reguläre Armee
  • Fatemiyun (Schiitisch-Afghanische Freiwilligenorganisation)
  • Zeinabiyun (Schiitisch-Pakistanische Freiwilligen Organisation)

Von diesen Gruppen sind im Iran noch keine Todeszahlen veröffentlicht worden. Wer sich bereit erklärt, im syrischen Krieg zu kämpfen, bezieht einen guten Lohn. Auch die Märtyrerfamilien erhalten hohe Entschädigungen, sollten ihre Söhne im Krieg ums Leben kommen.

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Teheran (Iran): Protest mit 30 Kilometer pro Stunde


Nachdem gestern die Polizei in Teheran eine Reihe von Busfahrern verprügelt und verletzt hatte, die vor der Stadtverwaltung ihre Rechte einforderten, und weitere 20 Busfahrer in Haft genommen wurden, rief die Busfahrergewerkschaft zu weiteren Protesten auf. Die Busfahrer sollten nicht schneller als 30 km pro Stunde fahren und die Lichter die ganze Zeit brennen lassen. Dies führte dazu, dass die Busse auf dem Busstreifen eine lange Karawane bildeten, die nicht zu übersehen war.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/12/220952.php
vom 5. Dezember 2016
e°teraz be barxorde xashene polis ba ranandegane sherkate wahed: harekate otobusha ba sor°ate payin wa cheraghe roushan

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Teheran (Iran): Polizei zur Aufstandsbekämpfung gegen Busfahrer


Am Sonntag, den 4. Dezember 2016, versammelten sich Busfahrer der städtischen Teheraner Busgesellschaft Sherkate Wahede Tehran vor der Stadtverwaltung, um ihren Lohnforderungen Nachdruck zu verleihen und dagegen zu protestieren, dass die Stadtverwaltung zwar Geld kassiert hat, um ihnen Wohnungen zur Verfügung zu stellen, aber bis heute noch nichts für das Geld getan hat.
Die Stadtverwaltung, die von den geplanten Protesten wusste, forderte eine Polizeieinheit zur Bekämpfung von Aufständen an, die auch kräftig zuschlug und die Busfahrer misshandelte. Die Straßen im Umfeld der Stadtverwaltung wurden abgesperrt. Einige Busfahrer wurden in Haft genommen.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120891
vom 14. Adhar 1395 (4. Dezember 2016)
d.arb-o-shatm-o-bazdasht dar e°teraze ranandegan-e sherkat-e wahed-e tehran

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Türkei: Das Land der Pinguine

Der folgende Artikel stammt vom derzeit im Exil lebenden türkischen Journalist Can Dündar. Er wurde im Oktober-Heft des ai-Journals 2016 veröffentlicht. Sämtliche Urheberrechte liegen bei Can Dündar.

Im Oktober 2016 schrieb Can Dündar im AI-Journal folgenden Gastbeitrag (Amnesty Journal Oktober 2016):

Die Pinguine und der Pool
Wie türkische Medien zum Schweigen gebracht werden. Ein Gastbeitrag von Can Dündar, dem ehemaligen -Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“.
„In der Türkei waren die Medien nie im eigentlichen Sinne frei. Doch eine derart drastische Knechtschaft gab es ebenfalls noch nie. Um diese starke Zwinge zu schaffen, die nicht einmal die Militärregime vor ihm zustande brachten, verfolgte Staatspräsident Erdoğan innerhalb von zehn Jahren eine dreistufige Strategie: Er übernahm zunächst die Kontrolle der Zentrumsmedien, dann baute er eine von ihm abhängige Medienmacht auf und schließlich brachte er die übrig gebliebenen
Oppositionellen zum Schweigen.

Es fing in Deutschland an
Die erste Stufe setzte 2007 in Deutschland ein. Im April durchsuchte die deutsche Polizei den Verein „Leuchtturm“ und die Europa-Vertretung des türkischen TV-Senders „Kanal 7″ in Frankfurt. Es hatte sich herausgestellt, dass der Löwenanteil der 41 Millionen Euro, die der Verein von Türken in Deutschland als Spenden eingesammelt hatte, zugunsten des regierungsnahen Senders Kanal 7 in die Türkei geschafft worden war. Die Zeitungen nannten das die „Veruntreuung des Jahrhunderts“. Türkische Staatsanwälte nahmen auch in der Türkei Ermittlungen auf. Der Fernsehsender, dem das überwiesene Geld zugeschanzt worden war, wurde durchsucht, die Verantwortlichen wurden festgenommen. Die Ermittlungen zeitigten in beiden Ländern allerdings unterschiedliche Ergebnisse:
In Deutschland wurden die Schuldigen verurteilt und inhaftiert. In der Türkei dagegen wurden die Staatsanwälte, die die Ermittlungen eingeleitet hatten, vom Dienst suspendiert und die Akten geschlossen.
Für Erdoğan, damals Premierminister, wurde dieser Fall zu einem Wendepunkt. Er begriff, dass er nicht zum Staatspräsidenten würde aufsteigen können, wenn er widerständige Medien nicht zerschlug und sich zugleich eine eigene Medienmacht aufbaute. Er krempelte deshalb unverzüglich die Ärmel hoch.

Die größte Strafe aller Zeiten
Im Januar 2007 war die deutsche Axel-Springer-Gruppe mit -einem über die Deutsche Bank transferierten Betrag zum 25-prozentigen Anteilseigner der Doğan Yayın Holding geworden, der größten Mediengruppe der Türkei. Die türkische Regierung ärgerte sich wegen der Ermittlungen sowohl über die Deutschen als auch über die Doğan-Gruppe, weil sie täglich Schlagzeilen zu den Ermittlungen brachte. Nun war die einmalige Chance für Vergeltung da. Der Doğan-Holding wurden zwanzig Steuerbeamte auf den Hals geschickt, die 330 Tage lang die Bücher des Unternehmens prüften. Am Ende wurde in zwei Wellen die größte Steuerstrafe in der Geschichte der türkischen Republik gegen die Doğan-Gruppe verhängt: Rund drei Milliarden Dollar. Damit waren die „Leuchtturm“-Ermittlungen gerächt.
(Anmerkung: Dies könnte auch erklären, warum die BILD, die sich eigentlich nicht für die Menschenrechte einsetzt, zu den vehementen Erdogan-Kritikern in Deutschland gehört.)
Diese Strafe sorgte dafür, dass in den Sendern und Publikationsorganen der Doğan-Gruppe nie wieder über Veruntreuung und Korruption berichtet wurde, zugleich war die Botschaft bei allen anderen Medienbetreibern angekommen: „Seid auf der Hut!“ Und zwar so nachhaltig, dass die Medienunternehmer, die der Reihe nach die renommiertesten Zeitungen der Türkei aufkauften, fortan bei Erdoğan persönlich anfragten, wen sie als Chefredakteur einsetzen sollten. Er verkündete dann die genannten Namen stolz in der Presse. Natürlich wurden auch die Listen mit Personen, die gefälligst aus den Medien entfernt -werden sollten, den neuen Medienmogulen von Ministern und Beratern persönlich überreicht. So entstanden die sogenannten „Pinguin-Medien“.

Pinguin-Medien
Seit drei Jahren werden in der Türkei von Regierungsseite übernommene Medien als „Pinguin-Medien“ bezeichnet. Warum, werden Sie fragen, wurden sie nicht beispielsweise nach Straußen, sondern ausgerechnet nach Pinguinen benannt? Lassen Sie mich das erklären: In der Nacht, als sich der Protest, der sich am Widerstand gegen die Rodung der Bäume im Istanbuler Gezi-Park 2013 entzündet hatte, über die ganze Türkei ausdehnte, sendete der wichtigste Nachrichtensender des Landes eine Dokumentation über Pinguine. Während Medien in aller Welt live aus Istanbul berichteten, richteten die türkischen Fernsehsender ihre Kameras auf das Leben am Pol, dies war exemplarisch. Wie Sie sich denken können, gehörte der Sender, der die Dokumentation über Pinguine sendete, die zum Symbol einer Epoche werden sollten, zu eben jener Mediengruppe, die Erdoğan mit der Supersteuerstrafe belegt hatte. Seither werden Medien, die vor der Realität die Augen verschließen und Selbstzensur zur Sende- bzw. Publikationspolitik machen, als „Pinguin-Medien“ bezeichnet.

Pool-Medien
Doch die Zentrumsmedien zum Schweigen gebracht zu haben, reichte Erdoğan noch nicht. Nun ging es um Stufe 2: Es galt, umso lauter zu reden, wenn andere schweigen, sich selbst darzustellen und auch jene zum Schweigen zu bringen, die eventuell noch reden würden. Die Medien, die diese Aufgabe übernahmen, wurden nun „Pool-Medien“ genannt. Warum, werden Sie fragen, „Pool-Medien“ und nicht zum Beispiel „regierungstreue Medien“? Lassen Sie mich auch das erläutern: Die Gezi-Proteste fanden im Mai und Juni 2013 statt. Erdoğan, damals Premierminister, trommelte im August ihm nahestehende Unternehmer zusammen und „befahl“
ihnen, eine der führenden Mediengruppen der Türkei zu kaufen. Die Unternehmer waren zunächst abgeneigt, doch als Gegenleistung wurden ihnen die 22-Milliarden-Euro-Ausschreibung für den dritten Istanbuler Flughafen sowie einige weitere Ausschreibungen in den Sektoren Eisenbahn, Brücken, Staudämme und U-Bahn versprochen. Angesichts der Summen, die sie verdienen würden, waren die verlangten Medieninvestitionen Peanuts. Damit war Abhilfe für ihre Unlust geschaffen. Mit insgesamt 630 Millionen Dollar von sechs Unternehmern wurde ein Kapitalpool gebildet. Das Geld wurde in einem gepanzerten Fahrzeug zur Bank gebracht, die „Pool-Medien“ waren gegründet. Die Fernsehsender und Zeitungen dieser vor drei Jahren aufgekauften Mediengruppe rühmen noch heute einhellig die Regierung und verdammen die Oppositionellen. Und die Unternehmen, denen die Mediengruppe heute gehört, wachsen aufgrund der ihnen zugeschanzten Ausschreibungen weiter.

Die Propagandamaschine
Die Resultate dieser Medienstrategie stellten sich prompt ein: Im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen vom November 2015 bekam der Vorsitzende der Regierungspartei mehr Redezeit als alle Vorsitzenden der anderen Parteien zusammen. Wie das beim staatlichen Fernsehen aussah? Innerhalb von 25 Tagen -erhielten Staatspräsident und Premierminister 59 Stunden Sendezeit, die Vorsitzenden der drei Oppositionsparteien aber nur insgesamt 6,5 Stunden. Welchen Sender man auch einschaltete, Erdoğan war überall. Diese Propaganda-Offensive hatte ihren Anteil daran, dass die Regierung mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen erhielt.

Die Überbleibsel
Kommen wir zur dritten Stufe der Strategie. Dabei geht es um uns. Wir, die aller Drangsalierung zum Trotz nicht schweigen, sondern weiter couragiert reden und schreiben: ein paar Zeitungen, ein paar Fernsehsender und eine Handvoll Journalisten, die sich hartnäckig für ihren Beruf einsetzen. Erdoğan hat versucht, einen Teil dieser Kräfte durch Beleidigungsklagen zu verschrecken. Seine Anwälte, die jede Kritik an ihm als Beleidigung auffassen, strengten mehr als 2.000 Prozesse gegen jeden an, der ein Wort gegen Erdoğan sagte. Wer sich dennoch nicht „bessern“ wollte, wurde damit bedroht, „einen hohen Preis zu zahlen“ und hatte von der Regierung ermunterte Attacken zu befürchten, es kam zu tätlichen Angriffen, Prügeln und Schüssen. Schließlich ergriff die Regierung beim militärischen Umsturzversuch im Juli 2016 die Gelegenheit beim Schopfe, bootete Justiz und Parlament vollständig aus und leitete eine Hexenjagd gegen die Medien ein. Sie schloss mehr als 100 Presseeinrichtungen und steckte mehr als 100 Journalisten ins Gefängnis. Sie verwandelte die Türkei in das weltgrößte Gefängnis für Journalisten.

Pinguine im Pool
Soweit die Geschichte der Übernahme der türkischen Medien. Ist es nun unmöglich geworden, etwas anderes zu sagen als die Regierung und oppositionelle Texte zu schreiben? Nein, das nicht. Aber Zeitungen, die kritisch berichten, müssen damit rechnen, geschlossen zu werden. Journalisten, die abweichende Äußerungen wagen, riskieren Haftstrafen. Angesichts dieser Aussichten ziehen es die meisten Pinguine vor, im schmutzigen Pool zu schwimmen – und keinen Fuß auf vermintes Terrain zu setzen, indem sie sich mit Veruntreuung, Korruption, der kurdischen Sache oder der Repressionspolitik beschäftigen.“

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe.

Quelle
http://www.amnesty.de/journal/2016/oktober/die-pinguine-und-der-pool?destination=node%2F3031

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