Archiv für Januar 2017

Trump und Chamene‘i (Religiöser Führer im Iran) tanzen auf der gleichen Bühne

Die Herrscher im Iran strebten über viele Jahre hinweg den Bau einer iranischen Atombombe an. (Sie tun es heute noch.) Und sie waren weit gekommen. Sie eigneten sich die Technologie der Urananreicherung mittels Zentrifugen an und waren nur noch wenige Jahre von ihrer ersten Atombombe entfernt. Aufgrund der internationalen Sanktionen musste der Iran herbe wirtschaftliche Einbußen hinnehmen, Bankverbindungen behinderten die Unternehmen, und das eigene Erdöl ließ sich nur noch schwer verkaufen. Die Regierung Rouhani lenkte schließlich bei den 5+1 Gesprächen mit dem Iran ein und vereinbarte in einem Abkommen den weitgehenden Verzicht auf die atomare Option und erhielt im Gegenzug die Perspektive der schrittweisen Aufhebung der Sanktionen.

Die Fraktion der islamistischen Fundamentalisten, die eigentlichen Herrscher im Iran, war nicht einverstanden mit dem Abkommen der Regierung Rouhani und kritisierte es scharf. Den Amerikanern könne man nicht trauen, die Sanktionen seien nicht so verheerend und Pasdaran und Bassidschi hatten auch während der Sanktionen gute Geschäfte gemacht: Öl konnte billig über Schwarzmärkte verkauft werden, teuere Produktion im Inland ersetzten sie durch Billigimporte aus China (die anschließend im Iran teuer weiterverkauft wurden).

Heute, wo die dramatischen Nachrichten rund um die rassistischen Einreiseverbote für 7 islamische Länder, darunter auch den Iran, durch die Medien gehen, trumpfen die Fundamentalisten im Iran auf und sagen: „Da, schaut auf die Regierung Trump, wir haben es Euch immer gesagt, jetzt seht selbst, wohin uns das Vertrauen in die USA und die Vereinbarungen bringen.“ Die Nachrichten, die Millionen Menschen in aller Welt kritisieren, sind Wasser auf die Mühlen der Fundamentalisten. Sie scheinen sich geradezu darüber zu freuen.

Die iranische Bevölkerung leidet derweil unter den Maßnahmen eines Trumps, wie sie unter den Maßnahmen eines Chamene‘i leidet. Für sie tanzen Trump und der Religiöse Führer Chamene‘i auf der gleichen Bühne. Viele iranische Intellektuelle, KünstlerInnen und Prominente, egal ob sie im Iran, Europa oder in den USA leben, schreiben in den sozialen Medien, in ihren Weblogs oder in den reformistischen Zeitungen im Iran gegen die Einreiseverbote und das antidemokratische Modell Trump an, dass sie aus eigener Erfahrung nur allzu gut kennen.

Die Menschen in aller Welt sollten auf die schädlichen Entwicklungen in den USA unter Trump reagieren. Man darf nicht neutral bleiben.

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Iran: Iranische Architektur

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Iran: Schneefall in Mariwan (Kurdistan/Iran)

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Iran – Irak: 16 Grenzgänger von Lawine verschüttet


Grenzhandel – zu Fuß durchs eisige Wasser

Das kurdische Grenzgebiet zwischen Iran und Irak ist auch Schauplatz des kleinen Grenzhandels, der den Schmuggelbrüdern – den Pasdaran und Co. – ein Dorn im Auge ist. Die Menschen, die sonst keine Arbeit finden, weil im Iran viele Fabriken stillgelegt wurden, transportieren Waren aus dem Irak in den Iran auf dem Rücken oder, wenn sie etwas mehr Geld haben, zu Pferde. Vor einem Monat, am 9. Dey 1395, wurden dabei 16 solcher Lastenträger von einer Lawine im Grenzgebiet verschüttet. Die Lokalbevölkerung versuchte, sie zu retten, aber 4 konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Der Leiter der Sicherheitsbehörden von Sardascht (Farmandar), Mir-Aschkan Mahdawi, war schnell dabei, die Opfer zu kriminalisieren und als Schmuggler zu bezeichnen. Auf diese Weise versuchen die staatlichen Machthaber, von ihrer eigenen Verantwortung für die hohe Arbeitslosigkeit abzulenken.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123972
vom 11. Bahman 1395 (30. Januar 2017)
farmandare sardasht: kulbaran motewafa donbale qachaq budand/ fa°alane kargari: agar gorosnegi wa faqr nabashad, kesi soraghe kulbari nemiraft

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Iran: Peitschenhiebe für Internet-Journalisten


Mostafa Barari und Arasch Scho’a’e Scharq, zwei Journalisten, die die Webseiten Gilan-Nowin und Gilan-Nou betrieben, wurden auf Verlangen des Parlamentsabgeordneten von Rascht (Region Gilan), Gholamresa Dscha’farsade Iman-Abadi, vom Bezirksgericht Rascht (Dadgahe Keyfari Schahrestane rascht) zu 114 bzw. 40 Peitschenhieben verurteilt. Ihnen wurde Verbreitung einer Publikation ohne Erlaubnis und Verbreitung unwahrer Nachrichten zu Last gelegt. Außerdem sollen sie an den Abgeordneten eine Geldstrafe wegen Verleumdung bezahlen. Ein dritter Journalist, der die Webseite Chazar-online betrieben hatte, wurde vom Gericht freigesprochen.
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=78011
vom 10. Bahman 1395 (29.01.217)
154 d.arbe shalaq baraye do xabarnegare ostane gilan

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Iran – USA: Protest gegen Trumps Rassismus


Die iranische Schauspielerin Tarane Alidusti, die zusammen mit Schahab Hosseini die Hauptrolle im Film „Foruschande“ (Der Verkäufer) spielte, hat auf Twitter erklärt, dass sie zur Zeremonie der Oskar-Verleihung nicht in die USA reisen wird, weil der neue US-Präsident ein Visa-Verbot gegen die Iraner verhängt hat. Sie bezeichnete diese Maßnahme als Rassismus, und erklärte, sie werde aus Protest auch dann nicht reisen, wenn eine Ausnahme für Künstler gemacht würde.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123761
vom 7. Bahman 1395 (26. Januar 2017)
tarane °alidusti: mamnu°iyate wiza baraye iraniyan az suye tramp nezhadparastane ast, dar oskar sherkat nemikonam

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Iran: Studierverbot für Baha‘i

Im Iran sind ca. 20 Studentinnen und Studenten aus ihrem Studium entlassen worden, weil sie Baha‘i sind.


Schmiererei an einer Toreinfahrt: „Tod den Baha‘i

An den Universitäten von Teheran, Isfahan, Schiras und Birjand sind in den letzten drei Wochen etwa 20 Studentinnen wegen ihres Glaubens entlassen worden. Es sind alles Baha‘i. Ein Student, der seinen Namen nicht veröffentlichen möchte, hat den Vorgang wie folgt beschrieben:

Vor etwa fünf Wochen wurde ich von der Universitätsverwaltung angerufen. Es hieß ich müsste meine Unterlagen ergänzen, es würden Dokumente fehlen. Als ich zur Verwaltung gegangen bin, wurde mir gesagt, ich müsste zur Archivabteilung gehen. Dort angekommen sagte mir der Zuständige ich müsse zum Harasad (wörtlich: Beobachtung, eine Art Geheimdienst an der Universität). Also bin ich zum Harasad gegangen. Von dort wurde ich zum Universitätsdirektor geschickt. Im Büro des Rektors wurde ich von einem Zuständigen verhört. Seine erste Frage war, „Bist du Moslem?“ Ich gab zur Antwort, dass ich alle Fragen zu Scharia und Islam schon bei der Aufnahmeprüfung ausführlich beantwortet hätte, aber ja, ich sei Baha‘i. Er fragte, warum ich das nicht in meinen Unterlagen vermerkt hätte und verlangte von mir, in sein Formular einzutragen, dass ich Baha‘i bin. Das tat ich auch.

In den Tagen danach durfte ich nicht an den Vorlesungen teilnehmen. Daraufhin bin ich wieder zur Universitätsverwaltung gegangen, wo mir eröffnet wurde, dass ich von meinem Studium entlassen sei.

Ein paar Tage später sind wir nochmal zu dritt zum Leiter des Harasad gegangen. Vor der Tür mussten wir unser Handy ausmachen und abgeben. Wir fragten den Leiter, warum wir entlassen worden sind. Seine Antwort war: „Sie wissen selber, warum. Eigentlich hätten Sie sich noch nicht mal zur Aufnahmeprüfung anmelden dürfen.“ Er erklärte weiter: „Es hat keinen Sinn, zu anderen offiziellen Stellen zu gehen um wieder zurück auf die Uni zu kommen.“ Wir forderten unser Abiturzeugnis, dass wir bei der Aufnahmeprüfung abgegeben hatten, doch wir bekamen es nicht wieder.

Morteza Ismailpour, der Verantwortliche für die Website „Baha‘i News“, sagte in einem Interview, dass dieses Jahr (nach iranischem Kalender, also seit März 2016) von allen iranischen Universitäten zusammen insgesamt 219 Baha‘i entlassen worden seien. Weiter führte er aus, dass ein Student namens Jahangir Hedayati, ein Informatiker der im Fach Software studiert hatte, sehr gute Noten hatte und Preise für seine Software-Projekte verliehen bekommen hatte und zusammen mit anderen herausragenden StudentInnen sogar einmal dem Religiösen Führer einen Besuch abstatten durfte, später auch entlassen wurde.

Das Studierverbot für Baha‘i besteht im Iran seit 25 Jahren.

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Plasco – Teheran: Machtkampf endet in Flammen


Am 19. Januar 2017 brannte in Teheran an der Istanbul-Straße das Plasco-Hochhaus ab, ein markantes Kennzeichen der Stadt aus den 1960-er Jahren.

In dem 17-stöckigen Hochhaus waren Wohnungen, Geschäfte, Büros und Werkstätten zur Textilherstellung (Hemdennäherei) untergebracht.

Als bekannt wurde, dass in dem Gebäude ein Feuer ausgebrochen war, rückte die Feuerwehr an. Angeblich wurde das Gebäude evakuiert. Der Feuerwehr gelang es nicht, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, und es waren noch nach amtlichen Angaben 25 Feuerwehrmänner im Gebäude, als dieses plötzlich kollabierte. Die Behörden – so Qalibaf, der Oberbürgermeister von Teheran, waren bemüht, die Zahlen für die Zahl der Opfer möglichst klein zu halten.


Bekannt ist aber, dass Leute in das Gebäude zurückgegangen waren, um ihr Eigentum zu retten, und inwieweit die Angaben zutreffen, dass das Gebäude tatsächlich evakuiert wurde, ist von hier nicht zu überprüfen. Es gibt keinen Anlass, die Angaben der iranischen Behörden für bare Münze zu nehmen. Viele Iraner sind sogar des Ansicht, dass der Einsturz Folge einer herbeigeführten Explosion gewesen sei, da mögen sie aber die Rasanz und die Zerstörungskraft des Feuers unterschätzen.

Rivalität zwischen Stiftung der Entrechteten und Pasdaran
Die Spekulationen über die Brandursache soll Sache der Teheraner bleiben. Keine Spekulation dagegen ist, dass das Plasco-Gebäude nach der Revolution 1979 zugunsten der Bonyade Mostas’afin (Stiftung der Entrechteten) enteignet wurde – der Eigentümer Habibollah Elqanian wurde hingerichtet. Diese Stiftung gehört zu den größten Wirtschaftskonzernen des Irans, ihr Manager wird vom Religiösen Führer – Ajatollah Chamene’i – persönlich eingesetzt. Das Büro- und Handelszentrum, das im Eingangsbereich auch eine florierende Handelspassage aufwies und mehrere Textilwerkstätten beherbergte, befand sich unweit eines anderen Gebäudes, das den Pasdaran (Revolutionswächtern) gehört. Letzteres steht zur Hälfte leer, weil das Plasco-Gebäude offensichtlich attraktiver war. Mit dem Brand ist die Konkurrenz gelöst. Jetzt werden sich die Überlebenden, die Geld genug haben, darum streiten, Räumlichkeiten in dem Gebäude der Pasdaran zu erhalten.

Brandschutz – was hat der Oberbürgermeister zu verbergen?
Nach dem zerstörerischen Brand kam natürlich auch die Frage auf, wie es um die Brandsicherheit bestellt war. Iranische Versicherungsgesellschaften sollen sich schon vor Jahren geweigert haben, das Gebäude zu versichern, weil es an entsprechenden Brandschutzeinrichtungen fehlte. Die Stiftung der Entrechteten wäre dafür zuständig gewesen, die nötigen Baumaßnahmen durchzuführen. Aber nach der Revolution entwickeln sich so manche Revolutionäre zu den schlimmsten Bürokraten, und ohne die Genehmigung der Stadtverwaltung von Teheran geht nichts. Die ließ auf sich warten. Über Jahre. Und so steht der Oberbürgermeister von Teheran, Qalibaf, auch ein Zögling von Ajatollah Chamene’i, heute im Zentrum der Kritik. Er war auch einer der ersten, die die Zahl der Opfer herunterzuspielen versuchte. Möglicherweise ist der Brand das Ende seiner weiteren Karriere, denn es heißt, dass er einmal die Nachfolge von Hassan Rouhani als Präsident des Staates antreten wollte – mit dem Religiösen Führer im Rücken.


Wasserwerfer statt Feuerlöscher
Kalame (Das Wort), eine Internet-Zeitung der iranischen Reformisten, sprach aus, was viele IranerInnen denken mögen. Zur Niederschlagung von Aufständen hat der iranische Staat angeschafft was nur ging, Wasserwerfer, die 70 Meter weit die Straße leerfegen von „bösen Demonstranten“, gepanzerte Fahrzeuge mit Geschütztürmen, zu allem bereit, um gegen das eigene Volk in den Krieg zu ziehen. Aber dafür, dass die Feuerwehr mit geeignetem Gerät ausgestattet wird, hat man kein Geld.

Innenminister warnt vor unerlaubten Versammlungen

Nach dem Tod von Ajatollah Rafsandschani, der im Schwimmbad ums Leben gekommen ist, wie inzwischen bekannt wurde und das in einem Moment, als dort das Licht ausging (!), haben die Machthaber Angst vor weiteren Anlässen, die dazu führen könnten, dass die Bevölkerung spontan auf die Straße geht. Deshalb hat der iranische Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli erklärt, dass keinerlei ungenehmigte Versammlungen zugunsten der Opfer des Brandunglücks stattfinden dürften, und zwar landesweit.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123415
vom 1. Bahman 1395 (20. Januar 2017)
tasawiri az diruz wa shabe god_ashte-ye plasku

http://saten.ir/126817/%D8%B5%D8%A7%D8%AD%D8%A8-%D9%88-%D8%B3%D8%A7%D8%B2%D9%86%D8%AF%D9%87-%D8%B3%D8%A7%D8%AE%D8%AA%D9%85%D8%A7%D9%86-%D9%BE%D9%84%D8%A7%D8%B3%DA%A9%D9%88-%DA%A9%DB%8C%D8%B3%D8%AA%D8%9F-%D8%B9%DA%A9%D8%B3/
saheb wa sazandeye saxtemane plasku kist?
vom 30. Dey 1395 (19. Januar 2017)

http://news.gooya.com/politics/archives/2017/01/222891.php
vom 2. Bahman 1395 (21. Januar 2017)
darde ma dastgahe atash-neshani ast ya abpashe zedde shuresh?

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123581
vom 4. Bahman 1395 (23. Januar 2017)
wazire keshwar: har tajammo°i baraye dar-god_ashtegane plasku bayad mojawwez dashte bashad

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Plasco – Teheran: Anfänge iranischer Judenfeindlichkeit


Plasco – eines der markanten Teheraner Hochhäuser aus den 1960-er Jahren

Anfang der 1960-er Jahre, in der Zeit, als der Schah von Persien begann, das Land zu modernisieren, wurde in Teheran an der Istanbul-Straße das Plasco-Hochhaus mit 17 Stockwerken gebaut.


Es war damals das höchste Gebäude von Teheran, der Sitz der Plastikfirma Plasco, zahlreicher Büros und exklusiver Einkaufsläden.


Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

Habibollah Elqanian
Der Eigentümer war Habibollah Elqanian, dem auch die Firma Plasco gehörte. Plasco war damals der größte Kunststoffhersteller des Irans. Habibollah Elqanian war damals Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Teherans. Da das Hochhaus mit seinen Einkaufsläden ein modernes Gegenstück zum traditionellen Basar darstellte, waren die Basarhändler der Umgebung gegen den Bau des Hochhaus, bedeutete es doch eine neue Art von Konkurrenz, die sie als existenzbedrohend wahrnahmen. Es heißt, dass sogar Ajatollah Taleqani sich gegen den Bau des Hochhauses ausgesprochen hatte, und er war in vielen Punkten wesentlich demokratischer gesinnt als Ajatollah Chomeini.


Habibollah Elqanian vor dem Revolutionsgericht

Das Ende des Erbauers
Mit dem Sieg der iranischen Revolution am 22. Bahman 1357 (Februar 1979) ging es Habibollah Elqanian an den Kragen. Denn die Ajatollahs, die sich an die Spitze der Revolution setzten und mit dem Basar in enger Verbindung standen, ließen ihn als angeblichen Spion für Israel nur fünf Tage später verhaften. Am 19. Ordibehescht 1358 – 9. Mai 1979 – wurde er im Qasr-Gefängnis vom als Henker berüchtigten Richter Sadeq Chalchali zusammen mit sieben weiteren Personen in nur 20 Minuten abgeurteilt, ohne einen Verteidiger zu haben. Er wurde zum Tode verurteilt. Schon am nächsten Morgen wurde er erschossen. Er war der erste Jude, der vom Regime der iranischen Mollas hingerichtet wurde.


Sadeq Chalchali, der Scharfrichter der iranischen Revolution

Die Arisierer
Zur Nazizeit wurde in Deutschland und dem annektierten Österreich die Judenverfolgung von den neuen Machthabern dazu genutzt, sich am Eigentum der Opfer zu bereichern. Eine parallele Entwicklung war auch im Iran zu beobachten. Das Plasco-Hochhaus, Symbol des modernen Teherans, wurde der Bonyade Mostas’afin, der „Stiftung der Entrechteten“ übergeben, einer der größten Konzerne des heutigen Irans, dem das Eigentum zahlreicher geflohener oder verhafteter Schah-Anhänger übergeben wurde. Die Stiftung war dafür gedacht, das Geld „unter den Armen“ zu verteilen. Die Führung dieser Stiftung wird von einer Person ausgeübt, die der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i in dieses Amt einsetzt.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123492
vom 2. Bahman 1395 (21. Januar 2017)
saxtemane plasko dar bahmane 1342

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B3%D8%A7%D8%AE%D8%AA%D9%85%D8%A7%D9%86_%D9%BE%D9%84%D8%A7%D8%B3%DA%A9%D9%88
(zum Plasco-Hochhaus)

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AD%D8%A8%DB%8C%D8%A8%E2%80%8C%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87_%D8%A7%D9%84%D9%82%D8%A7%D9%86%DB%8C%D8%A7%D9%86
(über Habibollah Elqanian)

http://www.farhangnews.ir/content/245454
Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

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Iran: Mit 12 oder 13 Jahren heiraten und Kinder kriegen

Bericht einer Lehrerin aus einem Dorf bei Maschad (Ostiran).

Die Lehrerin Tahura Ahsani unterrichtet seit einem Jahr in der Grundschule eines Dorfes bei Maschad. Es gibt in dem Ort keine weiterführende Schule, geschweige denn ein Gymnasium. Die Menschen sind hier sehr arm. Das bezieht sich sich nicht nur auf das Materielle sondern auch auf den Bildungshintergrund.

Wanderarbeiter kommen ab und zu hier vorbei um einige Monate zu arbeiten und dann weiterzuziehen oder in ihr Heimatland (u.a. Afghanistan) zurückzugehen. Sie bringen oft Drogen mit, nicht nur um sie zu konsumieren, sondern auch um sie zu schmuggeln.

Frau Ahsani berichtet darüber, wie sie mit den Eltern ihrer Schülerinnen über deren Zukunftspläne gesprochen hat. Es ist hier üblich, dass die Mädchen mit 12 oder 13 Jahren von ihren Eltern verheiratet werden, auch gegen ihren Willen. Nach der Heirat müssen sie als Hausfrau arbeiten. Sie werden schwanger und ziehen als junge Mütter ihre Kinder auf. Sie verlassen deshalb die Schule.

Zur Zeit beobachtet die Lehrerin, wie jeden Monat ein oder zwei Mädchen eines Tages nicht mehr in der Schule auftauchen. Später erfährt sie dann, dass sie geheiratet haben. Es kann vorkommen, das die Ehemänner weiterziehen oder in ihr Heimatland zurück gehen, was dann dazu führt, dass sie sich wieder von den Mädchen scheiden lassen. Diese bleiben dann mit ca. 13 Jahren als junge, geschiedene Frau zurück. Sie gelten dann nicht mehr als jungfräulich und verlieren ihren guten Ruf.

Frau Ahsani erzählt über ein Kind, dass im Persisch-Unterricht einmal einen Aufsatz zum Thema „Wünsche und Ziele wenn man 20 Jahre alt ist “ schreiben musste und zitiert aus dem ihrer Meinung nach überaus bitteren Inhalt:

„Ich liebe die Schule. Ich möchte gerne lernen und in der Schule weiterkommen um einen guten Job zu bekommen. Mein Wunsch ist es, Anwältin zu werden. Aber das ist nicht einfach, ich muss Schritt für Schritt vorgehen. Es ist sehr schwierig, und ich weiss, jede Arbeit, jeder gute Job erfordert große Anstrengung. Ich weiss, ich muss viel Geduld haben. Ohne Geduld kann ich keinen Erfolg haben. Wenn ich z.B. Anwältin werden möchte, ist es wichtig, dass ich nicht schon mit 13 Jahren heiraten sollte. Überhaupt möchte ich nicht heiraten, weil ich dann nicht die Schule weitermachen kann. Unterricht und Schule müsste dann gestrichen werden. Aber ich weiss, dass Wissenschaft eine gute Sache ist und dass sie schöner ist, als man sich das vorstellen kann. Ich bin jetzt 13 Jahre alt. Wenn ich heiraten muss, werde ich mit 20 Jahren viele Kinder haben. Kinder zu haben ist nicht mein Ziel. Deswegen hasse ich das Heiraten. Ich möchte die Schule nicht verlassen. Wenn ich irgendwann mal heirate, möchte ich ein Kind haben und mein Kind gut erziehen. Und der Gesellschaft einen guten Menschen geben.“ (Fatemeh)

Ihre Eltern haben vor, das Mädchen in wenigen Monaten zu verheiraten.

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Iran: Rafsandschani und die Kurden


Die Demokratische Partei Kurdistans Iran hat vergangene Woche eine Erklärung zum Tod von Ajatollah Rafsandschani herausgegeben, in der sie darauf hinweist, dass Rafsandschani zu den Auftraggebern des Mords an Führer ihrer Partei Scharafkandi in Berlin gehörte und er im Gerichtsurteil von Berlin auch als solcher bezeichnet wird, zusammen mit Ajatollah Chamene’i, dem Religiösen Führer, Ali Fallahian, dem damaligen Geheimdienstminister, und Akbar Welajati, dem damaligen Außenminister.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=77743
vom 25. Dey 1395 (14. Januar 1395)
hezbe demukrate kordestane iran: rafsanjani dasture qatle rahbarane ma-ra sader kard

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Iran: 2 Motorradfahrerinnen verhaftet

Der Befehlshaber der Sicherheitskräfte von Desful, Oberst Ali Elhami, hat vergangenen Mittwoch im Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur IRNA verkündet, dass die Sicherheitskräfte zwei Motorradfahrerinnen verhaftet hätten, die im Park „Bustane Dschangaliye Lale“ an der Straße von Desful nach Sardascht Motorrad fuhren. Das verstoße gegen die islamischen Werte und gegen die Islamische Revolution. Die beiden jungen Frauen seien den Justizorganen übergeben worden. Besonders empört zeigte sich dieser Sittenapostel, dass die Frauen solche Aktionen auch im Internet veröffentlichten. Mit anderen Worten: Es handelt sich um einen bewussten Verstoß der Jugend gegen die erstickenden islamistischen Regeln. So ist selbst Motorradfahren eine Form des Kulturkampfs und der Auseinandersetzung mit dem Islamismus geworden. Man kann sicher sein, dass das Regime mit diesem Vorgehen gegen die Jugend keine Sympathien gewinnt.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=122950
vom 23. Dey 1395 (12. Januar 2017)
dastgiriye 2 doxtare motor-sawar dar dezful

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Iran: Arbeiterproteste – ein neuer Wind

Vergangenen Donnerstag protestierten Arbeiter vor der Firma Hopkuy in Arak (Iran). Sie fordern die ausstehenden Löhne. Der Chef der Firma hat sich an einen anderen Ort abgesetzt, ohne dass die Behörden eingeschritten wären. Ein Teil der Arbeiter, die sich den anderen Protestierenden anschließen wollten, wurde von den Sicherheitskräften daran gehindert. An diese Beamten wendet sich der Arbeitervertreter Hamid-Resa Ahmadi. Er weist darauf hin, dass in Arak überall die Firmen dicht gemacht werden und die Arbeiter nichts mehr haben, um ihre Familie, ihre Kinder über Wasser zu halten. Die gewaltige Arbeitslosigkeit habe auch einen Anstieg der Unsicherheit zur Folge. Wenn die Polizei so stark sei, solle sie doch die Drogenhändler bekämpfen. Er kenne genügend Stadtteile in Arak, wo man in 2 Minuten an den Stoff komme. Hamid-Resa Ahmadi betont, er habe keine Angst vor den Polizeiknüppeln und vor dem Ewin-Gefängnis. Das sei besser, als wenn er jeden Tag mit leeren Händen nach Hause komme, jetzt, wo seine Frau ein Kind erwarte.
Der Arbeitervertreter wird in dieser Rede vom Beifall der umstehenden Arbeit bestärkt.
Neu ist, dass erstmals die Sicherheitskräfte selbst Adressat der Reden sind.

http://news.gooya.com/didaniha/archives/2017/01/222518.php
vom 23. Dey 1395 (12. Januar 2017)
didaniha: niruye entezami agar xeyli lati borou mawadde moxadder-ra jam° kon

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Rafsandschanis Begräbnis: Millionen gehen auf die Straßen


Heute morgen, am 10. Januar 2017, fand in Teheran die Beerdigung von Ajatollah Ali Akbar Haschemi Rafsandschani statt. Der Gouverneur von Teheran gab an, dass mindestens 2,5 Millionen Menschen am Begräbnis teilgenommen haben. Eine eindrucksvolle Demonstration der Bevölkerung, die nicht vom Staat organisiert wurde. Sie macht deutlich, was für Hoffnungen die Bevölkerung in Rafsandschani gesetzt hat.


Die Botschaft des Volkes
Die Parolen, die gerufen wurden, betrafen einmal natürlich die Person Rafsandschanis, aber sie gingen deutlich weiter, als es den Machthabern lieb war. Beispiele sind:
Rouhani, Chatami, Beileid, Beileid. (rouhani, xatami, tasliyat, tasliyat)
Mirhossein, Karubi, Beileid, Beileid. (mirhossein karubi, tasliyat, tasliyat)
(Mirhossein Mussawi und Karubi sind die beiden Reformkandidaten, die bei der Präsidentschaftswahl 2009 antraten und dann nach der Wahlfälschung unter illegalen Hausarrest gestellt wurden.)
Unsere Botschaft ist klar, der Hausarrest muss aufgehoben werden. (peyame ma roushane hasr bayad beshkane)

Chatami, dem ehemaligen Reformpräsidenten des Irans, wurde von den Machthabern verboten, an der Beerdigung teilzunehmen. Es heißt, dass Ajatollah Chamene’i, der Religiöse Führer, dagegen gewesen sei, weil er befürchtete, dass seine Gegenwart die Stimmung der Mengen aufputschen könnte. Bezeichnend ist auch, dass die Berichterstattung während des Begräbniszugs behindert wurde. So arbeiteten die Telefone langsam, so dass die Reporter ihre Berichte nicht schnell weiterleiten konnten. Auch war das staatliche Fernsehen bemüht, die kritischen Parolen auszublenden und die Millionenzahl der Teilnehmer nicht sichtbar werden zu lassen.

Verräterisches Beileidsschreiben
Ajatollah Chamene’i richtete ein Beileidsschreiben an die Familie, das er öffentlich verlas. Darin hob er Rafsandschani als gemeinsamen Kampfgefährten der vergangenen 60 Jahre hervor und ließ es auch sonst nicht an lobenden Bemerkungen fehlen. Aber gleich zu Beginn versetzte er der Familie einen kräftigen Schlag in den Magen: Er bezeichnete Rafsandschani nicht als Ajatollah, sondern als Hodschatoleslam. Das heißt, er zweifelte seine religiöse Autorität an. Nun stimmt es zwar, dass Rafsandschani früher einmal Hodschtoleslam war, aber dasselbe trifft auch auf Ajatollah Chamene’i zu, der theologisch eine Null ist. Den zweiten Schlag versetzte Chamene’i den Angehörigen in seinem Gebet für den Toten. An einer Stelle gehört es zu den feststehenden Floskeln, zu sagen, dass der Tote nur Gutes und nie Schlechtes getan habe. Genau den zweiten Teil ließ Chamene’i in seinem Gebet weg.

Gerüchte über die Todesursache
Beim Begräbnis warf Mehdi Haschemi Rafsandschani, der Sohn des Verstorbenen, der vorübergehend zur Teilnahme an der Beerdigung Hafturlaub erhalten hat, den Machthabern vor, dass sein Vater keines natürlichen Todes gestorben sei. Der iranische Gesundheitsminister hat eine später dementierte Bemerkung gemacht, dass das Ärzteteam, das Rafsandschani behandeln sollte, nicht korrekt vorgegangen sei. In iranischen Exilkreisen kursiert die Meldung, der Religiöse Führer Ajatollah Chamene’i habe eine Anweisung erteilt, dass keine Autopsie an der Leiche von Ali Akbar Haschemi Rafsandschani durchgeführt werden solle. Solche Vorgänge bilden den geeigneten Nährboden für Gerüchte. So schreibt Ruhollah Sam (Zam), der in Frankreich im politischen Exil lebt, dass er von zwei Angehörigen Rafsandschanis erfahren habe, dass dieser ermordet worden sei.

Quellen:
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/67172/
vom 10.01.2017 9:09
maraseme tashyi°e peykare hashemi rafsanjani

http://news.gooya.com/politics/archives/2017/01/222446.php
vom 21. Dey 1395 (10.01.2017)
payame emruze mardom che bud? °ali keshtgar

http://www.radiofarda.com/a/f8--hashemi-farewell/28223307.html
vom 21. Dey 1395 (10.01.2017)
sho°arha dar hemayat az musawi, karubi wa xatami dar tashyi°e hashemi

http://news.gooya.com/politics/archives/2017/01/222419.php
vom 21. Dey 1395 (10.01.2017)
ruhollah zam: asnade mohemmi da:ll bar qatle hashemi rafsanjani dar extiyar ast

http://news.gooya.com/politics/archives/2017/01/222375.php
vom 21. Dey 1395 (10.01.2017)
maraseme tashyi°e jenazeye akbar hashemi rafsanjani
(hier findet sich ein Hinweis auf das verstümmelte Totengebet Chamene’is)

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Islamische Republik Iran – Schachmatt?

Am 8. Januar 2017 ist Ajatollah Ali Akbar Haschemi Rafsandschani im Alter von 82 Jahren infolge eines Herzinfarkts gestorben. Mit ihm hat die Islamische Republik Iran eine zentrale Figur verloren, die oft die Rolle des Vermittlers und Schiedsrichters zwischen den verschiedenen Fraktionen der Islamisten spielte.

Akbars Jugend
Der 1934 geborene Akbar Haschemi Rafsandschani war als junger Mann einer der zahlreichen Schüler von Ajatollah Ruhollah Chomeini. Als der Schah von Persien auf Betreiben des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy begann, im Iran eine Landreform durchzuführen und das Wahlrecht für Frauen einzuführen, bezog Chomeini gegen den Schah Stellung. Man darf nicht vergessen, dass religiöse Stiftungen zu der Zeit auch Großgrundbesitzer waren, wie früher die Kirchen und Klöster in Europa. Mit Hilfe seiner Redner in den Moscheen brachte Chomeini religiös gesinnte Menschen auf die Straße, was schließlich zum Rücktritt von Premierminister Ali Amini im Jahr 1962 führte, der versucht hatte, die Reformen voranzutreiben. Als einer der Drahtzieher der Proteste wurde Ajatollah Chomeini damals des Landes verwiesen, erst in die Türkei, wo er der Regierung jedoch nicht willkommen war, später nach Nadschaf in den Irak. Dort blieb er bis 1978 und musste schließlich das Land verlassen – damals nahm Frankreich den Ajatollah auf. Akbar Haschemi Rafsandschani hatte in der Zeit von Chomeinis Exil heimlich Kontakt zu seinem Lehrer. Ein Besuch in den schiitischen Heiligtümern in Nadaschaf und Kerbala (beide im Irak) war stets ein willkommener Vorwand, den Meister zu besuchen.

Bei den Mudschahedin
Zur Schahzeit gab es im Iran eine bewaffnete religiöse Gruppe, die Volksmudschahedin, die in ihren Anfängen eine Synthese aus marxistischen Sozialvorstellungen und Islam versuchte. Da Ajatollah Chomeini im Iran aufgrund seiner Position gegen die Landreform und gegen das Frauenwahlrecht unter den Intellektuellen als rückschrittlicher Mensch verschrien war, gab es in den Zeiten seines Exils viele Chomeini-Anhänger, die dies nicht offen zugaben. Eine wichtige Gruppe bildeten die Basar-Händler. Denn die Wirtschaftsreformen des Schahs führten zum Aufkommen von Supermärkten, die die Rolle des Basars angriffen. Aber auch viele Geistliche, die ihren Einfluss in der Gesellschaft behalten wollten, traten nicht offen für Chomeini ein. So auch Akbar Haschemi Rafsandschani. Er deutete bei verschiedenen Gelegenheiten an, dass er Anhänger der Mudschahedin sei. Die Mudschahedin betrachteten ihn ihrerseits als einen ihrer Anhänger. Dann kam es zur Spaltung der Mudschahedin. Ab 1974 trat eine Strömung unter Führung von Bahram Aram auf, die eine marxistische Linie verfolgte, während der andere Flügel auf islamistischen Positionen verharrte.

Verhaftung
Die Abspaltung der Marxisten – auch „Kommunisten“ genannt – führte dazu, dass die Anhänger Chomeinis unter den Volksmudschahedin kein Problem darin sahen, die Anhänger dieser Abspaltung zu verraten, wenn sie selbst verhaftet und verhört wurden. Denn aus islamistischer Sicht waren die Kommunisten genauso Feinde wie der Schah. In Chomeinis Augen waren die Kommunisten noch gefährlicher als die Anhänger des Kapitalismus, wie etwa der Schah, denn sie waren „Gottlose“. Zu den Verhafteten jener Zeit gehörte auch Akbar Haschemi Rafsandschani. Alle seine Kontaktleute zu den Mudschahedin wurden darauf auch verhaftet, es heißt, dass Rafsandschani den Behörden auch zeigte, wo sie wohnten. Mohammad Ali Radscha’i, später Kultusminister und dann Premierminister, gehörte ebenfalls zu Rafsandschanis Gesinnungsgenossen und soll auf diese Weise etwa 40 Personen hinter Gitter gebracht haben. Bekannt ist folgendes Detail von Rafsandschani: Der Führer der Mudschahedin Abspaltung, Bahram Aram, hatte in einem Versteck im Haus eines Autobatterie-Händlers in Teheran Unterkunft gefunden. Das Versteck flog auf, der Autobatteriehändler – Mehdi Ghayuran, und seine Frau – Tahere Sadschadi (Sajjadi), kamen ins Gefängnis. Der Autobatteriehändler Mehdi Ghayuran wurde damals von einem berüchtigten Folterer namens Arasch so misshandelt, dass seine rechte Seite gelähmt war und man einen Schlauch legen musste, damit sein Urin ausfließen konnte.

Im Krankenhaus
In der chirurgischen Abteilung des Polizeikrankenhauses von Teheran jener Zeit (bimarestane shahrbani) wurde Mehdi Ghayuran damals behandelt, freilich in ein Abteil, das von den normalen Patienten abgetrennt war. Ein Mitgefangener von Mehdi Ghayuran, der damals im gleichen Abteil war, erlebte, wie einmal der Folterer Arasch zusammen mit dem Folterer Manutschehri gegen Mitternacht erschienen und einen Gefangenen mitbrachten. Es war Akbar Haschemi Rafsandschani. Er gab zu, zusammen mit Radscha’i die eine oder andere Kleinigkeit ausgeplaudert zu haben und versuchte, Mehdi Ghayuran zu überzeugen, den Behörden zu verraten, wo die Autobatterien, die zu Zündbomben umgebaut worden waren, genau versteckt seien – am betreffenden Ort waren immerhin 10.000 Batterien auf Lager, unter denen die 5 umgebauten zu finden, war eine Arbeit, die sich die Behörden ersparen wollten. Akbars Einsatz war nur scheinbar umsonst, denn Mehdi Ghayuran blieb weiter dabei, dass er nichts davon wisse. Aber nachdem er aus dem Krankenhaus wieder ins Gefängnis zurück verlegt worden war, packte er aus. Durch Akbars Worte hatte er immerhin erfahren, dass die Behörden das Versteck der Batterien kannten, und das hatte seinen Widerstand gebrochen.

Die Belohnung
Als Ajatollah Chomeini nach dem Sturz des Schahs am 1. Februar 1979 aus dem Pariser Exil in den Iran zurückkam, wurde wenig später eine Übergangsregierung unter Mehdi Basargan gebildet. Akbar Haschemi Rafsandschani sorgte dafür, dass damals Habibollah Asgaroladi zum Handelsminister wurde und Mehdi Ghayuran zum Stellvertreter von Habibollah Asgaroladi bestimmt wurde. Mehdi Ghayuran war für diese Unterstützung dankbar. Auch seine Frau Tahere Sadschadi (Sajjadi) fand Anerkennung. Sie verfasste ein Buch über ihre Gefängniserinnerungen und machte eine bescheidene Karriere als Vortragsreisende. Ihre Erinnerung beschränkte sich freilich nur auf islamistisch orientierte Frauen in den Schah-Gefängnissen, andere kamen nicht vor.

Der Organisator
Dies ist nur ein kleines Detail aus dem Leben eines Mannes, der im Gefängnis viel Erfahrungen sammelte und ein fähiger Organisator und langfristig denkender Mensch war. Ali Akbar Haschemi Rafsandschani war es, der nach dem Sieg der Revolution daran ging, die Organisation der Revolutionswächter (Pasdaran) und der Volksmilizen (Bassidschi) als bewaffneten Arm der neuen Regierung aufzubauen. Es war Rafsandschani, der Chomeini davon überzeugte, mit Salamitaktik gegen die Gegner vorzugehen und nicht alle auf einmal zu attackieren. So nahm Rafsandschani als erstes die Volksmudschahedin aufs Korn – sie waren auf der ideologischen Seite Konkurrenten, und die Kommunisten der Tudeh-Partei waren auch deren Gegner, also brachte man die Linke nicht gegen sich auf, wenn man sie verfolgte. Zudem waren sie bewaffnet, bedrohten also das Gewaltmonopol, das Rafsandschani mit dem Aufbau der Pasdaran und Bassidschi anstrebte.

Der iranisch-irakische Krieg 1980-1988
Im iranisch-irakischen Krieg war Rafsandschani derjenige, der die eigenen Kräfte genau kannte, der wusste, was Armee – durch die Revolution dezimiert, Pasdaran und Bassidschi an Kräften zur Verfügung hatten, der die Waffenbestände kannte und wusste, wieviele Menschen täglich in den späteren Kriegsjahren desertierten. Mit diesen Daten ging er zu Ajatollah Chomeini und überzeugte ihn, den angebotenen Waffenstillstand zu akzeptieren.

Die Papstwahl
Nein, im Iran wird kein Papst gewählt, aber als Chomeini im Juni 1989 starb, war die Frage, wer sein Nachfolger werden sollte, ein entscheidender Punkt für das Überleben des islamistischen Regimes. Denn der religiöse Führer hat in allen Dingen das letzte Wort. Nach den eigenen Regeln des Islamischen Staates hätte eine religiöse Autorität – Mardscha’e Taqlid, wie die Bezeichnung auf Persisch lautet, Nachfolger von Ajatollah Chomeini werden müssen. Zum Beispiel Ajatollah Schirasi, Ajatollah Ardabili oder Ajatollah Montaseri. Letzterer kam aus der Sicht von Ali Akbar Haschemi Rafsandschani gar nicht in Frage, denn der hatte sich nach dem Waffenstillstand deutlich gegen das Gefängnismassaker ausgesprochen, das durch eine Fatwa von Ajatollah Chomeini durchgeführt wurde. In diesem Punkt stand Rafsandschani fest hinter Chomeini. Was tun? Jeder Ajatollah besaß eine eigene Autorität und schwächte damit die Rolle, die Rafsandschani bis dahin gespielt hatte.
Rafsandschani verfiel daher auf Chamene’i, der als Hodschatoleslam eigentlich gar nicht in die engere Wahl kam und deshalb im Schnellverfahren zum Ajatollah aufgewertet wurde. Damit der Expertenrat Chamene’i als Nachfolger akzeptierte, ersann Rafsandschani eine List. Er behauptete, dies sei die persönliche Empfehlung von Ajatollah Chomeini gewesen. Den Toten konnte keiner mehr fragen, aber diese Behauptung soll bei der Wahl im Expertenrat den Ausschlag gegeben haben.

Rafsandschani als Präsident
Von 1989 bis 1997 war Ali Akbar Haschemi Rafsandschani Staatspräsident. Er setzte Ali Fallahian als Geheimdienstchef ein, in dessen Amtszeit Dutzende von Morden an politischen Gegnern im Ausland stattfanden. Dazu gehört auch das Mykonos-Attentat in Berlin vom 17. September 1992, bei dem u.a. der Generalsekretär der Demokratischen Partei Kurdistans Iran (DKPI) Sadegh Scharafkandi ermordet wurde. Rafsandschani setzte somit die Politik der systematischen Beseitigung der Opposition fort, die im Inland durch das Gefängnismassaker von 1988 ihren Höhepunkt gefunden hatte.

Rafsandschanis Niedergang
Nun, Chamene’i erwies sich nicht als die Marionette, die Rafsandschani ihm als Rolle zugedacht hatte. Er begann mit der selben Salamitaktik, die Rafsandschani zuvor angewandt hatte, die Macht wichtiger Geistlicher zu beschneiden. Das ging soweit, dass sogar Mehdi Haschemi Rafsandschani, sein Sohn, und Fa’ese Haschemi Rafsandschani, seine Tochter, verhaftet wurden und ins Gefängnis kamen. Aber Achtung, dieser scheinbare Niedergang ist nur die halbe Wahrheit.

Die Alternative im Rahmen des Systems
Denn Rafsandschani konnte Chamene’i davon überzeugen, dass ein Sieg der Linken, der Nationalisten, der Monarchisten oder der Mudschahedin für sie beide gleichermaßen das Aus bedeuten würde. Für das Überleben der Islamischen Republik sei es daher wichtig, dass die unzufriedene Bevölkerung einen Pol habe, dem sie sich zuwenden könnte, nämlich ihn – Rafsandschani und die von ihm unterstützten „Reformer“. Eine inhaftierte Tochter und ein inhaftierter Sohn sind durchaus politisches Kapital, das einen in den Augen der Bevölkerung glaubwürdig macht, wenn das Regime von Ajatollah Chamene’i unglaubwürdig wird. So ist die Haft keineswegs nur Zeichen des Niedergangs, sondern auch ein Beweis für langfristiges Denken, in dem selbst die Niederlage noch Dividenden für die Zukunft abwirft. Man mag das für zynisch halten, aber Rafsandschani hat im Gefängnis des Schahs vieles gelernt, und dumm war er nicht. Man sollte auch nicht glauben, dass seine Kinder im Gefängnis der Folter ausgesetzt wurden, wie das viele andere noch heute in iranischen Gefängnissen erleben müssen. Der Schachspieler ist tot. Man wird sehen, ob seine Kinder das Spiel fortsetzen werden. Ob die sogenannten Reformer einen anderen Schutzpatron finden oder mit Rafsandschanis Tod auch ihre Totenglocken läuten, wird die nächste Zukunft zeigen.

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