Iran: Studierverbot für Baha‘i

Im Iran sind ca. 20 Studentinnen und Studenten aus ihrem Studium entlassen worden, weil sie Baha‘i sind.


Schmiererei an einer Toreinfahrt: „Tod den Baha‘i

An den Universitäten von Teheran, Isfahan, Schiras und Birjand sind in den letzten drei Wochen etwa 20 Studentinnen wegen ihres Glaubens entlassen worden. Es sind alles Baha‘i. Ein Student, der seinen Namen nicht veröffentlichen möchte, hat den Vorgang wie folgt beschrieben:

Vor etwa fünf Wochen wurde ich von der Universitätsverwaltung angerufen. Es hieß ich müsste meine Unterlagen ergänzen, es würden Dokumente fehlen. Als ich zur Verwaltung gegangen bin, wurde mir gesagt, ich müsste zur Archivabteilung gehen. Dort angekommen sagte mir der Zuständige ich müsse zum Harasad (wörtlich: Beobachtung, eine Art Geheimdienst an der Universität). Also bin ich zum Harasad gegangen. Von dort wurde ich zum Universitätsdirektor geschickt. Im Büro des Rektors wurde ich von einem Zuständigen verhört. Seine erste Frage war, „Bist du Moslem?“ Ich gab zur Antwort, dass ich alle Fragen zu Scharia und Islam schon bei der Aufnahmeprüfung ausführlich beantwortet hätte, aber ja, ich sei Baha‘i. Er fragte, warum ich das nicht in meinen Unterlagen vermerkt hätte und verlangte von mir, in sein Formular einzutragen, dass ich Baha‘i bin. Das tat ich auch.

In den Tagen danach durfte ich nicht an den Vorlesungen teilnehmen. Daraufhin bin ich wieder zur Universitätsverwaltung gegangen, wo mir eröffnet wurde, dass ich von meinem Studium entlassen sei.

Ein paar Tage später sind wir nochmal zu dritt zum Leiter des Harasad gegangen. Vor der Tür mussten wir unser Handy ausmachen und abgeben. Wir fragten den Leiter, warum wir entlassen worden sind. Seine Antwort war: „Sie wissen selber, warum. Eigentlich hätten Sie sich noch nicht mal zur Aufnahmeprüfung anmelden dürfen.“ Er erklärte weiter: „Es hat keinen Sinn, zu anderen offiziellen Stellen zu gehen um wieder zurück auf die Uni zu kommen.“ Wir forderten unser Abiturzeugnis, dass wir bei der Aufnahmeprüfung abgegeben hatten, doch wir bekamen es nicht wieder.

Morteza Ismailpour, der Verantwortliche für die Website „Baha‘i News“, sagte in einem Interview, dass dieses Jahr (nach iranischem Kalender, also seit März 2016) von allen iranischen Universitäten zusammen insgesamt 219 Baha‘i entlassen worden seien. Weiter führte er aus, dass ein Student namens Jahangir Hedayati, ein Informatiker der im Fach Software studiert hatte, sehr gute Noten hatte und Preise für seine Software-Projekte verliehen bekommen hatte und zusammen mit anderen herausragenden StudentInnen sogar einmal dem Religiösen Führer einen Besuch abstatten durfte, später auch entlassen wurde.

Das Studierverbot für Baha‘i besteht im Iran seit 25 Jahren.

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