Iran plant neue Auslandsmorde

Die iranischen Machthaber schrecken auch vor Morden im Ausland nicht zurück, wie die Ermordung des Kurdenführers Qassemlou am 13.7.1989 in Wien oder die seines Nachfolgers Scharafkandi am 17.9.1992 in Berlin beweist. Der oberste Auftraggeber von damals, Ajatalloh Chamene‘i, ist noch immer der Religiöse Führer des Landes.
Die iranische Webseite iran-emrooz.net berichtet unter Berufung auf die Deutsche Welle folgendes:
Am 27. März 2017 erging in Berlin ein Gerichtsurteil gegen einen 31-jährigen pakistanischen Staatsangehörigen namens Mustafa Haydar Syed (die persische Webseite schreibt „Mustafa Haydar S.“, deutsche Medien schreiben „Haydar Syed M.“, französische Quellen nennen den vollständigen Namen…). Er soll Ziele für künftige Mordanschläge in Berlin und Paris ausgekundschaftet und die Informationen an die Spezialeinheit „Qods“ (Jerusalem) der iranischen Revolutionswächter geleitet haben. Dafür habe er ein monatliches Gehalt von 2052 Euro erhalten. Deutsche Quellen (z.B. Quelle 2) sprechen dagegen von einem Agentenlohn von insgesamt 2052 Euro, zumindest ist das die nachweisbare Summe.

Französisch-israelischer Professor in Paris auf dem Korn
Vom Juli bis August 2015 soll Mustafa Haydar Syed in Paris die täglichen Wege des französisch-israelischen Professors David Rouach ausgekundschaftet haben, der an der „Universität von Paris“ Wirtschaftswissenschaften unterrichtet. Andere Quellen z.B. die französische Wikipedia (Quelle 3) geben seinen Namen mit Daniel Rouach an, der an der Ecole Supérieure de Commerce ESCP Europe (Quelle 4) in Paris unterrichtet. Mustafa Haydar Syed soll über 300 Photos und über 20 Videos über den Professor, den Campus und die Wege des Professors aufgenommen und seine Auftraggeber mit einer (?) Powerpoint-Präsentation über seine Ergebnisse informiert haben. Er informierte sie, wo Kameras (auf dem Campus) installiert sind, über die Anzahl der Wächter (an der Uni), über die Lage der Polizeiwache und über die Sicherheitsmaßnahmen auf der Strecke, die der Professor zurücklegt.

Und Reinhold Robbe, der damalige Vorsitzende der deutsch-israelischen Vereinigung in Berlin
Mustafa Haydar Syed spionierte auch die täglichen Gewohnheiten des deutschen Politikers Reinhold Robbe aus, des ehemaligen Vorsitzenden der deutsch-israelischen Vereinigung, sowie dessen Freunde und Angehörige. Reinhold Robbe ist Mitglied der SPD und war früher „Verantwortlicher des deutschen Parlaments für Armeefragen“. Bei dieser Bezeichnung wird wohl kaum ein iranischer Leser darauf kommen, was der „Wehrbeauftragte des Bundestags“ eigentlich macht.

Laut Aussagen eines Beamten des deutschen Verfassungsschutzes vor Gericht soll die Ausspähung dazu gedient haben, den Iran im Fall eines künftigen Kriegs gegen den Westen mit Infos über mögliche Anschlagziele zu versorgen.

Mustafa Haydar Syed wurde zu 4 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er verweigerte jede Aussage, obwohl das Gericht ihm bei einem vollen Geständnis eine Strafminderung von 15 Monaten in Aussicht stellte – rbb-online.de (Quelle 5) schreibt dagegen, dass das Gericht im Fall eines Geständnisses eine Strafe von höchstens 3 Jahren und 6 Monaten in Aussicht stellte. Laut Angaben seines Verteidigers soll der Angeklagte aus Angst vor den Auftraggebern geschwiegen haben.

Wahrheitsliebe nach Trumps Geschmack
Einmal abgesehen davon, dass die persische Darstellung in einzelnen Punkten sehr ungenau ist, übergeht sie eine doch recht wesentliche Tatsache. So schreibt die Berliner Zeitung am 20.03.2017 (Quelle 2): „Reinhold Robbe, 62, sitzt an diesem Montagmorgen vor dem Bildschirm im Kammergericht. Er nickt, oder er schüttelt den Kopf. Und sagt zu fast jedem Bild etwas. Nein, er habe gar keine Frau, sagt er. Robbe lebt mit seinem Partner zusammen, der auch in der Präsentation zu sehen ist. Allerdings als „guter Freund“. Die beiden angeblichen Söhne Johann und Holger gebe es auch nicht, sagt der SPD-Politiker.“ Das lässt den Eindruck aufkommen, dass dieser ehemalige Student der Ingenieurswissenschaften (Computerbereich) Mustafa Haydar Syed ein ziemlich durchtriebener Genosse ist, der seine Berichte auch mit „alternativen Fakten“ schmückte, wie Herr Trump das nennen würde. Hauptsache, er bekommt Geld dafür. Statt ihn zu verhaften, hätten die deutschen Dienste ihn ja noch mit weiteren alternativen Fakten versorgen können, das wäre langfristig sicherlich nützlicher als ihn ins Gefängnis zu stecken.

Denn sein zweites Ausspähungsopfer, Prof. Daniel Rouach, findet eine Strafe von etwas über 4 Jahren Gefängnis für eine Mordplanung reichlich dürftig (Quelle 6). Mit dem, was im Nahen Osten als Strafen üblich ist, kann die deutsche Rechtsprechung nicht konkurrieren. Und das ist gut so.

Interessant ist, dass die deutschen Zeitungsberichte nicht darauf eingehen, dass Mustafa Haydar Syed beim Raumfahrtzentrum in Bremen arbeitete (ehemals EADS Astrium, jetzt Astrium Bremen). (Quelle 7)

Quelle 1:
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/68540/
vom 27.03.2017 16:19
jasus-e iran dar alman be 4 sal zendan mahkum shod

Quelle 2:
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/prozess-mutmasslicher-iranischer-spion-schoss-hunderte-fotos-von-spd-politiker-26230076
vom 20.03.2017

Quelle 3:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Daniel_Rouach
Daniel Rouach, né à Meknès (Maroc)1, de nationalité franco-israélienne2, est un professeur universitaire et auteur de livres économiques, notamment sur la veille technologique.
Il est professeur à ESCP Europe (Département Stratégie, Hommes et Organisation du campus de Paris), codirecteur scientifique du Mastère Spécialisé Innover Entreprendre ESCP Europe3, enseignant à l‘université de Tel Aviv4 Président de la Chambre de Commerce & d‘Industrie Israel-France (CCIIF Tel-Aviv) (…) (abgerufen 28.03.2017)
Quelle 4:
http://www.escpeurope.eu/fr/escp-europe/histoire-de-escp-europe-business-school/
Ecole Supérieure de Commerce

Quelle 5:
http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/03/berlin-kammergericht-prozess-gegen-iranischen-spion.html
vom 08.03.2017

Quelle 6:
http://fr.timesofisrael.com/allemagne-prison-pour-un-pakistanais-accuse-despionner-pour-liran/
AFP 28 mars 2017, 14:47

Quelle 7:
http://www.israelvalley.com/news/2017/03/23/53045/france-isra-l-a-berlin-l-iran-accus-d-avoir-planifi-un-attentat-paris
23.03.2017

weitere Informationen:
https://www.i24news.tv/fr/actu/international/139699-170309-daniel-rouach
09/03/2017
Affaire d‘espionnage jugée à Berlin: Daniel Rouach en exclusivité sur i24NEWS

http://www.tagesspiegel.de/berlin/spionageprozess-in-berlin-mehrere-jahre-haft-fuer-iranischen-spion/19577612.html
27.03.2017 18:40 Uhr
Spionageprozess in Berlin – Mehrere Jahre Haft für iranischen Spion

https://de.wikipedia.org/wiki/Astrium_Bremen

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email