Iran und Israel (Teil 2)

Der Kalte Krieg und eine neue Sicht auf Israel

Quelle:
http://www.iranianlobby.com/page1.php?id=114
Der erste Staat, der Israel in der verbindlichsten Form, nämlich de iure, als legitimen Staat offiziell anerkannte, war die Sowjetunion. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die USA die Entstehung Israels nur „de facto“ anerkannte. Auch England gab am 18. Mai 1948 nur eine Erklärung ab, in der es eine Anerkennung des neuen Staates vermied. Am 8. des Folgemonats akzeptierte es dann die Existenz Israels de facto. (Quelle 3)
In den USA gab es eine tiefgreifende Meinungsverschiedenheit über die Anerkennung Israels. US-Präsident Harry Truman hatte abweichend von der Auffassung derer, die für die Außenpolitik des Landes verantwortlich waren, beschlossen, die Gründung Israels zu unterstützen. Nur wenige Minuten nach Bekanntwerden von Trumans Erklärung reichte die Mehrheit der Vertreter der USA in den Vereinten Nationen aus Protest gegen die Anerkennung Israels ihren Rücktritt ein. (Quelle 4)
Die Unterstützung der Sowjetunion für Israel reicht in die Zeit vor der Gründung dieses Staates zurück. So brachte Andrej Gromyko, der Vertreter der Sowjetunion in den Vereinten Nationen, im Verlauf einer in diesem Gremium im Jahre 1947 geführten Debatte über die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat die volle Unterstützung seines Landes für die Gründung Israels auf folgende Art zum Ausdruck: (Quelle 5)

„Im letzten Weltkrieg hatten die Juden ein sehr schweres und leidvolles Los zu tragen. (…) Angesichts der eigenen Charta der Menschenrechte dürfen die Vereinten Nationen nicht gleichgültig bleiben. Und angesichts der Tatsache, dass die westeuropäischen Staaten während des Krieges nicht imstande waren, die elementarsten Rechte der Juden zu wahren, sie nicht vor der Grausamkeit und den Verbrechen der Nazi-Henker schützen konnten, ist der Wunsch dieses Volkes, einen unabhängigen Staat zu gründen, verständlich. Diesen Wunsch des jüdischen Volks zu ignorieren und ihm dieses Recht zu verwehren, ist eine Form der Unterdrückung.“

Die Unterstützung der Sowjetunion für Israel ging noch darüber hinaus. Die Tschechoslowakei, einer der sowjetischen Satellitenstaaten, war der wichtigste Lieferant von Waffen und Kriegsausrüstung für Israel während des ersten arabisch-israelischen Kriegs im Jahr 1948. Man darf nicht vergessen, dass Stalin 1944 den Zionismus und die Gründung eine jüdischen Staates befürwortete. Er war überzeugt, dass dieser neue Staat mit seinen sozialistischen Tendenzen zum Niedergang des britischen Weltreichs und seines Einflusses in den arabischen Staaten beitragen würde.

Die positive Sicht der Sowjetunion auf Israel änderte sich jedoch mit Beginn des Kalten Krieges und der Annäherung Israels an die USA. In einem ersten Schritt erklärte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion den Zionismus zu einem ideologischen Feind des Sozialismus und des Kommunismus. So hielt nach und nach die anti-jüdische Politik, die unter dem Zaren ihren Höhepunkt erreicht hatte, wieder in Russland Einzug. Die Diskriminierung und Schikanierung der Juden wurde zur offiziellen Politik der Sowjetunion. Je mehr sich die Konfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA verschärfte, desto enger wurde die Freundschaft zwischen den USA und Israel. Zugleich nahm auch die staatliche Propaganda des Ostblocks gegen de Zionismus zu, der angeblich den Weltfrieden und die globale Sicherheit gefährde. Von nun an wurde der Zionismus als Instrument zur Verbreitung eines rassistischen Imperialismus im Dienste der Juden und der Amerikaner dargestellt. (Quelle 7)

So konzentrierte sich die amtliche Propaganda der Ostblockstaaten auf die „zionistische Weltverschwörung“, und wie der renommierte Historiker Howard Sachar erkärt (Quelle 8 ): „erreichte diese Propaganda nach dem Sechs-Tage-Krieg zwischen den Arabern und Israel im Jahr 1967 und der schweren Niederlage der Araber (und ihrer sowjetischen Verbündeten) einen Höhepunkt. Die amtlichen sowjetischen Zeitungen füllten sich mit anti-jüdischen und rassistischen Artikeln und Karikaturen, und die ganze judenfeindliche Propaganda, die Nazi-Deutschland ins Werk gesetzt hatte, wurde in diesem sozialistischen Land auf noch abstoßendere Art wieder aufgewärmt. Die „Protokolle der Ältesten von Zion“, eine Fälschung, die zur Zarenzeit fabriziert wurde, wurden nun in großem Umfang abgedruckt und verbreitet. Dieses Dokument soll belegen, dass Ende des 19. Jahrhunderts die Führer des Internationalen Zionismus einen Plan zur Weltbeherrschung entworfen hätten.

Diese Propagandaschlacht hatte starken Einfluss auf die öffentliche Meinung in den arabischen und islamischen Staaten, die nach der Niederlage gegen Israel auf der Suche nach Gründen und Ausreden waren. Von da an wurde der Konflikt zwischen Israel und den Arabern als Kampf zwischen dem sozialistischen Lager einerseits und dem Weltzionismus und dem amerikanischen Imperialismus andererseits präsentiert.


Palästina, das revolutionäre Kuba des Nahen Ostens

Die 60-er und 70-er Jahre waren der Höhepunkt des Kalten Krieges und verzeichneten zugleich ein nie dagewesenes Wachstum revolutionärer Bewegungen in den Ländern der Dritten Welt. In Südamerika entstanden nach der Revolution in Kuba und dank der besonderen Rolle, die Ernesto Che Guevara spielte, in vielen Staaten marxistische Bewegungen und Guerrilla-Gruppen. Als Antwort hierauf griffen die USA und ihre lokalen Verbündeten zu Militärputschen und umfangreichen Unterdrückungsmaßnahmen. Die wichtigsten Beispiele hierfür sind Brasilien, Argentinien und Chile. Das revolutionäre Kuba und der charismatische Che Guevara wurden zum Symbol des Kampfes gegen die imperialistische Aggression und die Militärdiktaturen. So wurde Kuba zum Wallfahrtsort der Revolutionäre Südamerikas. Diese Veränderungen dienten zahlreichen revolutionären Gruppen in verschiedenen Weltregionen ihrerseits als Inspirationsquelle.

Was den Nahen Osten und die islamischen Staaten anging, spielte Palästina für sie eine vergleichbare Rolle und wurde zu einem Magnet für revolutionäre und anti-amerikanische Strömungen. In dieser Zeit hatten die islamischen Bewegungen noch keine Macht und keinen Einfluss. Die Hegemonie lag bei den revolutionären Gruppen marxistischer Prägung. Von radikalen Gruppen in Deutschland bis hin zu japanischen Extremisten und arabischen Freiwilligen – alle strömten nach Libanon und Jordanien – Seite an Seite mit der 1964 frisch gegründeten Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, um Israel und dem US-Imperialismus eine Niederlage zuzufügen. Es versteht sich, dass die Palästina-Frage und die Existenz Israels unter diesen Umständen über einen Konflikt zwischen zwei Völkern um Land hinausging und supranationale Dimensionen annahm.

So kam es, dass in unserem Land, im Iran, nach der Schließung des politischen Freiraums und der Repression des Jahres 1342 (1963) revolutionäre Gruppen in Erscheinung traten, die neben dem Kampf gegen das Schahregime auch Sympathien für den Kampf des palästinensischen Volkes empfanden. Ein deutliches Beispiel hierfür war die „Palästina-Gruppe“, die von Schokrollah Pakneschad und seinen Freunden gegründet worden war. Die wichtigsten Mitglieder dieser Gruppe wurden 1348 (1969) bei ihrer Reise in den Irak, von wo sie weiter nach Libanon aufbrechen wollten, verhaftet und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Der geachtete und kämpferische Pakneschad wurde 1360 (1981) unter Chomeini erneut verhaftet und nach brutalsten Folterungen hingerichtet.


Schokrollah Pakneschad, unter Chomeini im Ewin-Gefängnis erschossen. Worte von Schokrollah Pakneschad aus einer Verteidigungsrede vor Gericht:
„Solange es auf der Welt noch einen Menschen gibt, der gefangen, hungrig, unterdrückt oder rechtlos und kulturlos gehalten wird, solange ist Freiheit nur ein hohles, nichts-sagendes Wort.“
«تا زمانی که در روی زمین یک انسان زندانی، گرسنه، ستمکش، محروم و بی فرهنگ موجود باشد، آزادی یک کلمه پوچ و توخالی بیش نیست…»
Quelle: https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B4%DA%A9%D8%B1%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87_%D9%BE%D8%A7%DA%A9%E2%80%8C%D9%86%DA%98%D8%A7%D8%AF

Damals nahmen Jordanien, Syrien, Libanon und Irak Kämpfer aus den verschiedenen Ländern auf, die als Gäste der PLO gemeinsam mit den Palästinensern kämpfen und militärische Techniken und den Guerrilla-Kampf erlernen wollten. So kam es, dass viele wichtige iranische Intellektuelle den Kampf des palästinensischen Volkes als Teil des Kampfes gegen den Imperialismus und gegen ihre eigene Diktatur im Iran auffassten. Und so empfanden sie die Unterdrückung und Gewalt Israels gegen die Palästinenser viel direkter und schmerzhafter. Dadurch nahm die Unterdrückung, die von Israel ausging, eine herausragende Stellung ein. Entsprechend düster wurde das Bild dieses Landes unter den iranischen Intellektuellen, was seinerseits wiederum starken Einfluss auch die öffentliche Meinung der Iraner gegenüber Israel hatte.

Quellen:
3- The American Journal of International Law به این آدرس: http://www.jstor.org/pss/2193961

4- نگاه کنید به روزنگار روابط آمریکا و اسرائیل به این آدرسhttp://www.trumanlibrary.org/israel/palestin.htm

5- UN Debate Regarding the Special Committee on Palestine: Gromyko Statement. 14 May 1947 77th Plenary Meeting Document A/2/PV.77”

6- Paul Johnson, A History of the Jews (1987) p.527

7- Great Soviet Encyclopedia, 3rd Edition. 1969-1978

8- Howard Sachar, A History of the Jews in the Modern World (Knopf, NY. 2005) p.722

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