Iran: Bankenkrise der „Islamischen Alternative“


Proteste vor der Iranischen Zentralbank im Leichentuch

In ihren Anfängen waren die Islamisten im Iran mit einer Kritik am westlichen Zins- und Bankensystem an die Öffentlichkeit getreten und hatten diesem ihr eigenes, angeblich islamisches Modell gegenüber gestellt, dass ohne Zinsen auskomme. Zinsen sind in dieser Wahrnehmung eine Form von Wucher.
Dass ein Modell, dass grenzenloses Wachstum voraussetzt – und Zinsen gehören dazu, nicht unbedingt als langfristig stabil einzustufen ist, haben die Bankenkrisen der letzten zehn Jahre in den USA und Europa ausreichend bewiesen. Das Problem ist also nicht die Kritik und ihre Berechtigung, sondern die Ausführung der Alternativen.

Kein Ruhmesblatt
Was die Islamische Republik Iran hierzu aufzubieten hat, ist nicht überzeugend. Betrug am Sparer und Polizeiknüppel für die Opfer. So haben am Montag morgen Hunderte von betrogenen Sparern in Teheran vor der Zentralbank dagegen protestiert, dass sie die Geschäfte des Mo’assesseye Kaspiyen (Caspian Institute) nicht kontrolliert habe. Diese Privatbank hatte die Einlagen der Sparer mit dem Versprechen hoher Zinsen angelockt, dann waren die Verantwortlichen samt Geld untergetaucht und das Geld war futsch. Betroffen waren nicht die Reichen, sondern diejenigen, die für Notzeiten vorbeugen wollten. Deshalb sind sie heute im Leichentuch vor der Zentralbank erschienen und riefen „Marg bar Seyf“ (Tod für Seyf), worauf die Polizei mit Knüppeln gegen sie vorging. Waliollah Seyf ist der Direktor der Iranischen Zentralbank und wurde 2013 vom iranischen Präsidenten für sein Amt vorgeschlagen und anschließend ernannt. Proteste gegen den Betrug an den Sparern gab es in verschiedenen iranischen Städten, darunter auch in Chorram-Abad, Hauptstadt der Region Lurestan.

Die Zentralbank wäscht die Hände in Unschuld
Farschad Heydari, der stellvertretende Direktor der Iranischen Zentralbank, hatte im Vorfeld erklärt, dass auf der Webseite der Zentralbank eine Liste der zugelassenen Bankinstitute zu finden sei und die Bevölkerung darin aufgefordert werde, ihr Geld nicht bei nicht zugelassenen Instituten anzulegen. Die Betroffenen seien also selber schuld. Auch Abbas Kamara’i, der Generaldirektor für Bankaufsicht bei der Zentralbank, hatte am 21. Farwardin (im April 2017) in einem Interview mit dem iranischen Staatsfernsehen erklärt: „Das Kreditinstitut Kaspiyen besteht aus acht nicht zugelassenen Kooperativen, die dort tätig waren.“

Privatbanken – Pasdaran und Bassidschi im Hintergrund
Im Hintergrund der Einführung von Privatbanken im Iran, die meist auf die Zeit von Präsident Ahmadineschad zurückgeht, stehen oft die Revolutionswächter (Pasdaran) und paramilitärischen Bassidschi-Milizen. Sie machten sich die Tatsache zunutze, dass das Wirtschaftssystem im Iran zerschlagen ist, so dass Investitionen in bestehenden Firmen und in der Landwirtschaft sinnlos sind. Die Privatkreditinstitute boten den Anlegern beträchtliche Zinsen (bis 30% jährlich), zogen es dann aber vor, mit den angelegten Geldern unterzutauchen und so die Auszahlung der Zinsen zu umgehen. Da es keine Macht im Staate gibt, die sich mit den bewaffneten Organen anlegen will, bleiben die Täter in der Regel straflos. Einzelheiten wird man nicht so bald in Erfahrung bringen, da das Umfeld der Täter die Macht ausübt.

Quellen:
https://www.radiofarda.com/a/f14-protest-against-iran-central-bank/28516182.html
vom 8. Chordad 1396 (29. Mai 2017)
tajammo° wa sho°are mo°tarezane kafan-push dar moqabele saxtemane banke markazi

https://en.wikipedia.org/wiki/Central_Bank_of_the_Islamic_Republic_of_Iran#Governors_of_the_Central_Bank_of_Iran
mit dem Untertitel:
Failures to regulate Financial institutions and banks

abgerufen am 29.05.2017 um 18:45

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