Iran: Ruhe in Frieden, Kyros

Kyros der Zweite, im Iran Kurosch oder Kurusch genannt, regierte im 6. Jahrhundert vor Christus das altpersische Reich, dessen Grenzen er deutlich ausweitete. Er wurde bald zur Legende, die Bibel und die griechische Geschichtsschreibung zeichnet ihn als religiös toleranten Herrscher, was wohl nicht ganz der Wirklichkeit entspricht.
Im Iran war es der Schah Mohammad Resa Pahlawi, der zu den 2500-Jahresfeiern des Persischen Reichs – ein Phantasiedatum – auch die angebliche Grabstätte von Kyros II. in Passargad aufsuchte.

Schlafe ruhig!
Der Schah hielt damals in Passargad eine Rede, die bald zum Gespött des Volkes wurde. Er sagte dort: „Schlafe ruhig, Kurosch, wir sind wach!“ Ein Volksfest war das Fest freilich nicht, es diente vor allem der Selbstbeweihräucherung des Schahregimes. Verbreitet war die Meinung, dass die Kosten für die Feiern dem Volk aus der Tasche gezogen wurden, das das Geld dringender nötig gehabt hätte.

Die Wiederentdeckung
Passargad als historischer Ort würde wohl auch heute nicht viel von sich reden machen, wenn das Regime der islamistischen Republik Iran nicht ständig so schlecht über Kurosch geredet hätte. Das Ergebnis war eine Trotzreaktion. Die Menschen begannen, den 7. Aban (29. Oktober) als Geburtstag von Kurosch zu feiern, obwohl den niemand weiß. Zu den Feiern gesellte sich in den vergangenen Jahren der Wunsch, auch seine Grabstätte zu besuchen. Im vergangenen Jahr, also 2016, sollen sich dort an die 10.000 Menschen versammelt haben. Das war den Herrschenden allerdings zu viel. Für dieses Jahr hatten sie sich etwas einfallen lassen.


Bassidschi-Manöver um Passargad
So ließ die Regierung auf Plakaten bekannt geben, dass zufälligerweise am 7. Aban in der Umgebung von Passargad bewaffnete Manöver der Bassidschi-Milizen stattfinden. Die hinführenden Straßen wurden gesperrt.

Das Regime wies die Bevölkerung darauf hin, dass Versammlungen in Passargad verboten seien, weil sie sich gegen die Islamische Republik richteten – das stimmt natürlich – und vom Ausland gesteuert seien – das ist Unsinn. Den Teilnehmern wird indirekt unterstellt, Monarchisten zu sein, die eine Rückkehr des Schahsohns nach Persien wollten.

Kilometerlange Staus
Das Regime konnte zwar als Erfolg verbuchen, dass in Passargad tatsächlich keine Versammlung zu Ehren von Kurosch stattfinden konnte, aber eine endlose Autoschlange auf der Straße von Schiras Richtung Norden, wo Passargad liegt, machte deutlich, wie wenig die Verbote und die Propaganda der Geistlichen erreicht hatten. Im Umkreis von wenigen Kilometern um das Grabmal sammelten sich überall Menschen, die ihre Zelte aufschlugen und campierten.

Und genauso wie zur Schahzeit müssen sich die heutigen Machthaber damit abfinden, eine willkommene Zielscheibe für Witze zu sein.
Hier ein Foto mit der Inschrift:

Das hier ist nicht die Grenze zwischen Israel und Palästina,sondern Passargad
(nicht sehr schmeichelhaft, der Vergleich mit Israel ist das letzte, was den Ajatollahs gefällt)


Und dann diese Karrikatur, die die Kritik am Schah wieder aufnimmt.
Als amtlich Begründung für die Straßensperrung heißt es hier:
Wir wollten nicht, dass Kurosch aufwacht.
Das ist ein deutliches Echo der Worte des Schahs: Schlafe ruhig, Kurosch!

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=140337
vom 8. Aban 1396 (30. Oktober 2017)
°aks/ inja marze esra‘il wa falastin nist, inja pasargad ast!

Lange Autoschlange Richtung Pasargad, trotz der Straßensperrung machen sich die Menschen auf den Weg, sozusagen eine Auto-Demo, siehe auf dem Video
https://youtu.be/qhoy6_aHAU0
http://news.gooya.com/2017/10/post-8763.php
vom 30. Oktober 2017
jomhuriye eslami jeloye tajammo° dar pasargad-ra gereft

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=140189
vom 6. Aban 1396 (28. Oktober 2017)
xastim korush bidar nashe

https://de.wikipedia.org/wiki/Kyros_II.

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