Töchter der Revolutionsstrasse

Vida Mowahhedi ist mit ihrer Aktion, bei der sie ihr Kopftuch an einem Stock hochhält, unter dem Namen „Tochter der Revolutionsstraße“ bekannt geworden. Seit gestern haben sechs Frauen auf verschiedenen Plätzen in Teheran und eine Frau in Isfahan ihre Aktion in aller Öffentlichkeit wiederholt und sind dabei große Risiken eingegangen. Eine dieser Frauen wurde bereits verhaftet.

Warum machen sie diese Aktionen?

Der Grund ist in einem dreifachen Unterdrückungsverhältnis zu sehen, dem Frauen im Iran ausgesetzt sind und die alle auch mit dem Islam im Zusammenhang stehen.

Frauen werden im Iran in eine islamische Gesellschaft hinein geboren. Schon in den Familien wird den Frauen von Kindesbeinen an die Rolle zugewiesen, die der Islam ihnen zugesteht. Es ist die Rolle der Hausfrau, die nicht arbeiten geht, sondern zu Hause die Kinder aufzieht, kocht und das Gros der Erziehungsarbeit leistet. An der Spitze der Familienhierarchie stehen die Männer, egal ob Ehemann, Bruder oder Onkel. Ohne die Erlaubnis von Männern darf die Frau nicht reisen. Während Männer nach islamischem Recht vier Frauen gleichzeitig haben können, ist Frauen das nicht gestattet. Nur wenige Familien aus einem intellektuellen oder politischen Umfeld weichen von den traditionellen Rollen ab.

Der nächste Unterdrückungszusammenhang ist die Arbeitswelt, wo den Frauen bestimmte Berufe wie z.B. Richterin von vornherein verwehrt sind. Frauen haben nicht nur bei vergleichbarer Arbeit geringere Löhne, sondern müssen darüber hinaus ein soziales Unterdrückungsverhältnis ertragen, bei dem sie im Gegensatz zu den Männern nichts kritisieren dürfen und überhaupt wenig bis nichts zu sagen haben. Frauen zahlen höhere Krankenversicherungsbeiträge und werden im Zweifelsfall als erste entlassen. Die alltäglichen Beziehungen bei der Arbeit sind von Sexismen durchdrungen – so werden unverheiratete Frauen, besonders wenn sie schön sind, den verheirateten bei der Einstellung vorgezogen. Man kann von einer patriarchalen Hegemonie am Arbeitsplatz sprechen.

Das dritte Unterdrückungsverhältnis wird durch den Staat und seine islamischen Gesetze bestimmt. Es trifft alle Frauen, die sich in der Öffentlichkeit bewegen. In Bussen müssen die Frauen hinten ein- und aussteigen, auf den Straßen wird von Tugendwächtern auf die islamischen Bekleidungsvorschriften geachtet, an den Universitäten werden Frauen bei den Eingängen kontrolliert und gezwungen, den Schleier richtig zu rücken oder sich abzuschminken. Bei staatlichen Ämtern dürfen Frauen ohne Tschador nicht eintreten – entweder sie bedecken sich für den Behördengang mit einem der bereitliegenden Leih-Tschadors oder sie müssen im Eingangsbereich stehen bleiben. Frauen, die mehr Freiheit wollen, schicke, eng anliegende Kleidung tragen, den Schleier nach hinten rutschen lassen und sich hübsch machen, müssen jederzeit mit wütenden Reaktionen von Bassidschi oder Polizei rechnen, selbst von streng islamischen Frauen.   

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