Archiv für Januar 2018

Iran: Zunahme der Todesfälle bei Politischen Gefangenen

Die iranische Parlamentsabgeordnete Parwane Salahschuri hat öffentlich erklärt, dass jeden Tag der Name eines weiteren Gefangenen bekannt wird, der oder die im Iran im Gefängnis ums Leben gekommen ist. Sie brachte die Besorgnis der Parlamentarier über die Haftbedingungen zum Ausdruck und wies darauf hin, dass die Gefängnisbehörde für das Leben der Gefangenen verantwortlich sei. Sie berichtete, dass die Abgeordneten versuchten, die Gefängnisse zu besuchen und die Gefangenen zu sehen. Der stellvertretende Geheimdienstminister und der Parlamentspräsident hätten sich positiv zu diesem Vorhaben geäußert. Sie bedauerte, dass es keine amtlichen Statistiken über die Zahl der Todesfälle gibt, es werden lediglich zwei angebliche Selbstmorde eingeräumt, während Menschenrechtsorganisationen schon von fünf Gefangenen sprechen.

https://www.radiofarda.com/a/iran_parvaneh_salahshoori_prisons_killed_prisoners/28976770.html
vom 25. Dey 1396 (15. Januar 2018)
negaraniye nemayandegan az te°dade koshte shodegan: sazemane zendanha mas‘ule jane zendaniyan ast

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Iran: Todesfälle in Haft – Parlamentarier fordern Aufklärung

Mahmud Sadeqi, iranischer Parlamentsabgeordneter für Teheran, hat am Sonntag bekannt gegeben, dass mehr als 40 Abgeordnete des iranischen Parlaments einen Brief an den Parlamentspräsidenten Ali Laridschani unterschrieben haben. In dem Brief fordern die Abgeordneten die Bildung einer unabhängigen Gruppe zur Aufklärung der jüngsten Todesfälle in den iranischen Gefängnissen. Bei den Opfern handelt es sich um Personen, die im Rahmen der jüngsten Proteste verhaftet wurden. In diesem Schreiben wird die amtliche Version in Frage gestellt, wonach die Gefangenen Selbstmord begangen hätten. Von den Angehörigen war in einigen Fällen zu erfahren, dass die Leichen blaue Flecken aufwiesen.

https://www.radiofarda.com/a/iran_mahmoud_sadeghi_letter_ali_larijani_saro_ghahremani/28974621.html
vom 24. Dey 1396 (14. Januar 2018)
40 nemayandeye majles xastare barresiye °elale marge te°dadi az bazdashtshodegan shodand

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Iran: Todesfälle in Gefängnissen müssen untersucht werden

In einer jüngsten Erklärung weist Amnesty International auf die katastrophale Lage in den iranischen Gefängnissen hin.
Mindestens fünf Personen sind Berichten zufolge nach der Niederschlagung regierungskritischer Proteste im Iran in Gewahrsam der Sicherheitskräfte gestorben. Amnesty International fordert die iranischen Behörden auf, die Todesfälle unverzüglich zu untersuchen. Ausserdem müssten die notwendigen Massnahmen ergriffen werden, um Inhaftierte vor Folter zu schützen und weitere Tote zu verhindern.
Weitere Einzelheiten siehe:

https://www.amnesty.ch/de/laender/naher-osten-nordafrika/iran/dok/2018/todesfaelle-in-gewahrsam
15. Januar 2018

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Iran: Die Wurzeln des Aufstands

Der Pressesprecher des iranischen Innenministers, im vorliegenden Bericht als Herr „Samani“ bezeichnet, hat am Vortag auf einer Pressekonferenz vor inländischen Journalisten einige Angaben zur sozialen Zusammensetzung der Protestbewegung der letzten Woche gemacht.
Demnach ist die Zahl der Studenten unter den Teilnehmern sehr gering, die meisten haben einen Schulabschluss, der unter dem iranischen Abitur liegt.

Aus der inneriranischen Region Kerman liegen noch nähere Angaben zu den Demonstranten vor. Chalil Hama‘irad, der Sprecher des Rats für Versorgungsfragen der Region Kerman, hat zu den Verhafteten in dieser Region folgendes erklärt: Die Geheimdienstbehörde der Region gibt an, dass 83 Prozent der Inhaftierten zwischen 16 und 30 Jahren alt sind. Die Zahl der Verhafteten wird allerdings nicht genannt. 62 Prozent der Verhafteten haben einen Abschluss unter dem Abitur oder das Abitur. Nach dieser Quelle waren nur vier Frauen unter den Inhaftierten.

http://www.tabnak.ir/fa/news/762990/…
vom 19. Dey 1396 (9. Januar 2018)
Nachricht Nr. 762990
daste-bandiye °ajibe bazdashtihaye kerman

http://www.pyknet.net/1396/03dey/19/page/motor.php
vom 19. Dey 1396 (9. Januar 2018)
konferanse xabariye soxanguye wezarate keshwar: kodam aqshare ejtema°i motore shureshe hafteye gozashte budand?

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Iran: 3700 Gefangene nach den Protesten

Wie der iranische Parlamentsabgeordnete Mahmud Sadeqi bekannt gegeben hat, sind derzeit laut amtlichen Statistiken 3700 Menschen im Iran in Haft, die aufgrund der jüngsten Demonstrationen festgenommen wurden. Es wird auch von der verbreiteten Anwendung von Folter gegen die Verhafteten gesprochen.
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=84154
vom 19. Dey 1396 (9. Januar 2018)
axbare hulnak az zendanhaye eslami

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Iran: 5 Gefangene im Gefängnis gestorben

Von denjenigen, die im Zuge der jüngsten Demonstrationen im Iran verhaftet wurden, sind insgesamt 5 Personen in Haft gestorben. So erklärte die Menschenrechtlerin Nasrin Setude in einem Interview mit Radio Farda, dass in der Karantäne-Station des Ewin-Gefängnisses insgesamt 3 Menschen ums Leben gekommen seien. Die amtlichen Stellen sprechen von „Selbstmord“. Die Iranische Kampagne für Menschenrechte meldete am Dienstagmorgen darüber hinaus, dass zwei weitere Gefangene namens Wahid Haydari und Mohsen Adeli in den Gefängnissen von Arak und Desful ums Leben gekommen seien.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=145661
vom 19. Dey 1396 (9. Januar 2018)
shomare janbaxtegane kahrizake dowom be 5 nafar resid

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Proteste im Iran: Wissen und Schein

Während der Proteste zum Jahreswechsel in zahlreichen iranischen Städten war es schwierig festzustellen, was geschah. Einfache Fragen waren nicht zu beantworten:
Wieviele Menschen nahmen in der jeweiligen Stadt an einer Kundgebung teil?
Was waren ihre Forderungen?
Welchen Altersgruppen, Berufsgruppen oder Volksgruppen gehörten sie an?
Waren Männer und Frauen gleich stark vertreten?
Sind die Meldungen über die Proteste zumindest in Bezug auf die Orte vollständig?
Sie waren aus mehreren Gründen nicht zu beantworten.
1. Inländische Medien (Zeitung, Radio, Fernsehen) im Iran können nur dann einigermaßen ungehindert berichten, wenn sie den Fundamentalisten oder den Reformisten nahestehen. Da die Proteste sich anscheinend gegen beide richteten, war eine neutrale Berichterstattung aus diesen Medien nicht zu erwarten. Totschweigen ist noch immer ein beliebtes Mittel, um Proteste unter den Tisch zu kehren.
Untergrundgruppen brauchen länger, bis sie ihre Aktivisten vor Ort erreicht haben und von denen Näheres erfahren.
2. Neue Medien, Weblogger und Nachrichtenaustausch über Whatsapp, Telegram und andere Netze spiegeln eher die Vielfalt der Meinungen wieder, es ist aber schwierig festzustellen, was davon auch die Meinung anderer widerspiegelt und was rein persönlich ist.
3. Stellen wir uns eine konkrete Kundgebung vor: In Sanandadsch gehen Menschen auf die Straße, eine Jugendliche hat ihr Handy dabei und nimmt ein kurzes Video auf, das sie später ins Internet setzt. Wir finden das Video und hören die Parolen, die gerufen werden.
Frage: Was wird die Jugendliche aufgenommen haben – Szenen und Rufe, die ihre Meinung wiedergeben?
Parolen, die aus dem üblichen herausragen und deshalb besonders auffällig sind?
Einen Querschnitt von allem, was sie in ihrem kleinen Ausschnitt des Geschehens beobachten konnte?
Wir sehen nur das Video, wissen nicht, wer es aufgenommen hat, und können folglich nicht feststellen, welche Kriterien diese Person bei der Auswahl hatte.
Multiplizieren wir das nun mal Hundert, wird die Zahl der Videos größer, die Ungewissheit aber nicht geringer.
Aus diesem Grund ist es zwar richtig, wenn man darauf hinweist, dass sich diesmal viele aufgenommenen Parolen gegen das islamistische System richteten, aber das sagt nichts darüber aus, was die Auffassungen der Mehrheit der Protestierenden sind. Interpretationen, die auch wir auf unserer Webseite veröffentlicht haben, stehen also auf recht schwankendem Boden.
Das sollte uns allen bewusst sein.

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Iran: Das böse Ausland

Sa°id Montaser al-Mahdi, der Sprecher der Sicherheitsorgane der Islamischen Republik Iran, erklärte am Sonntag, den 7. Januar 2018, dass bei den jüngsten Demonstrationen im Iran 20 Menschen ums Leben gekommen seien, darunter auch ein Polizist. Andere Quellen sprechen von 22 Toten. Der Sprecher nannte keine Zahlen über die Höhe der Verhaftungen und Freilassungen. Es wird derzeit von 2000 Verhaftungen im Iran gesprochen.



Die üblichen Verdächtigen

Die Revolutionswächter (Pasdaran) machten die USA, Großbritannien, Israel, die Volksmudschahedin und die Monarchisten für die Demonstrationen in über 100 Städten im Iran verantwortlich. Diese Behauptung ist reichlich lächerlich. Bekanntlich sind Geheimdienste aller Welt Spezialisten in der Irreführung der Öffentlichkeit. Einem Geheimdienst wie dem CIA kann man vieles vorwerfen, aber im Umgang mit den Medien kennen sie sich aus. Wer wäre so dumm, einen Aufstand in der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr anzuzetteln? Da sind die Parlamentarier zu Hause, die staatlichen Verwaltungen großenteils in Urlaub, die Medien und die Öffentlichkeit auf Weihnachtsgebimmel und Silvesterraketen eingestimmt. Keine Stratege würde da einen Aufstand anzetteln, weil dann das Echo fehlt, das für das Hochschaukeln so einer Bewegung notwendig ist.

Ein knappes Geständnis

In ihrer kurzen Erklärung gaben die Pasdaran auch bekannt, dass mehrere 10.000 Bassidschis (eine Miliz, die direkt den Pasdaran untersteht) gegen die Demonstranten eingesetzt worden seien. Bislang hatten die Pasdaran nur bekannt gegeben, dass sie in den Regionen Kermanschah, Lurestan und Hamedan gegen die Protestierenden in Aktion getreten seien.

http://news.gooya.com/2018/01/post-10877.php
vom 8.1.2018
edameye e°terazat dar iran bar xalafe edda°ye xatme qa‘ele

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Iran: Inhaftierter Jugendlicher im Gefängnis gestorben

Sina Qanbari, einer der jugendlichen Verhafteten der jüngsten Protestwelle im Iran, ist im Ewin-Gefängnis in Teheran ums Leben gekommen. Der Teheraner Parlamentsabgeordnete Mahmud Sadeqi bestätigte am Montag, den 8.1.2018, dieses Gerücht unter Berufung auf eine Geheimdienstquelle. Angeblich habe der 23-Jährige (an anderer Stelle des Textes wird sein Alter mit 22 Jahren angegeben) im Gefängnis Selbstmord verübt. Der Abgeordnete Sadeqi forderte die verantwortlichen Stellen auf, ein zweites Kahrisak zu verhindern. Kahrisak war der Ort, wo mehrere Gefangene nach den Verhaftungen vom Juni 2009 zu Tode gefoltert wurden. Selbstmord in Haft kann ein Indiz für erlittene Folterungen sein. Es kann auch eine vorgeschobene Behauptung sein, um die tatsächlichen Todesursachen zu vertuschen.
Mostafa Mohebbi (mögliche Lesungen sind auch Mohabbi, Mohabba), der Generaldirektor der Gefängnisse der Region Teheran, hat gegenüber der Nachrichtenagentur ILNA erklärt, Sina Qanbari, der Sohn von Ali Akbar, habe sich am Morgen des 16. Dey 1396 (also am 6. Januar) in der Toilette der Karantäne-Station des Ewin-Gefängnisses erhängt. Da es in Gefängnissen gängige Praxis ist, den Gefangenen alle Gegenstände abzunehmen, mit denen sie Selbstmord verüben könnten, ist diese Erklärung ohne weitere Details erstmal nur als Schutzbehauptung zu werten. Eine unabhängige Justiz, die den Fall untersuchen könnte, gibt es nicht.

http://news.gooya.com/2018/01/post-10892.php
vom 8. Januar 2018
joz‘iyate taze dar bareye marge yeki az bazdashtshodegan dar zendane ewin

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Iran: Vom Ende der Islamischen Republik

Die Islamische Republik Iran hat schon einige Protestbewegungen überlebt. So die Bürgerbewegung, die 1997 im Wahlsieg des sogenannten Reformpräsidenten Chatami gipfelte, von dem sich vor allem die Frauen mehr Freiheit erwarteten. Aber Chatami konnte weder die Serienmorde verhindern, noch die reihenweise Zensur und Schließung von Zeitungen noch den mörderischen Überfall auf die Studentenwohnheime. Nach zwei Amtszeiten folgte mit Präsident Ahmadineschad ein Wunschkandidat der Fundamentalisten. Der wurde schon nach der ersten Amtszeit im Juni 2009 abgewählt, aber Ajatollah Chamene‘i ließ das Rad zurückdrehen und das Ergebnis nach seinen Wünschen fälschen. Das führte zu Millionenprotesten auf den Straßen. Das Regime brauchte ein ganzes Jahr, um den Protest abzuwürgen. 2013 wurde dank der Uneinigkeit der Fundamentalisten Hassan Rouhani zum Präsidenten gewählt. Seine Wahl weckte in der Bevölkerung die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Wende. Er leitete einen Ausgleich mit dem Westen ein und erreichte das Ende der Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms. Er wurde 2017 wiedergewählt, aber die Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung sind verflogen. Ein wirtschaftlicher Aufschwung würde Rechtssicherheit und eine Entmachtung der Pasdaran in den wirtschaftlichen Schaltstellen erfordern. Dazu hat er nicht die Macht. Der neue Budgetentwurf, der Kürzungen in den für die Bevölkerung wichtigen Subventionen vorsah, brachte das Fass zum Überlaufen.
Dschamschid Barsgar (Jamshid Barzgar) analysiert für den BBC die Besonderheiten und die zu erwartenden Folgen der jüngsten Proteste zur Jahreswende (nach europäischer Zeitrechnung, im Iran ist bis zum Frühlingsbeginn noch das Jahr 1396).

Das Ausmaß der Proteste
Am 28. Dezember 2017 kam es in Maschhad und einer Reihe weiterer Städte zu Kundgebungen gegen die Inflation, die eine Protestwelle in allen Landesteilen in Gang setzten. Nicht einmal die Massenproteste von 2009 erreichten so viele Regionen, große und kleine Städte, wie diese jüngste Protestwelle.

Systemwechsel statt Reform

Die zweite Besonderheit der Proteste ist ihre Zielrichtung. Es geht nicht mehr darum, das System zu reformieren oder gestohlene Wählerstimmen einzufordern. Die Unzufriedenheit richtet sich gegen die Islamische Republik als politisches System. Die armen Schichten und die Jugend, die keinen Silberstreifen am Horizont sieht, sind diesmal auf die Straßen gegangen. Sie riefen: „Nieder mit der Diktatur“, sie kritisierten den Religiösen Führer und riefen: „Dein Grab ist schon bereit.“ Reform-Versprechen haben die Iranerinnen und Iraner schon genug erlebt, jetzt wollen sie grundlegende Änderungen.

Führerlos und parteilos

Die jüngsten Proteste zeichneten sich auch dadurch aus, dass sie ohne „Führerpersönlichkeiten“ auskamen und keine politischen Parteien oder Bewegungen dahinter standen.

Weder Fundis noch Reformos

Während die Proteste anfänglich noch gegen die Regierung von Hassan Rouhani gerichtet zu sein schienen und die Inflation zum Thema hatten, weiteten sie sich rasch auf die Institution des Religiösen Führers und das politische System aus. Für die Unzufriedenen waren weder die Fundamentalisten noch die „Reformisten“ eine politische Alternative. Bezeichnend ist denn auch, dass der Ex-Präsident Mohammad Chatami die Ereignisse verurteilte und dass die Fundamentalisten für die Regierung Rouhani und gegen die Proteste eintraten. Wenn es um die Machterhaltung im Rahmen eines Islamischen Staates geht, ist die Spaltung zwischen Fundamentalisten und Reformisten aufgehoben. Die neue Trennlinie verläuft jetzt zwischen Anhängern des alten Systems, der Islamischen Republik, und ihren Gegnern.

Dürftiger Erfolg der Unterdrückung

Man kann dem Regime vieles vorwerfen, eines gewiss nicht: Dass es sich auf Proteste nicht vorbereitet hätte. Von der Internetpolizei bis zu Spezialeinheiten zur Aufstandsbekämpfung, von der Beschneidung des Internets bis zum Totschweigen des Protests und gelenkter Berichterstattung in Medien, von Schlägerbanden „in Zivil“ bis zu willfährigen Folterern und Richtern, alles steht bereit. In den Provinzen Kermanschah, in Chusestan und in Hamedan wurden sogar Einheiten der Revolutionswächter gegen die Demonstranten eingesetzt. 21 Menschen wurden umgebracht. Und trotzdem konnte dies nicht verhindern, dass die Menschen im ganzen Land über eine Woche lang auf die Straße gingen.

Auswirkungen auf das Budget

Man darf davon ausgehen, dass der Budgetentwurf, der derzeit im iranischen Parlament beraten wird, so nicht durchgehen wird. Die Streichung des Yarane (Freundschaftsgeld), eine Art von Subvention oder Sozialhilfe, die von Ahmadineschad eingeführt wurde, und auch die Erhöhung des Benzinpreises wird vermutlich zurückgenommen. Die Folge könnte allerdings ein Anstieg der Inflation sein.

Zunehmende außenpolitische Isolierung

Während Russland und die Türkei die iranische Regierung unterstützten, nahm die US-Regierung die Gegenposition ein und unterstützte die Proteste verbal, gefolgt von einigen europäischen Regierungen. Zunehmende Repressalien gegen die Demonstranten könnten dazu führen, dass die Investitionen aus Europa ausbleiben und der Iran weiter wirtschaftlich isoliert bleibt.

Haltung der Türkei

Dass die türkische Regierung die iranische Regierung unterstützt, versteht sich. Ein Syrien vor der Haustür genügt. Hinzu kommt, dass Türkei und Iran nach dem Unabhängigkeitsreferendum in der Kurdischen Autonomie im Nordirak gemeinsam wirtschaftlich und militärisch gegen die Autonomie vorgegangen sind und in der Unterdrückung der Kurden gemeinsame Interessen verfolgen. So verfolgt der Iran die Pezhak, einen Ableger der PKK im Iran, und es ist anzunehmen, dass eine Demokratisierung im Iran auch zu einer Stärkung der kurdischen Rechte im Iran führen wird. Das ist für Erdogan und die türkischen Nationalisten nicht akzeptabel. Deshalb ist es nicht überraschend, dass die türkischen Machthaber eine Veränderung im Iran ablehnen.

Quelle:
http://news.gooya.com/2018/01/post-10823.php
vom 5. Januar 2018
natayej va peyamadhaye ehtemaliye e°terazate axir chist?

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Iran: 1800 Verhaftungen, darunter 90 Studenten


Auch am achten Tag der Proteste, die den gesamten Iran erfasst haben, kommt es trotz massiver Gegenwart der bewaffneten Organe weiterhin zu Demonstrationen.
Radio Farda berichtet am Freitagabend, dass im gesamten Iran mindestens 1800 Menschen in Zusammenhang mit den Protesten verhaftet wurden. Am achten Tag der Proteste kam es zu Demonstrationen in der Chiyabane Azadi (Freiheitsstraße), in der Chiyabane Wali-Asr (Wali-Asr-Straße) und an der Chahar-Rahe Touhid (Kreuzung der Vereinigung) in Teheran. Aus Borujerd (Borudscherd), Zarin-Schahr (bei Isfahan) und Kermanschah wird ebenfalls von Demonstrationen berichtet. Parwane Selahshuri, Abgeordnete für Teheran im iranischen Parlament, sagt, dass bis zum Freitag 90 Studenten und Studentinnen verhaftet wurden. Hinter diesen Verhaftungen stehe das Geheimdienstministerium. Diese Zahlen bezeugen – soweit sie zutreffen – dass der Protest diesmal nicht von den Studenten ausging und ganz andere Schichten erfasst hat. Die Verhaftung der Studenten soll wohl eher verhindern, dass die Proteste ein organisatorisches Rückgrat finden und sich in Massenproteste verwandeln. Zumindest diese konnten die Machthaber durch ihre Unterdrückungspolitik erfolgreich verhindern. Wie lange noch?

https://www.radiofarda.com/a/Iran-protests-live-coverage/28947657.html
vom 5.1.2018
pusheshe hamzamane e°terazha: bazdashte daste kam 1800 tan dar 10 ostane keshwar

https://www.radiofarda.com/a/iran-8-days-protests/28955998.html
vom 5.1.2018
hashtomin ruze e°terazat: edameye tazahorat dar tehran wa chand shahre digar

https://www.radiofarda.com/a/iran-unrest-university-students-arrested/28957090.html
vom 5.1.2018

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Iran: Siebter Tag der Demonstrationen

Am Donnerstag sind Proteste aus folgenden iranischen Städten bekannt geworden:
Malayer, Nouschahr, Ahwaz (Ahwas), Dezful (Desful), Gouhardascht bei Karadsch, Kazerun (Kaserun), Sabzawar (Sabsawar), Masjede Soleyman (Masdschede Soleyman), Juq-Abad (Dschuq-Abad) in Isfahan. Eine Reihe Parolen richteten sich gegen den Religiösen Führer, Ajatollah Chamene‘i.
In Ahwas soll ein LKW in die Demonstranten gefahren sein, in Karadsch sollen neben Polizei und Bassidschis auch sogenannte Zivilisten auf Motorrädern gegen die Demonstranten vorgegangen sein. Laut unbestätigten Berichten soll auch auf dem Revolutionsplatz in Teheran eine Kundgebung stattgefunden haben.
Unterdessen haben sich die Angehörigen einer Reihe von Verhafteten der letzten Tage vor dem Ewin-Gefängnis in Teheran versammelt

http://news.gooya.com/2018/01/post-10756.php
vom 4. Januar 2018
haftomin ruze tazahorate sarasari: sho°arha radikaltar, gerayesh be xoshunat ashkartar

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Iran: Übersichtskarte der Proteste. 15000 Unruhestifter.

Die iranische Webseite news.gooya hat eine Übersichtskarte von Voice of America über die Städte veröffentlicht, in denen es in den ersten fünf Tagen der anhaltenden Protestwelle zu Kundgebungen kam.

Landkarte des Irans, Übersicht der Proteste vom 28.12.2017-1.1.2018

Laut Darstellung des Oberbefehlshaber der Revolutionswächter (Pasdaran) Muhammad Ali Dscha‘fari sei die Protestwelle zum heutigen Tag (3. Januar 2018) beendet. Die Zahl der Demonstranten habe an keinem Ort 1500 Menschen überstiegen, im ganzen Land seien nicht mehr als 15.000 „Unruhestifter“ am Werk gewesen.

Was sagt Erdogans Presse zu den Ereignissen im Nachbarland Iran?
Türkische Tageszeitungen, die Erdogan nahe stehen, wie etwa Yeni Akit, drücken zwar Verständnis für die Proteste aus, und weisen darauf hin, dass im Iran 5 Millionen Studenten arbeitslos sind, aber letztlich stoßen sie ins selbe Horn wie Ajatollah Chamene‘i und die iranischen Revolutionswächter, die das Ausland für die Unruhen verantwortlich machen. Yeni Akit schreibt am 3. Januar 2018:
„Es gibt Probleme wie die Frauenrechte, den Kopftuchzwang und Arbeitslosigkeit.
Selbstverständlich ist es das natürliche Recht der Iraner, von der Regierung eine Lösung dieser Probleme zu erwarten, aber es wäre ein Fehler, die Einforderung dieser Rechte zu einer Systemfrage zu machen. Die Umwandlung dieser Volksbewegungen in einen Aufstand unter zunehmender Gewalt nützt nur den imperialistischen Staaten und ihren Verbündeten. Denn sie suchen nur eine Gelegenheit, um die Bodenschätze und Reichtümer der Region auszubeuten. Aufstände und Bürgerkriege schaffen nur eine günstige Atmosphäre, die ihnen die Ausbeutungsoperationen erleichtern. Aber auch das iranische Regime sollte nicht in die Richtung gehen, die Demonstrationen mit Gewalt niederzuschlagen. Es sollte die Tatsache berücksichtigen, dass Unterdrückung und Verbote eine Katastrophe wie in Syrien erzeugen.
Von dieser Wirklichkeit ausgehend sollten die iranischen Regierenden wie das iranische Volk sich vor den Provokationen der USA und Israels in Acht nehmen und ihnen nicht auf den Leim gehen.“

http://news.gooya.com/2018/01/post-10701.php
vom 3.1.2018

http://www.diken.com.tr/iran-devrim-muhafizlari-isyan-bitti-fitneciler-yenildi/
vom 3.1.2018

http://www.yeniakit.com.tr/yazarlar/mehmet-kocak/iranda-halk-dis-destekli-bir-isyan-istemiyor-22486.html
İran’da halk, dış destekli bir isyan istemiyor
vom 3.1.2018

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Iran: Kurdische Parteien unterstützen Straßenproteste

Laut Radio Farda haben vier kurdische Parteien im Iran die Straßenproteste in Erklärungen unterstützt. Radio Farda nennt die Demokratische Partei Kurdistans/Iran, die Komele und Pezhak namentlich, welches die vierte Partei sein soll, geht aus dem Text nicht hervor.
Die Proteste im Iran haben sich inzwischen auf über 90 Städte ausgeweitet, inzwischen sind mindestens 22 Todesopfer zu beklagen. Auch in den kurdischen Städten Kermanschah, Sanandadsch und Baniye kam es zu Straßenprotesten.
Die kurdischen Parteien werden von den iranischen Machthabern als „Terroristen“ bezeichnet, die „Pezhak“ wird auch von der USA als terroristische Organisation bezeichnet, möglicherweise als Zeichen der Unterstützung für die türkische Regierung, da die Pezhak der PKK nahe stehen soll.

https://www.radiofarda.com/a/iran-kurdish-parties-join-protests/28953033.html
vom 13. Dey 1396 (3. Januar 2018)
hemayate chahar hezbe kordestane iran az e°terazhaye xiyabani

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Iran: Über 1000 Verhaftungen in 5 Tagen

Laut amtlichen Angaben sollen bei den Protestkundgebungen der vergangenen fünf Tage in den Provinzen Teheran, Kerman, Alborz (Albors), Qazvin (Qaswin), West-Aserbaidschan, Markazi (Markasi), Chorasane Razavi (Rasawi) und Golestan über 1000 Menschen verhaftet worden sein. Allein in Teheran soll die Zahl der Verhafteten 450 Menschen betragen. In den Städten Tuyserkan, Dorud, Ize (Id_e), Schahin-Schahr und Qahdaridschan sollen im Rahmen der Proteste insgesamt 21 Menschen ums Leben gekommen sein. Insgesamt sollen in mindestens 70 Städten Straßenproteste abgehalten worden sein. Aus Hamedan wird die Festnahme von 150 Teilnehmern berichtet, die meisten sind zwischen 17 und 25 Jahren alt. Die amtliche verkündete Zahl der Verhafteten in Maschhad ist inzwischen auf 138 gestiegen. Aus Ardabil werden 40 Verhaftungen gemeldet. Laut Angaben der „Kampagne für Menschenrechte im Iran“, einer iranischen Menschenrechtsorganisation, sollen viele der Verhafteten ins Ewin-Gefängnis nach Teheran bzw. ins Gefängnis von Radscha‘i-Schahr in Karadsch verlegt worden sein. Allein im Ewin-Gefängnis soll ein Saal frei gemacht worden sein, um 200 zusätzliche Gefangene aufzunehmen. In Radscha‘i-Schahr soll Platz für 150 geschaffen worden sein.

https://www.radiofarda.com/a/f4_killing_21_arrest_more_than_1000_iran_unrest/28951463.html
vom 12. Dey 1396 (2.1.2018)
bish az hezar nafar dar e°terazhaye iran bazdasht wa daste kam 21 nafar koshte shodeand

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