Archiv für Februar 2018

Iran: Alle Jahre wieder

Es ist ein seltsames Schauspiel. Kaum sind irgendwo Revolutionäre an die Macht gekommen, führen sie neue Feiern ein. Im Iran heißt dieser Feiertag 22. Bahman (11. Februar), das ist der Jahrestag des Sieges der Revolution über den Schah im Jahr 1979. Jahr für Jahr werden die Feiern wiederholt, und sie sind so ätzend langweilig wie Weihnachten in Deutschland. Hier Feiern die Weihnachtsmänner als Umsatzboten für den Handel, dort die bärtigen Ajatollahs und ihr bewaffneter Arm, die Revolutionswächter und die Bassidschi-Milizen. Ist ja schon eine seltsame Revolution, die Wächter braucht, das spricht nicht für viel Freiwilligkeit.
In den Anfangsjahren, als die Begeisterung über den Sturz des Schahregimes noch groß war, brachte das Regime locker Millionen von Menschen auf die Straße. Die USA als Weltmacht besiegt man schließlich nicht alle Tage, oder glaubt zumindest, es geschafft zu haben.
Aber die Revolutionäre werden älter, die einen sterben, die andern füllen ihre Konten, und die Mehrheit hat das Nachsehen. Und so schwindet auch die Zahl der Anhänger.
Dagegen hilft nur eins: Besser organisieren, mehr Geld ausgeben, kostenlose Busfahrten, um das Häuflein der sieben Aufrechten auch noch aus dem letzten Dorf nach Teheran zu karren, und dafür sorgen, dass das staatliche Fernsehen den günstigsten Blickwinkel findet, um mit ein paar Zehntausend Teilnehmern eine Million zu suggerieren. Kein leichtes Unterfangen.


Das sieht doch echt nach Volksmassen aus

Dieses Jahr ist nun die Revolutions-Schnarchfeier gründlich verratzt.


Ho Narro! Die Jugend scheint die Revolutionsfeier wohl etwas anders zu verstehen…

Trotz allen Aufwands sind an manchen Orten nur noch wenige Menschen bei den staatlichen Kundgebungen zu sehen.


So weit ist es gekommen. Jetzt klagen selbst fundamentalistisch gesinnte Frauen auf ihren Plakaten zum 22. Bahman über tab°iz – Diskriminierung (der Frauen).


Und diese Anhängerinnen des Systems beschweren sich über die Korruption und die Unterschlagung des Staatsvermögens. Zum Jahrestag der Revolution. Man kann sich unschwer vorstellen, was in den Köpfen der Gegner vorgeht, wenn selbst den Anhängern zu diesem „Tag Gottes“ nichts Positiveres einfällt.

Und es kommt noch schlimmer: Selbst im Zentrum der Macht, in Teheran, Maschhad oder Isfahan regt sich Protest mitten in den heiligen Tagen der Revolution. Sakrileg. Da rufen Frauen am helllichten Tag an einer zentralen Stelle in Teheran die Parole „Iranische Republik“ und nicht etwa „Islamische Republik“, womit sie jederzeit den Überfall von Hisbollahi-Schlägern riskieren, zu nächtlicher Stunde hört man nicht weit von dieser Stelle die Parole „Tod dem Diktator“, in Maschhad, wo die ganzen Reichtümer der wichtigsten religiösen Stiftung angehäuft sind, geht die Bevölkerung dazwischen, als ein Regimegegner verhaftet werden soll, der unerwünschte Parolen gerufen hat, und befreien ihn, und in Isfahan haben die Behörden solche Angst vor dem heißgeliebten Volk der Revolutionäre, dass sie ganze Kolonnen von schlagbereiten Motorradfahrern durch die Straßen rollen lassen.
Ja, vielleicht schaffen es die Iraner ja, die Revolutionsfeiern früher abzuschütteln als unsereins die Weihnachtsfeiern…

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=148023
vom 22. Bahman 1396 (11. Februar 2018)
film / tehran chahar-rahe wali-°asr, marg bar diktatur, emshab 22 bahman

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=148018
vom 22. Bahman 1396 (11. Februar 2018)
film / sho°are jomhuriye irani kami balatar az meydane wali-°asr, 22 bahman sa°ate 11.30

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=148029
vom 22. Bahman 1396 (11. Februar 2018)
film / joulane mutur-sawaran-e zedde shuresh dar esfahan / emshab 22 bahman

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=147981
vom 22. Bahman 1396 (11. Februar 2018)
film / dargiri dar mashhad wa komak kardane mardom baraye jelougiri az dastgiriye yeki az mo°tarezan

Fotos:
http://www.tabnak.ir/fa/news/773369/

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Iran: Vorschlag zum Ausweg aus der Sackgasse


Forderung nach dem Referendum auf der berühmten Brücke Chadju, Isfahan

Die Krise im Iran ist unübersehbar. Stillstehende oder wenig ausgelastete Fabriken, Lohnzahlungen, die über Monate ausstehen, Streiks, Proteste im ganzen Land. Vor diesem Hintergrund hatte der iranische Staatspräsident Hassan Rouhani unter Berufung auf die iranische Verfassung geäußert, man solle die Bevölkerung befragen, um die Probleme zu lösen.
15 iranische Intellektuelle wurden jetzt konkreter. Acht von ihnen leben im Iran, riskieren also eine Menge, denn ihr gemeinsamer Vorschlag, der als Erklärung veröffentlicht wurde, erschien direkt zu den Revolutionsfeiern vom 22. Bahman (11. Februar), kurz nach der zitierten Äußerung des Staatspräsidenten. Die Forderung der 15, zu denen u.a. Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivisten Nasrin Sotude, Narges Mohammadi, eine im Ewin-Gefängnis inhaftierte Menschenrechtlerin und der im Iran lebende Regisseur Dscha‘far Panahi gehören, lautet:
Abhaltung eines Referendums gemäß der iranischen Verfassung über die Einführung einer säkulären parlamentarischen Demokratie im Iran. Das Referendum soll unter Aufsicht der Vereinten Nationen durchgeführt werden.
Das Bedeutende an dieser Forderung ist nicht die Zahl der UnterzeichnerInnen, sondern die Tatsache, dass hier treffende Worte zur rechten Zeit kommen. In diesem Moment der Krise können sie etwas bewegen.
Mit dem Vorschlag erwischen diese 15 das iranische Regime auf dem falschen Fuß. Denn im Verlauf der letzten Protestwelle (von der Jahreswende) wie auch der Einzelkundgebungen gegen das Zwangskopftuch war von den Machthabern immer zu hören, dass seien einige wenige, die Millionen stünden hinter ihnen. Wenn sie sich sicher wären, würden sie das Referendum abhalten, so wie Ajatollah Chomeini zum Höhepunkt seiner Popularität problemlos das Referendum über die Einführung der Islamischen Republik Iran abhalten konnte. Er wusste, dass er es gewinnt. Wenn das Regime jetzt so ein Referendum verweigert, macht es öffentlich sichtbar, dass es seinen eigenen Worten nicht glaubt. Aus der Traum von den Millionen.

http://news.gooya.com/2018/02/post-11966.php
vom 12. Februar 2018
nameye panzdah fa°°ale siyasi: referandum tahte nezarate sazemane melal, rahgozare mosalemat-amiz az jomhuriye eslami be yek demorasiye sekular parlemani

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Iran: Zwei gefangene Frauen im Hungerstreik


Kolroch Ebrahimi


Atena Da‘emi

Atena Da‘emi und Kolroch Ebrahimi, zwei aktive Bürgerrechtlerinnen, wurden am 4. Bahman 1396, also vor 19 Tagen, mit Schlägen und Gewalt vom Frauentrakt des Ewin-Gefängnisses in Teheran ins Qaretschak-Gefängnis in Waramin verlegt. Aus Protest gegen die Misshandlung und die willkürliche Verlegung sind sie am 14. Bahman, vor 9 Tagen, in den Hungerstreik getreten. Ihnen drohen schwere Nierenschäden. Die verantwortlichen Behörden in Teheran weigern sich, die Zwangsverlegung rückgängig zu machen und drohen der Mutter von Atena Da‘emi, sie ebenfalls zu inhaftieren, wenn sie weiter gegen das Verhalten der Behörde protestiere.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=84821
vom 22. Bahman 1396 (11. Februar 2018)
atena da‘emi wa kolrox ira‘i (ebrahimi) dar hashtomin ruze e°tesab

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Iran: Diskriminierung von Frauen ist „zum Kotzen“

Taraneh Alidoosti, eine im Iran sehr beliebte Schauspielerin, hat mit scharfen Worten kritisiert, wie mit Journalistinnen umgegangen wurde, die über ein Basketball -Endspiel in der Stadt Tabriz berichten wollten.

Die Journalistinnen durften nur aus dem einen Grund, weil sie Frauen waren, nicht ins Stadium gehen und das Spiel sehen. Sie wurden stattdessen in einen geschlossenen Raum gesperrt und durften nur vor einem Fernseher sitzen.

Tareneh Alidoosti fand diese Aktion „zum Kotzen“ (tschendeschavar) und betonte, dass das nichts mit der Scharia oder irgendwelchen Traditionen zu tun hat.

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Iran: Seit Tagen nehmen die Arbeiterproteste stetig zu

Die Arbeiter der iranischen Baumaschinen-Fabrik Hepcon in Arak streiken. Das Unternehmen hat Standorte in mehreren großen Städten im Iran. Am Standort Arak sind allein mehr als 1000 Arbeiter beschäftigt.

Grund für den Streik sind ausstehende Löhne. Bereits im vergangenen Jahr wurden die Löhne nicht mehr im vollen Umfang bezahlt. Von den letzten zehn Monaten haben die Arbeiter an 106 Tagen keinen Lohn erhalten.

Die Arbeiter gingen im Stadtzentrum von Arak auf die Straße. Die Parolen, die sie riefen, lauteten: „Marg bar karegar – doroud bar setamgar“ (ironisch: Tod dem Arbeiter – es lebe der Ausbeuter) und „Aza aza ast emrooz – zendegir karegar ruye hava ast emrooz “ (Traurig, traurig ist der Tag – das Leben des Arbeiters schwebt heutzutage in der Luft).

Ein Arbeiter hat in einem Interview erklärt, dass die Fabrik nur zu 5% ausgelastet ist. Die Zukunft ist unklar.

Anmerkung: Nicht nur in Arak wird demonstriert und gestreikt. In den letzten Tagen fanden ähnliche Aktionen in 25 iranischen Städten statt. Es gibt viele Videos und Kurzberichte in den sozialen Medien. Hier nur eine kleine Auswahl:

  • Die Arbeiter der Teheraner U-Bahn streiken seit Montag, weil sie in diesem und im letzten Jahr an acht Monaten ihrenLohn nicht bekommen haben
  • Die Nationale Stahl-Fabrik (Mobarakeh Steel Company) in Isfahan wird bestreikt, weil die letzten zwei Monate kein Lohn gezahlt wurde. Auf der Demonstration riefen die Arbeiter „Was haben wir falsch gemacht? Wir haben die (Islamische) Revolution gemacht!“
  • Die Reifenfabrik Kian-Tayer in Teheran wird seit gestern bestreikt, weil im letzten Monat kein Lohn bezahlt wurde und die Überstunden der letzten vier Monate nicht bezahlt wurden.
  • Die Fabrik Rangin Nakh Semnan (Baumwollfabrik von Semnan) hat ihren Arbeitern mehrere Monate zu wenig Lohn und keine Überstunden bezahlt. Auch die Versicherungen wurden nicht bezahlt.
  • Seit acht Tagen wird die Zuckerrohrfabrik von Haft Tapeh bestreikt. Die Arbeiter haben inzwischen die Zucker-Lagerhallen abgesperrt, um zu verhindern, dass die Ware abtransportiert wird. Einige schon beladene Lastwägen wurden von ihnen wieder entladen. [Video]
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Iran: Der Kampf um die Köpfe, nicht um das Kopftuch

Interview mit einer Kämpferin gegen den Kopftuchzwang

In der iranischen Presse ist jetzt ein Interview mit einer der jungen Frauen erschienen, die aus Protest gegen die Zwangsbedeckung des Kopfes an verschiedenen Stellen in der Revolutionsstraße in Teheran Posten bezogen haben und ihr Kopftuch auf einem Stecken gehisst vor sich hin halten. Sie sagt, dass die Reaktion der Passanten sehr verschieden gewesen sei. Manche Frauen und Mädchen hätten sie angeguckt und dann getuschelt, ein Mann habe sie am Mantel gezogen und gesagt, sie solle vom Podest runterkommen, aber da sei ein anderer aufgetaucht und habe diesen verdrängt, einer habe gemeint, er habe auch seine Kritik an der Gesellschaft, aber das hier sei nicht in Ordnung, viele hätten einfach nur geschaut und seien dann weitergegangen, sie habe auch anzügliche Bemerkungen zu hören bekommen, aber es seien auch Jugendliche vorbeigekommen, die vor ihr das Victory-Zeichen gemacht hätten und Taxi-Fahrer, die gemeint hätten: Die hat Mut.
Eine halbe Stunde stand sie so, dann sah sie die Polizei kommen und verdünnisierte sich. Ihr ist klar, dass die Polizei sie auch noch später verhaften kann, wenn sie die Kameras auswertet.
http://news.gooya.com/2018/02/post-11700.php
vom 3. Februar 2018
goft-o-gu ba yeki az doxtarane xiyabane enqelab

Die Vorgeschichte einer der protestierenden Frauen
In der iranischen Presse (Iran-Wire) ist ein Bericht von Ayda Qadschar über Schima Baba‘i erschienen, eine der die Hintergründe ihres Protests erläutert. Sie war schon im letzten Jahr von der „Polizei für Moralische Sicherheit“ vorgeladen worden und wurde aufgefordert, zu begründen, wieso sie gegen das Kopftuch sei. Bei diesem Gespräch war auch Schimas Vater zugegen, der ein Kriegsversehrter ist, also einer derjenigen, die im iranisch-irakischen Krieg verletzt wurden und als Kämpfer für die islamische Revolution eigentlich von Amts wegen privilegiert sind. Als der Polizist beim Verhör immer lauter wurde, protestierte Schimas Vater dagegen. Darauf wurde der Polizist handgreiflich. Schima schildert: „Mein Vater wurde wütend und sagte: So geht ihr mit den Kriegsversehrten dieses Landes um? Ich bin nicht in den Krieg gegangen, damit meine Tochter kein Recht hat, über ihre Kopfbedeckung zu entscheiden und dass man so auf ihre Antworten reagiert. Darauf wurde er aus dem Zimmer geschubst, während ich zur Justizbehörde des Bezirks 21 überstellt wurde. Der Staatsanwalt dort meinte dann: „Dir juckt wohl das Fell. Gegen dich liegt schon eine politische Akte vor und du machst Propaganda gegen das System.“ Ich antwortete: „Ja, es juckt mich sehr, endlich mein Recht zu bekommen.“ Der Staatsanwaltschaft schickte sie dann mit ominösen Bemerkungen zu einer anderen Behörde. Der Beamte dort war etwas freundlicher, er meinte: „Unsere Gesellschaft ist nicht in der Lage, das freiwillige Tragen des Kopftuchs zu akzeptieren. Angesichts des Verhaltens von Schima sei vom Staatsanwalt die Anweisung gekommen, von ihr eine so hohe Kaution zu verlangen, dass sie das Geld nicht aufbringen könne und inhaftiert würde. Der Beamte legte dann aber für sie eine noch zahlbare Kaution fest. Als ihr Vater die bezahlen wollte und seinen Lohnzettel vorlegte, stellte sich heraus, dass die „Polizei für Moralische Sicherheit“ gegen ihn Anzeige wegen „Beleidigung der Polizei“ erstattet hatte. Schima blieb 5 Stunden in Haft, bis ein Anwalt für sie bürgte. Gegen ihren Vater wurde später Haftbefehl erlassen.
http://news.gooya.com/2018/01/post-11579.php
vom 30. Januar 2018
doxtare enqelab: az zendan wa shekanje nemitarsim

29 Verhaftete
Die Presseabteilung der Polizei von Groß-Teheran hat in Zusammenhang mit der Protestbewegung gegen die Zwangskopfbedeckung (Kopftücher) die Verhaftung von 29 jungen Frauen bekannt gegeben.
http://news.gooya.com/2018/02/post-11633.php
vom 1. Februar 2018
dastgiriye 29 nafar az doxtarane xiyabane enqelab dar tehran

Parlamentsabgeordnete: Diskriminierung ist die Mutter des Protests
Nahid Tadsch od-din, Abgeordnete für Isfahan im Landesparlament, hat in einem Tweet darauf hingewiesen, dass die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts die Ursache für die neue Protestbewegung namens „Töchter der Revolutionsstraße“ ist. Sie schreibt: Die Töchter der Revolutionsstraße sind dieselben, die seit Jahren bei den Auswahlverfahren zum Hochschulstudium, bei der Anstellung in Arbeitsverhältnisse, bei der politischen Teilnahme, bei der Bekleidung von Führungspositionen, beim Besuch von Sportplätzen, bei der Aufführung von Live-Musik auf der Bühne etc. vor den verschlossenen Toren der Geschlechter-Diskriminierung stehen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=147343
vom 13. Bahman 1396 (2. Februar 2018)
nemayandeye majles: doxtare xiyabane enqelab haman doxtarani hastand ke poshte darwazehaye tab°ize jensiyati mandeand

Abgeordnete von Teheran: Der Protest ist eine Folge unseres Fehlverhaltens
Soheila Dscheloudarsade, Abgeordnete für Teheran im Landesparlament, führt die neue Protestbewegung gegen die Zwangsbedeckung des Kopfes für Frauen auf die Unterdrückung zurück: „Wenn wir die Frauen allen möglichen Beschränkungen unterwerfen und sie unnötig einengen, führt dies dazu, dass dieser Druck in Empörung mündet, so dass die Töchter der Revolutionsstraße ihre Kopftücher auf einem Stecken gehisst haben. (…) Das ist eine Folge unseres Fehlverhaltens.“
https://www.radiofarda.com/a/iran_sohiela_jeloudarzadeh_hijab/29011343.html
vom 12. Bahman 1396 (1. Februar 2018)
nemayandeye majles: doxtarane xiyabane enqelab, natijeye eshtebahe ma bud

Solidarität mit den Frauen
In diesem Film sieht man, wie ein junger Mann auf einer Verkehrsinsel vor dem Gefängnis des Stadtkreises Behbahan für die inhaftierten „Töchter der Revolutionsstraße“ demonstriert, also diejenigen, die ihr Kopftuch öffentlich abgenommen und auf einem Stock gehisst hatten, um so in aller Öffentlichkeit gegen die Zwangsbedeckung zu protestieren.

https://outlook.live.com/owa/?rru=inbox&path=/mail/inbox/rp
vom 11. Bahman 1396 (31. Januar 2018)
hemayat az doxtarane xiyabane enqelab dar moqabele zendane shahre behbahan

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Iran: Im Zuge der Protestwelle 5000 Festgenommene

Ali-Resa Rahimi ist einer der 11 iranischen Parlamentsabgeordneten, die nach dem Tod von Sina Qanbari im Ewin-Gefängnis einen Besuch in diesem Gefängnis beantragt hatten. Die Parlamentarier-Kommission durfte nach mehrwöchiger Wartezeit nun tatsächlich das Gefängnis besuchen. Die Tatsache, dass selbst die Parlamentarier mehrere Wochen hingehalten wurden, bevor man sie ins Gefängnis lässt, macht deutlich, dass es wohl einiges zu verbergen gab.

Wie Ali-Resa Rahimi bekannt gab, wurden nach amtlichen Angaben im Zuge der Protestwelle zum Jahreswechsel 4972 Personen festgenommen, 493 von ihnen sollen noch in Haft sein. Mit anderen Worten: Neun Zehntel der Festgenommenen sollen jetzt wieder auf freiem Fuß sein. Sie waren für die Parlamentarier somit nicht mehr erreichbar.

Verlauf des Besuchs im Ewin-Gefängnis
Der Abgeordnete Ali-Resa Rahimi berichtete, dass der Besuch im Gefängnis in Gegenwart des Leiters und der einzelnen Abteilungschefs der Gefängnisbehörde des Landes, des stellvertretenden Geheimdienstministers und von Vertretern der Justiz- und Vollzugsbehörden des Ewin-Gefängnisses stattfand. Die elf Parlamentsabgeordneten setzten sich aus Mitgliedern des Ausschusses für Nationale Sicherheit und des Justizausschusses zusammen. Als die Abgeordneten den Gefängnishof betraten, wurden sie zuerst in den Sitzungsraum des Gefängnisses gebracht. Der Haftbesuch wurde mit zwei Kameras gefilmt.

Überwachte Kontrolleure
Wie Ali-Resa Rahimi sagt, wurden die 11 Abgeordneten während des Haftbesuchs von rund 50 Personen begleitet, man könnte auch sagen, überwacht. Man kommt auf knapp fünf Aufpasser pro Abgeordneten. Der Leiter der Gefängnisbehörde des Landes versuchte das Gespräch auf Budgetprobleme seiner Behörde zu lenken, was die Abgeordneten aber als Ablenkungsmanöver kritisierten. Das Budget sei nicht Ziel ihres Besuches.

Statistik zu den Verhaftungen
Dann gab er die amtlichen Zahlen bekannt: Im Rahmen der Proteste seien 4972 Menschen festgenommen worden, 438 seien jetzt noch im Gewahrsam, 55 weitere befänden sich im Gewahrsam des Geheimdienstes. Die Angaben zu den Verhafteten des Geheimdienstes sind im vorliegenden Artikel widersprüchlich. Das mag einen Grund haben. Von den Festgenommenen seien 5% Frauen und 95% Männer gewesen. 50% von ihnen seien zwischen 19 und 25 Jahren alt gewesen, 27% zwischen 25 und 32 Jahren. Diejenigen, die heute noch in Haft seien, seien in den Provinzen Hamedan, Chusestan, Fars, Isfahan und Teheran inhaftiert.

Keine Einzelheiten zu Details des Besuchs
Was die Abgeordneten bei ihrem Besuch gesehen und gehört haben, erfahren die Leser des Artikels nicht. Man darf auch annehmen, dass die Überwacher der Abgeordneten schon durch ihre bloße Anwesenheit dafür sorgen konnten, dass die Gefangenen es sich gut überlegten, was sie den Abgeordneten sagen wollten.

Der Tod von Sina Qanbari
Die 11 Abgeordneten haben auch den Ort im Ewin-Gefängnis besucht, wo der verhaftete Sina Qanbari ums Leben gekommen sein soll. Die Behörden hatten darauf dem Parlament einen Film der Anstaltkameras zur Verfügung gestellt, auf dem angeblich zu sehen gewesen sei, dass er Selbstmord verübt habe. Ali-Resa Rahimis Worte zu diesem behördlichen Film sind kurz, aber vernichtend: Ein Film, der irrtümlich als „Selbstmordfilm“ bekannt wurde. Was die Abgeordneten in Zusammenhang mit seinem Tod erzählt bekamen oder sonstwie erfahren haben, will Ali-Resa Rahimi bei anderer Gelegenheit berichten.

Fazit für ausländische Kontrolleure
Wie man sieht, haben selbst iranische Parlamentsabgeordnete, deren Kandidatur zu den Wahlen ja im voraus vom Wächterrat gesichtet und gegebenfalls verhindert wurde, keine Möglichkeit, die Gefängnisse unverzüglich zu besuchen, um so ein Vertuschen von Spuren zu verhindern. Sie haben auch keine Möglichkeit zu verhindern, von einer Überzahl von Bewachern begleitet zu werden. Aber sie waren schlau genug, das Ganze gleich von zwei Kameras filmen zu lassen. Wer vom Ausland kommt, sollte dies zur Mindestbedingung machen, egal ob es eine UN-Institution ist oder andere Menschenrechtsorganisationen.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=84634
vom 13. Bahman 1396 (2. Februar 2018)
dar e°terazate dey mahe gozashte 5000 nafar bazdasht shodand, 493 nafar hanuz zendaniyand

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