Iran: Der Kampf um die Köpfe, nicht um das Kopftuch

Interview mit einer Kämpferin gegen den Kopftuchzwang

In der iranischen Presse ist jetzt ein Interview mit einer der jungen Frauen erschienen, die aus Protest gegen die Zwangsbedeckung des Kopfes an verschiedenen Stellen in der Revolutionsstraße in Teheran Posten bezogen haben und ihr Kopftuch auf einem Stecken gehisst vor sich hin halten. Sie sagt, dass die Reaktion der Passanten sehr verschieden gewesen sei. Manche Frauen und Mädchen hätten sie angeguckt und dann getuschelt, ein Mann habe sie am Mantel gezogen und gesagt, sie solle vom Podest runterkommen, aber da sei ein anderer aufgetaucht und habe diesen verdrängt, einer habe gemeint, er habe auch seine Kritik an der Gesellschaft, aber das hier sei nicht in Ordnung, viele hätten einfach nur geschaut und seien dann weitergegangen, sie habe auch anzügliche Bemerkungen zu hören bekommen, aber es seien auch Jugendliche vorbeigekommen, die vor ihr das Victory-Zeichen gemacht hätten und Taxi-Fahrer, die gemeint hätten: Die hat Mut.
Eine halbe Stunde stand sie so, dann sah sie die Polizei kommen und verdünnisierte sich. Ihr ist klar, dass die Polizei sie auch noch später verhaften kann, wenn sie die Kameras auswertet.
http://news.gooya.com/2018/02/post-11700.php
vom 3. Februar 2018
goft-o-gu ba yeki az doxtarane xiyabane enqelab

Die Vorgeschichte einer der protestierenden Frauen
In der iranischen Presse (Iran-Wire) ist ein Bericht von Ayda Qadschar über Schima Baba‘i erschienen, eine der die Hintergründe ihres Protests erläutert. Sie war schon im letzten Jahr von der „Polizei für Moralische Sicherheit“ vorgeladen worden und wurde aufgefordert, zu begründen, wieso sie gegen das Kopftuch sei. Bei diesem Gespräch war auch Schimas Vater zugegen, der ein Kriegsversehrter ist, also einer derjenigen, die im iranisch-irakischen Krieg verletzt wurden und als Kämpfer für die islamische Revolution eigentlich von Amts wegen privilegiert sind. Als der Polizist beim Verhör immer lauter wurde, protestierte Schimas Vater dagegen. Darauf wurde der Polizist handgreiflich. Schima schildert: „Mein Vater wurde wütend und sagte: So geht ihr mit den Kriegsversehrten dieses Landes um? Ich bin nicht in den Krieg gegangen, damit meine Tochter kein Recht hat, über ihre Kopfbedeckung zu entscheiden und dass man so auf ihre Antworten reagiert. Darauf wurde er aus dem Zimmer geschubst, während ich zur Justizbehörde des Bezirks 21 überstellt wurde. Der Staatsanwalt dort meinte dann: „Dir juckt wohl das Fell. Gegen dich liegt schon eine politische Akte vor und du machst Propaganda gegen das System.“ Ich antwortete: „Ja, es juckt mich sehr, endlich mein Recht zu bekommen.“ Der Staatsanwaltschaft schickte sie dann mit ominösen Bemerkungen zu einer anderen Behörde. Der Beamte dort war etwas freundlicher, er meinte: „Unsere Gesellschaft ist nicht in der Lage, das freiwillige Tragen des Kopftuchs zu akzeptieren. Angesichts des Verhaltens von Schima sei vom Staatsanwalt die Anweisung gekommen, von ihr eine so hohe Kaution zu verlangen, dass sie das Geld nicht aufbringen könne und inhaftiert würde. Der Beamte legte dann aber für sie eine noch zahlbare Kaution fest. Als ihr Vater die bezahlen wollte und seinen Lohnzettel vorlegte, stellte sich heraus, dass die „Polizei für Moralische Sicherheit“ gegen ihn Anzeige wegen „Beleidigung der Polizei“ erstattet hatte. Schima blieb 5 Stunden in Haft, bis ein Anwalt für sie bürgte. Gegen ihren Vater wurde später Haftbefehl erlassen.
http://news.gooya.com/2018/01/post-11579.php
vom 30. Januar 2018
doxtare enqelab: az zendan wa shekanje nemitarsim

29 Verhaftete
Die Presseabteilung der Polizei von Groß-Teheran hat in Zusammenhang mit der Protestbewegung gegen die Zwangskopfbedeckung (Kopftücher) die Verhaftung von 29 jungen Frauen bekannt gegeben.
http://news.gooya.com/2018/02/post-11633.php
vom 1. Februar 2018
dastgiriye 29 nafar az doxtarane xiyabane enqelab dar tehran

Parlamentsabgeordnete: Diskriminierung ist die Mutter des Protests
Nahid Tadsch od-din, Abgeordnete für Isfahan im Landesparlament, hat in einem Tweet darauf hingewiesen, dass die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts die Ursache für die neue Protestbewegung namens „Töchter der Revolutionsstraße“ ist. Sie schreibt: Die Töchter der Revolutionsstraße sind dieselben, die seit Jahren bei den Auswahlverfahren zum Hochschulstudium, bei der Anstellung in Arbeitsverhältnisse, bei der politischen Teilnahme, bei der Bekleidung von Führungspositionen, beim Besuch von Sportplätzen, bei der Aufführung von Live-Musik auf der Bühne etc. vor den verschlossenen Toren der Geschlechter-Diskriminierung stehen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=147343
vom 13. Bahman 1396 (2. Februar 2018)
nemayandeye majles: doxtare xiyabane enqelab haman doxtarani hastand ke poshte darwazehaye tab°ize jensiyati mandeand

Abgeordnete von Teheran: Der Protest ist eine Folge unseres Fehlverhaltens
Soheila Dscheloudarsade, Abgeordnete für Teheran im Landesparlament, führt die neue Protestbewegung gegen die Zwangsbedeckung des Kopfes für Frauen auf die Unterdrückung zurück: „Wenn wir die Frauen allen möglichen Beschränkungen unterwerfen und sie unnötig einengen, führt dies dazu, dass dieser Druck in Empörung mündet, so dass die Töchter der Revolutionsstraße ihre Kopftücher auf einem Stecken gehisst haben. (…) Das ist eine Folge unseres Fehlverhaltens.“
https://www.radiofarda.com/a/iran_sohiela_jeloudarzadeh_hijab/29011343.html
vom 12. Bahman 1396 (1. Februar 2018)
nemayandeye majles: doxtarane xiyabane enqelab, natijeye eshtebahe ma bud

Solidarität mit den Frauen
In diesem Film sieht man, wie ein junger Mann auf einer Verkehrsinsel vor dem Gefängnis des Stadtkreises Behbahan für die inhaftierten „Töchter der Revolutionsstraße“ demonstriert, also diejenigen, die ihr Kopftuch öffentlich abgenommen und auf einem Stock gehisst hatten, um so in aller Öffentlichkeit gegen die Zwangsbedeckung zu protestieren.

https://outlook.live.com/owa/?rru=inbox&path=/mail/inbox/rp
vom 11. Bahman 1396 (31. Januar 2018)
hemayat az doxtarane xiyabane enqelab dar moqabele zendane shahre behbahan

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