Archiv für Februar 2019

Iran: Die Krise trifft auch Sportler


Dana Esmailsade, Spitzensportler, verdient sein Geld als Tagelöhner auf dem Bau

In diesen Tagen berichtete ein iranischer Journalist davon, dass einer der bekanntesten iranischen Boxer, Dana Esmailsade, seinen Unterhalt als Tagelöhner fristet. Nur so kann er seine Familie finanzieren. Er stammt aus dem iranischen Kurdistan, einer Region, die wirtschaftlich ohnehin nicht gut dasteht.
Ein anderer bekannter iranischer Sportler, Mobin Kahrase, der aus der Region Sistan und Balutschistan stammt, ist jetzt bei einem Flug der iranischen nationalen Boxmannschaft, die via Österreich nach Ungarn flog, um dort an internationalen Boxwettkämpfen teilzunehmen, auf dem Flughafen in Österreich verschwunden. Man vermutet, dass er in Österreich Asyl beantragt hat.

https://news.gooya.com/2019/02/post-23223.php
vom 8. Februar 2019
do qahremane bukse keshwar, yeki kargare ruzmozd wa digari dar otrish panahande shod

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Dankesrede von Behrouz Boochani

Abschrift der Rede, die Behrouz Boochani bei der Preisverleihung am 31. Januar 2019 per Videoübertragung hielt.

Behrouz Boochani gewinnt renommierten australischen Literaturpreis

Als ich vor sechs Jahren auf der Weihnachtsinsel ankam, rief mich ein Beamter der Einwanderungsbehörde ins Büro und sagte mir, dass sie mich nach Manus Island verbannen würden, einem Ort mitten im Pazifik. Ich sagte ihnen, dass ich Schriftsteller bin. Dieselbe Person lachte mich nur aus und befahl den Wachen, mich nach Manus zu deportieren.

Ich habe dieses Bild jahrelang im Kopf behalten, selbst als ich meinen Roman schrieb – und sogar gerade jetzt, während ich diese Dankesrede schreibe. Es war ein Akt der Erniedrigung.

Als ich in Manus ankam, schuf ich ein anderes Bild für mich. Ich stellte mir einen Schriftsteller in einem abgelegenen Gefängnis vor. Manchmal arbeitete ich halbnackt neben den Gefängniszäunen und stellte mir vor, dass ein Romanautor genau an diesem Ort eingesperrt ist. Dieses Bild war Ehrfurcht gebietend. Ich habe dieses Bild jahrelang in meinen Gedanken bewahrt. Sogar als ich gezwungen war, in langen Schlangen für Essen anzustehen oder andere demütigende Momente zu ertragen.

Dieses Bild hat mir immer geholfen, meine Würde zu wahren und meine Identität als Mensch aufrecht zu erhalten. Tatsächlich habe ich dieses Bild als Gegensatz zu dem vom System erstellten Bild entworfen. Nach Jahren des Kampfes gegen das System, das unsere individuellen Identitäten völlig ignoriert hat, bin ich froh, dass wir in diesem Moment angekommen sind.

Dies beweist, dass Wörter immer noch die Macht haben, unmenschliche Systeme und Strukturen herauszufordern. Ich habe immer gesagt, dass ich an Wörter und Literatur glaube. Ich glaube, dass Literatur das Potenzial hat, Veränderungen zu bewirken und Machtstrukturen in Frage zu stellen. Literatur hat die Macht, uns Freiheit zu geben. Ja, das ist wahr.

Ich bin seit Jahren in einem Käfig gewesen, aber während dieser ganzen Zeit hat mein Geist immer Worte hervorgebracht, und diese Worte haben mich über die Grenzen hinweg geführt, nach Übersee und an unbekannte Orte. Ich glaube wirklich, dass Worte mächtiger sind als die Zäune dieses Ortes, dieses Gefängnisses.

Dies ist nicht nur ein grundlegender Slogan. Ich bin kein Idealist. Ich drücke hier nicht die Ansichten eines Idealisten aus. Diese Worte stammen von einer Person, die seit beinahe sechs Jahren auf dieser Insel gefangen gehalten wird. Eine Person, die die außergewöhnliche Tragödie miterlebt hat, die sich an diesem Ort entwickelt hat. Diese Worte erlauben mir, heute Abend dort bei Ihnen zu erscheinen.

In aller Bescheidenheit möchte ich sagen, dass dieser Preis ein Sieg ist. Es ist ein Sieg nicht nur für uns, sondern auch für die Literatur und Kunst und vor allem für die Menschheit. Ein Sieg für die Menschen, für die Menschenwürde. Ein Sieg gegen ein System, das uns nie als Menschen anerkannt hat. Es ist ein Sieg gegen ein System, das uns auf Zahlen reduziert hat.

Dies ist ein schöner Moment. Freuen wir uns alle heute Abend über die Macht der Literatur.

Quelle: The Guardian, 1.2.2019

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Iran: Umweltschützerin widerruft Geständnis unter Folter

Die Umweltschützerin Niloufar Bayani stand heute vor Gericht, nachdem sie vor über einem Jahr zusammen mit weiteren iranischen und internationalen Umweltschützern festgenommen worden war. Sie musste sich gegen den Vorwurf der Spionage verteidigen. Sie widerrief ihr vorangegangenes Geständnis unter Folter.


Niloufar Bayani

Während der heutigen Verhandlung wandte Niloufar Bayani sich an das Publikum im Gerichtssaal und schrie mit lauter Stimme, dass das unter Folter von ihr erpresste Geständnis nicht wahr sei. Sie berichtete, wie Verhörbeamten sie gefoltert und bedroht haben und beschrieb, wie ihr auch eine Spritze gegeben wurde. „Jeder hier im Saal hätte unter diesen Bedingen alles gesagt, was die Verhörbeamten sich wünschen“ erklärte sie dazu.

Niloufar Bayani ist in einem Gefängnis der Revolutionswächter inhaftiert. Sie hatte seit einem Jahr keinen Anwalt ihrer Wahl – lediglich ein Anwalt der Revolutionswächter wurde ihr zugeordnet. Ihr droht bei einer Verurteilung die Todesstrafe.

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Iran: Überfall auf einen Bassidsch-Stützpunkt in Nikschahr (Südiran)

Vergangenen Samstag, den 2. Februar 2019, soll eine bewaffnete Gruppe namens Dscheisch ol-Adl (Armee der Gerechtigkeit) einen Überfall auf einen Bassidsch-Stützpunkt in Nikschahr im Südiran (Provinz Sistan und Balutschistan) verübt haben. Dabei kam ein Angehöriger der Revolutionswächter ums Leben, 5 wurden verletzt, zwei davon schwer.
Da der Überfall vom Regime der Islamischen Republik Iran als terroristisch bezeichnet wurde und im Iran in letzter Zeit sogenannte Terroranschläge verübt wurden, deren Urheber zweifelhaft ist, ist schwer zu sagen, wer den Überfall tatsächlich verübt hat und zu welchem Zweck.

https://news.gooya.com/2019/02/post-23039.php
vom 2. Februar 2019
sepah: yek nafar az karkonane sepah shahid wa 5 nafar majruh shodand / hale do majruh waxim ast / dadsetane nikshahr: °amele hamle, goruhe teruristiye jeysh ol-°adl bud

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Iran: Im Sicherheitsapparat kriselt es


Turadsch Esma‘ili

Anfang Januar 2019 ist Turadsch Esma‘ili, ein hochrangiger Berater von Ali Schamchani, dem Sekretär des Hohen Rates für Nationale Sicherheit im Iran, verschwunden und eine Woche später, am 13. Januar 2019, in einem Hotel in Istanbul aufgetaucht. Vermutlich dank seiner guten Verbindungen zum iranischen Sicherheitsapparat erfuhr er noch rechtzeitig von einem geplanten gemeinsamen Angriff iranischer „Sicherheitsbeamter“ und Beamter des türkischen Geheimdienstes MIT auf das Hotel, so dass ihre Razzia erfolglos blieb. Turadsch Esma‘ili hatte wohl im Vorfeld abgeprüft, welches europäische Land ihm Unterstützung gewähren würde, und scheint sich im Schutz eines europäischen Konsulats in Istanbul zu befinden, wie die iranische Exilzeitung Keyhan in London berichtet. Um sich solche Unterstützung zu sichern, soll Turadsch Esma‘ili einige wichtige Dokumente mitgebracht haben. Sie betreffen sowohl Programme für Internet-Attacken als auch Informationen über das iranische Programm zur Herstellung von Langstreckenraketen.
Die Überprüfung des Inhalts dieser Mitbringsel ist nur für entsprechende Staatsorgane möglich, insofern ist der Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen mit einem Fragezeichen zu versehen.

Verhaftungen im Iran
Schon vor der Flucht von Turadsch Esma‘ili waren im Iran hochrangige Mitarbeiter des Sicherheitsapparats verhaftet worden. Einer von ihnen, Ali-Resa Sarafiyan (Zarafiyan), Direktor des Informations- und Kontaktzentrums des Sekretariats des Hohen Rats für Nationale Sicherheit im Irna, war ein Mitarbeiter von Turadsch Esma‘ili. Er wurde Anfang 2019 unter dem Vorwurf der Spionage für Israel verhaftet worden. Laut Informationen von ihm nahestehenden Personen ist er massiven Folterungen ausgesetzt. Isa Golwerdi, ein anderer ehemaliger hochrangiger Beamter des Hohen Rats für Nationale Sicherheit, der nach der Revolution von 1979 auch bei der Besetzung der US-Botschaft in Teheran beteiligt gewesen war, wird seit Anfang 2019 in einem Gefängnis der Revolutionswächter in Haft gehalten. Auch dies unter dem Vorwurf der Spionage für Israel

Iranisches Atomprogramm in Israel veröffentlicht
Hintergrund der Verhaftungen ist die Tatsache, dass 2017 in einem Vorort von Teheran eine große Zahl von geheimen Dokumenten über das iranische Atomprogramm verschwunden und später in Tel Aviv wieder aufgetaucht sind. Benjamin Netanyahu hatte damals mehrere Zigtausend Dokumente und CDs der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein israelisches Team hatte sie aus ihrem Lagerort bei Teheran geraubt und nach Israel gebracht. Es ist schwer vorstellbar, dass dies ohne Unterstützung aus dem iranischen Sicherheitsapparat möglich gewesen wäre.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=175602
vom 14. Bahman 1397 (3. Februar 2019)
ba farare turaj esma°ili, rizesh dar sofufe amniyati niz bish az pish ashkar shod

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Iran: Langstreckenraketen für Muskelprotze


Die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den Revolutionswächtern (Pasdaran) nahesteht, hat die Fertigstellung von steuerbaren Langstreckenraketen mit Gefechtsköpfen unter dem Namen „Chorramschahr 2″ bekannt gegeben.
In einer Twitter-Meldung von Fars ist ein entsprechendes Propagandaplakat abgebildet, auf dem man die Reichweite der Rakete sehen kann:
Bezeichnet sind Israel, Saudi-Arabien und Indien, aber genauso auf der Zielscheibe im eingezeichneten Kreis stehen: die Türkei, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, Ukraine, Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Afghanistan, Pakistan und die Volksrepublik China.
Viel Feind, viel Ehr, mag da jemand gedacht haben. Aber ob es intelligent ist, sich zu Zeiten, wo wieder Embargos eingeführt werden, noch weitere Feinde zu machen, steht auf einem anderen Blatt. Das Plakat wird jedenfalls im Iran von Anhängern des Regimes munter verbreitet, in Universitäten ebenso wie in Moscheen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=175598
vom 14. Bahman 1397 (3. Februar 2019)
jadidtarin mushake balistike jomhuriye eslami runama‘i shod

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