1944, rund zwanzig Jahre nach Hitlers „Mein Kampf“, verfasste ein gewisser, damals noch unbekannter Hadsch-Agha Ruhollah Ebne-Sejjed-Mostafa Chomeini in seiner Studierzelle in Qom ein Werk mit dem Titel „Kaschf ol-Asrar“ – „Enthüllung der Geheimnisse“. So, wie einst „am deutschen Wesen die Welt genesen“ sollte, hatte auch Chomeini seine Patentrezepte für die Übel der Welt. So schreibt er in der „Enthüllung der Geheimnisse“:

„Der einzige Weg, das ehrlose Europa von heute von Unrecht und unsittlichem Handeln – die die Grundlagen der Gesellschaft zerstören – zu befreien, besteht darin, dort nur ein Jahr lang das islamische Recht der Qessas-Gesetze (Gesetz der Vergeltung nach dem Prinzip Auge um Auge), der Dije-Gesetze (Gesetz der Entschädigung) und der Hadd-Gesetze (islamisches Strafgesetz – Amputieren der Körperteile, Steinigung etc.) anzuwenden.“

Islamisches Strafgesetz

Im Sommer 1981 sollten auf Anordnung von Ajatollah Chomeini die drei genannten Gesetze (Qessas, Diat und Hadd) in die Praxis umgesetzt werden. Als die Gegner eines solchen Angriffs auf die Menschenwürde zu Demonstrationen aufriefen, verkündete Ajatollah Chomeini, dass diese oppositionellen Gruppen Gegner des Islams seien und ordnete ihre Liquidierung an. Darauf wurden viele Menschen verhaftet und hingerichtet. Ajatollah Chomeini setzte sich durch. Die drei Gesetze – Qessas, Dije und Hadd – sind heute unter dem Namen „Islamisches Strafgesetz“ (Qanun-e Modschasat-e Eslami) in fünf Bänden zusammengefasst. Zusammen mit dem Koran dienen Chomeinis Werk „Kaschf ol-Asrar“ sowie das Buch von Molla Mohammad Bagher Madschlessi „Bahar ol-Anwa“ als Grundlage der iranischen Rechtsprechung und der Juristen-Ausbildung, namentlich, was die Auslegung der Gesetze angeht.

Es lohnt sich, einen Blick in das Islamische Strafgesetz zu werfen.

Artikel 300: „Der Blutpreis für die Tötung einer Muslimin – sei sie mit Vorsatz erfolgt oder ohne Vorsatz – beträgt 50 Kamele.“

In der Praxis berechnet das Gericht diesen Preis auf der Basis des aktuellen Marktpreises eines Kamels.

Artikel 435: „Der Blutpreis für die Amputation des linken Hodens eines schiitischen Muslims (von den 12-er Schiiten) beträgt 66 Kamele. Der Blutpreis für die Amputation seines rechten Hodens beträgt 34 Kamele.“

Religion: Sunniten – Schiiten

Einen Teil seines Werks „Kaschf ol-Asrar“ hat Chomeini der Beziehung zwischen Schiiten und Sunniten gewidmet. In diesem Werk bezeichnete er den ersten Kalifen Abu-Bakr, den zweiten Kalifen Omar und den dritten Kalifen Osman, also die drei ersten Nachfolger des Propheten Mohammad, als Dummschwätzer, Lügner und als Feinde des Propheten, die die Verse des Koran gefälscht hätten. Er unterstellte ihnen die schlimmsten und unwürdigsten Taten. Nach der Revolution von 1979 und der Machtübernahme Chomeinis erklärte dieser 1981, nachdem das Regime von Saddam Hossein den Iran angegriffen hatte, in einer an die iranischen Mekka-Pilger gerichteten Ansprache: Die schmutzigen Hände, die zwischen Schiiten und Sunniten Zwietracht säen, sind weder Schiiten noch Sunniten. Vielmehr stehen sie im Sold der Ausbeuter. Brüder, seid wachsam, und verjagt diejenigen, die zwischen den schiitischen und sunnitischen Brüdern Streit anzetteln wollen. Dies sind die Feinde des Islam und des Korans. Wer, Schiiten und Sunniten zu spalten versucht, steht im Dienst der Ausbeutung und arbeitet für den Imperialismus.“ Damit versuchte er, die Bevölkerung in den mehrheitlich sunnitischen Gebieten wie Kurdistan, Balutschistan, Iranisch-Turkmenistan und Chusestan für sich gewinnen, einerseits, um einen Bürgerkrieg zu vermeiden, andererseits, um seine Lage angesichts des Angriffs von Saddam Hossein nicht weiter zu verschlechtern.

Mann und Frau

Als das Parlament unter dem Schah im Jahr 1963 im Rahmen der „Weißen Revolution“ das Wahlrecht der Frauen einführte, schrieb Ajatollah Chomeini in einer Fatwa (Religiöses Gutachten): „Das Stimmrecht für die Frauen und ihre Teilnahme an den Wahlen steht offen im Widerspruch zu den Bestimmungen des Islam und gefährdet die Ehre der islamischen Familien. Vom Standpunkt der Scharia ist es nichtig.“ Er rief seine Anhänger im Iran auf, auf die Straße zu gehen und gegen diese „Weiße Revolution“  zu protestieren. Dass es ihm in Wirklichkeit darum ging, eine Enteignung der riesigen Landgüter der Geistlichen zu verhindern, steht auf einem anderen Blatt. Chomeinis Aufruf mobilisierte am 15. Chordad 1342 (1963) zahlreiche Anhänger, gegen die das Schah-Regime das Militär einsetzte. Viele Menschen wurden erschossen, Chomeini wurde damals verhaftet und in die Türkei abgeschoben, von wo er dann nach Nadschaf (Irak) ausreisen durfte.

Nach seiner Machtübernahme 1979 redete Chomeini schon anders. So wandte er sich wiederholt an die Frauen, als es ihm darum ging, für seine Systemveränderungen Stimmen zu sammeln: „Für die Durchführung eines Referendums (über die Einführung einer „Islamischen Republik“) und die Wahl einer Konstituierenden Versammlung und eines Islamischen Parlaments benötigen wir eure Stimmen, Frauen! Ihr müsst überall auf die Bühne treten und im gleichen Ausmaß aktiv werden wie die Männer…“

Keine Religion ohne Krieg

1984 erklärte Ajatollah Chomeini vor den Vertretern der höchsten Organe des Staates:

„Eine Religion, die keine kämpferische Basis hat, ist prinzipiell keine Religion. Denn ein Prophet kommt, um das Schwert zu ziehen und zu töten. Wer sagt, dass der Heilige Jesus kein Mann des Schwerts gewesen sei, schadet seinem Ruf als Propheten. Denn der Heilige Jesus hat ebenfalls das Schwert gezogen, wenn er Gelegenheit dazu fand, und getötet. Sie, ich meine die Herren Geistlichen, sucht im Koran nicht immer nur nach den Versen, wie man betet und fastet, wieso lest ihr immer nur aus den Versen, in denen von Gott, dem Barmherzigen, die Rede ist, und nie aus denen, aus denen von Gott, dem Tötenden, die Rede ist? Der Koran sagt: Tötet, verprügelt, verhaftet. Hört endlich mit dieser kindischen Barmherzigkeit auf! Der Heilige Ali hat das Schwert gezogen und siebenhundert Menschen mit einem Mal getötet. Unsere Imame waren alle Befehlshaber und sind in Soldatenuniform in den Krieg gezogen und haben Menschen getötet. Der Prophet (Mohammad) hat seine Propagandisten und seine Vertreter in alle Richtungen ausgesandt und erklärt: ‚Wir werden die Welt einnehmen und Rom und Iran erobern.’“

Ali Schirasi, Postfach 5303, D-78432 Konstanz

Konstanz, den 4. Juli 2007

www.alischirasi.de

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