Archiv der Kategorie 'Syrien'

Syrien: Kampf den Kurden

Kämpfe in Haseke
Die türkische Tageszeitung Diken („Der Stachel“) berichtet am 20.08.2016, dass die im Norden Syriens gelegene kurdische Stadt Haseke (unweit des Dreiländerecks Syrien-Irak-Türkei) seit Donnerstag, den 18.08.2016, vom Militär der syrischen Regierung bombardiert wird. Dies sei das erste Mal im fünf Jahre dauernden syrischen Krieg, dass die Regierungstruppen einen Luftangriff gegen die Kurden vorgenommen habe. Laut einer Meldung von Rudaw.net hatten die kurdischen Kräfte zuvor gemeinsam mit der syrischen Armee einen koordinierten Angriff auf Haseke gestartet, um den „Islamischen Staat“ aus der Stadt zu vertreiben.
Der Sprecher der syrisch-kurdischen YPG (Volks-Verteidigungs-Einheiten)Redur Halil erklärte, dass beim Angriff Stellungen der kurdischen Polizeikräfte „Asayisch“ getroffen worden seien und es dabei Tote und Verletzte gegeben habe.
Die irakisch-kurdische Webseite Rudaw.net berichtet am 18.08., dass Kampfflugzeuge der der syrischen Armee Angriffe auf die Stadt Haseke im kurdischen Gebiet Rojava geflogen hätten. Auch hätten Artillerie-Einheiten der Armee die Stadt unter Beschuss genommen.
Laut einer Meldung des YPG-Sprechers Redur Halil gegenüber Reuters seien 3 Stellungen bombardiert worden. 5 YPG-Kämpfer seien dabei ums Leben gekommen. Rudaw meldet weiter, dass die Kämpfe schon am 15. August begonnen hätten und „mit leichten Waffen“ fortgeführt würden.
Die kurdischen Sicherheitskräfte „Asayisch“ hätten bekannt gegeben, dass bei den Kämpfen 14 syrische Soldaten gestorben und 8 Zivilisten verletzt worden seien. Ein zwischenzeitlich ausgehandelter Waffenstillstand sei wieder gebrochen worden.
Die türkisch-kurdische Webseite Özgür Gündem meldet am 20.08.2016, dass die Kämpfe zwischen den kurdischen Kräften und den syrischen Regierungstruppen sowie paramilitärischen Kräften (welche?) noch anhalten. Laut YPG-Quellen hätten die Regierungskräfte auch Gasbomben eingesetzt. Das Kommando der YPG-Kräfte erklärt den Regierungsangriff mit dem Vorrücken der Kurden in Minbic (Menbiç, Manbij) und Schedade.

US-Militär greift ein
Laut dem türkischen Dienst von BBC habe der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums Jeff Davis erklärt, dass Kriegsflugzeuge nach Haseke geschickt worden seien, um die eigenen Streitkräfte zu schützen. Die syrischen Flugzeuge hätten sich darauf aus dem Gebiet entfernt. Auch habe die USA die syrische Regierung unter Vermittlung Russlands gewarnt, dass sie ihre Koalitionskräfte im Gebiet schützen werde, falls sie bedroht würden.
Laut Özgür Gündem kreisen die syrischen Kampfflugzeuge weiter über Haseke, würfen aber keine Bomben ab.


Cebel ekrad, Kürt dagi

Angriff auf Cebel ekrad – „Kurdenberg“
Wie Rudaw.net am 20. August meldet, hat die syrische Armee ganz im Westen des Landes, im ländlichen Gebiet der Region Latakiya, einen von Kampfflugzeugen unterstützten Artillerie-Angriff auf die Orte Kibbani und Kale-Dagi und Umgebung gestartet. Sie liegen im Gebiet von Cebel ekrad / Kürt Dagi / Kurdenberg. Schon früher, im Mai 2016, habe die syrische Armee drei Tage lang versucht, dieses unter kurdischer Kontrolle stehende Gebiet zu erobern. Der „Kurdenberg“ erstreckt sich bis zu einem Gebiet, wo die syrische Minderheit der Aleviten lebt – zu denen auch die Assad-Familie gehört.
In der Region „Kurdenberg“ leben 80.000 bis 90.000 Kurden, die 4 kurdischen Familienverbänden angehören. Sie sollen unter dem kurdischstämmigen Führer Saldin (Selahaddin Eyyubi) dort angesiedelt worden sein.

Und Cerablus?
Cerablus (Jarabulus auf der Landkarte, gesprochen Dscherablus) liegt ebenso wie Manbij auf der anderen (westlichen) Seite des Euphrat, den der türkische Außenminister Davutoglu in seiner Amtszeit als Ministerpräsident als „rote Linie“ bezeichnet hatte“, die die Kurden nicht (nach Westen) überschreiten dürften. Er hatte damals auch eingeräumt, dass die türkischen Streitkräfte zwei Angriffe gegen die syrischen YPG-Einheiten geführt hätten. Damals hatte ihn der HDP-Vorsitzende Demirtas gefragt, wieso die Armee denn nicht gegen die IS-Stellung in Cerablus direkt an der türkischen Grenze vorgehe? Im Gegensatz zur YPG bezeichne die Regierung diese auch nicht als Terroristen. Am 12. August 2016, als bekannt wurde, dass Manbij von den Kurden erobert und der IS dort vertrieben wurde, erinnerte Demirtas Davutoglu an seine damaligen Worte. Nun, die türkische Regierung scheint ihre Antwort nicht schuldig geblieben zu sein. Özgür Gündem berichtet am 19. August 2016, dass die türkische Armee zwei Tage lang Cerablus bombardiert habe und die Kämpfer des IS samt ihren Familien nach Bab abgezogen seien. Dafür seien aus der türkischen Nachbarstadt Karkamış Kämpfer der Ceyş El-Fetih (Dschejsch el-Fetih, Armee des Eroberers) nach Cerablus verlegt worden, einer von der türkischen Regierung unterstützten bewaffneten Gruppe, die nun die Nachfolge des IS in Cerablus antritt. Özgür Gündem berichtet auch, dass das Artilleriefeuer der türkischen Armee auf leere Flächen gerichtet gewesen sei, also wohl nicht in der Absicht erfolgt sei, die abrückenden oder anziehenden Kräfte zu treffen.

Nächster Seitenwechsel?
Die Vorgänge könnten ein Indiz dafür sein, dass der türkische Staatspräsident Erdogan seine Außenpolitik neu ausrichtet. Nach der Aussöhnung mit Russland, zu dem die Beziehungen wegen des Flugzeugabschusses im November 2015 stark abgekühlt waren, könnte die gemeinsame Sache gegen die Kurden auf eine Annäherung an die Regierung von Baschar al-Assad hinweisen. Die türkische Regierung und das Militär hatten schon immer einen PKK/YPG-freien Streifen entlang der türkischen Grenze (auf syrischem Gebiet) gefordert, die syrische Luftwaffe hat jetzt an zwei Punkten (Region Latakiya und Haseke) damit begonnen. Sie ist mit der russischen Luftwaffe verbündet, die jetzt nicht nur in Chmeimim (Syrien) sondern auch von Hamedan (Iran) aus operiert. Eine Koalition Türkei-Syrien-Iran-Russland erscheint aus türkischer Sicht durchaus sinnvoll, da das Verhältnis zu den USA und Westeuropa nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 stark abgekühlt ist. Der USA wird letztlich vorgeworfen, hinter dem Putschversuch zu stehen, der dem in Pensylvania lebenden Fethullah Gülen angelastet wird. Und der EU wird Scheinheiligkeit vorgeworfen. Wenn in einem EU-Land eine Terrorgruppe aktiv sei, würden die Menschenrechte auch ausgesetzt, und Deutschland habe nach der Vereinigung mit der DDR auch Hunderttausende aus dem Staatsdienst entlassen, das sei sogar im Einigungsvertrag gestanden. Da brauche man sich dort nicht über die Entlassungswelle in der Türkei zu beschweren.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/esad-ile-kurtler-arasindaki-catismaya-abd-de-dahil-oldu-haseke-icin-jetler-havalandi/
20/08/2016 10:00
http://rudaw.net/turkish/kurdistan/180820164
Kürdistan: HASEKE – Esad‘dan YPG‘ye bombalar! vom 18.08.2016
http://rudaw.net/turkish/kurdistan/200820166
Kürdistan: Kürt Dağı‘nda bombardıman (20.08.2016)
http://ozgurgundem1.com/haber/175895/hesek-de-rejime-agir-darbe
vom 20 Ağustos 2016 17:03
http://ozgurgundem1.com/haber/175853/dais-sehba-sinirini-turkiye-destekli-gruplara-birakiyor
vom 19 Ağustos 2016 13:42
http://www.diken.com.tr/demirtas-pyd-firatin-batisina-gecemeyecek-diyen-davutoglunu-tiye-aldi-o-zaman-dans/
12/08/2016 18:33

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Russland und Iran: Gemeinsamer Krieg in Syrien


Militärflughafen Mosdok (Nord-Ossetien): von hier starteten die Bomber nach Tschetschenien und Syrien

Wladimir Muchin (Mukhin) von der russischen Zeitung Nesawissimaya Gaseta schreibt in einem Artikel, der heute auf der russischen Webseite centrasia.ru veröffentlicht wurde, ausführlicher über die russisch-iranische Zusammenarbeit zur Unterstützung der Truppen von Baschar al-Assad in Syrien.
Demnach hat der Sekretär des Hohen Rats für Nationale Sicherheit des Irans Ali Schamchani erklärt, dass der Iran der Russischen Föderation Infrastruktur zur Bekämpfung des Terrorismus in Syrien zur Verfügung stellt. Vom Militärflughafen in Hamedan, das nicht weit von der iranisch-irakischen Grenze entfernt liegt, sollen schon Bomber des Typs Tu-22M3 und Su-34 Angriffe gegen den „Islamischen Staat“ und „Dschebhat an-Nusra“ in Syrien geflogen haben. Laut Angaben des Russischen Verteidigungsministeriums sollen dabei u.a. fünf große Waffenlager und ein Lager zur Ausbildung von Kämpfern zerstört worden sein.

Abkommen zwischen Russland, Aserbaidschan und Iran
Laut Angaben aus militärisch-diplomatischen Kreisen soll das Abkommen über die Nutzung militärischer Infrastruktur im Iran durch die russische Luftwaffe am 8. August 2016 auf einem Treffen der Präsidenten Russlands, Aserbaidschans und des Irans (Wladimir Putin, Ilham Aliyew und Hassan Rouhani) erzielt worden sein. Schon jetzt sollen in Hamedan bis zu vier Überschallflugzeuge des Typs Tu-22M3, die Raketen und Bomben abschießen können, sowie vier Jagdflugzeuge des Typs Su-34 (Generation 4++) stationiert sein.


Militärflughafen in Hamedan (Iran)

Hamedan statt Mosdok
Bislang starteten die russischen Bomber mit ihren Angriffen auf Ziele in Syrien von Mosdok, der zweitgrößten Stadt in Nordossetien. Damit sie ihre volle Bombenladung transportieren konnten, war für diese Entfernung ein Auftanken in der Luft erforderlich, was die Angriffe erschwerte. Jetzt sind die russischen Bomber nur noch rund 900 km von ihren Zielen in Syrien entfernt. Das verkürzt die Flugzeit und erlaubt eine höhere Bombenlast mitzuführen. Es ist davon auszugehen, dass der Iran die russischen Bomber zudem mit Kerosin versorgen wird, das im Iran billiger als in den meisten Ländern der Welt ist.


Basil-al-Assad Militärflughafen in Chmeimim (Latakiya)

Militärische Deckung aus Chmeimim
Die russischen Bomber werden durch Jagdflugzeuge des Typs Su-30SM und Su-35S gedeckt, die im Basil-al-Assad-Militärflughafen in Chmeimim (Region Latakiya) stationiert sind.

Unterstützung durch iranische Truppen
Russische militärisch-diplomatische Quellen halten es für möglich, dass der Iran die syrische Regierung in Damaskus bald auch durch reguläre iranische Truppen unterstützen wird. Davon soll vor über einer Woche der stellvertretende iranische Außenminister Ibrahim Rahimpur gesprochen haben. Schon jetzt berichten arabische Medien, dass zur Unterstützung der Truppen von Baschar al-Assad im Kampf um Aleppo 2000 schiitische Kämpfer entsandt worden seien, mehrheitlich Anhänger der Hisbollah, aber auch „Freiwillige“ aus dem Iran und dem Irak, darunter auch Revolutionswächter (Pasdaran). Kämpfer des IS und der Dschebhat an-Nusra sind nicht nur in Aleppo aktiv, sondern auch in Palmyra, vor Damaskus und in den Provinzen Latakiya und Idlib. In diesen beiden Provinzen werden sie unter der Hand von der Türkei unterstützt.

Militärmanöver – die Übung wird Realität
Derzeit finden im Kaspischen Meer und im Mittelmeer militärische Übungen statt. Laut Mitteilungen der russischen Militärführung sollen der Iran und der Irak eine Anfrage des russischen Verteidigungsministeriums gutgeheißen haben, dass die Kriegsmarine der Russischen Föderation auf ihren Übungen Raketen des Typs „Kalibr“ verwenden darf. Diese Raketen werden wohl vom Kaspischen Meer aus gegen die Truppen des IS in Syrien abgeschossen werden.

Quelle:
http://www.centrasia.ru/newsA.php?st=1471460100

В борьбу с террористами вступила новая российская авиабаза в Иране, – В.Мухин
21:55 17.08.2016

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Iran – Saudi-Arabien: Hinrichtung – Brandstiftung – Abbruch der Beziehungen

Am Samstag, den 2. Januar 2016, wurde in Saudi-Arabien der schiitische Geistliche Scheich Nimr Baqir an-Nimr hingerichtet, zusammen mit 46 weiteren zum Tode Verurteilten.


Abbild von Scheich Nimr Baqir an-Nimr (im deutschen Wikipedia unter Nimr Baqir al-Nimr zu finden)
Nimr Baqir an-Nimr gehörte zu den Kritikern des saudischen Regimes.

Noch am selben Tag forderte die saudische Regierung den iranischen Botschafter in Saudi-Arabien auf, die iranische Regierung solle für die Sicherheit ihrer Botschaft in Teheran und ihres Konsulats in Maschhad sorgen.
Die Ermahnung nützte nichts, und es ist kaum anzunehmen, dass die Herrscher Saudi-Arabiens etwas anderes erwartet hätten.

Brandstiftung in Teheran und Maschhad
So kam es noch in den späten Abendstunden des 2. Januars 2016 in Teheran und Maschhad zu gewalttätigen Angriffen auf die saudischen Vertretungen in Teheran und Maschhad. Die Angreifer warfen Molotow-Cocktails und konnten sowohl in der Botschaft wie Teheran wie auf dem Balkon des Konsulats in Maschhad einen Brand auslösen. Außerdem drangen sie in die Botschaft in Teheran ein und verwüsteten das Innere.
Auf Video-Aufnahmen dieser Szenen in Teheran ist zum einen der Ruf „Allahu akbar“ (Gott ist der Größte) zu hören, im Chor, außerdem an einer Stelle, an der man sieht, wie ein Brandsatz sein Ziel erreicht, die Worte: „ma: sha:’a alla:h“ (im Persischen ein Ausdruck der Bewunderung, wörtlich: Gott möge es wünschen.)

Der Chef der Teheraner Polizei, Hossein Sadschedi, erklärte laut einer Meldung der iranischen Nachrichtenagentur ISNA: „Samstagnacht gegen 22:20 Uhr versammelten sich eine Reihe von ‚eigenmächtig handelnden Kräften‘ vor der arabischen Botschaft und gingen dann dazu über, Steine und Molotow-Cocktails auf das Botschaftsgebäude zu werfen.“

Eigenmächtig handelnd?
Das Code-Wort ‚niru-haye xod-sar“ – eigenmächtig handelnde Kräfte besagt alles. So werden in der amtlichen Sprache von den Pasdaran und Bassidschis kommandierte Kräfte bezeichnet, die keineswegs eigenmächtig handeln, sondern im Dienste des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i tätig werden. Nur wird der Polizeichef sich hüten, diese Kräfte bei Namen zu nennen, sie genießen höchsten Schutz und sind vor der Justiz immun. Selbst wenn einige Schläger vor Gericht gestellt werden sollten, die Auftraggeber und die Organisatoren werden es gewiss nicht. Angriffe auf eine Botschaft gehören im Iran zu den Methoden, die fundamentalistische Ajatollahs gutheißen (früher Ajatollah Chomeini, jetzt Ajatollah Chamene’i und Ajatollah Mesbah-Yasdi). Bekannt ist die Besetzung der US-Botschaft im November 1979 unter Ajatollah Chomeini, die letztlich zur Ablösung des US-Präsidenten Jimmy Carter durch Ronald Reagan führte.
Am 29. November 2011 kam es zur Stürmung der britischen Botschaft in Teheran, in Zusammenhang mit der Verhängung von Sanktionen gegen den Iran wegen des Atomprogramms. Die Botschaftsbesetzer wurden von der Polizei rasch wieder freigelassen. Auch damals war von ‚eigenmächtig handelnden Kräften‘ die Rede gewesen.


Teheran, 4.1.2016

Weitere Demonstrationen in Teheran
Laut BBC fanden auch am Montag, den 4. Januar 2016, weitere Demonstrationen in Teheran statt. Die roten Fahnen, die man auf dem Foto sieht, sind weitgehend einer Machart. Dies zeigt deutlich, dass es sich nicht um ‚eigenmächtige Kräfte‘ handelt, sondern dass das Auftreten dieser ‚Demonstranten‘ wohl organisiert ist. Es gibt im Iran genügend Hinrichtungen – von Arabern aus Ahwas, von Belutschen aus Sistan und Balutschistan, von Kurden im Westen, gegen die die Betroffenen auch demonstriert haben, aber gegen sie geht die iranische Staatsgewalt anders vor.

Saudi-Arabien bricht Beziehungen ab
Am Abend es 3. Januar gab der saudische Außenminister bekannt, dass Saudi-Arabien die Beziehungen zum Iran abbreche, seine eigenen Botschafter abgezogen habe und der Iran seine ebenfalls abziehen müsse. Einen Tag später legte er nach: Auch die Flüge nach Teheran würden eingestellt, die Wirtschaftsbeziehungen eingefroren.

Azhar-Universität in Kairo unterstützt saudischen Staatsterror
Bezeichnend ist die Haltung der sunnitischen Geistlichkeit an der Azhar-Universität in Kairo, deren Koranauslegung in der sunnitischen Welt großes Gewicht hat. Die Geistlichen befanden, dass Saudi-Arabien mit den Hinrichtungen von 47 „Terroristen“ Gottes Gesetz auf Erden ausgeführt habe. Scheich Fauzi az-Zafza:f von der Azhar-Universität zitiert laut der arabischen Webseite al-arabiya als Rechtfertigung sogar folgenden Vers aus dem Koran.


Hier die Übersetzung, die auf einer deutschen Koran-Seite zu finden ist, die den Text an dieser Stelle als ironisch gemeint interpretiert, weil sie die Worte des Pharaos wieder aufgreife.

5. Sure (al-Ma’ida) – Vers 33:
„Der Lohn derer, die gegen Allah und Seinen Gesandten Krieg führen und Verderben im Lande zu erregen trachten, soll sein, daß sie getötet oder gekreuzigt werden oder daß ihnen Hände und Füße wechselweise abgeschlagen werden oder daß sie aus dem Lande vertrieben werden. Das wird für sie eine Schmach in dieser Welt sein, und im Jenseits wird ihnen eine schwere Strafe zuteil.“
Übersetzung zitiert aus:
http://www.meine-islam-reform.de/index.php/artikel/derkoran/699-sure-5-vers-33-qdie-haende-und-fuesse-wechselseitig-abschlagenq.html
Ironie war noch nie die Stärke von Glaubenseiferern…

Was steht hinter dem Schlagabtausch?
Es ist klar, dass die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen durch Saudi-Arabiens Regierung eine geplante Aktion war, die wohl auch mit der Absicht geführt wurde, einen Abbruch der Beziehungen herbeizuführen, ohne selbst als „Schuldiger“ dazustehen. Denn dass die Regierung Rouhani im Iran nichts zu vermelden hat, wenn Ajatollah Chamene’i die Pasdaran auf die Straße schickt, wissen die Saudis auch. Laut iranischer Verfassung gehört die Außenpolitik zum Aufgabenbereich des Religiösen Führers, auch das wissen die saudischen Herrscher. Die Frage ist, warum die Hinrichtung jetzt erfolgte – das Urteil wurde schon im November 2014 gesprochen. Es spricht manches dafür, dass der Krieg in Syrien die Ursache sein könnte, in dem Saudi-Arabien die sunnitische Organisation „Islamischer Staat“ unterstützt, während der Iran die Schiiten in Milizen organisiert und die Regierung Baschar al-Assads stützt. Nach den Anschlägen von Anhängern des Islamischen Staats in Paris ist die Gruppe unter Druck geraten, Saudi-Arabien und Iran sollten beide an den Gesprächen über eine Friedenslösung in Syrien beteiligt werden. Der Abbruch der Beziehungen ist ein praktischer Weg, gemeinsamen Verhandlungen aus dem Weg zu gehen, der Krieg in Syrien wird also so bald kein Ende finden.

http://www.radiofarda.com/content/f7-ksa-severs-ties-with-iran/27465470.html
http://www.radiofarda.com/content/o2-saudi-embassy-tehran-attacked/27464487.html
http://www.bbc.com/persian/world/2016/01/160102_l20_nimr_saudi_arabia_execution
http://www.alarabiya.net/ar/arab-and-world/egypt/2016/01/02/%D8%A7%D9%84%D8%A3%D8%B2%D9%87%D8%B1-%D8%A7%D9%84%D8%B3%D8%B9%D9%88%D8%AF%D9%8A%D8%A9-%D9%86%D9%81%D8%B0%D8%AA-%D8%AD%D9%83%D9%85-%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87-%D8%A8%D8%AD%D9%82-%D8%A7%D9%84%D8%A7%D8%B1%D9%87%D8%A7%D8%A8%D9%8A%D9%8A%D9%86-.html

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Syrien – Türkei: Islamischer Staat (IS) ermordet Journalisten in Gaziantep


Der 37-jährige syrische Journalist Naji El Jerf

Der 37-jährige syrische Journalist Naji El Jerf, der die früher in Syrien erscheinende Zeitschrift Alhita dann in seinem türkischen Exil herausgab und gerade einen Dokumentarfilm über die Massaker des IS drehte, wurde am Sonntag Nachmittag auf dem Ali Fuat Cebesoy-Boulevard in Gaziantep mit einem Pistolenschuss in den Kopf ermordet, wie die türkische Zeitung radikal schreibt.


Nach Angaben von The Telegraph hieß die Zeitschrift, die er herausgab, Hentah und nicht Alhita.
Die Zeitschrift Hentah ist tatsächlich online abrufbar: http://hentah.com/issues/10/


Hier ein Aufsatz zum Thema: „Psychoanalyse der Persönlichkeit des Diktators“, mit einem Wandmosaik der Person von Hafis al-Asad.

Wie The Telegraph erwähnt, war schon im Oktober Ibrahim Abdul Qader, ein anderer syrischer Kritiker des IS, in der türkischen Stadt Urfa (Şanlıurfa) ermordet worden.

Nach einer Meldung der Zeitung Evrensel vom 30.10.2015 waren zwei aus ihrer Heimat geflohene Syrer, die in Urfa die syrische Zeitung „Ayn Watan“ herausgaben, am selben Tag in ihrer Wohnung ermordet worden, indem ihnen die Kehle durchgeschnitten wurde. Die Ermordeten hießen Firaz Hamadi und Ibrahim Abdulkadir (die türkische Schreibung des obigen Namens). Für den Mord wurde der IS verantwortlich gemacht.

Quellen:

http://www.radikal.com.tr/turkiye/suriyeli-gazeteci-gaziantepte-olduruldu-1495802/
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/syria/12070878/Syria-anti-Islamic-State-documentary-maker-assassinated-in-Turkey.html
http://www.evrensel.net/haber/263942/urfada-suriyeli-2-gazeteci-bogazi-kesilerek-olduruldu

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Ayatollah Chamene‘i: Die Koalition gegen IS ist eine große Lüge

Nach dem vorläufigen Ende der Atomgespräche mit dem Iran hielt Ayatollah Chamene‘i vor seinen Anhängern eine Rede, die das Scheitern begrüßt.


Ayatollah Chamene‘i spricht am 25.11.2014 zu den vorerst gescheiterten Atomverhandlungen

Zusammengefasst sagte er, dass „die USA und die Kolonialmächte Europas“ versucht hätten, die Islamische Republik Iran in die Knie zu zwingen – dies sei ihnen aber nicht gelungen. Und es würde ihnen auch in Zukunft nicht gelingen.

Das Westjordanland müsse ausreichend bewaffnet werden. Man habe immer gesagt, dass man das Westjordanland verteidigen und mit Waffen unterstützen werde – und dies würde auch zukünftig unbedingt so gemacht. Man wolle sich von religiösen Auseinandersetzungen fernhalten. Aber man habe in der Vergangenheit die Hisbollah, die Hamas, den Islamischen Dschihad und sunnitische Gruppierungen in Palästina mit allen Möglichkeiten unterstützt und auch dies würde fortgesetzt.

Bevor Israel vernichtet werden könne, hätten sie und Palästina die Pflicht, mit starkem Willen bewaffneten Widerstand gegen Israel zu leisten.

Die Koalition gegen den IS sei eine große Lüge. Die „scheinbaren islamischen Gruppierungen“ wie den IS würden allesamt durch die USA, Israel und die europäischen Länder verwaltet und organisiert.

Ohne Kommentar.

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Gute Kurden, Böse Kurden

Syrien
Beginnen wir mit Hafis al-Assad, dem Vater des jetzigen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Der hatte dem PKK-Chef Öcalan die Möglichkeit gegeben, von Syrien aus zu agieren. Öcalan konnte von Damaskus aus die PKK in der Türkei aufbauen und führen, im Libanon, der teilweise unter syrischer Kontrolle stand, konnte die PKK ihre Kämpferinnen und Kämpfer trainieren. Das ging bis 1998, als die Türkei Syrien mit Krieg drohte. Darauf musste Öcalan das Land verlassen, die Endstation ist derzeit eine Gefängnisinsel in der Türkei.
Die Sympathie von Hafis al-Assad endete freilich bei den eigenen Kurden, von denen viele im Gefängnis landeten. Unter Baschar al-Assad haben sich die Verhältnisse insofern gewandelt, als nach dem Aufbau der Freien Syrischen Armee sich die syrischen Kurden der PYD nicht diesem bewaffneten Oppositionsbündnis gegen Baschar al-Assad anschlossen, sondern ein autonomes Gebiet namens Rojava ausriefen, zu dem auch die Stadt Kobane gehört.

Türkei
Der türkische Ministerpräsident Davutoglu führt die Weigerung der PYD, sich der Freien Syrischen Armee anzuschließen, als einen der Gründe auf, wieso die Türkei keinen Grund habe, der PYD in Kobane zu helfen. Ein weiterer Grund ist die enge Verbindung zwischen PYD und der PKK, deren Kämpfer ebenfalls in Kobane mitkämpfen. Eine PKK-Bastion vor den Türen der Türkei ist anscheinend auch Erdogan nicht sympathisch. Die türkische Armee ließ verlautbaren, dass sie von türkischem Boden auf alle schießt, deren Geschosse türkischen Boden treffen, auf die kurdischen Kämpfer in Kobane genauso wie auf die der islamistischen IS.
Aber auch die Türkei kennt gute Kurden. Da sind die irakischen Peschmerga von Barsani und Talebani in Erbil. Schon früher, als die türkische Armee mit der Operation „Cekic Güc“ (Hammer-Kraft) gegen PKK-Stellungen im Nordirak vorging, waren die Peschmerga für sie der Amboss. Zwischen diesem und dem Hammer sollte die PKK zerrieben werden.
Jetzt durften die „Guten Kurden“ zur Rettung nach Kobane eilen. Am 30. Oktober starteten 150 irakische Peschmerga in Erbil, um über Zaho und die türkischen Provinzen Mardin und Sanli Urfa nach Kobane zu gelangen. Die mit Flak-Geschützen und Panzerfäusten bewaffneten irakischen Peschmerge wurden von den türkischen Sicherheitskräften begleitet. Das hinderte die Bevölkerung in der Provin Mardin aber nicht daran, die kurdischen Streitkräfte begeistert zu empfangen. Immerhin das Symbol eines kurdischen Staats. Am 1. November sind die Peschmerga in Kobane eingetroffen, wo die PYD gleich eine Pressekonferenz veranstaltete, um den vereinten kurdischen Kampf zu präsentieren. Was sie dabei lieber unter den Tisch kehrten, lässt sich bei Murat Yetkin nachlesen, der in der türkischen Tageszeitung Radikal am 31.10.2014 darauf hinwies, dass Barsani eigentlich 2000 Kämpfer nach Kobane schicken wollte, aber das war der PYD nicht genehm, denn dann wären die irakischen Kurden zahlenmäßig so stark gewesen wie die jetzt in der Stadt verbliebenen syrischen und türkischen Kurden und das hätte die Macht der PYD geschmälert.

Irak
Die irakischen Kurden haben sich durch ihre Unterstützung der Regierung al-Malikis eine Autonomie ausgehandelt und konnten ein eigenes Staatsgebilde aufbauen. Die Hauptstadt Erbil war allerdings mit dem Aufschwung der ISIS ebenfalls von der Eroberung bedroht wie Mossul. Da trat ein Retter auf den Plan.

Iran
Dieser kam aus Teheran. Es handelte sich um den General Qassem Soleimani, Befehlshaber der Qods-Brigaden, einer Spezialeinheit der iranischen Revolutionswächter für Auslandseinsätze aller Art. Nun ist die iranische Regierung gewiss nicht der Sympathie mit der kurdischen Sache verdächtig. Die alltägliche Unterdrückung im iranischen Kurdistan, die auch vor Hinrichtungen nicht halt macht, die Ermordung von iranischen Kurdenführern im Ausland (Wien und Berlin), die Verfolgung der Komele und der Demokratischen Partei Kurdistan (Iran) und die Kämpfe zwischen Pasdaran und der Peschwak, eines iranischen Ablegers der PKK, zeigen deutlich, dass Teheran seine eigenen Kurden genauso feindselig wahrnimmt wie Ankara. Trotzdem wurde Qassem Soleimani nach Erbil geschickt, der den irakischen Peschmerga Waffen und Trainer zukommen ließ, denn im Kampf gegen die ISIS wurden die Peschmerga zu Guten Kurden. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Ajatollahs und die Pasdaran im Iran zu den engsten Verbündeten von Baschar al-Assad zählen, und ein Fall der kurdischen Gebiete im Nordirak durch die sunnitischen Eroberer würden deren Vormasch in Syrien noch erleichtern. So ist Teheran im Krieg gegen ISIS de facto ein Verbündeter der USA geworden.

Von Kobane nach Aleppo
Am 31. Oktober beklagte sich der türkische Präsident Erdogan bei seinem Besuch im Institut francais des relations internationales (IFRI) darüber, dass alle Aufmerksamkeit des Westens auf Kobane gerichtet sei. Ob es denn dort Gold oder Diamanten gebe? Wie Le Monde am 31. Oktober berichtete, sprach er sich gegen jegliche Grenzänderungen in der Region (durch eine kurdische Staatsbildung) aus. Er beklagte auch, dass die Türkei 1,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen habe, die gesamte Europäische Union aber nur 200.000. Was Frankreich wie die Türkei aber sehr beunruhigt, ist die Befürchtung, dass die ISIS ihre Kämpfer von Kobane Richtung Aleppo in Marsch setzen könnte. Aleppo hat 1,5 Millionen Einwohner und ist nicht weit von der türkischen Grenze entfernt, schon die Gefahr eines Angriffs könnte innerhalb einer Woche anderthalb Millionen Menschen in die Flucht treiben, das heißt also, auf türkisches Territorium.

Schizophrenie in Deutschland

Während die Herrscher im Nahen Osten zumindest klare Vorstellungen davon haben, welches jeweils ihre Guten und ihre Bösen Kurden sind, üben sich Medien und Politik in Deutschland in Schizophrenie. Der „Spiegel“, der am 27.10.2014 die kurdischen Kämpferinnen in Kobane unter dem Titel „Allein gegen den Terror“ Rambo-mäßig aufs Titelblatt bringt und von den Kurden als dem verlassenen Volk schreibt, wusste die Kurden 1994 noch in ganz anderem Zusammenhang zu nennen: Da war die Rede von Kurdenkrawallen mit Autobahnblockaden, Selbstverbrennungen und Angriffen auf Polizisten. Volker Kauder, CDU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag und Vertreter des Wahlkreises Rottweil-Tuttlingen, der auf seiner eigenen Webseite die Firmen Junghans und Mauser als Beispiel für die funktionierende Wirtschaft der Region bringt und auch von der Firma „Heckler & Koch“ sehr geschätzt wird, forderte jüngst Waffenhilfe für die PKK. Als Flüchtlinge in Deutschland durften die türkischen Kurden nicht einmal frei reisen – dem Verfasser ist ein Kurde hier aus dem Süden bekannt, der wegen Verstoßes gegen die „Residenzpflicht“ ein halbes Jahr Gefängnis absitzen musste, aber schießen sollen sie schon. Auf die ISIS natürlich, nicht auf deutsche Polizisten …

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Kobane und kein Ende

Der Religiöse Führer des Irans
Der Führer der Islamischen Republik Iran Ajatollah Chamene‘i gehört sicher zu denen, die einiges zur Organisation IS (Islamischer Staat – vor dem 30. Juni 2014 ISIS /Islamischer Staat im Irak und Syrien) und zur al-Kaida zu sagen haben. Denn als nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 die Angriffe auf al-Kaida-Verstecke in Afghanistan begannen, haben viele der Gesuchten im Iran Zuflucht und Unterstützung gefunden. So überrascht es nicht, dass von al-Kaida Kritik am Iran vermieden wird, schließlich will man seinem Gastgeber gegenüber nicht undankbar sein. Aber was Ajatollah Chamene‘i heute äußerte, bringt niemanden weiter, der Fakten wissen will, die behält Chamene‘i für sich. Statt dessen hört man aus dem Munde des Ajatollah Chamene‘i die üblichen Floskeln, nämlich dass „das hinterhältige Großbritannien“ die Organisation „Islamischer Staat“ und auch die al-Kaida geschaffen habe, um gegen die Islamische Republik (Iran) zu kämpfen. Jetzt hätten sie sich mit ihrer eigenen Schöpfung selbst in Bedrängnis gebracht. Der Ajatollah holt damit nur wieder die alten Feindbilder aus der Klamottenkiste, das ist auch alles im Propagandakrieg. Fakten wären interessanter gewesen, aber was will man von einem Theologen erwarten?

Irans Kurden gehen auf die Straße
Nun leben Kurden nicht nur im Irak, in Syrien und der Türkei, sondern auch im Iran. Neben den iranisch-kurdischen Gruppen wie der Demokratischen Partei Kurdistan-Iran und der linken Komele gibt es auch eine bewaffnete Gruppe im Iran, die der PKK nahesteht, die Pejwak. Alle werden drei von der iranischen Regierung bekämpft. Mit anderen Worten, Informationen über die Vorgänge in der Türkei können in der Zeit des Internets sehr direkt ausgetauscht werden und erreichen die iranischen Kurden rasch. Mit der zunehmenden Dauer der Belagerung von Kobane und der Zuspitzung der Lage in der benachbarten Türkei kam es deshalb in den letzten Tagen auch im Iran zu Demonstrationen. So haben vorwiegend kurdische Studenten in Teheran eine Protestkundgebung vor der türkischen Botschaft abgehalten, die auch von anderen Studentenorganisationen unterstützt wurde. In verschiedenen Stadtteilen von Teheran wurden Demonstrationen zur Unterstützung der Kurden abgehalten. Die Zahl der Protestierenden vor der türkischen Botschafter soll die Tausend überstiegen haben. Während die Behörden die Proteste in Teheran gewähren ließen, sieht es in den kurdischen Städten des Irans anders aus.

Festnahmen in den kurdischen Gebieten Irans
In Mahabad, in Sandandadsch, in Mariwan, in Sardascht und selbst in einigen kurdischen Dörfern gingen die Menschen mehrfach auf die Straße, um die Kurden in Kobane zu unterstützen und gegen das Verhalten der türkischen Regierung zu demonstrieren. Dort nahm die Regierung in den Folgetagen Demonstrationsteilnehmer direkt auf der Straße fest als auch später bei sich zu Hause. Die Forderung der iranischen Kurden an die türkische Regierung ist, die Grenze zu öffnen und Waffenlieferung an die kurdischen Milizen in Kobane nicht zu behindern. Die iranischen Kurden werfen der türkischen Regierung vor, sie unterstütze die IS, da die IS in der Türkei in den kurdischen Gebieten Büros unterhalte und von dort aus Islamisten organisiert habe, die während der Kurdendemonstrationen in der Türkei auf die Kurden geschossen hätten. In türkischen Medien ist dieser Vorwurf noch nicht zu hören, dort wird allerdings der Vorwurf laut, dass die Türkei zwar als humanitäre Hilfe verletzte Kämpfer der IS aufgenommen und behandelt hätte, sie danach aber nicht etwa verhaftet und wegen möglicher Straftaten vor Gericht gestellt habe, sondern die geheilten Kämpfer wieder nach Syrien zurückgehen lassen habe. Das sei keine neutrale Haltung mehr, sondern Unterstützung einer kämpfenden Seite.

Und was sagt Baschar al-Assad?
Baschar al-Assad, der weiter amtierende Präsident Syriens, benötigt keine Worte. Dafür hat er die Luftstreitkräfte. Und die schickt er dann, wenn die „Freie Syrische Armee“ (der bewaffnete Arm der syrischen Opposition gegen das Assad-Regime) gegen die Einheiten der Organisation „Islamischer Staat“ kämpft. Er schickt sie nicht, wenn der „Islamische Staat“ eine Region nach der anderen in Syrien einnimmt, die nicht unter Assads Kontrolle steht. Er hat sie auch nicht gegen die kurdischen Einheiten in den drei Kantonen Afrin, Kobane und Dschesire eingesetzt, als diese die Autonomie verkündeten.

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Die Suche nach dem Superfeind – an Kobani scheiden sich die Geister

Kobani, Kobane oder Ain al-Arab, egal unter welchem Namen, seit bald vier Wochen wird weltweit über diese syrische Stadt an der Grenze zur Türkei und die Belagerung durch die ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) berichtet. Warum ist der Widerstand dort so hartnäckig, warum gibt ISIS die Belagerung nicht auf? Mit anderen Worten: Was steht auf dem Spiel?

Aus der Sicht der ISIS

Die ISIS hat bis jetzt in diesem Teil Syriens die Regionen Tel Abyad, Dscharablus und Rakka besetzt. Kobani und seine Umgebung liegt wie ein Keil dazwischen, was die Kontrolle über die besetzten Gebiete erschwert. Mit Kobani würde Mürşitpınar als ein weiterer Grenzübergang zur Türkei in ihre Hände fallen, was die Möglichkeiten des legalen wie illegalen Handels sicher erweitern würde. Derzeit kontrolliert die ISIS die drei Grenzübergänge Akçakale-Tel Abyad, Karkamış-Dscharablus und Kilis Çobanbey-El Rai. Von türkischer Seite sind diese Übergänge derzeit lediglich für „humanitäre Hilfe“ geöffnet.

Aus der Sicht der syrischen Kurden

Im Januar 2014 erklärte die syrisch-kurdische Partei PYD (Partiya Yekîtiya Demokrat / Partei der demokratischen Einheit) eine autonome Selbstverwaltung für die drei „Kantone“ Afrin, Kobane und Dschesire. Afrin liegt 200 km westlich von Kobane, Dschesire östlich davon. Ein Fall von Kobane würde auch die Stellung der beiden anderen Kantone schwächen. Nach der Autonomie-Erklärung wurde Kobane von der ISIS und syrischen Oppositionsgruppen umzingelt. Die Türkei hat ihre Grenze seit der Autonomie-Erklärung geschlossen. Vor dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs lebten in Kobani vielleicht 200.000 Menschen, mehrheitlich Kurden. Nach Ausbruch des Bürgerkriegs soll die Zeit auf 1 Million gestiegen sein, namentlich durch Flüchtlinge aus den kurdischen Vierteln in Damaskus, Aleppo und Choms, auch vor dem Krieg geflohene Araber und Turkmenen sollen in der Stadt sein.

Aus der Sicht der PKK

Die PYD ist mit der PKK eng verbündet, PKK-Kämpfer sind in Kobane aktiv, die PKK betreibt in der Stadt auch „Schulungen“ unter der Bevölkerung. Für bedeutet eine Stabilisierung der PYD-Autonomie in Syrien eine Rückzugsmöglichkeit aus der Türkei. So ist es nicht überraschend, dass die PKK diese Woche in ganz Westeuropa ihre Anhänger mobilisiert hat, um auf den drohenden Fall von Kobane aufmerksam zu machen.


Aus der Sicht der türkischen Regierung

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat darauf hingewiesen, dass die PYD noch nicht einmal dem Oppositionsbündnis gegen Baschar al-Assad angehört. Als Voraussetzung für Verhandlungen mit der syrischen PYD werden drei Bedingungen genannt: Keine Unterstützung des Assad-Regimes, Beteiligung der PYD am syrischen Oppositionsbündnis, Unterlassung von Aktivitäten, die die Sicherheit der Türkei bedrohen, und somit wohl die Rücknahme der Autonomie-Erklärung.

Erstes Ziel der türkischen Regierung ist der Sturz des Assad-Regimes, zweites Ziel die Verhinderung einer Stärkung der PKK und erst an dritter Stelle kommen Bedenken gegen die ISIS. Vor diesem Hintergrund scheint der Regierung lediglich die drohende Flüchtlingswelle im Fall eines Sturzes von Kobane zu missfallen, ansonsten käme es wohl ihrem Wunsch nach einem Sturz von Baschar al-Assad engegegen. Der türkische Vorschlag, eine Pufferzone unter türkischer Kontrolle auf syrischem Gebiet einzurichten, käme somit den Regierungsinteressen am nächsten. Eine Flüchtlingswelle wäre vermieden, die PKK könnte sich nicht ausbreiten und man hätte Baschar al-Assad direkt einen Teil des syrischen Staatsgebiets entrissen, vielleicht ein gutes Faustpfand bei späteren Verhandlungen mit einer syrischen Nachfolge-Regierung, wenn es um andere türkische Gebietsansprüche in Syrien geht.

Aus der Sicht der Bevölkerung der Türkei

Tel Abyad grenzt an den türkischen Landkreis Akçakale (Region Şanlıurfa), Dscharablus grenzt an den türkischen Landkreis Karkamış (Region Gaziantep) und Kobani grenzt an den türkischen Landkreis Suruç (Region Şanlıurfa). Namentlich für die Kurden der Region ( Şanlıurfa und Gaziantep) ist augenfällig, wieviel militärische Hilfe von der Türkei nach Syrien ging, um die Opposition gegen Baschar al-Assad zu stärken, und wie diese Hilfe jetzt bei den Kurden ausbleibt. Dies hat zu einer herben Enttäuschung geführt – viele sunnitische Kurden, die gerade in Sanliurfa die Mehrheit bilden, sind AKP-Wähler. Diese Enttäuschung mag auch ein Grund für die in der ganzen Türkei aufflammenden Proteste gegen das Abseitsstehen der Regierung im Kampf um Kobane sein. Inzwischen hat die Unterdrückung der Kobane-Proteste in der Türkei schon zu einer Reihe von Todesopfern geführt, es gab einen Mordanschlag auf einen Präfekten des Sicherheitsapparats in Bingöl, der Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus trat darauf mit der Erklärung „Elleri, beyinleri kırılacak ve ezilecek“ (Ihre Hände und ihr Hirn werden gebrochen und zerquetscht werden) an die Öffentlichkeit – gemeint sind die mutmaßlichen Täter, und der Ministerpräsident Davutoglu meinte, dass die Täter innerhalb von zwei Stunden gefasst und bestraft worden seien. Standgericht nennt man so etwas auf Deutsch, mit Justiz hat das nichts mehr zu tun.

Die Mehrheit der türkischen Bevölkerung verfolgt zudem den Aufschwung der islamistischen Halsabschneider vor der eigenen Haustür mit Argwohn. Wer kann schon sicher sein, dass die ISIS ihren Terror später nicht auf die Türkei ausweitet?


Hat die türkische Regierung islamistische Gruppen in Syrien unterstützt?

Hinzu kommt der Vorwurf, den der US-Vizepräsident Joe Biden unlängst ausgesprochen und gleich wieder zurückgenommen hat. Nämlich dass die türkische Regierung al-Kaida-Ableger in Syrien unterstützt habe. Wo die Wahrheit liegt, werden wir so bald nicht erfahren. Faktum ist jedenfalls, dass die damalige Ministerpräsidentin Tansu Çiller in der ersten Hälfte der 1990-er den Aufbau einer türkischen Hizbullah durch den türkischen Geheimdienst gefördert hat. Ihre Aufgabe war es damals, kurdische Unternehmer im türkischen Südosten zu ermorden, die möglicherweise mit der kurdischen Opposition sympathisierten. Diese Hizbullah verfolgte nebenbei auch materielle Ziele, denn die kurdischen Siedlungsgebiete im Südosten grenzen an Syrien, Irak und Iran, und in den 1990-er Jahren gab es zum Beispiel ein Embargo gegen den Irak, was den Schmuggel von Erdöl per LKW in die Türkei zum Aufblühen brachte. In die kriminelle Schattenwirtschaft war ein Teil des türkischen Sicherheitsapparats verwickelt, wie der Autounfall von Susurluk später sichtbar machte. ISIS hat einige irakische Erdölfelder in seiner Hand und ein naheliegendes Interesse am Erdölexport (oder Schmuggel), das könnte sich mit den wirtschaftlichen Interessen bestimmter türkischer Geschäftsleute decken.

Die Interessen der US-Regierung

Vor die Wahl gestellt, Baschar al-Assad in Syrien weiter regieren zu lassen oder keine radikale islamistische Bewegung wie ISIS an die Macht kommen zu lassen, hat für die US-Regierung eindeutig das zweite Ziel Vorrang. Die öffentliche Köpfung britischer und US-amerikanischer Bürger durch die ISIS erzeugt zudem einen öffentlichen Druck, den die Regierung berücksichtigen muss. Allerdings fehlen ihr die Kontakte vor Ort. Für Bombardements braucht man Ziele, und die können nur vor Ort stationierte Leute feststellen. Mit der syrischen PYD will die US-Regierung nicht zusammenarbeiten, weil sie der PKK nahesteht und letztere auf der Liste der terroristischen Vereinigungen steht. Derzeit sind wohl Angehörige des syrischen Oppositionsbündnisses in Kobani, um den US-Bombern den Weg zu weisen.

Vom Vorschlag der türkischen Regierung, eine Pufferzone im syrisch-türkischen Grenzgebiet einzurichten, die vom türkischen Militär kontrolliert wird, hält die US-Regierung wenig. Das wäre ein klarer Eingriff in die syrische Souveränität, und wenn man allmählich wieder mit Baschar al-Assad ins Gespräch kommen möchte, wäre das nicht zu empfehlen. Eine Stärkung des Assad-Regimes bedeutet zwar auch eine Stärkung der iranischen Position in der Region, aber derzeit richtet sich der Terror des iranischen Regimes vor allem gegen die eigene Bevölkerung, für die USA also kein Grund zur Beunruhigung.


Und Westeuropa?

Natürlich bestimmt auch hier der Angst vor islamistischem Terror die öffentliche Meinung, aber die jüngsten Kurdenproteste haben noch ein weiteres deutlich gemacht. Hierzulande gibt es noch immer die von Innenministern gefütterte Wahrnehmung kurdischer Unruhestifter, die Unfrieden nach Europa hineintragen. Eine solche Haltung vertritt auch der Vize-Präfekt (sous-préfet) Gilles Gray von Marseille, der gegenüber einer Kurdendelegation mit vulgären Worten erklärte, sie würden ihren Brüdern und Schwestern „da unten“ (in Kobane) nicht helfen, wenn sie hier in Marseille Verwüstungen anrichten. Außerdem hätten die Leute in Marseille andere Probleme, ihnen sei das Thema scheißegal. Das ist nämlich die andere Seite der Medaille. Der Türkei wird zwar zum Vorwurf gemacht, dass sie ihre Grenze nach Kobane geschlossen hat, aber laut dem türkischen Ministerpräsidenten Davutoglu hat die Türkei seit Beginn des Kriegs in Syrien weit über eine Million Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Und jetzt darf jeder mal raten, wie viele Flüchtlinge aus Syrien Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz in dieser Zeit aufgenommen haben. Mit anderen Worten: Man ist ganz froh, dass die türkische Regierung die Drecksarbeit macht, die Flüchtlinge abhält und ansonsten selbst aufnimmt.

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Wie kann die ISIS sich finanzieren?

Die ISIS-Milizen konnten bis etwa zum Beginn ihrer Eroberungen im Irak finanzielle Unterstützung aus Ländern des Persischen Golfs erhalten. Mittlerweile finanziert sie sich weitgehend unabhängig von diesen Quellen.

Ihre derzeitigen Quellen sind vor allem der illegale Handel mit billigem Öl und Gas (zu etwa 80 bis 85%). Darüber hinaus finanziert sie sich laut verschiedenen Berichten, u.a. aus dem Iran, über Menschenschmuggel und Raub in den von ihr besetzten Gebieten.

Von Analysten, die ihren Namen nicht öffentlich bekannt geben wollen, ist zu erfahren, dass die ISIS mittlerweile als die reichste Terrororganisation der Geschichte gilt. Wie viele Zeitungen berichteten und laut Aussagen von Journalisten hat ISIS große Teile von Syrien und den Irak in ihrer Hand und kontrolliert 11 Ölfelder.

Öl, Gas und andere „Waren“ werden über ein dichtes Schmuggelnetz in der ganzen Region vertrieben. Es heißt, dass die Abnehmer in der Türkei, in Jordanien und in (Irakisch-)Kurdistan sitzen. Der Transport geschieht nicht mit modernen Mitteln wie Pipelines sondern mit Lastentieren und kleinen LKWs und auf Wegen, die zwar Schmugglern bekannt sind, die aber von Polizei oder Militär schlecht zu kontrollieren sind. Die US-Regierung hat auf die genannten Abnehmerländer Druck ausgeübt, dass diese Wege verschlossen werden.

Denise Natali, Forschungsbeauftragte des Centers for Strategic Research und der US-Militärakademie INSS mit den Fachgebieten Naher Osten, Kurdistan und regionale Energiesicherheit , sagte, dass über dieses Schmuggelnetzwerk große Einnahmen generiert werden könnten. Die Grenzstationen, die versuchen, den Schmuggel zu unterbinden, könnten jederzeit leicht ausgeschaltet werden, wenn man nur einen Teil der Grenzsoldaten bestechen würde.

Luay Al-Khatteeb, der in Doha/Katar in einem Büro des US-Think-Tanks und Forschungsinstituts „Brookings„ arbeitet, sagt, dass sich die täglichen Öl-Einnahmen der ISIS auf ca. 3 Mio. Dollar belaufen. Während auf dem normalen Ölmarkt ein Barrel Öl einen Preis von etwa 100 Dollar erziele, würde Öl der ISIS für 25 bis 60 Dollar pro Barrel verkauft. Seit der Eroberung von Teilen des Iraks habe die ISIS auch antike Waren in die Türkei geschmuggelt und hätte allein auf diese Weise über 100 Mio. Dollar einnehmen können.

Die Art und Weise wie ISIS Geld verdiene, z.B. indem arme und reiche Personen unter Druck gesetzt würden, ähnelt laut Al-Khatteeb einer Mafia-Organisation. Sie erreicht ihre Ziele durch große Brutalität, etwa wenn Zahlungsunwillige gefoltert oder getötet werden. Sie erhebe in den von ihr besetzten Gebieten „Steuern“, die von jedem gezahlt werden müssten. Wer nicht zahlt, würde bedroht, festgenommen oder geschlagen. Allein in Mossul kämen so 8 Mio. Dollar pro Monat zusammen. Wirtschaftsbetriebe müssten „Steuern“ in der Höhe zahlen, die ihnen die ISIS vorschreibt. Bei der Eroberung von Mossul fielen der ISIS mehr als 100 Mio. Dollar aus den Beständen der Bankfilialen in die Hände.

Weiter führte Al-Khatteeb aus, dass die Grenzregion zw. der Türkei und dem Irak ein Paradies für Schmuggler sei und dort seit Generationen das Fachwissen von Vater zu Sohn weitergeben würde. Es sei sehr schwer den Schmuggel dort kurzfristig zu bekämpfen.

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Iran: Mein Leben für 2000 Dollar!


Versammlungsraum der Imam-Musa Ebn-e Dscha‘far-Moschee (Teheran)

Im Versammlungsraum (Hosseinije) der Imam-Musa Ebn-e Dscha‘far-Moschee in Teheran fand am Mittwoch, den 3. Juli 2013, eine Versammlung statt, auf der Freiwillige für den Krieg in Syrien gesucht wurden. Natürlich wird nicht für den Krieg geworben, sondern dafür, das Grabmal der Heiligen Seynab in einem südlichen Vorort von Damaskus in Syrien vor den Barbaren zu verteidigen, wozu offensichtlich auch sunnitische Muslime zählen. Sich da zu melden, ist für einen Mann Ehrensache, schließlich handelt es sich um eine wehrlose Frau, die es da zu verteidigen gibt. Dass Seynab als Tochter von Ali und Enkelin des Propheten Mohammad schon weit über 1000 Jahre tot ist, spielt da keine Rolle.
Eher schon eine Rolle spielt, dass die Familie jedes „Freiwilligen“ vor seiner Abreise eine erkleckliche Summe von entsprechenden Stiftungen erhält (es soll sich laut Gerüchten um Beträge in Höhe von 2000 Dollar handeln), und im Falle des Todes des Freiwilligen darf die Familie mit „Blutgeld“ rechnen.
Man sollte hinzufügen, dass trotz dieses verlockenden Angebots nicht sehr viele davon Gebrauch machen, immerhin hat der Iran 78 Millionen Einwohner, da ist die Zahl der Versammelten in der 12-Millionenstadt Teheran doch noch überschaubar.


Bis zur Bahre – Formulare, Freiwillige gesucht für den Krieg im Iran

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Iranische Regierug installiert Miliz-Modell in Syrien

Rami Abdulrahman, Direktor eine Menschenrechtsgruppe in Syrien, beschreibt ein neues militärisches Modell, das seine Vorlage in den Bassidschi des Irans hat.

Das „Militär zur Verteidigung der syrischen Nation“ beruht auf einem Konzept der halbzivilen, halb militärischen Organisation von bewaffneten Gruppen, die auf der Seite von Assad kämpfen. Nach jahrelangen Ausbildungen von Regimeanhängern tauchen sie nun in vielen Städten in Syrien auf. Sie tragen Zivilkleider und sind vom syrischen Regime bewaffnet.

Nicht nur die Idee stammt aus dem Iran sondern auch die Ausbildung und die Finanzierung. Iranische Ausbilder sind nach Syrien gekommen und haben das „Militär zur Verteidigung der syrischen Nation“ trainiert.

Anmerkung:

Der Iran hat über 33 Jahre Erfahrung in dieser Form der Organisation von bewaffneten Sicherheitskräften. Ähnlich wie die Bassidschi im Iran sind diese Militärs darauf spezialisiert, Aufstände und Oppositionsbewegeungen niederzuschlagen oder eine Stadtguerilla zu bekämpfen.

Noch vor wenigen Tagen hatte der Leiter der Revolutionsgarden Aziz Dschafari verlautbart, dass Syrien in der ersten Reihe der Front gegen ihre (Irans) Feinde stünde, an nächster Stelle käme der Irak und erst dann der Iran. Man müsse sich sowohl finanziell als auch militärisch schon in Syrien engagieren.

Aus diesem Grund hat der Iran Syrien unterstützt, und dies seit den ersten Tagen des Widerstands in Syrien. Nicht nur mit Pasdaran sondern auch mit Bassidschi und Soldaten. Dies konnte der Iran nicht in aller Öffentlichkeit durchführen, weswegen oft als Pilgerfahrten getarnte Busse die Grenze überquerten. Als diese Praxis in der syrischen Bevölkerng immer bekannter wurde, kam es immer öfter zu Attacken gegen diese Reisebusse durch syrische Rebellen. Auch die 48 von der Freien Syrischen Armee gekidnappten iranischen „Pilger“ waren in Wirklichkeit hochrangige Militärs, Bassidschi und Soldaten.

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Irans Truppen in Syrien: Alles nur humanitär, oder was?


Oberbefehlshaber der Pasdaran-Streitkräfte der Islamischen Republik Iran General Mohammad-Ali Dscha‘fari

Am Sonntag, den 16. September 2012, bestätigte der Oberbefehlshaber der Pasdaran-Streitkräfte der Islamischen Republik Iran General Mohammad-Ali Dscha‘fari in einem Interview mit der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur ISNA, dass verschiedene Einheiten der Pasdaran (Revolutionswächter) in Syrien anwesend sind.
So sei die Pasdaran-Einheit „Nehsat-haye eslami“ (Islamische Bewegungen) in Syrien, deren Aufgabe es sei, die „Entrechteten“ zu unterstützen und die islamische Revolution zu exportieren. Eine weitere Einheit, Sepah-e Qods (die „Jerusalem“-Einheit), sei ebenfalls zugegen. Ihr Ziel sei es, die Unterdrückten zu verteidigen, namentlich unterdrückte islamische Völker.
Natürlich diene das alles nur humanitären Zwecken. Seit die iranischen Truppen in Syrien stationiert seien, habe das Morden der Gegner unter der syrischen Bevölkerung abgenommen. Und generell seien viel weniger iranische Truppen in Syrien präsent als solche aus anderen arabischen Staaten.
Aus anderen Quellen heißt es, die iranischen Truppen dienten vor allem dazu, die Reihen in der syrischen Armee zu füllen, die sich nach dem Überwechseln von Soldaten auf die Seite der Gegner gelichtet hätten.

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Syrien an der Schwelle zum Bürgerkrieg?

Das Regime in Syrien genießt seit langem finanzielle, militärische und politische Unterstützung durch das Regime im Iran. Andererseits setzt das iranische Regime von den Pasdaran ausgebildete Syrer, Libanesen und Palästinenser u.a. zur Niederschlagung der Proteste im Iran ein. Aus diesem Grund halten einige iranische Oppositionsgruppen Kontakte zu oppositionellen Organisationen in Syrien und tauschen Informationen und Lagebeurteilungen aus, die Korrespondenten für gewöhnlich nicht zugänglich sind. Aus einer solchen Quelle stammt die folgende zusammengefasste Darstellung:
Seit rund zehn Monaten schon hält der Widerstand des Volkes gegen ds syrische Regime an und hat auch nicht nachgelassen, obwohl Baschar Assad alles unternimmt, die Bewegung niederzuschlagen. Die Volksbewegung ist inzwischen auch nicht mehr regional begrenzt und hat teilweise sogar bewaffneten Charakter angenommen. Dennoch kann man nicht behaupten, dass Syrien den Weg Libyens geht. Woran liegt das?

1. Was die Vielfalt der Volksgruppen und Religionen angeht, ist Syrien am ehesten mit dem Libanon zu vergleichen. Derzeit sind die sunnitischen Araber der Hauptmotor des Widerstands gegen die Diktatur, und auch zehn Monate nach Ausbruch der Proteste bleibt ihre Unterstützung durch andere Gruppen sehr beschränkt. Der Grund liegt im sichtbaren Einfluss islamistischer Tendenzen – wie etwa der Muslimbrüder – auf die Protestaktionen. Dies versetzt die religiösen Minderheiten in Syrien in Angst. Das gilt nicht nur für die absolute Mehrheit der Alawiten, die bis heute das Regime von Assad verteidigen, sondern auch für die große mehrheit der syrischen Christen, die eine islamistische Machtübernahme fürchten. Der Säkularismus der regierenden Baath-Partei erscheint ihnen da sicherer. Zudem sind die meisten Christen in Syrien – die Armenier ausgenommen – arabischer Volkszugehörigkeitn, weshalb ihnen auch die panarabische Rhetorik der Baath-Partei kein Kopfzerbrechen bereitet. Die Drusen als drittgrößte religiöse Minderheit, die vor allem in den Bergen im Südwesten Syriens leben, stehen noch in Warteposition, um zu schauen, in welche Richtung das Pendel ausschlägt. Und selbst die Kurden, die größte ethnische Minderheit im Lande, die sehnlichst den Sturz des Regimes herbeiwünschen, haben sich der Bewegung aus Angst vor einer Machtergreifung arabischer Islamisten bislang nicht angeschlossen.

2. Während die Diktatur in Libyen auf den persönlichen Launen des Herrschers Ghaddafi beruhte, der lieber außerhalb der staatlichen Strukturen vorging, ist das Regime in Syrien eine durchdachte und berechnende Diktatur, die sich voll auf den Staatsapparat stützt. So ist der Staatsapparat in Syrien bis heute geeint, während das Volk gespalten ist.

3. Die bewaffneten Aktionen der Regimegegner waren bis jetzt zum Nutzen des Regimes. Denn militärisch sind sie zu schwach, um dem Regime zu schaden, aber zugleich liefern die bewaffneten Aktionen dem Regime einen billigen Vorwand, die Unterdrückung friedlicher Proteste als „Kampf gegen den Terrorismus“ zu rechtfertigen. Damit wird das Risiko, bei friedlichen Protesten erschossen zu werden, so hoch, dass sich kaum neue Menschen den Protesten anschließen. Zugleich wirkt die militärische Gewalt der Regimegegner, soweit sie zivile Todesopfer fordert, abschreckend auf viele Bürger, denen dadurch das Argument der Regierung „Entweder wir oder das Chaos“ glaubwürdig erscheint.

4. Die syrische Armee hält weiterhin zusammen und verzeichnet nur wenige Abgänge. Im Gegensatz zur libyschen Armee, wo regionale Gruppenzugehörigkeiten eine größere Rolle spielten als die militärische Hierarchie, herrscht bei der syrischen Armee strikte militärische Disziplin, die von der Ideologie des Panarabismus genährt wird. Überläufer aus der syrischen Armee entstammen in der Regel aus den unteren Rängen und besitzen weder militärische Erfahrung noch verfügen sie über bedeutende Ausrüstung. Im Internet ist zwar oft von der Brigade „Chaled ebn Walid“ und von der Brigade „Salahuddin“ die Rede, die sich aus flüchtigen Offizieren und Soldaten der syrischen Armee zusammensetzen, aber ihre Aktivitäten beschränken sich auf verstreute Partisanenaktionen. Sie stammen großenteils auch Choms und ihre militärischen Aktivitäten konzentrieren sich auf den Umkreis von Choms. Eine kleinere Gruppe ist in den Asamiya-Bergen nördlich der Stadt Dara aktiv. Die meisten Soldaten haben sich individuell von der Armee abgesetzt, nicht in Form einer Massenbewegung und haben weder Waffen noch Ausrüstung. Hinzu kommt, dass sämtliche bewaffnete Gruppen in Syrien im Untergrund agieren, im Gegensatz zu Libyen, wo zuerst die befreite Zone um Benghasi geschaffen wurde. Die Befreiung von Benghasi und lebenswichtiger Gebiete im Osten Libyen erfolgte schon ganz am Anfang des Aufstands, der mit dem Sturz von Ghaddafis Regime endete. In Syrien dagegen zeichnet sich in absehbarer Zukunft keine Schaffung einer befreiten Zone ab. Aus diesem Grund ist auch die Forderung einiger bewaffneter Gruppen, die NATO solle eine Flugverbotszone einrichten, unsinnig. Denn das syrische Regime setzt im wesentlichen Bodentruppen zur Niederschlagung der Gegner ein. Zudem wären NATO-Bombardements in Syrien wegen der Nähe der militärischen Einheiten zu den Städten nicht sehr praktikabel, weil es viele Tote unter Zivilisten fordern würde.

5. Mit ihrer massiven Unterdrückung und der Jagd auf die Organisatoren von Kundgebungen ist des dem Assad-Regime gelungen, die Proteste in Schranken zu halten. In Syrien gibt es keine Stadt, in der die Bevölkerung einen wichtigen öffentlichen Platz besetzt halten kann, um eine feste Ausgangsbasis für die Proteste zu haben wie dies der Tahrir-Platz in Kairo war. So hat die Bevölkerung von Choms im April 2011 mehrfach besucht, den „Uhren-Platz“ in der Stadt mit einem Sitzstreik zu besetzen, aber das Regime konnte die Versuche jedesmal brutal auflösen. So sind die Demonstranten gezwungen, in einer Art „friedlicher Guerrilla-Taktik“ spontane Kurz-Demonstrationen an wechselnden Orten abzuhalten. Das führt dazu, dass das Risiko einer Teilnahme sehr hoch bleibt und sich der Teilnehmerkreis nicht erweitert. Da die Moscheen der einzige Ort sind, wo die staatlichen Kräfte eine gewisse Zurückhaltung an den Tag legen, nehmen die Protestkundgebungen oft an bestimmten Tagen in den Moscheen ihren Ausgang. So sind viele nicht religiös orientierte Menschen gezwungen, in der Nähe von Moscheen zu warten, um sich solchen Kundgebungen anzuschließen. Diese Einschränkungen führen dazu, dass die Islamisten in der Protestbewegung am besten vertreten sind, was wiederum dem Regime nützt, das so die religiösen Minderheiten mit dem Hinweis auf die Gefahr einer Machtübernahme islamistischer Fanatiker um sich scharen kann.

6. Anders als in Libyen finden die Gegner des Regimes keinen gemeinsamen Nenner. Die Gegner sind sich in drei wichtigen Punkten nicht einig: Ob man mit dem Regime verhandeln soll oder nicht; ob der bewaffnete Kampf richtig ist oder nicht; und ob sie eine ausländische Militärintervention befürworten oder nicht. Außerdem gibt es noch Gegensätze zwischen den Aktivisten im Inland und denen im Ausland. Trotz all dieser Gegensätze haben sich bislang zwei große Plattformen gebildet:

  • Der Nationale Rat Syriens, gegründet am 15. September 2011, und
  • das Nationale Koordinationskomitee für einen demokratischen Wechsel, gegründet am 18. September 2011.

Der Nationale Rat Syriens steht unter der Führung von Borhan Ghaliyun in Istanbul und umfasst mehrere wichtige Organisationen:

„Die Erklärung von Damaskus für einen demokratischen Wandel“, die im Oktober 2005 als breites Oppositionsbündnis zustande kam und eine Änderung des Regimes von Baschar Assad zum Ziel hat. Die Erklärung von Damaskus setzt auf Reformen und einen friedlichen, schrittweisen Wandel auf der Basis des Dialogs und des Konsensusprinzips. In diesem Bündnis sind die Muslimbrüder, die Liberalen und die Linken vertreten. Diese Gruppe unterstützt den Volksaufstand und hat im Nationalen Rat Syriens 20 Sitze. Die Muslimbrüder Syriens gehören zu den ältesten politischen Organisationen des Landes, auch sie sind im Nationalen Rat Syriens vertreten. Die Muslimbrüder Syriens haben in den letzten 20 Jahren einen beachtlichen ideologischen Wandel durchgemacht. Ihr Führer Ali Sadruddin Bayanuni, der seit Jahren in London lebt, hat in letzter Zeit in Interviews erklärt, dass er gegen die Errichtung einer islamischen Regierung nach iranischer Art und für die Gleichberechtigung aller Bürger ist. Des weiteren sind die „Lokalen Koordinationskomitees“ im Nationalen Rat Syriens vertreten. Diese Organisation besteht vor allem aus lokalen Aktivistengruppen und Organisatoren des Widerstands gegen die Diktatur. Die Aktiven sind meist noch jung und politisch unabhängig. Die Lokalen Koordinationskomitees haben 55 Sitze im Nationalen Rat Syriens. Ebenfalls im Rat vertreten sind die Allgemeine Revolutionskommission Syriens, ein Block, in dem 40 Oppositionsströmungen vertreten sind, einige kurdische Gruppen, einige Stammesälteste und einige politisch Unabhängige. Der Nationale Rat Syriens hat derzeit 230 Sitze, wovon 20 für Personen und Bewegungen freigehalten werden, die sich dem Rat später noch anschließen möchten.

Das Nationale Koordinationskomitee für einen demokratischen Wechsel wurde offiziell in einem Hotel in einem Vorort von Damaskus gegründet und steht unter der Leitung von Hossein Abdulasim. Es umfasst 12 linke Gruppen, einige Unabhängige, und drei kurdische Parteien. Dieses Komitee hat einen Rat aus 80 Sitzen gebildet. Es hat bekannt gegeben, wenn die Militärs von den Straßen abgezogen, die Angriffe auf die Demonstranten eingestellt und die politischen Gefangenen freigelassen werden, sei es bereit zu Verhandlungen mit dem Regime.

Sowohl der Nationale Rat Syriens wie auch das Nationale Koordinationskomitee für einen demokratischen Wechsel sind gegen eine militärische Intervention von außen, befürworten aber wirtschaftliche und diplomatische Sanktionen gegen das Regime. Der Nationale Rat Syriens ist allerdings gegen Verhandlungen mit dem Regime und fordert einen sofortigen Rücktritt von Baschar Assad.

Der Nationale Rat Syriens ist angeblich auch gegen den bewaffneten Kampf, aber da bestehen unter den Mitgliedern Meinungsverschiedenheiten. Burhan Ghaliyun hat auch in einigen Interviews geäußert, dass der bewaffnete Kampf sich auf die Verteidigung des Lebens unbewaffneter Zivilisten beschränken müsse.

Über die genannten beiden Plattformen hinaus sind noch folgende Organisationen zu erwähnen:

Die „Freie Armee Syriens“ besteht angeblich aus Kräften, die sich von der Armee abgesetzt haben. Ihre Basis liegt in der Türkei in der Nähe der syrischen Grenze. Laut einer Äußerung von Oberst Riad al-Assad, dem Führer dieser Bewegung, gegenüber der New York Times werden 50 bis 60 Führer dieser Organisation de facto in einem Lager in der Türkei unter staatlicher Aufsicht festgehalten, unter „humanen Bedingungen“, wie die türkische Regierung behauptet. Die „Freie Armee Syriens“ hat laut eigenen Angaben 10.000 bis 15.000 Mitglieder, was von anderen als übertrieben angesehen wird.

Junge Aktivisten in Syrien haben sich zu zwei weiteren Organisationen zusammengeschlossen: „Koalition Morgen“ und „Hoher Revolutionsrat Syriens“.

Daneben sind in der Volksbewegung auch extreme Islamisten aus dem Kreis der Salafiten zu beobachten. Ihre wichtigste Organisation heißt „Dschund usch-Schaam“ (Soldaten Syriens), zahlreiche Mitglieder von ihr sollen in Afghanistan eine Ausbildung der Kaida durchlaufen haben. Die Salafiten nutzen die Moscheen als Organisationsbasis, so dass die Konzentrierung der Protestbewegungen auf die Moschee höchstwahrscheinlich vor allem ihnen zugute kommt, und damit auch dem Regime. Einer der Geistlichen, der die Salafiten in Syrien unterstützt, ist Scheich ‚Adnan al-A‘ar-‘Ur, der in Saudi-Arabien lebt. Auf vielen Demonstrationen ist sein Foto in der Hand der Demonstranten zu sehen. Dieser Scheich hält jeden Abend im Satellitenfernsehen Reden. Er bezeichnet sämtliche Schiiten als Ungläubige, die außerhalb des Islams stehen.

Wenn die Bewegung gegen die Diktatur das Assad-Regime stürzen will, muss sie zwei Bedingungen erfüllen:

1. Sie muss die wichtigen religiösen Minderheiten in Syrien davon überzeugen, dass sie nach einem Sturz des Assad-Regimes nicht mit Racheaktionen rechnen müssen und keiner Diskriminierung ausgesetzt werden. Sie müssen die Sicherheit haben, dass sie in allen gesellschaftlichen Bereichen die gleichen Rechte haben werden wie die Sunniten.

2. Sie muss verhindern, dass die Protestbewegung in einen Bürgerkrieg umschlägt. Es mag zwar sein, dass die Diktatur von Assad nicht ohne Waffengewalt zu stürzen ist, aber falls es dazu kommt, ist es entscheidend, ob der bewaffnete Widerstand im Rahmen einer breiten politischen Bewegung von der gesamten Bevölkerung getragen wird oder nur von einem kleinen Teil derselben. Im ersten Fall wird der bewaffnete Widerstand die Folge einer umfassenden politischen Mobilisierung der Massen sein, die in eine Spaltung und Auflösung der Armee mündet. Im zweiten Fall wird der bewaffnete Kampf die Möglichkeiten einer politischen und sozialen Mobilisierung der Massen behindern und die Volksmassen an den Rand drängen. In diesem Fall wird der Kampf sich auf die Militaristen beider Lager beschränken, und mit großer Wahrscheinlichkeit wird dabei der Widerstand den Kürzeren ziehen. Statt dafür zu sorgen, dass die Regierung ohne Rückhalt im Volk dasteht, wird eine solche Bewegung der Regierung in dem Bereich entgegentreten, in dem sie am stärksten ist – der bewaffneten Gewalt. Zugegeben, auch ein ausländischer Militärangriff kann zum Sturz des Regimes führen, aber die Folgen dürften für die Bevölkerung schlimmer sein als die Diktatur.

Derzeit sieht es leider nicht so aus, als hätten das Assad-Regime, die Islamisten und die USA mit ihren Verbündeten ein Interesse daran, dass die beiden genannten Bedingungen erfüllt werden. Das Ende vom Lied könnte ein blutiger Bürgerkrieg in Syrien sein, so wie in Libanon in der Vergangenheit erlebt hat und der Irak in der Gegenwart.

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