Archiv der Kategorie 'Allgemein'

Jetzt verfügbar! Roman: Die Wüste glimmt.

Neuerscheinung!

Der neue Roman von Ali Schirasi: „Die Wüste glimmt“ ist nun im Agenda Verlag erschienen! Er ist im jetzt Buchhandel verfügbar.

Roman von Ali Schirasi: Die Wüste glimmt. (Agenda Verlag)Das Buch „Die Wüste glimmt“ greift zwei Lebensläufe auf, die von der verrückten Pari und vom Dorfnarr Gondik, wie zwei Fäden, die von zwei Wollknäueln aufgezogen werden und sich an einer Stelle kreuzen, verflochten und verwoben werden. Zwei Fremde, die sich bis dahin auch selbst fremd waren, finden zusammen und finden Eingang in die Dorfgesellschaft. Die Dorfgemeinschaft nimmt sie auf, es werden mehr Fäden, mehr Farben, und schließlich sehen wir das Bild eines persischen Teppichs vor Augen, in den die ganzen Traditionen und Bilder des Dorfes verwoben sind.

Aber während wir auf dem Teppich der Tatsachen stehen und glauben, festen Boden unter den Füßen zu haben, beginnt auch dieses Bild zu zerfließen. Der Boden ist nicht fest und der Teppich scheint abzuheben. Das Dorf beginnt sich zu bewegen, und unversehens befinden wir uns mitten in einer Revolution, die das erste Kapitel der großen Veränderungen im Iran des 20. Jahrhunderts darstellt. Wir lernen, die Geschichte, die Entwicklung, nicht mit den Augen eines Städters zu sehen, eines distanzierenden Analytikers, sondern aus der bewegten Menge heraus, mit den Gefühlen der Menschen im Dorf.

Das ist die Stärke dieses Buches, das uns den Iran in einer Weise nahebringt, wie dies keine Nachrichtensendung und keine Zeitungsmeldung je schaffen kann.

Mehr Infos -> hier

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Revolutionäre Achse Kuba-Iran? Griff ins Klo

Von Chomeini bis Ahmadineschad geben sich die iranischen Machthaber mit Worten stets revolutionär. Immerhin ist die USA der Große Teufel, und die iranischen Revolutionäre folglich „Anti-Imperialisten“, zumindest aus der Sicht der kubanischen Machthaber. So hat Fidel Castro dem inzwischen verstorbenen Revolutionsführer Ajatollah Chomeini seinerzeit seine Aufwartung gemacht, und dieser brüderlichen Freundschaft tat es auch keinen Abbruch, dass die iranische Regierung Tausende von Linken und Kommunisten inhaftiert und hingerichtet hat. Dazu schwieg Fidel Castro und Co beharrlich.
Jüngst war wieder eine iranische Delegation in Kuba zu Besuch, wo sie von der Vize-Außenministerin Kubas empfangen wurde. Es wurde ein Wirtschaftsvertrag unterzeichnet, und zum Abschluss wollte die Vize-Ministerin ihrem Gegenüber die Hand geben. Sie griff ins Leere, wie man auf dem Foto sieht. Die süßsaure Miene des Iraners spricht Bände.

so verklemmt ist der staatliche Islam – nicht mal die Hand geben können sie, wenn eine Frau gegenüber steht

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Iran: Haus der Künstler, das Ewin-Gefängnis


Das Gefängnis Qaritschak (ex: Kahrisak)

Eine Gruppe von Künstlern im Iran hat jetzt eine Erklärung veröffentlicht, in der sie die Inhaftierung von Künstlern verurteilen. So sind derzeit Ramin Partschami, Hila Sedighi (auf die Dichterin haben wir auch auf unserem Weblog hingewiesen), der Filmemacher Dschafar Panahi, Mohammad Rassulow, Mehnas Mohammadi, Mariyam Madschid, Pagah Ahangarani, Marsiye Wafamehr und weitere Künstler in Haft, einige im Ewin-Gefängnis, einige im Qaritschak-Gefängnis (so heißt Kahrisak jetzt).
Eine Gruppe von 500 Menschenrechtsaktivisten aus dem Iran kritisiert namentlich auch die Verhörmethoden im Ewin-Gefängnis, wo die weiblichen Gefangenen auch mit sexuellen Beleidigungen gedemütigt werden.

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Alamut, früher Festung der Assasinen, heute Urlaubsregion der Teheraner

Alamut ist eine ehemalige, heute nur als Ruinen bestehende Bergfestung in der Provinz Qazvin, im Nordwesten des Iran, etwa 100 km von Teheran entfernt.

Im Jahr 1090 eroberte Hassan-i Sabbah, der Gründer der Assassinen, die vorher als uneinnehmbar geltende Zitadelle durch einen Überraschungsangriff. in den folgenden 166 Jahren herrschte hier die militante ismailitische Sekte der Assasinen.

Ihr Name steckt als Wortstamm in vielen romanischen Sprachen (englisch „to assassinate“, italienisch „assassinare“, französisch „assassiner“, spanisch „asesinar“), und steht für den Meuchelmord oder den politischen Mord an Herrschern. Die Attentäter sahen sich als Märtyrer und nahmen den eigenen Tod in Kauf.

Heute sieht es in der Region wie folgt aus:

Alamut besteht aus einem westlichen und einem östlichen Teil. Bekannt sind insbesondere das Tal Taleghan und das Tal Alamut. Die Winter sind kalt und verschneit aber im Frühjahr und Sommer ist das Klima angenehm. Es gibt verschiedene Plantagen mit Wallnuss-, Apfel- und Kirschbäumen. Es werden verschiedene Gemüsesorten wie Kartoffeln, Tomaten und Gurken hoher Qualität angebaut. Des weiteren wird ein Berghonig produziert, der auf dem Markt einen hohen Preis erzielt.

Die BewohnerInnen von Teheran verbringen ihren Urlaub gerne in diesem Gebiet.


Das Weizenmehl aus Alamut, das hier für Fladenbrote verwendet wird, ist ebenfalls weithin bekannt.

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Tabris – Teheran: Prügel statt Sport


Uniformierte in Tabris – Wer sind hier die Rowdys?

In Teheran fand vor kurzem ein Fußballspiel statt, bei dem die Mannschaft von „Traktorsazi-ye Tabriz“ auftrat, einer Traktorfabrik aus Tabris, einem Zentrum der aserbaidschanischen Kultur. Rund 20.000 Fans waren nach Teheran angereist, um das Fußballspiel anzuschauen. Die meisten wurden nicht ins Stadion gelassen, obwohl genügend Platz im Stadion war. Als die Mannschaft aus Tabris das Spiel auch noch gewann, kam es in Tabris, Urumije und anderen aserbaidschanischen Städten zu Freudenkundgebungen. Wie üblich war die Polizei zur Stelle. Und ihr Eingreifen bot keinen Anlass zur Freude…

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Geheimdienst: Raus aufs Land


Versammlung der Täter

Der Sicherheitsbeauftragte des Geheimdienstministeriums, Herr Rasawi, hat kürzlich gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur „Schabestan“ davor gewarnt, dass es ein Fehler sei, sich nur auf die Niederschlagung von Unruhen in der Hauptstadt Teheran zu konzentrieren. Es könne auch zu zahlreichen lokalen Unruhen, z.B. in Gebieten nationaler Minderheiten, kommen. Sein Rezept lautet: Die Bildung von Spezialkräften zur Niederschlagung solcher lokalen Proteste.

Drohung gegen die Minderheiten
Die Drohung erfolgt übrigens rechtzeitig vor den anstehenden Parlamenstwahlen. Die Kurden, Aserbaidschaner, Balutschen, Turkmenen und auch die Sunniten als religiöse Minderheit können sich also auf ungemütliche Zeiten gefasst machen. Was Herr Rasawi unerwähnt ließ, ist die Tatsache, dass die Regierung angesichts der Millionenproteste in Teheran gar nicht die Macht hatte, die bewaffneten Kräfte gleichzeitig auch noch im ganzen Land eingreifen zu lassen.

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Urumijeh-See: Ist die iranische Regierung in einer Sackgasse?

Der Urumijeh See ist mit 50.892 km² der größte Binnensee im Mittleren Osten. Er bedeckt 3% der Fläche des gesamten Irans. Rund um den See und auf seinen mehr als 100 großen und kleinen Inseln sind über 100 Pflanzenarten und ebenso viele Vogelarten beheimatet. Das gleiche gilt für zahlreiche Amphibien. Je nach Jahreszeit leben hier viele Pelikane und Flamingos. Der See ist von Austrocknung bedroht.


Schrumpfung des Urmiasees von 1984 bis 2003 (Wikipedia)

Der Salzgehalt des Sees steigt beständig und damit auch der des Grundwassers. Damals waren in jedem Liter 380 Gramm Salz enthalten – heute sind es bereits 400 Gramm. An manchen Stellen hat sich das Wasser 10 km zurückgezogen. Von der o.g. Wasserfläche sind mittlerweile 2700 km² nur noch Salzwüste. Sollte der See ganz austrocknen, würden 8-10 Mrd. Tonnen Salz zurückbleiben, was die Natur und Zivilisation in der gesamten Umgebung zerstören würde. Mehr als 14 Mio. Menschen würden ihre Lebensgrundlage verlieren. Viele Dörfer in der Umgebung des Sees werden unbewohnbar. Schon heute wurden viele Dörfer verlassen.

Seit viel zu langer Zeit hat die islamische Regierung im Iran das Problem mit Desinteresse behandelt und der Wasserspiegel sank kontinuierlich. Von 1995 bis heute um sechs Meter.

Alle Menschen in der Region wissen, dass die Flora vernichtet wird, falls der See austrocknet, doch die Machthaber haben nicht reagiert oder die falschen Projekte verfolgt. Zum Beispiel wurden für kurzfristige Bewässerungsprojekte unvernünftige Staudämme bei den Zuflüssen des Sees errichtet. So wurden allein 36 Staudämme an 15 großen Flüssen gebaut. Trotz der offensichtlichen Umweltprobleme sind zur Zeit zwölf weitere Staudämme im Bau. Darüber hinaus wird derzeit an über zehn weiteren Staudamm-Plänen gearbeitet. Iranische Umweltexperten beklagen, dass durch die bereits errichteten Staudämme ca. 80% des Wasserzuflusses des Urumijeh-Sees blockiert wird. Der Plan der Regierung wurde jedoch trotz der Proteste aus der Bevölkerung und seitens der Umweltexperten keinen Deut geändert.

Wird das derzeitige Vorgehen beibehalten, wird der See mit Sicherheit austrocknen. Die Machthaber kümmern sich nicht um die Umwelt und die Probleme der Menschen sondern konzentrieren sich auf die Unterdrückung der Proteste. Das Denken in kurzfristigen Lösungen ist geradezu symptomatisch für das generelle Vorgehen der iranischen Machthaber. Egal ob bei landwirtschaftlichen Problemen (der durch Lebensmittelimporte behandelt wird) oder bei Problemen in der industriellen Entwicklung (auch hier wird lieber importiert als die eigene Wirtschaft zu stärken) stets wird nur in kurzen Zeithorizonten gedacht. Ebenso wenig hat die Regierung Interesse, der Unzufriedenheit in der Gesellschaft (Arbeitslosigkeit, Drogenprobleme, Rechtlosigkeit der Frauen, …) durch grundlegende Veränderungen zu begegnen, viel leichter ist es, die Proteste zu unterdrücken und die Menschen in Gefängnisse zu sperren oder gleich zu erschießen. Das Ergebnis dieser kurzfristigen Politik ist, dass aus dem gesamten Iran eine Kaserne geworden und die Regierung selbst in eine Sackgasse geraten ist.

Das Problem des Umrumijeh-Sees betrifft nicht nur die 14 Mio. Menschen in der Region sondern Menschen weit darüber hinaus. Die Proteste der Studenten- und Umweltgruppen dieser Region waren anfangs klein und stießen auf wenig Zuspruch. Langsam wurde die Bevölkerung jedoch sensibilisiert und immer mehr Menschen kamen auf die Straßen. Letzte Woche gab es gleichzeitig Massen-Proteste in Urimijeh (nach inoffiziellen Berichten mehr als 50.000 Menschen) und Tabriz (mehr als 10.000 Menschen). Auch in Teheran werden inzwischen Flugblätter verteilt.

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Iran: Der Kampf ums Wasser hat begonnen


Urumijeh-See

So, wie der Aralsee schon seit Jahrzehnten austrocknet, ist auch der große Urumije-See im Nordwesten des Irans, in dessen Einzugsbereich schätzungsweise 14 Millionen Menschen leben, von einer zunehmenden Austrocknung betroffen. Die Herrscher des Irans interessieren sich freilich nicht für Ökologie und Arbeitsplätze, ihnen ist das Herrscherrecht auf eine Atombombe und der Zugriff auf die Erdölgelder wichtiger als das Wohlergehen der Bevölkerung.

Das macht die Menschen nicht satt und füllt den See nicht mit Wasser. Die Menschen in Urumijeh und in Tabris, der Hauptstadt von iranisch-Aserbaidschan, gehen deshalb inzwischen einmal pro Woche auf die Straße und protestieren. Zuletzt am Samstag, den 2. September 2011. Die staatlichen Sicherheitskräfte gehen gegen die Demonstranten mit außerordentlicher Brutalität vor. In Tabris wurde laut bisher unbestätigten Berichten sogar ein Jugendlicher direkt von einem „Sicherheits“beamten erschossen, aus Urumijeh werden mindestens 13 Verletzte gemeldet, in vier Fällen hatten die Demonstranten sehr schwere Schussverletzungen erlitten. Wie ein Angestellter des Mottahari-Krankenhauses in Urumijeh mitteilte, seien Beamte in Zivil gekommen und hätten diejenigen Verletzten, die transportfähig gewesen seien, aus dem Krankenhaus geholt und mit unbekanntem Ziel abtransportiert. Die Quelle vermutet, dass die Opfer ins Arefian-Krankenhaus gebracht wurden, dass den Pasdaran untersteht.

Demo in Urumijeh vom 30.08.2011

Polizeikräfte auf dem Weg zur Provinzverwaltung von Urumije

Es heißt weiter, dass in Tabris mehrere Dutzend Verhaftete in ein Gebäude der Bassidschis gebracht wurden.
Kurze Filme auf Youtube aus Tabris und Urumijeh sind zwar zu finden, aber meist schlechter Qualität, weil die Staatsorgane jede Kamera beschlagnahmten, die sie beim Filmen entdeckten.

Aus Tabris 1
Von der Demo in Tabris 2

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General Radan: Wir dulden keine Wasserspiele


Wie berichtet, hatten eine größere Zahl von Jugendlichen vor etwa einem Monat in verschiedenen Städten Irans Wasserschlachten mit Spritzpistolen veranstaltet. General Radan, der auch für seine Folterungen im Kahrisak-Gefängnis berüchtigt ist, bestätigte am Sonntag, den 4. September 2011, dass eine Reihe von Jugendlichen in Teheran, Maschhad, Rascht und anderen Städten wegen der Wasserspiele verhaftet wurden. Er sagte: „Wir dulden keine Wasserspiele.“

Der Generalstaatsanwalt des Landes Mohseni Ezhe‘i (ehemaliger Geheimdienstminister), sagt heute zwar dasselbe, aber mit umgedrehtem Wortlaut:
„Wasserspiele sind kein Verbrechen.“

Und dann folgt auch schon das Kleingedruckte: „Aber wenn jemand unter dem Vorwand von Wasserspielen Handlungen gegen die Scharia, gegen die Sitten und die öffentliche Ordnung vornimmt, ist klar, dass unsere islamische Gesellschaft dies nicht zulässt.“

Und er teilt die Täter auch gleich in zwei Gruppen: Die einen, die nicht gemerkt haben, worum es geht und sich reinlegen ließen – „die werden das dann auch nicht wieder tun“ – und die anderen, die organisiert – und von der langen Hand des Auslands gesteuert – daran teilgenommen hätten. Und mit letzteren werde sich die Justiz befassen.

Also doch verboten.

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Iran: Krieg gegen Kurden geht weiter


Hamid Ahmadi, einer der Kommandanten der Landstreitkräfte der Pasdaran

Am Sonntag, den 04. September 2011, veröffentlichte die bewaffnete kurdische Organisation PJAK eine Erklärung, wonach sie zu einem einseitigen Waffenstillstand bereit sei. Am Freitag, den 02. September 2011, hatten die iranischen Pasdaran (Revolutionswächter) eine neue Angriffswelle gegen die kurdische Organisation gestartet, nachdem es Anfang August schon zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen war.
Wie Hamid Ahmadi, einer der Kommandanten der Landstreitkräfte der Pasdaran, erklärte, habe die Erklärung der PJAK keine Bedeutung, solange sich deren Kämpfer auf iranischem Boden befänden. Solange PJAK nicht bekannt gebe, ihre Kämpfer abgezogen zu haben, gebe es keinen Anlass, irgendwelche Gespräche zu führen.

Bomben auf kurdisches Gebiet
Die kurdische Webseite Rudaw.net meldet unterdessen, dass die iranischen Pasdaran auch Stellungen der offiziellen irakisch-kurdischen Peshmerga bombardiert hätten. Hussein Pirot, Kommandant des 5. Battaillons, erklärt, dass auch ein Bunker der Peshmerga getroffen worden sei, es aber keine Verletzte gegeben habe. Viel schlimmer sei, dass die Zivilbevölkerung, die vor den Kämpfen im August geflohen sei und in Zeltdörfern lebe, unter den erneuten Angriffen leide. Bombensplitter hätten selbst diese Zeltlager erreicht.
Auch die türkische Luftwaffe hat letzten Monat Angriffe gegen die PKK im Nordirak geflogen, ebenfalls ohne Rücksicht auf die Zivilbevökerung. Human Rights Watch hat deshalb die iranische wie die türkische Regierung aufgefordert, alles zu unternehmen, um die Zivilbevölkerung im Irak vor den Schäden dieser Angriffe zu schützen.

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Wilde Blumen wachsen nicht im Blumentopf

Während in Deutschland die Erfahrung des Dritten Reichs zuerst einmal dazu geführt hat, die Formen der klassischen Dichtung als hohles Geklinge vor dem Hintergrund brutaler Gewalt abzulehnen, geht die Kunst im Iran andere Wege. Der Grund dürfte darin liegen, dass der amtliche Islam als etwas Übergestülptes wahrgenommen wird, das der ursprünglichen iranischen Kultur widerspricht. Auf diesem Weg macht die Kunst den Geistlichen und auch den Machthabern um und hinter Ahmadineschad das Monopol auf den Nationalismus streitig.
So greift der Sänger, Regisseur und Komponist Parwaz Homayun zur traditionellen Musik und zur Vieldeutigkeit der islamischen Mystik, um das heutige Regime zu entlarven, die Dichterin Hilla Sedighi kleidet ihre Angriffe auf die verlogene Herrschaft der Geistlichen und der Pasdaran in klassische Versformen und trägt sie mit gekonnter Intonation und Gestik vor. Hier einige Zitate aus ihren Gedichten:

Wilde Blumen wachsen nicht im Blumentopf
gol-e aazaadi golduni nemishe
biyaa andishe zenduni nemishe
Eine freie Blume wird keine Blumentopfblume.
Komm, der Gedanke lässt sich nicht ins Gefängnis stecken!
(Aus Gole Mariyam, einem Gedicht, das sich an die Iraner im Exil richtet.)

Kein Stimmrecht unter 18

zire hejdah nadaarad ra‘y

chunke ham kudak ast o ham xaam ast
har sho‘aare qashang o qolaabi
bar sare entexaabe u daam ast
fahme u az siyaasat ehsaasi
darki az entexaabe bartar nist
zire hejdah agar nadaarad fahm
pas cheraa mostahaqqe e‘daam ast

Wer unter 18 ist
hat kein Stimmrecht
denn er ist noch Kind und unreif
ist er auch
jede schöne, trügerische Parole
ist bei seiner Wahl eine Falle
er beurteilt Politik nur nach dem Gefühl
und begreift nicht, dass er das Bessere wählen soll
Wer unter 18 ist und noch nichts versteht,
warum hat er dann das Recht,
hingerichtet zu werden?

Sie haben Schreibstift, Anstand und Recht gebrochen
injaa qalam o hormat o qaanun shekastand
baa parchame birang (…)
az mamlekate falsafe wo she‘r wo shari‘at
jahl o ghazab o gheflat o enkaar be jaa maand (…)
daadim sho‘aare watani o nashenidand (…)

Sie haben Schreibstift, Anstand und Recht gebrochen
mit einer farblosen Fahne…
von einem Land der Dichter und der Denker
ist nur Ignoranz und Wut geblieben,
Schlamperei und Leugnen…
wir haben Parolen für unsere Heimat gerufen,
und sie haben nichts gehört…

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Iran: Raketen für den Frieden?


S-300 Russisches Langstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem

Mahmud-Resa Sadschadi, iranischer Botschafter in Moskau, erklärte am Mittwoch, den 24.08.2011, dass der Iran Russland verklagen werde, weil das Land die vertraglich vereinbarte Lieferung von S-300 Raketen (es handelt sich um ein modernes russisches Langstrecken-Boden-Luft-Lenkwaffensystem) nicht ausgeführt habe. Moskau soll auf diesem Weg dazu gezwungen werden, das Raketensystem an den Iran zu liefern. Nach Ansicht des Botschafters fällt das Raketensystem nicht unter die Resolution Nr. 1929 des UN-Sicherheitsrats vom 9. Juni 2010 falle, die die Lieferung von Rüstungsgütern an den Iran verbietet, sofern dies zur atomaren Aufrüstung des Landes beitrage. Dmitriy Medvedev, der russische Präsident, hatte unter Berufung auf diese Resolution im September 2010 erklärt, dass die Lieferung des Systems suspendiert werde.
Im Jahr 2005 hatten Russland mit dem Iran einen Vertrag über die Lieferung des Raketensystems im Wert von 800 Millionen US-Dollar geschlossen. Die US-Regierung unter George Bush hatte darauf im August 2006 wegen Verkaufs von Materialien zum Bau von Massenvernichtungswaffen an den Iran ein Embargo gegen RosOboronExport verhängt, so dass die russische Monopol-Firma zwei Jahre lang keine Geschäfte mit der US-Regierung machen durfte. Der Direktor des staatlichen russischen Rüstungsexportunternehmens RosOboronEksport Anatoli Isaki soll am 20. August 2011 geäußert haben, es sei möglich, dass die Resolution des Sicherheitsrats aufgehoben werde.

Laut russischsprachigen Quellen hat der iranische Diplomat auch eine Lieferung über Venezuela an den Iran in Betracht gezogen, während die iranische Website irdiplomatic.com sich bei dieser Variante auf „russische Medien“ beruft, nicht aber auf den iranischen Diplomaten. Irdiplomatic schreibt jedenfalls, eine Lieferung über Venezuela bringe Probleme beim Betrieb und bei der Wartung des Raketensystems mit sich.
Der russische Präsident hatte nach der Suspendierung der Lieferung eine Rückzahlung der vorausbezahlten 160 Millionen Dollar angekündigt, aber der damalige iranische Verteidigungsminister war damit nicht einverstanden und hatte erklärt, er werde Entschädigungszahlungen verlangen.
Es fällt auf, dass iranische Amtspersonen zwar seit einem Jahr davon reden, sie würden Klage erheben, aber man erfährt nicht einmal, vor welchem Gericht.
Es fällt weiterhin auf, dass die russischen Quellen davon berichten, der Iran habe Klage erhoben, während in der persischen Quelle die Rede davon ist, dass der Iran klagen werde. Es werden dabei eindeutig Verbformen des Futurs verwendet.
Das russische Außenministerium sah sich am 25. August veranlasst zu erklären, dass man eine Klage nicht für einen Akt der Freundschaft halte.

Quellen:
http://www.interfax.ru/news.asp?dt=24.08.2011&p=3
http://www.interfax.ru/print.asp?id=204851
http://ukranews.com/ru/news/world/2011/08/24/51192
http://irdiplomatic.com/view-6173-%D8%A7%D8%B3%20300-%D8%B1%D9%88%D8%B3%DB%8C%D9%87-%D8%A7%DB%8C%D8%B1%D8%A7%D9%86.html

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Mehdi Chas‘ali: Die Herrschaften platzen aus der Haut und ich ertrinke in meiner Kleidung


Doktor Mehdi Chas‘ali, drei Tage nach seiner Freilassung

Doktor Mehdi Chas‘ali, der wegen seiner kritischen Aufsätze im Iran inhaftiert wurde, ist wieder frei. Nach 25 Tagen Hungerstreik wurde er am Sonntag, den 14.08.2011 aus der Haft entlassen. Seine scharfe Zunge hat er behalten. So witzelt er: „Die Herrschaften platzen aus ihrer Haut, und ich ertrinke in meiner Kleidung.“ Bei seinem pummeligen Verhörbeamten will er beantragen, dass der Staat ihm eine neue Anzuggarnitur stellt, weil er im Gefängnis so abgemagert ist, dass er in seinem alten Anzug ertrinkt.
Einem Offizier, der ihn zur Staatsanwaltschaft führte und der überrascht war, dass er als einziger Gefangener im Ewin-Gefängnis auf dem Foto seiner Kennkarte mit einem Lächeln zu sehen sei, sagte er:
„Lächle du doch auch – du weißt doch, dass ein einziges Lächeln von dir zu einem Gefangenen dein Guthaben im Jenseits ist, glaube mir, der religiöse Verdienst eines Lächelns zu einem Gefangenen hier im Trakt ist mehr wert als das Abendgebet.“
Mehdi Chas‘ali schreibt aus seiner Website: „Was ist unser Verbrechen? Was haben wir denn angestellt? Abgesehen davon, dass wir nur die Werte der Revolution verteidigt haben. (…) Dass wir die Unersättlichkeit der Herrschaften und ihrer wohlgeborenen Sprösslinge nicht ertragen haben. Dass wir darüber geweint haben, wie dem Islam Unrecht getan wird. Sagt doch endlich, was ist unser Verbrechen? Und lasst uns mit dem leeren Geschwätz in Ruhe, mit dem Ihr Eure Backen aufplustert, von der Sorte „Tätigkeit gegen die nationale Sicherheit“, „Propaganda gegen das System“, (…) „Verrat an Sejd und Omar und Hassan und Hossein und Hinz und Kunz“!
Oder erklärt uns wenigstens, was Ihr unter „dem System“ versteht? Ist seine Exzellenz Ajatollah Fabrikbesitzer, Ajatollah Minenbesitzer und Ajatollah Waldbesitzer, sind die Herrn Söhne, die als Rentiers von den Zinsen leben, das System? Ist eine Regierung des Lugs und Betrugs, eine Regierung der Wahrsager und Horoskope, das System? Sind die „studierten Doktoren“, die Oxford noch nie gesehen haben, das System?“
http://drkhazali.com

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Iran auf dem Energiemarkt Zentralasiens


Der rote Kreis markiert die Lage von Sangtuda-2 am Wachsch-Fluss in Tadschikistan

Sangtuda
Der Wachsch-Fluss entspringt im Süden Kirgisistans und mündet schließlich in den Pandsch-Fluss. Der durch den Zusammenfluss der beiden entstehende Fluss heißt Amudarya und fließt weiter durch Usbekistan. Schon zu Sowjetzeiten waren an diesem Fluss Staudammprojekte geplant und begonnen worden, die bekanntesten Flusskraftwerke am Wachsch tragen die Namen Nurek, Rogun (im Bau) und Sangtuda.


Sangtuda-2

Der Bau der Wasserkraftwerke Sangtuda-1 und Sangtuda-2 war Ende der 1980er Jahre begonnen aber wegen des tadschikischen Bürgerkriegs in den 1990er Jahren abgebrochen worden. 2005 wurde ein Abkommen zwischen Russland, Tadschikistan und Iran unterzeichnet, das Kraftwerk Sangtuda-2 zu Ende zu bauen. Auf iranischer Seite ist das Unternehmen „Sangob“ federführend. Die Baukosten belaufen sich auf ca. 220 Mio US-Dollar, wovon der Iran 180 Mio. übernimmt, Tadschikistan 40 Mio. Um die iranischen Investitionen zu amortisieren, soll das Kraftwerk nach Inbetriebnahme 12 Jahre lang im Besitz des Irans bleiben, dann übergehen die Eigentumsrechte an Tadschikistan. Das Kraftwerk hat eine geplante Leistung von 220 Megawatt.


Dementi einer Blockade von usbekischer Seite – nur „Reparaturarbeiten“

Usbekische Regierung als Gegner
Die usbekische Regierung hatte zu verschiedenen Mitteln gegriffen, den Bau des Kraftwerks zu verhindern. So hatte ursprünglich China Interesse am Bau der Anlage, aber auf usbekischen Druck davon abgelassen. Im Jahr 2010 wurden durch Usbekistan reisende Güterwaggons mit Anlagenteilen für den Bau des tadschikischen Kraftwerks blockiert, was laut Angaben des Direktors der iranischen Firma Sangab zu einer Verzögerung der Bauarbeiten führte. Vermutlich dürfte das auch der Grund sein, warum die Firma 120 Tonnen schwere Anlagenteile in diesem Jahr per Flugzeug nach Duschanbe transportierte.

Das liebe Geld
Behsad Eslahtschi, Executive Director der iranischen Firma Sangab erklärte, dass das iranische Energieministerium sich vertraglich gegenüber Tadschikistan verpflichtet hatte, mit Anteilen der beteiligten iranischen Firmen die Gründung einer Firma namens „Projekt Sangtude 2″ (Prozhe Sangtude 2) zu betreiben.
Die Bauarbeiten begannen mit der Überweisung der ersten Rate durch die iranische Außenhandelsbank „Bank-e Touse‘e-ye Saderat-e Iran“ (Bank zur Entwicklung der Exporte des Irans / Export Development Bank of Iran (EDBI)), die auch der Hauptfinancier dieses Projekts ist.
Auf die Frage, ob sich das Projekt für den Iran lohne, antwortete Eslahtschi: „Beim Verkauf von jeder Kilowattstunde Strom ist ein Preis von 3 Cent anvisiert, damit wird der Stromverkauf innerhalb von 12 Jahren die Kosten des Irans decken.“
In der Überschrift des iranischen Artikels ist von 932 Gigawattstunden aus Sangtude-2 die Rede. Das ergäbe bei einem Strompreis von 3 Cent pro Kilowattstunde Einnahmen von rund 28 Millionen Dollar. Falls das jährliche Einnahmen sind, wären die 180 Millionen Dollar, die vom Iran bis 2011 investiert wurden, über den vereinbarten Zeitraum von 12 Jahren mit 336 Millionen Dollar entgolten, vorausgesetzt, die Anlage leistet, was sie soll.

Die Tadschiken haben 12 Jahre nichts von dem Strom
Tadschikistan selbst hat sich zwar eine Liefergarantie für Strom geben lassen, aber Eslahtschi geht davon aus, dass das Land nicht die Kaufkraft hat, um den Strom aus diesem Kraftwerk zu kaufen. „Laut Vertrag dürfen wir den Strom von Sangtude-2 an die anderen Nachbar-Länder verkaufen.“
http://sabainfo.ir/newsdetail-10289-fa.html


Export Development Bank of Iran (EDBI)

Und wohin werden die Einnahmen fließen?
Da der Hauptinvestor von Sangtude-2 eine iranische Staatsbank ist (Direktoren: Bahman Vakili, Dr. Mojtaba Harati Nik, Dr. Hossein Eyvazlou, Dr. Mirsaeed Nikzad Larijani, Naser Seifollahi), bleibt die Frage, wohin die Einnahmen aus dem Stromgeschäft der nächsten 12 Jahre gehen werden. Werden sie jemals im iranischen Staatshaushalt als Einnahmen auftauchen? Werden sie dazu dienen, Ahmadineschad und Co. auch noch nach ihrem Abgang einen geruhsamen Lebensabend zu sichern? Hat sich auch die tadschikische Regierung einen Anteil daran gesichert?

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Iran: Kinderarbeit


Diese Fotoreihe der iranischen Nachrichtenagentur Mehr spricht für sich, auch ohne Kommentar. Die Ketten, die die Kinder und auch Erwachsene unter diesen Bedingungen herstellen, dienen übrigens der Selbstauspeitschung von Gläubigen im schiitischen Trauermonat Moharram.

Und jetzt stehen diese Kinder in Konkurrenz zu chinesischen Produzenten, deren Produkte für Gläubige auch den iranischen Markt überschwemmen, eine lukrative Einnahmequelle für Pasdaran, ein Arbeitsplatzkiller für die Iraner.

Das scheint der Lösungsansatz der iranischen Geistlichkeit und der Fraktion um Ahmadineschad für das Problem der schlechten Arbeitsbedingungen und Löhne: sie zerstören die Arbeitsplätze, dann gibt es auch keine schlechte Arbeit mehr, sondern nur noch Hunger.


Zu Gottes Wohlgefallen?

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