Archiv der Kategorie 'Arbeitskampf'

Iran: Verhaftungswelle gegen aserbaidschanische Gewerkschafter, Umweltschützer, Künstler und Studenten


Zentralgefängnis von Tabris

In den nordwestlichen Provinzen des Irans wurden in den letzten Tagen zahlreiche Vertreter der aserbaidschanischen Kulturbewegung verhaftet. Betroffen sind Studentinnen und Studenten, JournalistInnen, Gewerkschaftsmitglieder und KünstlerInnen. Ein Teil der Verhafteten wurde zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt.

Inhaftierung des Journalisten und Webloggers Ebrahim Raschidi

Der Verein zur Verteidigung der aserbaidschanischen politischen Gefangenen im Iran berichtete über die Inhaftierung des Journalisten und Webloggers Ebrahim Raschidi, sowie einer Reihe von Studenten der Hochschule von Tabris.
Dschalal Ebrahim, der Bruder von Ebrahim Raschidi, erklärte in einem Interview gegenüber dem Sender Radio Farda, dass sein Bruder seit 13 Tagen im Hungerstreik steht. Er protestiert damit gegen seine Inhaftierung, für die bis heute keine Begründung gegeben wurde. Die Anklage gegen ihn ist ihm unbekannt. Als Dschalal Ebrahim und ein älterer Bruder sich wegen einer Besuchserlaubnis an das Revolutionstribunal von Tabris wandten, wurden sie dort mit groben Worten abgewiesen.

23,5 Jahre Gefängnis gegen Gewerkschafter
Laut einer weiteren Meldung wurden Sasan Wahebiwasch, Mohammad Dscharrahi, Schahroch Samani und Nima Purya‘qub, die im Nordwestiran in der Arbeiterbewegung aktiv sind, von der 1. Kammer des Revolutionstribunals Tabris zu 23,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr Anwalt Naqi Mahmudi, der vor ein paar Monaten in die Türkei fliehen konnte, erklärte, dass die Verurteilten nichts anderes wollten als eine Gewerkschaft zu gründen. Sie wurden verhaftet, bevor sie überhaupt die Gründung durchführen konnten. Der Vorwurf: Delikte gegen die Sicherheit des Landes, Propaganda gegen das herrschende System und Mitgliedschaft in Gruppierungen, die die Sicherheit des Landes beeinträchtigen wollen.

Komponisten für den austrocknenden Urmiasee vor Gericht
Vier Künstler, darunter Meister Hassan Demirtschi, wurden unter dem Vorwurf, eine Hymne über den austrocknenden Urmiasee verfasst und die Musik dazu geschrieben zu haben, vom Revolutionstribunal Tabris verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Der geflohene Anwalt Naqi Mahmudi erklärte, dass sowohl die Umstände der Verhaftung wie auch die Gefängnisse, in denen die Künstler untergebracht seien, unter jeder Würde seien.
Weitere Aktivisten wurden zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie gegen die Verhaftungen vom September 2011 im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen das Austrocknen des Urmiasees protestiert und Poster dazu verbreitet hatten.

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Streik der LKW-Fahrer für Baumaterialien in Teheran

Die Fahrer der LKWs für Baumaterialien in Teheran streiken seit einigen Tagen. Sie haben ihre Arbeit niedergelegt, um der Forderung nach einer Verdoppelung ihres Lohns Nachdruck zu verleihen. Sie begründen das mit den rasant steigenden Lebenshaltungskosten.

Selbst die Unternehmer leiden derzeit unter der Inflation, verbunden mit Festpreisen in bestimmten Segmenten. So weigern sich viele, ihre Ware zu den von der Regierung vorgeschriebenen Preisen zu verkaufen.

Einige LKW-Fahrer waren in den letzten Tagen mit privaten Autos unterwegs, um den Streik auch gegen Streikbrecher durchzusetzen. Es wurden die Windschutzscheiben der LKWs eingeworfen, die sich nicht an den Streik hielten. Die Lastwägen dürfen in Teheran grundsätzlich nur in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens fahren.

Nicht nur die Transporte von Baumaterialien waren durch den Streik betroffen. Auf vielen Baustellen konnten auch andere Maschinen nicht betrieben werden, weil die Baumaterialien fehlten.

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Lokomotivführerstreik im Iran


Ein iranischer Schaffner

Seit etwa einer Woche streiken vor allem im Nordosten des Irans Lokomotivführer. Sowohl über das Ausmaß des Streiks wie auch über die Forderungen der Lokomotivführer ist wenig bekannt geworden. Das Vorgehen der Streikenden ist für die Reisenden sehr ärgerlich, aber originell. Die Lokomotivführer steigen an irgendeiner Station der Strecke aus und gehen. Der Zug bleibt dann stehen, samt Insassen. Aus verschiedenen Städten – aus Maschhad, Arak, Semnan – werden mehrstündige Zugverspätungen gemeldet. Die staatlichen Stellen versuchen, Lokomotivführer aus anderen Landesteilen zu holen, um die stehenden Züge wieder in Bewegung zu setzen.

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Nordiran: Fabrikdirektor im Klo eingesperrt

Im Iran kommt es immer häufiger vor, dass die Arbeiter über Monate oder gar ein Jahr hinweg ihren Lohn nicht ausbezahlt bekommen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit haben die Betroffenen auch nicht einfach die Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu wechseln. Da es im Iran keine unabhängigen Gerichte gibt, haben sie auch nicht die Möglichkeit, ihre Rechte auf diesem Weg einzufordern. Die Arbeiter einer Textilfabrik im Nordiran, in der etwa 400 Menschen angestellt sind, haben deshalb zu einer ungewöhnlichen Protestform gegriffen – sie haben den Direktor einen halben Tag lang im Klo eingesperrt und verlangt, dass der Lohn ausgezahlt wird, sonst würde er nicht freigelassen. Der Verwaltungschef dieser Stadt, dem auch die Polizei untersteht, hat darauf interveniert und den Arbeitern versprochen, dass ihre Löhne ausgezahlt würden, wenn sie den Direktor wieder freilassen. Der Direktor kam frei, die Löhne wurden immer noch nicht gezahlt.

Neues Arbeitsgesetz seit einem Jahr – kein Grund zum Feiern
Auch in Teheran kam es jüngst zu Protesten. Vor etwa drei Wochen versammelten sich rund 3000 Arbeiter vor dem Parlamentsgebäude, um gegen das vor einem Jahr verabschiedete Arbeitsgesetz zu protestieren. Artikel 112 und 115 dieses Gesetzes stuft Arbeiter, die keine formale Ausbildung durchlaufen haben, sondern ihr Fach im Betrieb erlernt haben, bis zum 60. Lebensjahr (!) auf die Ebene eines Lehrlings herab. Ein Lehrling erhält im Iran einen viel schlechteren Lohn als ein Arbeiter, er hat eine schlechtere Versicherung und kann jederzeit ohne Abfindung entlassen werden. Wenn man bedenkt, dass das Berufsausbildungssystem im Iran nicht so entwickelt ist wie in Deutschland oder der Schweiz, wo eine Ausbildung die Regel ist, trifft eine solche Regelung viel mehr Menschen als dies hier der Fall wäre. Angesichts der massiven Unterdrückung jeglicher Proteste unter Ahmadineschad ist eine Versammlung von 3000 Menschen beeindruckend. Viele von ihnen waren in Vertretung weiterer Arbeiter aus dem ganzen Iran vor dem Parlament erschienen. Man kann davon ausgehen, dass diese Arbeiter in den amtlichen islamischen „Gewerkschaften“ organisiert sind, aber offensichtlich kann selbst die Überwachung dieser Gewerkschaften durch die Pasdaran nicht mehr verhindern, dass sich der Protest sogar über diese staatsnahen Institutionen ausdrückt.

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Iran: Streik in der Petrochemie

In der iranischen Hafenstadt Bandare Imam Chomeini (früher: Bandare Maaschur) streiken seit Sonntag, den 25. September 2011, die Arbeiter der Petrochemie. Die Firmenleitung hatte bei früheren Verhandlungen die Umsetzung verschiedener Forderungen der Arbeitnehmer zum jetzigen Zeitpunkt versprochen, hat jetzt aber ihre Verhandlungsvertreter zurückgezogen und angekündigt, zwei Wochen später zum nächsten Treffen zu erscheinen. Die Arbeitnehmer sehen dies als Hinhaltetaktik des Arbeitgebers, und haben ihm ein Ultimatum von drei Tagen gesetzt, um auf ihre Forderungen einzugehen. Allein am Sonntag hatten 6000 Arbeitnehmer vor dem Verwaltungsgebäude der Firma demonstriert. Arbeitnehmer anderer Petrochemiefirmen der Region haben angekündigt, sich den Streikenden anzuschließen. Wir werden über den Fortgang des Streiks berichten.

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Leiharbeit im Iran

Seit Samstag, den 9.04.2011, befinden sich Arbeiter der Bandar Imam Petrochemical Co. am Persischen Golf – ein Unternehmen der National Iranian Petrochemical Company (NIPC) – und Arbeiter der Papierfabrik Haftape in Chuzestan im Streik. In der Papierfabrik streiken 1000 Arbeiter, bei dem petrochemischen Unternehmen streiken 1500 Arbeiter.

Es handelt sich in beiden Fällen um Leiharbeiter, die über keine Festanstellung in den Unternehmen verfügen. Die Bedingungen für Leiharbeit im Iran sind prekär: Die Leiharbeitnehmer sind nicht sozialversichert, müssen immer wieder Lohnausfälle hinnehmen, haben ein geringeres Lohnniveau und viel Fluktuation.

Die Streikenden fordern, wie die übrigen Arbeiter dieser Unternehmen auch, feste Arbeitsverträge. In dem Petro-Chemie-Unternehmen wurden diese Forderungen durch Solidaritätsstreik in anderen Zweigfirmen (Bou Ali Project, Razi Petrochemical Co., Amir Kabir Project) unterstützt.

Bislang waren nur die kleineren Betriebe im Iran von solchen Arbeitskämpfen rund um das Thema Leiharbeit betroffen. Dass nun auch bei Großbetrieben gestreikt wird, hat eine neue Qualität.

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Streiks in der Reifenfabrik Albors, in der Nähe von Teheran

Letzten Samstag und Sonntag streikten 1300 Arbeiter der Reifenfabrik Albors. Dieser Streik wurde nötig, nachdem die Forderungen des vorangegangenen Streiks im Dezember letzten Jahres nicht erfüllt worden waren.

Damals gab es einen Ausstand, weil die Löhne der letzten Monate nicht ausbezahlt worden waren. Die Arbeiter forderten damals, dass diese zurückliegenden Schulden beglichen und fortan die Löhne immer pünktlich gezahlt werden. Das wurde ihnen von der Direktion und einem Vertreter des Industrieministeriums auch so versprochen.

Doch das Versprechen wurde nicht gehalten. Nach Ablauf des Monats Januar steht fest, dass es wieder kein Geld gab.

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Krise im iranischen Industriesektor

Viele ArbeiterInnen im Iran sorgen sich um ihren Arbeitsplatz aufgrund der jüngsten Preissteigerungen und Inflation.

Ausstehende Löhne

Schon heute haben sie ein großes Problem: sie erhalten den ihnen zustehenden Monatslohn oft nicht oder nicht regelmäßig. Das gilt sowohl für die normalen Arbeitszeiten als auch für die Überstunden. Der Mindestlohn liegt bei 303.000 Toman (Erläuterung: ein Liter Benzin kostet ca. 700 Toman, ein Kilo Fleisch ca. 20.000 Toman und ein Laib Brot 300 Toman). Laut den offiziellen Nachrichtenagenturen und den Websites der Arbeiterorganisationen wird der Mindestlohn in vielen Betrieben nicht regelmäßig ausbezahlt und somit ebenfalls unterschritten. Die Nachrichtenagentur ILNA berichtet, dass Araya Hosseini, der Sprecher eines Arbeitervereins im Röhrenbau-Unternehmen Karchaneye Lulesazi Chuzestan, darauf hingewiesen habe, dass 500 bis 600 Arbeiter 18 Monate lang ihren Lohn nicht erhalten hätten. Ein Arbeiter des Unternehmens ergänzt, dass sie ohne ihren Lohn noch nicht mal ein Stück Brot kaufen könnten und dass das Leben für sie sehr schwierig geworden sei. Aus Sicht der Islamischen Republik möge das Problem vielleicht einfach erscheinen, doch sie wüssten nicht, wem sie dieses Problem schildern sollten.

Streiks

Wenn man die Berichte im ganzen Iran aufmerksam verfolgt, kann man jeden Tag über Arbeitsniederlegungen, Versammlungen von Arbeitern vor den Fabriken oder lokalen Parlamentsgebäuden und sogar von Streiks lesen. 3500 Arbeiter der reifenproduzierenden Fabrik Karchaneye Lastike Bares in Kermanshah, Südwestiran, streiken seit letztem Samstag, dem 8.01.2011, weil die Jahressonderzahlungen um 50.000 bis 200.000 Toman reduziert worden sind. Die Verträge zwischen Arbeitern und Unternehmern haben hier eine Laufzeit von gerade mal vier Wochen. Die Forderung der Arbeiter ist, dass ihre Verträge auf mindestens ein Jahr befristet werden. Der Leiter der Sicherheitskräfte drohte allerdings bereits mit dem Einsatz von Spezialeinheiten, falls der Streik nicht beendet würde.

Bis dato haben noch keine staatliche Medien oder lokale Zeitschriften auch nur ein Wort über diese Arbeitskämpfe berichtet.

Industriesektor am Ende

Ali Karemi, Sprecher des Arbeitervereins von Ghazvin, betont, dass 70% der Unternehmen in einem großen Industriegebiet in unmittelbarer Nachbarschaft von Ghazvin große wirtschaftliche Probleme haben. Und Sharif Hosseini, stellvertretender Leiter der iranischen Industriekommission, hat letzte Woche im Parlament deutlich gemacht, dass 23 wichtige Industrieeinheiten in Khuzestan bald aufgrund ihrer wirtschaftlichen Probleme geschlossen würden.

Die Firmen Sherkate Iranmaye (ein Chemieunternehmen in der Stadt Shariya, 40 km von Teheran entfernt), Karchaneye Motorcyclet Sazi (eine Motorradfabrik im Verwaltungsbezirk Koh Kiluye Va Boyrahmad) und Karchaneye Zobefelezat (eine Metallgießerei in Khoramdare) sind im letzten Monat Bankrott gegangen und geschlossen worden. Siebentausend große und kleine Unternehmen, Textilfabriken, Keramikhersteller, Holz- und Papierverarbeitende Unternehmen, Kupfer-, Blei und Aluminiumfabriken, Kachelhersteller, die Zucker-, Heizöl- und Chemiefirmen, Pharmaunternehmen, Glashersteller, Hersteller von Milchprodukten, etc., die nicht mehr aus eigener Kraft existieren konnten, haben im vergangenen Jahr einen staatlichen Kredit bekommen und konnten diesen bis heute nicht zurückzahlen. Der Stellvertreter des Industriebeauftragten im Parlament hat daher verlangt, dass ein Gesetzentwurf verabschiedet wird, der diesen Unternehmen verbietet, zu schließen.

Asis Akbarian, Mitglied der Industriekommission im iranischen Parlament, wies vor dem Parlament darauf hin, dass viele Fabriken wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation ihre Waren nur noch in sehr geringer Qualität produzierten. Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Preise zu hoch und damit nicht konkurrenzfähig. Wirtschaftsfachleute im Iran merkten an, dass viele Menschen, Anhänger der Regierung oder bestimmter Mullahs, sowie deren Kinder und Verwandte, von dieser Situation profitieren und versuchen, sie auszunutzen, indem sie Waren aus dem Ausland importieren. Neben diesen gesellschaftlichen Gruppen hätten nur noch die Revolutionswächter und die Geheimdienstmitglieder die Möglichkeit, ausländische Währungen zum offiziellen, staatlichen Kurs anzukaufen und damit aus dem Ausland importierte Waren zu realen Preisen im Inland zu verkaufen.

Die Website ‚Aftab‘, die Ali Akbar Hashemi Rafsanjani nahesteht, dem Vorsitzenden des Expertenrates und des Schlichtungsrates im Iran, schrieb, dass die jüngste Maßnahme von Ahmadinejad, die Subventionen zu kürzen, den Effekt habe, die Energiepreise im Verhältnis zum Rest der Welt dramatisch zu erhöhen. Der wichtige Industriesektor verbrauche 33% des im Iran hergestellten Stroms, 27% des geförderten Gases und 38% des Heizöls und würde aufgrund dieser Preissteigerung bald in eine große Krise geraten. Was, so fragt Aftab, wolle der Staat mit den ganzen Arbeitslosen machen, die dann auf der Straße stünden.

Entlassungen

Ein Kleinunternehmer aus Teheran hat letzte Woche geklagt, dass er vor den jüngsten Subventionskürzungen noch 20 Arbeiter zum Teil schon seit über 10 Jahren beschäftigt habe (die ihrerseits 110 Angehörige unterhalten!). Nun war er gezwungen, 15 von ihnen zu entlassen, und musste selbst wieder die Arbeitsmontur anzuziehen, um mit den verbliebenen 5 Arbeitern den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten. Er sagt: „Herr Ahmadinejad, ich sage Ihnen, so ist die Situation in meinem Betrieb, und Leute wie mich finden Sie viele im Iran. Wir alle steuern auf einen Bankrott zu.“

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Arbeiterprotest in der iranischen Reifenfabrik Kian – Tire

Am Samstag, den 2. Oktober, haben die Arbeiter der Reifenfabrik Kian-Tire ihre Arbeit niedergelegt um für die Auszahlung von ausstehenden Löhnen zu demonstrieren. Seitens der Direktion gab es jedoch keinerlei Reaktion. Am darauffolgenden Sonntag versammelten sich die Arbeiter vor dem Wachschutzgebäude des Unternehmens und verweigerten Mittags das Essen.

Am Nachmittag akzeptierte der Direktor das Gespräch mit Vertretern der Arbeiter. Im Anschluß kam er raus zu den Streikenden und versprach ihnen, dass all ihre Wünsche erfüllt würden. Sie bräuchten nicht weiter zu streiken und sollten wieder an die Arbeit gehen. Doch die Arbeiter protestierten weiter und entgegneten, dass ihre Ohren voll seien mit Versprechungen der Geschäftsleitung. Der Direktor drohte daraufhin mit der Polizei.

Ein Arbeiter wollte wissen, was er denn schlimmes verbrochen hätte, dass der Direktor mit der Polizei drohen müsse. Er hätte nur den Lohn verlangt, der ihm zustehe. Sie hätten große Probleme ohne Lohn den Lebensunterhalt zu bestreiten. Der Arbeiter war dabei so aufgeregt, dass er nicht weitersprechen konnte, auf den Boden sank und bewusstlos wurde.

All dies rief die Wut der anwesenden Arbeiter hervor. Der Direktor und weitere der Unternehmensleitung nahestehenden Personen wurden vom Betriebsgelände geworfen. Die Arbeiter bekräftigten, dass sie ihren Streik so lange fortsetzen würden, bis ein Vertreter des Staats käme und die Probleme löse.

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Versammlungen zum 1. Mai im Iran


rotes Plakat: „Der Tarifvertrag verstösst gegen die Verfassung“
gelbes Plakat: „Der Tarifvertrag wird jeden Tag schlechter“

Laut www.akhbar-rooz.com sind am Samstag, den 1. Mai, gegen 16 Uhr Menschen aus verschiedenen Richtungen auf das Arbeitsministerium in Teheran zugegangen. Doch die Freiheitsstrasse war voller Sicherheitskräfte und Polizei, insbesondere direkt vor dem Ministerium. Sie verhinderten, dass die Menschen sich vor dem Gebäude versammeln konnten. Die Menschen verteilten sich in den Nebenstrassen und riefen Parolen. Augenzeugen berichteten, dass gegen halb sechs Uhr in der Jeyhun-Strasse „Tod dem Diktator, Tod dem Diktator“ zu hören war. Spezialgarden haben eingegriffen, wurden aber in ihrer Beweglichkeit durch die vielen Autos auf der Strasse eingeschränkt. Von den Autos erklang ein Dauerhupen als Protest. Die Menschen verteilten sich in kleinen Gruppen zu etwa hundert Personen und riefen Parolen, so lang keine Sicherheitskräfte oder Bassiji auf Motorrädern in Sichtweite waren.

Zusätzlich zu den Aktionen in diesem Stadtteil versammelte sich eine Gruppe von Arbeitern vor dem Islamischen Parlament. Auch hier hörte man gegen die Regierung gerichtete Parolen wie „Tod dem Diktator“ und sah Sicherheitskräfte, die die Menschen schlugen.

Ähnliche Versammlungen der Arbeiter gab es in Schiraz, Tabriz, Ghazwin und anderen Städten:

In Schiraz sammelten sich die Arbeiter vor dem Gebäude des Gouverneurs. Unter anderem wurde ein Plakat hochgehalten auf dem „Schwarzes Schicksal“ stand. Ein anderes Plakat lautete: „Arbeiter, wir gratulieren dir zu dem Tag, an dem du arbeitslos wurdest.“


„Arbeiter, wir gratulieren dir zu dem Tag, an dem du arbeitslos wurdest.“

In Ghazwin haben sich gegen 9 Uhr tausende Arbeiter in einem Sportstadion versammelt und Parolen für ihre Rechte gerufen. Von Vertretern der Belegschaften verschiedener Firmen wurden Reden gehalten. In der gesamten Stadt waren Spezialgarden und Sicherheitskräfte im Einsatz und kontrollierten die Menschen.

In Tabriz fand um 11 Uhr eine Versammlung mit tausenden Arbeitern vor dem Arbeitsamt statt. Mehr als 40 Fahrzeuge von Sicherheitskräften, der Polizei, Geheimdienst und Männern in Zivil waren vor Ort und versuchten die Versammlung aufzulösen.

In Sanandaj versammelten sich gegen 11 Uhr Aktivisten der Arbeiter, der fliegenden Händler und der Studenten inmitten des Basars. Anfangs wurden Süssigkeiten und Flugblätter verteilt, im Anschluss daran hielten die Vertreter der drei Gruppen eine Rede und gratulierten zum Arbeiterkampftag am ersten Mai. Gegen Ende wurde ein Forderungskatalog mit 10 Punkten verlesen.

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Erklärung des Rats der Lehrergewerkschaft

Am 2. Mai wird in unserem Land traditionell der Tag des Lehrers begangen. An diesem Tag wurden Dr. Abolhasan Khanali und Ostad Motahari getötet. Darunter leidet unsere Gesellschaft. Beide sind Opfer der Brutalität. Anderswo in der Welt hätten die Lehrer an so einem Tag das Recht, zu demonstrieren, sich zu versammeln und ihre wirtschaftliche und sonstigen Probleme zu benennen. Auch die iranische Verfassung hat uns dieses Recht gegeben. Aber tatsächlich wird ein Lehrer streng bestraft, sollte er es wagen zu demonstrieren.

Unsere erste Forderung lautet daher: Freiheit für alle Lehrerinnen und Lehrer, die im Gefängnis sitzen. In der Schule herrscht ein Klima der Angst, und ein Lehrer kann sich bei seiner Arbeit nicht sicher fühlen. Das muss geändert werden.

(…)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir, die Mitglieder des Zentralrats der Lehrergewerkschaft, treten ab dem 2. Mai für die Dauer von 6 Tagen in den Hungerstreik für unsere Kolleginnen und Kollegen, die zu Unrecht im Gefängnis oder von der Hinrichtung bedroht sind.

Am 2. Mai werden sich die Lehrer und Lehrerinnen von 13:30 Uhr bis 19:30 Uhr am Grab von Dr. Abolhasan Khanali in Teheran und dem Grab von Ostad Motahari in Qom versammeln.

Wir erwarten Unterstützung von der Internationalen Lehrervereinigung (EI), bei der wir Mitglied sind.

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Einladung zur 1. Mai – Feier in Teheran

Der Rat zur Vorbereitung des traditionellen Arbeiterkampftages lädt alle ArbeiterInnen und die Menschen, die für Freiheit im Iran kämpfen, ein, diesen Tag feierlich zu begehen. Es ist für kommenden Samstag, den 1. Mai, geplant, sich zunächst vor dem Arbeitsministerium in der Freiheitstrasse zu sammeln und sich von dort in einem Demonstrationzug zum Revolutionsplatz zu begeben. In ihrer ersten Erklärung sind 8 Punkte aufgeführt:

Arbeiter, Lehrer, Studenten, Krankenschwestern, Tagelöhner, Frauen und Männer und alle Iraner, die für die Freiheit sind!

Dieses Jahr haben wir am internationale Tag der Arbeit, dem 1. Mai, Forderungen im Bereich der Demokratie, Wirtschaft, Freiheit und Politik.

  1. Sofortige Freiheit für alle Politischen Gefangenen (Arbeiter, Lehrer, Studenten, Frauen, Journalisten usw.)
  2. Freiheit für alle unabhängigen Organisationen, Vereine, Parteien und Freiheit für alle Medien.
  3. Angesichts der offiziellen Armutsgrenze von 900.000 Toman pro Monat akzeptieren wir den staatlich festgeschriebenen Mindestlohn von nur 300.000 Toman nicht.
  4. Wir akzeptieren nicht den staatlichen Plan zur Subventionierung.
  5. Wir unterstützen die Frauenbewegung, Kinderrechtsbewegung und die Studentenbewegung
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Folter und Gefängnis im Iran

Rasul Bodaghi
Rasul Bodaghi, politischer Gefangener, Lehrer, Mitglied der iranischen Lehrervereinigung sowie Mitglied der Gruppe „Menschen, die für Menschenrechte im Iran aktiv sind“, wurde zwei Monate nach den letztjährigen Präsidentenwahlen festgenommen und sitzt seitdem im Ewin Gefängnis ein.

Die Nachrichtenagentur Horana berichtet, dass er nun in einem Offenen Brief seine Erlebnisse aufgeschrieben und für das kommende Wochenende einen zweitägigen Hungerstreik angekündigt hat. Der 2. Mai ist im Iran ein Gedenktag für einen Lehrer der unter dem Schah im Verlauf eines Lehrerstreiks umgekommen ist.

Abdul Reza Ghanbari
Abdul Reza Ghanbari ist ein Universitätsprofessor sowie Gymnasiallehrer und wurde sieben Monate nach den Wahlen mitten im Unterricht festgenommen. Einen Monat später wurde er von einem Islamischen Revolutionsgericht zum Tode verurteilt. Er sitzt im Ewin-Gefängnis im Trakt 209. Er ist Autor von fünf Büchern und Herausgeber von zwei Zeitschriften.

Habibollah Golparipur
Habibollah Golparipur, ist Kurde aus Sanandaj. Seit sechs Monaten befindet er sich als Politischer Gefangener im Gefängnis von Mahabad. Lange Zeit erlitt er Folter im Gefängnis von Sanadaj, später wiederholte sich das in Mahabad. Er wurde ebenfalls von einem Islamischen Revolutionsgericht zum Tode verurteilt. Vorgeworfen wurden ihm Partei-Aktivitäten die gegen die Islamische Republik Iran gerichtet waren.

Ghader Mohammad Zade, Mohammad Amin Abdullahi
Die o.g. Personen sind Kurden aus der Stadt Bukan. Sie wurden vor drei Jahren festgenommen und sehr stark gefoltert. Aufgrund der Folter mussten beide bestätigen, was die Folterer verlangten. Ghader wurde vom Islamischen Revolutionsgericht zu 23 Jahren Haft verurteilt und Mohammad wurde zu 18 Jahren Haft verurteilt. Zur Zeit befinden sie sich im Gefängnis der Stadt Urumiye.

Keywan Gudarsi
Keywan Gudarsi hat an der Universität von Belutschistan studiert. Er war aktiv bei der Grünen Bewegung und wurde vor zwei Wochen festgenommen. Er starb unter der Folter. Letzten Donnerstag, um 1 Uhr, wurde seine Leiche vom iranischen Geheimdienst nach Gilan-e-Gharb, in der Provinz Kermanshah, überführt. Den Verwandten, die davon erfahren hatten und frühzeitig in Gilan-e-Gharb warteten, war es nicht möglich, die Leiche zu Gesicht zu bekommen. Sie wurde sofort bei der Ankunft in die Leichenhalle gebracht, zu der die Verwandten keinen Zutritt hatten. Donnerstag vormittag, um 9 Uhr, versammelten sich eintausend Menschen an seinem Grab.

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Lehrerstreiks im Vorwahlkampf

Während die Regierung Ahmadineschad in den letzten vier Jahren mit allen Kräften versucht hat, die Proteste von Lehrern zu unterdrücken, ist es jetzt – in der Zeit vor den Wahlen, erneut zu einer öffentlichen Aktion gekommen. Lehrkräfte in Rascht, Eslamschahr, Kermanschah haben laut Bericht der iranischen Lehrergewerkschaft (Kanun-e Senfi-ye Moalleman) am 28. April 2009 erfolgreich die Schule bestreikt. Die Schuldirektoren versuchten, sich dem zu widersetzen, indem sie die Schüler in der Schule festhielten und die Tore der Schulhöfe verschlossen. Die Folge war, dass es auch seitens der Schüler zu Protesten kam.

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Schließung einer Reifenfabrik in Ardabil (Nordwestiran)

Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtet, dass am Samstag, den 20.12.2008, mehr als tausend Arbeiter einer Reifenfabrik sich friedlich vor dem Gouverneursgebäude von Ardabil versammelt haben. Die Arbeitersprecher sagten, dass ihre Fabrik vor zwei Wochen geschlossen worden ist. Niemand, weder seitens der Fabriksleitung noch seitens des Staates, sei zu ihnen gekommen, um darüber zu sprechen, was man noch tun kann. Aus diesem Grund sind alle zum Prediger des Freitagsgebets, einem Vertreter von Chamenei, gegangen.

Die Fabrik war im Jahr 1996 gegründet worden und war noch vor 2 Wochen mit ihrer gesamten Kapazität ausgelastet gewesen.

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