Archiv der Kategorie 'Atomenergie'

Iranische Außenpolitik = Atompolitik?


Manuchehr Mottaki und Ahmadinejad

Der bisherige iranische Außenminister Manuchehr Mottaki musste heute, Montag, den 13.12.2010, überraschend seinen Hut nehmen. Die kommissarische Leitung des Amtes übernimmt Ali Akbar Salehi, derzeitiger Vizepräsident des Irans und Verantwortlicher für das Iranische Atomprogramm.

Der Entlassungsbrief von Ahmadinejad an Mottaki weist die üblichen Höflichkeitsfloskeln auf – ihm wird für seine Mühen gedankt und seine Erfolge werden gewürdigt. Die Entlassung wurde vorgenommen, als Mottaki im Senegal Ahmadinejad vertrat.

Mottaki war seit 2005 iranischer Außenminister. In den letzten Monaten gab es vermehrt Konflikte zwischen ihm und Ahmadinejad. Weil Mottaki ein enger Vertrauter des Religiösen Führers war und dieser seine schützende Hand über ihn hielt, konnte Ahmadinejad ihn bislang nicht loswerden. Immerhin beschränkte er dessen Einfluß, indem er verfügte, dass Mottaki seine Außenpolitik stets mit einem Asien-, einem Europa- und einem Afrikaexperten aus dem Büro Ahmadinejads abstimmen musste. Nun wurde auch diesem machtlosen Zustand ein Ende gesetzt.

Bereits gestern tauchten auf verschiedenen, Ahmadinejad nahe stehenden, Webseiten Anschuldigungen gegen Mottaki auf, in denen ihm unter anderem Vetternwirtschaft vorgeworfen wurde. Das Außenministerium sei durchsetzt von Mottaki-Günstlingen, denen es an den entsprechenden Qualifikationen fehle.

Die Frage ist nun, ob mit dieser Entlassung der Riss zwischen Ahmadinejad und dem Religiösen Führer tiefer wurde, oder ob durch die Ernennung von Ali Akbar Salehi, dem Leiter des iranischen Atomprogramms, zum kommissarischen Leiter des Außenamtes ein neuer Kurs in den internationalen Beziehungen im Hinblick auf die Atompolitik eingeschlagen werden soll.


Ali Akbar Salehi

Salehi ist im Irak geboren und hat erst an der Amerikanischen Universität in Beirut studiert und später am MIT promoviert. Somit sollte ihm die Methode der Außenpolitik der USA vertraut sein.

Mit der Ernennung von Salehi kann Ahmadinejad die Kontrolle über das Außenministerium zurückerlangen.

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Möchte die iranische Regierung die Atomkrise wirklich lösen?


Der iranische Atomunterhändler Said Dschalili (2.v.l.) mit seiner Delegation in Genf

Um diese Frage zu beantworten, muss die derzeitige Krise von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Wer sind in der heutigen Zeit die Machthaber im Iran? Heutzutage wird die iranische Gesellschaft durch die Revolutionswächterorganisation und die Basiji (Milizen) kontrolliert. Die Revolutionswächter haben das Wort nicht nur beim Militär sondern auch in der Wirtschaft, der Legislative und der Jurisdiktion. Ideologisch werden sie von Khamenei und einer Clique von Rechtsgelehrten unterstützt. Welche Ziele verfolgten und verfolgen sie? Das erste Ziel ist eine internationale islamische Einheit zu schaffen unter Vorherrschaft der genannten Machthaber. Allerdings versuchen sie dies nicht mehr durch Eroberung der Nachbarländer zu erreichen sondern durch den Aufbau eines islamischen Netzwerks über die Hebel der Kultur, der finanziellen Unterstützung und der ideologischen Einflußnahme. In einem zweiten Schritt soll die ganze Welt islamisiert werden. Beide Linien lassen sich täglich anhand von vielfältigen Publikationen in den von den iranischen Machthabern kontrollierten Zeitungen und Zeitschriften nachvollziehen. Gegenüber der „kapitalistischen Welt“ mit ihrer militärischen Vormachtstellung werden vor allem zwei Strategien verfolgt: zum einen die Unterstützung der Ausbildung und des Einsatzes von Selbstmordattentätern und zum anderen der Griff nach der Atombombe. Auf Vorträgen und in Publikationen wird betont, dass die Ziele unveränderte Gültigkeit haben müssten während die Taktik zur Erreichung derselben jeweils den aktuellen Rahmenbedingungen angepasst werden könne.

Bis zu den letzten Staatspräsidentenwahlen blieben die Machthaber trotz Wirtschaftskrise und UNO-Sanktionen unbeirrt bei ihrer Linie sowohl nach Innen, gegenüber den sog. Reformisten, wie nach Außen in ihrer Politik gegenüber dem Westen. Eigentlich war der Plan, die Wahlen mit großem Vorsprung und einer hohen Wahlbeteiligung klar zu gewinnen um dadurch gestärkt in der Außenpolitik auftreten zu können. Doch es kam anders. Nach den Wahlen zog sich ein Riß durch die Fraktion der Prinzipialisten, standen sich die beiden Lager der Prinzipialisten und Reformisten verfeindet gegenüber und entstand darüberhinaus eine breite soziale Bewegung in der Bevölkerung, die gegen die herrschenden Prinzipialisten gerichtet war.

Als unmittelbare Folge des Wahlbetrugs wurde eine neue soziale Bewegung mit dem Namen „Grüne Bewegung“ geboren, die ihre Basis in der gesamten Bevölkerung hatte. Mit allen Mitteln – Festnahmen, Vergewaltigung, Folter, Todeschüsse, etc. – wurde versucht, diese Bewegung zum Schweigen zu bringen, was jedoch nicht gelang. Die innere Krise besteht weiter, was sich in ständig neu aufflackernden Unruhen ausdrückt, wo auch immer die Menschen in großer Zahl zusammenkommen, sei es bei islamischen Feiertagen und Trauerfesten, nach einem Fußballspiel, in den Universitäten, bei Arbeitskämpfen, etc. Es gelingt den Machthabern zwar noch über Zwang die Kontrolle aufrecht zu erhalten, indem sie die Kommandohöhen besetzt halten, den kulturellen Einfluß und die Herzen der Menschen haben sie aber lange verloren.


Demonstration an der Sharif – Universität Ende September 2009

Aus diesem Grund sind die iranischen Machthaber im Innern sehr schwach. Sie können nicht gleichzeitig an zwei Fronten kämpfen. Um vorübergehend die Konflikte mit dem Ausland zu befrieden, machen sie Zugeständnisse am Verhandlungstisch, willigen sie ein in Untersuchungen der Internationalen Atomenergiebehörde und verzichten sie sogar auf die Urananreicherung im eigenen Land.

Es bleibt abzuwarten, wie lange die iranische Regierung bei dieser Linie bleibt. Wenn die iranischen Machthaber die Demokratiebewegung vollkommen niederschlagen können, werden sie schnell wieder in alte Bahnen zurückfinden; so lange die Bewegung aber lebendig bleibt, besteht Hoffnung.

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Ahmadinejads Moderne


Gerne posaunt die iranische Regierung ihre Erfolge auf dem Gebiet der Raketentechnologie in die Öffentlichkeit, die ja angeblich nur friedlichen Zwecken dient. Genauso wie der Bau von Atomkraftwerken ja auch nur der friedlichen Nutzung zum Zwecke der Versorgung der Bevölkerung dient. Auffällig ist allerdings, dass ein Land, das auf gewaltigen Vorräten von Erdgas ruht, dieses entweder abfackelt oder im besten Fall in Gasflaschen abfüllt, damit die Bevölkerung sich mit Energie versorgen kann. Von Gasleitungen noch nichts gehört, wie es scheint. Das wäre ja dann auch wirklich für die Bevölkerung, und so weit will auch kein Ahmadinejad gehen.

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Freizeit in der Ausstellung für Urananreicherung im Iran



Die iranische Regierung hat in diesem Jahr in der Stadt Hamedan die erste Austellung über Urananreicherung organisiert. Es wurde viel Werbung dafür gemacht und nahe gelegt, dass Jugendliche ihre Freizeit mit dem Besuch dieser Ausstellung verbringen sollen.

Ein Augenzeuge berichtete, dass es dort ein kostenloses Mitagessen gibt und Obst verteilt wird. Angesichts der Preise von Lebensmitteln kann die Regierung stets mit zahlreichen Besuchern rechnen.

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Eine iranische Rakete mit dem Namen „Botschafter der Hoffnung“ (pers.: Safire Omid)

In diesem Jahr hatte der Iran ein Öleinkommen in Höhevon 81 Mrd. Dollar. Die Regierung investiert jedoch nicht in Ölraffinerien, weswegen jedes Jahr für ca. 5 Mrd. Dollar Benzin importiert werden muss.
15 Mio. Einwohner des Iran leben unter der Armutsgrenze. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, Nahrungsmittel werden regelmäßig teurer.


Arme Familien mit 7 bis 9 Köpfen müssen sich ein Zimmer teilen und im Slumgürtel wohnen.


Viele Menschen, selbst die Kinder, müssen aus Armut ihre Nieren verkaufen.


Arme Familien verkaufen ihre Töchter für Sexarbeit, teilweise schon ab dem Alter von 9 Jahren.


Welchen Plan hat die iranische Regierung, wenn sie in solche Raketen Unmengen von Geld investiert? Was sollen sie transportieren und was ist ihr zukünftiges Ziel?

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