Archiv der Kategorie 'Bildung'

Iran: Creative Mornings

Die aus der Schweiz stammende Kommunikationswissenschaftlerin Tina Roth-Eisenberg war unter anderem die Begründerin einer monatlichen Vorlesungsserie, die weltweit in über 100 Städten zu bestimmten Themen abgehalten wird. Auch aus dem Iran haben sich in zwei Städten Initiativen gebildet, um diese Anregung in ihrer Stadt umzusetzen, nämlich in Teheran und Tabris. Wie man an folgendem Video einer solchen Veranstaltung sehen kann, sind die meist jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer potentielles Ziel staatlicher Verfolgung, egal, wie unpolitisch das Thema des Vortrags ist. Erstens sitzen Männer und Frauen gemischt in der Vorlesung, und zweitens tragen die Frauen das Kopftuch so, dass – in Teheran – die Haare einschließlich das Ohr sichtbar sind. Die Farben des Kopftuchs und des Überwurfsmantels sind derart bunt, dass man die Ajatollahs schon donnerwettern hört.Kleidung, der Rahmen der Veranstaltung und die Umgebung lassen darauf schließen, dass die Teilnehmenden der Oberschicht angehören.

Bewegung in Bewegung
Während junge Menschen des gleichen Alters vor 40 Jahren irgendeiner politischen Gruppe angehörten, wenn sie aktiv werden wollten, die einen mit Schwerpunkt auf bewaffneten Aktionen, die anderen mit Schwerpunkt auf Aufklärung, hat die anhaltende Unterdrückung dazu geführt, dass die junge Generation sich anders ausdrückt. Natürlich führt die anhaltende Unterdrückung zur Erzwingung einer angeblich islamischen Kleiderordnung dazu, dass jede Frau, die etwas auf sich hält, sich in der einen oder anderen Form dagegen auflehnt. Aber das ist nicht die Hauptsache. Die Verfolgung von Opposition führt dazu, dass die junge Generation zu Aktionen übergegangen sind. Gestern war es das gegenseitige Bespritzen mit Wasser in der Öffentlichkeit, dann wurde die Polizei geschickt, um es zu verhindern, dann folgten andere mit turnerischen Darbietungen in Form von gewagten Sprüngen, auch hier von beiden Geschlechtern, es entstand eine Bewegung, am Mittwoch ein weißes Kopftuch zu tragen, und nun also dies hier, Vortragsreihen mit Frühstück in ungezwungener Atmosphäre. Das Regime hasst sowas wie die Pest, und wenn es zuschlägt, werden die Leute keinen Widerstand leisten, sondern die nächste Aktionsform erfinden. Wasser kann man stauen, aber es findet seinen Weg und dann läuft es über alle Hürden. Das Regime hat verloren.

https://youtu.be/NKGHa00MZ3A?t=305

https://en.wikipedia.org/wiki/Tina_Roth-Eisenberg
http://news.gooya.com/2017/08/post-6366.php
https://creativemornings.com/cities/tbz
https://creativemornings.com/cities/thr
https://www.creativemornings.ir/

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Iran: Böse Mächte fordern Frauenrechte

Ajatollah Chamene’i ist sauer. Der Grund: Die Regierung von Hassan Rouhani hat das Erziehungsministerium angewiesen, die Agenda 2030 der UNESCO im Iran umzusetzen. Die Agenda sieht unter anderem Gleichberechtigung für Frauen und Mädchen vor, bei der Erziehung und in anderen Bereichen. Diese Agenda wurde am 25. September 2015 von den Staats- und Regierungschefs von 180 Staaten in New York verabschiedet. Auch der iranische Vertreter war dabei. Dazu muss man wissen, dass die Außenpolitik nach der iranischen Verfassung zu den Vorrechten des Religiösen Führers gehört. Das heißt, dass die Regierung Rouhani, die damals für die Agenda gestimmt hat, dies mit Einwilligung des Religiösen Führers – Ajatollah Chamene’i – getan hat. Jetzt, wo es um die Umsetzung geht, wird er auf einmal laut und garstig.

Verdorbener westlicher Lebensstil
So erklärte Ajatollah Chamene’i am 7. Mai 2017 vor einer Versammlung von Lehrern folgendes: Das Dokument Agenda 2030 propagiere „einen fehlerhaften, destruktiven und verdorbenen westlichen Lebensstil“. Er erklärt, die Islamische Regierung habe höherrangige Dokumente als diese Agenda und habe keinen Bedarf für eine solche. Das fällt ihm reichlich spät ein…

Über andere Nationen bestimmen?
Der Religiöse Führer stellt dann die Frage: „Wie kommt ein sogenanntes internationales Gremium, das unter dem Einfluss der Großmächte steht, dazu, sich das Recht zu geben, über Nationen zu bestimmen, die über eine unterschiedliche Geschichte, Kultur und Zivilisation verfügen?“ Wenn er das Dokument lesen würde, könnte er leicht feststellen, dass es sich um eine Selbstverpflichtung ohne Sanktionen handelt, eben nichts, was Großmächte den anderen aufzwingen. Und der Religiöse Führer, der mit Parolen wie „Tod für Israel“ Menschen in den Krieg schickt, der die schiitischen Milizen im Irak, die Hesbollah im Libanon, die Hamas in Palästina und die Regierung in Syrien bei der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung unterstützt, nimmt sich selbst schon seit Jahrzehnten das Recht, über andere Nationen zu bestimmen, von denen im eigenen Land – den Kurden, Aseris, Balutschen, Turkmenen oder Arabern – ganz zu schweigen.

Heimliche Umsetzung strikt verboten
Der Religiöse Führer sagt weiter: „Dieses Dokument (die Agenda 2030) und seinesgleichen, sind nicht imstande, sich die Islamische Republik Iran zu unterwerfen. Die Unterschrift unter dieses Dokument und seine heimliche, schleichende Umsetzung ist strikt verboten. Dies wurde den zuständigen Institutionen auch schon mitgeteilt.“ Sprich, der Religiöse Führer hat sich mal wieder angemaßt, über die Regierung hinweg zu verfügen, was das Erziehungsministerium im Iran zu tun hat. Die Unterschrift erfolgte, wie gesagt, mit Chamene’is Zustimmung. Was man daran erkennen kann, ist die Mentalität, zu unterschreiben, ohne sich durch die Unterschrift zu etwas verpflichtet zu fühlen. Im Iran entscheidet nicht das Dokument, sondern die Machtverhältnisse. Was bei der UNESCO übrigens nicht anders ist, denn die Mehrheit der 180 Staatschefs, die die Agenda 2030 verabschiedet haben, dürften ähnlich handeln.

Die Motive des Ajatollahs
Wie gesagt, eigentlich gibt es keinen Grund, sich jetzt über das Dokument aufzuregen. Keiner kann die Mollas zwingen, es umzusetzen, und es wurde mit ihrem Segen verabschiedet. Der scheinbare Sinneswechsel ist eher ein Zeichen des Wahlkampfes im Iran. Schließlich hat Chamene’i gleich zwei Pferde im Rennen, Ebrahim Ra’issi und Bagher Qalibaf, der Mitkonkurrent Hassan Rouhani wird da schon in die Ecke der Reformisten gestellt. In Wirklichkeit greift Chamene’i mit seiner Rede Rouhani an. Er stellt diesen als „Schuldigen“ an der Situation dar, und klammert dabei seine eigene Verantwortung aus. Seine Glaubwürdigkeit im Iran stärkt er damit nicht.

Quellen:
http://www.radiofarda.com/a/f3-khamene-vs-unesco/28474271.html
vom 18. Ordibehescht 1396 (8. Mai 2017)
chera xamene’i ba sanade amuzeshiye yunesku moxalef ast?

http://news.gooya.com/2017/05/post-3448.php
vom 7. Mai 2017
moshkele xamene’i ba sanade yunesku chist?

Resolution der Generalversammlung, verabschiedet am
1. September 2015
[ohne Überweisung an einen Hauptausschuss (A/69/L.85)]
69/315.
Entwurf des Ergebnisdokuments des Gipfeltreffens der
Vereinten Nationen zur Verabschiedung der Post-2015-
Entwicklungsagenda
Anlage
Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige
Entwicklung
http://www.un.org/depts/german/gv-69/band3/ar69315.pdf

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Iran’s Schule: Schläge für die Armen


Auf der Tafel steht:
Was ist besser – Wissen oder Reichtum?

Laut einer Meldung von Radio Farda, die ihrerseits auf mehreren iranischen Quellen wie der Webseite von tabnak beruht, hat ein Schuldirektor in Mochtar-Abad, Kreis Rudbare Dschonub, in der zentraliranischen Provinz Kerman, Anfang Oktober mehrere Schülerinnen und Schüler mit schmerzlichen Stock- oder Rutenschlägen auf den Rücken dafür bestraft, dass ihre Eltern das monatliche Schulgeld nicht bezahlen konnten. Das Schulgeld (Schahriye) ist eigentlich illegal, denn laut iranischer Verfassung ist der Schulbesuch bis zum Abitur kostenlos. Das Erziehungsministerium pfeift darauf und erhebt trotzdem diverse Gebühren von den Eltern.

Wieso halten sich solche Praktiken?
Vor Gericht zu gehen ist ohnehin nur etwas für die Reichen, wer schon das Schulgeld nicht aufbringt, kann sich auch keinen Anwalt leisten. Hinzu kommt, dass die iranische Justiz in der Hand der Fundamentalisten ist, Recht wird da in der Regel nicht gesprochen. Bleibt die Möglichkeit, sich an den lokalen Parlamentsabgeordneten zu wenden. Bevor man dies tut, wägt man ab: Wer ist der Schuldirektor, mit wem arbeitet er zusammen, welche Macht haben diese Leute und welche Macht hat der Abgeordnete? Wenn der Schuldirektor eng mit dem örtlichen Freitagsimam zusammenarbeitet und dann noch den Bassidschis oder Pasdaran angehört, kann man nichts gegen ihn tun. Es kann höchstens passieren, dass dann die Eltern noch im Gefängnis landen, die diesen Amtsmissbrauch an die Öffentlichkeit bringen.

Quelle:
http://www.radiofarda.com/a/f3-lashes-students-for-lack-money/28044193.html
shalaq xordane danesh-amuzane natawan az pardaxte shahriye dar kerman
vom 19. Mehr 1395 (10. Oktober 2016)

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Die Hoffnungslosigkeit iranischer StudentInnen

Die Situation der iranischen AbsolventInnen auf dem Arbeitsmarkt ist trist. StudentInnen und Studenten finden nach Abschluss ihres Studiums in viellen Fällen keinen Job.

Je länger ihr Studium dauert, desto hoffnungloser werden sie – besonders im letzten Semester drückt sich das aus.

Abulfasl Riazi, ein studentischer Arbeitsvermittler, hat gesagt, dass 65% der befragten StudentInnen diese Hoffnungslosigkeit verspüren. Und dieses Gefühl hat durchaus eine reale Grundlage.

Erst letztes Jahr hat der Parlamentspräsident Ali Laridschani letztes Jahr in einem Interview erklärt, dass der Iran zweit große Probleme habe: die Arbeitslosigkeit und die Inflation. Als Beispiel nannte er die Zahl von 42 % der iranischen StudetInnen nach ihrem Studium arbeitslos bleiben, das sind über 900.000 Personen.

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Teheran: Flash-Mob zur Feier des Schuljahresendes


In der Kurusch-Passage in Teheran

Am Mittwoch vergangene Woche (8. Juni 2016) versammelten sich Jugendliche nach Verabredung über das soziale Netzwerk (Seiten wie telegram und instagram) in der Kurusch-Einkaufspassage in Teheran und im Wasser-und-Feuer-Park von Teheran, um das Ende des Schuljahrs zu feiern. Den Staatsorganen war dieses suspekt, sie sperrten zwei Eingänge der Kurusch-Passage und setzten Tränengas ein, um die friedliche Versammlung aufzulösen. Es waren vielleicht 3000 Jugendliche gekommen.

Von einer anderen angekündigten Versammlung im Bustan-Park im Süden Teherans erfuhren die sogenannten Sicherheitskräfte frühzeitig, so dass sie den ersten Aufrufer zum Verhör vorladen konnten und das Treffen abgeblasen wurde.

Solche spontanen Versammlungen wurden auch schon benutzt, um vor der Schulbehörde gegen zu schwere Prüfungen zu protestieren. Diese Proteste fanden allerdings nicht ihren Weg in die Medien.


vor der Kurusch-Passage

Wie man sieht, nutzt auch die iranische Jugend die neuen Technologien, und noch hat der Unterdrückungsapparat Mühe, damit Schritt zu halten. Die Volksrepublik China mit ihrem ausgefeilten Zensurapparat ist dem Iran da weit voraus…


Die Polizei – der treue Begleiter von Jugendprotesten…

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=110260
vom 19. Chordad 1395 (08.06.2016)
°aks / mitinge jawanane daheye haftadiha wa hashtadiha dar pasazhe kurush

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/06/213473.php
vom 21. Chordad 1395 (10.06.2016)
tajammo°e jawanan dar parke ab wa atash tawassote mamuran be xoshunat keshide shod

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Islamische Republik Iran: die Pasdaran stehen über dem Gesetz

Im Frühling 2015 war der iranische Parlamentsabgeordnete Ali Mottahari, der den Reformern nahe steht, angegriffen worden, als er am Flughafen von Schiras mit dem Taxi zur Uni fahren wollte, um dort einen Vortrag zu halten, zu dem er eingeladen worden war. Wie die Webzeitung peykeiran heute, den 04. Januar 2016, schreibt, hat Mostafa Tork-Hamedani, der Anwalt des angegriffenen Abgeordneten, jetzt das achtseitige Urteil des Revolutionstribunals von Schiras in dieser Sache erhalten. Das Resultat ist ernüchternd. Acht der Angreifer wurden vor Gericht gestellt und wegen „Störung der öffentlichen Ordnung“, „Beleidigung“ und „öffentlicher Sachbeschädigung“ zu Freiheitsstrafen und Peitschenhieben auf Bewährung verurteilt. Während der Anklage befanden sie sich auf freiem Fuß, so dass sie de facto straffrei ausgehen. Verurteilt wurde dagegen der einladende Student, der wegen „Beihilfe zur Missachtung der Vorschriften und Gesetze der Hochschule“ eine Strafe von 1 Million Tuman bezahlen muss. Drei Direktoren der Hochschule wurden außerdem zu 2 Jahren Suspendierung vom Dienst verurteilt.
Die Pasdaran von Schiras, die nachweislich hinter dem Angriff standen, wurden nicht einmal angeklagt, obwohl der Abgeordnete Ali Mottahari im Prozess regelmäßig gefordert hatte, dass die Auftraggeber des Angriffs vor Gericht gestellt werden. Eine weitere Person, die mit der Justiz Schwierigkeiten bekam, war der Taxifahrer, in dessen Auto der Abgeordnete saß, als der Angriff geschah, und dessen Taxi dabei schwer beschädigt wurde. Wahrscheinlich kann er von Glück reden, nicht auch noch verurteilt worden zu sein.
Eine seinerzeit von Präsident Hassan Rouhani eingesetzte Wahrheitsfindungskommission hatte noch verlangt, dass auch „verschiedene Institutionen“ zur Verantwortung gezogen werden – damit sind Pasdaran und Bassidschi-Milizen gemeint, aber das ist nicht geschehen.
Dies zeigt einmal mehr, dass die Regierung Abgeordnete nicht vor Angriffen des fundamentalistischen Flügels schützen kann, dass die Justiz weiterhin ganz im Sinn des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i handelt und die Revolutionswächter für ihre Gewalttaten keine Verfolgung befürchten müssen. Die iranische Regierung ist somit nur eine „Schaufenster-Regierung“, die Macht liegt nicht in ihren Händen.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=100711

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Iran: Sprecher der Lehrergewerkschaft im Hungerstreik


Seit 17 Tagen ist Mahmud Beheschti Langarudi, der Sprecher der iranischen Lehrergewerkschaft, im Hungerstreik. Er protestiert damit gegen das ungerechte Urteil, aufgrund dessen er in Haft gehalten wird.
Zu seiner Unterstützung haben sich Lehrkräfte in den verschiedenen Städten des Landes versammelt, um gegen seine Inhaftierung zu protestieren und auf seine Lage aufmerksam zu machen.

Quelle:
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=70815

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Iran: Analphabetismus heute

In verschiedenen Webzeitungen wird darüber berichtet, dass in den südlichen iranischen Provinzen Sistan und Balutschistan sowie Chusistan die Zahl der Kinder, die die Schule nicht besuchen, steigt. Was die Analphabetenrate angeht, folgen die Regionen West-Aserbaidschan und Ost-Aserbaidschan. Zuverlässige Zahlenangaben fehlen. Bekannt sind nur amtliche Angaben, dass im ganzen Land 1,43 Millionen Kinder zwischen 6 und 18 (Schulpflichtalter) derzeit die Schule nicht besuchen, das sind ein Viertel der Kinder im schulpflichtigen Alter. Das iranische Kultusministerium behauptet, dass der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gering sei und die Jungen 51%, die Mädchen 49% der Schüler ausmachten. Dies scheint nicht der Wirklichkeit zu entsprechen. Denn aus den südlichen Provinzen wird berichtet, dass bevorzugt die Töchter zu Hause behalten werden, damit sie zu Hause arbeiten, und es nach Ansicht der Eltern auch nicht schlimm ist, wenn die Töchter nicht lesen und schreiben können. Die hohe Arbeitslosigkeit im Iran führt zudem dazu, dass die Eltern den Arbeitsmöglichkeiten hinterher ziehen, also nicht mehr unbedingt einen dauerhaften Wohnsitz haben, was den Schulbesuch der Kinder erschwert, wenn der Staat nicht darauf eingerichtet ist.
Auffällig ist allerdings, dass der Analphabetismus in den Regionen besonders hoch ist, in denen die Muttersprache der Kinder nicht persisch ist, sondern Balutschi, Arabisch oder Aseri (Aserbaidschanisch). Möglicherweise verstecken sich hinter dem mangelndem Schulbesuch auch noch andere Faktoren, etwa die schulische Vernachlässigung der sogenannten Minderheiten, die im Iran zusammengenommen sogar die Mehrheit bilden.

Quelle:
http://www.radiozamaneh.com/250438

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Iran: Tag des Studenten

Heute, den 7. Dezember 2015 (16. Asar 1394 im iranischen Kalender) traf der iranische Staatspräsident Hassan Rouhani zusammen mit mehreren amtierenden und ehemaligen Ministern an der Technischen Hochschule „Scharif“ in Teheran ein, um einen Vortrag vor den Studierenden zu halten. Er betonte, dass Kritik für jedes System wichtig sei, weil es sonst vom richtigen Weg abweiche und in eine Diktatur münde.
Er forderte die Studierenden auf, mit ihrer Kritik gleich mal beim Staatspräsidenten zu beginnen.
Wie man an folgendem Foto sieht, taten das auch einige:

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Demo vor dem Ewin-Gefängnis (Teheran)

Mohammad Ali Taheri ist der Begründer einer alternativen Form der Medizin, die von der Mystik inspiriert ist (Erfan halqe), mit der er im Iran und im Ausland viele Anhänger gefunden hat. Er wurde 2011 vom Islamischen Revolutionsgericht wegen Blasphemie zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Auch wurde ihm vorgeworfen, sich unberechtigt medizinisch betätigt zuhaben.

Später legten die Ajatollahs noch nach, die seine Theorien aus der Sicht der schiitischen Orthodoxie beurteilten. Das Ergebnis war ein zweites Urteil im August 2015: Todesstrafe wegen „Verderbnis auf Erden“ (fessad fi l-ars).

Mohammad hat vor zwei Monaten im Ewin-Gefängnis in Teheran einen Hungerstreik eröffnet, der von den Gefängnisbehörden ignoriert wird.

Deshalb haben sich am Samstag, den 17. Oktober 2015, rund 300 seiner Anhänger vor dem Ewin-Gefängnis versammelt. Sie verteilten weiße Blumen an Gefängnispersonal, das sich zum Teil erfreut, zum Teil stur zeigte – letztere zerknickten die Blumen.

Die Demonstrierenden wurden auch von Beamten mit Knüppeln attackiert, ließen sich aber nicht provozieren. Besonders hatten die Beamten es auf solche Leute abgesehen, die Plakate mit dem Foto oder Namen des Inhaftierten in der Hand hielten. Die Demonstranten hatten allerdings noch Plakate in Reserve. Zwei Stunden hielten sie es in strömendem Regen vor dem Gefängnis aus.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=97328
https://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Ali_Taheri
https://fa.wikipedia.org/wiki/%D9%85%D8%AD%D9%85%D8%AF%D8%B9%D9%84%DB%8C_%D8%B7%D8%A7%D9%87%D8%B1%DB%8C

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Protest vor dem iranischen Parlament

Gestern versammelten sich Vertreter der Erzieherinnen und Erzieher, die in iranischen Kindergärten (Vorschulen) arbeiten, vor dem Parlament und forderten, dass die Versprechen, die der Kultusminister ihnen vor zwei Jahren gegeben hatte, endlich umgesetzt werden. Es geht darum, dass die Kindergärtnerinnen und ihre männlichen Kollegen selbst dann, wenn sie schon über 5 Jahre im Beruf arbeiten, immer noch keine feste Anstellung erhalten. Bis jetzt hatten sie darauf vertraut, dass die Versprechen umgesetzt werden, jetzt helfen sie dem Erinnerungsvermögen der Politiker ein wenig auf die Sprünge. Da auch Vertreterinnen aus der Provinz erschienen sind, übernachten einige vor dem Parlamentsgebäude – ein Hotel in Teheran können sie sich nicht leisten.

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Landesweiter Protest der Lehrerinnen und Lehrer im Iran

Die Gewerkschaft der Lehrerinnen und Lehrer im Iran ruft für morgen, den 22.7.2015 (31. Tir nach iranischem Kalender), zu einem landesweiten Protest im Iran auf. Sie sollen sich in allen Städten vor den Einrichtungen der Bildungsverwaltung versammeln, in Teheran findet der Protest vor dem Parlament statt.

Die Forderungen der LehrerInnen wenden sich gegen die Privatisierung der Bildung. Sie verlangen, dass mindestens bis zum Abitur ohne Gebühren unterrichtet werden kann. Die medizinische Versorgung in den Schulen soll verbessert werden. Die Lohndiskriminierung von Frauen soll beendet werden. Überhaupt sollen die Löhne analog zur Inflation steigen. Das Bildungsbudget soll insgesamt erhöht werden.

Eine Forderung bezieht sich auf festgenommene Mitglieder der Gewerkschaft. Die Regierung hat nämlich versucht, die Bewegung einzuschüchtern, in dem sie wichtige Vertreter oder Organisatoren verhaftet hat. Die Protestierenden fordern nun deren Freilassung.

Kommentar von Ai Schirasi

  1. Die Bewegung der LehrerInnen im Iran ist sehr groß. Es handelt sich nicht um einen kleinen oder großen Betrieb mit ein paar tausend Beschäftigten sondern um etwa eine Million LehrerInnen, mit dem höchsten Organisationsgrad im Iran.
  2. Sie sind im ganzen Land vertreten, egal ob es sich um eine Großstadt oder um ein kleines Dorf handelt.
  3. Es sind sehr viele Frauen im Lehrbetrieb beschäftigt – das Verhältnis zwischen Mann und Frau ist etwa 50% – 50%.
  4. Sie haben mit der neuen Generation zu tun. 90% dieser Generation stehen dem islamischen Modell kritisch gegenüber.
  5. Indirekt stehen die LehrerInnen über die Schülerinnen und Schüler mit allen IranerInnen in Beziehung. In der Vergangenheit wurden Proteste der LehrerInnen nicht nur von SchülerInnen sondern auch von deren Eltern unterstützt.
  6. Die Gewerkschaft der LehrerInnen pflegt die gute Tradition, auch andere Gewerkschaften bei deren Kämpfen zu unterstützen.
  7. Während die iranische Regierung versucht, Schüler und Schülerinnen ausschließlich auf möglichst schnelle Lernen, Religion, Beten und Fasten auszurichten, fern von jeglicher Politik versuchen die LehrerInnen dagegen zu halten und ihre SchülerInnen auch für gesellschaftliche Themen zu sensibilisieren, sei es Atompolitik, Umweltschutz oder andere Sachen. Schüler und SchülerInnen zählen nicht zuletzt auch deswegen zu den politisch aktivsten Gruppen im Iran.
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Iran: Landesweiter Lehrerstreik – erstmals seit 35 Jahren


Kundgebung in Ahwas

Die Proteste von Lehrerinnen und Lehrern erstrecken sich inzwischen über das ganze Land. Gestern, am Sonntag, den 1. März 2015, kam es zu Kundgebungen in Chorassan, Lorestan, Hormosgan, Kurdistan, Chusistan, Fars, Qaswin und anderen Städten und Regionen. Gegen Mittag versammelten sich vor dem Parlament in Teheran über 600 Lehrkräfte. Was fordern sie?


Provinz Fars

Weg mit dem Zentralismus
In einer Erklärung der Lehrkräfte wird der zentralistische Aufbau des Lehrapparats kritisiert. Alles wird von der Zentrale entschieden und kommandiert, die Lehrkräfte vor Ort werden in die Entscheidungen im Bildungssektor nicht einbezogen.


Qaswin

Bildungsbudget für Kalaschnikow und Co?
Es wird kritisiert, dass unter der Bezeichnung Bildungsausgaben auch Institutionen finanziert werden, die mit Bildung nichts zu tun haben. Ohne, dass man zusätzlich Geld auftreiben müsse, reiche es, diese Ausgaben im Schulsektor einzusetzen. Dies ist eine verhüllte Anspielung darauf, dass auch die Bassidschi-Milizen und die Pasdaran ein Budget für Bildung haben, das noch höher ist als das Budget für den Schulsektor. Mit dieser Forderung bezieht die Lehrerbewegung indirekt Stellung gegen die bewaffneten Organe des islamistischen Staates.


Hormosgan

Parlament fürs Volk
Die Lehrer fordern zudem das Parlament auf, vor allem in Gesundheit und Bildung zu investieren, das sei es, was die Bevölkerung benötige. Auch hier wird deutlich, dass der Protest zu einer politischen Bewegung wird.


Chorassan

30% mehr Lohn
Eine weitere Forderung ist die jährliche Erhöhung des Lohns um 30 Prozent für die nächsten vier Jahre. Nach Zinseszinsrechnung ergibt das das 2,85-Fache des jetzigen Lohns. Das klänge in Deutschland vermessen, aber in einem Land, wo die Inflationsrate so hoch oder noch höher liegt, ist das der bescheidene Versuch, den jetzigen Zustand zu bewahren.


Lorestan

Beamte zweiter Klasse
Während staatliche Angestellte sonst im Iran mit allen möglichen Zuschüssen rechnen dürfen, namentlich mit Wohngeld, Fahrtgeld und Essensgeld, gehen die Lehrer leer aus. Gegen diese Diskriminierung protestieren sie.
Die Diskriminierung geht sogar noch in der Rente weiter. Nach 30 Berufsjahren erhalten staatliche Angestellte ihr höchstes Gehalt als Rente, Lehrer dagegen nur zwei Gehaltsstufen niedriger, so dass sie deutlich schlechter dastehen als ihre Kollegen aus der Bürokratie.


Pawe

Nicht mehr als 25 Schüler
Die Lehrkräfte fordern zudem eine maximale Klassenstärke von 25 Schülern. Zur Zeit können 45, selbst 50 Schüler in einer Klasse sein. Das beeinträchtigt den Lehrerfolg und erzeugt zudem Konflikte, deren Resultate täglich in den iranischen Zeitungen zu lesen sind, sagen die Lehrkräfte.

Freiheit für die Kollegen
Die Protestierenden haben ihre Kollegen nicht vergessen. Sie fordern auch die Freilassung von Rassul Bodaqi (seit 5 Jahren im Gefängnis) und von Seyyed Mahmud Baqeri.

Wird die Streikbewegung der Lehrerinnen und Lehrer zu einem Vorbild?

Wie man sieht, gehen diese Forderungen weit über eine einfache Lohnerhöhung hinaus. Es sind zwar keine radikalen Forderungen, die das gesamte System in Frage stellen, aber sie reichen weit über den Bildungssektor hinaus in die Gesellschaft hinein und sind dadurch politisch. Die Solidarität und Vernetzung der Lehrerinnen und Lehrer untereinander, ihre Mobilisierungsfähigkeit in vielen Städten über das ganze Land hinweg sowie die Gleichzeitigkeit der Streikbewegungen vor Ort ist etwas, was man bei den durchaus vorhandenen kleinen Streiks in einzelnen Industriebetrieben derzeit im Iran nicht findet. Dadurch erhält die Streikbewegung der Lehrerinnen und Lehrer Vorbildfunktion für weitere Sektoren der iranischen Gesellschaft.

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Iran: Lehrkräfte streiken landesweit


Im ganzen Iran haben am Sonntag, den 22.02.2015, Lehrerinnen und Lehrer gestreikt, das heißt, sie haben keinen Unterricht erteilt – Sonntag ist im Iran ein Arbeitstag. Die Aktion war über Internet und ähnliche Medien vorbereitet worden und fand in Städten des ganzen Landes Unterstützter. Über die Gesamtzahl der Teilnehmenden ist bislang nichts bekannt. Auch hier steht im Zentrum der Forderungen eine Lohnerhöhung.

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Iran: Sahra Chandan, Journalistin, Studentin, Haft


Sahra Chandan
Sahra Chandan wurde am 19. Januar 2015 in ihrer Wohnung festgenommen. Sie studiert an der Technischen Hochschule „Amir Kabir“ und ist als Journalistin tätig. Sie hat früher auch für die iranische Nachrichtenagentur ILNA gearbeitet. Wegen ihrer studentischen Aktivitäten hatte sie früher ein Studienverbot erhalten.
Eine weitere Studentin und Journalistin, Fereschte Tussi, die an der Allame-Tabataba‘i-Universität studierte, wurde zusammen mit ihrem Mann Sadschad Derwisch, der früher an derselben Uni studiert hatte, vor circa einem Monat vom Geheimdienst der Pasdaran festgenommen. Auch Parastu Biranwand, Journalistin und Kämpferin für die Frauenrechte, wurde in ihrer eigenen Wohnung verhaftet.

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