Archiv der Kategorie 'Demonstration'

Teheran: 17-jähriger Arbeiter stürzt von Baugerüst

Am Sonntag, den 24.11.2013, stürzte der 17-jährige Erfan Mamisade vom 6. Stockwerk eines Baugerüsts des Abu-Reyhan-Gebäudes der Amir-Kabir-Ingenieurshochschule in Teheran. Der tödliche Unfall geschah um 11 Uhr morgens. Auf diese Nachricht hin versammelten sich 300 Studenten der Ingenieurhochschule vor dem Abu-Reyhan-Gebäude. Sie protestierten dagegen, dass auf der Baustelle Kinderarbeit ausgenutzt wird, obwohl dies gegen das geltende iranische Arbeitsrecht verstößt. Auch wiesen sie darauf hin, dass der abgestürzte 17-Jährige nicht einmal einen Sicherheitsgurt hatte, der ihn vor einem Absturz schützen könnte.

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Sanandadsch (Iran): Demo gegen Todesstrafe


Auf dem Obst-Basar in Sanandadsch – Plakat gegen die Todesstrafe

In der kurdischen Stadt Sanandadsch fand vergangenen Samstag, den 16.11.2013, eine Demonstration gegen die jüngsten politischen Hinrichtungen von Kurden statt. Die Kundgebung zog sich durch den Basar. Es schlossen sich ihr eine beachtliche Zahl von Menschen an, aber dann griffen die staatlichen Organe ein und nahmen Verhaftungen vor. Näheres über die Verhafteten ist bislang nicht bekannt.

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Teheran: Demo vor dem Justizpalast

Mehrere Dutzend Angehörige von inhaftierten Sunniten, die in Einzelzellen im Iran auf die Hinrichtung warten, haben sich vor dem Justizpalast in Teheran versammelt und fordern die bedingungslose Freilassung ihrer Liebsten.

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Iran: Städtebau, der zum Himmel stinkt


Kundgebung vor dem Gouverneurssitz von Schiras

Die Einwohner der Neubausiedlungen Saman, Farhangiyan und Scharq-e Miyan-Rud, die im Umkreis von Schiras erbaut wurden, haben jetzt vor dem Sitz des Gouverneurs von Schiras protestiert. Sie haben zwar neue Häuser und eine Straße in die Stadt, aber kein Strom, keinen Gasanschluss, keine Busverbindung, keine Schule, keine Polizeiwache und am schlimmsten von allem – nicht einmal eine Abwasserleitung. Dass das zum Himmel stinkt, kann auch der Liebe Gott bestätigen.
Seit zwei Jahren versprechen die Behörden Abhilfe, aber es tut sich nichts.
Übrigens, dieser Staat, der derartiges Organisationstalent an den Tag legt, baut auch Atomkraftwerke und Bomben…

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Iran: Wo das Wasser Funken schlägt


Brennende Busse der staatlichen Einsatzkräfte in der Region Isfahan

Wie schon berichtet, kam es am Freitag, den 22. Februar 2013, in der Region Isfahan zu Protesten von rund 5000 Bauern, die dagegen protestierten, dass Wasser aus dem Fluss Sajande-Rud nach Jasd geleitet wird, während sie selbst kein Wasser für die Landwirtschaft haben. Die Bauern zerstörten dabei einige Rohre der Wasserleitung. Am nächsten Tag rückten staatliche Kräfte an, um die Leitung wieder herzustellen, sie stießen aber auf den erbitterten Widerstand der Bauern. Damit die Regierung die Leitung nicht so bald reparieren könne, gingen die Bauern mit einem Bulldozer ans Werk und setzten die Pumpstation außer Gefecht. Darauf schickte die Regierung Verstärkungskräfte nach Isfahan, was die Demonstranten noch wütender machte. 3 Autobusse, mit denen diese Kräfte an den Ort des Geschehens schickte, wurden in Brand gesteckt, wie diese beiden Filme zeigen:

Im ersten Film ist deutlich zu hören, wie die Leute „hamle“ (Attacke!) rufen.
Auch ein Schilderhäuschen der Verkehrspolizei sowie ein Gebäude der Bassidschi-Milizen sollen in Flammen aufgegangen sein.

Zum Zeichen des Protests stellten die Bauern ihre Traktoren an den trockenen Wasserkanal, aus dem sie früher immer ihr Wasser für die Bewässerung entnahmen.
Die staatlichen Kräfte setzten Tränengas und Streumunition gegen die Bauern ein, konnten sie aber nicht zurückdrängen. Es soll vier Tote und 50 Verletzte unter den Bauern gegeben haben.

Pasdaran-Webseite beschuldigt Regierung
Interessanterweise hat die regionale Webseite der Revolutionswächter (Pasdaran) in diesem Fall von Versäumnissen der Regierung gesprochen. Normalerweise sind das die ersten, die von Unruhestiftern reden und drauf los schlagen und schießen. Aber auch die Pasdaran wissen, womit sie es zu tun haben.
Diese Bauern sind genauso informiert wie der Rest der Bevölkerung, sie wissen, was ihnen blüht, wenn sie sich gegen die Staatsmacht wehren, Folter und Hinrichtung sind für sie kein Fremdwort. Warum trauen sie sich trotzdem auf die Straße, warum rufen sie zum „Angriff“ auf? Der Grund ist einfach: Jetzt beginnt der Frühling, wenn sie jetzt kein Wasser haben, um die Felder zu bestellen, werden sie dieses Jahr nichts zu ernten haben. Das haben sie schon im letzten Jahr erlebt, aber damals wurden ihre friedlichen Proteste vor dem Parlament ignoriert. Wenn sie sich jetzt wehren, können sie ihre Familie nicht mehr über Wasser halten. Dann müssen sie abwandern, aber wohin? Es ist die Not der Verzweiflung, die sie zu diesem Aufstand treibt.

Die Botschaft ist angekommen
So wie diesen Bauern geht es vielen im Iran. Erst funkt es hier, dann explodiert es im ganzen Land. Die Regierung scheint begriffen zu haben, dass sie nachgeben muss, wenn sie überleben will. So ist davon die Rede, dass die Revolutionswächter Verhandlungen mit den Bauern aufgenommen haben, dass den Familien der Verletzten Entschädigungen versprochen wurde, und dass die Bauern ihr Wasser nun bekommen sollen. In Jasd, wo das aus Isfahan abgezweigte Wasser dafür fehlt, kam es ebenfalls zu Protesten der Bevölkerung. Dort versuchen die Behörden die Bevölkerung damit zu beschwichtigen, dass sie Trinkwasser in Flaschen verteilen lassen und versprechen, einen Brunnen zu bohren.

rationiertes Trinkwasser in Jasd

Die Besitzer der Teehäuser waren die ersten
Es ist der zweite Fall so entschlossenen Widerstands aus der Bevölkerung. Der erste ging von den Teehausbesitzern aus. Die Regierung hatte nach der Niederschlagung der Proteste von 2009 beschlossen, dass in den Teehäusern niemand mehr Recht habe, Wasserpfeife zu rauchen. Das war vor allem unter den Jugendlichen beliebt, Jungen wie Mädchen kamen bei dieser Gelegenheit gern zusammen. Und eine Regierung, die die Bevölkerung unterdrücken möchte, hat natürlich Angst vor jeglicher Art von Zusammenkünften. Daher das Verbot. Die Folge: Niemand mehr ging ins Teehaus, denn Tee trinken konnte man auch zu Hause. Darauf versammelten sich landesweit die Teehausbesitzer mit ihren Familien vor den Provinzgouverneuren und vor dem Parlament, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Die Regierung merkte, wenn sie darauf keine zufriedenstellende Antwort gab, konnte es im ganzen Land losgehen. Also wurde das Wasserpfeifenrauchen wieder erlaubt. Nur dürfen Jungen und Mädchen jetzt nicht mehr gleichzeitig zusammen die Pfeife rauchen.

Diese Ereignisse sind es, die die weitere politische Entwicklung im Lande bestimmen werden, nicht die Wahlen.

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Iran: Arbeiterproteste gegen Gesetzgebung


Am 18. Dezember 2012 wurde vor dem iranischen Parlament ein Sitzstreik erklärt. Die in der Arbeitergewerkschaft zusammengeschlossenen Anwesenden hatten im Vorfeld 10.000 Unterschriften gegen die geplanten Gesetzesänderungen gesammelt, davor hatten sie schon einmal 30.000 Unterschriften gesammelt und dem Parlament überreicht.
In Plakaten wurde darauf hingewiesen, dass ein Parlamentsabgeordneter für eine Dienstreise an einem Tag so viel erhält wie ein Arbeiter in einem Monat. Ein anderes Plakat besagte, dass die Armutsschwelle im Iran 500.000 Tuman beträgt, der gesetzliche Lohn für einen Arbeiter dagegen 389.000 Tuman.

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Seit vielen Monaten die erste Großdemonstration in Teheran

Nach vier Wochen anhaltendem Preisverfall der iranischen Währung kam es am 3. Oktober zu Unruhen im Zentrum von Teheran.


Preisverfall des iranischen Rial gegenüber dem Dollar in der Zeit von Juni 2010 bis Oktober 2012.

Der Wechselkurs soll seit Monaten offiziell bei 12.500 Rial für einen Dollar liegen, während am Schwarzmarkt der Dollar am 2. Oktober für 35.000 Rial gehandelt wurde. Am 3. Oktober fiel der Rial bis zum Abend auf unter 40.000 Rial pro Dollar.

Ab Mittag waren viele Geschäfte auf dem Basar geschlossen – die Händler streikten gegen die Wirtschaftspolitik.


Geschlössene Geschäfte im Basar von Teheran am 3.10.2012

An verschieden Orten sind zudem die Menschen gestern auf die Straße gekommen und haben Parolen gegen die Regierung skandiert. Darunter das wohlbekannte „Marg bar Dictator“ („Tod dem Diktator!“) oder „Lass ab von Syrien, kümmer dich um uns!“ und „Nicht für Syrien, nicht für den Libanon, sondern für den Iran will ich mich opfern!“


Bereich der Innenstadt von Teheran, in dem am 3. Oktober Demonstrationen stattfanden


Video, dass die Größe der Demonstrationen am 3.10.2012 in Teheran zeigt


Demonstranten, die die Bazaris dazu aufrufen, ihre Geschäfte zu schließen und die Demonstration zu unterstützen

Es heisst, mehr als 10.000 Sicherheitskräfte (Pasdaran, Bassidschis und Polizei), haben sich in dem Gebiet, wo die Demonstrationen stattfanden, konzentriert. Erst als die Dunkelheit hereinbrach, konnten sie die Kontrolle wieder erlangen.


Sicherheitskräfte, die am 3.10. versuchen, die Lage in Teheran unter Kontrolle zu bekommen

Am heutigen Tag wurden noch mehr Sicherheitskräfte in diesem Viertel von Teheran zusammengezogen. Wenn mehr als drei Personen zusammenkamen mussten sie sich entfernen.

Laut Staatsanwaltschaft sind gestern und heute 16 Personen, angeblich Schwarzhändler, festgenommen worden. Laut dem Teheraner Polizeichef sind außerdem 150 Personen, die für die Unruhen verantwortlich sein sollen, festgenommen worden.

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Tabris: Polizei stört Trauerfeier


Schah-Guli-Park, Tabris

Vor dem Kultursalon des Schah-Guli-Parks in Tabris versammelten sich am Donnerstag, den 23.08.2012, viele Bürger mit Kerzen, um ihr Mitgefühl für die Opfer des jüngsten großen Erdbebens auszudrücken. Die Aktion verlief unter dem Motto „Eine Kerze für die Erdbebenopfer“. Als die Zahl der Teilnehmer immer größer wurde, griffen die „Sicherheits“kräfte an. Sie rissen den Menschen die Kerze aus der Hand und zertrampelten sie auf dem Boden. Vier Personen, die gegen dieses Vorgehen protestierten, wurden festgenommen. Auch aus dem Zentrum des Erdbebens wird von vier Verhaftungen berichtet, dort waren es freiwillige Helfer, die die Bevölkerung versorgten. Von ihrem weiteren Schicksal ist nichts bekannt.

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Iran: Wächterrat gegen Wählervotum

Wie die Demokratische Partei Kurdistans (Iran) berichtet, hat der iranische Wächterrat die Ergebnisse der zweiten Wahlrunde der Teilwahlen zum iranischen Parlament (Madschles) bezüglich der Wahl des Abgeordneten Ali Akbar Matin aufgehoben. Offenkundig war Ali Akbar Matin nicht der Wunschkandidat des Religiösen Führers. Die Bevölkerung von Arkwasi (Provinz Ilam) versammelte sich darauf am Dienstag, den 29. Mai 2012, vor der Sicherheitsbehörde der Stadt Arkwasi und verlangten eine Erklärung, wieso das Wahlergebnis annulliert wurde. Die Behörden ignorierten die Versammlung. Daraufhin griffen die Demonstrierenden einige Verwaltungsgebäude und Banken an, worauf sie von der Polizei auseinander getrieben wurden.
Am Mittwoch, den 30. Mai, kam es darauf zu weiteren Protesten gegen den Beschluss des Wächterrats, die brutal von den bewaffneten Organen niedergeschlagen wurden. Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Als Reaktion versammelte sich die Bevölkerung der Umgebung, mehrheitlich Kurden vor der vorgesetzten Sicherheitsbehörde der Stadt Melikschah. Es kamen so viele Menschen, dass die örtlichen Organe sie nicht vertreiben konnten. Sie forderten Verstärkung aus Kermanschah und Ahwas an.
Bei dieser Kundgebung wurde ein angesehener Bürger der Region von einer explodierenden Tränengaspatrone getroffen und fiel in Ohnmacht. Darauf schlug die Stimmung um und es kam zu einer blutigen Auseinandersetzung, in deren Verlauf mehrere Bürger, aber auch einige Offiziere und Mitglieder der Sondereinheit aus Ahwas ums Leben kamen. Zahlreiche Demonstranten erlitten Körperverletzungen, Dutzende wurden festgenommen.

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Iran: Über 100 Umweltschützer verhaftet

Am Dienstag, den 22. Mai 2012, kam es in den Städten Urumije und Tabris, die im aserbaidschanischen Teil des Irans liegen, zu Protestkundgebungen gegen die Untätigkeit des Staates angesichts des Austrocknens des Urumije-Sees. In den beiden Großstädten wimmelte es von Polizeikräften. Laut Angaben iranisch-aserbaidschanischer Menschenrechtler wurden bei den Kundgebungen über 100 Menschen verhaftet. Schon im Vorjahr hatte es aus dem gleichen Grund Proteste gegeben. Die damals Verhafteten wurden zum Teil zu langen Gefängnisstrafen, zum Teil zur Auspeitschung, zum Teil zu Geldstrafen verurteilt.
Der iranische Präsident Ahmadineschad wusste zu diesen Demonstrationen nichts Besseres zu sagen als:
Das Austrocknen des Urumije-Sees ist ganz natürlich, das geschieht alle 500 Jahre. Aber dann erholt sich der See wieder.“
Zum Vergleich:
Der Urumije-See ist 140 km lang, 55 km breit, hat eine Oberfläche von 5200 km2 und ist maximal 52 m tief.
Der Bodensee ist 63 km lang, 14 km breit, hat 536 km2 Oberfläche und ist maximal 254 m tief.

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Iran: Demos zum 25. Bahman

Zum 25. Bahman, als dem 14.02.2012, hatte die Grüne Bewegung im Iran um Mussawi und Karubi zu Demonstrationen für die Freiheit aufgerufen. Die Regierung bereitete sich entsprechend vor, und so waren an wichtigen Kreuzungen und Plätzen in Teheran Polizei und Pasdaran postiert, in Esfahan und Schiras wurde auch Militär eingesetzt. Außerdem erhielten verschiedene Leute Drohbriefe per e-mail, sie sollten keine Propaganda für diese illegale Aktion machen, und sie wurden darüber belehrt, welches reichhaltige Spektrum an Paragraphen das islamische Strafrecht aufweist, um sie dafür zu bestrafen. Zudem hat die Regierung am 14. Februar die Geschwindigkeit des Internets drastisch herabgesetzt, so dass man selbst seine e-mails nicht öffnen kann, auf diesem Weg also keine spontane Mobilisierung möglich ist. Handys haben im Umkreis der Plätze, an denen Kundgebungen angekündigt wurden, keinen Empfang.
Im übrigen hat die Bevölkerung natürlich nicht vergessen, wie die Millionenkundgebungen nach der Wahlfälschung vom Juni 2009 niedergeschlagen wurden, so dass sie die Begeisterung in Grenzen hält. Das Ergebnis war entsprechend: An manchen Orten haben sich zwar einige Hundert bis Tausend Personen versammelt, sie mussten aber rasch fliehen, da die Staatsorgane Tränengas und Knüppel einsetzten.

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Iran: 33. Jahrestag der Revolution

Am 22. Bahman, also am 11. Februar, war der 33. Jahrestag der iranischen Revolution von 1978. Damals übernahm die Geistlichkeit unter Führung von Ajatollah Chomeini die Staatsgewalt. Vor 33 Jahren, in den Tagen der Revolution, gingen die Menschen zu Millionen auf die Straßen, es mögen in Teheran 6 Millionen gewesen sein.
Die Zeiten sind vorbei. Heute schafft der Staat es gerade noch, vielleicht 100.000 Menschen auf die Beine zu kriegen. Wer kommt, bekommt sein Sandwich-Paket, am besten auch zum Mitnehmen für die Familie daheim, und den Bustransport bekommt man auch nicht bezahlt, auch die Metro ist umsonst, da knausert der Staat nicht.
Hier ein Foto vom zentralen Freiheitsplatz, von oben.

Die Regimezeitungen bemühen sich natürlich, die Menge größer erscheinen zu lassen, da sind Luftaufnahmen nicht erwünscht. Man geht nah genug ran, damit der leere Platz hinter dem Fotografen nicht sichtbar ist, und siehe da, schon sieht die versammelte Menge gar nicht so wenig aus, 100.000 ist ja auch etwas.

Überhaupt ist das Ausland gemein und will nur alles madig machen, schaut nur, wie locker diese Frauen hier mit dem Kopftuch umgehen:

Die Frau in der Mitte ist auf dem Kopf ja geradezu nackt, wenn man von den Haaren absieht. Wenn das die Sittenstreife sähe! Aber die sieht es nicht, weil in den Wochen vor den Wahlen die weibliche Hälfte der Sittenpolizei nach Hause geschickt wurde, die männliche wurde in die Polizeieinheiten gesteckt, so dass die Bevölkerung ein bißchen Ruhe hat. Sonst bleiben die ja gleich zu Hause und gehen gar nicht zu den Wahlen, ein bißchen Freiheit muss schon sein, und sei es nur für zwei Wochen.
Aber seltsam ist es schon, wieso der junge Mann rechts neben der stolzen Frau seinen Kopf senkt und den Blick abwendet.
Und es scheint kein Einzelfall. Hier schon wieder:

Ist den Männern der Kopf zu schwer? Sollen sie gehenkt werden? Zuzutrauen wäre es dem Regime ja. Oder denken sie einfach ein bißchen weiter als Ajatollah Chamene‘i und Compagnon? Sie scheinen nicht zu glauben, dass das Regime noch lange steht, und so ein Foto, das kann man immer aus den Archiven holen. Wer heute die Dreckarbeit macht, wird morgen der Sündenbock sein. Die Frauen scheinen da unbekümmerter, Hauptsache, sie sind das Scheiß-Kopftuch los.

Das scheint diese Dame jedenfalls zu denken, da ist man dann auch bereit, ein Poster mit so einem bärtigen Typ zu halten. Und für den Fall eines Falles trägt man Sonnenbrille, das ist die elegante Form der Vermummung.
Tja, das war’s dann wohl mit der Revolution. Mal schauen, was nächstes Jahr zur gleichen Zeit gefeiert wird.

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Die Rolle der Männer in Zivil im Iran und in Ägypten

Wie sich die Bilder doch gleichen! In Ländern wie Ägypten und Iran sehen wir im Verlauf der Auseinandersetzungen auf der Straße immer wieder Szenen, wo Männer in Zivil Hand in Hand mit den Sicherheitskräften Demonstranten verprügeln oder festnehmen. Offensichtlich müssen die Machthaber in jedem unterdrückerischen Regime dafür sorgen, daß der Eindruck entsteht als wären diese von oben organisierten Männer in Zivil selber ein Teil der Bevölkerung, und als würden sie -im Gegensatz zu den „gewalttätigen Demonstranten“ – für Recht und Ordnung eintreten. Doch sie unterliegen nicht den Gesetzen, sie können nicht vor Gericht gezogen werden, niemand kann diese Männer kontrollieren. Sie schlagen zu und töten und bleiben dabei unbekannt.

Nach dem Wahlbetrug im Iran und den darauf folgenden Massendemonstrationen wurden neben Iranern auch Libanesen und Iraker bei diesen Spezialkräften festgestellt. Die Grüne Bewegung konnte sie teilweise auf Fotos identifizieren. Im Iran handelt es sich zum einen um den im Iran verbliebenen Rest der „Sepahe Badr“ (Badr-Garde), die für den Einsatz im Irak ausgebildet worden war, und zum anderen um Libanesen, die bei den iranischen Pasdaran eine Ausbildung erhalten und in diesem Rahmen auch gegen Demonstranten eingesetzt werden.


Teheran 2009: Frauen befreien einen Genossen, der von Männern in Zivil angegriffen wird.


Kairo 2011: Männer in Zivil nehmen einen Demonstranten fest.

Teheran 2009: Die Waffen der Männer in Zivil sind Knüppel und Messer.


Kairo 2011: Diese Männer wollen nicht bei ihrer Arbeit fotografiert werden.


Teheran 2009: So funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Männern in Zivil.


Kairo 2011: Nicht nur Männer sondern auch Frauenund Kinder sind im Visier der Männer in Zivil.

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Tunesien: Ich bin frei. Mein Wort ist frei.


Frauen auf der Bühne in Tunesien

Dieses Video wurde am 14.01.2011 in Tunis gedreht und wird über youtube verbreitet. Es zeigt eine junge Frau, die mitten in einer Demonstration steht und ein Lied über die Freiheit singt.

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Der Iran am 12.6.2010, ein Jahr nach dem Wahlbetrug – Herr Keuner im Iran

Auf den 22. Chordad, den 12. Juni 2010, den ersten Jahrestag der denkwürdigen Präsidentschaftswahlen im Iran, hatte sich die Regierung gut vorbereitet. Aus den umliegenden Regionen hatte sie bewaffnete Kräfte abgezogen und im Großraum Teheran stationiert, so dass am 12. Juni rund 80.000 Bewaffnete zur Verfügung standen, um Demonstrationen in Teheran niederzuschlagen, im ganzen Land standen 300.000 Bewaffnete bereit. Sie waren in Schulen, Sportstadien, Parkplätzen und Moscheen untergebracht. Die Kräfte waren so angeordnet, dass sie in der Lage sein sollten, in zwanzig Minuten an jedem wichtigen Platz in der Hauptstadt einzugreifen. Die Versuche der sogenannten Reformisten – Mussawi, Karrubi u.a., an diesem Tag eine legale Kundgebung abzuhalten, scheiterten an der bürokratischen Verschleppung und Einschüchterungstaktik der Behörden, so dass diese ihre für 16 Uhr geplanten Kundgebungen abbliesen.


Solche Szenen konnten in jedem Viertel von Teheran beobachtet werden

Und trotzdem waren die Menschenmengen am 12. Juni ab 11 Uhr auf der Straße. Sie riefen keine Parolen und gingen unauffällig auf dem Bürgersteig, aber es wurden immer mehr. Da die Behörden angeordnet hatten, dass alle Geschäfte an den Hauptstraßen Teherans um 13 Uhr schließen sollen, damit die Demonstranten dort keine Zuflucht fänden, bedeutet das aber auch, dass die Leute nicht zu Einkäufen unterwegs waren. Auch die Straßen füllten sich immer mehr mit Autos, die nicht hupten, aber allein durch ihre Menge zu langen Staus und Verstopfungen führten. Ein Pasdaran-General befahl darauf seinen Untergebenen, die Ampeln auf Grün zu schalten, damit er persönlich jedes Auto in Brand stecken könne, das nicht weiterfahre sondern den Weg versperre. Aber das löste die Staus nicht auf. Schließlich begannen die Staatsorgane, Passanten anzugreifen und zu verhaften. Erst in solchen Momenten ertönte der Ruf „Tod dem Diktator“, und die Autofahrer drückten auf die Hupe.


Seit dem frühen Morgen, stehen Polizeieinheiten an jeder Kreuzung und jedem wichtigen Platz

An verschieden Universitäten in Teheran (Beheshti Universität, Sharif Universität, …) aber auch in anderen Städten (Schiras, Belutschistan, …) hatte die iranische Studentenbewegung Demonstrationen organisiert, die jeweils auf dem Campus stattfanden. Ab der Mittagszeit versammelten sich Studenten und Studentinnen und riefen Parolen wie „Marg bar Diktator“. Gegen vier Uhr Nachmittags versuchten die Demonstrationen ausserhalb des Campus fortzusetzen, mit dem Ziel sich unter die übrige Bevölkerung zu mischen. Starke Polizeikräfte rund um jede Universität hinderten sie jedoch daran, so dass sie ihre Demonstrationen auf dem Universitätsgelände fortsetzen mussten.


Beheshti Universität in Teheran am 12. Juni 2010


Universität Sharif, Teheran am 12. Juni 2010

Laut Regierungsangaben wurden am Samstag, den 12. Juni, allein in Teheran über 90 Personen verhaftet, von den Angehörigen vor den Gerichten und den Gefängnissen ist aber bekannt geworden, dass es mindestens 600 Verhaftungen gab, je nach Quelle ist sogar von 900 die Rede.

Mehdi Chas‘ali, der Sohn von Ajatollah Chas‘ali, eines Mitglieds des Wächterrats und Vertrauensmanns von Ajatollah Chamene‘i, kommentierte die Ereignisse mit den sarkastischen Worten: Als ich an diesem Tag unterwegs war, habe ich so viele bewaffnete Kräfte gesehen, wie in der ganzen Schahzeit nicht. Die Regierung erklärt die ganze Zeit, die Grüne Bewegung sei niedergeschlagen, es gebe nur noch 40, 50 Unruhestifter. Was ist das für eine Regierung, die 300.000 Mann braucht, um 40, 50 Unruhestifter in Schach zu halten? Und was will sie erst tun, wenn sie das Volk gegen sich hat?


Videoaufnahme vom 12. Juni 2010 in Teheran

Exiliraner in mehr als 80 Städten auf der ganzen Welt hielten Demonstrationen ab oder versammelten sich vor iranischen Botschaften und Konsulaten.


London


Paris


Stockholm


Washington

Zwei Tage nach dem Wahlbetrug im Juni 2009 und den unmittelbar darauf folgenden Massenprotesten griffen in der Nacht Hisbullahis und Sondereinheiten zahlreiche Studentenwohnheime in Teheran, Isfahan, Schiras, Maschhad, Kermanschah, Babol-Sar, Urumije und Tabris an. Sie gingen koordiniert mit Streumunition, Messern und Ketten auf die StudentInnen los. Allein in Teheran sollen sieben Studierende ermordet worden sein, viele Menschen wurden verletzt und verhaftetet. Im Gedenken an diese Ereignisse organisierten StudentInnen dieses Jahr am 14. Juni Proteste und Demonstrationen.


„Die Universität schreit nach Freiheit“, Teheran 14. Juni 2010


Video einer Demonstration vom 14.6. an der Universität Teheran, bei der ein bekanntes Lied gesungen wird (Yare dabestani)

Maßnahmen gegen die Gewalt
(von Bertold Brecht):
In die Wohnung des Herrn Egge, der gelernt hatte, nein zu sagen, kam eines Tages in der Zeit der Illegalität ein Agent, der zeigte einen Schein vor, welcher ausgestellt war im Namen derer, die die Stadt beherrschten, und auf dem stand, daß ihm gehören soll jede Wohnung, in die er seinen Fuß setzte, ebenso sollte ihm auch jedes Essen gehören, das er verlange; ebenso sollte ihm auch jeder Mann dienen, den er sähe.

Der Agent setzte sich in einen Stuhl, verlangte Essen, wusch sich, legte sich nieder und fragte mit dem Gesicht zur Wand vor dem Einschlafen: „Wirst du mir dienen?“

Herr Egge deckte ihn mit einer Decke zu, vertrieb die Fliegen, bewachte seinen Schlaf, und wie an diesem Tage gehorchte er ihm sieben Jahre lang. Aber was immer er für ihn tat, eines zu tun hütete er sich wohl: das war, ein Wort zu sagen.

Als nun die sieben Jahre herum waren und der Agent dick geworden war vom vielen Essen, Schlafen und Befehlen, starb der Agent.

Da wickelte ihn Herr Egge in die verdorbene Decke, schleifte ihn aus dem Haus, wusch das Lager, tünchte die Wände, atmete auf und antwortete: „Nein.“

(s.a. Geschichten vom Herrn Keuner)

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