Archiv der Kategorie 'Disziplinar-Kommittee'

Die iranischen Machthaber rüsten sich für das Wintersemester

Die iranischen Universitäten waren letztes Semester wichtige Orte des politischen Protests gegen die Machthaber, der dort vor allem von der Studentenbewegung und der Grünen Bewegung getragen wurde. Und das, obwohl viele aktive StudentInnen exmatrikaliert oder festgenommen wurden – einige von ihnen befinden sich noch immer im Gefängnis. Um weiterhin die Kontrolle aufrecht zu erhalten, hat sich die Regierung für das kommende Wintersemester vorbereitet. Ein Beispiel dafür ist das folgende Flugblatt, dass an allen Universitäten aushängt und in den Massenmedien verbreitet wird:

Übersetzung:

Bekanntmachung

Diejenigen, die Parolen an die Wände schreiben, Flugblätter verteilen, an illegalen Versammlungen oder Demonstrationen teilnehmen oder die Ordnung stören, werden hart bestraft. Mindestens ein Semester lang werden sie nicht zu Prüfungen zugelassen. Intelligente und aufmerksame Studenten können Vergehen dieser Art unverzüglich an das Disziplinarkommittee melden.

Disziplinar-Kommittee der Studenten

Scheinbar war diese Maßnahme allein nicht ausreichend. Letzten Sonntag, den 22.8.2010, waren ausgewählte, regierungstreue Studenten und Studentinnen zu einem Treffen mit dem Religionsführer Ayatollah Chamenei geladen worden.

Im Verlauf seiner langen Rede betonte Chamenei die islamischen Regeln an den Universitäten; insbesondere die Disziplin wurde hervorgehoben. Wie immer, wenn der Religionsführer einen Begriff hervorhebt, kann er von den Bassiji und der Hizbollah nach ihrem Gutdünken ausgelegt werden. Diese Rede gibt ihnen die Macht, jede Kleinigkeit, die sie an den Universitäten als unislamisch beobachten, als Disziplinarverstoß auszulegen bzw. umzudeuten und entsprechende Strafen zu verhängen.

Die Sitzordnung der StudentInnen ist nicht dem Zufall überlassen. Neben der Trennung der Geschlechter (Männer links – Frauen rechts) gibt es eine Staffelung hinsichtlich der Nähe zu Chamenei: je weiter vorne man sitzt, desto mehr Vertrauen in die Regimetreue besteht. Die „Logenplätze“ befinden sich vorne links in der Nähe des Podiums.

Man achte auf die Menschen ab der zweiten Reihe: Diesen Typus junger Männer, einheitlich gekleidet mit hellem Hemd und dunkler Hose, kennt man von seinem teils brutalen Vorgehen bei regierungskritischen Demonstrationen.

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Hungerstreik gegen Apartheid im Iran


Laut der Nachrichtenagentur Amir Kabir haben die Studentinnen und Studenten der Universität Sahand in Tabriz (Nordwestiran) in der letzten Woche einen Sitzstreik organisiert. Bei einem Gespräch mit dem Rektor der Universität kam es zu keinen Ergebnissen.

Daraufhin traten die StudentInnen in einen Hungerstreik. Bis heute mussten acht der hungerstreikenden StudentInnen ins Krankenhaus transportiert werden, weil ihre Gesundheit in Gefahr war.

Die StudentInnen fordern zum einen die Rücknahme der Einführung von getrennten Unterrichtsräumen für Männer und Frauen und zum anderen den Rücktritt des Leiters des Geheimdienstes an der Universität. Des weiteren fordern sie die Rücknahme von im letzten Semester gegen StudentInnen verhängte Strafen des Komitees „Enzebati“. Dieses islamische Disziplinar-Kommittee kontrolliert StudentInnen mit allen Mitteln um die Einhaltung der Scharia zu garantieren.

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Gedenktag der iranischen Studentenbewegung I








Am 16. Adhar 1332 (Ende 1953) griffen die iranischen Sicherheitskräfte des Schahregimes die Universität von Teheran an, um die Studentenproteste auf dem Gelände der Universität zu unterdrücken. An der Technischen Hochschule wurden bei diesem Angriff drei bekannte Vertreter der Studentenbewegung ermordet. Es waren: Schariat Rasawi, Mohadess Qandschi und Bosorg Nija. Seit dieser Zeit begehen die Studentinnen und Studenten den 16. Adhar Jahr für Jahr als Gedenktag der Studentenbewegung. Dieses Andenken fand in der Öffentlichkeit statt, wenn die Umstände es zuließen, ansonsten im kleineren Kreise.

Dieses Jahr demonstrieren die Studenten sämtlicher Universitäten Teherans mit dem Beginn des neuen Studienjahres für die Verteidigung ihrer Rechte und Interessen und für die Freilassung der inhaftierten Studenten.

Obwohl die Regierung täglich neue Studenten inhaftiert, haben sich die Studenten nicht einschüchtern lassen und eine Feier zum 16. Adhar organisiert. In diesem Jahr haben sich die Studenten dabei in zwei Gruppen aufgeteilt: Die Studenten des Daftar-e Tahkim-e Wahdat, des islamisch orientierten Studentenverbands, und die Studenten der Linken. Die linken Studenten beschlossen, heute, den 4. Dezember (oder den 13. Adhar), eine Gedenkveranstaltung vor der Technischen Hochschule der Universität von Teheran abzuhalten. Der Staat setzte darauf die Sicherheitskräfte ein, um sämtliche Eingänge ins Universitätsgelände zu kontrollieren. Der Innenbereich der Universität wurde ebenfalls unter strikte Kontrolle gestellt. Bis um 13 Uhr waren die StudentInnen damit beschäftigt, Flugblätter an die MitstudentInnen zu verteilen. Das Organisationskomitee der linken Studenten wollte sich von der Polizeipräsenz nicht abschrecken lassen. Punkt 13 Uhr erschienen rund vierhundert Demonstranten vor der Technischen Hochschule und eröffneten die Kundgebung. Wenig später waren es schon 500 Studenten. Die Studenten lasen ihre eigene Erklärung vor und riefen Parolen wie: Die Universität ist keine Kaserne.

Dann richteten sie eine Rednertribüne ein, auf der verschiedene Redner auftraten und die Freilassung der inhaftierten Studenten forderten. Um 14 Uhr hatten sich schon über 700 Studenten versammelt. Die Sicherheitskräfte hielten sich vor den Toren der Universität bereit und riefen eine größere Zahl von Bussen herbei, um die Studenten zu verhaften und abzuführen.

Laut den letzten Nachrichten löste sich die Kundgebung nach 14 Uhr allmählich auf, um einer Verhaftung zu entgehen. Derartige Kundgebungen sollen an der Mehrzahl der iranischen Hochschulen abgehalten und zahlreiche Teilnehmer verhaftet worden sein.

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„Sterne im Ewin-Gefängnis“ (Teheran)

Offenes Mikrofon am Polytechnikum Teheran

Junge sozialistische Studenten

Demo auf dem Campus des Polytechnikums Teheran

Mitte letzter Woche fand am Polytechnikum von Teheran eine Versammlung statt, bei der jeder seine Meinung frei an einem offenen Mikrofon äußern konnte. Obwohl Studentinnen und Studenten von anderen Hochschulen in Teheran teilnehmen wollten, wurde dies nur den StudentInnen des Polytechnikums erlaubt.

Der Leiter des Polytechnikums hatte zwar alles unternommen, um diese freie Tribüne zu unterbinden, die Studentinnen und Studenten konnten sich jedoch durchsetzen.

Am ‚Offenen Mikrofon‘ konnten VertreterInnen vieler Studentengruppen ihre Meinung äußern, darunter auch zweier linker Gruppen, die zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder an die Öffentlichkeit traten: die Sozialistischen Studenten des Polytechnikums und die Linken Studenten der Universität Teheran. Am Mikrofon wurde insbesondere auch die Forderung nach Freilassung der inhaftierten StudentInnen laut. Ehemalige politische Gefangene, sprich StudentInnen, die erst seit wenigen Wochen wieder frei waren, berichteten von ihren Erfahrungen mit den Verhörbeamten und der Folter. Sie waren 2006 verhaftet worden, nachdem Präsident Ahmadinejad das Polytechnikum besucht hatte und die StudentInnen als Reaktion auf seine Unfähigkeit, kritische Fragen zu beantworten, Poster mit seinem Foto zerrissen. Noch immer sind deshalb fünf Studenten im Gefängnis, die teilweise zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Seitdem ‚genießt‘ das Polytechnikum die besondere Aufmerksamkeit der Geheimdienste.

Ein Vertreter der Sicherheitsorgane (Komite-ye Enzebat) mit dem Namen Faharan verhörte in den vergangenen Tagen alle Bewohnerinnen des Studentinnenwohnheims und stellte ihnen Fragen nach ihren Freunden und Bekannten, um wieviel Uhr diese das Wohnheim betreten oder verlassen haben, etc. In der Folge erhielten acht Studentinnen schriftliche Vorladungen des Komite-ye Enzebat. Ihnen drohen sowohl disziplinarische Strafen (zeitweiliger oder vollständiger Ausschluss vom Studium) als auch strafrechtliche Verfolgung (Überstellung ans Gericht).

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