Archiv der Kategorie 'Erdöl /Erdgas'

Kurdistan: Aus der Traum

Das Unabhängigkeitsreferendum in der Kurdischen Autonomie im Nordirak vom Ende September 2017 hat eine Entwicklung ausgelöst, die sich die abstimmenden Kurden so wohl nicht vorgestellt hatten. Schon im Vorfeld des Referendums hatten sich nicht nur der Iran, die Zentralregierung im Irak und die Türkei dagegen ausgesprochen, auch die US-Regierung und Putin sprachen sich dagegen aus. Auch die syrische Regierung, die mit der Bildung eineyr kurdischen Verwaltungszone konfrontiert ist, kritisierte das Referendum, so dass alle vier Nachbarn der Kurdischen Autonomie gegen die Abhaltung des Referendums waren.
Dies führte nicht nur zu gemeinsamen Sanktionen – Flugblockaden, Truppenkonzentrationen an der Grenze, sondern schließlich auch zu einem gemeinsamen militärischen Vorgehen des Irans und der Zentralregierung des Iraks. Am Montag Morgen (16.10.2017) rückten das irakische Militär und die al-Haschd ash-Scha°bi (Volksmobilmachung, eine schiitische Formation, die vom Iran ausgebildet und unterstützt wird) gegen Kerkuk (Kirkuk) vor und nahmen sie bis zum Abend ein, während kurdische Flüchtlinge die Ausgangsstraßen verstopften. Innerhalb von 48 Stunden räumten die kurdischen Streitkräfte weitere wichtige Gebiete: Sinjar (Sindschar), Bashiqa (Baschiqa), Makhmour (Machmur). Die außerhalb der Kurdischen Autonomie gelegenen Provinzen Nineveh und Diyala, die im Laufe des Kriegs von den Kurden einverleibt wurden, gingen wieder an die Zentralregierung. Mit Kerkuk ist ein Hauptteil der Erdöleinnahmen der Kurdischen Autonomie wieder der Zentralregierung zugefallen, und die Zentralregierung fordert nun auch, dass die Peschmerga, die kurdischen Streitkräfte, ebenfalls der Zentralregierung unterstellt werden.
Al-Dschasira berichtet von einem Deal, der laut Gerüchten zwischen General Qassem Soleymani, dem Befehlshaber der Qods-Streitkräfte der Pasdaran, und Bafel Talebani, einem führenden PUK-Politiker, ausgehandelt wurde, wonach die PUK-Kräfte den Einheiten der Haschd asch-Scha°bi kampflos ihre Stellungen in Kerkuk überlassen haben sollen. Al-Dschasira schreibt, dass später aber auch Einheiten der KDP (Barsanis Partei) ebenfalls ihre Stellungen bei Kerkuk geräumt habe, also nicht nur die PUK-Kämfper, wie Masud Barsani behauptete.
Jetzt haben irakische Truppen zusammen mit der schiitischen „Volksmobilmachung“ auch Altun Kupri eingenommen, das 40 km südlich der kurdischen Hauptstadt Arbil liegt.
Mit der Abhaltung des Referendums hat Masud Barsani und sein Umfeld in wenigen Tagen das zerstört, was die Kurden im Krieg gegen den IS gewonnen hatten.

http://www.aljazeera.com/news/2017/10/iraq-army-seizes-town-erbil-fierce-clashes-171020101628079.html
20.10.2017
Iraq army seizes Altun Kupri from Kurdish Peshmerga

http://www.aljazeera.com/news/2017/10/shocking-reversal-fortunes-unfolded-kirkuk-171020092324524.html
20.10.2017
How a shocking reversal of fortunes unfolded in Kirkuk
by John Beck

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/71475/
19.10.2017
gozareshe shabakeye al-jazire az kerkuk

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Kerkuk: Irak – Iran – Kurdistan


Massud Barsani, Präsident in der Pose des Feldherrn

Kerkuk, ein Zentrum der Erdölförderung im Irak, war lange Zeit in der Hand des „Islamischen Staats“ (IS). Im Rahmen des Kriegs gegen den IS, in dem auch die Kurdische Autonomie des Nordiraks eine wichtige militärische Rolle spielte, gelang des den kurdischen Kämpfern, den Peschmerga, den IS aus Kerkuk zu vertreiben und die Stadt einzunehmen. Barsani nutzte jetzt das Referendum über die Unabhängigkeit, dieses Referendum auch auf Kerkuk auszuweiten und so seinen Machtanspruch auf dieses Gebiet auszudehnen. Es war ein Versuch, der auf rasche und heftige Reaktion des Irans und der irakischen Zentralregierung stieß. Schon kurz nach dem Referendum brachte die irakische Regierung Soldaten nach Kerkuk.

Iranisches Zureden
Am Sonntag, den 15. Oktober, erschienen Qassem Soleymani, der Befehlshaber der Qods-Streitkräfte der iranischen Revolutionswächter (Pasdaran), die für „Auslandsoperationen“ zuständig sind, in der Kurdischen Autonomie im Nordirak, wo er Soleymaniye, das Machtzentrum der PUK (Patriotische Union Kurdistans) von Dschalal Talebani, und dann Arbil, die Hauptstadt der Autonomie, besuchte. Seine Botschaft an die kurdischen Führer soll angeblich so gelautet haben: „Bis jetzt habe ich al-Haschd asch-Scha°bi gebeten, das irakische Kurdistan nicht anzugreifen, aber das werde ich jetzt nicht mehr tun.“
al-Haschd asch-Scha°bi, wörtlich Volksmobilmachung, ist eine Formation schiitischer Milizen im Irak, die im Kampf gegen den IS gegründet wurde und vom Iran militärische Unterstützung und Ausbildung erhielt.

Ultimatum
Am Samstag stellte die irakische Zentralregierung der Kurdenführung ein Ultimatum: Sie solle Kerkuk binnen 48 Stunden räumen, sonst werde es von den Regierungstruppen eingenommen. Am Sonntag und Montag erfolgte dann die Besetzung der Stadt Kerkuk, angeblich sollen 60% der Bevölkerung in die angrenzenden kurdischen Provinzen geflohen sein. Zu einem Krieg kam es nicht.

Massud Barsani erklärt Gegner zum Verräter
Massud Barsani (Mas°ud Barzani), der Präsident der Autonomen Region Kurdistan, dessen laut der Verfassung zulässige Amtszeit eigentlich schon 2013 zu Ende war, hatte das Referendum um die Unabhängigkeit durchführen lassen, um sein korruptes Image im Volk aufzupolieren. Das ist ihm gelungen. Er nutzte das Referendum zugleich, die Kriegsbeute Irak in sein Reich einzuverleiben, denn die Erdöleinnahmen aus Kerkuk sind für ihn so verlockend wie für die irakische Zentralregierung oder andere Politiker. Es war ein Pokerspiel, das er verloren hat. Er wäre kein Politiker, wenn er das offen zugäbe. Stattdessen ließ er eine Erklärung veröffentlichen, in der er die Peschmerga einige Führer der PUK für den Verlust von Kerkuk verantwortlich macht. Das Vorrücken der al-Haschd asch-Scha°bi in Kerkuk sei nur durch „Verrat“ möglich gewesen, weil diese Peschmerga das Gebiet geräumt hätten. Diese Version hat gleich mehrere Vorteile: Erstens kann Barsani den Widerstandskämpfer spielen, ohne dass Widerstand geleistet wurde. Die Stadt ist ja durch „Verrat“ gefallen. Zweitens kann er wichtige Gegenspieler als Verräter brandmarken und wer weiß, vielleicht wird ihnen bald der Prozess gemacht. Und zu guter Letzt steht er als Sieger im innerkurdischen Machtkampf da, obwohl sein Pokerspiel um Kerkuk nicht aufgegangen ist.

Erdöl fließt weiter in die Türkei
Auffällig ist, dass die türkische Regierung, die ihr Militär an die Grenze zum Nordirak geschickt hat und verbal mit Krieg drohte, allen Drohungen zum Trotz trotz des Unabhängigkeitsreferendums für Kurdistan den Ölhahn nicht zugedreht hat. Angesichts der guten Beziehungen zwischen Barsani und Erdogan bedeutet dies wohl, dass beide Seiten wissen, dass es sich um ein Spiel handelte. Kerkuk ist für Kurdistan verloren, Barsani hat seine illegale Macht ausgebaut und steht als Held vor den Kurden da, und Erdogan behält mit ihm einen gewichtigen Gegenspieler gegen die PKK.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=139197
qasem soleymani dar arbil, saf-ara‘iye nezami dar kerkuk
vom 23. Mehr 1396 (15. Oktober 2017)

https://de.wikipedia.org/wiki/Al-Haschd_asch-Scha%CA%BFb%C4%AB

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/71435/
mas°ude barzani: be ma xiyanat shod
vom 16.10.2017 15:53

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=82643
wad.°iyate fouq ol-°ade wa xatare dargiriye nezami dar kerkuk
vom 23. Mehr 1396 (15. Oktober 2017)

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IS: Verlust von Mosul – ein Schlag für die Finanzen

Zum Höhepunkt ihrer Macht hatte die IS in Syrien und im Irak acht Millionen Menschen unter ihrer Kontrolle.
Vor den Angriffen auf Raqqa und auf Mosul verfügte der IS über acht wichtige Einnahmequellen.
1. Das Erdöl: Zum Höhepunkt der Macht des IS stellten die Erdöleinnahmen aus 8-10 Erdölfeldern in Syrien und im Irak einen Anteil von 25-35% der Gesamteinnahmen dar. Zur Verwaltung der Erdölfelder, der Erdölraffinerien und der Vermarktung hatte der IS einen eigenen Erdölkonzern gegründet, der mit auch aus dem Ausland geholten Fachleuten geleitet wurde. Das Erdöl wurde deutlich unter Marktpreis verkauft. Es wurde in Syrien und im Irak, aber auch in den Nachbarländern zum Verkauf angeboten. Die Erdöleinkünfte wurden auf 4 Millionen Dollar pro Tag eingeschätzt.
2. Steuern: In seinem Herrschaftsbereich erhob der IS Konsumsteuern (also eine Art Umsatzsteuer), Steuern auf das Kommunikationswesen (Handy, Telefon etc.), auf den Verkehr (von LKWs), auch eine Art Kopfsteuer für Christen und Juden trieben sie ein. Konkrete Angaben über die Höhe der Einkünfte aus diesen Steuern liegen nicht vor.
3. Konfiszierung des Eigentums von Flüchtlingen und Angeklagten: Der IS gelangte auf diesem Weg in den Besitz von großen landwirtschaftlichen Flächen und Immobilien. Durch den Weiterverkauf soll er ebenfalls hohe Einnahmen erzielt haben.
4. Finanzielle Unterstützung durch Staaten am Persischen Golf. Dies soll zu Beginn des IS dessen größte Einnahmequelle gewesen sein. Konkrete Angaben fehlen.
5. Inhaftierung und Freilassung westlicher Staatsbürger gegen ein hohes Lösegeld. Auch hier fehlen konkrete Beträge.
6. Plünderung von Banken: Die Geldbestände von Bankfilialen, die in den Herrschaftsbereich des IS fielen, wurden geplündert. Der größte Betrag, der dem IS dabei in die Hände fiel, war das, was in der Filiale der irakischen Zentralbank in Mosul lagerte, als der IS 2014 die Stadt eroberte. Es heißt, dass damals 500 Millionen Dollar in den Besitz des IS gelangten.
7. Organhandel mit Körperteilen von Kriegsgefangenen, zum Tode Verurteilten und verletzten Soldaten. Es dürfte schwer sein, hier „fake news“ von Fakten zu unterscheiden, denn wir befinden uns im Krieg, und das, was hier in den Medien lanciert wird, ist Teil der Kriegsführung der „Koalition“. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Vorwürfe falsch sind, aber die Überprüfung dürfte schwer fallen.
8. Verkauf von Antiquitäten: Vor der Zerstörung historischer Denkmäler entfernte der IS alles, was demontierbar war, und vertrieb es über den Schwarzmarkt.
Nach der Vertreibung des IS aus Mosul hat der IS angeblich mehr als 60 Prozent seines Herrschaftsgebietes verloren. Die Erdöleinnahmen sollen jetzt auf ein Zehntel des Werts vor 2 Jahren gefallen sein.

https://www.radiofarda.com/a/f3-isis-economic-pilars-collapse/28605536.html
vom 19. Tir 1396 (10. Juli 2017)
sotunhaye eqtesade da°esh foru rixte‘and

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Iran – Frankreich – China: Erdgasabkommen

Am 3. Juli 2017 haben die französische Firma Total, die chinesische CNPC und die iranische Petropars ein Abkommen mit einer Laufzeit von 20 Jahren unterzeichnet. Sie bilden ein Konsortium zur Ausbeutung von Erdgasvorkommen im Iran mit einem Anteil von 50,1% für Total, 30% für CNPC und 19,9% für die iranische CNPC. Es ist vorgesehen, täglich 56 Millionen Kubikmeter Gas und 80.000 Flüssiggasfässer zu produzieren.
In der ersten Phase sollen zwei Milliarden Dollar investiert werden, um 30 Gasbohrungen durchzuführen, 270 km Leitungen zu verlegen und zwei Erdgasförderplattformen zu errichten. Außerdem soll eine Beladestelle für Schiffe geschaffen werden, die das flüssige Erdgas transportieren. Nach drei Jahren wird der Gasdruck dann so abnehmen, dass viel stärkere Pumpen installiert werden müssen, dann sind nochmal Investitionen in Höhe von 2,5 Milliarden Dollar fällig.

https://www.radiofarda.com/a/f6_iran_total_south_pars/28593790.html
vom 12. Tir 1396 (3. Juli 2017)
total wa iran qarardade 4,8 Miliyard Dolari parse jonubira emza kardand

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Iranischer Ölminister: 200 Mrd. Dollar an Investitionen erforderlich

Der iranische Erdölminister Bijan Zanganeh hat heute, den 18.10.2016, bekannt gegeben, dass die Erdölindustrie im Iran Investitionen in Höhe von 200 Mrd. Dollar benötigt. Der größere Teil dieser Summe, 134 Mrd. Dollar, wird allein für die Entdeckung und Förderung der iranischen Erdölvorkommen benötigt, 52 Mrd. Dollar werden für die Petrochemie, der Rest für sonstige Ausgaben im Erdölsektor.

Diese Summe entspricht laut Bijan Zanganeh 14 mal den Erdöleinnahmen aus den letzten 10 Monaten. Der Iran sei daher auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen. Laut dem Minister hat der Iran in den letzten 6 Monaten 3,8 Mio. Barrel Öl pro Tag gefördert. Bis Jahresende soll die Förderung auf 4,3 Mio. Barrel pro Tag steigen.

Ausländische Unternehmen werden aufgefordert, sich mit ihren Investitionswünschen vorzustellen. Ali Karder, ein hoher Vertreter der iranischen Erdölindustrie erklärte, dass heute Anzeigen in internationalen Zeitungen geschaltet wurden, mit der Aufforderung, sich zu bewerben. Die Unternehmen, die sich bewerben, würden vom Ministerium dahingehend geprüft, ob sie z.B. in der Lage sind, ihre Vorhaben auch durchzuführen und würden dann, wenn die Bedingungen zu den iranischen Interessen passen, eine Genehmigung erhalten.

Die Äußerungen stammen von einem Mitglied der iranischen Regierung Rouhani und entsprechen deren Politik, sich gegenüber dem Westen zu öffnen, verlässliche Vereinbarungen zu treffen und sich ein Stück auf Abhängigkeiten vom Ausland einzulassen. Die eigentlichen Machthaber, Anhänger von Chamene‘i, fundamentalistische Rechtsgelehrte, Bassidschi, Revolutionswächter und Geheimdienste haben daran keinerlei Interesse. Nach dem Verständnis einer Fraktion der Fundamentalisten ist es verboten, mit dem Ausland auch nur zu sprechen, geschweige denn Vereinbarungen zu treffen. In ihren Zeitungen und politischen Pamphleten weisen sie ständig darauf hin. Manche gehen so weit, dass sie geradezu das Erscheinen des 12. Imams herbeiführen wollen, der nach ihrer Vorstellung erst auftreten wird, wenn die Zustände in der Gesellschaft so katastrophal sind, dass alles den Bach herunter geht.

Die Bassidschi und Revolutionswächter haben einen großen Teil der iranischen Wirtschaft in ihren Händen und forcieren seit vielen Jahren eine rasante Deindustrialisierung im Iran. Ihre Geschäfte laufen dann am besten, wenn im Iran Mangel herrscht und wenn alle Waren aus dem Ausland importiert (bzw. geschmuggelt) werden müssen.

Wer kann also diese 200 Mrd. US Dollar in die Ölindustrie investieren? Der Iran selber kann es natürlich nicht. Ausländische Firmen haben Erfahrung mit dem Iran und sind mittlerweile mit ihren Investitionen sehr vorsichtig geworden. Direktinvestitionen erfordern ein hohes Maß an Vertrauen und nicht zuletzt Rechtssicherheit.

Vor über einem Jahr wurden die ausländischen Sanktionen gegenüber dem Iran gelockert und viele ausländische Wirtschaftsdelegationen kamen in den Iran um Geschäftsmöglichkeiten zu prüfen. Bislang gab es aber nur Versprechungen und von großen Abschlüssen war noch nicht viel zu hören. Auch die Probleme im Bankensektor sind weiterhin vorhanden.

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Iran: Tödliches Erdöl


Protest der Kurden in Mariwan gegen Erdöltanklastwagen

Am Samstag, den 4. Oktober 2016, fand vor dem Sitz des Gouverneurs von Mariwan eine Protestkundgebung der einheimischen Bevölkerung, also der Kurden statt. Sie forderten ein Verbot für den Verkehr von Tanklastwagen auf der Straße zwischen Mariwan und Sanandadsch.


Es handelt sich dabei um eine kurvenreiche Gebirgsstraße, die stellenweise absackt und in die seit der iranischen Revolution anscheinend wenig Geld für den Unterhalt gesteckt wurde.

Auf der Straße wird Erdöl aus der Kurdischen Autonomie im Irak in den Iran exportiert, dort in Raffinerien verarbeitet und dann gewinnbringend von der iranischen Seite auf dem Weltmarkt verkauft.

Immer wieder stürzen solche Tanklastwagen um, geraten in Brand, so dass auch andere Autos in Flammen aufgehen und die Insassen verbrennen, oder aber das Öl läuft auf die Straße, wo es wie Schmierseife wirkt. Von den Umweltschäden, die das auslaufende Öl anrichtet, ganz zu schweigen.

Vermutlich profitiert im irakischen Kurdistan der Barsani-Clan vom Export in den Iran, und auf iranischer Seite die Pasdaran von der Weiterverarbeitung und dem Verkauf auf dem Weltmarkt. Das macht es unwahrscheinlich, dass die Proteste der Kurden auf offenes Gehör bei den Ämtern stoßen.

http://www.radiofarda.com/a/f3-mariwan-protest-roads-situation/28031910.html
tajammo°e e°tera:zi dar mariwa:n be °obur wa morure ta:nkerha:ye ha:mele suxt
Protestkundgebung in Mariwan gegen den Verkehr von Öltankwagen
vom 13. Mehr 1395 (4. Oktober 2016)

http://www.marivan.gov.ir/Default.aspx?TabId=50&nid=27163
ra:neshe ja:ddeye asliye mariwa:n sanandaj
Abrutschen der Hauptverbindungsstraße zwischen Mariwan und Sanandadsch
vom 21. Adhar 1392 (12. Dezember 2013)

http://kurdtoday.ir/news/7637/%D8%A7%D8%AC%D8%AA%D9%85%D8%A7%D8%B9%DB%8C/%D9%88%D8%A7%DA%98%DA%AF%D9%88%D9%86-%D8%B4%D8%AF%D9%86-%DB%8C%DA%A9-%D8%AF%D8%B3%D8%AA%DA%AF%D8%A7%D9%87-%D8%AA%D8%A7%D9%86%DA%A9%D8%B1-%D9%86%D9%81%D8%AA-%DA%A9%D8%B4-%D8%AF%D8%B1-%D8%AC%D8%A7%D8%AF%D9%87-%D8%B3%D9%86%D9%86%D8%AF%D8%AC-%D9%85%D8%B1%DB%8C%D9%88%D8%A7%D9%86.html
wa:zhgun shodane yek dastga:he ta:nkere naft-kesh dar ja:deye sanandaj – mariwa:n
Umstürzen eines Tanklastwagens auf der Straße zwischen Sanandadsch und Mariwan
vom 9. Mordad 1394 (1. Juli 2015)

http://tnews.ir/news/5EEF31491696.html
ja:ne mohite zist wa mardoma:n dar ja:deye sanandaj-mariwa:n ba: ham gerefte mi shawad
Auf der Straße von Sanandadsch nach Mariwan verlieren Mensch und Umwelt ihr Leben
vom 16. Mehr 1393 (8. Oktober 2014)

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Iran: Vor Erdölfirma: Sitzstreik bei 50°C


Mas‘ud Ken‘ani

Am 30. August meldete die iranische Webseite peykeiran.com, dass der 40-jährige Mas‘ud Ken‘ani in Ahwas vor dem Gebäude der staatlichen Erdölbohrfirma Sherkat-e Melli-ye Haffari-ye Iran (Nationale Bohrgesellschaft des Irans) sein Zelt aufgeschlagen hat, um im Namen der Arbeitslosen und Kranken der Stadt den iranischen Erdölminister zu sprechen, der nach Ahwas zu Besuch kommt. Ahwas ist ein Zentrum der iranischen Erdölproduktion.

Brot und Luft zum Atmen
Über dem Zelteingang hat Mas‘ud Ken‘ani ein Plakat aufgehängt: „Na:n o nafas“ – Brot und Luft zum Atmen, heißt die Forderung. Als er sein Zelt vor der Erdölfirma aufschlug, kamen die Verantwortlichen der Firma zu ihm und fragten: „Wer gibt dir das Recht, hier zu protestieren?“ Worauf er sie fragte: „Und wer gibt euch das Recht, die Bürger krank zu machen? Wer gibt euch das Recht, die Umwelt kaputt zu machen?“

Erdölförderung in einer Millionenstadt
Die staatliche Erdölbohrfirma fördert an mehreren Stellen in (!) der Millionenstadt Ahwas Erdöl. Die Folgen für die Qualität der Luft, mit Schäden an Pflanzen und Menschen, sind beachtlich. So berichtet Mas‘ud Ken‘ani, dass vier Mitglieder seiner Familie an Asthma leiden. Er steht zwar allein da, aber er sagt, dass andere, die von Arbeitslosigkeit und Gesundheitsschäden betroffen sind, ihn gebeten hätten, ihre Forderungen an den Erdölminister zu überreichen. Und die heißt: Das Ministerium soll für die Schäden Verantwortung tragen, die seine Produktion an der Umwelt und an der Gesundheit der Menschen anrichtet.

Auch die Dattelpalmen mögen keine Abgase
Mas‘ud Ken‘ani, ein Naturfreund, besucht regelmäßig die Gebiete in der Region Ahwas, wo Palmen wachsen. Was er dort sieht, ist beunruhigend. Auch die Palmen gehen ein. Wer übernimmt die Verwantwortung? fragt er.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=115378
vom 9. Schahriwar 1395 (30. August 2016)
e°tera:z-e shahrwand-e ahwa:zi be wazir-e naft / „naft: na:n o nafas-ra: gereft“

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Schwerer Brand in iranischer Erdölraffinerie

Am Mittwoch Abend, den 6.7.2016 ist ein Großbrand in der iranischen Raffinerie „Petrochemie Bu Ali Sina“ ausgebrochen. Sie liegt in der Hafenstadt Mahschahr am persischen Golf.

Auf den Bildern ist zu sehen, dass mindestens zwei große Erdöltanks in Flammen geraten sind. Der Brand konnte bis heute, den 8.7.2016 noch nicht gelöscht werden obwohl sogar spezielle Löschflugzeuge zum Einsatz kamen. Es ist unklar, ob und wenn ja wann das Löschen gelingen wird.

Die Hauptsorge besteht darin, dass der Brand auf weitere Tanks und sogar auf angrenzende Petrochemie-Unternehmen übergreifen könnte. Es wurden Versuche unternommen, das Öl in den angrenzenden Tanks abzupumpen.

Gleich zu Beginn des Brandes wurden die Menschen aus der Raffinerie evakuiert. Die nahe gelegene Straße zwischen Mahschahr und dem Imam-Chomeini-Hafen ist vollständig gesperrt.

Mit diesem Brand wurde laut der Zeitung Tejarat („Handel“) „das Herz der iranischen Petrochemie“ getroffen.

Quelle: Verschiedene iranische Medienberichte

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Iran: Vom natürlichen Recht auf Wegelagerei

Hossein Schariatmadari ist der Chefredakteur der Teheraner Zeitung Keyhan, die vom Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i herausgegeben wird. Wie die Webseite Peykeiran meldet, berichtet die iranische Nachrichtenagentur ISNA, dass sich Hossein Schariatmadari empört über das Vorgehen der USA geäußert hat, iranisches Vermögen zu beschlagnahmen. Das betrifft nicht nur 2 Milliarden Dollar, die direkt beschlagnahmt wurde, darüber hinaus sind noch weitere 50 Milliarden Dollar blockiert, wie er schreibt.
Er weiß auch Abhilfe: „Die Schließung der Meerenge von Hormos für Staaten wie die USA und einige europäische Länder ist das natürliche und legitime Recht der Islamischen Republik Iran. Wir sollten nicht zögern, dieses legitime Recht zu nutzen, um die Plünderung des Vermögens unseres Landes zu verhindern und die geraubten 2 Milliarden Dollar zurückzuholen.“

Quelle:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=10823
vom 8. Mai 2016, Hossein Shariatmadari: baraye gereftane pule xod tangeye hormozra bebandid

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Iran: Die Kleinen hängt man…

Am Montag, den 6.3.2016, berichtete news.gooya von einem Urteil der 15. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran. Es verhängte gegen 3 Personen die Todesstrafe, darunter gegen Babak Sandschani.

Hintergrund des Verfahrens ist die Amtszeit von Mahmud Ahmadineschad. Damals erfanden Ahmadineschad und die Leute hinter ihm aufgrund der Sanktionen wegen des Atombombenprogramms andere Wege zum Export des iranischen Erdöls. Eine der Methoden war die Gründung von Privatfirmen von Personen, die das Öl unter ihrem Namen exportierten und das Geld dann weiterleiten sollten.

Um diese Gelder, es sind Milliarden (Euro-Beträge!) geht es auch jetzt. Babak Sandschani und den Mitangeklagten wird vorgeworfen, sie hätten die Gelder unterschlagen, um dem System zu schaden. Es wird gemunkelt, dass Babak Sandschani seinen Kopf noch retten kann, wenn er die geforderte Summe (wohl 2,5 Milliarden Euro) auftreibt.

Der Sprecher des Hohen Rats der Justiz im Iran, Mohsen Esche‘i, bezeichnete Babak Sandschani als „Verderber auf Erden“ (mofsed fi l-ard.) – das ist die islamistische Basis für ein Todesurteil. Man sollte dabei nicht vergessen, wer Esche‘i ist – ehemals Geheimdienstminister, ein Mann, an dessen Händen Blut klebt. Unabhängig davon, ob sich Babak Sandschani und die Mitangeklagten bereichert haben oder nicht, gehört Esche‘i ebenso zum Täterkreis wie Ahmadineschad und die Pasdaran-Generäle, die den Erdölhandel kontrollieren. Das Todesurteil ist eine Abrechnung unter ihnen, mit Wahrheitsfindung haben die nichts am Hut.

Dies sei unabhängig davon gesagt, dass die Todesstrafe eine Barbarei ist. Ob im Iran, in Saudiarabien, in China oder in den USA.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/03/209409.php

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Iranischer Präsident in Rom


Präsident Rouhani mit 100 Geschäftsleuten und Ministern in Rom

Wie Radio Farda berichtet, ist der iranische Präsident Hassan Rouhani heute zu einem Besuch in Italien eingetroffen. Dabei sollen Verträge über einen Wert von 17 Milliarden Euro geschlossen werden. So soll die italienische Erdölfirma Saipem S.p.A. (43% der Aktien gehören ENI) eine 2000 Kilometer lange Erdölleitung bauen.
Laut Repubblica sollen mit der im Stahlsektor tätigen Gruppe Danieli sowie mit der Firma Fata, die Industrieprojekte plant, Verträge im Wert von 4,5 Milliarden Euro geschlossen worden sein.
Der Iran plant darüber hinaus den Kauf von 114 Passagierflugzeugen der Firma Airbus.
Auf politischer Ebene unterstützt der Iran Italien darin, einen nicht-ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu erhalten.
Amnesty International in Italien hat den italienischen Präsidenten gefordert, auch das Thema der Hinrichtungen im Iran anzusprechen.
Hassan Rouhani wird weiter mit dem Papst im Vatikan zusammentreffen und anschließend nach Frankreich reisen. Dort haben im Vorfeld iranische Oppositionelle eine Demonstration gegen die Hinrichtungen im Iran abgehalten.
http://www.radiofarda.com/content/o2-rouhani-letter-sixpower/27508080.html
http://www.repubblica.it/esteri/2016/01/25/news/iran_presidente_rohani_in_italia-132006869/?refresh_ce

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Iran: Streik der Studenten aus dem Bereich Erdölindustrie

Die Hochschule für Erdölindustrie, die in Teheran, Ahwas und Abadan vertreten ist, verzeichnet derzeit einen Streik der Studierenden dieses Zweigs. Der Streik ist eine Reaktion auf die Entscheidung des Erdölministeriums, die Arbeitsverträge mit den Studenten, die für dieses Ministerium arbeiten sollten, zu kündigen. Die Studenten bestehen auf der Einhaltung der Verträge, in denen die Studenten zum Studienantritt eine Anstellung im Ministerium zugesichert bekommen hatten.
http://www.akhbar-rooz.com/news.jsp?essayId=71425

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Iran: Essensboykott der Erdölarbeiter

Am Samstag, den 5. Dezember 2015, hatten 6000 Arbeiter der iranischen Erdölindustrie eine spezielle Art von Hungerstreik eröffnet. Sie verweigerten die Annahme des Essens in der staatlichen Kantine. Zur Arbeit gingen sie zwar noch, aber die Botschaft an den Staat war klar: Wenn der Staat ihre Forderungen ignoriert, können sie auch anders. Hintergrund ist, dass der Staat die Arbeitsverträge der fest angestellten Arbeiter heimlich umwandeln und die Arbeiter an Privatfirmen übertragen wollte. Wieso er das heimlich versuchte, wo es für die Arbeiter ohnehin rasch sichtbar geworden wäre, ist rätselhaft. Der Boykott dauerte fünf Tage, dann stellten die Arbeiter ihn vorläufig ein. Sie drohten mit einer Wiederaufnahme des Boykotts, falls der Staat nicht auf ihre Forderungen eingehe.

Quelle:

http://naftema.com/news/35896/اعتصاب-غذا-۶%DB%B0%DB%B0%DB%B0-نفر-از-کارکنان-نفت-در-جنوب

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Iran: Der Dollar ist stärker als die Atombombe

Im Iran gibt es jetzt einen Dollar zu einem Kurs von 3700 Tuman. Das ist eine drastische Verschlechterung des Wechselkurses und gewiss nicht das, was sich die Wähler von der Wahl des Präsidenten Rouhani erwartet haben. Immerhin hat er es geschafft, ein Abkommen mit den Westmächten über die atomare Abrüstung auszuhandeln. Die Hoffnung im Volk war die, dass mit dem Ende der Sanktionen die Wirtschaft wieder in Gang kommt und damit natürlich auch der Dollar wieder fließt. Es kommt leider anders. Warum?

Woher kommen die Dollars?
Die Deviseneinnahmen des Irans sind stark vom Erdölverkauf abhängig. Der Erdölpreis ist innerhalb eines Jahres um 60% gesunken. Hinzu kommt, dass im Iran auch die Fördermengen gesunken sind. Die Folge: in den letzten vier Jahren sind die Erdöleinnahmen des Irans von 110 Milliarden Dollar auf 25 Milliarden Dollar gefallen. Die Dollars fehlen jetzt.

Fallender Euro
Parallel dazu sinkt aus anderen Gründen der Kurs des Euros gegenüber dem Dollar, dadurch wird die Nachfrage nach dem Dollar auf dem Weltmarkt größer, sein Preis steigt weltweit. Diese Rechnung müssen alle Länder bezahlen.

Die Hände des Staats sind gebunden
Angesichts des Dollarmangels kann der iranische Staat den Importeuren nicht mehr den günstigen staatlichen Wechselkurs von 1 Dollar für 3000 Tuman bieten, jetzt kostet er 3100 Tuman, was den Preis auf dem freien Devisenmarkt erhöht.

Haushaltsdefizit
Vor dem Hintergrund der schweren Wirtschaftskrise im Iran hat der Staat nur 50% der geplanten Einnahmen erzielt, auch das untergräbt den Wert der eigenen Währung, weil es zu einer drastischen Mehrverschuldung des Staats führt.

Schluss mit der Hochzinspolitik
Die angekündigte Rücknahme der hohen staatlichen Zinsen für Ersparnisse führte zum Ansturm auf die Sparkonten. Der Wertverfall gegenüber dem Dollar veranlasst die Sparer, das Geld abzuheben und auf dem Schwarzmarkt gegen Dollar einzutauschen, was die Nachfrage und somit den Wechselkurs erhöht.

Der liebe Gott ist Schuld
Ja, und dann ist jetzt auch die Zeit der Pilgerreisen für die Gläubigen und Geschäftstüchtigen. Wer nach Kerbela im Irak reisen will, braucht auch Devisen…

Dollar statt Gold
In der letzten Zeit ist im Iran die Nachfrage nach Gold gesunken, entsprechend auch der Kurs und die Möglichkeit, damit zu spekulieren. Spekulanten aus diesem Bereich stürzen sich deshalb auch auf den rasch steigenden Dollar.

Inflation gesunken, aber zu hoch
Inflation zwar von 40% auf 14% gesunken, aber immer noch viel höher als in den meisten Industriestaaten, daher Flucht aus der iranischen Währung in stabilere Währungen.

Die Gießkanne ist leer
Die geringen staatlichen Dollar-Einnahmen durch Zentralbank (für’s Erdöl nur noch 25 Milliarden im Jahr) führen dazu, dass die Bank keinen Dollar mehr auf den Markt werfen kann, um den Kursanstieg zu dämpfen.

Wie man sieht, es gibt einen ganzen Strauß von Gründen, wieso es mit dem Wechselkurs des iranischen Rials bergab geht. Da die Industriestaaten kein Interesse an einer baldigen Erhöhung des Erdölpreises haben und ein Aufschwung der iranischen Industrie ohne Investitionen nicht möglich ist, wird sich die Lage nicht so rasch bessern.

Quelle:
Freydun Chawand auf der Webseite von Radio Farda, 30. November 2015
http://www.radiofarda.com/content/f8-dollar-vs-rial/27398003.html

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Erdogan in den Fußstapfen des Islamischen Staats?

Am 31. Oktober 2015 stürzte ein Flugzeug mit mehr als 200 russischen Passagieren ab, das von Scharm sch-Scheich nach St. Petersburg fliegen sollte. Spätere Auswertungen des Flugschreibers ergaben, dass die Behauptung des IS (Islamischer Staat), der die Verantwortung für den Absturz übernahm, wohl doch zutrafen und eine Bombe an Bord geschmuggelt worden war.
Am 24. November 2015 wird über Syrien ein russisches Militärflugzeug abgeschossen, eine SU-24. Der Unterschied ist groß. Die Opfer waren in diesem Fall zwei russische Militärs, die dabei waren, Bomben über Syrien abzuwerfen. Die Begründung für den Abschuss auf türkischer Seite ist scheinheilig: Das Flugzeug habe die türkische Grenze verletzt und nicht auf Warnungen reagiert. Die russische Seite bestreitet, dass es Warnungen gegeben habe, und weist darauf hin, dass das Flugzeug und die Besatzung über Syrien abgeschossen wurden und dass das türkische Kampfflugzeug dazu in den syrischen Luftraum eingedrungen sei. Über die Details mögen sich Militärs und Geheimdienste streiten, die Zugriff zu den Daten haben – wir haben sie nicht.

Ein geplanter Abschuss
Die Behauptung der türkischen Regierung, man habe nicht gewusst, dass es sich um ein russisches Flugzeug handle, klingt lächerlich. Die Türkei war Jahrzehnte der Frontstaat und das Ohr der NATO im Süden der Sowjetunion, natürlich kennen die türkischen Militärs die sowjetischen Flugzeugtypen.
Deswegen ist es beachtlich, wenn der Oberkommandierende der russischen Luftstreitkräfte Viktor Bondaryew erklärt, dass das türkische Flugzeug, das Luft-Luft-Raketen auf das russische Flugzeug abfeuerte, vom Boden aus dirigiert worden sei. (http://ria.ru/world/20151127/1330013643.html). Auch standen auf syrischer Seite Leute mit Videokamera bereit, den Abschuss aufzunehmen und ihn über youtube und die türkischen Medien zu verbreiten. Auch dies erfordere Vorbereitung.
Die Verantwortung für die tödlichen Schüsse auf den Piloten, der sich mit Fallschirm aus dem abgeschossenen Kampfflugzeug katapultiert hatte, übernahm ein Kommandant der „Turkmenischen Division“ der „Freien Syrischen Armee“, ein gewisser Alpaslan Celik, der nach Angaben der russischen Zeitung Moskovskiy Komsomolets den türkischen „Grauen Wölfen“ angehört. Die der MHP nahe stehenden Grauen Wölfe stehen zwar eigentlich in Opposition zur AKP-Regierung, aber wo sich die Interessen decken, haben sie freie Hand. So überrascht es nicht, dass die türkische Regierung dann den Leichnam des beim Fallschirmabsprung erschossenen Piloten von ihren Verbündeten in Syrien ausgehändigt bekam und am 29. November an Russland überstellen konnte.
(http://www.mk.ru/politics/2015/11/29/turciya-vernet-rossii-telo-ubitogo-pilota-su24.html)


Das strittige Gebiet: Die blaue Linie von Nord nach Süd ist der Euphrat, dort ist Cerablus auf syrischer Seite eingezeichnet (auf türkischer Seite ist der Übergang Karkamis). Nördlich von Azez liegt auf türkischer Seite Kilis. Die nächstgelegene türkische Großstadt ist Gaziantep, die man im Norden der Karte noch im Ausschnitt erkennt

Der Abschuss gilt den Kurden
Am 13. Oktober 2015 berichtete die türkische Tageszeitung radikal, dass die türkischen Machthaber beunruhigt seien, dass die kurdischen Milizen der PYD, die als Schwesternorganisation der PKK betrachtet wird, im Rahmen des Kampfes gegen den „Islamischen Staat“ sowohl von den USA als auch von Russland unterstützt würden. Namentlich dank russischer Unterstützung bereite sich die PYD darauf vor, das Gebiet westlich des Euphrat zwischen Cerablus und Azez einzunehmen. Im Juni habe die PYD durch Einnahme von Tel Abyad die kurdischen Kantone Kobani und Cizre vereinen können, jetzt versuche sie, den nördlichen Grenzstreifen westlich des Euphrat bis zum kurdischen Kanton Afrin einzunehmen. Auf diese Art würde an der syrischen Nordgrenze zur Türkei ein kurdischer Korridor entstehen. Diese Aussicht beunruhigt die türkischen Regierenden offensichtlich mehr als die Machtausübung des Islamischen Staates in Syrien.
(http://www.radikal.com.tr/turkiye/pydnin-firatin-batisina-gecmesi-kabul-edilemez-1451221/)
Auch Dogan Durgun schreibt am 29. November 2015 in der Zeitung Özgür Gündem, dass die türkischen Regierung vor allem verhindern wolle, dass die Kurden das Gebiet zwischen Kobani und Farin unter ihre Kontrolle bringen. Denn zum einen wollte die Türkei dort eine Pufferzone einrichten, in der sie die Flüchtlinge unterbringt, zum anderen ist der türkische Geheimdienst MIT in der Region Bayburcak, wo das Flugzeug abgeschossen ist, aktiv und fördert dort einige – auch islamistische Gruppen wie El Nusra.

Die Schmuggelbrüder
Und so, wie im Iran die Pasdaran (Revolutionswächter) ein reges Interesse an der Aufrechterhaltung des Embargos haben, um ihren profitablen Grenzschmuggel in großem Ausmaß zu betreiben, hat auch der türkische Staatspräsident Erdogan etwas zu verlieren, wenn die Grenze in die Händen der syrischen Kurden fällt. Immerhin ist der „Islamische Staat“ auf offene Grenzen für seine Erdölexporte angewiesen, und Erdogans Sohn soll da mitverdienen. Es ist auch kein Zufall, dass der neue Energieminister der Türkei ein Schwiegersohn von Erdogan ist. Auch heimliche Waffenlieferung an Islamisten in Syrien dürften schwer fallen, wenn die Grenze von Einheiten der syrisch-kurdischen PYD kontrolliert wird. Zwei türkische Journalisten wurden unlängst verhaftet, weil sie über diese Lieferungen recherchieren wollten.

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