Archiv der Kategorie 'Folter'

Iran: Atena Farqdani, kein Spass für Karrikaturistin


Atena Farqdani
Kinderrechtsaktivistin. Sie war im September 2014 verhaftet worden, war zwei Monate in Haft, wurde dann auf freien Fuß gesetzt. Am 10. Januar 2015 wurde sie vor ein Gericht geladen, dort geschlagen, verhaftet und ins Qaratschak-Gefängnis eingesperrt, wo sie einen Hungerstreik eröffnete. Einer der Vorwürfe gegen Atena Farqdani war eine Karrikatur, die sie von Abgeordneten des iranischen Parlaments gezeichnet hatte. Damals stand ein Verbot der Vasektomie (Sterilisation von Männern) im iranischen Parlament zur Debatte. Die erneute Verhaftung erfolgte, nachdem sie in einem Video berichtet hatte, wie Frauen im Gefängnis gedemütigt werden. (Wir hatten hierüber berichtet).

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Atena Farqdani verprügelt und inhaftiert


Atena Farqdani

Am Samstag, den 10. Januar 2015, musste die iranische Malerin und Bürgerrechtsaktivisten Atena Farqdani vor der 15. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran erscheinen. Dort wurde sie vor den Augen ihrer Eltern verprügelt und ins Gefängnis verschleppt.
Der Grund: Sie hatte einen Videofilm verbreitet, in dem sie über die entwürdigende Behandlung durch die Wärterinnen im Ewin-Gefängnis berichtete. Sie war letztes Jahr schon einmal in Haft, weil sie eine Ausstellung unter dem Titel „Parandegane Chak“ (Die Vögel des Bodens) veranstaltet hatte. Mit einigen Besuchern der Ausstellung hatte sie unter anderem die Mutter des in Haft zu Tode gefolterten Sattor Beheschti besucht. Dies und ähnliche Aktivitäten war ihr damals zur Last gelegt worden. Atena Farqdani war dann im letzten Jahr unter Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Das Gericht, das ihr nur 3 Tage vor der erneuten Verhaftung eine Vorladung geschickt hatte, wurde von Richter Salawati geleitet, dessen Name aus vielen anderen politischen Prozessen bekannt ist.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Hinrichtung zweier Balutschen

Im Zentralgefängnis von Sahedan (Region Sistan und Balutschestan) wurden am vergangenen Samstag zwei junge Männer hingerichtet. Beide waren unter dem Vorwurf der Zugehörigkeit zu regimekritischen Gruppen als sogenannte „Feinde des Islams“ zum Tode verurteilt worden.
Mahmud Schah-Bachsch, der ca. 25 Jahre alt war, war drei Jahre lang im Zentralgefängnis von Sahedan gefangen gehalten worden und unter Folter gezwungen worden, vor laufender Kamera ein „Geständnis“ abzulegen.
Wahid Schah-Bachsch, der zum Zeitpunkt der Hinrichtung ca. 27 Jahre alt war, hat schon fast vier Jahre im Zentralgefängnis von Sahedan hinter sich.
Beide wurden im Gefängnishof am Galgen aufgehängt.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Islamischer Staat in Syrien: 2 Frauen gesteinigt

Die bewaffnete Gruppe ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) hat inzwischen ein Drittel des syrischen Gebiets unter ihre Kontrolle gebracht. In der vergangenen Woche hat die Gruppe zwei Frauen wegen angeblicher „unehelicher Beziehungen“ in Ruqa zu Tode gesteinigt. Da sich die lokale Bevölkerung weigerte, an der Steinigung mitzuwirken, legten die „Kämpfer“ von ISIS selbst Hand an und steinigten die Frauen zu Tode. Die eingeschüchterte Lokalbevölkerung traute sich nicht, dagegen offen zu protestieren.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Bei Tageslicht essen – 80 Peitschenhiebe


Fastenzeit nicht beachtet – 80 Peitschenhiebe

In Schiras, dem Zentrum der iranischen Region Fars, wurden kürzlich laut Angaben des Kommandanten der Sicherheitskräfte von Fars, Ahmad-Ali Gudarsi, zwei Personen öffentlich ausgepeitscht, weil sie zur Fastenzeit in der Öffentlichkeit gegessen hatten. Sie wurden mit 80 Peitschenhieben gefoltert.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Stellvertretender Befehlshaber der Polizeikräfte abgesetzt


Ahmad Resa Radan, bisheriger stellvertretender Befehlshaber der Polizeikräfte des Irans

Wie jetzt bekannt wurde, wurde Ahmad Resa Radan, der stellvertretende Befehlshaber der iranischen Polizeikräfte, seines Amts enthoben. Radan war selbst einer der Folterer im Kahrisak-Gefängnis, er gehört zu den Verfechtern einer Unterdrückung aller Frauen, die sich keine Kleidung vorschreiben lassen wollen, er war einer der Betreiber der verstärkten Überwachung an den Universitäten (mit Video-Kameras), um auch dort den islamistischen Kulturkampf fortzuführen. Er hatte auch Bassidschis und Pasdaran organisiert, damit sie in Zivil gegen Politiker vorgehen, die sich kritisch an der Öffentlichkeit, namentlich an Universitäten, äußern. Da der vorige Präsident Ahmadineschad im ganzen Land seine Polizeichefs eingesetzt hatte, die die Unterstützung von Radan genossen, öffnet Radans Absetzung der neuen Regierung unter Hassan Rouhani möglicherweise den Weg, auch auf lokaler Ebene Polizeidirektoren abzusetzen, die Ahmadineschads Linie vor Ort fortführen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Jugendliche aus Reisebus verhaftet

Die iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) konnten vor kurzem mit einer neuen Erfolgsmeldung im Kampf gegen die Kriminalität aufwarten. Ein Reisebus mit 34 Jugendlichen (Jungen und Mädchen) wollte am Donnerstag, den 8. Mai 2014, vom Norden Teherans zu einer touristischen Fahrt in den Zentraliran (Region Jasd, Kerman) aufbrechen. Harmlos? Weit gefehlt. Die Pasdaran durchsuchten den Bus und fanden alkoholische Getränke, die Besitzer derselben wurden auf der Stelle verhaftet. Und aus der Reise wurde auch nichts: Denn weil die Reisenden nicht die Regeln der „islamischen“ Verkleidung beachtet hatten und gar noch Jungen und Mädchen gemeinsam reisen wollten, verboten die Pasdaran dem Bus schlicht und einfach die Fahrt.
Eine sehr effektive Art, die nächste Generation davon zu überzeugen, dass der Islam keine Staatsreligion sein sollte.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: 5-Minuten-Besuch im Gefängnis

Am Montag, den 21.04.2014, durften die Angehörigen (eine Person pro Familie) für fünf Minuten mit den Gefangenen im Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses sprechen.
Trotz entsprechender Warnungen der Sicherheitsorgane wandten sich die Angehörigen nach dem Kurzgespräch an den BBC und berichteten dort, was sie gesehen und gehört hatten.
Während der Direktor für das Gefängniswesen im Iran, Gholamhossein Esma‘ili, erklärte, den Gefangenen sei nicht mal ein Härchen gekrümmt worden, wussten die Angehörigen anderes zu berichten.
So berichtete ein Gefangener, dass er mit Knüppeln geschlagen wurden, während man ihm Fußfesseln, Handschellen und eine Augenbinde angelegt hatte. Viele Gefangene wiesen blaue Fleckung oder Anschwellungen, auch im Gesicht auf. Die Mutter eines Gefangenen fiel sogar in Ohnmacht, als sie den Zustand ihres Sohns sah.
Einigen Gefangenen seien von den Wärtern zur Strafe die Haare geschoren worden, worauf auch andere Gefangene aus Solidarität selbst ihre Haare geschoren hätten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Gefangene schreiben an Präsident Rouhani

Am Sonntag haben 28 politische Gefangene des Trakts 350 des Ewin-Gefängnisses von Teheran einen Brief an den iranischen Präsidenten Hassan Rouhani geschrieben und ihn gefordert, die Vorfälle vom Donnerstag zu untersuchen. Auch der Nationale Sicherheitsrat des Irans solle sich mit diesem massiven Gewaltakt befassen, dem die Gefangenen ausgesetzt waren.
Am Montag, den 21.04.2014 haben darüber hinaus 12 politische Gefangene den Hungerstreik erklärt, um gegen die beispiellose Gewalt gegen die Gefangenen zu protestieren.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Staatlicher Überfall im Gefängnis kommt vors Parlament

Wie berichtet, wurden am Donnerstag, den 17. April 2014, die politischen Gefangenen des Traktes 350 im Ewin-Gefängnis Opfer einer Razzia, bei der über 100 Beamte eingesetzt waren – Gefängnisbeamte, Geheimdienstbeamte und Revolutionswächter (Pasdaran). Über 30 Gefangene sollen dabei verletzt worden sein, davon 8 schwer, über 30 Gefangene wurden mit verbundenen Augen verlegt.
Am Sonntag, den 20. April 2014 versammelten sich darauf die Angehörigen der Gefangenen vor dem iranischen Parlament in Teheran, um gegen die Gewalttaten zu protestieren. Der Justizminister, Mostafa Purmohammadi, unter Ahmadineschad Innenminister, spielte wie üblich das Geschehen herunter und sprach von nur zwei leichten Verletzungen. Der Parlamentsabgeordnete Ali Mottahari versprach den Angehörigen, sich um die Sache zu kümmern. Eine Gruppe von Abgeordneten hat den Vorsitzenden der Parlamentskommission für Nationale Sicherheit und Außenpolitik aufgefordert, den Gefängnisdirektor von Ewin sowie den Direktor für das Gefängniswesen ins Parlament vorzuladen, damit sie Rede und Antwort zu den Ereignissen stehen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Brief an den Geheimdienstminister


Dr. Mehdi Chas‘ali nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis

Ajatollah Abu l-Qassem Chas‘ali ist ein Vertrauter von Ajatollah Chamene‘i, Mitglied des Wächterrats und Vorsitzender einer lukrativen islamischen Stiftung. Sein Sohn, Dr. Mehdi Chas‘ali, betreibt ein eigenes Weblog und war wegen seiner kritischen Äußerung auch schon in Haft. Mehdi Chas‘ali hat jetzt an den Geheimdienstminister geschrieben und ihn gebeten, dafür zu sorgen, dass die sogenannten „eigenmächtigen Elemente“ an die Zügel genommen werden.
So erwähnt Mehdi Chas‘ali den Fall des Verkaufsdirektors des Verlags „Ketab-e sabs“ (Grünes Buch), der direkt vor seinem Arbeitsplatz entführt und an einen Ort gebracht wurde, der extra für Verhöre eingerichtet war. Er war dort in einem Raum untergebracht, in dem ständig Licht brannte, in dem es aber keinen Schalter gab, das Licht auszumachen. Er wurde dort schweren und „unmoralischen“ Folterungen – wie Mehdi Chas‘ali schreibt – unterzogen. Nach seiner Freilassung versuchte er, gegen die „eigenmächtigen Elemente“, die ihn entführt hatten, zu klagen, aber die Justiz blieb untätig und schließlich wurde er sogar noch bedroht, so dass er aus dem Iran fliehen musste.
Dann kommt Mehdi Chas‘ali auf seinen eigenen Fall zu sprechen. Sein Verhörbeamter hat ihm bei den Folterungen die Hand gebrochen, die Zähne, die Wirbelsäule und den Hals geschädigt. Der Täter ist Mehdi Chas‘ali namentlich bekannt, aber die Justiz geht nicht gegen ihn vor, obwohl Mehdi Chas‘ali gegen ihn Anzeige erstattet hat. Noch heute wird Mehdi Chas‘ali von Leuten bedroht, die vermutlich von diesem Beamten auf ihn angesetzt wurden. Mehdi Chas‘ali berichtet, dass sich der Folterer vor ihm rühmte, dass Wahid Haqqanipur hinter ihm stehe, der im Sekretariat des Religiösen Führers arbeite. Nicht einmal der Geheimdienstminister habe ihm etwas zu sagen.
Mehdi Chas‘ali fordert den Geheimdienstminister auf, endlich gegen diese „eigenmächtigen Elemente“ vorzugehen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Von Wanzen und Leisetretern

Die iranische Nachrichtenseite gooya.com berichtete Ende der vergangenen Woche davon, dass der iranische Parlamentsabgeordnete Ali Mottahari, der noch unter der Regierung Ahmadineschad Abhörwanzen in seiner Wohnung entdeckt hatte, schließlich vom neuen iranischen Geheimdienstminister Alawi empfangen wurde. Ali Mottahari hatte eigentlich gefordert, dass der Geheimdienstminister vor dem Parlament Auskunft über die Hintergründe geben solle, aber anscheinend wurde der Protest jetzt auf diesem Weg geschlichtet. So erklärte der neue Geheimdienstminister, die Beamten, die die Wohnung des Abgeordneten verwanzt hätten, seien noch im Auftrag der vorigen Regierung aktiv geworden. Die Täter hätten im Auftrag des Stellvertreters des vorigen Geheimdienstministers und des Generaldirektors des Geheimdienstes gehandelt. Diese beiden Personen, also die Auftraggeber, seien nun entlassen worden. Ali Mottahari soll sich damit zufrieden gegeben haben.
Modschtaba Wahedi, ehemaliger Berater und Sprecher des noch immer unter Arrest stehenden Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karubi, schreibt in diesem Artikel weiter, dass Ali Mottahari sich zumindest bemühen sollte, den richtigen Namen der beiden entlassenen Geheimdienstler zu erfahren, um ihr weiteres Schicksal verfolgen zu können.

Von Saulus zu Herodes
Als warnendes Beispiel erwähnt Modschtaba Wahedi den ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter Meytham (gesprochen: Meyssam). Meyssam war unter den ehemaligen politischen Gefangenen im Iran (aus den 1980-er Jahren) unter den Namen Meyssam-e Katuni-push (der Meyssam mit den Sportschuhen) ein berüchtigtigter Folterer. Er ging auf so leisen Sohlen, dass man nie merkte, ob er da war oder weg war, und damals (er war in seinen Zwanzigern) galt er als einer der sadistischen Beamten seines Handwerks. Er soll viele weibliche Gefangene vergewaltigt haben, wie ehemalige politische Gefangene berichten. Dieser Meyssam hatte sich in seiner Position so viel zuschulden kommen lassen, schreibt Modschtaba Wahedi, dass er unter der damaligen Regierung Rafsandschani aus dem Dienst im Geheimdienst entlassen wurde. Aber was für eine Entlassung!

Das Erbarmen des Ajatollahs
Ajatollah Ali Chamene‘i, einer der ehemaligen Lehrer von Meyssam, ließ ihn nicht auf der Straße stehen, sondern holte ihn noch am selben Tag zu sich ins Sekretariat des Religiösen Führers. Nun nicht mehr als Meyssam-e Katuni-push, sondern unter seinem wahren Namen Hossein Ta‘eb. Und von da an war sein Aufstieg nicht mehr aufzuhalten. Der zupackende Hossein Ta‘eb wurde zum Oberbefehlshaber der Bassidschi-Milizen. Und in dieser Eigenschaft war er für Ajatollah Chamene‘i unersetzlich. Denn als im Juni 2009 und den Monaten danach die Iraner zu Millionen auf die Straße gingen, um gegen die vom Ajatollah angeordnete Wahlfälschung zugunsten von Ahmadineschad zu protestieren, waren es die Bassidschi-Schläger von Hossein Ta‘eb, die dem Religiösen Führer halfen, sich weiter an der Macht zu halten, so dass die Proteste nach einem Jahr zum Erliegen kamen.
So kommt es, dass aus Saulus nicht Paulus wurde, sondern ein Mann, der nach den Foltertaten seiner Jugendjahre im fortgeschrittenen Alter aus seiner reichen Erfahrung mit der Anwendung von Gewalt schöpfen konnte.

Meyssam Katani-push alias Hossein Ta‘eb
Es wäre wahrscheinlich nie rausgekommen, was für eine Vergangenheit Hossein Ta‘eb hat, denn die Gefangenen, die seine Folter erlebten, mussten Augenbinden tragen und konnten ihn nicht sehen. Nur an seiner Stimme konnten sie feststellen, wie jung er noch war. Aber Modschtaba Wahedi, der Autor des Artikels, der nach der Niederschlagung der Grünen Bewegung ins Ausland fliehen musste, ist nicht irgendwer. Mehdi Karubi dürfte ihn, seinen ehemaligen Sprecher und Wahlkampfmanager, in so manche Geheimnisse eingeweiht haben, die Karubi in seiner Eigenschaft als Parlamentspräsident bekannt waren. Und so offenbart Modschtaba Wahedi nicht nur die doppelte Identität von Hossein Ta‘eb, sondern schließt seinen Artikel auch mit einer Empfehlung an den heutigen Parlamentsabgeordneten Ali Mottahari, sich nicht leichtgläubig mit der Entlassung der zwei am Anfang erwähnten Geheimdienstführungsleute zufrieden zu geben, sondern ihre Identität herauszufinden und ihre Spur weiter zu verfolgen. Wer weiß, vielleicht endet auch die beim Religiösen Führer…

Quellen:
1. http://news.gooya.com/politics/archives/2013/12/172091.php
2. unveröffentlichte Interviews mit ehemaligen politischen Gefangenen

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Chef der Sicherheitskräfte packt aus?

Kahrisak hat im Iran den Ruf, den die Haftlager von Guantanamo weltweit genießen. Es gibt einige Personen, die namentlich bekannt sind und für die Folterungen und Todesfälle in Kahrisak Verantwortung tragen. Dazu gehört unter anderem Sa‘id Mortasawi, damals Staatsanwalt. Präsident Ahmadineschad und seine Verbündeten hatten stets dafür gesorgt, dass Mortasawi straffrei blieb, das Verfahren gegen ihn stockt heute noch, weil seine Adresse angeblich nicht bekannt ist.
Jetzt hat Pasdar-General Esmail Ahmadi Moqaddam, der oberste Chef der iranischen Sicherheitskräfte, gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ISNA über Kahrisak gesprochen. Einmal abgesehen davon, dass er im Interview bemüht ist, die Schuld auf Mortasawi und auf General Radschabsade abzuschieben, während er sich selbst als Gegner der Vorgänge dort präsentiert, macht er doch auch Angaben, die man zumindest als amtliches Eingeständnis für Missstände, wenn auch nicht für die Folterungen ansehen kann.
Pasdar-General Esmail Ahmadi Moqaddam sagt, Kahrisak sei ursprünglich ein Lager und nicht mal ans Wasser- und Stromnetz angeschlossen gewesen. Es sei dann für Gewalttäter und Banditen eingerichtet worden, die sollten sich dort schließlich nicht zu wohl fühlen. Aber nach den „Vorfällen von 2009″ (Gemeint sind die Millionenproteste gegen die Wahlfälschung) habe man die Verhafteten dort eingesperrt. Er sei dagegen gewesen, die Anstalt sei dafür nicht angelegt, habe sich aber nicht durchsetzen können. Er habe aber darauf bestanden, dass seine Gegenstimme zu Protokoll genommen werde (das ist natürlich nicht veröffentlicht, wer will die Behauptung prüfen?), und außerdem Anweisung gegen, man solle die Verhafteten nicht zusammen mit den Banditen einsperren und sie nicht schlecht behandeln. Auch er verwendet das Wort Folter nicht. Wie man sieht – foltern ist im Iran nicht tabu unter den Herrschenden, das Wort aber schon.
Auch sei klar, dass Zellen, die für 50 Personen bestimmt gewesen und dann mit 170 Personen belegt worden seien, nicht sehr gesund seien, namentlich bei der sommerlichen Hitze. Damit gibt der Pasdar-General zumindest öffentlich und als wichtige Amtsperson zu, dass die Haftbedingungen unmenschlich sind, vermeidet aber jeglichen konkreten Hinweis auf die Foltermethoden und die Toten, die diese zur Folge hatten. Offensichtlich will er sich nachträglich ein Alibi ausstellen und gleichzeitig auch ein paar Personen als Schuldige opfern. Obwohl er selbst sagt, sie seien vom Gericht freigesprochen worden, nennt er sie ausdrücklich als Schuldige – entweder glaubt er, als General sei er auch befugt, als Richter zu entscheiden, oder aber – und das ist wahrscheinlicher – er hält von der iranischen Justiz so wenig wie wir. Auftragsjustiz eben, der man kein Wort glauben kann.
Immerhin beachtlich ist, dass der General die Zeit für gekommen hält, sich als Gegner des Folterzentrums darzustellen. Glaubt er schon nicht mehr an die Zukunft dieses Regimes?
Quelle: Veröffentlicht wurde diese Nachricht unter anderem auf der Webseite peykeiran am 27. Aban 1392 (=18. November 2013):
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=69451

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Irans Gefangenen-Ärzte leben gefährlich

Dr. Resa Heydarpur
Vergangene Woche wurde Dr. Resa Heydarpur, Arzt der Krankenstation des Ewin-Gefängnisses, vom iranischen Geheimdienst verhaftet und im Trakt 209 des Ewin-Gefängnisses eingesperrt.
Was ist vorgefallen? Wir hatten vom Fall des iranischen Bloggers Sattor Beheschti berichtet, der vor einem Jahr an den Folgen der Folter gestorben ist. Als Sattor Beheschti von seinem vorigen Haftort ins Ewin-Gefängnis verlegt wurde, hatte Dr. Resa Heydarpur in der Gesundheitsstation Dienst und musste den Gesundheitszustand des eingewiesenen Gefangenen untersuchen. Er stellte dabei die Spuren von Schlägen und Folter fest und hielt dies auch schriftlich fest.
Sattor Beheschti starb später an den Folgen der Folter, das Verfahren ist immer noch nicht abgeschlossen, und der Gefängnisdirektor wurde in eine andere Gefängnisabteilung versetzt, wo wegen Finanzdelikten inhaftierte Personen einsitzen. Offensichtlich reichte das den Folterern und ihren Schutzpatronen in den oberen Etagen der Macht (Ajatollah Chamene‘i und Co.) nicht, und so wurde jetzt der Arzt verhaftet.
Dies ist nicht das erste Mal, dass ein Arzt, der Gefolterte behandelt, in eine gefährliche Lage gerät.

Dr. Ramin Purandardschani
An dieser Stelle sei an Dr. Ramin Purandardschani erinnert, der in einem Teheraner Krankenhaus als Arzt tätig war. Er hatte unter anderem auch Gefangene aus dem Kahrisak-Gefängnis untersucht, unter anderem Mohsen Ruholamini, den Sohn von Abdolhossein Ruholamini. Mohsen Ruholamini starb später an den Folgen der Folter, worauf sein Vater, ein Berater von Ajatollah Chamene‘i, alles in Bewegung setzte, diesen Mord aufzuklären. So wurde eine parlamentarische Untersuchungskommission gebildet, die den Foltertod aufklären sollte. Im Rahmen der Untersuchungen wurde auch der Arzt Dr. Ramin Purandardschani angehört, der im Detail berichtete, welchen Folterungen dieser und andere Gefangene im Kahrisak-Gefängnis ausgesetzt wurden.
Dr. Ramin Purandardschani starb danach unter mysteriösen Umständen. Erst gaben die Behörden bekannt, er sei an einem Herzinfarkt gestorben. Später behaupteten sie, es sei Selbstmord gewesen. Schließlich erklärte der Amtsarzt, er sei vergiftet worden. Die staatlichen Organe verweigerten eine Autopsie und ließen den Leichnam des Arztes rasch begraben.

Für iranische Ärzte sind solche Vorfälle bedrohlich, heißt es doch, dass sie mit ihrer Freiheit und ihrem Leben bezahlen müssen, wenn Sie ihre Arbeit korrekt ausüben und die beobachteten Verletzungen in irgendeiner Form bestätigen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

18 Hinrichtungen im Iran im Lauf der letzten zwei Tage

Gestern um 4 Uhr früh wurde der politische Gefangene Schirku Maarefi aus Iranisch – Kurdistan hingerichtet. Insgesamt 18 Menschen wurden seit Sonntag und 400 seit Jahresbeginn hingerichtet.

Schirku, der Berglöwe, war im Jahr 2008 wegen seiner politischen Aktivitäten festgenommen worden. In der Folge wurde er zahlreichen Verhören unterzogen und dabei gefoltert. Noch vor wenigen Monaten schrieb er in einem Brief sinngemäß:

„Ich werde in Kürze hingerichtet. Ich bin einen Weg gegangen, der vor meiner Zeit schon bestand und nach meiner Zeit weiter bestehen wird. Er hat vor mir angefangen und wird nach mir weiter gehen. Mit meiner Hinrichtung wird unser (Anm.: das der Kurden) und euer Problem (Anm.: das der Regierung) nicht gelöst. Ich bin von Kurdistan gekommen. Es wird jemand von Mazendaran (Nordiran) kommen, jemand von Azerbeijan, jemand von Süd- oder Ostiran um sein Recht zu bekommen. Ich war auf der Seite des Rechts und der Gerechtigkeit und habe mich für sie geopfert. Lebt wohl, meine Landsleute“.

Seit Sonntag haben laut verschiedenen iranischen Nachrichtenagenturen in mehreren Städten Irans (Kerman, Kermanschar, Saghes, Bam, Khoramabad, Semnan, Sari, Zahedan, Urumiyeh, Salmas) insgesamt 18 Hinrichtungen stattgefunden – die meisten an Politischen Gefangenen.

Die Menschenrechtskampagne von amnesty international im Iran gab bekannt, dass seit Januar 400 Menschen im Iran hingerichtet worden sind.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email