Archiv der Kategorie 'Frauen'

Nackte Körper – der doppelte Standard der iranischen Mollas


Gholamresa Tachti, Ringkämpfer, Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen
Jeder, der im Iran aufgewachsen ist, kennt dieses Bild von Gholamresa Tachti. Er war zur Schahzeit ein bekannter Ringkämpfer, der für den Iran vier Goldmedaillen gewonnen hat. Als er in Japan war, gab er sogar bekannt, dass er aus Protest gegen das Schahregime nicht in den Iran zurückkehren werde. Als er später doch zurück reiste, kam er in einem Hotel in Teheran ums Leben. Die iranischen Behörden behaupteten damals, er habe wegen „familiärer Probleme“ Selbstmord begangen.
Die iranische Geistlichkeit hat danach diesen im Volk beliebten Sportler auch für ihre Propagandazwecke eingesetzt, das obige Bild ist auch in Moscheen zu sehen. Er wird als ein gläubiger Moslem dargestellt, der gegen das Schahregime gekämpft hat. Kurz – ein Held, und das in echt, nicht nur ein Filmschauspieler wie Schwarzenegger.


Filmschauspielerin Golschifte Farahani
Ganz anders ergeht es Golschifte Farahani. Eine sehr bekannte und im Iran beliebte Filmschauspielerin. Aufgrund des massiven Drucks im Iran musste sie ihre Heimat verlassen und lebt jetzt in Frankreich. Vor kurzem hat sie ein Foto von sich veröffentlicht, in dem sie nicht mehr Oberbekleidung trägt als Gholamresa Tachti. Wer glaubt, die Mollas hätten das Foto ebenfalls in den Moscheen aufgehängt, täuscht sich. Seit einiger Zeit läuft eine massive Hetzkampagne gegen die Schauspielerin, sie sei eine Hure und habe sich im Ausland verkauft. Mehr noch: Die Herren Mollas haben die Frau sogar zum Tod durch Steinigung verurteilt.

Wir unterstützen ihren mutigen Schritt: Es wird Zeit, dass Mann und Frau mit gleichem Maß gemessen werden. Gleiche Rechte und gleiche Chancen für alle!

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Teheran: Radfahren von Frauen unislamisch


Das islamische Fahrrad

Sahra Sadschadi, die stellvertretende Leiterin des staatlichen Zentrums für Frauenangelegenheiten, erklärte auf einer internationalen Messe der Druckmedien in Teheran: „Das Radfahren von Frauen ist gegen die islamischen Prinzipien.“ Sogenannte fromme Kreise seien darüber besorgt, dass die eng anliegende Kleidung beim Radfahren eine Propaganda für unislamische Kleidung darstelle. Die Islamisten wollen die Frauen daher vom Rad holen. Eine andere Fraktion ist der Auffassung, man solle ein spezielles „islamisches Rad“ entwerfen, das den Körper der Frau vor Blicken schütze.

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Iran: Tulpen-Park-Mütter kritisieren UN-Bericht


Die Tulpen-Park-Mütter

Am 23. September 2011 hat Dr. Ahmad Shaheed, der neue UN-Sonderbeauftragte zum Iran, der vom UN-Menschenrechtsrat eingesetzt wurde, seinen ersten Interimsbericht abgeliefert. Ahmad Shaheed ist ehemaliger Außenminister der Malediven. Am Samstag, den 23. Oktober 2011, haben die „Mütter des Tulpen-Parks“ in Teheran eine Kundgebung in diesem Park abgehalten, um gegen diesen Bericht zu protestieren.
Die Mütter des Tulpen-Parks sind Mütter von ehemaligen Gefangenen, die gefoltert oder hingerichtet wurden oder unter der Folter gestorben sind. Den Müttern wurde z.T. nicht erlaubt, eine Trauerfeier für ihr Kind abzuhalten. Die Regierung hat die Leichen der ermordeten Gefangenen heimlich vergraben, ohne den Angehörigen zu sagen, wo das Grab sich befindet. Nachdem die Mütter nach vielen Bemühungen das Grab ausfindig machen konnten, wurde ihnen nicht erlaubt, dort eine Gedenkfeier für die Toten abzuhalten. Die protestierenden Mütter des Tulpen-Parks wurden vom iranischen Regime verfolgt, die Mehrzahl festgenommen und verhört, einige sogar monatelang in Haft gehalten.


der UN-Sonderbeauftragte zum Iran, Dr. Ahmad Shaheed

Ein wichtiger Kritikpunkt der Mütter ist, dass der neue UN-Sonderbeauftragte nichts von ihrem Schicksal und dem ihrer Angehörigen erwähnt.

Link zu einer jüngsten Pressemeldung des UN-Sonderbeauftragten zum Iran:
http://www.un.org/News/briefings/docs//2011/111020_Iran.doc.htm
Link zum jüngsten Iran-Bericht, der auf der Webseite der Baha‘i veröffentlicht wurde.
(ist natürlich auch im UN-online-Archiv zu finden, wenn man sucht):
http://news.bahai.org/sites/news.bahai.org/files/documentlibrary/859_Special_Rapporteur_report.pdf

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Staatsislam kennt keinen Dialog


Der Islam wird im Iran wie in anderen Staaten mit vielen verschiedenen Gesichtern gelebt. Die Frau auf dem Foto zum Beispiel hat die Haare bedeckt, ihr Körper ist verhüllt, aber sie ist eben kein schwarzer Sack, sondern hat ihre eigene Persönlichkeit bewahrt. Und das gefällt den staatlichen Streifen nicht.

Sie verlangen die Papiere und führen die Frau ab, sie muss in den Polizeibus steigen. Mit Muslimen kann man reden, mit dem Staat nicht. Er kennt keinen Dialog. Und wenn Regierungen im Westen mit dem iranischen Staat einen Menschenrechtsdialog führen wollen, ist das Betrug. Betrug und Verrat an allen Muslimen wie dieser Frau, die über sich bestimmen wollen, ohne dass der Staat reinredet.

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Menschenrechtsarbeit im Iran: 11 Jahre Gefängnis


Narges Mohammadi

Narges Mohammadi, die stellvertretende Vorsitzende des Vereins zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran, wurde vergangene Woche vom iranischen Revolutionstribunal zu insgesamt 11 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr wurden „Verbrechen gegen den Staat“, „Mitgliedschaft im Verein zur Verteidigung der Menschenrechte“ und „propagandistische Aktivitäten gegen das System der Islamischen Republik Iran“ zur Last gelegt, was insgesamt in ein so hohes Hafturteil mündete. Straferschwerend wurde die „Sturheit und Bockigkeit der Angeklagten und ihr Beharren auf der Richtigkeit ihrer gegen die Sicherheit gerichteten Standpunkte“ gewertet…
Sprich: Sie hat nicht um Gnade gebettelt und keine Reueerklärung geleistet, wie die Machthaber das gerne gehabt hätten.

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Iran: Bald keine Apartheid mehr an den Unis?

Der Wahlkampf im Iran hat begonnen. Um sich gegenüber der Geistlichkeit abzugrenzen, hat Ahmadineschad dem Hochschulminister Daneschdschu angeordnet, die Geschlechtertrennung an den Universitäten aufzuheben. Minister Daneschdschu weigerte sich zuerst, diese Anweisung auszuführen, und berief sich darauf, dass er den Anweisungen des vom Religiösen Führer eingesetzten Rats der Kulturrevolution (Shouraye Enqelabe Farhangi) folgen müsse. Nach ein paar Tagen besann er sich aber und stellte in Aussicht, die Anweisung zur Eröffnung des neuen Semesters im September umzusetzen. In der Geistlichkeit stieß diese Anweisung auf große Entrüstung, sie empfindet dieses Vorgehen als Einmischung eines Ignoranten in ihre Autorität als islamische Gelehrte. Ahmadineschad erwiderte darauf, je mehr sich die Geistlichen dagegen wehrten, desto unbeliebter würden sie beim Volk und desto besser sei es für ihn. Offenkundig spekuliert er darauf, Anhänger unter den Studenten zu bekommen, die immer wieder gegen die Geschlechtertrennung protestieren.

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Sanddorn und Weiden

Laut einer Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur Fars erkärte Narges Ma‘danipur, Generaldirektorin für Frauenangelegenheiten bei der Stadtverwaltung von Teheran (Modir-e koll-e omur-e baanavaan-e shahrdaari-ye Tehraan), anlässlich des Nationalen Tages für Keuschheit und Schleier, dass die Stadtverwaltung von Teheran seit sieben Jahren (also seit der Amtsübernahme von Ahmadineschad als Präsident) versucht, Männer und Frauen im öffentlichen Raum zu trennen. In den Bussen geschah dies schon bald nach der Verkündung der islamischen Verfassung, aber die Pläne gehen viel weiter. In Teheran soll es schon jetzt 570 Taxis geben, die nur für Frauen sind, in den U-Bahnen sollen vermehrt Abteile geschaffen werden, die nur Frauen zulassen, und künftig sollen auch Parks, Stadions, Sporteinrichtungen, Bibliotheken und Bankfilialen nach Geschlechtern getrennt werden.


Filiale der iranischen Nationalbank in Rascht: extra nur für Frauen

Wahrscheinlich wird es künftig in iranischen Parks bald nur noch Sanddorn, Eiben und Weiden geben, denn diese Bäume sind nach Geschlechtern getrennt…
Und die Frauen dürfen in Zoos nur noch Äffinen sehen, die Männer Affen.

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Iran: Wir müssen leider draußen bleiben

Die iranische Regierung, die stets verkündet, dass die Frau im Iran eine höhere Stellung genießt als im Westen, zeigt gerade wieder in der Praxis, was für einen Genuss diese höhere Stellung beinhaltet.

Café, Teehaus und Restaurant – Eintritt verboten
Ab sofort ist in Cafés, Teehäusern und Restaurants, in denen auch Wasserpfeife geraucht wird, der Eintritt für Frauen und Mädchen verboten. Laut Angaben des obersten Polizeidirektors von Teheran, General Hossein Sadschedi-niya (Hossein Sajedi-Niya) sind allein im Norden Teherans 40% dieser Einrichtungen von dem Verbot betroffen. Er drohte an, dass es Kontrollen geben werde und alle Betriebe geschlossen werden, in denen Wasserpfeife geraucht wird und zugleich Frauen anwesend sind.

Man schlägt den Sack und meint den Esel
Das Verbot ist so zu lesen: Die Repression seit Juni 2009 hat dazu geführt, dass sich Jugendliche beiderlei Geschlechts nicht mehr an den Unis treffen können, weil dort Kameras installiert wurden, in den Parks gibt es Kameras und Streifen, auf den Straßen gibt es Patrouillen, so dass Cafés, Teehäuser und Restaurants eine der letzten Zufluchtmöglichkeiten sind, wo sich Jugendliche ungestört treffen konnten. Da sich das Essen nicht jeder leisten kann und es am billigsten ist, sich für ein paar Stunden eine Wasserpfeife zu mieten, war dies die bevorzugte Lösung für viele junge Menschen, die miteinander reden wollten, ohne miteinander verheiratet sein zu müssen. Diesen Weg will die Regierung nun auch stopfen.

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Teppichknüpferinnen in Turkemansahra (Nordostiran)

Turkmenistan besteht aus zwei Teilen: einem selbständigen Staat Turkmenistan und die Region Turkemansahra im Nordostiran. Diese Region ist berühmt für seine Teppiche.

Die Qualität der Teppiche ist hoch und ihr Muster aussergewöhnlich fein. Sie werden von Frauen und Kindern mit den Händen geknüpft. Die Arbeitsbedingungen sind sehr hart und führen bei den Arbeiterinnen zu schmerzenden Gliedmaßen. Die anstrengende Arbeit wird nur sehr schlecht bezahlt. Die Mittler zwischen den Arbeiterinnen und dem Markt verdienen den größten Batzen am Geschäft. Sie sind es auch, die den Teppichknüpferinnen die Arbeitsmaterialien (Rohstoffe wie Wolle, Farben und Webstöcke) vorstrecken.

Die Arbeit wird unter anderem auch deshalb schlecht bezahlt, weil diese Art Teppiche mit ihren charakteristischen Farben und Mustern mittlerweile von maschinell hergestellten Teppichen indischer und chinesicher Fabrikation Konkurrenz bekommen.

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Erinnerung an Neda, zwei Jahre nach ihrem Tod

Heute ist der 30. Chordad bzw. 20. Juni 2011. Heute vor genau zwei Jahren war die junge Iranerin Neda Agha Soltan zusammen mit mindestens hunderttausend DemonstrantInnen auf den Straßen von Teheran und protestierte gegen den Wahlbetrug anlässlich der damaligen Präsidentschaftswahlen.


Neda Agha Soltan

Sie wurde mitten auf der Straße von einem Basiji (organisierte bewaffnete Gruppierung unter der Kontrolle der Revolutionswächter) erschossen. Bis heute wurde ihr Mörder, dessen Identität festgestellt werden konnte, weder bestraft noch vor Gericht gestellt – entgegen der Forderung von zahlreichen auch internationalen Menschenrechtsorganisationen und Frauenorganisationen.


Letztjähriges Gedenken an Neda Agha Soltan in Paris
„Wir sind alle Neda – wir sind alle eine Stimme“

Neda verkörpert drei Eigenschaften der Protestbewegung des heutigen Irans:

- Erstens steht sie als eine Vertreterin der neuen Generation für eine Bewegung der Jugendlichen, die sich gegen das überkommene und seit über 30 Jahren im Iran herrschende System auflehnt.

- Zweitens steht sie als Vertreterin der Frauen im Iran für ein Aufbegehren gegen Gewalt und Unterdrückung der Frauen gemäß dem islamischen Modell im Iran.

- Drittens verkörpert sie den Wunsch nach einer modernen, freien und demokratischen Gesellschaft, die nicht nach den Gesetzen der Scharia strukturiert ist.

In dem Moment ihrer Tötung konzentriert sich der Gegensatz zwischen dem brutalen, bis an die Zähne bewaffneten, iranischen Herrschaftssystem, das auch vor Morden an seiner eigenen Bevölkerung nicht Halt macht, und einer friedlichen, unbewaffneten Massenbewegung. Die Aufzeichnung der Szene ihrer Erschießung und die verzweifelten Versuche von MitdemonstrantInnen, ihr Leben zu retten, wurde per Internet verbreitet und war kurze Zeit später weltweit in allen Medien zu sehen.

Der Mörder, der sofort nach der Tat dingfest gemacht wurde, wurde nicht, wie man vielleicht hätte vermuten können, an Ort und Stelle gelyncht, sondern konnte gehen, nachdem sein Ausweis, der u.a. eine Mitgliedschaft bei den Basiji zeigte, fotografiert und für ein späteres Gerichtsverfahren – so die Hoffnung – dokumentiert worden war. Zu diesem Verfahren kam es jedoch nie.

Nicht nur einfache Frauen wie Neda werden vom iranischen Regime verfolgt, gefoltert oder hingerichtet sondern auch Frauen aus gesellschaftlichen Gruppen wie Schülerinnen, Studentinnen, Journalistinnen, Schriftstellerinnen und Intellektuelle sind immer wieder im Visier der Herrschenden.

In den ersten Jahrzehnten des islamischen Modells Iran sind zahllose Frauen aus diesen Gruppen vor Gericht gestellt worden und in kurzen Eilprozessen ohne ausreichende Verteidigungsmöglichkeiten zu langen Haftstrafen verurteilt oder hingerichtet worden.

- Zahra Kazemi (iranisch-kanadische Fotojournalistin)

Zahra Kazemi starb am 11. Juli 2003 an den Folgen von Vergewaltigung und schwerer körperlicher Misshandlung. Sie lag zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Wochen im Koma aufgrund von schweren Schädelverletzungen. Sie wurde gefoltert weil sie auf die Fragen der Verhörbeamten keine Antwort gab und beharrlich schwieg.

- Zahra Bani Yaghub

Die hoch anerkannte Doktorin der Medizin starb unvermittelt am 13. Oktober 2007 in einem Gefängnis in Hamedan, nachdem sie von der Sittenpolizei festgenommen worden war. Ihr Fall erlangte außergewöhnliche Beachtung in der iranischen Bloggerszene aufgrund der Verwicklung der Sittenpolizei in ihren Tod.

- Shabnam Sohrabi

Im Alter von 34 Jahren wurde Shabnam Sohrabi am Ashura-Tag, den 27.12.2009, von Sicherheitskräften am hellichten Tag und auf offener Straße getötet. Augenzeugen berichteten, dass sie mehrfach von einem Fahrzeug der Sicherheitskräfte überfahren wurde. Der Familie Sohrabi wurde über 20 Tage nicht erlaubt, ihre Tochter zu sehen, bis ihr schließlich mitgeteilt wurde, dass ihre Leiche in einer Moschee aufgebahrt sei. Sicherheitskräfte schüchterten die Familie ein und verboten ihr auch nur ein Wort über die Tötung ihrer Tochter zu verlieren. Selbst das Begräbnis durfte nur unter scharfer Bewachung durch Sicherheitskräfte stattfinden.

- Hale Sahabi

Am 2. Juni 2011, befand sich die 57-jährige Hale Sahabi in Lawassan, im Norden von Teheran, beim Begräbnis ihres Vaters, Esatollah Sahabi. Zur Trauerfeier hatten sich 5000 bis 6000 Menschen versammelt. Hale Sahabi wollte sich gemeinsam mit mehreren Frauen an der Spitze der Trauergemeinde in Bewegung setzen, als sie von den Staatsorganen daran gehindert wurde. Die Beamten wollten ihr das Bild des Vaters entreißen, worauf sie protestierte und Widerstand leistete. Darauf stieß ihr ein Beamter gewaltsam mit dem Ellbogen in die Seite, so dass sie zusammenbrach. Mehrere Beamte traten auf die am Boden liegende Frau ein, ihr Bein wurde noch beim Abtransport ins Krankenhaus in einer Autotür gequetscht. Aus dem Krankenhaus wurde dann ihr Tod gemeldet.

Neben diesen in der Öffentlichkeit politisch aktiven Frauen sind immer wieder auch Frauen in ihren privaten, nichtöffentlichen Bereichen staatlicher Gewalt ausgesetzt. Ein Beispiel dafür ist folgender Vorfall in Chomeinischar in der Nähe von Isfahan (Zentraliran). Während einer privaten Feier klopften Basiji an die Haustür und verlangten Eintritt, angeblich um eine Kontrolle durchzuführen. In kurzer Zeit drangen vier Basiji ein und später kamen weitere 11 Männer über die Mauer auf das Grundstück. Die Ehemänner und Verwandten der anwesenden Frauen wurden an den Händen gefesselt und in einem Raum eingesperrt. Die Frauen wurden daraufhin vergewaltigt. Danach flüchteten die Täter.

Vergleichbare Gewalt gegen Frauen passiert regelmäßig in verschiedenen Teilen des Irans, so z.B. jüngst in dem Dorf Ghuzhd (Ghuschd, in der Nähe von Kaschmar, Ostiran), oder in Liwan (in der Nähe von Bandare Gaz, Nordiran). Alle drei Vorfälle trugen sich in der Zeit von Ende Mai bis heute zu.

Diese Vorfälle stehen exemplarisch für das islamische Modell Iran im 33. Jahr seiner Etablierung. Anstatt wie versprochen das Paradies auf Erden zu werden, zeigt sich dieses System von Jahr zu Jahr von einer immer brutaleren Seite. Insbesondere Frauen sind dieser Gewalt schonungslos ausgesetzt. Man fragt sich, was wäre, wenn es Ahmadinejad und Chamenei gelänge, dieses Modell der gesamten islamischen Welt überzustülpen.

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Aufatmen im Iran wenn die Herrschenden sich bekriegen

Wenn die beiden Fraktionen der Herrschenden sich gegenseitig bekriegen, können die Menschen auf der Straße ein wenig aufatmen. Das drückt sich u.a. in der Möglichkeit aus, Bekleidungsvorschriften zu umgehen ohne dass dies streng verfolgt wird. Normalerweise riskieren Frauen bei solch „unislamischer“ Kleidung Verhaftung, Geldstrafen und Peitschenhiebe.

Wenn die Menschen sich im Iran auf der Straße, im Taxi, beim Anstehen in Schlangen, etc. begegnen, entstehen sofort Diskussionen über Preissteigerungen (insbesondere Energiepreise), Arbeitslosigkeit und den Konflikt zwischen den beiden Fraktionen an der Macht.

Letzte Nachrichten aus dem Iran zeigen, dass die Menschen beide Fraktionen – egal ob die Gruppe um Ahmadinejad oder die um Khamenei – für gleich schlimm halten. Jede sich bietende Gelegenheit wird genutzt, um auf beide Seiten zu schimpfen.

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Radiosendung: Der Alltag iranischer Frauen (Solale Schirasi)

Am Montag, den 1.11.2010, lief im Feministische Themenmagazin „Die Hälfte des Äthers“ von Radio Lora, Zürich die Aufzeichnung einer Veranstaltung von Solale Schirasi. Sie berichtet in einem Vortrag, den sie Ende Oktober 2010 in der Volkshochschule Konstanz gehalten hat, über die Rolle der Frau im Iran. Selbstverständlich kommt dabei der weibliche Widerstand gegen das islamistische Regime nicht zu kurz.

Die Sendung lief am Montag Abend in der Zeit von 20:30 bis 22:00 und wurde am darauf folgenden Freitag von 09:00 – 10:30 Uhr wiederholt.

Download / Streaming: RealAudio (*.rm)


Die Hälfte des Äthers

Lokalradio Lora, Zürich

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Der Funke des Widerstands bei der iranischen Bevölkerung

Seit der Niederschlagung der Massendemonstrationen der Grünen Bewegung des letzten Jahres mit brutalen Polizeieinsätzen, Verhaftungen, Folterungen, Schauprozessen und Hinrichtungen sind die Menschen im Iran nicht mehr auf die Strasse gekommen. Die Unzufriedenheit der Menschen mit den Unterdrückungsverhältnissen ist jedoch geblieben.

Sie äußerte sich immer wieder so, dass PassantInnen, die eine Festnahme auf der Straße, in Bussen, in U-Bahnen, vor Fabriken, etc. mitbekamen, sofort eingriffen, versuchten, die betroffene Person zu befreien und sich sogleich wieder zerstreuten, bevor die Polizei mit Verstärkung eintreffen konnte. Die Staatsmacht zog es daher vor, Menschen eher nicht in der Öffentlichkeit und zu Zeiten am frühen Morgen oder spät in der Nacht zu verhaften, wenn noch nicht so viele Menschen unterwegs sind. Bei der Durchsetzung der Kleidervorschriften für Frauen war zu beobachten, dass die Polizei auch bei offensichtlich leger getragenen Hijabs lieber schon mal wegschaute, als eine Eskalation auf der Straße zu riskieren.

Jeder Polizist muss heute bei Übergriffen in der Öffentlichkeit damit rechnen, beobachtet und mit Fotos oder Videos abgelichtet zu werden. Nicht selten werden solche Fotos oder Videos wenige Tage später im Internet verbreitet. Diese Beweismittel sollen dazu dienen, die Täter zu identifizieren und herauszufinden, wo sie leben und arbeiten.

Diese Form von Zivilcourage galt bislang eher für Großstädte wie Teheran, zunehmend ist sie aber auch in kleineren Städten zu sehen, wie das folgende Beispiel vom 29.10.2010 in Urumiye zeigt. An diesem Tag versuchte die Sittenpolizei eine junge Frau wegen unislamischer Kleidung festzunehmen. Sie trug den Hijab nicht wie vorgeschrieben so, dass die Haare verdeckt sind; ausserdem hatte sie eine eng geschnittene Hose an, die den Blick auf ihre Knöchel erlaubte.

Diese Fotos zeigen Ausschnitte eines Videos, das die die Festnahme und die Reaktion der PassantInnen dokumentiert.

Hier ist zu sehen, wie ein Polizist in Uniform, eine Sicherheitskraft in Zivil und eine in einenTschador gehüllte Polizistin versuchen, die „unislamisch“ gekleidete junge Frau in das bereitstehende Polizeifahrzeug zu zerren. Die Frau wehrt sich heftig.

Es gelang offenbar nicht, sie in das Auto hineinzuzwingen. Beinahe hat die Frau schon den Bürgersteig erreicht. Während die Polizistin sie weiter festhält, versuchen die beiden Männer ihr den Weg abzuschneiden, ohne sie zu berühren. Der Polizist brüllt die Frau an, um sie einzuschüchtern.

Der zivil gekleidete Polizist rennt zurück zum Auto, öffnet den Kofferraum und holt einen Schlagstock heraus.

Kurz darauf setzt er den Schlagstock gegen die Frau ein, die ihrerseits versucht, dem Schlag auszuweichen.

Innerhalb weniger Sekunden versammeln sich dutzende PassantInnen um diese Szene.


Die Autos, denen der Weg versperrt ist, hupen.

Die junge Frau konnte sich auf den Bürgersteig retten, wo sie sich inmitten einer Traube von PassantInnen sicherer fühlen kann. Die Sittenpolizei hat bereits von ihr abgelassen, weil sie die Reaktion der Umstehenden fürchtet.

Die Frau ist so selbstbewusst, dass sie, anstatt zu flüchten, der Sittenpolizei wieder zuzuwendet und ihr wütend und mit lauter Stimme zuruft : „Warum haben Sie das gemacht? Warum?“

Die Frau wendet sich um und verlässt mit energischem Schritt wie eine Siegerin die Szene. Sie ruft noch: „Sie haben unsere Nation unglücklich gemacht!“

Der gesamte Vorgang kann im folgenden Video genau nachvollzogen werden:


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Iran: Bombenexplosion in Mahabad Provinz West-Aserbaidschan


Laut verschiedenen staatlichen und oppositionellen Nachrichtenagenturen kamen mindestens elf Menschen am Mittwoch Morgen, den 22. September 2010, bei einer Bombenexplosion während einer Militärparade in Mahabad, Provinz West-Aserbaidschan, ums Leben. Die Explosion ereignete sich um 10:30 Uhr Ortszeit.
Unmittelbar nach der Explosion, sagte Jalalzadeh, der Gouverneur der Provinz, telefonisch, dass er noch keine genauen Angaben über Zahl der Opfer oder die Art, wie der Angriff stattgefunden hat, habe. In späteren Interviews, sagte Jalalzadeh, dass die Explosion 50 Meter von der offiziellen Bühne auf der Parade stattgefunden hatte.

Er stellte die vorläufige Bilanz von 10 Toten und 20 Verletzte fest, darunter vier Personen in kritischem Zustand. Die Zahlen sind seitdem durch Ghanbari Issa, dem stellvertretenden Gouverneur der Provinz, der für Sicherheit und militärische Angelegenheiten zuständig ist, auf 12 Tote und 81 Verletzte korrigiert worden. Ghanbari sagte der islamischen Studenten-Nachrichtenagentur, dass die Bombe sich in einer Tasche befunden hatte, aber auch andere Nachrichtenquellen haben berichtet, dass das Gerät von einem Baum neben dem Bürgersteig hing.

Nach Jalalzadeh stellten Frauen die meisten der Opfer unter denen, die verletzt wurden. „Keiner der Soldaten, die an der Zeremonie teilnahmen, wurden verletzt“, sagte er.

Laut General Nosrati, militärischer Befehlshaber von West-Aserbaidschan , fand die Explosion unter den weiblichen Zuschauern statt die gekommen waren, um die Parade zu sehen.

Jalalzadeh fügte später hinzu, dass zwei der toten Frauen hochrangige militärische Kommandeure waren.

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Iran: Die Karten werden neu gemischt

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist der iranische Präsident Ahmadineschad als Vertreter der Pasdaran an die Macht gekommen. Mit seiner Hilfe haben die iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) ihre Stellung so weit ausgebaut, dass sie es versuchen konnten, sowohl die Macht der Basarhändler wie einiger wichtiger Geistlicher zu beschneiden. Die Folge davon ist, dass jetzt die Betroffenen versuchen, sich anzunähern, um die Angriffe der Pasdaran abzuwehren. Die sichtbare Zielscheibe in diesem Krieg der Heckenschützen ist Präsident Ahmadineschad.
So hält er sich für seinen nächsten UN-Auftritt derzeit in den USA auf. Bei dieser Gelegenheit gab er auch der bekannten Journalistin Christiane Aminpoor ein Interview.


Journalistin Christiane Aminpoor

Das Foto zeigt die Journalistin nicht in der typisch eingeschwärzten und devoten Haltung, die so manche Patriarchen gerne sähen. Für die iranische Tageszeitung Ressalat ein gefundenes Fressen. Ressalat wird von Asgar Ouladi betrieben und ist das Sprachrohr der Basarhändler und der Hesb-e Melal-e Eslami/Fedayan-e Eslam (Partei der islamischen Völker/Fedayin des Islam). Die Zeitung titelte am 30. Schahriwar (= 21.09.2010)


„Ahmadineschad zwischen Sakine und Christiane“

Dabei kritisierte sie nicht nur seine „unpassende“ Nähe zu einer Frau, die kein Kopftuch trägt, sondern meinte, Ahmadineschad sei der Frau in die Falle gegangen. So habe er auf ihre Frage zum Schicksal von Sakine Mohammadi Ashtian, die im Iran zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde, geantwortet, der Fall werde in den Medien nicht richtig dargestellt, es sei noch gar keine Entscheidung zu diesem Fall ergangen. Ressalat wirft ihm vor, als Politiker ungeschickt und sachlich falsch reagiert zu haben. Er sei der zweite Mann im Staate, nicht der erste, und kenne offensichtlich seine Rolle nicht. Schließlich sei er als Präsident nicht kompetent, sich zu Fragen der Scharia und der Justiz zu äußern. Er hätte als geschickter Politiker auf die Gewaltenteilung hinweisen können, habe er aber nicht.


zwischen Sakine…


und Christiane

Was die Zeitung damit andeutet: Ahmadineschad hat erstens seine Zuständigkeit überschritten, zweitens hat er die Würde seines Amts beschmutzt, indem er sich zu einem Interview mit einer unverschleierten Frau herabließ, gegen die zudem ein behördliches Einreiseverbot in den Iran existiere. Zugleich macht die Zeitung damit auch ein Zugeständnis an die Ajatollahs, indem sie diesen das Recht für solche Entscheidungen zugesteht. Genau dieses Recht aber versucht die Regierung Ahmadineschad zu beschneiden und ignoriert auch Anweisungen von Ajatollah Chamene‘i, dem Religionsführer.

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