Archiv der Kategorie 'Frauen'

Teheran: Protest gegen Kopftuchzwang auf dem Revolutionsplatz

Eine junge Frau hat gestern auf dem Revolutionsplatz in Teheran eine Aktion gegen islamische Bekleidungsvorschriften (Kopftuchzwang) durchgeführt.


Protest gegen Zwangsverschleierung auf dem Revolutionsplatz am 29.10.2018 in Teheran

Wie auf dem Foto zu sehen ist, befindet sich mitten auf dem Revolutionsplatz, im Zentrum eines mehrspurigen Kreisverkehrs eine riesige Metallkuppel. Die Frau hat diese Kuppel mit Luftballons in der Hand bestiegen und schwenkte sie anschließend zusammen mit einem Kopftuch. Verschiedene Sicherheitskräfte haben sie mehrfach aufgefordert, das zu unterlassen und wieder herunter zu steigen. Die Frau weigerte sich jedoch und setzte ihre Aktion fort. Versuche der Sicherheitskräfte, ebenfalls hochzuklettern, scheiterten zunächst an der rutschigen Steigung. Schließlich wurde sie aber festgenommen.

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Ahwas (Iran): Hunderte von Arabern inhaftiert


Der mysteriöse Überfall auf eine Parade der iranischen Streitkräfte in Ahwas, von dem wir berichtet hatten, dient wie befürchtet als Vorwand, um gegen den zivilen Protest der arabischen Minderheit dieser Region mit aller Gewalt vorzugehen. Wie lokale Menschenrechtsgruppen berichten, wurden in der Folge mehrere Hundert Angehörige der Zivilgesellschaft, die friedlich ihre Rechte einfordern, verhaftet. Der Staat scheut sich nach Angaben dieser Gruppen nicht, auch Ehefrauen und Kindern in Haft zu nehmen, um so die Ehemänner zu zwingen, sich den Behörden zu stellen. Nachforschungen über die Verhaftungen sind für die Nachforschenden selbst gefährlich, da auch ihnen Verhör und Verhaftung droht.
Die Menschenrechtsgruppen haben bislang eine Liste von 115 Personen veröffentlicht, die verhaftet wurden. Von vielen Verhafteten ist die Identität bislang noch unbekannt.
Hier die veröffentlichte Namensliste:


http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=89491
vom 21. Oktober 2018
bazdashthaye gostarde, gorougangiriye zanan wa kudakan dar xuzestan

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Iran: Nein zur Zwangsverschleierung


Das freiwillige Tragen des Kopftuchs ist das Recht jeder Iranerin

Die iranische Frauenbewegung wagt einen neuen Schritt. Nachdem Frauen an belebten Straßen und Plätzen ihr Kopftuch abgenommen und wie eine Fahne zum Protest vor sich hingehalten hatten, beginnen sie jetzt, Flugblätter gegen den Kopftuchzwang zu verteilen und an öffentlichen Stellen anzukleben und entsprechende Worte an die Wände zu sprayen.
Einzelheiten sind in folgendem Film zu sehen:
https://youtu.be/AehVTCmU6Ew

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=167173
vom 19. Mehr 1397 (11. Oktober 2018)
film / zanane irani dar e°teraz be hejabe ejbari dar xiyabanha e°lamiye paxsh mikonand

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Iran: Über 20 politische Gefangene im Hungerstreik

Derzeit befinden sich im Iran über 20 politische Gefangene im Hungerstreik. Darunter sind 18 Gonobadi-Derwische, eine religiöse Gruppe muslimischer Glaubensrichtung, die von der Islamischen Republik Iran verfolgt wird. Weiterhin streiken die Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude und der Arzt Farhad Meissami, der wegen seiner Unterstützung für die Kampagne gegen den Kopftuchzwang in Haft ist.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=88976
vom 29. Schahriwar 1397 (20. September 2018)
e°tesabe ghadhaye bish az 20 zendaniye °aqidati-siyasi dar iran

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Iran: Verfolgung der Familie der inhaftierten Anwältin Nasrin Sotude


Die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude

Die iranische Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotude wurde am 23. Chordad 1397 (13. Juni 2018) dieses Jahres erneut verhaftet. Ihr Ehemann, Resa Chandan, wurde am 12. Schahriwar 1397 (3. September 2018) nach einem telefonischen Drohanruf des iranischen Geheimdienstes ebenfalls verhaftet. Als die Kinder von Nasrin Sotude am Sonntag, den 25. Schahriwar 1397 (16.09.2018) ihre Mutter im Ewin-Gefängnis besuchen wollten, wurde ihr Name nicht aufgerufen. Stattdessen wurde ihre Tochter Mehrawe Chandan aufgefordert, die islamische Kopfbedeckung einzuhalten. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass sie bei allen Besuchen ihren Kopf stets auf gleiche Art bedeckte. Es handelt sich also nicht um eine Reaktion auf ihre Kleidung, sondern um eine weitere Form des Drucks durch die Behörden.
Nasrin Sotude hat als Reaktion hierauf erklärt, dass sie kein Besuche mehr empfangen will. Außerdem hat sie als Reaktion auf die Verhaftung ihres Mannes den trockenen Hungerstreik erklärt und weigert sich auch, ins Krankenhaus eingeliefert zu werden, um mit Infusionen am Leben gehalten zu werden. Es ist ein ungleicher Kampf, aber sie gibt nicht auf.

https://www.radiofarda.com/a/nasrin-sotudeh-daughter-mehraveh/29494023.html
vom 26. Schahriwar 1397 (17.09.2018)
afzayeshe fesharha bar farzandane nasrin setude

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Iran: Farhad Meyssami im Hungerstreik

Der Bürgerrechtler Farhad Meyssami ist seit dem 9. Mordad 1397 (also seit etwa einem Monat) in Haft. Ihm werden „krimineller Zusammenschluss zur Störung der Sicherheit des Landes“, „Aufstachelung der Frauen zum öffentlichen Auftreten mit nacktem Kopf (ohne Kopfbedeckung)“ und „Propaganda gegen das System“ vorgeworfen. Als Beweismittel für diese Vorwürfe dienen einzig und allein einige Anstecker, die bei seiner Verhaftung in seiner Wohnung gefunden wurden, auf denen z.B. stand „Ich protestiere gegen die Zwangskopfbedeckung“, „Ich stimme der Zwangskopfbedeckung nicht zu“. Seine Mutter hatte ihn am vergangenen Dienstag im Ewin-Gefängnis besucht. Sie ist sehr beunruhigt über seine schlechte gesundheitliche Verfassung. Der 48-jährige Farhad Meyssami, von Beruf Arzt, hat aufgrund der willkürlichen Vorwurfe den Hungerstreik erklärt und ist entsprechend abgemagert.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/76657/
vom 03.09.2018, 16:54
waz°iyate jesmiye waxime farhade meythami dar athare e°tesabe ghadha dar zendan

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Iran: neue Anklagen gegen Menschenrechtsanwältin


Nasrin Setude

Nasrin Setude, eine bekannte iranische Menschenrechtlerin und Anwältin, wurde am 13. Juni 2018 zur Verbüßung einer Haftstrafe festgenommen, obwohl ihr dieses Haftstrafe nie verkündet wurde. Die Gefängnisstrafe von 5 Jahren war am 3. September 2016 auf einer Gerichtsverhandlung in ihrer Abwesenheit verhängt worden. Die Verhaftung von Nasrin Setude am 13. Juni erfolgte kurz nachdem sie das Mandant für eine Frau übernommen hatte, die wegen des Abnehmens des Kopftuchs in der Öffentlichkeit verfolgt wird.
Jetzt werden gegen Nasrin Setude weitere Anklagen erhoben, die mit ihrer Menschenrechtsarbeit zusammenhängen. Ihr werden „Aktivitäten gegen die Sicherheit in Zusammenarbeit mit konterrevolutionären Elementen im In- und Ausland“ und heimliche Treffen mit ausländischen Diplomaten vorgeworfen. Auch ihr Einsatz gegen die Todesstrafe im Iran wird ihr zur Last gelegt.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/76427/
vom 18.08.2018, 8:50
e°teraze didebane hoquqe bashar be hokme jadid °aleyhe nasrin setude

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Iran: Haft für Tänze auf Instagram


Die 17-jährige Ma‘ede, die selbst Gymnastik, Hindernislauf und Tänze unterrichtet, hatte auf Instagram ihre Tänze veröffentlicht. Nun wurde sie von der iranischen „Cyber-Polizei“ (Fata) verhaftet. Das staatliche Fernsehen Seda wa Sima, das fest in der Hand von islamistischen Ideologen aus dem Lager von Ajatollah Chamene‘i ist, hat ihr unter Tränen abgelegtes „Geständnis“ im ganzen Land veröffentlicht. Sie ist noch immer in Haft. Im Iran ist das öffentliche Tanzen von Frauen in keinem Gesetz verboten, auch nicht die Veröffentlichung solcher Tänze im Internet und ähnlichen Medien. Aber die fundamentalistische Auslegung des Islams besagt, dass solche Dinge religiös verboten „haram“ sind, und das genügt, um die Polizei und die iranische Form der Bild-Zeitung auf die Frauen zu hetzen.

https://news.gooya.com/2018/07/post-16524.php
vom 9. Juli 2018
xabargozari daxele iran: ma‘ede, raqs wa e°terafe boghz-alud-e telewizyuni .. che xabar az dozdane beyt-o l-mal

https://news.gooya.com/2018/07/post-16500.php
vom 9. Juli 2018
bar-xorde polise iran ba shaxhaye instagrami wa bazdashte ma‘ede hozhabri, raqsande‘i por tarafdar.

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Iran: Selbstmord mit „Reistabletten“


In Naghade hatten sich drei Schülerinnen der Oberstufe abgesprochen, Selbstmord zu verüben. Eine hat im letzten Moment Abstand genommen, die beiden anderen sind zur Tat geschritten. Von diesen ist die eine gestorben, die andere liegt im Koma.
Als Mittel zum Selbstmord ist im Iran die sogenannte Reis-Tablette häufig geworden. Es handelt sich um ein Mittel gegen Nagetiere, das im Iran speziell zum Schutz von Reis-Depots benutzt wird.
Chemisch handelt es sich um Aluminiumphosphid, das in Kontakt mit Wasser Phosphorwasserstoff bildet, das wichtige Enzyme des Atembereichs blockiert. Der Tod dauert mehrere Stunden und ist sehr schmerzhaft.

https://www.radiofarda.com/a/three-students-committed-suicide-in-naghade/29213033.html
vom 17. Ordibehescht 1397 (7. Mai 2018)
xodkoshiye hamzamane seh danesh amuze doxtar dar naqade
http://www.asriran.com/fa/news/377268/
qorse berenj-ra beshenasim, xatar dar kamin ast

https://en.wikipedia.org/wiki/Aluminium_phosphide

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Iran: Vom Hausarrest und dem Geheimdienst


Mirhossein Mussawi und Mussawis Ehefrau Sahra Rahnaward
Die beiden Kandidaten der Präsidentschaftswahl von 2009, Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi, sowie Mussawis Ehefrau Sahra Rahnaward stehen nun schon sieben Jahre unter Hausarrest. Dies, obwohl Präsident Hassan Rouhani vor den Wahlen versprochen hatte, sich beim Religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i für die Aufhebung des Hausarrests einzusetzen.
Jetzt ist einer der iranischen Geheimdienste auf den Plan getreten, und wie sollte man es bei Geheimdiensten anders erwarten, unter Verbreitung von Lügen. Die iranischen Geheimdienstler ließen die Behauptung verbreiten, sie hätten Sahra Rahnaward getroffen und ihr das Angebot gemacht, sie vom Hausarrest auszunehmen, aber sie habe abgelehnt.
Sahra Rahnaward hat nun erwidert, dass es keineswegs ein Treffen gegeben habe. Vielmehr sei sie telefonisch angerufen worden und ihr eine sehr beschränkte Reduzierung des Hausarrests vorgeschlagen worden. Sie dürfe ihre Kinder besuchen und nach Maschhad reisen.
Sie habe das abgelehnt: So lange ihr Mann und Mehdi Karubi unter Hausarrest stünden, käme es für sie nicht in Frage, Privilegien in Anspruch zu nehmen.

https://www.radiofarda.com/a/rahnavard-said-she-rejected-limited-exit/29213004.html
vom 17. Ordibehescht 1397 (7. Mai 2018)
kaleme: zahra rahnavard pishnehade haqqe taraddode mahdud-ra radd karde ast

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Brutale Festnahme wg. Bekleidungsvorschriften im Iran

Im Internet verbreitet sich gerade weltweit ein Video von der brutalen Festnahme einer iranischen Frau in Teheran, der vorgeworfen wird, die islamischen Bekleidungsvorschriften missachtet zu haben. Sie und ihre Begleiterin, die sich für sie einsetzte, wurden geschlagen und beide befinden sich derzeit in Haft.


Brutale Festnahme wg. Bekleidungsvorschriften im Iran

Die auf Video festgehaltene Misshandlung ereignete sich bereits letzte Woche. Es wird mittlerweile in hunderten Webseiten und im Sozialen Netz weiterverbreitet. Im Video ist zu sehen, wie eine junge Frau von Sicherheitskräften kontrolliert und dann von weiblichen SittenwächterInnen angegangen wird. Die junge Frau will jedoch nicht fetgenommen werden und versucht sich immer wieder den Griffen zu entziehen. Es dauert nicht lange, dann beginnt die Sittenpolizei Gewalt ausuzuüben. Sie schlagen die junge Frau bis sie irgendwann unter Schmerzensschreien zu Boden geht.

Die junge Frau wird in der Situation von einer weiteren Frau unterstützt, die versucht einzugreifen und gegen das Schlagen der jungen Frau zu protestieren. Auch sie wird im späteren Verlauf geschlagen und letztlich ebenso festgenommen wie die andere Frau.

Beide befinden sich nun in Haft. Von der Unterstützerin ist bekannt, dass sie 48 Jahre alt ist und Minu Hasanabadi heisst. Sie wird jetzt von der bekannten Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh vertreten.

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Internationales Filmfestival in Teheran: Protest gegen Kopftuchzwang


Eine Frau hat auf dem jährlich in Teheran stattfindenden Filmfestivel namens „Fadschr“ ihr Kopftuch abgenommen und es wie die „Frauen der Revolutionsstraße“ in Teheran vor sich hingehalten. Die sogenannten Ordnungskräfte und der Verantwortliche für das Festival sind zwar gleich eingeschritten und haben die Frau verhaftet. Aber das Bild des Protests ist nicht mehr rückgängig zu machen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=153252
vom 3. Ordibehesht 1397 (23. April 2018)
°aks / e°teraz be hejabe ejbari dar jashnvareye beyn-ol-mellaliye fajr

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Iran – USA: Sacharow-Preis für Narges Mohammadi


Die derzeit inhaftierte iranische Menschenrechtlerin und ausgebildete Physikerin Narges Mohammadi hat dieses Jahr den Sacharow-Preis erhalten – zusammen mit Ravi Kuchimanchi aus Indien.
Der Preis wird jährlich von der US-Physiker-Vereinigung vergeben.
Aufgrund ihrer Haft konnte sie den Preis nicht entgegen nehmen. Aufgrund der Repressalien des US-Präsidenten Trump gegen Iraner konnte auch ihr Bruder den Preis nicht entgegen nehmen. Er erhielt kein Einreisevisum.

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/74316/
vom 27. Farwardin 1397 (16. April 2018)
jayezeye fizike saxarow be narges mohammadi e°ta shod

https://www.aps.org/programs/honors/prizes/prizerecipient.cfm?last_nm=Mohammadi&first_nm=Narges&year=2018

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Iran: Golroch Irani im Krankenhaus


Golroch Irani

Nach sechzig Tagen Hungerstreik wurde die iranische Bürgerrechtlerin Golroch Irani vergangenen Dienstag (3. April 2018) in ein Krankenhaus verlegt. Die Familie wurde nicht informiert, in welches Krankenhaus sie eingewiesen wurde. Mit ihrem Hungerstreik protestierte Golroch Irani gegen ihre illegale Verlegung und gegen die erlittene Misshandlung in Haft. Infolge des Hungerstreiks hat sie 20 kg an Gewicht verloren.
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=85842
vom 15. Farwardin 1397, 4. April 2018

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Iran: Die Töchter der Revolutionsstraße

Gastbeitrag von Atoosa, 2.4.2018

In diesem Jahr fiel der erste Tag des Sonnenkalenders, der erste Frühlingstag, auf den 20. März. Im Iran und in den Communties in Zentralasien und dem Nahen Osten feierten die Menschen aller Nationen und Religionen das neue Jahr mit Ritualen und Symbolen des Frühlings, der Familie und des Essens, so wie sie es seit über 3000 Jahren tun. Wenn wir das vergangene Jahr Revue passieren lassen, so stellen wir fest, dass es eine Menge Konfrontationen zwischen den Bürgern und der Regierung gegeben hat, durch die ganze iranische Gesellschaft hindurch und vor allem bei den Frauen, die ein Wiedererstarken des Mutes und der Kühnheit ihrer Proteste unter Beweis gestellt haben.

Am 27. Dezember 2017 machte Vida Movahed eine Geste in einem stillen Protest, die viral werden sollte. Sie stand auf einer Kiste in der Revolutionsstraße in Teheran, nahm ihr Kopftuch ab, band es an einen Stock und schwenkte es schweigend wie eine Fahne. Die obligatorischen Bekleidungsvorschriften im Iran verlangen von allen Frauen ab der Pubertät den Hijab zu tragen.

Dieser Protest folgt auf das, was als „Weißer Mittwoch“ bekannt geworden ist, einer Bewegung, die durch die Kampagne „Meine heimliche Freiheit“ gegen Zwangsverschleierung für Frauen entfacht wurde. Frauen fotografieren und filmen sich selbst, während sie weiße Kopftücher tragen als Symbol des Protestes; manchmal wagen sie es, ihr Kopftuch vollständig zu entfernen. Bald nach Vida’s Protest (und nach ihrer Verhaftung und ihrem anschließendem einmonatigen Verschwinden) haben Frauen im Iran nachgezogen und standen ebenfalls auf Plattformen, in der Öffentlichkeit, ihre Köpfe entblößt und schweigend ihr Kopftuch schwenkend.

Ihre Proteste gingen in sozialen Medien viral, mit Hashtags auf Persisch, die sie als „Die Töchter der Revolutionsstraße“ betitelten. Von Außen betrachtet oder von jemandem der sich wenig mit dem Iran auskennt, scheint die Geste auf den Bildern, mit Frauen, die oft am Rande von stark frequentierten Straßen stehen, inmitten von starkemVerkehr und zahlreichen Passanten, fast inadäquat oder, wie der iranische Religiöse Führer Khamenei es beschrieb, „unbedeutend“ zu sein.

Aber die Frauen im Iran wissen sehr genau, was diese scheinbar kleinen Trotzakte bedeuten können; mindestens 30 Männer und Frauen wurden nach den friedlichen Protesten verhaftet, davon einige verurteilt und ins Gefängnis geworfen mit Veruteilungen wegen „Die Menschen ermutigen, sich an Korruption zu beteiligen, indem sie den Hijab in der Öffentlichkeit entfernen“ und „Eine verbotene Handlung im öffentlichen Raum zu begehen“.

Die Töchter der Revolutionsstraße standen in der Öffentlichkeit und riskierten ihre Freiheit, obwohl sie die Gefahr der Verhaftung kennen, die der Verletzung der zarten „Ehre“ des Regimes auf den Fuß folgen. Und warum standen Frauen, die den Hijab aufgrund ihres persönlichen Glaubens tragen, ebenfalls auf Plattformen und protestierten?

Die Töchter der Revolutionsstraße und die zahllosen Frauen, die seit der Revolution von 1979 protestieren, ziehen eine klare Grenze zwischen den religiösen Edikten und dem Recht des Individuums auf freie Wahl. Sie protestieren nicht gegen den Hijab, sondern gegen den Zwang und die Unterdrückung und die Entmündigung von Frauen. Die Freiheit zu wählen, was man trägt, was man denkt und fühlt, ist ein Verlangen, das keine geographischen Grenzen kennt. Und die Frauen Irans wollen auch frei sein.

Wenn das letzte Jahr für Frauen im ‚Westen‘ ein Jahr des #MeToo war und des Erkennens und Wiedereinführens von Grenzen, dann war es für Frauen im ‚Osten‘ ein Jahr des Kampfes und des Protests für ihre grundlegenden Menschenrechte. Im ‚Westen‘ ringen wir oft mit Diskussionen über Identität, Religion und wie diese mit den Menschenrechten und insbesondere den Frauenrechten interagieren (obwohl Nawal El Saadawi sagen würde: Wer sagt das?).

Wir können versuchen, auf Proteste wie die der Töchter der Revolutionsstraße nicht nur für unsere Inspiration, sondern auch für unsere Klarheit zu schauen. Klarheit bezüglich der Universalität der Menschenrechte: dass Frauen überall und in jeder wahrgenommenen Kultur oder Religion die gleichen Freiheiten beanspruchen. Aber es zeigt auch die Notwendigkeit einer klaren Trennung zwischen Religion und der Gesellschaft als Ganzes: dass keine Frau ein Symbol oder ein Archetyp ist, sondern ein Individuum, das eine komplexe Beziehung zu seinem Gott hat – oder auch nicht.

Wir sollten in diesem neuen Jahr laut in die Parolen der „Töchter der Revolutionsstraße“ einstimmen und in ihre Rufe nach universellen Menschenrechten.

Atoosa ist Jurastudentin und arbeitet für eine Menschenrechtsorganisation. Sie interessiert sich für Gesetzgebung zu Menschenrechten und Fragen der Sicherheit, des Säkularismus und der Religion.

Quelle: http://www.sedaa.org/2018/04/iran-the-girls-of-revolution-street/

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