Archiv der Kategorie 'Frauen'

Iran: 800 unterschreiben gegen Kinderheirat


Laut Artikel 1041 des iranischen Zivilgesetzbuchs dürfen Mädchen schon ab dem vollendeten 9. Lebensjahr verheiratet werden. Jetzt haben 800 Frauen- und Kinderrechtsaktivisten im Iran eine Erklärung unterschrieben, in der sie eine Anhebung des Ehealters auf 18 Jahre fordern und eine strafrechtliche Verfolgung fordern, wenn Erwachsene eine Minderjährige heiraten. Sie weisen auf die verheerenden Folgen der frühen Ehe für die Kinderbräute hin.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=81548
vom 22. Mordad 1396 (13. August 2017)
sadha fa°°ale madani man°e ezdevaje kudakan zire 18 sal shodand

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Iran: Creative Mornings

Die aus der Schweiz stammende Kommunikationswissenschaftlerin Tina Roth-Eisenberg war unter anderem die Begründerin einer monatlichen Vorlesungsserie, die weltweit in über 100 Städten zu bestimmten Themen abgehalten wird. Auch aus dem Iran haben sich in zwei Städten Initiativen gebildet, um diese Anregung in ihrer Stadt umzusetzen, nämlich in Teheran und Tabris. Wie man an folgendem Video einer solchen Veranstaltung sehen kann, sind die meist jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer potentielles Ziel staatlicher Verfolgung, egal, wie unpolitisch das Thema des Vortrags ist. Erstens sitzen Männer und Frauen gemischt in der Vorlesung, und zweitens tragen die Frauen das Kopftuch so, dass – in Teheran – die Haare einschließlich das Ohr sichtbar sind. Die Farben des Kopftuchs und des Überwurfsmantels sind derart bunt, dass man die Ajatollahs schon donnerwettern hört.Kleidung, der Rahmen der Veranstaltung und die Umgebung lassen darauf schließen, dass die Teilnehmenden der Oberschicht angehören.

Bewegung in Bewegung
Während junge Menschen des gleichen Alters vor 40 Jahren irgendeiner politischen Gruppe angehörten, wenn sie aktiv werden wollten, die einen mit Schwerpunkt auf bewaffneten Aktionen, die anderen mit Schwerpunkt auf Aufklärung, hat die anhaltende Unterdrückung dazu geführt, dass die junge Generation sich anders ausdrückt. Natürlich führt die anhaltende Unterdrückung zur Erzwingung einer angeblich islamischen Kleiderordnung dazu, dass jede Frau, die etwas auf sich hält, sich in der einen oder anderen Form dagegen auflehnt. Aber das ist nicht die Hauptsache. Die Verfolgung von Opposition führt dazu, dass die junge Generation zu Aktionen übergegangen sind. Gestern war es das gegenseitige Bespritzen mit Wasser in der Öffentlichkeit, dann wurde die Polizei geschickt, um es zu verhindern, dann folgten andere mit turnerischen Darbietungen in Form von gewagten Sprüngen, auch hier von beiden Geschlechtern, es entstand eine Bewegung, am Mittwoch ein weißes Kopftuch zu tragen, und nun also dies hier, Vortragsreihen mit Frühstück in ungezwungener Atmosphäre. Das Regime hasst sowas wie die Pest, und wenn es zuschlägt, werden die Leute keinen Widerstand leisten, sondern die nächste Aktionsform erfinden. Wasser kann man stauen, aber es findet seinen Weg und dann läuft es über alle Hürden. Das Regime hat verloren.

https://youtu.be/NKGHa00MZ3A?t=305

https://en.wikipedia.org/wiki/Tina_Roth-Eisenberg
http://news.gooya.com/2017/08/post-6366.php
https://creativemornings.com/cities/tbz
https://creativemornings.com/cities/thr
https://www.creativemornings.ir/

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Istanbul: Meine Kleidung geht dich nichts an


Meine Kleidung geht dich nichts an!

Im Maçka-Park in Istanbul fand heute eine Kundgebung dagegen statt, dass ein Sicherheitsbediensteter versucht hatte, eine Frau aus dem Park zu werfen, weil sie nicht „anständig“ gekleidet sei. „Sie können hier nicht so herumlaufen, die anderen Menschen fühlen sich belästigt.“ hatte er behauptet. Und weiter: „Hier sind auch Familien. Und wenn Sie dann vergewaltigt werden, rufen Sie noch um Hilfe.“ Der Sicherheitsbeamte wurde laut Angaben der Stadtverwaltung Istanbul inzwischen vom Dienst suspendiert. Er arbeitete für eine Drittfirma. Wie man sieht, ist Leiharbeit auch beim türkischen Staat gang und gebe.

http://www.diken.com.tr/macka-parkinda-bir-kadini-taciz-eden-guvenlikci-aciga-alindi/
31/07/2017 16:30

Maçka Parkı’nda bir kadını taciz eden güvenlikçi açığa alındı

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Iran: 45 Botschafter im Gefängnis


Golroch Ira‘i und Fateme (Atena) Da‘emi

Nein, es handelt sich weder um eine Geiselnahme noch um eine Botschaftsbesetzung. Diesmal geht es darum, dass laut einem offenen Brief der iranischen Menschenrechtsaktivistinnen Golroch Ira‘i und Fateme (Atena) Da‘emi, zwei politischen Gefangenen, die im Ewin-Gefängnis in Haft sind, eine Delegation von 45 Botschaftern das Ewin-Gefängnis in Teheran besucht hat. Die Botschafter kamen am 14. Tir 1396 (5. Juli 2017) auf Einladung der Sazemane Zendanhaye Iran (Iranische Gefängnisverwaltung) und des „Islamischen Menschenrechtsinstituts“ zu einem im voraus angekündigten Besuch ins Ewin-Gefängnis. Die beiden Frauen schreiben in ihrem Brief, dass es klar ist, dass man dann, wenn man Besuch erwartet, sein Haus im besten Zustand vorführt. Das gebietet schon die iranische Gastfreundschaft.

Untergrabung der UN-Schutzmechanismen
Golroch Ira‘i und Fateme Da‘emi weisen in ihrem offenen Brief an die Botschafter darauf hin, dass der Iran schon seit Jahren den UN-Sonderberichterstattern wie Herrn Ahmad Schahid und Frau Asma Jahangir die Einreise in den Iran zum Zweck des Besuchs von Gefängnissen verweigert. In dieser Situation springen die 45 Botschafter in die Bresche und helfen dem Regime, diese Herren für ihre Zwecke zu instrumentalisieren und die Menschenrechtler in Gute, die nichts sehen, und Böse – die Kritischen – einzuteilen. Entsprechend werden die Botschafter in den iranischen Staatsmedien zitiert, wie beeindruckt sie von den guten Haftbedingungen im Iran seien.

Fragen an die Botschafter
Die beiden Frauen wollen wissen, ob die Botschafter beim Gefängnisbesuch in Ewin auch die verschiedenen Institutionen untergeordneten Trakte besucht haben. So den Trakt 209, der dem Geheimdienstministerium untersteht, den Trakt do-alef (2A), der dem Geheimdienst der Revolutionswächter (Pasdaran) untersteht, oder den Trakt 241, der dem Geheimdienst der Justiz untersteht. Sie fragen, ob die Botschafter auch die Einzelhaftzellen ohne Fenster und Ventilation besucht haben und die dortigen Klos gesehen haben. Ob sie die Verließe und die engen, dunklen Verhörräume gesehen haben. Ob man ihnen auch die als „Grab“ bezeichneten Zellen gezeigt habe. Ob Sie auch mit Gefangenen gesprochen hätten. Ob sie sich zuvor über die Zahl der Inhaftierten, die Dauer der Einzelhaft, , die Art der Verhöre und Folterungen informiert hätten.

Frauen links liegen gelassen
Golroch Ira‘i und Fateme Da‘emi fragen die Botschafter, wieso sie den einzigen Trakt im Ewin-Gefängnis, in dem Frauen festgehalten werden, nämlich den ihrigen, nicht besucht hätten. Ob ihnen bekannt sei, dass die Frauen „aufgrund der Vorschriften der Scharia“ nicht von einem männlichen Arzt untersucht werden, und auch keine Spritzen und EKGs bekommen. Im Gefängnis ist nicht eine einzige Krankenschwester vorhanden, so dass die inhaftierten Frauen von wesentlichen medizinischen Dienstleistungen ausgeschlossen sind. Ob ihnen bekannt sei, dass das Trinkwasser im Gefängnis so ungesund ist, dass Hunderte, wenn nicht Tausende Gefangene, an Nierenerkrankungen leiden. Ob sie den unter dem Pseudonym Schahryari auftretenden Gefängnisarzt kennengelernt hätten, der die Gefangenen behandle, ohne sie zu untersuchen, und deshalb auch auf keinem Dokument mit seinem Namen auftrete, um nicht für seine Fehldiagnosen und Falschmedikamentation bestraft zu werden. Die beiden Frauen bedauern, dass die Besucher nicht auch mal einen Krankenwagen der Haftanstalt betreten hätten, um festzustellen, wie (schlecht) dieser ausgerüstet ist. Sie bedauern, dass die Botschafter sich nicht die Filme der Anstaltkameras zeigen ließen, die z.B. zwei Tage vor dem Besuch noch Aufzeichnungen machten. Dann hätten sie ein realistischeres Bild von den hygienischen Bedingungen in der Anstalt erhalten.

Trakt 4
Die Autorinnen des offenen Briefs an die Botschafter fragen, ob sie sich auch die Akten der Gefangenen anschauen konnten. Laut vorliegenden Informationen besuchten die 45 Botschafter nur den Trakt 4. Ob sie wüssten, dass die Gefangenen für diesen Trakt Millionen von Tuman ausgegeben hätten. Ob sie wüssten, dass die Gefangenen dieses Trakts für den Tag des Besuchs der Botschafter mit der Begründung wegverlegt wurden, sie kämen ins Krankenhaus oder sie hätten eine Gerichtsverhandlung. De facto seien sie in den Trakt do-alef (2A) verlegt worden. Sie wiesen darauf hin, dass im Trakt 4 sowohl wegen Wirtschaftsdelikten verurteilte Gefangene, als auch politische Gefangene sowie Schläger und Messerstecher untergebracht sind. Einen Tag vor dem Besuch der Botschafter wurde die Lieferung sämtlicher Zeitungen ins Gefängnis unterbunden, damit die Gefangenen nichts von diesem Besuch mitbekämen und nicht auf die Idee kämen, zu den Botschaftern Kontakt aufzunehmen.

Nahrung
Die Frauen sprechen noch viele weitere Punkte an, so etwa die mangelhafte Ernährung, durch die die Gefangenen gezwungen werden, zu völlig überhöhten Preisen Nahrung im Anstaltsladen zu kaufen, was für gewisse Herren ein willkommenes Geschäft ist.

Motive des Besuchs
Leider ist uns bis jetzt nicht bekannt, welche Regierungen diese 45 Botschafter vertreten. Betrachtet man die deutsche Asylpolitik, die inzwischen selbst Afghanistan als sicheren Staat bezeichnet und nicht davor zurückschreckt, Schüler aus der deutschen Schulklasse heraus nach Afghanistan abschieben zu wollen, dann können solche unprofessionellen Gefängnisbesuche sehr wohl ein gut durchdachter Schachzug sein. Mit den Berichten der Botschafter begründet man dann die Abschiebung von Iranern in ihre Heimat, und gleichzeitig streut man sie in den Medien, um den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zum Iran zu rechtfertigen. Beim jetzigen Stand der Machtverhältnisse zementiert dies die wirtschaftliche Macht der Revolutionswächter, die schon jetzt die wichtigsten Wirtschaftszweige im Iran kontrollieren, namentlich den Öl- und Ergassektor.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=80974
vom 19. Tir 1396 (10. Juli 2017)
haqayeqra az shoma penhan kardand

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Iran: Weiß statt schwarz

Die Frauenbewegung im Iran sucht ständig neue Wege, um einen Ausweg aus dem Kleidergefängnis der Ajatollahs zu finden. Dazu ziehen sie jeden Mittwoch weiße Kopftücher an, um gegen das verordnete Schwarz zu protestieren. Der Ort ist beliebig.
https://www.radiofarda.com/a/b52-6th-hour-hijab-white-wednesdays/28575594.html
vom 2. Tir 1396 (23. Juni 2017)
chaharshanbehaye zanani ke sar baz mizanand

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Iran: Narges Mohammadi in Gefahr


Narges Mohammadi
Die iranische Journalistin und stellvertretende Vorsitzende des Vereins der Menschenrechtsverteidiger Narges Mohammadi, die wegen ihres Engagements für die Abschaffung der Todesstrafe vergangenes Jahr zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt wurde und aufgrund weiterer politischer Vorwürfe noch 6 Jahre Gefängnis zusätzlich erhalten hat – musste jetzt wegen innerer Blutungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Narges Mohammadi leidet an Muskellähmung und Lungenembolie. Die Ärzte, die sie behandelt haben, sagen, dass ihr Leben im Gefängnis in Gefahr ist. Ihre beiden Kinder leben jetzt bei ihrem Vater Taqi Rahmani in Frankreich.

http://news.gooya.com/2017/05/post-4123.php
vom 29. Mai 2017
narges mohammadi be dalile xunriziye daxeli az zendan be bimarestan montaqel shod

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Iran: Böse Mächte fordern Frauenrechte

Ajatollah Chamene’i ist sauer. Der Grund: Die Regierung von Hassan Rouhani hat das Erziehungsministerium angewiesen, die Agenda 2030 der UNESCO im Iran umzusetzen. Die Agenda sieht unter anderem Gleichberechtigung für Frauen und Mädchen vor, bei der Erziehung und in anderen Bereichen. Diese Agenda wurde am 25. September 2015 von den Staats- und Regierungschefs von 180 Staaten in New York verabschiedet. Auch der iranische Vertreter war dabei. Dazu muss man wissen, dass die Außenpolitik nach der iranischen Verfassung zu den Vorrechten des Religiösen Führers gehört. Das heißt, dass die Regierung Rouhani, die damals für die Agenda gestimmt hat, dies mit Einwilligung des Religiösen Führers – Ajatollah Chamene’i – getan hat. Jetzt, wo es um die Umsetzung geht, wird er auf einmal laut und garstig.

Verdorbener westlicher Lebensstil
So erklärte Ajatollah Chamene’i am 7. Mai 2017 vor einer Versammlung von Lehrern folgendes: Das Dokument Agenda 2030 propagiere „einen fehlerhaften, destruktiven und verdorbenen westlichen Lebensstil“. Er erklärt, die Islamische Regierung habe höherrangige Dokumente als diese Agenda und habe keinen Bedarf für eine solche. Das fällt ihm reichlich spät ein…

Über andere Nationen bestimmen?
Der Religiöse Führer stellt dann die Frage: „Wie kommt ein sogenanntes internationales Gremium, das unter dem Einfluss der Großmächte steht, dazu, sich das Recht zu geben, über Nationen zu bestimmen, die über eine unterschiedliche Geschichte, Kultur und Zivilisation verfügen?“ Wenn er das Dokument lesen würde, könnte er leicht feststellen, dass es sich um eine Selbstverpflichtung ohne Sanktionen handelt, eben nichts, was Großmächte den anderen aufzwingen. Und der Religiöse Führer, der mit Parolen wie „Tod für Israel“ Menschen in den Krieg schickt, der die schiitischen Milizen im Irak, die Hesbollah im Libanon, die Hamas in Palästina und die Regierung in Syrien bei der Unterdrückung der eigenen Bevölkerung unterstützt, nimmt sich selbst schon seit Jahrzehnten das Recht, über andere Nationen zu bestimmen, von denen im eigenen Land – den Kurden, Aseris, Balutschen, Turkmenen oder Arabern – ganz zu schweigen.

Heimliche Umsetzung strikt verboten
Der Religiöse Führer sagt weiter: „Dieses Dokument (die Agenda 2030) und seinesgleichen, sind nicht imstande, sich die Islamische Republik Iran zu unterwerfen. Die Unterschrift unter dieses Dokument und seine heimliche, schleichende Umsetzung ist strikt verboten. Dies wurde den zuständigen Institutionen auch schon mitgeteilt.“ Sprich, der Religiöse Führer hat sich mal wieder angemaßt, über die Regierung hinweg zu verfügen, was das Erziehungsministerium im Iran zu tun hat. Die Unterschrift erfolgte, wie gesagt, mit Chamene’is Zustimmung. Was man daran erkennen kann, ist die Mentalität, zu unterschreiben, ohne sich durch die Unterschrift zu etwas verpflichtet zu fühlen. Im Iran entscheidet nicht das Dokument, sondern die Machtverhältnisse. Was bei der UNESCO übrigens nicht anders ist, denn die Mehrheit der 180 Staatschefs, die die Agenda 2030 verabschiedet haben, dürften ähnlich handeln.

Die Motive des Ajatollahs
Wie gesagt, eigentlich gibt es keinen Grund, sich jetzt über das Dokument aufzuregen. Keiner kann die Mollas zwingen, es umzusetzen, und es wurde mit ihrem Segen verabschiedet. Der scheinbare Sinneswechsel ist eher ein Zeichen des Wahlkampfes im Iran. Schließlich hat Chamene’i gleich zwei Pferde im Rennen, Ebrahim Ra’issi und Bagher Qalibaf, der Mitkonkurrent Hassan Rouhani wird da schon in die Ecke der Reformisten gestellt. In Wirklichkeit greift Chamene’i mit seiner Rede Rouhani an. Er stellt diesen als „Schuldigen“ an der Situation dar, und klammert dabei seine eigene Verantwortung aus. Seine Glaubwürdigkeit im Iran stärkt er damit nicht.

Quellen:
http://www.radiofarda.com/a/f3-khamene-vs-unesco/28474271.html
vom 18. Ordibehescht 1396 (8. Mai 2017)
chera xamene’i ba sanade amuzeshiye yunesku moxalef ast?

http://news.gooya.com/2017/05/post-3448.php
vom 7. Mai 2017
moshkele xamene’i ba sanade yunesku chist?

Resolution der Generalversammlung, verabschiedet am
1. September 2015
[ohne Überweisung an einen Hauptausschuss (A/69/L.85)]
69/315.
Entwurf des Ergebnisdokuments des Gipfeltreffens der
Vereinten Nationen zur Verabschiedung der Post-2015-
Entwicklungsagenda
Anlage
Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige
Entwicklung
http://www.un.org/depts/german/gv-69/band3/ar69315.pdf

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Iran: Geiselnahme als Staatsgeschäft


Nazanin Zarghari-Ratcliffe und ihre Tochter

Shirin Ebadi, eine iranische Menschenrechtsaktivistin, die für ihre Arbeit den Friedensnobelpreis erhalten hat, wertet die jüngste Bestätigung des Urteils gegen die Journalistin Nazanin Zarghari-Ratcliffe durch das Revisionsgericht als Form der Geiselnahme zum Zweck der Gelderpressung. Es gebe bestimmte Kammern im Revisionsgericht, die schon als „Bestätigungskammern“ bekannt seien, weil sie alles bestätigten, was das Geheimdienstministerium sich als Urteil wünscht.
Shirin Ebadi beklagte, der vorige US-Präsident Obama habe die iranischen Machthaber zu einer schlechten Angewohnheit verleitet, als er Koffer mit Geld nach Teheran schickte, um die Freilassung von vier US-Staatsbürgern zu erreichen, die zugleich die iranische Staatsbürgerschaft hatten.
Die Tatsache, dass Nazanin Zarghari-Ratcliffe nur stark reduzierte Gelegenheiten gegeben werden, Besuchen und Telefonaten Angehörigen von Angehörigen im Iran zu erhalten und sie zum iranischen Neujahrsfest nicht einmal mit ihrer zweijährigen Tochter telefonieren durfte, die im Iran ist, wertete Shirin Ebadi als Schikane der iranischen Machthaber, um Druck auf die britische Regierung auszuüben und möglichst viel Geld zu erpressen.
Bislang wurde Nazanin Zarghari-Ratcliffe der Kontakt zur britischen Vertretung in Teheran verweigert. Die iranische Regierung erklärt, sie habe die iranische Staatsbürgerschaft und sei damit eingereist, alles andere interessiere sie nicht.
Im umgekehrten Fall, wenn nämlich iranische Staatsbürger mit doppelter Staatsbürgerschaft im Ausland inhaftiert werden, sieht das dann ganz anders aus. Shirin Ebadi berichtet, dass die iranischen Vertretungen in Malaysia, Indien, Armenien und Georgien sehr wohl dort inhaftierte iranische Gefangene mit doppelter Staatsbürgerschaft besucht und Rechtshilfe leistet. Dies zeigt deutlich, dass die Argumente nur vorgeschoben sind, eben um Geld zu machen.
Damit ergibt sich im Umgang mit dem Iran eine ähnliche Zwickmühle wie früher zwischen der BRD und der DDR, wo ja auch Geld gezahlt wurde, um Gefangene in der DDR freizukaufen.

Quelle
http://www.radiofarda.com/a/f3-ebadi-on-zaghari-prison/28454634.html
vom 17. Ordibehescht 1396 (27.04.2017)
ferestadane pul ba chamedan be tehran, jomhuriye eslami-ra bad °adat karde ast

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Iran: Wegen Kritik an Todesstrafe in Haft


Atena Da’emi wurde wegen ihrer in Facebook veröffentlichten Kritik an den Hinrichtungen im Iran, wegen des Zeichnens von Bildern auf Wänden, die die Todesstrafe kritisieren, und wegen ihres Besuchs bei den Gräbern der ermordeten Demonstranten gegen die Wahlfälschung von 2009 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorwurf lautete auf „gemeinschaftliches kriminelles Handeln und Propaganda gegen das Land“, „Beleidigung der heiligen Werte und des Führers“, „Beseitigung von Beweismitteln“.
Kürzlich wurden auch ihre beiden Schwestern Anise Da’emi und Haniye Da’emi wegen „Beamtenbeleidigung“ zu je 3 Monaten und einem Tag Gefängnis verurteilt. Darauf erklärte Atena Da’emi einen Hungerstreik aus Protest gegen die Verfolgung ihrer Familie. Sie streikt jetzt schon 17 Tage. Ihre Mutter, Ma’sume Ne’mati, besuchte sie am Vortag (Sonntag) im Gefängnis und berichtete, dass ihre Tochter in miserabler gesundheitlicher Verfassung sei. Sie leidet an Nierenschmerzen, Übelkeit und Kopfweh. Sie hat einen gelben Belag auf der Zungen und ihre Nägel sind blau angelaufen. Der Arzt der Gesundheitsstation des Gefängnisses hält es für möglich, dass sie eine Blutvergiftung hat.

http://www.radiofarda.com/a/f9-iran-atena-daemi-political-prisoner-hunger-strike/28448068.html
vom 4. Ordibehescht 1396 (24.04.2017)
waxamate sharayete jesmaniye atena da’emi bar athare e°tesabe ghadha

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Iran: Nazanin Zaghari-Ratcliffe weiter in Haft


Nazanin Zaghari-Ratcliffe, eine Journalistin mit britisch-iranischer Staatsbürgerschaft, war letztes Jahr zum iranischen Neujahrsfest in den Iran gereist, um ihre Angehörigen zu besuchen. Bei der Ausreise wurde sie am Flughafen vom Geheimdienst der Pasdaran verhaftet und anschließend zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Sie hatte für Thomson Reuters gearbeitet. Sie hatte einen Hungerstreik in Haft abgehalten, um gegen die Haftbedingungen zu protestieren. Darauf wurde sie aus der Einzelhaft in eine allgemeine Abteilung des Ewin-Gefängnisses verlegt. Sie durfte zum diesjährigen persischen Neujahrsfest nicht einmal mit ihrer Familie telefonieren. Ihre zweijährige Tochter lebt derzeit ohne beide Elternteile bei der Großmutter im Iran.
Wie jetzt bekannt wurde, hat die iranische Justiz eine Revision des Verfahrens abgelehnt.

http://www.radiofarda.com/a/f4_zaghari_prison_appeal_rejected_iran_judiciary/28448563.html
vom 4. Ordibehescht 1396 (24.04.2017)
dar-xaste tajdide nazar dar hokme 5 sale zendane nazanin zaghari radd shode ast

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Türkei: Wie frei sind wir?

Nach dem Referendum zur Einführung des Präsidialsystems in der Türkei wäre es eigentlich an der Zeit, die Abstimmungsergebnisse zu analysieren und zu deuten. Die Medien, die die Mehrheit der LeserInnen in der Türkei erreichen, tun dies nicht, sondern beschränken sich darauf, Äußerungen von Politikern zu zitieren, die die Wahlergebnisse deuten. Umso erfrischender ist der Blick in die wenigen in der Türkei verbliebenen Zeitungen, die noch den Mund aufmachen. Manchmal versteckt sich da auf den „Kulturseiten“ Interessantes, so in Birgün.

Aus dem Theaterstück „Demir“, das Zeynep Özyağcılar im Theater „Tiyatro Martı“ aufführt. Derya Aydogan leitet die Besprechung des Stücks mit der Überschrift und der Kopfzeile ein: Wir müssen uns fragen, wie frei wir sind. Freiheit ist eigentlich nicht nur das Problem eines Menschen, der im Gefängnis sitzt. Wir alle sollten uns die Frage stellen: Wie frei sind wir. Wie weit schauen wir zum Himmel auf? Wie sehr sind wir wir selbst?

http://www.birgun.net/haber-detay/ne-kadar-ozguruz-sorusunu-sormaliyiz-156346.html
BirGün vom 21.04.2017 01:18
Ne kadar özgürüz sorusunu sormalıyız
“Özgürlük sadece cezaevinde olan birinin sorunu değil aslında. Hepimiz kendimize sormalıyız; ‘Ne kadar özgürüz? Ne kadar gökyüzüne bakıyoruz? Ne kadar kendimiziz?’

Dieselbe Zeitung derselben Ausgabe liefert auch ein schönes Beispiel für den Gegenpol, der im Referendum zum Ausdruck kam.

Der Fernseh-Sänger Serdar Ortaç erklärt in einem Interview mit der AKP-Zeitung Akşam (Der Abend):
Unser geehrter Herr Staatspräsident ist der mächtigste und größte Führer der Zeit, in der ich lebe. Es gibt keinen, der besser ist als Erdoğan. Sollte ich Erdoğan da nicht lieben? Was ist falsch daran? Es gibt Leute, die sich genieren, das zu sagen. Ich habe Mühe, diese Leute zu verstehen. Ich liebe sowohl Atatürk als auch Erdoğan. Ich frage diejenigen, die sich als Anhänger der Republik definieren, was ist falsch daran?

http://www.birgun.net/haber-detay/serdar-ortac-erdogan-i-seviyorum-ondan-iyisi-yok-156386.html
BirGün vom 21.04.2017 11:53
Serdar Ortaç: Erdoğan’ı seviyorum, ondan iyisi yok
Sayın Cumhurbaşkanımız benim yaşadığım dönemin en güçlü ve en büyük lideridir. Erdoğan’dan iyisi yok. Ben Erdoğan’ı sevemez miyim, bunda ne yanlış var? Bunu söylemeye çekinen kesimler var. Bu kesimleri de anlamakta güçlük çekiyorum. Ben hem Atatürk’ü hem de Erdoğan’ı seviyorum. Kendini Cumhuriyetçi olarak tanımlayan kesimlere soruyorum, bunun neresi yanlış?

Eine Deutung des Geschehens in der Türkei liefert Asli Erdogan, die mit dem Präsidenten in keiner Form verwandt ist. Das Interview mit ihr ist im Tagesanzeiger in Zürich erschienen, sämtliche Autorenrechte liegen bei der Tageszeitung bzw. der Autorin. Normalerweise würden wir schon auf Deutsch veröffentlichte Artikel nicht hier wiedergeben. Aber in Ländern, wo die Medien unfrei sind, ist das Gefängnis der Sammelpunkt der Geisteswelt, die treffendsten Beobachtungen über den Stand der Gesellschaft kommen dann von Leuten, die hinter Gittern waren oder sind. Daher die Ausnahme von der Regel:

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/ich-bin-total-aufgeloest/story/18395540

Tages-Anzeiger

«Das Land verwandelt sich in eine Art KZ»

Die Türkei sei völlig aus den Fugen, sagt Asli Erdogan, der lebenslange Haft droht. Die türkische Autorin erklärt, warum viele Türken von Erdogan fasziniert sind.

Am 29. Dezember 2016, dem Tag ihrer Entlassung nach über vier Monaten Gefängnis, spricht die erschöpfte Asli Erdogan in Istanbul mit den Medien. Foto: Ozan Kose (AFP)

Mit Asli Erdogan sprach Alexandra Kedves
10.04.2017

Wie geht es Ihnen?
Ich habe mit dem Gefängnistrauma zu kämpfen. Wenn ich überhaupt schlafen kann, habe ich oft schreckliche Albträume. Und häufig leide ich unter Schwindel und Schweissausbrüchen. Ausserdem ist da die grosse Angst vor der Zukunft; ich fühle mich so unfrei, dass ich nicht schreiben kann. Es ist wie ein Revolver im Kopf. Ich will nicht wieder ins Gefängnis, doch der Rechtsstaat ist bei uns ausser Kraft gesetzt, und ich muss das Schlimmste fürchten. Die Lage in der Türkei ist völlig aus den Fugen. Die Chance, dass wir bald zu Demokratie, Recht und Aussöhnung mit den Kurden finden, tendiert gegen null. Und so, wie es aussieht, könnte Recep Tayyip ­Erdogan das Referendum über das Präsidialsystem am nächsten Sonntag gewinnen. Ehrlich gesagt: Ich bin total aufgelöst.

Die türkische Lira ist abgestürzt, der Tourismus eingebrochen, die vielen Verhaftungen und Entlassungen sind allein schon ökonomisch ein Desaster. Wieso glauben die Menschen an den Retter Erdogan?
Die Partei folgt dem Lehrbuch der Diktatur und des Faschismus. Im letzten Monat hatte Erdogans AKP 400 Fernsehstunden – die Gegner durften sich in 40 Stunden präsentieren. Und wie kann sich die Opposition zeigen und erklären, wenn ihre wichtigsten Köpfe in Haft sitzen? Die Hexenjagd auf oppositionelle Medien zerstört die Plattformen für freie Meinungsäusserung, die Notstands­gesetze haben den Demonstrations- und Versammlungsrechten den Garaus gemacht. 250 Demonstrationen wurden 2016 mit brutaler Polizeigewalt aufgelöst. Wie ist da eine echte Meinungsbildung möglich? Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind zwar spürbar, aber eher schleichend; der Istanbuler Taksim-Platz, wo früher das Nachtleben pulsierte, ist beispielsweise ab 21 Uhr tot. Doch solche Veränderungen werden von den gleichgeschalteten Medien weitgehend totgeschwiegen. Die Sündenböcke für alle Missstände stehen ohnehin fest: die Intellektuellen, die angeblichen Gülen-Anhänger, die Kurden und das böse, neidische Ausland.

Das «neidische Ausland»?
Es klingt verrückt – aber genau das ist es, was die Leute hören wollen. Gerade die kleinen Leute trösten sich durch die Identifikation mit einer fernen Macht. Die Rede vom Glanz eines alten Grossreichs, das wiederauferstehen soll, gehört zu den «Standards» des Populismus. «Make America great again». In der Türkei erinnert man ans osmanische Erbe. Der Wunsch nach Überlegenheit ist viel grösser als der nach Freiheit und Demokratie. Ich habe mich intensiv mit den Nazis beschäftigt und weiss, man kann nicht einfach vergleichen und die Holocaustopfer relativieren – aber die Ähnlichkeiten sind frappant: In der Türkei herrschen eine Partei, ein Führer, samt dem obligaten megalomanen Bauwahn. Man operiert mit einer Übermenschenrhetorik und mit Feindbildern.

Wer sind die Feinde?
Die Presse und die Intellektuellen sind die ersten, wehrlosen Opfer. Rund 150 Journalisten sind in Haft, auch harmlose Gestalten wie die kleine Asli. Aber dass man für die vernebelnde Feindbildpflege gar einen Bürgerkrieg riskiert: Was für ein Zynismus! Zudem wurde jeder vierte Richter entlassen oder verhaftet; manche, wenn sie das Recht nicht genug beugten, sogar mitten aus der Verhandlung heraus. Das Land verwandelt sich in eine Art Konzentrations­lager, in dem Paranoia und Hysterie regieren. Die Angst ist allgegenwärtig.

Die Türkei wirft doch Deutschland und ganz Europa Faschismus vor.
Eine böse Ironie. Dabei hat sich kein Land so ernsthaft mit seinen Verbrechen auseinandergesetzt wie Deutschland. Die Türkei schafft es schon gar nicht, in den Spiegel zu schauen. Ich vermute, dass es das ist, was mich ins Gefängnis brachte: dass ich einen Spiegel erschrieben habe und für die Opfer die Stimme erhebe – sei es für die Opfer des Genozids an den Armeniern am Anfang des 20. Jahrhunderts oder für einen zwölfjährigen Knaben in einer kurdischen Stadt heute, von dem nur ein verkohlter Kieferknochen übrig geblieben ist.

Von diesem Knaben schreiben Sie in «Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch», dem neuen Essayband. Dort heisst es auch: «An einem Verbrechen nicht Mittäterin zu sein, ist, mehr als Recht oder Pflicht, unser eigentlicher Daseinsgrund.»
Seit fast einem Vierteljahrhundert verfasse ich eine Literatur der Opfer und arbeite an der Bewusstseins- und Gewissensbildung – mit einer extremen Sprache, die sich zwischen einem poetischen und einem protokollierenden Pol bewegt. Vielleicht gibt es für mich daher immerhin eine positive Seite meiner Hafterfahrung: Ich habe hautnah erlebt, was es heisst, eingesperrt zu sein, und auch die Geschichten meiner Zellen­genossinnen gehört – darüber kann man nur schreiben, wenn man das kennt. Allerdings braucht man zur künstlerischen Transformation eine Distanz, die mir noch fehlt. Irgendwann kann das alles in den geplanten Roman einfliessen – hoffe ich. Jedenfalls ist es hirnrissig, ausgerechnet mir, einer erklärten Pazifistin, die sich seit je naiv und schwächlich und flüsternd durch ihren Alltag wurstelt, PKK-Nähe und Gewaltbereitschaft vorzuwerfen. Aber in der Türkei sind derzeit alle politisch missliebigen Personen «terrorverdächtig». Das wurde sozusagen zum Totschlagargument.

Wo ist die europäische Türkei geblieben, wo sind die modernen, «weissen Türken»?
Sie gehen kaum noch aus dem Haus; man kann ganz willkürlich verhaftet werden. Womöglich hat Europa die Türkei auch zu lang warten lassen; und ohne Frage sollte Europa konsequenter sein. Menschenrechte und hohe humanistische Ideale gingen und gehen gern mal unter bei den Waffengeschäften, dem Flüchtlingsdeal und dem Umgang mit Muslimen. Wieso sollte so ein Verhalten für die türkische Bevölkerung vorbildlich und erstrebenswert sein? Da ist so viel Heuchelei. Und bei uns betteln viele Flüchtlingskinder auf der Strasse, haben keine Schule, keine Perspektive, weil sie bei dem «Deal» unter die Räder kamen. Nur wenige Flüchtlinge sind überhaupt in den staatlichen Lagern, die mit EU-Geldern finanziert werden. Die Glaubwürdigkeit wurde verspielt.

Was könnte Europa jetzt noch tun?
Europa muss auf jeden Fall an den Menschenrechten festhalten. Aber was jetzt konkret politisch zu tun wäre – da bin ich überfragt. Nicht zu vergessen: Auch die Säkularen in der Türkei, die urbane Elite und Mittelschicht, die «weissen Türken», haben grosse Fehler gemacht.

Welche Fehler?
Fatal war etwa, dass das Kopftuch aus den staatlichen Institutionen wie Universitäten verbannt wurde. So verwandelte sich das Stoffstück der Unterdrückung in ein Freiheitssymbol – für das auch «weisse Türkinnen» aus Prinzip eintraten. Es lässt sich ja auch gar nicht so leicht feststellen, ob die westliche «befreite» Frau wirklich immer freier ist als die traditionelle Ostanatolierin. Und dann tritt da dieser starke Mann auf und wirft sich quasi der «Unterdrückung» der Kopftuchträgerin entgegen: So hat sich Erdogan gerade auch bei Frauen einen grossen Rückhalt verschafft.

Erdogan punktet bei den Frauen?
Es ist paradox: Diese Frauen haben die Freiheit gewonnen, überall ihr Kopftuch zu tragen – und sie haben sie lustvoll eingetauscht gegen viel wesentlichere Freiheiten, gegen Frauenrechte. Deutlich weniger Frauen arbeiten als früher. Die Hausfrau und Mutter gilt als Ideal. Auch der Zugang zur Abtreibung wurde sehr erschwert; und die Gewalt gegen Frauen hat massiv und rapide zugenommen. Trotzdem gibt es eine Menge fanatischer Erdogan-Groupies. Sie sind blind in ihn verliebt, in seinen «männlichen» Auftritt, sein Mussolini-Charisma, seine Art, nie Kompromisse zu machen.

Jüngst forderte der Staatsanwalt für den ehemaligen «Cumhuriyet»-Chef Can Dündar 15 Jahre Haft. Dündar lebt im Exil, seine Frau darf die Türkei nicht verlassen. Weiteren 19 «Cumhuriyet»-Mitarbeitern drohen hohe Haftstrafen.
Es ist ein Wahnsinn. Ich studiere täglich die Gerichtsfälle und beobachte, welche Richter selbst ins Gefängnis wandern. Ich verstehe, dass viele das Land verlassen, solange sie noch können, oder aus dem Ausland nicht zurückkehren. Wäre ich im August fortgewesen, wäre ich wohl auch nicht heimgegangen.

Ihnen wurde von verschiedener Seite Asyl angeboten. Würden Sie in eine Botschaft fliehen?
Man hat mir den Pass abgenommen. Und sowieso: Ich will nicht davonlaufen. Ich habe nichts Unrechtes getan, es ist der Staat, der sich illegal verhält. Das ist Faschismus und Totalitarismus. Falls man mich schuldig spricht, ist das ein himmelschreiendes Unrecht: In meinen zwei Jahrzehnten als Autorin hat man mich nicht für eine einzige Zeile verurteilen können! Und dass ich als Lite­raturberaterin einer legalen, prokur­dischen Zeitung firmierte, die überall ­erhältlich war und Steuern zahlte, ist gleichfalls nicht strafbar. Ich war nie verantwortlich für die Inhalte der Zeitung. Zum Glück schaut die Weltgemeinschaft hin, dafür bin ich extrem dankbar. Die Solidarität und Aufmerksamkeit aus Europa ist mein einziger Schutz und hat mich aus dem Gefängnis geholt. Ich bleibe, wo meine Sprache lebt, und hoffe aufs Beste wider alle Wahrscheinlichkeit. Ich bin keineswegs eine politische Heldin. Aber im Gefängnis habe ich, bei allem Schrecken, einen überraschenden harten Kern in mir entdeckt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2017, 08:30 Uhr

Asli Erdogan

Physikerin und Schriftstellerin

Asli Erdogan wurde 1967 in Istanbul geboren, wo sie bis heute lebt. Sie studierte an der Bosporus-Universität Informatik und Physik, arbeitete einige Jahre als Teilchenphysikerin, auch am Cern bei Genf, ehe sie sich aufs Schreiben konzentrierte. 1994 erschien ihr Debütroman, 2010 wurde sie mit dem wichtigsten Literaturpreis der Türkei geehrt; 2012 war sie Writer-in-Residence in Zürich. Als Kolumnistin der kurdischen Tageszeitung «Özgür Gündem» wurde sie im August 2016 verhaftet. Auf Deutsch erschienen der Genf-Roman «Der wundersame Mandarin», der Rio-de-Janeiro-Roman «Die Stadt mit der roten Pelerine» und dieser Tage der schmerzlich berührende, sprachmächtig-hilflose Essayband «Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch» (Knaus, 192 S., circa 27 Fr.).
In diesem Essayband schreibt Asli Erdogan beispielsweise über den Morgen nach dem Putschversuch im Juli 2016: «Der Tag scheint am blutroten Horizont hängen zu bleiben wie an einem Haken. (Auf der Bosporusbrücke beginnen die Lynchmorde.) Er ist eher die Verlängerung der Nacht als ein wirklich neuer Tag.»
Od

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Farah Karimi – Iran-Deutschland-Holland


Farah Karimi

Wer Informationen zum Iran oder zum Nahen Osten sucht, die nicht über die großen Kanäle der Nachrichtenagenturen laufen, hat in den Zeiten des Internets verschiedene Möglichkeiten. Eine davon ist das Internet-Radio Radio Zamaneh, das von der ehemaligen iranisch-holländischen Parlamentsabgeordneten Farah Karimi gegründet wurde.
Ein Link auf die Webseite des Radios findet sich hier.

Quellen:
https://www.radiozamaneh.com/about
https://de.wikipedia.org/wiki/Farah_Karimi

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Iran: Journalistin in Haft


Hengame Schahidi

Wie die Mutter von Hengame Schahidi, einer iranischen Journalistin und politisch aktiven Frau, mitteilt, geht es ihrer Tochter nach 24 Tagen Hungerstreik im Gefängnis sehr schlecht. Die politische Gefangene ist im Trakt 209 des Ewin-Gefängnisses in Teheran inhaftiert. Sie war am 19. Esfand 1395 (9. März 2017) in Maschhad inhaftiert worden.
Laut einer Meldung von Radio Farda hat Nahid Kermanschahi, die Mutter von Hengame Schahidi, in einem Interview mit der Webseite kampeyne beyn ol-melaliye hoquqe bashar dar iran (Internationale Kampagne für Menschenrechte im Iran), mitgeteilt, dass ihre Tochter in Gegenwart ihres Verhörbeamten am 12. Farwardin (1. April) aus dem Gefängnis angerufen hat und ihr folgendes mitgeteilt hat: „Ich kann nicht mehr gehen und schleppe mich nur noch am Boden entlang.“

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=79167
vom 13. Farwardin 1396 (2. April 2017)
waz°iyate jesmiye hengame shahidi be sheddat waxim ast

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Das letzte Argument des Islamischen Staats Iran: Todesstrafe


Mardschan Dawari (Marjan Davari)

Die inzwischen 38 Jahre dauernde Herrschaft der schiitischen Geistlichkeit hat den schiitischen Glauben im Iran so in Verruf gebracht wie die Folterungen und die Inquisition die Kirche in Europa. Das Ergebnis: Immer mehr Menschen suchen nach etwas Neuem. Im Iran bedeutet das zum einen die Wiederbelebung der Sufi-Traditionen, also eines mystischen Islams, in der Zuwendung zu christlichen und nachchristlichen Glaubensbekenntnissen wie etwa den Zeugen Jehovas, aber auch die Aufnahme noch ganz junger Religionen wie etwa „Eckankar“, von denen man in Deutschland wenig hört. Die Antwort des Regimes ist jedesmal Haft bis hin zur Todesstrafe, was sicherlich niemanden dazu bewegt, die Religion der Herrschenden nun für attraktiver zu halten als davor.

Eckankar
Die 50-jährige Mardschan Dawari (Marjan Davari) aus Karadsch war am 2. Mehr 1394 (im Jahr 2015) in der Wohnung ihres Vaters von Beamten des iranischen Geheimdienstes verhaftet worden. Sie war im Trakt 209 des Ewin-Gefängnisses in Teheran in Haft. Am 25.-27. Mehr 1395 (2016) und am 21. und 22. Adhar 1395 (2016) wurde die Anklage gegen sie vor der 15. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran unter dem berüchtigten Richter Salawati verhandelt. Das Datum des Urteils ist nicht bekannt, wohl aber das Ergebnis. Mardschan Dawari wurde wegen „fessad fi-l-ars“ (Verderbnis auf Erden) zum Tode verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, Schriften über die Religion Eckankar verfasst und anderen zugänglich gemacht zu haben, auch soll sie eine Reihe religiöser Werke dieser jungen Religion ins Persische übersetzt haben. Das alles diente als „Beweis“ für den Vorwurf der Verbreitung von „Verderbnis auf Erden“. Ihre Hausbibliothek wurde beschlagnahmt, sie selbst wurde inzwischen aus dem Ewin-Gefängnis ins Qaratschak-Gefängnis in Varamin (Schahre Ray) verlegt.

Quellen:
http://news.gooya.com/2017/03/post-2273.php
29.03.2017
mahkumiyate marjan davari, motarjeme irani be e°dam

https://de.wikipedia.org/wiki/Eckankar

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Iran: 8. März – Internationaler Tag der Frau


Auch wenn die iranischen Machthaber von Frauenrechten nicht viel hören wollen, die Frauenbewegung im Iran ist aktiv. Nicht überall hat sie gleich viel Erfolg – so hat die Stadtverwaltung in Teheran keine öffentlichen Aktivitäten zum 8. März erlaubt, so dass die Frauen sich nur im privaten Rahmen treffen konnten. Aber in Rascht (Region Gilan, Nordiran) konnten die Frauen einen Raum mieten, einen Film über die Geschichte des 8. März zeigen und dies mit einer Vortragsreihe verknüpfen. Eine Rednerin sprach über die „ideale Stadt für Frauen“, eine andere über die Tätigkeit der Frauen auf dem Land in der Region Gilan.
Die Veranstalterinnen wiesen auch darauf hin, dass es schon Anfang des 14. Jahrhunderts persischer Zeitrechung, also vor knapp 100 Jahren (ca. 1920) in Rascht eine Frauenorganisation namens „Peyk-e Sa°adat-e Nesawan“ (Bote des Glücks der Frauen) gegeben habe, die schon damals Veranstaltungen zum 8. März abhielt.
Was die Lage der Frauen auf dem Land in der Region Gilan angeht, muss man wissen, dass das Gebiet an der Südküste des Kaspischen Meers traditionelles Reis- und Teeanbaugebiet ist. Beides sind dort typische Frauenarbeiten. Auch der Anbau von Auberginen, Gurken und Tomaten (s.eyfi-ka:ri) ist ihnen zu verdanken. Eine weitere Arbeit besteht darin, Strohmatten zu flechten, oder Tücher zu weben (cha:dor-shab), die dazu dienen die Bettwäsche einzwickeln, so dass man sie tagsüber als Stützkissen an der Wand platzieren kann. Dazu verwendet man einen ziemlich feinen Faden.
Es ist erfreulich, dass die Frauen trotz der widrigen Umstände so gut organisiert sind, dass solche Veranstaltungen möglich sind.

http://www.etehadefedaian.org/%da%af%d8%b2%d8%a7%d8%b1%d8%b4-%d9%85%d8%b1%d8%a7%d8%b3%d9%85-%d8%b1%d9%88%d8%b2-%d8%ac%d9%87%d8%a7%d9%86%db%8c-%d8%b2%d9%86-%d8%af%d8%b1-%d8%b1%d8%b4%d8%aa
vom 21. Esfand 1395 (11. März 2017)
gozareshe maraseme ruze jahaniye zan dar rasht

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