Archiv der Kategorie 'Gewerkschaft'

Iran: Zu wenig zum Leben


Busfahrergewerkschaft fordert fairen Lohn

Die Gewerkschaft der Busfahrer der städtischen Busfahrtgesellschaft von Teheran hat eine Erklärung herausgegeben, in der sie gegen die zu geringe Erhöhung der Mindestlöhne protestiert. Im Gegensatz zu dem, was die Regierung von Hassan Rouhani zu Beginn versprochen hat, liegt die Erhöhung noch deutlich unter der Inflationsrate.
Die Gewerkschafter beklagen, dass die Arbeiter nach wie vor nicht an den Entscheidungsprozessen der Machtorgane beteiligt sind und auch Proteste unterdrückt werden.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Brief von 700 iranischen JournalistInnen an den Präsidenten

Bis zum 26. Januar 2014 haben 700 iranische Journalistinnen und Journalisten eine Petition an Präsident Rouhani unterschrieben, er möge sein Wahlversprechen umsetzen und für die Wiederzulassung des Journalistenverbands sorgen. Der Verein benötige auch sein Büro, das bis heute versiegelt ist, und müsse sich wieder öffentlich treffen können, um für die beruflichen Rechte der Journalisten tätig zu werden.
Auch dies ist ein weiteres Indiz für eine aktive Zivilgesellschaft, die Wege sucht, aus der Sackgasse der Diktatur herauszufinden, ohne selbst gleich im Gefängnis zu landen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Teheran: Protest vor dem Arbeitsministerium

Die Teheraner Busgesellschaft „Scherkate Wahede Otobusraniye Tehran wa Hume“ (Einheitsfirma für den Busbetrieb in Teheran und Umgebung) besitzt wie die meisten staatlichen Unternehmen im Iran einen „Islamischen Rat“ (Schouraye Eslami), der als Vertretung der Arbeitnehmerinteressen dienen soll. Die Teheraner Busgesellschaft spielt in der iranischen Gewerkschaftsbewegung eine wichtige Rolle. So war Mansur Ossanlu Vorsitzender einer unabhängigen Gewerkschaft, die sich in dieser Firma gebildet hatte. Er verbüßte mehrere Jahre im Gefängnis und wurde Ende vergangenen Jahres freigelassen. Er lebt jetzt im Exil.
Die iranischen Machthaber haben offensichtlich beschlossen, die Kontrolle über die Arbeiter zu verschärfen, denn jetzt haben sie in einem eigenmächtigen Schritt selbst Kandidaten für die kommende Wahl des Islamischen Rats der Busgesellschaft aufgestellt und die Arbeiter daran gehindert, eigene Kandidaten zu bestimmen. Aus Protest sind die Arbeiter heute vor das Ministerium für Arbeit und Genossenschaften in Teheran gezogen. Sie weisen darauf hin, dass die vom Staat aufgestellten Kandidaten nicht einmal in der Busgesellschaft arbeiten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Justizsprecher droht Journalistenverband


Iranischer Justizsprecher Mohseni Esche‘i

Der Iranische Journalistenverband „Andschomane Senfiye Rusnamenegaran“ war im Jahre 2009 – unter Präsident Ahmadineschad – geschlossen worden. Die Vertreter des Verbands haben bis heute kein gerichtliches Urteil zu sehen bekommen. Angesichts der angekündigten politischen Öffnung – eine der Wahlkampfparolen von Hassan Rouhani – hat sich der Verband an drei Minister gewandt, an den Minister für Religiöse Aufklärung, an den Geheimdienstminister und an den Minister für Arbeit, mit der Bitte, die Tätigkeit des Verbands wieder zuzulassen. Die angesprochenen Minister haben nicht geantwortet, dafür hat der ehemalige Geheimdienstminister und Generalstaatsanwalt Gholamhossein Mohseni Esche‘i, der jetzt Justizsprecher ist, heute in einer Pressekonferenz reinen Wein eingeschenkt. Solange das Gerichtsurteil gültig sei, dass den Verein verbiete, sei an eine Aktivierung des Verbands nicht zu denken. Sobald der Verband seine Tätigkeit aufnehme, werde die Staatsanwaltschaft in Aktion treten.
Interessant ist, dass die Verantwortlichen des Verbands so ein Urteil nie gesehen haben.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Gewerkschaftsarbeit im Iran


Der Busfahrer und Gewerkschafter Resa Schahabi mit seiner Familie

Resa Schahabi, einer der Begründer der Busfahrergewerkschaft der staatlichen Busgesellschaft „Wahed“ in Teheran, war wegen seiner gewerkschaftlichen Tätigkeit zu 6,5 Jahren Gefängnis verurteilt worden, die er derzeit im Ewin-Gefängnis in Teheran verbüsst. Aufgrund der erniedrigenden Behandlung in Haft hat er schon mehrfach einen trockenen Hungerstreik durchgeführt, was sich nicht förderlich für Gesundheitszustand ausgewirkt hat. Zuletzt ging es ihm so schlecht, dass die Behörden ihn ins Krankenhaus verlegten. Er leidet u.a. auch an Bandscheibenbeschwerden. Nach der Behandlung im Krankenhaus durfte er seine Familie besuchen, bevor er am Montag, den 15.04.2013, wieder ins Gefängnis zurückmusste. Inzwischen ist die Gewerkschaftsbewegung so stark, dass auch seine Arbeitskollegen in Uniform erschienen und ihn bis vor das Ewin-Gefängnis begleiteten. Früher hätte sich das keiner getraut.


Die Arbeitskollegen begleiten Resa Schahabi bis zum Ewin-Gefängnis

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Bandar-Abbas (Iran): Verhaftungen in den Raffinerien

Die Erdölraffinerien im Iran sind militarisierte Betriebe die unter der Kontrolle der Pasdaran stehen. Der Erdölminister selbst ist ebenfalls ein Pasdar (Revolutionswächter). Kürzlich wurden in der Erdölraffinerie von Bandar-Abbas drei Angestellte verhaftet, die die Forderungen der Arbeitenden vertraten. Sie wurden in Haft körperlich und seelisch gefoltert. Ihnen wird vorgeworfen, den „religiösen Führer beleidigt“ und „gegen die Sicherheit des Landes verstoßen“ zu haben. Sie sollen demnächst vor Gericht gestellt werden. Jetzt haben ihre Kollegen davor gewarnt, dass sie streiken werden, wenn die drei nicht freigelassen werden.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Golgascht – ein Blumenspaziergang


Arbeiter mit ihren Familien, die Blumen sind gerade nicht im Bild…

Die Bergsteigergruppen von Arbeitern verschiedener Fabriken in der Region Teheran haben sich zum 1. Mai 2012 etwas Besonderes ausgedacht. Sie haben einen „Blumenspaziergang“ (Golgascht) veranstaltet, und da der erste Mai im Iran kein Feiertag war, haben sie ihn auf den vierten Mai gelegt (der Freitag entspricht im Islam dem Sonntag). Was kann schon jemand dagegen haben, wenn Arbeiter Blumen bewundern wie die Besucher auf der Insel Mainau?
Das bietet einen gewissen Schutz vor staatlicher Einmischung. So kamen die Arbeitervertreter verschiedener Firmen (Iran Tire, Saypa, Iran Chodrou, Pars Chodrou, Sanaye‘e Nirugahi, Sherkate Mina) mit ihren Familien, etwa 200 an der Zahl, an einem vereinbarten Ort zusammen. Zuerst hielten sie eine Gedenkminute an die Arbeiter von Chicago ab, die 1886 bei dem Versuch ermordet wurden, die Rechte der Arbeiter einzufordern. Dann erklärten sie ihre Solidarität mit der Bewegung, die Wallstreet zu erobern. Anschließend gab eine Person einen kurzen Überblick über die Geschichte des 1. Mai. Im weiteren wurden verschiedene Unterhaltungen angeboten, so Musik, Tanz und Sport, anschließend hielten sie alle gemeinsam ihr Mittagessen ab, das einige Familien zuvor vorbereitet hatten.
Um 15 Uhr konnten sie ihr Programm abschließen, ohne dass die Polizei sie gestört hätte.
Derartige Aktionen fanden in vielen Industriezonen im Iran statt, was zeigt, dass die Arbeiterbewegung im Iran aktiv ist, auch wenn sie sich vorsichtig verhält. Das ist auch deshalb wichtig, weil auf diese Art Organisationsstrukturen entstehen und junge Menschen Erfahrungen sammeln können, die später hilfreich sind, wenn es darum geht, die islamistische Diktatur zu überwinden.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Die Rechte der Sklaven

Die rechtliche Grundlage der Islamischen Republik Iran ist das religiöse Recht, die Scharia. Menschenrechte sind Menschenwerk und nicht von Gotteshand, deshalb braucht sich kein Ajatollah an dergleichen Konventionen gebunden zu fühlen.

Wir halten alle Vorschriften zur Sklaverei strikt ein
Ajatollah Mesbah Yasdi, einer der führenden Ideologen der iranischen Fundamentalisten, bringt dies knapp und klar zum Ausdruck:
Ma: hamchena:n be hameye moqarrara:te barde-da:ri ke qor‘a:n a:n-ra: qabul da:rad mo‘men hastim.
„Wir halten alle Vorschriften zur Sklaverei, die der Koran vorsieht, strikt ein.“
Wie sehen diese Vorschriften aus? Es gibt verschiedene Quellen, die bei der Auslegung der Koran herangezogen werden, so die Werke Jawa:her (Juwelen), al-°Arwa l-wothqa: und Menha:j os-sa:lehin. Diese Quellen führen zu den Vorschriften bezüglich der Sklaverei folgendes aus:

Der Sklave ist Eigentum seines Herrn
„Der Sklave ist Eigentum seines Herrn. Der Eigentümer hat das legitime Recht, so, wie er es für richtig hält, über sein Eigentum zu verfügen. Keine dieser Verfügungsgewalten verpflichtet ihn, für die Zufriedenheit des von ihm Besessenen zu sorgen. (…) Der Sklave ist verpflichtet, das zu essen und zu trinken, was sein Eigentümer bestimmt hat, das anzuziehen, was sein Eigentümer festgelegt hat, und sich dort niederzulassen, wo der Eigentümer seine Unterkunft eingerichtet hat. Er soll sein Äußeres so pflegen, wie sein Eigentümer es verlangt, und so reden und sich so verhalten, wie der Eigentümer es will.“
Dies stellt eine übliche theologische Auslegung der Koransure an-Nahl (Die Biene), Vers 75, dar, wo von „einem Sklaven, einem Leibeigenen, der über nichts Gewalt hat“, die Rede ist.
(„Allah gibt (euch) das Gleichnis (von zwei Männern) an die Hand: von einem Sklaven, einem Leibeigenen, der über nichts Gewalt hat, und von einem (Freien), den Wir Selbst reichlich versorgt haben, und der davon im Verborgenen und offenkundig spendet. Sind diese gleich? Preis sei Allah! Doch die meisten von ihnen wissen es nicht.“)


Der Eigentümer hat das legitime Recht,


so, wie er es für richtig hält,


über sein Eigentum zu verfügen.


„Keine dieser Verfügungsgewalten verpflichtet ihn,


für die Zufriedenheit des von ihm Besessenen zu sorgen.“


Wie diese Fotos der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur ISNA


die im Vorfeld des 1. Mai 2012 veröffentlicht wurden,


zeigen, hat Ajatollah Mesbah Yasdi völlig Recht:
Die Vorschriften zur Sklaverei werden im Iran strikt eingehalten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Die „Revolutionäre“ verhaften Arbeiter


Kundgebung der Arbeiter in Teheran nach der Revolution

Der 1. Mai im Iran
Am 1. Mai 2012 war der Internationale Tag der Arbeit, der in vielen Ländern Feiertag ist und daran erinnert, mit welchen Mühen die Arbeiterbewegung sich ihre Rechte erkämpft und noch immer darum kämpfen muss. Im Iran wurde er erstmals 22 Jahre nach seiner Verkündung durch linke Gruppen gefeiert.
Nach der Revolution von 1979, bei der der Schah stürzte und Ajatollah Chomeini die Macht im Iran ergriff, hat dieser 1. Mai einige Wandlungen durchgemacht. Am 1. Mai 1979, also im Jahr der Revolution, war das Volk noch frei und es kam zu einer riesigen Demonstration mit Millionen von Teilnehmern zu diesem Tag. Aber für die islamische Geistlichkeit war dieser Tag ein rotes Tuch. Denn er war Symbol sozialistischer Ideale, und damit für sie genauso verwerflich wie der „Kapitalismus“.

Vom Festtag der Arbeiter zum Trauertag
Am 1. Mai 1979 wurde Ajatollah Motahari angeblich von einer islamistischen Gruppe, die sich „Forghan“ nannte, aber in Gegnerschaft zu Ajatollah Chomeini stand, ermordet. Im Volk kursierten damals allerdings auch Gerüchte, dass Ajatollah Motahari, der eine politisch gemäßigte Position vertrat und selbst ein Gegner von Ajatollah Chomeini war, in Wirklichkeit von Handlangern Chomeinis ermordet wurde, der dann die Mitglieder der Gruppe „Forghan“ als Sündenböcke präsentierte und verurteilen ließ. Die Wahrheit wird man wohl erst erfahren, wenn die Islamische Republik Geschichte geworden ist.
Ajatollah Chomeini nutzte diesen Mord an Ajatollah Chomeini, um im folgenden Jahr, also 1980, den 1. Mai in einen Trauertag zum Gedenken an den „Märtyrer Motahari“ umzuwandeln. Die Arbeiter sollten nicht mehr feiern, sondern trauern.


„Wir haben sechs Monate unseren Lohn nicht bekommen“, Demonstration von Arbeitern 2012

Haus der Arbeiter
Zu diesem Zweck hatte Chomeini auch neue Strukturen geschaffen. Neben der Schwächung der bisherigen Organisationen der Arbeiter durch Verhaftungen und Hinrichtungen ließ er an der Stelle von Gewerkschaften „Islamische Vereine“ (Andschomane Eslami) in den Betrieben gründen. Diese Islamischen Vereine dienten zugleich auch der Bespitzelung der Arbeiter. Es waren diese Islamischen Vereine, die dann ihre Vertreter ins „Haus des Arbeiters“ (Chaneye Kargar) entsandten. Das „Haus des Arbeiters“ hatte eine Zentrale in Teheran und verschiedene Zweigstellen in großen Industriestädten des Irans. Es diente als Treffpunkt für die Arbeiter, organisierte u.a. Feierlichkeiten zum 1. Mai im Sinne des Regimes und hatte einen Sekretär, der von den Vertretern der Arbeiter – de facto von den Islamischen Vereinen – gewählt wurde. Dieser Sekretär ließ sich dann zu den Parlamentswahlen als angeblicher Vertreter der Arbeiter aufstellen und wurde so auch ins iranische Parlament (Madschles) gewählt. Heute sitzt Ali-Resa Mahdschub, der vorige Sekretär des Hauses der Arbeiter, im iranischen Parlament.

Kritik aus dem eigenen Lager

Inzwischen kann selbst das regimetreue „Haus der Arbeiter“ nicht mehr die Stimmung im Land ignorieren. So beklagte Hassan Sadeqi, der jetzige Vize-Generalsekretär des „Hauses der Arbeiter“ gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ILNA, dass den Arbeitern nicht einmal erlaubt wurde, eine Kundgebung zum 1. Mai abzuhalten. In den 1980er Jahren, als der Iran mit dem Irak im Krieg stand, sei die Lage der Arbeiter besser gewesen als heute. Nach der Jahrtausendwende habe die Phase der Massenentlassungen von Arbeitern begonnen. Die jetzige Regierung habe ihre Versprechen nicht gehalten. So seien die ausstehenden Löhne noch immer nicht ausgezahlt, die Renten nicht auf ein einheitlicheres Niveau gebracht und noch immer keine Krankenversicherung für die Bauarbeiter eingerichtet worden.
Hassan Sadeqi sagte auch, den Arbeitern sei bewusst, dass die Wirtschaftskrise eine Folge der iranischen Politik sei. Er kritisierte zudem die massive Werbung für ausländische Produkte im Iran, die dazu führe, dass die Abhängigkeit vom Ausland vermehrt werde.

Blanko-Unterschriften – den Rest füllt der Chef aus

Jawanmir Moradi, Vorsitzender des Vorstands der Metall- und Elektrizitätsarbeitergewerkschaft in Kermanschah, (Andschoman-e Senfi-ye Kargaran-e Felezkar wa Barq-e Kermanschah), zählt auf, welche Forderungen die Gewerkschaft heute im Iran erhebt:

  • Verhinderung von Massenentlassungen
  • offizielle Anerkennung des Rechts auf Gründung unabhängiger Gewerkschaften
  • Anerkennung des Streikrechts
  • Pünktliche Bezahlung der Löhne
  • Abschaffung von befristeten Arbeitsverträgen und „Blanko“-Arbeitsverträgen

(Befristete Arbeitsverträge können im Iran über Jahrzehnte verlängert werden und schließen die Arbeiter aus der Sozialversicherung aus, zudem ermöglichen sie eine kurzfristige Entlassung. Bei Blanko-Arbeitsverträgen muss der Arbeiter ein weißes Blatt unterschreiben, der Arbeitgeber füllt dann aus, was ihm beliebt).

  • Aufhebung der Geschlechterdiskriminierung unter Arbeitern
  • Abschaffung der Kinderarbeit
  • Einführung einer Arbeitslosenversicherung

1. Mai in Teheran
Die Arbeitervertreter hatten schon frühzeitig eine Erlaubnis für eine Kundgebung in der iranischen Hauptstadt beantragt. Die Behörden verweigerten die Erlaubnis und gestatteten nur eine Demo in der Wüste (!) in der Nähe eines Friedhofs weit außerhalb der Stadt. Als die Arbeiter sich trotzdem vor dem Haus der Arbeit in Teheran versammelten, wurde ihnen schließlich erlaubt, in einem geschlossenen Raum im Süden Teherans eine Versammlung abzuhalten!

1. Mai in Sanandadsch
Da die staatlich gesteuerten Gewerkschaften nicht die Interessen der Arbeiter vertreten, haben sich in den kurdischen Gebieten des Irans seit etwa 3 Jahren die Arbeiter selbst zu organisieren begonnen und versuchen, den 1. Mai unabhängig vom Staat zu begehen. In Sanandadsch führte das zum Eingreifen der Polizei, mehrere Personen wurden festgenommen. Die Arbeiter trugen Plakate mit der Aufschrift: „Nan – Maskan – Azadi“ (Brot – Wohnung – Freiheit)
„Kargarane zendani azad bayad gardad“ (Die gefangenen Arbeiter müssen freigelassen werden).

Wie wir sehen, haben 30 Jahre „Revolution“ im Iran die Arbeiterinnen und Arbeiter keinen Schritt vorwärts gebracht, ganz im Gegenteil.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Die Herrschenden erinnern sich an die Arbeiter


Wir haben seit 11 Monaten keinen Lohn erhalten – Protest der Arbeiter des Fernmeldewesens

Im Iran gab es in den letzten Jahren wiederholt Streiks. Gewerkschafter der städtischen Verkehrsbetriebe in Teheran wie Mansur Ossanlu sind schon seit Jahren im Gefängnis. Man könnte daher glauben, es sei für die Regierung nichts Neues, wenn jetzt wieder Arbeiter auf der Straße demonstrieren. Aber die Zeiten haben sich geändert, und zwar so drastisch, dass sogar die staatliche Nachrichtenagentur ILNA von den Streiks oder Arbeiterprotesten berichtet. Mehr noch: Sie schildert aus der Sicht der Arbeiter, wo die Probleme liegen. Es lohnt sich, einige der Arbeiter wörtlich zu zitieren, so wie sie von ILNA zitiert werden (z.B. in einer Meldung vom 9. April 2012).

Protest der Arbeiter der Metallverarbeitenden Fabrik des Irans
Der Protest, von dem hier die Rede ist, fand vor dem Amt des Präsidenten der Islamischen Republik Iran statt, also vor den Augen von Ahmadineschad. Versammelt hatten sich etwa 800 Arbeiter der Metallverarbeitenden Fabrik des Irans (Karchane-je Sanaje‘-e Felesi-je Iran), die u.a. dagegen protestierten, dass sie schon seit Monaten ihren Lohn nicht mehr erhalten haben.
ILNA: „Einer der Arbeiter, der wollte, dass sein Name ungenannt bleibt, erklärte gegenüber dem ILNA-Korrespondenten:
„Die ‚Metallverarbeitende Fabrik des Irans‘ hatte früher über 1200 Arbeiter, jetzt sind es nur noch 800. (…) Die neue Firmenleitung ist vor vier Monaten eingesetzt worden und verweigert uns das Neujahrsgeld, die Zulagen für die Dauer der Beschäftigung und die anderen gesetzlichen Leistungen. (…) Im vergangenen Jahr haben die Verantwortlichen der Firma unseren Lohn und unsere Krankenversicherung nur unregelmäßig gezahlt, so dass jetzt insgesamt 8 Monate Lohn und Versicherungsbeiträge ausstehen. (…) Die Mehrheit der Arbeiter dieser Firma hat nur befristete Arbeitsverträge, nur sehr wenige besitzen eine Festanstellung.“
Die wenigsten Arbeiter sind demnach rentenversichert.

Protest der Arbeiter des Automobilherstellers Chodrou-Schahab
In einer anderen Protestaktion versammelten sich rund 500 Arbeiter der Autofirma Chodrou Schahab vor dem Arbeitsministerium in Teheran. Diesen Arbeitern wurde jetzt gekündigt, indem ihr befristeter Arbeitsvertrag nicht mehr verlängert wurde. Auch hier zitieren wir wieder aus einer Meldung der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur ILNA.
Ein Facharbeiter berichtet: „Obwohl ich Facharbeiter bin, erhielt ich nur befristete Anstellungsverträge. Mein Lohn inklusive der Zuschläge betrug 500.000 Tuman. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Im Süden von Teheran (wo die Wohnungen noch billiger sind!) zahle ich 350.000 Tuman monatlich Miete, außerdem musste ich eine Kaution von 10 Millionen Tuman hinterlegen. Ich arbeite seit 15 Jahren in dieser Firma und bin jetzt 41, mit meiner Spezialisierung finde ich in einer anderen Firma keine Arbeit, so dass ich mir auch keine Hoffnung auf einen Jobwechsel machen kann.“
Ein anderer Arbeiter berichtet: „Ich habe 8 Jahre für diese Firma gearbeitet und habe als Tagelöhner gearbeitet, obwohl ich ein Vordiplom in Maschinenbau habe. Inklusive Überstunden bekam ich 500.000 Tuman im Monat. Ich weiß nicht, wie ich meine Lebenshaltung bestreiten soll. Diese Jahr musse ich für eine 40 Quadratmeter große Wohnung im Süden der Stadt 250.000 Tuman Miete zahlen, 11 Millionen Tuman musste ich als Kaution hinterlegen. Wenn die Verantwortlichen sich nicht um uns kümmern und wir weiter arbeitslos bleiben, was soll ich dann meiner Frau und meinen Kindern sagen?“
Ein weiterer Arbeiter meint: „Ich kann mich nur noch Gott anvertrauen. Ich habe keine Zukunft mehr, wer gibt einem mit 38 Jahren noch Arbeit? (…) Ich bin erst seit ein paar Tagen arbeitslos, aber die Probleme zu Hause haben schon angefangen. Ich habe meine Familie mit leeren Versprechungen getröstet. Ich bin fertig und weiß nicht, wie es weiter geht. (…) Ich war 15 Jahre lang Gabelstaplerfahrer. Bei meinem Lohn samt Zuschlägen konnte ich für meine Frau und meine Kinder nichts ansparen, und jetzt, wo ich entlassen bin, erst recht nicht.“

Das Neue Jahr beginnt schlecht: 30% der Arbeiter entlassen
ILNA zitiert einen Arbeitervertreter mit den Worten, dass seit Beginn des Neuen Jahres (20. März 2012) 30% der Arbeiter der iranischen Fabriken entlassen worden seien. Dies sei eine Folge der Wirtschaftskrise, in die der Iran geraten sei. ILNA gibt die Worte des Arbeitervertreters Faramars Towfiqi wieder: „Im vergangenen Jahr sind viele Produktionseinheiten stillgelegt worden oder haben Bankrott gemacht. Wenn es keine staatlichen Unterstützungspakete für die Unternehmer gibt, wird bis Ende dieses Jahres der Hauptteil der Arbeiter im produzierenden Gewerbe entlassen werden. (…) Im vergangenen Jahr (1390 nach iranischer Zählung) haben die Arbeitgeber durch Streichung der Sozialbeiträge und der Arbeitsmittel (wie Kleidung für die Arbeiter) versucht, die Produktion mit einem Minimum am Leben zu erhalten.“
Ein Mitglied des Lohnausschusses (im Arbeitsministerium, der die Mindestlöhne verbindlich für die ganze Industrie festsetzt) erklärte gegenüber ILNA: „Die Arbeitgeber sind wegen der Embargopolitik über die zweite Phase des Gesetzes über die „Sozialhilfe“ beunruhigt, und wissen wegen des Fehlens von Unterstützungspaketen (für die Arbeitgeber) nicht, wie es weiter gehen soll. Wenn der Staat sich weigert, Unterstützungspakete zu gewähren, werden die Arbeiter im laufenden Jahr mit einer Arbeitslosigkeitskrise konfrontiert sein.“

Wenn der Pasdar Taxifahrer spielt
Obwohl Bassidschis (Angehörige der Hilfsmilizen) und Pasdaran (Revolutionswächter) zu den bewaffneten Stützen des Regimes zählen und ihre Löhne höher sind als die der Durchschnittsarbeiter, finden sich zunehmend Berichte, dass die gewaltige Inflation im Iran auch sie erfasst hat. So wird von Pasdaran berichtet, die sich abends ein Zubrot als private Taxifahrer verdienen, damit sie ihre Familie über die Runden bringen. Auch den einfachen Bassidschis dürfte es nicht besser gehen. Da die Bassidschis dank ihrer Beziehungen zum Staat in allen Fabriken Arbeit bekommen haben, sind auch sie von den Massenentlassungen betroffen. Und ab hier wird es für die Regierung brenzlig. Bislang konnte sie die Polizei gegen protestierende Arbeiter einsetzen. Aber was ist, wenn der Polizei jetzt bewaffnete Bassidschis gegenüber stehen? Werden die Bassidschis davonrennen, obwohl sie auch eine Waffe in der Tasche haben? Und was ist, wenn die Regierung aus Angst vor einer solchen Reaktion die Waffen aller Bassidschis einsammelt? Wer soll dann die Regierung vor den Protesen der Bevölkerung schützen? Ein waffenloser Bassidschi macht keinem Iraner Angst.

„Ich habe die Stimme der Revolution gehört“
Nicht nur, dass das Fußvolk des Regimes selbst von den Massenentlassungen betroffen ist, es gibt eine Kraft, die noch viel schneller das Ende herbeiführen kann: Die Arbeiter der Erdölindustrie. Sollten die den Hahn zudrehen, ist das Geld zu Ende, bleibt den jetzigen Machthaber nur noch übrig, die letzten Worte des Schahs vor seiner Flucht aus dem Iran zu wiederholen:
„Ich habe die Stimme der Revolution gehört.“ Das sagte er, nachdem die Erdölarbeiter eine Woche lang gestreik hatten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Verhaftungswelle gegen aserbaidschanische Gewerkschafter, Umweltschützer, Künstler und Studenten


Zentralgefängnis von Tabris

In den nordwestlichen Provinzen des Irans wurden in den letzten Tagen zahlreiche Vertreter der aserbaidschanischen Kulturbewegung verhaftet. Betroffen sind Studentinnen und Studenten, JournalistInnen, Gewerkschaftsmitglieder und KünstlerInnen. Ein Teil der Verhafteten wurde zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt.

Inhaftierung des Journalisten und Webloggers Ebrahim Raschidi

Der Verein zur Verteidigung der aserbaidschanischen politischen Gefangenen im Iran berichtete über die Inhaftierung des Journalisten und Webloggers Ebrahim Raschidi, sowie einer Reihe von Studenten der Hochschule von Tabris.
Dschalal Ebrahim, der Bruder von Ebrahim Raschidi, erklärte in einem Interview gegenüber dem Sender Radio Farda, dass sein Bruder seit 13 Tagen im Hungerstreik steht. Er protestiert damit gegen seine Inhaftierung, für die bis heute keine Begründung gegeben wurde. Die Anklage gegen ihn ist ihm unbekannt. Als Dschalal Ebrahim und ein älterer Bruder sich wegen einer Besuchserlaubnis an das Revolutionstribunal von Tabris wandten, wurden sie dort mit groben Worten abgewiesen.

23,5 Jahre Gefängnis gegen Gewerkschafter
Laut einer weiteren Meldung wurden Sasan Wahebiwasch, Mohammad Dscharrahi, Schahroch Samani und Nima Purya‘qub, die im Nordwestiran in der Arbeiterbewegung aktiv sind, von der 1. Kammer des Revolutionstribunals Tabris zu 23,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihr Anwalt Naqi Mahmudi, der vor ein paar Monaten in die Türkei fliehen konnte, erklärte, dass die Verurteilten nichts anderes wollten als eine Gewerkschaft zu gründen. Sie wurden verhaftet, bevor sie überhaupt die Gründung durchführen konnten. Der Vorwurf: Delikte gegen die Sicherheit des Landes, Propaganda gegen das herrschende System und Mitgliedschaft in Gruppierungen, die die Sicherheit des Landes beeinträchtigen wollen.

Komponisten für den austrocknenden Urmiasee vor Gericht
Vier Künstler, darunter Meister Hassan Demirtschi, wurden unter dem Vorwurf, eine Hymne über den austrocknenden Urmiasee verfasst und die Musik dazu geschrieben zu haben, vom Revolutionstribunal Tabris verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Der geflohene Anwalt Naqi Mahmudi erklärte, dass sowohl die Umstände der Verhaftung wie auch die Gefängnisse, in denen die Künstler untergebracht seien, unter jeder Würde seien.
Weitere Aktivisten wurden zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil sie gegen die Verhaftungen vom September 2011 im Zusammenhang mit den Demonstrationen gegen das Austrocknen des Urmiasees protestiert und Poster dazu verbreitet hatten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Gewerkschafter hinter Gittern


Resa Schahabi, Gewerkschafter

Resa Schahabi, ein Gewerkschaftsaktivist der Busfahrer in Teheran, ist seit 19 Monaten im Gefängnis. Ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren. Seine Gesundheit ist schwer angeschlagen. Die inneren Organe (Leber, Niere) funktionieren nicht mehr richtig, vier Wirbel seiner Wirbelsäule sind beschädigt, seine linke Körperhälfte kann er kaum noch bewegen, so dass die Ärzte davon ausgehen, dass er bald gelähmt sein wird. Trotz dieser Umstände bewegt sich in seinem Fall nichts. Er wird weiter in Untersuchungshaft gehalten. Deshalb hat er vor zwei Wochen einen Hungerstreik eröffnet, um die Behörden zum Handeln zu zwingen.


Resa Schahabi, Gewerkschafter

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email