Archiv der Kategorie 'Hinrichtung'

Iran: Mehr Menschenrechte unter Rouhani?

Kürzlich hat der iranische Menschenrechtsverein „Kanune modafe°ane hoquqe bashar“ einen Bericht veröffentlicht, in dem er unter anderem vom „stillen Tod der politischen Gefangenen“ spricht. Lehrer und Arbeiter, die ihren Lohn und ihre Rechte einfordern, kommen ins Gefängnis, wo ihnen selbst elementare Rechte wie gesunde Nahrung, Hygiene oder Familienkontakt verweigert werden. So sollen sie zur Zusammenarbeit mit den Behörden gezwungen werden. Wer darauf eingeht, wird vorzeitig entlassen, die anderen greifen aus Protest gegen die Rechtlosigkeit zum Hungerstreik. Das ist den Behörden gerade recht, so schalten sich die kritischen Menschen selbst aus.
Allein im Monat Schahriwar (letztes Drittel des Monats August plus die ersten beiden Drittel des September 2017) wurden im Iran mindestens 22 Menschen hingerichtet, ein Teil öffentlich, ein Teil heimlich. Der religiösen Minderheit der Baha‘is wird das Recht auf Studium verweigert. Dieses und viele andere Themen werden im neuesten Bericht des iranischen Menschenrechtsvereins behandelt. Keine Verbesserung, stellt die iranische Menschenrechtlerin und Juristin Schirin Ebadi fest, die seit einiger Zeit im Exil lebt.

Quelle:
http://news.gooya.com/2017/09/post-7804.php
vom 27.09.2017
shirin °ebadi: dorugh-haye hassan rouhani dar bareye hoquqe bashar

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Iran: Verhaftung statt Aufklärung der Hinrichtungen der 80-er Jahre


Rahele Rahemipur

Rahele Rahemipur hatte sich an den UN-Ausschuss gegen das Verschwindenlassen (Committee on Enforced Disappearances, CED) gewandt, um Aufklärung über das Verschwindenlassen ihres Bruders, des Zahnarztes Hossein Rahemipur, und dessen nur wenige Tage alten Kindes, Golru Rahemipur Moqaddam, zu erlangen. Ihr Bruder war in den 1980-ern zusammen mit seiner schwangeren Frau im Iran verhaftet worden. Seine Frau brachte im Gefängnis ein Kind zur Welt, dem sie den Namen Golru gab. Nun wurde Rahele Rahemipur in der Nacht von Sonntag auf Montag in ihrer Wohnung verhaftet. Zugleich wurde eine Hausdurchsuchung bei ihr durchgeführt und Computer wie Handys beschlagnahmt. Bekanntlich ist man bei Klagen an internationale Organisationen auf Computer und Handys angewiesen, insofern ist dies die wirksamste Art aus der Sicht der iranischen Machthaber, die Beschwerden ins Ausland zu verhindern.

Todesursache Gelbsucht?
Die in London ansässige Organisation Sazemane °Edalat baraye Iran (Organisation für Gerechtigkeit im Iran), die sich ebenfalls in diesem Fall engagiert, hat dem BBC eine Kopie der Antwort der iranischen Regierung übergeben, die diese dem UN-Ausschuss zum Verschwinden des Vaters und der Tochter gegeben hatte. Laut Angaben dieser Organisation ist es das erste Mal seit Jahrzehnten, dass die iranischen Behörden überhaupt Auskunft über einen der Fälle von Hinrichtung und Verschwindenlassen der 1980-er Jahre gegeben hat. Im Antwortschreiben der iranischen Behörden heißt es, dass Golru Rahemipur Moqaddam im Nadschmije-Krankenhaus (Teheran) und im Imam-Chomeini-Krankenhaus (Teheran) behandelt worden sei. Der sieben Tage alte Säugling sei am 15. Farwardin 1363 (Anfang April 1984) infolge von „Gelbsucht und Blutstauung“ (zardi wa ensedade xun) trotz eines Blutaustausches verstorben.
Hossein Rahemipur war am 1. Schahriwar 1363 (zweite Augusthälfte 1984) wegen Mitgliedschaft in der „kommunistischen Gruppe Rahe Kargar“ als „Terrorist“ hingerichtet worden. Der Ort, wo seine Leiche begraben ist, wird der Familie bis heute verheimlicht.

Quellenlage
Hinweis: Wir wissen leider nicht, was im Originalschreiben der iranischen Regierung stand, da dieses nicht abgebildet ist. Wir wissen auch nicht, ob der oder die Journalistin den Inhalt dieses Antwortschreibens richtig wiedergegeben haben. Wir wissen auch nicht, ob die Person, die den persischen Artikel bei Peykeiran verfasst hat, überhaupt eine Kopie des Schreibens der iranischen Regierung gesehen hat. So oder so wirken die Angaben über die Todesursache etwas verdächtig, da Gelbsucht in den ersten Tagen eines Säuglings eine verbreitete Erscheinung ist.
Es steht auch keineswegs fest, dass das Kind tatsächlich gestorben ist, da Rahele Rahemipur, die jetzt erneut inhaftierte Schwester von Hossein Rahemipur, schon einmal verhaftet und unter dem Vorwurf der „Propaganda gegen das System“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Man hatte ihr zur Last gelegt, dass sie an „illegalen Versammlungen“ teilgenommen und politische Gefangene besucht habe. Während ihrer Verhöre im Rahmen der ersten Verhaftung hatten ihr die Verhörbeamten unter der Hand zu verstehen gegeben, dass sie nicht weiter wegen des Verschwindens von Golru Rahemipur nachforschen solle und den Fall auf sich beruhen lassen solle.

Was hat der Staat zu verbergen?
Das ist verdächtig. Aus Argentinien ist bekannt, dass die Folterer unter der Militärdiktatur die Neugeborenen nach außen weitervermittelten, während sie deren Mütter ermordeten. Nur dank des unermüdlichen Nachbohrens der „Großmütter“ kamen diese Fakten schließlich ans Licht. Diese Warnung an Rahele Rahemipur kann durchaus ein Indiz dafür sein, dass die Regierungsversion dazu dient, diese Form des Kindesraubes zu vertuschen.
Interessant ist auch, dass die iranische Justiz früher der Familie der Opfer gegenüber stets behauptet hatte, dass es nie einen Säugling namens Golru Rahemipur gegeben habe. Das stückchenweise Herausrücken mit der Wahrheit ist auch nicht angetan, die Glaubwürdigkeit der iranischen Behörden zu erhöhen.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=136926
vom 20. Schahriwar 1396 (11. September 2017)
shakiye parwandeye e°damhaye daheye shaste iran dar xane‘ash bazdasht shod

https://www.verschwindenlassen.de/ausschuss-ueber-das-verschwindenlassen-3158/

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Iran – Berlin: Die Kurdenkiller wittern Morgenluft


zerstörte Gedenktafel an den Mykonos-Mord in Berlin

Die persische Nachrichtenseite news.gooya.com berichtet unter Berufung auf die kurdische Webseite www.rojikurd.net, dass die Gedenktafel an Dr. Sadeq Sharafkandi (Scharafkandi), den Führer der Demokratischen Partei Kurdistans/ Iran (DPKI), und seine Begleiter, die am 17. September 1992 in Berlin im Mykonos-Restaurant im Auftrag des Religiösen Führers der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Chamene‘i, ermordet wurden, zerstört wurde. In Deutschland war es später zu einem Prozess gegen die ausführenden Täter, den Iraner Kazem Darabi und seine vier libanesischen Mithelfer, gekommen. In dem Verfahren, das sich über fünf Jahre hinzog, wurde deutlich, dass der Mord direkt von der iranischen Vertretung in Berlin organisiert wurde. Der Mörder selbst war den deutschen Behörden kein Unbekannter.
Die Auftraggeber – der Religiöse Führer, der damalige Geheimdienstminister, der Außenminister und Ajatollah Rafsandschani – konnten sich bislang einer Strafverfolgung entziehen, weil sie weiterhin an der Macht sind. Lediglich Ajatollah Rafsandschani ist inzwischen gestorben, weil er beim Religiösen Führer in Ungnade gefallen ist. Es heißt, er sei im Schwimmbad ertränkt worden – es wurde rechtzeitig für einen Stromausfall gesorgt, so dass die Täter unerkannt blieben und im Dunkeln agieren konnten.
Bedenkt man, dass Mohammad Jafari Sahrarudi, der Anführer des Terrorkommandos, das im Juli 1989 in Wien den Kurdenführer und Scharafkandis Vorgänger Ghassemlou ermordete, heute die rechte Hand des iranischen Parlamentssprechers Ali Laridschani ist und sogar an der Münchner „Sicherheitskonferenz“ teilgenommen haben soll, sieht man, dass die wahren iranischen Machthaber heute wieder Aufwind verspüren und sich selbst im Ausland wieder aus den Löchern trauen. Der Mord am iranischen Fernsehunternehmer Saeed (Sa‘id) Karimian am 29.04.2017 in Istanbul ist offenkundig das Signal, dass im Iran die Betonköpfe das Ruder übernommen haben. Vom Westen scheinen sie nichts zu befürchten.

Quellen:
http://news.gooya.com/2017/08/post-6486.php
vom 16. August 2017
taxribe louhe yadbude qorbaniyane terore mikonos az suye °awamele rezhime iran dar berlin

http://www.rojikurd.net/fa/%d8%aa%d8%ae%d8%b1%db%8c%d8%a8-%d9%84%d9%88%d8%ad-%db%8c%d8%a7%d8%af%d8%a8%d9%88%d8%af-%d9%82%d8%b1%d8%a8%d8%a7%d9%86%db%8c%d8%a7%d9%86-%d8%aa%d8%b1%d9%88%d8%b1-%d9%85%db%8c%da%a9%d9%88%d9%86%d9%88/

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Iran: Täter verwischen die Spuren


Amnesty International und die Organisation „Gerechtigkeit für den Iran“ berichten in einer gemeinsamen Erklärung von der Vernichtung von Massengräbern in Ahwas im Südwest-Iran nahe zur irakischen Grenze. Dort waren die Überreste von mindestens 44 Gefangenen vergraben, die im Sommer 1367 (1988) während des großen Gefängnismassakers auf der Grundlage einer Fatwa von Ajatollah Chomeini ermordet worden waren. Eines der Mitglieder der 12-köpfigen Todeskommission, Seyyed Ebrahim Ra’isi, war bei den Präsidentschaftswahlen vom 19. Mai 2017 der Gegenkandidat zu Hassan Rouhani. Um die Massengräber in Ahwas wurde der Aushub von Bulldozern und Müll angehäuft, wie Filmaufnahmen belegen. Die Behörden wollen die Betonplatten, die an die Toten erinnern, zerkleinern und den Raum in eine sogenannte „Grünfläche“ verwandeln.
So wird Grün von der Farbe des Propheten zur Farbe der Gedächtnislosigkeit.
Klar ist, dass die Täter auf diesem Weg ein Beweismittel vernichten, das eines Tages dazu dienen könnte, die Verbrechen der Islamischen Republik nachzuweisen. Noch sind die Täter an der Macht.

http://news.gooya.com/2017/06/post-4223.php
vom 1. Juni 2017
taxribe gurhaye jam°i dar ahwaz marbut be e°damhaye tabestane 67

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Iran – Türkei: Die Ermordung des Medien-Unternehmers Karimian (Teil 3)

Am 17. Mai 2017 meldete die türkische Zeitung Cumhuriyet unter Berufung auf die Zeitung Milliyet, dass die Mörder von Saeed Karimian, des Gründers von GEM TV, in Serbien verhaftet worden seien. Er war am 29. April 2017 zusammen mit seinem kuwaitischen Geschäftspartner im Istanbuller Stadtteil Maslak in seinem Auto erschossen worden.

Mörder Angehörige der iranischen Staatsorgane
Nach dieser Meldung handelt es sich bei den Mördern um Angehörige der Organe des iranischen Regimes. Die Türkei soll ein Verfahren zur Auslieferung der beiden eingeleitet haben. Der türkischen Polizei sei es gelungen, im Rahmen der Ermittlungen den Tätern auf die Spur zu kommen. Sie habe sie in Montenegro in die Enge treiben können und in einer gemeinsamen Operation mit der serbischen Polizei in der vergangenen Woche verhaften können. Die Attentäter seien im Besitz falscher Pässe gewesen. Sie hätten geplant, zuerst nach Europa und von dort in den Iran weiter zu reisen. Die beiden Verhafteten bestreiten die Tat.
Die Zeitung schreibt weiter,dass Karimian das „Mitglied Nr. 7 der Volksmudschahedin“ gewesen sei. Laut polizeilichen Ermittlungen sei er in den letzten drei Monaten bedroht worden und habe deshalb geplant, Istanbul zu verlassen und nach London zurückzukehren. Karimian war wegen seiner Fernsehsendungen, die sogenannten „islamischen Werten“ widersprachen, im Iran in Abwesenheit angeklagt und wegen „Propaganda gegen den Staat“ sowie wegen „Tätigkeiten, die gegen die nationale Sicherheit gerichtet sind“, zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Urteil gegen Karimian im Iran von Anfang 2017
Einen Tag später griff das persische Nachrichtenportal news.gooya.com diese Nachricht unter Verweis auf die Meldung von Cumhuriyet auf. Die Zeitung berichtet unter Bezug auf eine Quelle, die den Angehörigen von Saeed Karimian nahestehen, dass diese die Nachricht der Verhaftung der Mordverdächtigen bestätigt hätten. Sie hätten außerdem gegenüber dem persischen Dienst von Radio France Internationale (RFI) erklärt, dass die Verhafteten der türkischen Polizei übergeben worden seien.
Laut der Meldung von news.gooya.com erging das Urteil von 6 Jahren Gefängnis gegen Sa‘id Karimian im Monat Esfand 1395, das entspricht in unserem Kalender Februar/März 2017. Das Urteil wurde von der 28. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran gefällt.

Dementi aus Serbien
Ein so spektakulärer Fang sollte eigentlich auch in Serbien gebührend gefeiert worden sei. Eine Internetsuche ergab aber folgende Überraschung:
Der serbische Dienst von Radio Freies Europa (Slobodna Evropa) berichtete am 19. Mai 2017, dass der Leiter der Medienabteilung des serbischen Innenministeriums (MUP) Nemanja Pantić gegenüber dem Sender erklärt habe, dass auf serbischem Territorium keine Person inhaftiert sei, die des Mords an Saeed Karimian beschuldigt wird. Hier wird auf die Meldung der türkischen Zeitung Milliyet über die Verhaftung in Serbien Bezug genommen.
Diese Meldung wurde von einer Reihe serbischer Internetmedien aufgenommen, das war dann schon alles.

Kommentar
Möglicherweise will die serbische Regierung den Erfolg klein halten, um sich die Geschäfte mit dem Iran nicht zu verderben. Es kann auch sein, dass die mutmaßlichen Täter tatsächlich gleich an die Türkei überstellt wurden, dann wäre die Aussage des Sprechers des serbischen Innenministeriums inhaltlich korrekt, auch wenn sie dann die Tatsache der Verhaftung mit Schweigen übergangen hätte. Was stimmt, wird sich bald zeigen.
Reichlich lächerlich ist die in der türkischen Presse weit verbreitete Information, Karimian sei „Mitglied Nr.7″ der Volksmudschahedin gewesen. Seit wann nummerieren Oppositionsgruppen ihre Mitglieder? Nr. 1 für den Führer/die Führerin und Nr. 2 für den Stellvertreter mag ja noch im symbolischen Sinn angehen, aber danach? Nach Dauer der Mitgliedschaft kann es nicht sein, da gibt es mehr ältere Mitglieder im Exil. Oder geht es hier nach Einkommen oder nach Körpergröße? Man sieht, eine Behauptung mag noch so abstrus sein, wenn sie von amtlichen Einrichtungen – hier angeblich der türkischen Polizei – verbreitet wird, wird sie begierig aufgenommen.

http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/742336/iranli_medya_patronunun_infazinda_yeni_gelisme__Katiller_Sirbistan_da_yakalandi.html#
İranlı medya patronunun infazında yeni gelişme: Katiller Sırbistan’da yakalandı
Yayınlanma tarihi: 17 Mayıs 2017 Çarşamba, 09:24

http://news.gooya.com/2017/05/post-3782.php
Datum: Thursday, May 18, 2017
ruznameye jumhuriyat: qatelane sa°ide karimian modire shabake jem dar serbestan dastgir shodand

https://www.slobodnaevropa.org/a/28497328.html
19. maj/svibanj, 2017
MUP Srbije: Karimianov ubica nije privođen

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Iran – Türkei: Ermordung des iranischen Fernseh-Unternehmers Karimian (Teil 2)

Am 9. Mai 2017 veröffentlichte die türkische Zeitung Cumhuriyet einige Details der Ermittlungen zum Mord an Sa‘id Karimian (Saeed Karimian) und seines kuwaitischen Geschäftspartners Muhammet Mer Almutairi (anderswo als Muhammed el-Muhtari angegeben), die am 29. April 2017 in Istanbul ermordet wurden. Sa‘id Karimian war der Begründer des im Iran aktiven Fernseh-Unternehmens GEM TV.

Überwachungskameras
Die Polizei hat zur Identifizierung der Täter mehrere Tausend Stunden Filme von an den Grenzübergängen und an den Flughäfen installierten Überwachungskameras aus der Zeit vor und nach dem Mordanschlag ausgewertet. Es wurde bekannt, dass Sicherheitskameras den Moment des Mordanschlags direkt erfasst haben. Demnach fuhren die Mörder in einem Jeep vor dem Fahrzeug ihrer Opfer her und beobachteten diese im Rückspiegel. Als das Fahrzeug der Opfer sie überholte und in eine Kurve fuhr, beschleunigten die Täter plötzlich und schnitten dem Fahrzeug der Opfer den Weg ab. Einer der beiden mit schwarzem Kopftuch und Überwurfmantel (das verwendete türkische Wort çarşaf bezeichnet den persischen Tschador) verkleideten Angreifer eröffnete aus dem Fahrzeug heraus das Feuer, der zweite, der Fahrer des Jeeps, stieg aus und gab dann seine Schüsse ab.


Eine Glock-Pistole, benannt nach ihrem österreichischen Erfinder Gaston Glock

Tatwaffe
Eine Tatwaffe wurde im wenig später ausgebrannt gefundenen Jeep gefunden. Es war eine 9mm-Glock-Pistole. Durch den Brand wurden die Plastikteile der Pistole zerstört, so dass keine Fingerabdrücke verblieben. Eine Untersuchung des Pistolenlaufs ergab aber laut eines vorläufigen Berichts, dass es sich um eine der Tatwaffen handelte.

Der Jeep der Täter
Ein vielsagendes Detail betriff das Fahrzeug der Täter. Es handelt sich um einen teuren Jeep, der im Jahr 2015 gestohlen wurde. Es wurde festgestellt, dass das Fahrzeug mit diesem Kennzeichen seit dem Diebstahl nirgends von einer Sicherheitskamera oder einem Nummernschild-Erkennungssystem erfasst wurde. Auch am Tag des Mords wurde es nur von den Kameras am Tatort erfasst, weder davor noch danach tauchte es in irgendeiner Kamera auf. Das gestohlene Fahrzeug wurde möglicherweise seit dem Diebstahl in einer geschlossenen Garage oder an einem Ort geparkt, wo es von keiner Kamera erfasst wurde (AdÜ: und auch von keinem Dieb, sonst wäre es weg!). Ob die Möglichkeit eines zeitweiligen Wechsels des Nummernschilds erwogen wurde, geht aus der Zeitungsmeldung nicht hervor.


Der religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i

Klarer Fingerzeig auf die Drahtzieher
Dass das Fahrzeug mindestens anderthalb Jahre vor dem Mord gestohlen und möglicherweise so lange versteckt wurde, macht deutlich, dass die Täter langfristig planten und dass Fährten, die auf Geschäftsstreitigkeiten im Jahre 2016 zurückgehen, ins Abseits führen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass die iranische Regierung schon im Jahr 2012 Personen festgenommmen hat, die bei der Erstellung der persischen Version türkischer Fernsehsendungen durch GEM TV mitgewirkt hatten, wird deutlich, dass die iranischen Machthaber das Unternehmen schon über längere Zeit im Visier haben. Insofern war das politisch motivierte Urteil gegen Karimian in Teheran zu 6 Jahren Gefängnis, das in seiner Abwesenheit erging, nur der vorläufige Höhepunkt vor dem Mordanschlag.

Feind hört mit
Am 1. Mai war in der türkischen Presse zu lesen, dass das iranische Außenministerium um Informationen über den Mord gebeten hat. Da die Außenpolitik nach der iranischen Verfassung in die Kompetenz des Religiösen Führers gehört, kann dies als Versuch betrachtet werden, den Stand der Ermittlungen zu erfahren, um die Täter besser zu schützen und die Spuren zu verwischen.


Hut ab vor den türkischen Ermittlern

Angesichts der massiven geschäftlichen Interessen in der Türkei, die einer Aufklärung des Mords entgegenstehen, ist das, was die türkischen Ermittler bislang geleistet haben, eine beachtliche Leistung. Wir erinnern daran, dass die österreichische Polizei die Mörder des Kurdenführers Ghassemlou in Wien seinerzeit unbehelligt per Flugzeug ausreisen ließ.

Quellen:

http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/737182/iranli_medya_patrounun_infazinda_yeni_gelisme.html#
Yayınlanma tarihi: 09 Mayıs 2017 Salı, 15:52
İranlı medya patrounun infazında yeni gelişme

Yayınlanma tarihi: 01 Mayıs 2017 Pazartesi, 19:13
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/dunya/731780/Sariyer_de_oldurulen_iranli_is_adami_icin_iran_Disisleri_nden_sorusturma_talebi.html#
Sarıyer‘de öldürülen İranlı iş adamı için İran Dışişleri‘nden soruşturma talebi

https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX/AB/AB_02364/fnameorig_134214.html

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Iran: Wegen Kritik an Todesstrafe in Haft


Atena Da’emi wurde wegen ihrer in Facebook veröffentlichten Kritik an den Hinrichtungen im Iran, wegen des Zeichnens von Bildern auf Wänden, die die Todesstrafe kritisieren, und wegen ihres Besuchs bei den Gräbern der ermordeten Demonstranten gegen die Wahlfälschung von 2009 zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorwurf lautete auf „gemeinschaftliches kriminelles Handeln und Propaganda gegen das Land“, „Beleidigung der heiligen Werte und des Führers“, „Beseitigung von Beweismitteln“.
Kürzlich wurden auch ihre beiden Schwestern Anise Da’emi und Haniye Da’emi wegen „Beamtenbeleidigung“ zu je 3 Monaten und einem Tag Gefängnis verurteilt. Darauf erklärte Atena Da’emi einen Hungerstreik aus Protest gegen die Verfolgung ihrer Familie. Sie streikt jetzt schon 17 Tage. Ihre Mutter, Ma’sume Ne’mati, besuchte sie am Vortag (Sonntag) im Gefängnis und berichtete, dass ihre Tochter in miserabler gesundheitlicher Verfassung sei. Sie leidet an Nierenschmerzen, Übelkeit und Kopfweh. Sie hat einen gelben Belag auf der Zungen und ihre Nägel sind blau angelaufen. Der Arzt der Gesundheitsstation des Gefängnisses hält es für möglich, dass sie eine Blutvergiftung hat.

http://www.radiofarda.com/a/f9-iran-atena-daemi-political-prisoner-hunger-strike/28448068.html
vom 4. Ordibehescht 1396 (24.04.2017)
waxamate sharayete jesmaniye atena da’emi bar athare e°tesabe ghadha

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Iran: Straßensperre in Balutschistan


Am 14. Farwardin (3. April 2017) war der sunnitische Freitagsprediger von Paschamag, Faslollah ar-Rahman Kuhi, dem Sondergericht für Geistliche vorgeführt und nach dem Verhör verhaftet worden. Am Tag darauf versammelten sich Hunderte von Einheimischen vor dem Chef der Sicherheitsorgane des Landkreises Sarbaz, zu dem Paschamag gehört, und forderten die Freilassung des Geistlichen. 200 sunnitische Geistliche versammelten sich vor dem Sondergericht für Geistliche in Maschhad und forderten ebenfalls die Freilassung von Faslollah ar-Rahman Kuhi.
Am 16. Farwardin sollen zwei Militärposten in der Region angegriffen worden sein. Außerdem sperrte die empörte Bevölkerung die Straßen zwischen Sarbaz und Iranschahr sowie zwischen Iranschahr und Tschabahar. Soweit ersichtlich, regierten die iranischen Sicherheitsorgane unter Anwendung von Gewalt auf die Proteste. Weitere Einzelheiten sind noch nicht bekannt.
Der Geistliche Faslollah ar-Rahman Kuhi hatte die Hinrichtung von politischen Gefangenen sunnitischer Glaubenszugehörigkeit verurteilt und die Massenhinrichtung als „typisch für Pharaonen“ und als „Verrat am Volk“ gebrandmarkt.

http://news.gooya.com/2017/04/post-2451.php
vom 16. Farwardin 1396 (5. April 2017)
mo°tared.ane baluch jaddeye iranshahr be chabahar-ra masdud kardand

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Iran: Ebrahim Ra‘isi, ein würdiger Kandidat


Ebrahim Ra‘isi, Staatsanwalt am Sondergericht für Geistliche und Hauptverwalter der Imam-Resa-Stiftungen in Maschhad

Im Iran laufen die Vorbereitungen für die nächsten Präsidentenwahlen an, denn der derzeitige Staatspräsident Hassan Rouhani hat bald seine erste Amtszeit beendet. Die Fundamentalisten um den religiösen Führer Ajatollah Chamene’i haben schon einen geeigneten Kandidaten gefunden: Ebrahim Ra’isi (sprich: Ra’issi).
Als Ajatollah Chomeini zum Ende des iranisch-irakischen Kriegs 1988 ein Massaker unter den politischen Gefangenen anordnete, gehörte Ebrahim Ra’isi zu den Mitgliedern einer kleinen Kommission, die die Auswahl traf, welche Gefangenen umgebracht werden sollen. Ebrahim Ra’isi war damals der stellvertretende Staatsanwalt von Teheran. Die anderen Mitglieder der 12-köpfigen Todeskommission sind unter folgendem Link aufgeführt:
http://www.alischirasi.de/as040922.htm
Ahmad Montaseri, der Sohn des verstorbenen Ajatollahs Hossein-Ali Montaseri, verweist auf „die direkte unbestrittene Beteiligung“ von Herrn Ra’isi an den Massenhinrichtungen politischer Gefangener im Jahr 1988 und fügt hinzu: „Wenn sonst ein Kandidat jemanden auch nur einmal mit einem Messer attackiert hat, hat er keine Chance, von den zuständigen Behörden ein sauberes Führungszeugnis zu erhalten. So ein Fall ist sofort erledigt.“ Er macht damit auf den Widerspruch aufmerksam, dass ein Massenmörder, der bis heute nie für seine Verbrechen vor Gericht gestellt wurde, problemlos kandidieren kann. Er bezeichnete es als einen „Witz“ und eine „Beleidigung des iranischen Volks“, so jemanden als Kandidaten aufzustellen.

Die Wunder des Herrn Ra’issi: Blut zu Kohle, Staub zu Gold
Ahmad Montaseri hatte eine Datei mit den Äußerungen seines Vaters über dieses bis heute straflos gebliebene Staatsverbrechen veröffentlicht, das in der iranischen Öffentlichkeit ein breites Echo fand. Für diese Veröffentlichung war er vom Sondergericht für Geistliche zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt worden, von denen 6 Jahre sofort vollstreckbar sind. Ebrahim Ra’isi ist Staatsanwalt am Sondergericht für Geistliche! Des weiteren übt er die Hauptverwaltung (Towliyate Astane Qodse Rasawi) sämtlicher Stiftungen in Maschhad aus, die dem Imam-Resa-Heiligtum gehören. Dies ist ein gigantischer Wirtschaftskomplex im Iran. Jährlich besuchen über 10 Millionen Schiiten das Heiligtum in Maschhad und spenden dort Geld, so dass es sich um das Heiligengrab auftürmt. Das ist so viel, dass man es laufend in Säcke füllt. Ghobar-rubi – Staubwischen – nennt man das. Und weil der persische Tuman laufend an Wert verliert, haben die Geistlichen bekannt gegeben, dass der besondere Verdienste im Jenseits erwirbt, der Dollars oder Pound vor’s Grab wirft. Den „Staub“ bekommt dann Ebrahim Ra’isi. Wenn wundert’s, dass Ebrahim Ra’isi genug Geld hat, alle wichtigen Amtsträger bei den Revolutionswächtern (Pasdaran) zu kaufen…

Quellen:
http://www.radiofarda.com/a/f3-montazeri-on-reisi-candidate-insult-nation/28420517.html
vom 21. Farwardin 1396 (10. April 2017)
ahmad montazeri: namzadiye ebrahim ra’isi touhin be mellate iran ast

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=126710
vom 17. Farwardin 1396 (6. April 2017)
ra‘isi, diruz °od.we hey‘ate marg, emruz namzade entexabat

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=79218
vom 17. Farwardin 1396 (6. April 2017)
qatele hazaran zendaniye siyasi kandidaye riyasate jomhuri shod

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Iran: 21-jähriger App-User zum Tode verurteilt

In den vergangenen Tagen wurde der 21-jährige Iraner Sina Dehqani wegen „Verleumdung des Propheten“ zum Tode verurteilt. Er hatte im Messenger „Line“ (einer japanischen App) eine Gruppe aufgebaut, das war es, was letztlich zu seiner Verfolgung führte. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.

Quellen:
http://news.gooya.com/2017/03/post-2273.php
29.03.2017
mahkumiyate marjan davari, motarjeme irani be e°dam

über
„line“
http://www.foerderland.de/digitale-wirtschaft/netzwertig/news/artikel/line-japans-ernstzunehmende-antwort-auf-whatsapp/

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Das letzte Argument des Islamischen Staats Iran: Todesstrafe


Mardschan Dawari (Marjan Davari)

Die inzwischen 38 Jahre dauernde Herrschaft der schiitischen Geistlichkeit hat den schiitischen Glauben im Iran so in Verruf gebracht wie die Folterungen und die Inquisition die Kirche in Europa. Das Ergebnis: Immer mehr Menschen suchen nach etwas Neuem. Im Iran bedeutet das zum einen die Wiederbelebung der Sufi-Traditionen, also eines mystischen Islams, in der Zuwendung zu christlichen und nachchristlichen Glaubensbekenntnissen wie etwa den Zeugen Jehovas, aber auch die Aufnahme noch ganz junger Religionen wie etwa „Eckankar“, von denen man in Deutschland wenig hört. Die Antwort des Regimes ist jedesmal Haft bis hin zur Todesstrafe, was sicherlich niemanden dazu bewegt, die Religion der Herrschenden nun für attraktiver zu halten als davor.

Eckankar
Die 50-jährige Mardschan Dawari (Marjan Davari) aus Karadsch war am 2. Mehr 1394 (im Jahr 2015) in der Wohnung ihres Vaters von Beamten des iranischen Geheimdienstes verhaftet worden. Sie war im Trakt 209 des Ewin-Gefängnisses in Teheran in Haft. Am 25.-27. Mehr 1395 (2016) und am 21. und 22. Adhar 1395 (2016) wurde die Anklage gegen sie vor der 15. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran unter dem berüchtigten Richter Salawati verhandelt. Das Datum des Urteils ist nicht bekannt, wohl aber das Ergebnis. Mardschan Dawari wurde wegen „fessad fi-l-ars“ (Verderbnis auf Erden) zum Tode verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, Schriften über die Religion Eckankar verfasst und anderen zugänglich gemacht zu haben, auch soll sie eine Reihe religiöser Werke dieser jungen Religion ins Persische übersetzt haben. Das alles diente als „Beweis“ für den Vorwurf der Verbreitung von „Verderbnis auf Erden“. Ihre Hausbibliothek wurde beschlagnahmt, sie selbst wurde inzwischen aus dem Ewin-Gefängnis ins Qaratschak-Gefängnis in Varamin (Schahre Ray) verlegt.

Quellen:
http://news.gooya.com/2017/03/post-2273.php
29.03.2017
mahkumiyate marjan davari, motarjeme irani be e°dam

https://de.wikipedia.org/wiki/Eckankar

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Amnesty International Jahresbericht zum Iran

Am gestrigen Dienstag, den 21.2.2017, hat Amnesty International seinen Jahresbericht für den Zeitraum 1.1.2016 – 31.12.2016 vorgestellt, darunter auch den Länderbericht zum Iran.

In der Zusammenfassung heisst es:

  • Die Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit waren 2016 weiterhin stark eingeschränkt.
  • Personen, die friedlich Kritik äußerten, wurden festgenommen und nach grob unfairen Verfahren von Revolutionsgerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt.
  • Folter und andere Misshandlungen von Gefangenen waren weiterhin an der Tagesordnung und blieben straflos.
  • Die Behörden verhängten und vollstreckten nach wie vor grausame Körperstrafen wie Auspeitschungen und Zwangsamputationen.
  • Angehörige religiöser und ethnischer Minderheiten wurden diskriminiert und strafrechtlich verfolgt.
  • Frauen und Mädchen erlitten Gewalt und Diskriminierung in vielfacher Weise.
  • Die Behörden verhängten zahlreiche Todesurteile und richteten Hunderte von Menschen hin, einige von ihnen in der Öffentlichkeit.
  • Unter den Hingerichteten waren mindestens zwei Personen, die zur Tatzeit noch minderjährig waren.

Eine verheerende Bilanz.

Quelle: https://www.amnesty.de/jahresbericht/2017/iran

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Plasco – Teheran: Anfänge iranischer Judenfeindlichkeit


Plasco – eines der markanten Teheraner Hochhäuser aus den 1960-er Jahren

Anfang der 1960-er Jahre, in der Zeit, als der Schah von Persien begann, das Land zu modernisieren, wurde in Teheran an der Istanbul-Straße das Plasco-Hochhaus mit 17 Stockwerken gebaut.


Es war damals das höchste Gebäude von Teheran, der Sitz der Plastikfirma Plasco, zahlreicher Büros und exklusiver Einkaufsläden.


Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

Habibollah Elqanian
Der Eigentümer war Habibollah Elqanian, dem auch die Firma Plasco gehörte. Plasco war damals der größte Kunststoffhersteller des Irans. Habibollah Elqanian war damals Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Teherans. Da das Hochhaus mit seinen Einkaufsläden ein modernes Gegenstück zum traditionellen Basar darstellte, waren die Basarhändler der Umgebung gegen den Bau des Hochhaus, bedeutete es doch eine neue Art von Konkurrenz, die sie als existenzbedrohend wahrnahmen. Es heißt, dass sogar Ajatollah Taleqani sich gegen den Bau des Hochhauses ausgesprochen hatte, und er war in vielen Punkten wesentlich demokratischer gesinnt als Ajatollah Chomeini.


Habibollah Elqanian vor dem Revolutionsgericht

Das Ende des Erbauers
Mit dem Sieg der iranischen Revolution am 22. Bahman 1357 (Februar 1979) ging es Habibollah Elqanian an den Kragen. Denn die Ajatollahs, die sich an die Spitze der Revolution setzten und mit dem Basar in enger Verbindung standen, ließen ihn als angeblichen Spion für Israel nur fünf Tage später verhaften. Am 19. Ordibehescht 1358 – 9. Mai 1979 – wurde er im Qasr-Gefängnis vom als Henker berüchtigten Richter Sadeq Chalchali zusammen mit sieben weiteren Personen in nur 20 Minuten abgeurteilt, ohne einen Verteidiger zu haben. Er wurde zum Tode verurteilt. Schon am nächsten Morgen wurde er erschossen. Er war der erste Jude, der vom Regime der iranischen Mollas hingerichtet wurde.


Sadeq Chalchali, der Scharfrichter der iranischen Revolution

Die Arisierer
Zur Nazizeit wurde in Deutschland und dem annektierten Österreich die Judenverfolgung von den neuen Machthabern dazu genutzt, sich am Eigentum der Opfer zu bereichern. Eine parallele Entwicklung war auch im Iran zu beobachten. Das Plasco-Hochhaus, Symbol des modernen Teherans, wurde der Bonyade Mostas’afin, der „Stiftung der Entrechteten“ übergeben, einer der größten Konzerne des heutigen Irans, dem das Eigentum zahlreicher geflohener oder verhafteter Schah-Anhänger übergeben wurde. Die Stiftung war dafür gedacht, das Geld „unter den Armen“ zu verteilen. Die Führung dieser Stiftung wird von einer Person ausgeübt, die der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i in dieses Amt einsetzt.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123492
vom 2. Bahman 1395 (21. Januar 2017)
saxtemane plasko dar bahmane 1342

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B3%D8%A7%D8%AE%D8%AA%D9%85%D8%A7%D9%86_%D9%BE%D9%84%D8%A7%D8%B3%DA%A9%D9%88
(zum Plasco-Hochhaus)

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AD%D8%A8%DB%8C%D8%A8%E2%80%8C%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87_%D8%A7%D9%84%D9%82%D8%A7%D9%86%DB%8C%D8%A7%D9%86
(über Habibollah Elqanian)

http://www.farhangnews.ir/content/245454
Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

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Iran: 21 Jahre für ein Tonband: Reaktion von Ahmad Montaseri

Wie berichtet, wurde Ahmad Montaseri wegen der Veröffentlichung der Tonbandaufnahme, in der sein Vater Ajatollah Montaseri das Gefängnismassaker von 1988 kritisierte, zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon er 6 Jahre absitzen muss. Außerdem darf er 3 Jahre lang nicht das Gewand eines Geistlichen tragen.


Ahmad Montaseri

In einer ersten Reaktion erklärt Ahmad Montaseri, dass er nach der Gerichtsverhandlung angesichts des Verhaltens des Richters von einem Freispruch ausging. Es sei auffällig, dass bis zur Verkündung des Urteils längere Zeit verging und im Urteil selbst Dinge angesprochen wurden, die in der Verhandlung überhaupt nicht zur Debatte standen – zum Beispiel der Vorwurf des Geheimnisverrats. Er geht deshalb davon aus, dass dieses Urteil von oben diktiert wurde und die Verkündung deshalb solange dauerte. Er wird gegen das Urteil in Berufung gehen, wozu er zwanzig Tage Zeit hat. Er sagte auch: Wenn sie ihn einsperren, wird das nur dazu führen, dass die anderen Tonbänder noch schneller in die Öffentlichkeit gelangen…

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220643.php
vom 8. Adhar 1395 (28. November 2016

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Iran: 21 Jahre Gefängnis für die Wahrheit


Ahmad Montaseri, der Sohn des verstorbenen Ajatollahs Montaseri, wurde jetzt wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ und wegen „Propaganda gegen das System“ zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde ihm für drei Jahre untersagt, die Kleidung eines Geistlichen zu tragen, weil er die Ehre dieser Berufskleidung entwürdigt habe. Seine Schuld bestand darin, ein Tonband zu veröffentlichen, in dem sein Vater, Ajatollah Montaseri, das Gefängnismassaker von 1988, das auf Anweisung von Ajatollah Chomeini verübt wurde, vor der zuständigen „Säuberungskommission“ scharf kritisierte. Ahmad Montaseri wurde angekreidet, dieses Tonband sei von den arabischen Staaten und von den Volksmodschahedin gegen den Iran ausgeschlachtet worden. Weil der Bruder von Ahmad Montaseri als „Märtyrer“ gestorben ist und Ahmad Montaseri selbst schon fortgeschrittenen Alters und zudem nicht vorbestraft ist, muss er „nur“ sechs Jahre von den 21 Jahren absitzen.
Die harte Strafe ist nicht verwunderlich: Die Täter von damals sind noch heute an der Macht.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/11/220612.php
vom 7. Adhar 1395 (27. November 2016)
ahmade montazeri be habse tulani wa xal°-e leba:s mahkum shod

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