Archiv der Kategorie 'Internationale Beziehungen'

Iran: Ausländer raus!

Schon zur Zeit der beiden Amtszeiten von Präsident Ahmadineschad gab es Razzien und Abschiebungen ausländischer Arbeitnehmer, bevorzugt von Afghanen, die aus dem Nachbarland in den Iran geflohen waren. Die Regierung von Hassan Rouhani war mit dem Spruch angetreten, sie wolle einen fairen, einen gerechten Staat. Aber der erste Stellvertreter von Hassan Rouhani hat jetzt ein Schreiben an das Arbeitsministerium verfasst, das dieses umsetzen soll. Laut diesem Schreiben ist es das Ziel der Regierung, die Zahl der beschäftigten Ausländer im Iran zu reduzieren.

Natürlich ist es richtig, dass bei der derzeitigen Wirtschaftskrise im Iran die Arbeitsplätze rar sind und dass die Arbeitgeber die Notlage von Ausländern ausnützen, um schlechtere Löhne zu zahlen und die Arbeitsbedingungen zu drücken – wie überall auf der Welt. Aber keiner kann behaupten, dass die Afghanen der Grund sind, warum die iranische Wirtschaft in den Abgrund gestürzt ist. Es war ein gewisser Ajatollah Chomeini, der seinerzeit erklärt hatte: Wirtschaft ist was für Esel!

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Pressekonferenz des iranischen Außenministers Zarif in Wien

Der iranische Außenminister Mammad Jawad Zarif gab heute, Dienstag, 15.7.2014, ebenfalls eine Pressekonferenz. Nach seinen Aussagen hätte es in den Gesprächen große Fortschritte gegeben. Er fordert eine Verlängerung der Frist, bis zu der die Gespräche abgeschlossen sein müssten und wird das seinem politischen Führer vorschlagen. Er vermutet, dass seine Verhandlungspartner bei den westlichen Großmächten das gleiche bei ihren politischen Führern tun. Angesichts der Verhandlungsfortschritte würde sich das lohnen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Atomverhandlungen mit dem Iran

Auf der heutigen (Dienstag, 15.7.2014) Pressekonferenz in Wien bei den 5+1 Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm erklärte der US Außenminister John Kerry, dass es in wichtigen Fragen noch einen deutlichen Riss gäbe. In anderen Schlüsselfragen hätte es Fortschritte gegeben, aber es müsse noch weiter gearbeitet werden. Kerry sagte weiter, dass er den Iraner klar gemacht hätte dass die 19.000 Zentrifugen für ihr Programm zur Urananreicherung zu viel seien und die Zahl deutlich gesenkt werden müsse.

Er versuche sich auf eine Einigung bis zum 20. Juli zu konzentrieren. Eventuell gäbe es auch nach dem 20. Juli eine Verlängerung der Gespräche.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Syrien – ISIS: Der Islam, den sie meinen


ISIS in Syrien: Fastenzeit nicht eingehalten, am Kreuz aufgehängt

Die islamistische Bewegung ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien), die jüngst im Irak große Gebiete unter ihre Kontrolle bringen konnte und sich jetzt auch auf Syrien ausgebreitet hat, macht deutlich, was sie unter Islam versteht. Sie hat einen Minderjährigen ans Kreuz gehängt und dort einige Stunde in der Sonne braten lassen, weil er das Fastengebot nicht eingehalten hatte. „Das soll allen eine Lehre sein“, meinten sie.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Einsatz für iranischen Gewerkschafter

Die französischen Gewerkschaften CFDT, CGT, FSU, UNSA u.a. haben in einem Appell an den religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i darum gebeten, den seit 2010 inhaftierten Gewerkschafter Resa Schahabi aus der Haft zu entlassen und ihm eine angemessene medizinische Behandlung zu ermöglichen. Die Gewerkschaften haben sich bereit erklärt, für die Kosten seiner Behandlung in Frankreich aufzukommen. Sie weisen in ihrem Brief darauf hin, dass eine Fortführung der Haft dazu führen kann, dass Resa Schahabi einseitig gelähmt wird.

Vgl. Iran: Inhaftierter Gewerkschafter im Hungerstreik 16. Juni 2014

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran schickt Waffen in den Irak

Am heutigen Dienstag hat Amir Abdollahian, Stellvertreter des iranischen Außenministers, bekannt gegeben, dass es seitens des Irans keinen Plan gebe, militärische Kräfte in den Irak zu schicken. Der Irak habe genügend eigene Ressourcen mit seiner Bevölkerung. Bis jetzt habe der Irak vom Iran noch keine Waffenunterstützung gefordert. Sollte der Irak dies tun, würde der Iran aber Waffen schicken.

Die Realität sieht freilich etwas anders aus. Seit Beginn der Islamischen Revolution im Iran wurden erst unter Saddam Hussein die oppositionellen Schiiten und später, nach dem Sturz von Saddam Hussein die schiitische Regierung unter Maliki mit Geld, Waffen und militärischem Personal unterstützt.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iranische Opposition: der Führer fährt den Staat an die Wand

Die iranische Opposition lässt sich in zwei Gruppen unterteilen:
Da sind die einen, die Anhänger der Islamischen Republik sind, aber die Politik von Ajatollah Chamene‘i für falsch halten, und die anderen, die einen säkularen Staat fordern, in dem Politik und Religion getrennt sind.
Bezüglich des Erstarkens der ISIS im Irak ähnelt sich die Analyse beider oppositioneller Lager. Sie sehen den Grund darin, dass das irakische Regime mit seiner Unterdrückungs- und Hinrichtungspolitik den Boden dafür bereitet hat, dass jetzt eine radikale Bewegung groß geworden ist, die in so kurzer Zeit weite Teile des Westens und Nordens des Iraks unter ihre Kontrolle bringen konnte.
Beide Seiten sind sich einig, dass die von der offiziellen iranischen Seite vertretene Ansicht, die Ajatollah Chamene‘i deutlich zum Ausdruck gebracht hat, falsch ist. Es gehe nicht darum, dass auf der einen Seite die Bösen, die Terroristen, stehen, und auf der anderen Seite wir, die Guten.

Terrorismus – ein billiges Totschlag-Argument
Namentlich die Anhänger des Säkularismus weisen darauf hin, dass die Anwendung dieser falschen Analyse auf die Verhältnisse im Iran dazu führt, dass jede Form des Protests unter den iranischen Minderheiten, namentlich unter den iranischen Sunniten, als Terrorismus etikettiert werde und zu entsprechend harscher Verfolgung führe. Die Hinrichtungen der letzten Zeit unterstützen diesen Vorwurf. Auch wurden im Iran jüngst Angehörige von Inhaftierten, die nur wissen wollten, wo ihre Angehörigen inhaftiert sind und was mit ihnen geschehen ist, mit dem Vorwurf der Unterstützung des Terrorismus konfrontiert.
In einem kurdischen Dorf verdächtigten die Pasdaran einen Kurden, der bewaffneten kurdischen Organisation Peschwak Unterstützung gewährt zu haben. Daraufhin umzingelten die Pasdaran das ganze Dorf, holten sich den Kurden, richteten ihn hin, banden den Leichnam an ihrem Jeep fest und fuhren damit durchs Dorf. Das ganze nahmen sie auch noch als Film auf, um die Bevölkerung der ganzen Region einzuschüchtern.

Auch Heinrich Böll ein „geistiger Mittäter des Terrorismus“?
Was die staatliche Propaganda-Maschine mit dem Vorwurf des Terrorismus alles anrichtet, kann jeder, der sich an die 197o-er Jahre in der BRD noch erinnert, gut nachvollziehen. Damals wurde der Schriftsteller Heinrich Böll, der das Vorgehen des Staates in Zusammenhang mit Ulrike Meinhof und ihrer Gruppe kritisierte, vom CDU-Abgeordneten Friedrich Vogel als intellektueller Helfershelfer des Terrors bezeichnet, und der damalige Innenminister Hans-Dietrich Genscher erklärte in einem Interview:
„Es ist unbestritten, dass die Terroristen Unterstützung und Sympathie bei verschiedenen Leuten finden, nicht nur, dass man sie beherbergt, sondern auch dadurch, dass man ihre gewalttätigen Handlungen bagatellisiert oder beschönigt.“
Die Jagd nach den Sympathisanten war damals eine beliebte Tätigkeit von Medien und Politikern. Man kann sich leicht vorstellen, wie das mit den Mitteln des iranischen Staats aussieht.

Unterdrückung – die Saat des Extremismus
Die säkulare Opposition warnt davor, dass eine Fortführung dieser Politik, jeden Protest, jede Aktion, mit der die Minderheiten ihre Rechte einfordern, als Terrorismus zu brandmarken, zu einer Radikalisierung führen wird. Am Ende kann dies zu einer Spaltung des Landes und zum Zerfall des iranischen Staats führen. Um dies zu verhindern, sei es erforderlich, dass die demokratischen Kräfte sich zusammenschließen und die islamistische Regierung entmachten, um die Minderheiten auf demokratischem Weg einzubinden.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran – Irak: Was sagt ein Vertreter der Sunniten im Iran?

Moulawi Abdolhamid Esmailsahi, der Versammlungsimam von Sahedan und einer der führenden Geistlichen der Sunniten im Iran, hat sich ebenfalls zu den Ereignissen im Irak am vergangenen Freitag, den 27.06.2014, geäußert. In Zusammenhang mit den Problemen im Irak besteht nach seiner Überzeugung die Lösung darin, eine Koalitionsregierung aus allen Kräften im Irak zu bilden, in der namentlich Schiiten, Sunniten und Kurden vertreten sind. Den Hauptgrund für die eingetretene Situation sieht er in der massiven Unterdrückung der Minderheiten, namentlich der Sunniten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Islamische Welt: der neue Chalif

Am Sonntag, den 29. Juni 2014, hat die Führung der ISIS einen Chalifen gewählt. Er heißt Abu Bakr al-Baghdadi und hat den bescheidenen Anspruch, Vertreter aller Muslime der Welt zu sein. Die Wahl war etwa so demokratisch wie die des Papstes im Vatikan. Abu Mohammad al-Adnani, der Sprecher der ISIS, wies darauf hin, dass das Chalifentum mit dem Untergang des Osmanischen Reichs vor rund 100 Jahren ausgelöscht wurde. Jetzt sei es wieder eingeführt. Von nun an werde man auch aus allen öffentlichen Dokumenten Begriffe wie Irak oder Syrien löschen, denn es gebe nur eine islamische Gemeinde, keine Staaten. Die Nachricht schlug im Iran wie eine Bombe ein – staatliche Nachrichtenagenturen unterbrachen ihr laufendes Programm, um die Meldung von der Wahl eines neuen Chalifen aller Muslime an ihr Publikum zu übermitteln.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Ajatollah Chamene‘i versteht was von Terrorismus

Der Erfolg der bewaffneten Organisation ISIS im Iran zwingt die verschiedenen politischen Spieler im Iran, ihre Positionen zu definieren. Denn alle befürchten, dass diese Gewalt bald auf den Iran übergreifen wird. Die Position des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i, die er am Sonntag, den 29.06.2014, öffentlich machte, trägt die Handschrift des Terrorismus. In seiner Rede „gegen den Terrorismus“ beschuldigte Ajatollah Chamene‘i erstmals die iranischen Volksmodschahedin, für den Tod von über 10.000 Iranern verantwortlich zu sein – eine hohe Zahl, die bislang auch das iranische Regime noch nie in die Öffentlichkeit geworfen hat. Für Ajatollah Chamene‘i ist ISIS ein Ausdruck des Terrorismus, den man bekämpfen muss, da er den Interessen der USA, des Westens und der Imperialisten diene. Es seien die Feinde des Islams, die die Kämpfe zwischen ISIS und ihren Gegner als einen Kampf zwischen Sunniten und Schiiten deuteten. Der Kampf gegen den Terrorismus sei ein Kampf gegen Barbarei und Brutalität.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Präsident Rouhani telefoniert mit dem Emir von Qatar

Am Sonntag, den 29. Juni 2014, rief der iranische Präsident Rouhani den Emir von Qatar an, um seine Glückwünsche zum Beginn des Ramadan zu übermitteln. Das war freilich nicht der eigentliche Grund des Anrufs. Neben Saudi-Arabien gilt die Regierung von Qatar als finanzieller Förderer der ISIS, die derzeit im Irak große militärische Erfolge verzeichnet.
Rouhani wies in seinem Telefongespräch darauf hin, dass Terrorismus und Morden zu einer der Geißeln der Region gehörten und dass alle Staaten brüderlich zusammenarbeiten sollten, um sich von dieser Geißel zu befreien. Terrorismus und Morden dienten nur den Zionisten und den Feinden des Islams. Der Appell ist zwar etwas verhüllt, aber der Emir wird die Botschaft verstanden haben. Eine andere Sache ist, was er daraus für Schlüsse zieht.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Rafsandschani beim türkischen Botschafter

Am Sonntag, den 29.06.2014, hatte Ajatollah Rafsandschani ein Gespräch mit dem türkischen Botschafter in Teheran. Gegenstand des Gesprächs war die Entwicklung im Irak und das Erstarken der ISIS, im Iran als Da‘esch bezeichnet, die einen Islamischen Staat im Irak und Großsyrien anstrebt und in den letzten Wochen wichtige Gebiete im Irak – auch in der Nähe der syrischen Grenze – besetzt hat. Rafsandschani warnte, dass diejenigen, die heute ISIS unterstützen, morgen selbst mit deren Anschlägen rechnen müssen. Wenn ISIS heute im Irak Erfolg habe, könne sie morgen in jedem anderen Staat der Region ebenfalls auftauchen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Jenseits der iranischen Grenze – nicht nur ISIS

In den letzten Tagen ist in den westlichen Medien viel von einer Gruppe namens ISIS zu hören (der Name bedeutet: Islamischer Staat in Irak und Syrien), eine Bezeichung, die in den arabischen Staaten und im Iran Da‘isch lautet und sinngemäß das gleiche bedeutet. Wobei das Wort Syrien (Scham) nicht nur Syrien, sondern auch noch Libanon und Jordanien umfasst. Die häufige Nennung von ISIS in den Medien ist sicher den militärischen Erfolgen der Gruppe zu verdanken, aber gerade aus diesem Grund lohnt es sich, genauer hinzuschauen. ISIS ist nämlich bei weitem nicht die einzige sunnitische Gruppe im Irak, die mit Waffengewalt vorgeht, und die Erfolge, die ihr zugeschrieben werden, sind keineswegs nur ihre eigenen Erfolge.
Informationen über das Spektrum der anderen beteiligten Gruppen sind naturgemäß schwer zu erhalten und noch schwerer zu überprüfen. Da der Irak Nachbarland des Irans ist und obendrein die Pasdaran direkt Kräfte im Irak stationiert haben, ist auch bei oppositionellen iranischen Gruppen das Interesse am Geschehen im Irak groß, schließlich ist die Gefahr eines Kriegsausbruchs direkt an der Grenze für die Iraner nicht eine Frage von Fernsehshow und mehr oder weniger interessanten Debatten von Experten, sondern eine Frage des eigenen Überlebens. Aus diesem Grunde beschäftigen sich die iranischen Oppositionsgruppen sehr intensiv mit dem Geschehen im Irak und schicken ihre eigenen Leute hin, die dort Informationen sammeln und an ihre Organisation weiterleiten. Solche Berichte sind sehr detailliert und stehen natürlich nicht öffentlich im Internet, wohl aber die eine oder andere Übersicht, die auf solchen detaillierten Berichten fußt.
Eine solche Übersicht, wie sie heute (23.06.2014) in verschiedenen Webportalen, z.B. in
http://news.gooya.com/politics/archives/2014/06/181979.php
veröffentlicht wurde, soll hiermit den deutschsprachigen Lesern vorgestellt werden. Wohlgemerkt, die Nachrichten können wir nicht überprüfen, ihre Quelle sind allerdings keine Journalisten, sondern politisch aktive Menschen, die für ihre Organisationen in der Heimat die Lage im Nachbarland ausleuchten.
Die Namen der Organisationen sind die persische Version, die sich oft von der arabischen unterscheidet.

Oberster Militärrat der Revolutionäre des Iraks (Schouraye Aliye Nesamiye Enqelabiyune Eraq)
Gegründet 2013 in der irakischen Provinz al-Anbar. Die Organisation hat sich dann auf alle sunnitischen Gebiete im Irak ausgebreitet. Die Organisation ist auch im Internet (Facebook, Twitter etc.) vertreten. Die Mitglieder der Organisation sind unbekannt, es heißt, dass sie von einigen entlassenen Generälen der früheren irakischen Armee geführt wird. Ein ehemaliger Offizier der irakischen Luftstreitkräfte namens „Mas-har Gheissi“ fungiert als Sprecher des Militärrats. Dieser Rat veröffentlicht monatliche Berichte über die „Verluste“ der irakischen Regierungsstreitkräfte. Schon der Stil weist auf eine militärische Vergangenheit hin.

Kämpfer der Nakschbandi
Die Nakschbandi sind ein alter sunnitischer Orden, die von der islamischen Mystik geprägt sind. Von daher handelt es sich erstmal nicht um eine bewaffnete Gruppe. Die politische Entwicklung im Irak hat aber dazu geführt, dass dieser Orden unter den Einfluss von Isat Ibrahim Duri geraten ist, einen ehemaligen Adjutanten von Saddam Hussein. Die Kämpfer dieser Gruppe befürworten einen Befreiungskrieg im Stil von Omar Mochtar (Libyen) und Amir Abdolqadr (Algerien). Inspiriert wird die Gruppe auch von historischen geistigen Führern der Tschetschenen in Daghestan, wie etwa von Imam Schamil Nakschbandi (19. Jh.).
Die Gruppe ist in Mossul, Kirkuk und einem Teil von Baghdad aktiv, und wegen ihres Schwerpunkts in Mossul ist nach den jüngsten Kämpfen die Verwaltung der Stadt Mossul in ihre Hände übergegangen.

Der Rat der Stämme (Schouraye ‚Aschayer)
In diesem Rat sind etwa 70 große Stämme vereinigt. Sie verfügen über 40 Bataillone in den Provinzen al-Anbar, Niniwe, Salahuddin, Diyale und Ta‘mim. Ihr Schwerpunkt liegt in Kirkuk. Sie sind in Ramadi, Chalida, Falludscha sowie in Teilen Baghdads vertreten. Der Oberbefehl über diese Kräfte liegt bei ehemaligen Generälen der irakischen Armee. Die mittlere Führungsebene liegt bei den Führern der Stämme. Dieser Rat verfügt über gute Waffen- und Munitionsvorräte.

Baath-Partei
Die Baath-Partei war die frühere Regierungspartei unter Saddam Hussein. Sie umfasste damals 11 Millionen Mitglieder. Nach dem Sturz von Saddam Hussein und den Mordanschlägen auf Baath-Mitglieder tauchten viele Intellektuelle, die der Partei angehört hatten, unter. Das Verhalten der Regierung Nuri al-Maliki führte dazu, dass ein Teil der Baath-Mitglieder in den verschiedenen Provinzen wieder aktiv wurde, die Zahl soll sich auf eine halbe Million belaufen. Die Baath-Mitglieder sind auch in den mehrheitlich schiitischen Gebieten gut vertreten.

Bataillone der Revolution der 1920-er

Diese Gruppe hat ihren Namen von einem Generalaufstand der Stämme im Irak gegen England, der in den 1920-ern stattfand. Sie präsentiert sich als irakisch-nationalistisch und hat zahlreiche Anschläge gegen die US-Kräfte im Irak verübt. Auch das Legen von Sprengkörpern auf den Transportwegen der US-Streitkräfte gehört zu den von ihr befürworteten Methoden. Sie ist in den Provinzen al-Anbar, Salahuddin und Teilen Kirkuks aktiv. Mitgliedern dieser Gruppe ist es gelungen, in den letzten Tagen wichtige Gebiete in Diyale und Salahuddin zu erobern.
Die Gruppe soll den geistlichen Führern der irakischen Sunniten unter Harith Sari nahestehen.

Vereinigung der Anhänger des Islam (Jama‘ate Ansare Eslam)
Diese Vereinigung ist eine salafitisch-dschihadistische Gruppe, die im Jahr 2001 von einem kurdischen Molla namens „Molla Karikar“ gegründet wurde. Vor der Ankunft der US-Truppen kämpften ihre Leute im Kandil-Gebirge, 2003 verlagerten sie ihre Kräfte ins Innere des Iraks. Als die Gruppe 2005 den al-Kaida-Führer Abu Mas‘ab Sarqawi für sich als Führer anerkannte, kam es zur Spaltung der Vereinigung. Nach dem Abzug der US-Truppen aus dem Irak 2011 hatte diese Vereinigung ihre bewaffneten Aktivitäten ausgesetzt und verlagerte sich auf politische Aktivitäten in den Provinzen Niniwe, Kirkuk und Teilen von Diyale. Die Gruppe ist sehr geschlossen, ihre Führer sind nicht bekannt, lediglich ein Abu Omar Iraqi, der mit diesem Pseudonym die Organisation von Niniwe aus leitet.

Vereinigung der Armee der Mudschahedin
Eine dschihadistische sunnitische Gruppe, die al-Kaida nahesteht. Sie wurde später von Stammestruppen niedergeschlagen. Als die Kämpfe in Syrien aufflammten, wurden ihre Kräfte an der Grenze zu Syrien, namentlich in Falludscha aktiv. Auch in den Gebieten Suba‘ und Yussefiye (Baghdad) hat sie ihre Zellen. Sie legt bewaffnete Hinterhalte gegen die irakischen Regierungstruppen.

Islamische Armee des Irak
Sie wurde 2004 gegründet. Sie war militärisch aufgebaut und verlagerte sich 2009 auf politische Aktivitäten und Medienarbeit. Diese Armee ist ein Produkt der Aktivitäten der Muslimbrüder im Irak. Mit der Vertreibung ihrer politischen Führer aus der Politik und der Verhängung von Todesurteilen gegen sie unter der Regierung von Nuri al-Maliki ist die Islamische Armee des Irak wieder auf die militärische Ebene zurückgekehrt.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Afghanische Flüchtlinge als Kanonenfutter

Im Iran leben etwa zwei Millionen Flüchtlinge aus Afghanistan. Ihre Notlage machen sich auch die iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) zunutze. Bekanntlich haben diese in Syrien Truppen stationiert, angeblich, um das Heiligtum von Seynab nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus zu schützen. Um die Zahl der Opfer unter den eigenen Leuten zu reduzieren, haben die Pasdaran laut einer Meldung des afghanischen Dienstes von Radio Liberty rund 400 afghanische Flüchtlinge angeworben, teils unter Drohungen, teils unter dem Versprechen einer entsprechenden Bezahlung, um in Syrien auf Seiten der Pasdaran mitzukämpfen. Von mehr als 200 dieser Afghanen weiß man heute nicht, ob sie noch am Leben sind.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Die Hunde haben das Verbrechen gewittert

1988 geht als das Jahr des großen Gefangenenmassakers in die iranische Geschichte ein. Damals wurde auf Geheiß von Ajatollah Chomeini eine Todeskommission gebildet, die zu entscheiden hatte, wer hingerichtet werden sollte. Es genügte, mit Nein auf die Frage zu antworten, ob man die Islamische Republik akzeptiere, um hingerichtet zu werden. Die Mitglieder der Todeskommission sind noch heute einflussreiche Personen im Iran. So wundert es nicht, dass das Gefangenenmassaker bis heute nicht aufgeklärt wurde.
Aber das heißt nicht, dass die Öffentlichkeit nichts erfahren hat. Nach dem großen Massaker in den Gefängnissen versuchte das Regime das zu tun, was alle Mörder tun: Spuren des Verbrechens zu beseitigen, und das heißt: die Leichen zu beseitigen. In einem abgelegenen Ort östlich von Teheran, wo ein wüstenhaftes Klima herrscht, ließ die Regierung mit Baggern eine tiefe Grube ausheben, in die die Leichen geworfen wurden. Den Angehörigen der Opfer, es waren Tausende, wurde nichts mitgeteilt.
Aber die Bauern in der Umgebung stellten fest, dass die Hunde sich an einem Ort in der Wüste versammelten und dort die Erde aufwühlten. Iranische Hunde sind keine gut gefütterten Tiere wie in Deutschland, wenn sie Fleisch wittern, lassen sie sich das nicht entgehen. Und so kamen die Leichen zum Vorschein. Keiner weiß genau, wer wo begraben ist, aber die Nachricht sprach sich rum, und so begannen die Mütter und Geschwister der Ermordeten, dort Blumen niederzulegen und Trauerfeier abzuhalten. Das Regime verbot es, dann duldete sie dies, aber es bemühte sich, die Sache unter Verschluss zu halten. Aber die Mütter schwiegen nicht und organisierten sich als die „Mütter von Chawaran“, so heißt die Gegend, wo die Leichen verscharrt wurden. Die Mütter von Chawaran schrieben an viele internationale Organisationen, um auf das Verbrechen aufmerksam zu machen und es nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
In Westeuropa hält sich die Begeisterung der Regierenden in Grenzen, die Mütter zu unterstützen, aber es gibt Länder, die vor nicht so langer Zeit eine Diktatur erlebt haben, wie Südkorea. Und dort gibt es die „May 18 Memorial Foundation“ (Stiftung zum Gedächtnis an den 18. Mai), die an das Massaker vom 18. Mai 1980 unter Diktator Chun Doo-hwan erinnert, der damals friedlich protestierende Bürger der Stadt Gwangju niedermetzeln ließ. Die Stiftung verleiht jährlich den „Gwangju Prize for Human Rights“ (Gwangdschu-Preis für Menschenrechte), z.B. 50.000 US-Dollar im Jahr 2011. Dieses Jahr hat die Stiftung den Preis an die Mütter von Chawaran sowie an einen Mann aus Bangladesch verliehen.
Ein ermutigendes Zeichen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email