Archiv der Kategorie 'Internationale Beziehungen'

Iran: Vorgeschlagener UN-Botschafter an Mordfall in Rom beteiligt?

Am 9. April 2014 veröffentlichte die britische Zeitung Daily Telegraph einen Artikel über Hamid Abutalebi, der von der iranischen Regierung als neuer UN-Botschafter in New York vorgeschlagen wurde. Der Senat und das Repräsentantenhaus der USA haben ein Gesetz verabschiedet, das verbieten soll, dass Hamid Abutalebi ein Einreisevisum in die USA erhält. Als Begründung wurde seine Beteiligung an der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran nach der Revolution von 1979 genannt. Die iranische Regierung erklärt hierzu, er sei damals lediglich als Dolmetscher tätig gewesen. Auf diesen Vorwurf wollen wir hier nicht näher eingehen, die Motive beider Seiten für ihr Vorgehen sind ein Thema für sich.

Der Mord an Naghdi in Rom
Was aus europäischer Sicht viel interessanter ist, ist die Rolle von Hamid Abutalebi in Rom. Dort war er bis September 1992 Botschafter der Islamischen Republik Iran. Er soll dann unter falscher Identität und mit falschen Papieren nach Italien zurückgekehrt sein und bei der Vorbereitung des Mords an Mohammad Hossein Naghdi eine wichtige Rolle gespielt haben. Mohammad Hossein Naghdi war Vertreter der Islamischen Republik Iran am Heiligen Stuhl Anfang der 1980-er Jahre. Er und Hamid Abutalebi kannten sich schon seit den Jahren der Revolution. Als im Iran die Verfolgung gegen die Volksmudschahedin einsetzte, gab Mohammad Hossein Naghdi sein Amt als Botschafter auf und arbeitete für die Vertretung der Volksmudschahedin in Rom. Als Naghdi am 16. März 1993 von seinem Fahrer zum Sitz der Modschahedin-Vertretung gefahren wurde, wo schon ein Polizeiauto zu seinem Schutz auf ihn wartete, wurde Naghdi mit einer Maschinenpistole erschossen. Der Täter flüchtete zu Fuß, stieg auf die Vespa eines Mittäters und konnte unerkannt fliehen. Die italienische Polizei hat bis 2008 keinerlei Täter festgenommen.

Abutalebi von iranischem Geheimdienstoffizier belastet
Abolghasem Mesbahi, ein ehemaliger iranischer Geheimdienstoffizier, der in Deutschland lebte, hat gegenüber den ermittelnden Polizeibeamten ausgesagt, dass der Agent, der von Teheran ausgeschickt wurde, um Naghdi zu ermorden, unter der Aufsicht von Hamid Abutalebi tätig wurde. Abutalebi soll dabei vom Leiter des iranischen Geheimdienstes in Rom, Herrn Bozorgian, unterstützt worden sein. Wie das Berufungsgerichts in Rom (Corte di Appello di Roma) am 16. Dezember 2008 in einem Urteil feststellte, sei es der italienischen Polizei aber nicht gelungen, nachzuweisen, dass die mutmaßlichen Täter nach Italien eingereist seien, weshalb es kein abschließendes Urteil zu diesem Mord fällte. Hamid Abutalebi, der von September 1995 – September 2000 Botschafter der Islamischen Republik Iran in Belgien und bei der Europäischen Union war, ist somit nicht rechtskräftig verurteilt. Es fällt aber auf, dass im Jahr 2003 sein Antrag auf ein Schengen-Visum für einen europäischen Staat abgelehnt wurde. Das ist immerhin beachtlich für einen ehemaligen Botschafter. Damals fand die iranische Regierung – erst Präsident Chatami, dann Ahmadineschad – rasch andere Verwendung für den erprobten Mann: Er wurde Botschafter des Irans in Australien von September 2003 bis November 2006.

Sanktionen – es darf auch ein bißchen mehr sein
Bedenkt man, dass die Grundlinien der Außenpolitik nach der iranischen Verfassung vom Religiösen Führer, also von Ajatollah Chamene‘i, festgelegt werden, der auch direkt auf Personalentscheidungen Einfluss nimmt, kann man davon ausgehen, dass mit der Auswahl von Hamid Abutalebi ein weiterer Schritt unternommen wurde, die Rücknahme der Sanktionen dosiert zu bremsen. Dann nämlich können die „Schmuggelbrüder“ – wie Ahmadineschad die Pasdaran nannte – und Chamene‘is Sohn Modschtaba weiterhin von diesem einträglichen Geschäft leben. Denn freier Handel schmälert die Gewinne der Schmuggler.

Quellen:
1. Hamid Abutalebi / Mord am Ex-Botschafter Naghdi, auf Englisch
http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/middleeast/iran/10755831/Iranian-diplomat-rejected-by-US-implicated-in-Italian-murder.html
Daily Telegraph
By Damien McElroy, Tom Kington and Ahmed Vahdat
6:24PM BST 09 Apr 2014
2. Beschreibung der Ermordung von Mohammad Hossein Naghdi im Corriere della Sera, einen Tag nach dem Mord in Rom, auf Italienisch
http://archiviostorico.corriere.it/1993/marzo/17/colpi_Uzi_vendetta_degli_ayatollah_co_0_93031717586.shtml
a colpi di Uzi la vendetta degli ayatollah.

3. Beschreibung der Vorbereitungen und Durchführung des Mordes an Mohammad Hossein Naghdi durch die Volksmudschahedin, 20 Jahre nach seiner Ermordung. In diesem Text werden weder Abutalebi noch Bozorgian erwähnt, evtl. weil sie unter falschem Namen auftraten?
http://www.hambastegimeli.com/%D8%AF%D9%8A%D8%AF%DA%AF%D8%A7%D9%87-%D9%87%D8%A7/%D9%BE%D8%B4%D8%AA-%D9%BE%D8%B1%D8%AF%D9%87-%D8%B1%DA%98%D9%8A%D9%85/40158-2013-03-19-22-05-20
Name von Abutalebi nicht erwähnt

4. 2003 Antrag von Abutalebi auf Schengen-Visum wird abgelehnt, auf Italienisch
http://www.ilgiornale.it/news/esteri/linviato-iraniano-allonu-accusato-omicidio-politico-roma-e-1007506.html

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Iran: Rüstungsprogramm geht weiter


Werkzeug für Herstellung von Waffen oder Schrott für 1 Million Euro?

In Genf hat die Regierung von Hassan Rouhani mit den Westmächten vereinbart, ihr Atomprogramm unter Aufsicht zu stellen. Im Gegenzug wurden finanzielle Erleichterungen und eine teilweise Suspendierung der Sanktionen versprochen. Das ist die eine Seite der Medaille. Wie jetzt bekannt wurde, hat die Guardia Civil in Spanien am 1. April 2014 vier Personen in Tarragona, Barcelona und Palma de Mallorca unter dem Vorwurf festgenommen, illegal Maschinen in den Iran exportieren zu wollen, die für militärische wie zivile Nutzung einsetzbar sind.
Drei der Festgenommenen sind spanische Staatsbürger und wieder auf freiem Fuß, die vierte Person ist iranischer Staatsbürger und erst vor zwei Wochen nach Spanien eingereist, genauer, nach Palma de Mallorca. Der iranische Staatsbürger wurde in ein Gefängnis eingewiesen.
Nach den amtlichen Darstellungen, wie sie in der spanischen Tageszeitung El País wiedergegeben werden, hat sich der Vorgang so abgespielt:
Vor einem Jahr verkaufte ein britisches Rüstungsunternehmen Metallform-Maschinen der deutschen Marke Leifeld an ein zweites britisches Unternehmen. Dieses Unternehmen verkaufte die gebrauchten Maschinen an den iranischen Unternehmer, der jetzt in Palma de Mallorca verhaftet wurde zu einem stolzen Preis von 1 Million Euro. Die Maschinen wurden dann heimlich nach Spanien gebracht, was für eine zivile Verwendung ein seltsames Vorgehen ist. Laut El País kann man mit diesen Anlagen sowohl Feuerlöscher als auch Rohre für Nuklearraketen oder für Gaszentrifugen von Uran-Anreicherungsanlagen herstellen. Ob dies beabsichtigt wurde, ist nicht bewiesen.
Die Ermittlungen in diesem Fall standen bis jetzt unter der Aufsicht des Untersuchungsgerichts Nr. 6 von Tarragona (Juzgado de Instrucción número 6 de Tarragona).
Die Tatsache, dass die iranischen Behörden zu diesem Zeitpunkt den Unternehmer nach Spanien schickten, lässt den Verdacht aufkommen, dass bestimmte Kreise (um den Religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i) ein Interesse daran haben, dass die Sanktionen aufrecht erhalten werden. Mit solchen Maßnahmen lässt sich das gewiss leicht erreichen.

Quelle:
http://politica.elpais.com/politica/2014/04/07/actualidad/1396859146_451988.html

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Autarkie und Kulturkampf: Neujahrsrede des Religiösen Führers des Irans


Ajatollah Chamene‘i zum Neujahrsfest in Maschhad – ein Rückfalltäter meldet sich zu Wort

Das persische Neujahrsfest Nourus, das am 20. März begann, war schon zu Schahzeiten Anlass für Neujahrsansprachen, auf denen die politische Linie der nächsten Zeit festgelegt wurde. Ajatollah Chomeini war zwar gegen das Neujahrsfest, aber unter seinem Nachfolger Ajatollah Chamene‘i wird diese alte Tradition fortgeführt. Angesichts der Sympathie, die die Regierung von Hassan Rouhani sowohl unter den iranischen Reformisten wie unter manchen westlichen Politikern genießt, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Immerhin ist es laut iranischer Verfassung der Religiöse Führer und nicht der vom Volk gewählte Präsident, der die Leitlinien der Politik festlegt.

Wirtschaft des Widerstands
In seiner Neujahrsrede, die Ajatollah Chamene‘i am 20. März in Maschhad hielt, ist der Religiöse Führer der Islamischen Republik Iran zu seinen alten Thesen zurückgekehrt. Er behauptete, dass eine Wirtschaft des Widerstands im Iran praktikabel ist. Was er darunter versteht, sei an vier wichtigen Punkten erklärt.
1. Die verantwortlichen Machthaber müssen die nationale Produktion (die Produktion im Inland) mit allen Mitteln unterstützen. Dies ermöglicht wirtschaftlichen Fortschritt im Iran.
2. Die Kapitaleigentümer und die Produzenten müssen sich um eine höhere Produktivität der einheimischen Betriebe bemühen.
3. Die Kapitaleigentümer sollen sich mehr auf den produzierenden Sektor konzentrieren als auf andere Sektoren (gemeint ist der Import).
4. Das Volk soll einheimische Produkte konsumieren.

Produktion im Inland

In seiner Neujahrsrede betonte Ajatollah Chamene‘i, dass die heimische Produktion zunehmen müsse. Im Gegensatz zu früher, als der Ajatollah sich mehr auf das Thema der Verteilung konzentrierte, ist das eine Veränderung. Ajatollah Chamene‘i forderte nicht weniger, als dass der Iran wirtschaftlich autark werden müsse, um nicht von den Wirtschaftskrisen des Auslands beeinflusst zu werden. Solche Parolen sind auch von anderen Diktatoren zu hören. So rühmte sich Islam Karimow, der „Präsident“ Usbekistans damit, dass die US-Wirtschaftskrise sein Land nicht berührt habe. Ja, wenn alles still steht, trifft einen auch keine Krise mehr. Sie ist dann schon im Land zu Hause. Man darf davon ausgehen, dass sich Chamene‘is Worte eher an die Anhänger der Regierung Rouhani wenden als an seine eigenen Anhänger, denn eine Politik der Autarkie würde die Wirtschaftsmacht der Pasdaran untergraben, die einen wesentlichen Teil ihres Einkommens aus legalen und illegalen Importen beziehen. Es gibt keinen Hinweis aus der Neujahrsansprache des Ajatollahs, dass er beabsichtigt, die Macht der Pasdaran und Bassidschis einzuschränken.

Was kümmern uns die Wirtschaftssanktionen?
Einmal mehr zeigt sich Ajatollah Chamene‘i in seinen Äußerungen unbeeindruckt von den Wirtschaftssanktionen des Westens, die sich teilweise schon 35 Jahre hinziehen. Er scheint davon auszugehen, dass die Sanktionen im Wesentlichen erhalten bleiben. Auch dies ein Schuss vor den Bug der Reformer, die sich von der Regierung Rouhani und der Öffnung gegenüber dem Westen erhoffen, dass wieder Geld ins Land fließt und die Wirtschaft in Gang kommt. Ajatollah Chamene‘i: „Lasst uns einander die Hände geben und nicht den Blick auf den Feind richten, wann er die Sanktionen wohl aufhebt oder auch nicht. Auf anderem Gebiet, darunter auch auf wirtschaftlichem, werden wir unsere nationale Macht erlangen.“
Für Ajatollah Chamene‘i ist ein Stopp der Ausweitung der Sanktionen und eine begrenzte Aussöhnung mit dem Westen ausreichend. Denn von den Sanktionen lebt auch das Schattenreich des Schwarzmarktes, in dem sein Sohn Modschtaba Chamene‘i eine wichtige Rolle spielt.

Islamische Republik dem Westen kulturell überlegen
Einen wichtigen Teil seiner Rede widmete Ajatollah Chamene‘i der moralischen Überlegenheit des Islams gegenüber dem Westen und der Fortsetzung des Kulturkampfes. Chamene‘i beschludigte die im Kulturbereich Verantwortlichen, dass sie zu wenig täten und nicht die notwendigen Maßnahmen ergriffen, um die Kulturattacke des Westens abzuwehren. Diese Untätigkeit und diese Unzulänglichkeiten ist in den Augen des Ajatollahs nicht weniger gefährlich als die Tätigkeit des Feindes.

Knüppel aus dem Sack!
Und so wandte sich Ajatollah Chamene‘i mit deutlichen Worten an die schlagenden Kräfte seines Regimes: Er forderte die islamischen Extremisten und die Bassidschi-Kräfte auf, ihre kritische Reaktion auf die kulturelle Lage im Lande beizubehalten und die Verantwortlichen mit fester Logik und klaren Worten zu ermahnen. Gemeint ist, wenn die Kritisierten nicht im Sinne der Fundamentalisten klein beigeben, sollen sie die feste Logik der Knüppel und die klaren Worte der Scharia-Richter zu spüren bekommen. Mit diesen Worten eröffnet Ajatollah Chamene‘i wieder den Kulturkampf, den Krieg an der Heimatfront, gegen alle, die seiner Meinung nach „verwestlicht“ sind. So, wie der Wahl des vorletzten Präsidenten Chatami die Schließung der kritischen Zeitungen, Serienmorde an Intellektuellen und der Überfall auf die Studentenwohnheime folgte, will Chamene‘i auch jetzt die Regierung Rouhani in die Schranken weisen und zeigen, wer hier Herr im Hause ist. Diese Neujahrsrede ist ein Signal an die Regierung Rouhani und an ihre Anhänger unter den Reformisten, dass es mit der „Toleranz“ zu Ende ist. Sie ist ein Signal an alle bewaffneten Kräfte, dass sie von oberster Stelle freie Hand haben, wenn sie jetzt ihre Gegner angreifen – nicht mit Worten, sondern mit Messern und Gerichtsverfahren.

Außenpolitik der Konfrontation
Indem Chamene‘i wieder in die Mottenkiste des Kulturkampfes, der Parolen gegen die Verwestlichung greift, macht er deutlich, dass er keine Zukunft in einer Politik der Aussöhnung sieht. Auch dies ist eine klare Position gegen die bisherige Außenpolitik der Regierung Rouhani.

Ajatollah Chamene‘i – der Rückfalltäter
Mit seiner Neujahrsrede verheißt Ajatollah Chamene‘i der iranischen Bevölkerung nichts Gutes. Seine Betonung wirtschaftlicher Autarkie ist in ihren Ohren nichts Neues, in 35 Jahren hat dieses System es nicht geschafft, auch nur eine eigenständig funktionierende Erdölindustrie aufzubauen, die das eigene Land mit Benzin versorgen kann. Lange Warteschlangen an den Tankstellen und Benzinrationierungen sind die Folge in einem Land mit riesigen Erdölvorkommen. Von der Wirtschaft des Widerstands hatte Chamene‘i auch schon in der zweiten Amtszeit von Ahmadineschad gesprochen. Die Bevölkerung bekamen dies mit einer horrenden Inflation und einer Massenarbeitslosigkeit zu spüren, die bis jetzt anhält. So sollen zehn Millionen Iraner arbeitslos sein, weitere 4 Millionen Studenten drängen demnächst auf den leeren Arbeitsmarkt.
Mit seiner Rede gibt Ajatollah Chamene‘i eine schon widerlegte Antwort auf eine alte Frage, die noch nicht gelöst ist. Wenn die iranische Wirtschaft nicht allmählich in Gang kommt, wird die Unzufriedenheit der Bevölkerung weiter wachsen, und die lässt sich nicht mit der Verteilung von einer Tüte Reis, Rapsöl und Hühnerfleisch beschwichtigen. Ohne Reformen kann Chamene‘i zwar die Pasdaran und Bassidschis bei der Stange halten, aber die Bevölkerung läuft ihm davon. Andere Geistliche, die das schon längst erkannt haben, haben deshalb auch die Wahl von Präsident Rouhani unterstützt. Wenn diese Reformansätze jetzt blockiert werden, schafft Chamene‘i es entweder, den Sturz der Islamischen Republik herbeizuführen, oder es gelingt seinen Gegnern unter den Geistlichen, einen anderen Kandidaten in dieses Amt zu setzen, um das Überleben ihres Regimes zu sichern.

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Iran: Die „Armee der Gerechtigkeit“ ermordet Geisel

Die in der Region Sistan und Balutschistan aktive Organisation „Dschaisch ol-Adl“ (Armee der Gerechtigkeit) hat gestern bekannt gegeben, dass sie einen der von ihnen entführten iranischen Grenzschützer umgebracht hat. Sie hat weiter angekündigt, falls die Angehörigen ihrer Organisation, die in iranischen Gefängnissen einsitzen, nicht in den nächsten zehn Tagen freigelassen werden, würden sie die nächste Geisel umbringen.
Kommentar:
Mit diesem Vorgehen beweist die Organisation „Dschaisch ol-Adl“, dass ihr Menschenleben genauso wenig wert sind wie den Führern der Islamischen Republik Iran.

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Iran: Europa, die alte Hexe


Das Original-Photo: die zweite Frau von rechts ist die Mutter von Sattor Beheschti

Ja, ein Abgeordneter des iranischen Parlaments hat die europäische Außenministerin Catherine Ashton vor kurzem öffentlich als Adschuse, als alte Hexe bezeichnet.
Anlass seiner Empörung war ihr Gespräch mit iranischen Menschenrechtlerinnen wie Narges Mohammadi. Seinem Geschrei schloss sich auch der iranische Parlamentspräsident an sowie der oberste Chef der iranischen Justiz. Sie meinten gar, wenn künftig nochmals ein ausländischer Gast komme und solche illegalen Aktivitäten betreibe, müsse man ihn der Justiz vorführen.
Die Bassidschis und Pasdaran organisierten sogar eine Demonstration von Studenten vor der österreichischen Botschaft in Teheran, die ihre Räumlichkeiten für die Gespräche zwischen Catherine Ashton und den iranischen Menschenrechtlerinnen zur Verfügung gestellt hatten.
Eine klägliche Demo wurde daraus, fast soviel Plakate wie Studenten, letztere etwa 100 an der Zahl. In einem Land mit 4,4 Millionen Studenten nicht eben viel.
Auch die Medien in den Händen der Islamisten feuerten aus allen Rohren, sobald Catherine Ashton das Land verlassen hatten. Aber ihre Kampagne verriet zugleich auch ihre Schwächen.


Die Pasdaran-Zeitung Dschawan: da fehlt doch wer im Foto

So konnte man in der Pasdaran-Zeitung „Dschawan“ ein Foto vom Treffen sehen, in dem eine Person völlig ausradiert wurde – die Mutter von Sattor Beheschti. Sattor Beheschti war ein iranischer Weblogger, der an den Folterungen gestorben ist. Das Parlament, die Justiz, alle versuchen, die Täter zu schützen, und bis jetzt ist Said Mortasawi, einer der Verantwortlichen, in diesem Fall auch glimpflich davon gekommen. Die Mutter des Toten gibt aber nicht nach und kämpft weiter für Aufklärung. Sie fordert, dass die Täter vor Gericht gestellt werden.
Der weiße Flecken im Foto ist ein weißer Flecken in der Geschichte des Irans, und er beweist, dass die Täter den gleichen Kreisen entstammen, die auch die jetzige Medienkampagne anheizen.
Wie lächerlich das ganze Gehabe allerdings ist, wissen sowohl die Regierungen in Europa wie die Machthaber im Iran.
Die Machthaber im Iran wissen: Wenn Catherine Ashton nach Europa zurückkehrt, ohne die Gelegenheit genutzt zu haben, sich um die Menschenrechte gekümmert zu haben, wird man ihr bei der Rückkehr unangenehme Fragen stellen.
Also lässt man sie machen und wartet mit den Fußtritten, bis sie wieder weg ist. Tritte in die Luft.
Und die europäischen Regierungen wissen: Auch im Iran wird es nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Während die Radikalos von den Kanzeln und Tribünen wettern, reist Präsident Hassan Rouhani in aller Ruhe nach Maskat, in die Hauptstadt des Oman. Oman ist gewiss nicht der Staat, in dem Iran große wirtschaftliche Pläne verfolgt. Damit lässt sich der Besuch nicht erklären. Dafür spielt Oman eine umso größere Rolle als Vermittler zwischen der iranischen Regierung und der US-Regierung. Denn eine Annäherung zwischen Iran und Europa ohne Zustimmung der US-Regierung ist Illusion. Und weil auch die Fundamentalisten ein Interesse an der Überwindung der Wirtschaftskrise haben, um an der Macht zu bleiben, lassen sie Rouhani gewähren und im Oman verhandeln.


Auch bestimmte Fernsehsender leiden an der Weiße-Flecken-Krankheit

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Iran-Balutschistan: Entführung von 5 Grenzsoldaten

Die sunnitische Gruppe „Dschaisch ol-Adl“ (Armee der Gerechtigkeit), die in der iranischen Region Sistan und Balutschistan operiert, hat unlängst 5 iranische Grenzsoldaten entführt. In einer Erklärung auf ihrer Webseite, der Fotos von den Entführten beigefügt waren, übernahm die Gruppe die Verantwortung für die Entführung. Laut iranischen Angaben wurden die Entführten ins Landesinnere von Pakistan gebracht. Der iranische Außenminister hat deshalb am Sonntag, den 9. Februar 2014, den pakistanischen Botschafter zu sich zitiert und ihm eine iranische Protestnote überreicht. Er forderte Garantien für die Sicherheit der Entführten.

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Iran: Der Führer bekommt die Leviten gelesen

Hadi Chamene‘i, der Bruder des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i, hat vergangene Woche vor Vertretern der „Organisation der Jugendlichen und Studenten der Vereinigung der Kräfte der Linie des Imams“ gesprochen. Dabei erklärte er, dass der Staat aufgrund der Verfassung verpflichtet sei, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu garantieren und darüber zu wachen, dass die grundlegenden Rechte und Freiheiten des Volks nicht beeinträchtigt werden. Er hob hervor, dass die Schaffung einer Atmosphäre der Angst und Unterdrückung unter der vorigen Regierung viel größeren Schaden unter der Bevölkerung angerichtet habe als die wirtschaftliche Entwicklung. Er meinte auch, es mache wenig Sinn, wenn die jetzige Regierung in Davos um Investitionen im Iran werbe, solange im Lande noch die Sicherheitsorgane das Sagen hätten. Solange der Hausarrest gegen Mirhossein Mussawi und gegen Mehdi Karubi anhalte, solange die militärischen Institutionen (gemeint sind die Pasdaran) und die paramilitärischen Institutionen (gemeint sind die Bassidschis) tun und lassen könnten, was sie wollen, werde sich jeder Investor gut überlegen, ob er sein Geld in so einem Land anlegen werde. Es genüge nicht, sich nur auf die Atomverhandlungen zu beschränken, wenn man die Probleme des Landes lösen wolle.
Diese kritischen Worte von Hadi Chamene‘i wurden von der staatlichen Nachrichtenagentur ISNA verbreitet.

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Iran: Der Ball im Garten des Nachbarn


Ajatollah Rafsandschani hat den Ball ins Feld des Religiösen Führers gespielt

Am Sonntag, den 26. Januar 2014, hat Ajatollah Rafsandschani in der Öffentlichkeit darauf hingewiesen, dass der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i sowohl vor den Atomverhandlungen wie auch zu ihrem Abschluss stets in vollem Umfang informiert war und mit ihrem Verlauf einverstanden war. Diese Erklärung ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die radikalen Kräfte in den iranischen Medien versuchen, das Abkommen des Irans mit dem Westen zur Kontrolle des Atomprogramms als Verrat darzustellen, der hinter dem Rücken des Religiösen Führers erfolgt sei. Auf diesem Weg versuchen diese Meinungsmacher, radikale Bassidschis auf die Straße zu bringen und letztlich die Regierung von Präsident Rouhani unter Druck zu setzen. Ajatollah Chamene‘i hat sich bei dieser ganzen Hetze stets fein herausgehalten und geschwiegen.
Indem Rafsandschani nun behauptet, Chamane‘i sei im Bilde gewesen und unterstütze das Ergebnis der Verhandlungen, gibt er den Ball an den Führer weiter. Schweigt er, wird dies als Bestätigung der Worte von Ajatollah Rafsandschani gewertet. Geht er dagegen an die Öffentlichkeit und dementiert Rafsandschanis Worte, bringt er die Bevölkerung gegen sich auf, die nichts sehnlicher wünscht als dass die Kriegsgefahr gebannt wird, dass das Embargo aufhört und die Wirtschaft wieder in Gang kommt.
Das Spiel geht weiter.

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Flaute für die Machthaber im Iran


Flaute für die Schwarze Pest

Es ist seltsam. Es ist noch nicht lange her, als der damals neu gewählte iranische Präsident Hassan Rouhani aus New York zurückkehrte, nachdem er mit Barak Obama telefoniert hatte.

Damals wurde er auf dem Flughafen in Teheran von einigen Personen mit wüsten Personen und Schuhwürfen empfangen, Pasdar-Generäle erhoben warnend ihre Stimme, er habe seine Grenzen überschritten, als er mit dem amerikanischen Präsidenten sprach.

Während der Verhandlungen über die Einstellung des iranischen Atombombenprogramms zeigten die selben Kreise ebenfalls kein Interesse, in der Sache nachzugeben. Die Verhandlungen zogen sich in die Länge, und doch endeten sie jetzt mit einem Nachgeben der iranischen Seite. Es wurden seitens des Irans überraschend umfangreiche Zugeständnisse gemacht. Zudem bleiben große Teile der Sanktionen weiterhin in Kraft, auch wenn uns die iranische Seite das Gegenteil glauben machen will (vgl. Kamalwandi am 20.1.2014). Die iranischen Gelder, die jetzt freigegeben wurden, sind nur ein Bruchteil der iranischen Auslandsvermögen, die weiterhin gesperrt bleiben. Dieser Zustand bleibt die nächsten Monate aufrecht erhalten.

Wo bleibt jetzt der Aufschrei der Pasdar-Generäle, wo bleibt das iranische Parlament, dessen Mehrheit Pasdaran (Revolutionswächter) und Bassidschis (Paramilitärs) bilden, die noch unter Rouhanis Vorgänger Ahmadineschad als Scharfmacher ins Parlament einzogen? Wo bleiben die wütenden Aktionen der radikalen Anhänger der Geistlichkeit oder die zurechtweisenden Reden des Religiösen Führers Chamene‘i?

Das große Schweigen
Diese Parlamentarier, die in der großen Mehrheit als scharfe Gegner von Hassan Rouhani auftraten, sind nicht zu vernehmen. Warum?

Die Zeit ist noch nicht reif für ihren Aufschrei. Vorerst gewährleistet der eingeschlagenen Weg der Regieurng die Beschwichtigung des Unmuts in der Bevölkerung, das Image der Machthaber wird aufpoliert und sie vergeben sich nichts. Wenn sie in 6 Monaten Alarm schlagen, reicht es auch noch für ihre Zwecke.

Sie scheinen zudem zu spüren, dass sie keinen Wind mehr in den Segeln haben. Mehr noch, dem Schiff, das sie steuern sollen, fehlt nicht nur der Wind, es hat ein Leck und ist am Untergehen. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Pasdaran und die Bassidschis zwar die Waffen und die Kasernen in der Hand halten, dass die Staatsunternehmen genauso wie der Schmuggel in großem Stil ihr Einkommen bilden, aber wer sind die Bosse der Unternehmen, von denen manche nur scheinprivatisiert sind, wer sind die Schutzpatrone der „Schmuggelbrüder“?
Das ist eine kleine Gruppe der großen Gewinner, in deren Umkreis auch einige „Privatpersonen“ zu Milliardären geworden sind wie Babak Sandschani, der jüngst verhaftet wurde und noch immer in Haft ist.
Sein Schicksal ist symptomatisch.

Erfolgreiche Räuber sind noch lang keine erfolgreichen Unternehmer
Die Generäle, die unter Ajatollah Chamene‘i die Wirtschaftsmacht übernommen haben, nutzten die Gelegenheit, um ihre Anhänger überall unterzubringen und Geld abzuzweigen, wo es welches gab. Aber seit dem Embargo ist nicht mehr so viel zu verteilen. Die Erdöleinnahmen des Irans sind drastisch gefallen. Wer sich jetzt noch bereichern wollte, griff ins Bankensystem ein und ließ dort die Milliarden verschwinden. Aber auch das hat ein Ende, wenn von außen kaum noch Geld und Gold kommt.
Was nützen mir Bohrtürme, wenn sie immer weniger Öl fördern, weil die Ersatzteile fehlen und die Fachkräfte, die Anlagen wieder in Gang zu bringen und die Produktion zu modernisieren? Viele fähige Iraner sind längst im Ausland, im Westen, und arbeiten dort. Die Hoffnung China, die die Herrschaften an der Spitze hatten, scheint auch erloschen. Inzwischen ist so viel minderwertige chinesische Produktion auf dem iranischen Markt verkauft worden, dass die Käufer wissen, was sie am Ende erwartet. Was nützt es, das Monopol auf den Import chinesischer LKWs zu haben, wenn die Bevölkerung sie nicht mehr kauft, weil die Bremsen nicht funktionieren? China hat viel versprochen, aber das Know-How, die westlichen Ölförderanlagen im Iran zu reparieren und zu modernisieren, konnte es nicht geben.
So versiegen die Quellen, ohne die auch die Generäle verdursten müssen. Und wenn die Quellen versiegen, rebelliert die Bevölkerung.

Wer ist gefährlicher – Rouhani / Rafsandschani oder das Volk?
Aus der Sicht der Noch-Machthaber (der Religiöse Führer Chamene‘i, Prinzipialisten, Revolutionswächter) stellt sich die Frage, wie sie weiter machen können, wenn es nichts mehr zu verteilen gibt. Einig waren sie sich schon zum Zeitpunkt der Präsidentschaftswahlen nicht mehr, und so siegte eine Koalition von konservativen Geistlichen und Reformern (darunter Rafsandschani) mit ihrem gemeinsamen Kandidaten Rouhani. Sie wollen die Wirtschaft reformieren, um die Islamische Republik vor dem Untergang zu retten. Der Wahlsieg war nur ein Etappensieg, aber die entscheidende Frage, um die der Streit geht, ist die: „Woher bekommen wir das Geld, um die Wirtschaft in Gang zu bringen?“
Mit Ajatollah Rafsandschani kann sich ein Pasdar-General genauso arrangieren wie der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i und seine Anhänger. Denn alle wollen das herrschende Regime retten. Wenn diese sogenannten Reformer dagegen nicht zum Zuge gelassen werden, droht etwas ganz anderes: Der Aufstand der Massen. Und vor denen kann auch ein General nicht mehr sicher sein. Also hält man besser still und schaut, dass man sich Sicherheiten von der Gegenseite aushandelt und an der künftigen Entwicklung beteiligt wird.

Wie geht es weiter?
Wenn die Wirtschaft in Gang kommen soll, um die Arbeitslosen wieder unterzubringen und die nächsten Generationen von iranischen Hochschulabsolventen ins Arbeitsleben einzubinden statt auf die Straßen und in die Gefängnisse zu treiben, dann braucht sie Investitionen. Mit einer ruinierten Wirtschaft und einer bald zum Erliegen gekommenen Erdölförderung bekommt der iranische Staat nicht das Geld, um die eingegangenen Firmen wieder zum Leben zu erwecken. Kredite sind auch nicht in Aussicht, solange das Embargo und die Sanktionen auch nach einer gewissen Lockerung zu einem großen Teil weiter anhalten, und selbst die meisten Gelder, die dem Iran gehören (mehr als 100 Mrd. US-Dollar), noch immer im Ausland eingefroren sind.

Ajatollah Chamene‘i: In der Not verhandelt man auch mit dem Teufel
Um an dieses Geld zu kommen, hat die iranische Regierung keine große Wahl. Sie muss sich auf weitere Verhandlungen mit dem Westen einlassen, einigen Forderungen nachgeben, zuerst einmal, um die eigenen Anhänger zufrieden zu stellen, die jetzt nicht einmal mehr die bisherigen Subventionen erhalten, weil der Staat kein Geld hat. Aber das ist zu kurzfristig. Der Iran benötigt Investitionen, und ein zerstörtes Land benötigt Hunderte Milliarden von Dollars als Investitionen. Immerhin hat der Iran einen achtjährigen Krieg hinter sich und 35 Jahre totalitäre Herrschaft, die die iranischen Kapitalisten ruiniert hat, wenn man von den religiösen Stiftungen absieht.
Mit anderen Worten: Wenn es keinen Aufstand geben soll, brauchen die iranischen Mollas und die Pasdaran Investitionen aus dem Ausland. Die kommen aber nicht von selbst, denn jedes Unternehmen wird sich gut überlegen, ob es in ein Land investiert, in dem es keine unabhängigen Gerichte gibt, in dem die Korruption alle Regeln außer Kraft setzt, in dem die Pasdaran jeden Konkurrent ruinieren können, falls nötig, mit Hilfe der Gefängnisse. Investitionen benötigen Sicherheiten für den Transfer der Gewinne ins Ausland, Sicherheiten vor offenen und kalten Enteignungen, einen freien Markt, und das nicht für vier Jahre, sondern auf Jahrzehnte, wenn es sich um so große Projekte handelt, wie sie im Iran anstehen.


Wann wird das Öl wieder fließen?

Die Freiheit zur Einsicht in die Notwendigkeit
Von der Deutschen Industrie- und Handelskammer war vor ein paar Wochen schon eine Delegation zu Sondierungszwecken im Iran, aber damals scheinen sie noch nicht die Zusicherungen erhalten zu haben, die sie sich vorstellten. So kehrten sie unverrichteter Dinge zurück. Und das ist riskant: Wenn die Pasdar-Generäle nicht bereit sind, Konkurrenz auf dem einheimischen Markt zuzulassen, wird es keine neuen Arbeitsplätze geben, und dann sind die jetzigen Zugeständnisse fruchtlos.

Wenn die deutschen und andere ausländische Unternehmen aber dauerhaft ins Land gelockt werden können, wird das – vernünftiges Handeln vorausgesetzt – vermutlich dazu führen, dass die jetzigen Machthaber sich damit abfinden, dass mittelfristig im Iran wieder eine eigenständige Schicht von Unternehmern entsteht. Es würde dazu führen, dass der Mittelstand, der durch die Politik des letzten Jahrzehnts in den Bankrott getrieben wurde, wieder wächst, wenn die Studierenden ins Wirtschaftsleben einsteigen und dann auch an politischer Kraft gewinnen – all dies freilich zum Nachteil der islamistischen Radikalen, die das Steuerruder vorübergehend aus der Hand geben müssen.

So dumm können die doch nicht sein, mag man meinen, aber das ist ein Fehlschluss. Wenn sich die Generäle und ihre Anhänger auf diese Veränderungen einlassen, können sie zumindest „stille Teilhaber“ werden und sich einen friedlichen Ruhestand aushandeln. Wenn sie sich sperren, könnte es sie nicht nur die Rente, sondern auch den Kopf kosten.

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Syrien-Verhandlungen in Genf: Iran ist dabei

Der UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat eine Einladung an die iranische Regierung ausgesprochen, an den Syrien-Gesprächen in Genf teilzunehmen. Der iranische Außenminister Mohammad Dschawad Sarif hat die Einladung angenommen. Auch dies ist eine Entwicklung, die zeigt, dass die iranische Regierung – sowie der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i und die Revolutionswächter bereit sind, sich in internationalen Fragen flexibel zu zeigen, um im Gegenzug ihre Macht im Land zu bewahren. Ein Nachgeben in der Syrien-Frage, wo auch iranische Truppen mitkämpfen, dürfte allerdings nicht so einfach sein, weil die bewaffneten Organe im Iran befürchten, dass mit dem Fall der Regierung Baschar al-Assad ihre eigene Macht im Iran ins wanken gerät. Die Syrien-Politik ist in den Augen dieser Kreise eine Sache iranischer Innenpolitik! Und da fällt das Nachgeben schwer.

UN-Generalsekretär Ban Ki-moon

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Atomverhandlungen erfolgreich: Freudentag im Iran

Am 20. Januar 2014 ist vielen Menschen im Iran ein Stein vom Herzen gefallen. Einer der unmittelbaren Vorwände für einen drohenden Krieg ist entfallen. In Genf haben sich die Vertreter des Irans und der Gruppe 5+1 auf ein Abkommen geeinigt, mit dem auch die iranische Regierung zufrieden ist.
Ali Akbar Salehi, Leiter der iranischen Organisation für Atomenergie, gab bekannt, dass der Iran ab Montag, den 20. Januar 2014, freiwillig die Herstellung von auf 20% angereichertem Uran in Natans und Fordu suspendieren wird.
Der Brutreaktor in Arak wird nicht mit neuem Brennstoff beliefert, die Anlage in Isfahan, in der Kernbrennstäbe und -tabletten hergestellt werden, stellt ihre Tätigkeit ebenfalls ein. Diese Angaben wurden am Montag von internationalen Beobachtern kontrolliert.
Nach Angaben von Ali Akbar Salehi hat der Iran seit Beginn seines Urananreicherungsprogramms 416 kg auf 20 % angereichertes Uran („yellow cake“) hergestellt. In den kommenden sechs Monaten werden 100 kg davon auf geringere Konzentrationen (z.B. 0,9%) abgereichert. Als Gegenleistung hat die 5+1-Verhandlungsgruppe in Genf der iranischen Regierung versprochen, 4,2 Milliarden Dollar der eingefrorenen iranischen Gelder freizugeben.
Behrus Kamalwandi, der Sprecher der iranischen Organisation für Atomenergie, erklärte am Montag, den 20. Januar 2014, im iranischen Fernsehen, dass der Hauptteil der Sanktionen bezüglich des iranischen Erdölsektors und des Embargos der iranischen Erdölexporte suspendiert wird. Die Sanktionen bezüglich petrochemischer Erzeugnisse und ihres Exports werden vollständig suspendiert. Die Sanktionen bezüglich der Herstellung von Autos und Auto-Ersatzteilen und ihres Exports, sowie das Verbot des Handels mit Gold und Edelmetallen werden aufgehoben. Auch die Sanktionen, die die Flugzeugindustrie und die Reparatur und Instandhaltung von Flugzeugen betrafen, werden aufgehoben.

Die Anlagen zur Anreicherung von kernwaffenfähigem Uran im Iran werden verplombt

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Besuch beim jordanischen König Abdullah

Der iranische Aussenminister Mohammed Dschavad Sarif war heute zu Besuch beim jordanischen König Abdullah.

Zwischen den beiden gab es Gespräche über eine mögliche Vermittlerrolle von Jordanien zwischen Saudi Arabien und dem Iran. Mohammed Dschavad Sarif ist derzeit auf einer Rundreise durch die Region unterwegs. Vor Jordanien war er bereits im Libanon und im Irak gewesen. Ein Gesprächsthema war auch die Situation in Syrien. Beide Seiten waren sich einig, dass hier eine politische Lösung gefunden werden muss.

Anmerkung: Wenn der iranische Aussenminister ernst genommen werden möchte, müssen die iranischen Machthaber ihre Streitkräfte aus Syrien zurückziehen und dürfen Assad nicht weiter mit Waffen und Geld unterstützen.

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Die Wurzeln der Korruption im Iran

Am Mittwoch, den 8. Januar 2014, erschien in der im Iran erscheinenden Zeitung „Dschomhuriye Eslami“ (Islamische Republik) ein Leitartikel unter dem Titel „Rischehaye fesade eqtesadi“ (Die Wurzeln der wirtschaftlichen Korruption).
Dschomhuriye Eslami ist die Zeitung, die gewöhnlich Positionen des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i vertritt und entsprechende Quellen im Machtapparat hat. Wenn man weiß, dass Ajatollah Chamene‘i selbst zu den Schutzpatronen der Korruption gehört und auch massiv davon profitiert, ist dieser Artikel beachtlich.

Halbstaatliche Institutionen, die Immunität genießen und keiner Aufsicht unterstehen
So schreibt Dschomhuriye Eslami, „halbstaatliche Institutionen, die Immunität genießen und keiner Aufsicht unterstehen“ („nehadhaye schebhe hokumati daraye masuniyat wa gheyre qabele nesarat“) seien eine der Hauptursachen für die Korruption im Iran und dafür verantwortlich, dass jetzt eine Schicht von jungen Milliardären auftauche. Mit halbstaatlichen Institutionen, die Immunität genießen und keiner Aufsicht unterstehen, meint sie niemanden geringeren als die Pasdaran (Revolutionswächter), die Bassidschis (Paramilitärische Milizen, jetzt ein Teil der Pasdaran) und die Geheimdienste. Auch diverse Stiftungen wie die Bonyade Chomeini, die direkt dem Amt des Religiösen Führers unterstehen, gehören zum erlauchten Kreis der Straflosen. Die Zeitung nennt den Täterkreis nicht mit Namen, aber im iranischen Kontext ist klar, wer damit alles gemeint ist.
Dschomhuriye Eslami schreibt weiter: „Die Gesellschaft und die öffentliche Meinung im Iran ist einmal mehr mit einem Namen konfrontiert. Mit dem Namen eines jungen Mannes dessen Vermögen sich auf Tausende Milliarden Tuman (also Milliarden von Dollars) belaufen soll und dessen Firmen eine illustre Liste abgeben.“ Gemeint ist Babak Sandschani (Zanjani), über den wir schon an anderer Stelle berichtet hatten. Bei der Niederschlagung der Proteste von 2009 organisierte er seine Leute, die die demonstrierende Bevölkerung überfielen.

…reichen bis in die Türkei
Dieser Babak Sandschani erlangte das Vertrauen des damaligen Präsidenten Ahmadineschad, des Richters und Staatsanwalts Sa‘id Mortasawi, und des Sohns von Ajatollah Chamene‘i, Modschtaba Chamene‘i. Babak Sandschani gehörte zu den Auserwählten, die nach der Verhängung der Sanktionen gegen den Iran in Ländern wie Singapur, Dubai, Qatar, Türkei u.a. ein Privatkonto eröffneten oder eröffnen ließen, um über diese Konten die Zahlungen für heimlich exportiertes Erdöl zu erhalten. Babak Sandschani organisierte auch den Kauf von über einer Tonne Gold aus einem afrikanischen Staat. Das Gold wurde über die Türkei in den Iran gebracht und sollte eigentlich dem Staat übergeben werden, aber unterwegs ist es „verschwunden“. Die Nutznießer dieser Transaktion sind nicht nur der noch recht junge Babak Sandschani, sondern auch Ajatollah Chamene‘i und Co. Diese Informationen findet man freilich nicht in Dschomhuriye Eslami, genauso wenig wie die jüngsten Behauptungen des iranisch-aserbeidschanischen Geschäftsmanns Reza Zarrab in der Türkei, der inzwischen die türkische Staatsbürgerschaft besitzt und im Dezember 2013 in Zusammenhang mit schweren Korruptionsvorwürfen, die sich auch gegen die Familie von Ministerpräsident Erdogan richten, verhaftet worden. Reza Zarrab soll Babak Sandschani als seinen „Chef“ bezeichnet haben.
Ende 2013 wurde auch Babak Sandschani im Iran verhaftet, möglicherweise soll er als „Bauernopfer“ dienen, um der Bevölkerung vorzugaukeln, dass der Staat gegen die Korruption vorgehe. Für Ajatollah Chamene‘i ist es ein saurer Apfel, aber er wird lieber in den sauren Apfel beißen als ins Gras…

weitere Quellen:
Verwicklung in Korruptionsskandal? Iranischer Milliardär Babak Zanjani verhaftet / Deutsch Türkische Nachrichten | 01.01.14, 09:09
http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/01/496545/verwicklung-in-korruptionsskandal-iranischer-milliardaer-babak-zanjani-verhaftet/

Bestechungsaffäre in der Türkei: Der Iran schweigt beharrlich / Deutsch Türkische Nachrichten | 30.12.13, 18:30
http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2013/12/496492/bestechungsaffaere-in-der-tuerkei-der-iran-schweigt-beharrlich/

Unter den Augen der USA: Türkisch-iranischer Goldhandel geht weiter / Deutsch Türkische Nachrichten | 02.12.12, 18:17
http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/12/464060/unter-den-augen-der-usa-tuerkisch-iranischer-goldhandel-geht-weiter/

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Saudi-Arabien – Iran: Nicht alle wollen Frieden

Der persischsprachige Sender Radio Samane zitiert Walid ibn Talal ibn Abdulasis, den jüngsten Sohn des saudischen Königs, mit den Worten: „Saudiarabien, die Araber und die sunnitischen Muslime unterstützen einen militärischen Angriff Israels auf den Iran zur Vernichtung des Atomprogramms dieses Landes.“
Quelle: Meldung der persischen Webseite Gooya.com vom 02.12.2013

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Irans Atomprogramm: Übergangsabkommen für sechs Monate

Bei der dritten Verhandlungsrunde über das iranische Atomprogramm ist es am Sonntag, den 24. November 2013, in Genf anscheinend zu einer Einigung gekommen. Die fünf UN-Veto-Mächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien sowie als weiterer Beteiligter die Bundesrepublik Deutschland sollen sich am 24. November 2013 mit dem Iran auf ein weiteres Vorgehen bezüglich des iranischen Atomprogramms und der westlichen Sanktionen geeinigt haben.

Für die kommenden sechs Monate muss der Iran unter anderem folgende Bedingungen erfüllen:

  • Er muss den Bau des Schwerwasser-Atomreaktors bei Arak stoppen, mit dem atomwaffenfähiges Plutonium produziert werden könnte.
  • Er muss seine Bestände an auf 20 Prozent angereichertem Uran entweder auf unter fünf Prozent verdünnen oder in eine Form bringen, die keine weitere Anreicherung mehr ermöglicht.

Die Liste der Bedingungen ist lang. Der Link auf NBC news (unten) gibt einen Einblick davon.
Im Gegenzug werden gesperrte Gelder aus iranischen Ölverkäufen im Wert von über 4,2 Milliarden Dollar freigegeben, zum Teil allerdings zweckbestimmt.
Erst, wenn der Iran sämtliche Bedingungen in den kommenden sechs Monaten erfüllt hat, wird über den Hauptteil der Sanktionen verhandelt.

Quellen
Hier zwei deutschsprachige Texte zum Übergangsabkommen:
Der Standard, Österreich,
http://derstandard.at/1385168576631/Einigung-bei-Atomgespraechen-mit-Iran
Durchbruch im Atomstreit mit dem Iran
24. November 2013, 08:15

http://derstandard.at/1385168578498/USA-veroeffentlichen-Details-zu-Iran-Abkommen
USA veröffentlichen Details zu Iran-Abkommen
24. November 2013, 08:40

Hier eine Kurzübersicht des BBC
http://www.bbc.co.uk/news/world-middle-east-25080217
Iran nuclear deal: Key points
25 November 2013 Last updated at 10:31 GMT

Und hier der ausführlichste Text von NBC, es handelt sich um ein Fact Sheet der US-Regierung zum Atomabkommen mit dem Iran vom 24.11.2013
http://worldnews.nbcnews.com/_news/2013/11/23/21591576-read-the-white-house-fact-sheet-on-iran-nuclear-deal?lite
FACT SHEET ; THE WHITE HOUSE, Office of the Press Secretary, FOR IMMEDIATE RELEASE, November 23, 2013
(Das hier genannte Datum 23. November sollte nicht verwirren. Die USA liegt weiter westlich, da ist der Morgen 24. Novembers mitteleuropäischer Zeit noch der Abend des Vortags.)

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