Archiv der Kategorie 'Internationale Beziehungen'

Fischerei im persischen Golf bei Busher eingestellt

Laut der persischen Nachrichtenagentur ILNA ist es am Montag, den 19.6.2017, im Persischen Golf zu einem Grenzzwischenfall mit tödlichem Ausgang gekommen. Die saudi-arabische Darstellung und die persische Darstellung unterscheiden sich jedoch ein wenig.

In der offiziellen iranischen Verlautbarung heisst es, dass am Montag Nachmittag zwei iranische Fischer einen Motorschaden hatten und vom Wind des nahenden Unwetters über die Seegrenze zwischen Iran und Saudi-Arabien getrieben wurden. Sie versuchten ihren Motor zu reparieren, was ihnen erst Stunden später gegen Mitternacht gelang. Auf der Fahrt Richtung Iran seien sie dann von der saudi-arabischen Küstenwache entdeckt und eingeholt worden. Dabei wurde einer der Fischer erschossen.

Ein Fischer sagte der Nachrichtenagentur ILNA, dass es aufgrund von Unwetter und hohem Seegang zur Zeit verboten sei, zum Fischen rauszufahren. Die Fischerboote dürften sich noch nicht einmal in unmittelbarer Nähe des Hafens aufhalten.

Saudi-Arabien behauptet dagegen nur, dass das Boot die Grenze verletzt hätte und dass es beim Aufbringen des Bootes durch die Grenzpolizei zu einer Schiesserei gekommen sei, bei der es einen Toten gab.

Quelle https://www.radiofarda.com/a/f4_fishing_activity_halt_in_bushehr/28564118.html

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Gefängnis im Iran: Das Labor der Zukunft


Der politische Gefangene Bahman Ahmadi Amu’i hat jetzt einen tiefblickenden Bericht über seine Gefängniserlebnisse aus dem Jahr 2010 veröffentlicht. Der Bericht hat diesmal nicht Folter und Misshandlungen zum Thema, sondern er beleuchtet die Denkweise und Herkunft einer neuen Bewegung, die nun auch im Iran Fuß fasst und auf die Entwicklung im Nahen Osten gewaltigen Einfluss nimmt. Von ihrer Tätigkeit ist auch Europa betroffen. Bahman Ahmadi Amu’i nennt diese Menschen „iranische Al-Kaida-Mitglieder“. Das darf man nicht zu wörtlich nehmen – Taliban, Al-Kaida oder Islamischer Staat haben in ihrer Gedankenwelt vieles gemeinsam, und es ist eindrucksvoll zu sehen, wie diese nächste Generation von Unzufriedenen mit ihren Mitgefangenen umgeht und zum iranischen Staat steht. Man weiß nie – morgen stehen diese Menschen vielleicht auf den Trümmern eines zerbrochenen Staats namens Iran.

Iranische Al-Kaida
Bahman beschreibt die Situation im Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses von Teheran im Juli/August (Jahr 2010). Es ist eine größere Zahl von islamistischen Gefangenen im Gefängnis eingetroffen, und die Gefängnisleitung versucht alles erstes, ihre Verbindungen zu zerschlagen, indem sie je zwei von ihnen in den verschiedenen Zellen unterbringt, die oft 30-40 Gefangene fassen. Aber die Renovierungsarbeiten in der Anstalt führen dazu, dass die Gefangenen sich ständig treffen können und nur zum Schlafen in ihren Zellen sind, die Islamisten bleiben unter sich. Darauf schlägt der Gefängnisdirektor eine neue Taktik ein. Eine Großzelle wird freigemacht, 10 „iranische Al-Kaida-Leute“ sollen darein, außerdem 14 andere Gefangene. Die anderen Gefangenen melden sich deshalb, weil in ihren überfüllten Zellen viel zu wenig Betten sind und sie auf dem Boden schlafen müssen.

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf
Die Lage der Gefangenen, die nicht der „Al-Kaida“ angehören, ist heikel. Sie sind zwar aus politischen Gründen in Haft und wie die Al-Kaida-Leute Gegner des Regimes der Islamischen Republik Iran, aber das ist auch fast alles, was sie gemeinsam haben. Bahman beschreibt, dass die Anhänger des „Andschomane Padeschahi“ (Monarchisten, die eine Rückkehr des Schahs in den Iran wünschen) sich in Gegenwart dieser Islamisten nur noch flüsternd unterhielten, weil sie Angst vor ihnen hatten. Andere Gefangene schauten morgens immer neugierig in ihre Zelle, ob die Nicht-Islamisten noch lebten. Die 14 Nicht-Islamisten waren außer Bahman Ahmadi Amu’i (Journalist) und Abdollah Mo’meni (ein politisch aktiver Student) ein Anhänger der Monarchisten (Andschomane Padeschahi), acht Anhänger der Grünen Bewegung (Reformisten) sowie drei Kurden, ebenfalls politische Gefangene (einer aus der Türkei, einer aus Syrien, einer aus dem Iran). Bahman Ahmadi Amu’i schreibt, in ihrer Zusammensetzung in der Zelle waren sie ein Abbild des Nahen Ostens im Kleinen. Zwischen den beiden Gruppen (10 iranische Al-Kaida-Leute, 14 andere Gefangene) gab es fast keine Kontakte. Bahman bemühte sich, Kontakt mit den Al-Kaida-Leuten zu bekommen, aber sie waren in sich geschlossen. Das Zusammenleben ist problematisch. Einer der 14 zieht es vor, wegen der Hitze im Gefängnis (Sommer in Teheran!) sein Oberhemd auszuziehen, so dass man seinen behaarten Oberkörper sehen kann. Die Al-Kaida-Leute warnen ihn jeden Tag, er solle das bleiben lassen, sonst würden sie zu Maßnahmen greifen.

Lügenfernsehen
Ein gemeinsamer Punkt ist ihr Zweifel am staatlichen iranischen Fernsehen. Als die 14-Uhr-Nachrichten berichten, dass zwei Personen bei Selbstmordanschlägen in Kabul drei Angehörige der Nato-Streitkräfte umgebracht haben“, protestieren die Al-Kaida-Leute, das iranische Fernsehen berichte zu Gunsten Amerikas. Wie könne es sein, dass bei zwei Selbstmordanschlägen nur drei Menschen ums Leben kämen? Einer der Islamisten ruft erfreut: „Die haben zwei Nullen weggelassen, es sind bestimmt 200 ums Leben gekommen.“ (Der Rechenfehler mag im Kopf dieses Islamisten erfolgt sein, ansonsten ist das ein Tippfehler im Persischen). Wann immer im Fernsehen die Nachricht von einem Terroranschlag kommt, umarmen sich die Al-Kaida-Leute und küssen sich vor Freude. Den anderen Mitgefangenen in der Zelle ist das unheimlich. Wie sollen sie damit umgehen?

Das Fest des Propheten
Der Tag, an dem Mohammad zum Propheten bestimmt wurde, wird als °Eyde Mab°ath bezeichnet, also Fest der „Sendung“. Die Al-Kaida-Leute in der Zelle verstehen darunter aber „Geburtstag“ des Propheten und lehnen es ab, sich an den Vorbereitungen zu diesem Fest zu beteiligen. Sie sagen, wenn das ein Tag zum Feiern wäre, warum hat der Prophet seinen Geburtstag selbst nicht gefeiert? Das Interessante an diesem Detail: Diese Islamisten wissen wohl nicht, was mab°ath eigentlich heißt, so schlecht sind ihre Arabisch-Kenntnisse und ihre religiöse Bildung.

Ich habe doch nur 8 ungläubige Amerikaner umgebracht
Abdollah, der Zellensprecher der Al-Kaida-Leute, berichtete einmal über die Umstände seiner Verhaftung. Er sagt: „Das ist wirklich Unrecht. Ich habe nur 8 ungläubige Amerikaner umgebracht. Aber der iranische Staat hält mich nun schon 11 Monate im Gefängnis fest. Das ist offenkundiges Unrecht. Auf der einen Seite sagt die iranische Regierung, dass Amerika der Feind ist, aber auf der anderen Seite verhaften sie diejenigen, die die Amerikaner in Afghanistan umbringen.“ Er wurde in Bukan (iranisches Kurdistan) verhaftet.

Teppichwaschen – der gemeinsame Nenner

In wenigen Dingen finden die beiden Fraktionen – die Mehrheit der Nicht-Islamisten und die 10 Al-Kaida-Leute – einen gemeinsamen Boden. So, als sie zwei alte Teppiche für die Zelle bekommen und sie gemeinsam waschen. In der Zelle werden verschiedene Aufgaben – Putzen, Kochen, Verteilung von rationiertem Essen – aufgeteilt. Die Gefangenen der Zelle einigen sich auch auf eine gemeinsame Begrüßung am Morgen: Dorud bar sharafetan – Ihre Ehre sei gesegnet.

Soziologie des neuen Islamismus
Die zehn islamistischen Gefangenen haben nur eine minimale Bildung. Keiner ist über 24 Jahre alt. Theorien und Analysen übersteigen ihren Horizont, und das, was sie aus dem Koran verstehen, kommt den anderen, die ja in einer islamischen Republik leben, zum Teil sehr komisch vor. Einer der 10 hat früher Haushaltsgeräte und Möbel repariert, ein anderer hatte einen kleinen Laden, zwei oder drei hatten einen Schulabschluss der neunten oder zehnten Klasse. Das einzige, wodurch sich die zehn voneinander unterschieden, war die Zahl der Einheiten (Joz’) des Korans, die sie auswendig wussten. Der Koran besteht aus insgesamt 30 Einheiten. Es waren keine Leute, die Romane, Erzählungen oder Gedichte lasen, auch soziologische Werke waren nicht ihr Thema. Sie lasen nur den Koran und lernten ihn auswendig. Das einzige, was sie an den im Gefängnis erhältlichen Zeitungen interessierte, war das Fernsehprogramm. Das Fernsehen schauten sie schon an.

Der Keim einer neuen Zensur

Was die 10 Al-Kaida-Leute auch machten, war, die Zeitungen in der Zelle darauf zu studieren, ob sie Worte enthielten, die nach ihrer Ansicht einer der Beinamen Gottes darstellten (und davon gibt es vielleicht über Hundert, nicht wenige davon sind auch übliche Vornamen, z.B. Aziz u.a.). Im Gefängnis dient die Zeitung u.a. dazu, das Klo zu reinigen. Nach Ansicht der Al-Kaida-Leute ist das Sünde, wenn die Zeitung einen der Beinamen Gottes enthält. Die Zeitungen, die im Gefängnis vorhanden sind, etwas Sobhan und Hemayat, sind dummerweise voll von solchen Wörtern, so dass die Islamisten an manchen Tagen die Zeitungen verbrannten, damit sie nicht „missbraucht“ werden konnten. Das war einer der alltäglichen Konflikte in der Zelle.

Sport und Spiel
Gemeinsames Volleyballspiel war eine der wenigen Tätigkeiten, die auch für die Islamisten akzeptabel war. Einer spielte sogar Schach. Ansonsten hockten sie in Gruppen zusammen, um den Koran auswendig zu lernen.

Nachrichten
Für die Islamisten waren nur Nachrichten über Bombenattentate der Al-Kaida im Irak und in Afghanistan interessant, außerdem Berichte, die mit ihrer Organisation zusammenhingen. Der Rest ließ sie kalt.

Zuwachs
Die Gefängnisleitung hielt sich nicht an die Abmachungen, und so füllte sich auch die neue Zelle. Bald waren es 17 Al-Kaida-Leute und 20 andere Gefangene in der Zelle. Täglich fand achtmal das Gemeinschaftsgebet in der Zelle statt – fünfmal von den Al-Kaida-Leuten und dreimal von den anderen Gefangenen – namentlich den Reformisten. In der Zelle war immer mehr Unruhe, denn auch die Islamisten der Nachbarzellen kamen zum Gebet. Inzwischen sind unter den Gefangenen auch ein Palästinenser, der an einer Uni in Kiew (Ukraine) studiert hat, und zwei Ägypter, die von der Türkei in den Iran eingereist waren, von dort weiter nach Pakistan, und dann auf dem Rückweg im Iran verhaftet worden waren. Sie warteten auf ihre Auslieferung an Ägypten. Ein oder zwei waren aus Aserbaidschan. Sie wollten weiter in den Irak und waren im Iran verhaftet worden. Die Gefängnisleitung beschloss darauf, die Al-Kaida-Leute in das Gefängnis von Radscha’i-Schahr (in Karadsch) zu verlegen.

Essen in der Zelle
Der Vorschlag von Bahman, gemeinsam um das Tischtuch am Boden zu sitzen und gemeinsam zu kochen und zu essen, stieß bei den Islamisten auf Ablehnung. Sie sagten, sie wüssten ja nicht, wie das Vieh geschlachtet worden sei – sprich, sie wollten nicht glauben, dass das Fleisch in der Islamischen Republik Iran nach islamischen Regeln geschlachtet worden sei. Das war ein Weg, mit der diese Islamisten ihren Zweifel an der Islamischen Republik ausdrückten. Dagegen hatten auch die anderen Gefangenen keine Argumente. Bevor sich diese jungen Männer der Al-Kaida angeschlossen hatten, unterschieden sie sich nicht in ihren Essensgewohnheiten. Diese Vorwände waren ein Mittel, um sich von den anderen abzuheben und sich selbst als Gruppe zu definieren. Dagegen ist mit Logik nicht anzukommen. Bart, weite Hosen bis zum Knöchel oder die Essensgewohnheiten waren sozusagen ihr Markenzeichen.

Konflikte

Einige der Gefangenen in der Zelle waren Kurden, die in Kurdistan mit Waffen gegen die Al-Kaida-Leute gekämpft hatten und dann vom Regime verhaftet wurden. Einer dieser Kurden hatte in Freiheit die Propagandisten der Kaida im Iran ausfindig gemacht, um auf sie Anschläge zu verüben. Seine Freunde im Irak waren ebenfalls damit beschäftigt, diese Islamisten zu bekämpfen. Zwischen den beiden Gruppen kommt es deshalb in der Gefängniszelle immer wieder zu Prügeleien. Einer beschuldigt den anderen, für die Zerstörung Kurdistans verantwortlich zu sein.

Labor des Nahen Ostens
So wird die Zelle zu einem Abbild des Zusammenlebens der gegnerischen Gruppen in der Region: Al-Kaida-Anhänger, reformistische Moslems, Anhänger eines säkularen Staats, Kurden, die bei der PKK oder bei Pezhak mitmachen, Anhänger der Volksmudschahedin und Atheisten.

Aktiv in den Grenzgebieten
Ständig kommen neue Gefangene aus den Gefängnissen der Grenzregionen. Aus Urumije und Sanandadsch, zum Beispiel. Teheran ist für sie Zwischenstation, dann geht es weiter nach Radscha’i-Schahr. Es handelt sich meist um junge Männer vom Land, die kaum Schulbildung haben, keine Analysefähigkeiten und keine organisatorischen Talente. Die Al-Kaida wirbt diese arbeitslosen, enttäuschten und unzufriedenen jungen Männer bevorzugt in den Grenzgebieten an. Sie schickt einen Teil von ihnen scheinbar zu religiösen Studien nach Pakistan. Die Schulung dort führt dann zur Radikalisierung, manche lernen auch das Kriegshandwerk in Afghanistan und im Irak. Das sind die Anfänge einer neuen Form des Islamismus mit dem Ziel des Aufbaus eines Islamischen Staats.

Studierte sind eine Seltenheit
Bahman hat in zwei Jahren etwa 50 Gefangene kennengelernt, die der iranischen Al-Kaida angehörten und für die seine Zelle Durchgangsstation war. Nur zwei davon hatten die Uni besucht. Mit diesen kam er wenigstens ins Gespräch. Die anderen stammten aus unteren Gesellschaftsschichten und waren ziemlich arm, einfache Arbeiter, Bäcker, fliegende Händler, Zwischenhändler auf dem Basar, Schneider, Schweißer. Nur wenige hatten die Schule bis zum Abitur besucht. Ihr Hauptunterschied in der Bildung lag in der Zahl der auswendig gelernten Koran-Suren.

Islamismus und militärisches Kalkül
Nach dem Angriff der USA auf den Irak war der Iran das Verbindungsglied zwischen den al-Kaida-Anhängern in Pakistan und Afghanistan auf der einen und denen im Irak auf der anderen Seite. Das irakische und das iranische Kurdistan nahmen eine Schlüsselstellung für die Verbindungswege ein. Deshalb wurde in Kurdistan intensiv für Al-Kaida geworben. Die Werber traten zum Beispiel als Lehrer an Koranschulen oder an Theologischen Schulen auf. Natürlich blieb das den iranischen Geheimdiensten nicht verborgen. Aber sie dachten, dass es besser sei, wenn die unzufriedene kurdische Jugend sich den Al-Kaida-Islamisten anschließt als der PKK, der Pezhak oder der Komele oder der Demokratischen Partei Kurdistans/Iran. Die iranischen Organe dachten sich, wenn die Amerikaner die Westgrenzen des Irans überschreiten sollten, dann hätten sie jedenfalls willige Verbündete unter diesen Al-Kaida-Leuten. Da mochten sie sich täuschen, denn einer der beiden Männer, die studiert hatten, erklärten gegenüber Bahman: „Wir hatten schon am Anfang die Politik der Islamischen Republik bemerkt und nutzten die propagandistischen Möglichkeiten, die sich uns boten, optimal. Aber wenn der Westen den Iran angegriffen hätte, wären wir nicht zugunsten des Irans in Aktion getreten.“ Faktum ist, dass die feindliche Haltung der staatlichen iranischen Organe gegenüber Minderheiten wie Kurden, Balutschen und Arabern und die Verfolgung der Sunniten zu Zulauf unter solchen Gruppen führt. So kann es passieren, dass die iranischen Machthaber heute den gleichen Fehler wiederholen, den der Westen in den 1970-er Jahren begangen hat. Damals hat man Leuten wie Ajatollah Chomeini Unterstützung gewährt – so konnte er von Frankreich aus einen Propaganda-Sender betreiben, in der Hoffnung, dass die iranischen Islamisten bei der Machtübernahme ein wirksames Bollwerk gegen die Sowjetunion sein werden. Dass sich das Blatt gegen sie selbst wendet, wie die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran zeigt, hatten sich diese Strategen nicht gedacht. Und genau diesen Fehler begehen jetzt die Ajatollahs auch.
Wie sagt man: Der Kluge lernt aus den Fehlern der andern.

http://news.gooya.com/2017/06/post-4573.php
vom 14. Juni 2017
10 mahe zendegi ba al-qa°ede’ihaye irani

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Iran unterstützt Kindersoldaten im Irak


Wunschtraum vieler Kinder?

Die paramilitärische Gruppe al-Hashad ash-sha°bi, eine im Irak aktive Miliz, wird von der Islamischen Republik Iran unterstützt. Nachdem Mossul 2014 in die Hände des IS gefallen war, hatte Ajatollah Sistani, für die irakischen Schiiten eine große Autorität, eine Fatwa erlassen, die zur Bildung dieser Miliz führte. Diese Miliz funktioniert ähnlich wie die iranischen Revolutionswächter.


Schule?

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, die den Reformern nahesteht, hat eine Reihe von Fotos veröffentlicht, die zeigt, wie Kinder von dieser Miliz an Waffen trainiert werden und in den Krieg hineingezogen werden.


ein Anblick, der älteren Iranern noch aus der Zeit der Revolution bekannt ist, jetzt Wirklichkeit im Irak


Leider kein Kinderspielzeug


Heute die Waffe in der Hand, morgen die Krücke

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130820
vom 21. Chordad 1396 (11. Juni 2017)
°aks / estefade az kudakan dar niruhaye shebhe nezamiye shi°eye °eraq wa moured hemayate jomhuriye eslami

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Iran – Türkei: Ermordung des iranischen Fernseh-Unternehmers Karimian (Teil 2)

Am 9. Mai 2017 veröffentlichte die türkische Zeitung Cumhuriyet einige Details der Ermittlungen zum Mord an Sa‘id Karimian (Saeed Karimian) und seines kuwaitischen Geschäftspartners Muhammet Mer Almutairi (anderswo als Muhammed el-Muhtari angegeben), die am 29. April 2017 in Istanbul ermordet wurden. Sa‘id Karimian war der Begründer des im Iran aktiven Fernseh-Unternehmens GEM TV.

Überwachungskameras
Die Polizei hat zur Identifizierung der Täter mehrere Tausend Stunden Filme von an den Grenzübergängen und an den Flughäfen installierten Überwachungskameras aus der Zeit vor und nach dem Mordanschlag ausgewertet. Es wurde bekannt, dass Sicherheitskameras den Moment des Mordanschlags direkt erfasst haben. Demnach fuhren die Mörder in einem Jeep vor dem Fahrzeug ihrer Opfer her und beobachteten diese im Rückspiegel. Als das Fahrzeug der Opfer sie überholte und in eine Kurve fuhr, beschleunigten die Täter plötzlich und schnitten dem Fahrzeug der Opfer den Weg ab. Einer der beiden mit schwarzem Kopftuch und Überwurfmantel (das verwendete türkische Wort çarşaf bezeichnet den persischen Tschador) verkleideten Angreifer eröffnete aus dem Fahrzeug heraus das Feuer, der zweite, der Fahrer des Jeeps, stieg aus und gab dann seine Schüsse ab.


Eine Glock-Pistole, benannt nach ihrem österreichischen Erfinder Gaston Glock

Tatwaffe
Eine Tatwaffe wurde im wenig später ausgebrannt gefundenen Jeep gefunden. Es war eine 9mm-Glock-Pistole. Durch den Brand wurden die Plastikteile der Pistole zerstört, so dass keine Fingerabdrücke verblieben. Eine Untersuchung des Pistolenlaufs ergab aber laut eines vorläufigen Berichts, dass es sich um eine der Tatwaffen handelte.

Der Jeep der Täter
Ein vielsagendes Detail betriff das Fahrzeug der Täter. Es handelt sich um einen teuren Jeep, der im Jahr 2015 gestohlen wurde. Es wurde festgestellt, dass das Fahrzeug mit diesem Kennzeichen seit dem Diebstahl nirgends von einer Sicherheitskamera oder einem Nummernschild-Erkennungssystem erfasst wurde. Auch am Tag des Mords wurde es nur von den Kameras am Tatort erfasst, weder davor noch danach tauchte es in irgendeiner Kamera auf. Das gestohlene Fahrzeug wurde möglicherweise seit dem Diebstahl in einer geschlossenen Garage oder an einem Ort geparkt, wo es von keiner Kamera erfasst wurde (AdÜ: und auch von keinem Dieb, sonst wäre es weg!). Ob die Möglichkeit eines zeitweiligen Wechsels des Nummernschilds erwogen wurde, geht aus der Zeitungsmeldung nicht hervor.


Der religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i

Klarer Fingerzeig auf die Drahtzieher
Dass das Fahrzeug mindestens anderthalb Jahre vor dem Mord gestohlen und möglicherweise so lange versteckt wurde, macht deutlich, dass die Täter langfristig planten und dass Fährten, die auf Geschäftsstreitigkeiten im Jahre 2016 zurückgehen, ins Abseits führen. Berücksichtigt man die Tatsache, dass die iranische Regierung schon im Jahr 2012 Personen festgenommmen hat, die bei der Erstellung der persischen Version türkischer Fernsehsendungen durch GEM TV mitgewirkt hatten, wird deutlich, dass die iranischen Machthaber das Unternehmen schon über längere Zeit im Visier haben. Insofern war das politisch motivierte Urteil gegen Karimian in Teheran zu 6 Jahren Gefängnis, das in seiner Abwesenheit erging, nur der vorläufige Höhepunkt vor dem Mordanschlag.

Feind hört mit
Am 1. Mai war in der türkischen Presse zu lesen, dass das iranische Außenministerium um Informationen über den Mord gebeten hat. Da die Außenpolitik nach der iranischen Verfassung in die Kompetenz des Religiösen Führers gehört, kann dies als Versuch betrachtet werden, den Stand der Ermittlungen zu erfahren, um die Täter besser zu schützen und die Spuren zu verwischen.


Hut ab vor den türkischen Ermittlern

Angesichts der massiven geschäftlichen Interessen in der Türkei, die einer Aufklärung des Mords entgegenstehen, ist das, was die türkischen Ermittler bislang geleistet haben, eine beachtliche Leistung. Wir erinnern daran, dass die österreichische Polizei die Mörder des Kurdenführers Ghassemlou in Wien seinerzeit unbehelligt per Flugzeug ausreisen ließ.

Quellen:

http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/737182/iranli_medya_patrounun_infazinda_yeni_gelisme.html#
Yayınlanma tarihi: 09 Mayıs 2017 Salı, 15:52
İranlı medya patrounun infazında yeni gelişme

Yayınlanma tarihi: 01 Mayıs 2017 Pazartesi, 19:13
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/dunya/731780/Sariyer_de_oldurulen_iranli_is_adami_icin_iran_Disisleri_nden_sorusturma_talebi.html#
Sarıyer‘de öldürülen İranlı iş adamı için İran Dışişleri‘nden soruşturma talebi

https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XX/AB/AB_02364/fnameorig_134214.html

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Iran: der nächste Mord im Ausland (Teil 1)


Sa‘id Karimiyan (Saeed Karimian)

Der 45-jährige Sa’id Karimiyan (auch Saeed Karimian geschrieben) war ein iranischstämmiger Medienunternehmer mit britischer Staatsbürgerschaft, der in London GEM TV gründete, eine Fernsehgesellschaft, die später nach Dubai umsiedelte. Die Kanäle von GEM TV verbreiteten Sendungen auf Persisch, Kurdisch, Aseri und Arabisch und hatten im Iran eine breite Hörerschaft. Saeed Karimian betrieb mit GEM TV keine politische Propaganda gegen das Regime, aber schon die Tatsache, dass seine Sendungen nicht den Zensurregelungen der iranischen Fundamentalisten entsprachen, machten ihn zu einer Symbolfigur der „Verwestlichung“ islamischer Werte. Die direkt dem Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i unterstehende staatliche iranische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Sima va Seda betrieb eine intensive Hetzkampagne gegen ihn. Am 29. April 2017 wurde er in Istanbul erschossen.

Hetzkampagne gegen Opposition im Ausland
Laut einem Bericht der persischen Nachrichtenwebseite news.gooya vom 30. April 2017, der einer Nachrichtenseite namens „Negam“ entstammt, haben die iranischen Staatsmedien über Saeed Karimian sowie zwei weitere Personen, von denen einer in Frankreich, einer in der Türkei lebt, Videos veröffentlicht, mit denen sie in den Schmutz gezogen werden. Die Schmutzkampagne führte aber nicht zum erwünschten Erfolg, worauf jemand versuchte, in die Wohnung des Aktivisten in Frankreich einzudringen. Es wurde dann versucht, ein Treffen in der Türkei zu arrangieren, um ihn dort in eine Falle zu locken, aber das scheiterte an der Vorsicht des Betreffenden. (Die Zeitung gibt keine weiteren Details und keine Namen, so dass eine Überprüfung der Angabe nicht möglich ist). Die Tatsache, dass das Fahrzeug der Attentäter in Brand gesetzt wurde, wertet dieser Bericht als Beweis für die Urheberschaft der iranischen Machthaber, die alles unternehmen, Beweismittel zu vernichten. 1)

Der Mord
Die persische Webseite Iran-emrooz bezieht sich am 29.04.2017 auf einen Bericht der türkischen Zeitung Hürriyet, wonach am selben Abend im Istanbuler Stadtteil Sariyer Saeed Karimian zusammen mit seinem kuwaitischen Geschäftspartner erschossen wurde. Die beiden verkleideten Täter entkamen mit ihrem Fahrzeug, das später ausgebrannt aufgefunden wurde. 2)
Milliyet schreibt am 30.04., dass die beiden Attentäter ihren Kopf mit einem Tuch verdeckt hatten und ihr Fahrzeug dem folgenden Auto der Opfer den Weg abschnitt. Die Täter eröffneten darauf das Feuer. Saeed Karimian sei an Ort und Stelle gestorben, sein Geschäftskollege M.M. sei im Krankenhaus verstorben. Saeed Karimians GEM TV habe im Iran 40 Satellitenkanäle besessen. 3)
Die türkische Oppositionszeitung BirGün schreibt am selben Tag über die Täter, dass diese ein Kopftuch trugen. Sie weist darauf hin, dass die Detektive der Ermittlungsabteilung der Polizei die Sicherheitskameras aus der Umgebung des Verbrechens auswerten. 4)
(Anmerkung: Der iranischen Regierung dürfte die Existenz solcher Kameras bekannt sein)
Die Ermittlungsabteilungen sind der Generalverwaltung der Staatssicherheit (Emniyet) untergeordnet und diese ein Teil des türkischen Innenministeriums. 7)

Mögliche Täter
Die türkische Oppositionszeitung Diken schreibt am 1. Mai unter der Überschrift „Familienangehöriger des in Istanbul ermordeten Eigentümers von GEM TV: Er wurde vom iranischen Regime bedroht“. Die Zeitung gibt den Namen des kuwaitischen Opfers des Mordanschlags mit Muhammed el Muhtari wieder. Sie verweist auf zwei Versionen über die möglichen Täter. So berichte Firat Alkac in einem Artikel von Hürriyet (s.u.), dass Karimian wegen der Produktion von Fernsehserien hohe Schulden angehäuft habe. Ein Angehöriger von Saeed Karimian habe im Interview mit BBC erklärt, dass dieser in den letzten drei Monaten vom iranischen Regime bedroht worden sei und geplant habe, Istanbul zu verlassen und nach London zurückzukehren.
Laut Reuters habe ein Gericht in Teheran gegen Karimian ein Gefängnisurteil von 6 Jahren in Abwesenheit verhängt. Die Anklage: „Propaganda gegen das System“ und „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit“. 5)
Die türkische Hürriyet weist in der Einleitung darauf hin, dass die Familie des Ermordeten erklärt habe, dass das Regime hinter ihm her war. Auch hier ist die Quelle ein BBC-Bericht. Laut BBC ist nach türkischen Regierungsquellen auch möglich, dass der Mord mit seinen Geschäften oder mit mafiösen Banden zu tun habe.
(Anmerkung: mafiöse Banden ist selbst ein irreführender Begriff, der nichts über politische Hintergründe aussagt, zumal die iranischen Revolutionswächter selbst mafiöse Methoden verwenden und auch Regime sich die Dienste solcher Organisationen zunutze machen können).
Hürriyet schreibt, dass GEM TV für seine Fernsehserien hohe Schulden angehäuft habe. Die Zeitung gibt aber auch eine Meldung von Reuters wieder, wonach Karimian im vergangenen Jahr wegen „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit“ und wegen „Propaganda gegen das System“ zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden sei. Gem besitze die Vertriebsrechte für eine Reihe beliebter türkischer Fernsehserien wie ‚Muhteşem Yüzyıl’, ‘Lale Devri’, ‘Karadayı’, ‘Fatmagül’ün Suçu Ne’ ve ‘Yaprak Dökümü’ im Nahen Osten, und betreibe 17 persisch-sprachige Kanäle. Wegen der persischen Wiedergabe (Doublage) der türkischen Serie ‚Muhteşem Yüzyıl’ sollen im Jahr 2012 sogar die persischen Sprecher von der iranischen Regierung festgenommen worden sein.
Die Auswertung der Kameras in der Umgebung des Mords habe ergeben, dass die Täter den Tatort vorher ausgekundschaftet hätten, namentlich, zu welchem Zeitpunkt die Opfer den Arbeitsplatz verließen und welchen Ausgang sie dabei verwendeten.6)
Die Zeitung Cumhuriyet berichtet am 29.04. abends nicht nur vom Mord, sondern veröffentlicht auch die Kennzeichen des Autos der Täter: Ein Jeep mit der Nummer 34 HD 9999. 8 )


Das ausgebrannte Auto der Täter

Fortsetzung der Schmutzkampagne?
In der Ausgabe vom 1. Mai nimmt die Berichterstattung der laizistischen Zeitung Cumhuriyet mit der Überschrift „Das sind die Tatverdächtigen des Mords von Sariyer: die iranischen Volksmudschahedin“ eine Wende. Laut eines Artikels von Mehmet Ali Demir in der Zeitung Vatan (Vaterland), auf den sich Cumhuriyet bezieht, konzentriert sich die türkische Polizei derzeit auf die iranischen Volksmudschahedin als mögliche Täter. Die Familie beschuldige dagegen das iranische Regime. Die türkische Polizei habe erfahren, dass der Vater von Saeed Karimian ein Regierungsgegner gewesen sei und vor 30 Jahren bei einer Operation des iranischen Regimes umgebracht worden sei. Darauf hätten sich die Volksmudschahedin um Saeed gekümmert, zu denen auch schon sein Vater Kontakt hatte. Die Volksmudschahedin hätten dafür gesorgt, dass Saeed Karimi zum Studium ins Ausland reisen konnte. Karimian habe zwei Jahre in der Schweiz studiert, dann sei er zu seinem Bruder Hamid Karimian in die USA gereist. Dort habe er ein Radio gegen die islamische Regierung gegründet. Anschließend habe er die GEM TV Fernsehgruppe in London gegründet. Die Kanäle seien im Iran zu empfangen gewesen. Im Rahmen dieser Tätigkeit hätten die iranischen Volksmudschahedin von Saeed Karimian finanzielle Unterstützung erhalten. Dann habe der Iran (sprich die Regierung) eine weibliche Agentin in der Firma platziert, die bis in die Führungsgremien aufgestiegen sei.
(AdÜ: Solche Methoden praktizieren die iranischen Machthaber auch gegen Privatunternehmer im Iran).
Nachdem diese Frau sich von der Firma getrennt habe, habe sie die gewonnenen Informationen der iranischen Regierung zur Verfügung gestellt. Das habe dazu geführt, dass viele Kanäle von GEM TV kurz vor der Schließung standen. Die iranischen Volksmudschahedin hätten Saeed Karimian für diesen Millionenverlust verantwortlich gemacht und ihn deshalb ermordet. 9)
Die fundamentalistisch-islamistische Zeitung yeniakit, ein Hetzblatt gegen Armenier, Juden, Demokraten etc. veröffentlichte nur eine halbe Stunde später unter derselben Überschrift einen Artikel gleichen Inhalts von derselben Quelle, diesmal ausgeschmückt mit 3 Fotos von den Volksmudschahedin, die den militärischen Charakter der Organisation hervorheben. Wobei das erste Foto schlicht ein verdunkelter Ausschnitt des zweiten Fotos darstellt. Der Text ist dann identisch mit dem in Cumhuriyet, wird dann aber mit einem Absatz über die Volksmudschahedin ergänzt und einem weiteren Nachtrag unter dem Titel: Millionengeschäfte auf halber Strecke. Demnach habe GEM TV 2016 zur Herstellung von Serienfilmen in der Türkei in Istanbul und Antalya Aufnahmen gedreht. Die Projekte wurden dann abgebrochen, Verträge in der Höhe von Millionen türkischer Lira gekündigt. GEM TV habe entsprechende Rechnungen nicht bezahlt. Die türkische Polizei hält es deshalb auch möglich, dass Saeed Karimian wegen dieser offenen Rechnungen umgebracht worden sein könnte. 10)

Hürden für die Aufklärung
Eine Aufklärung des Verbrechens „vom Schreibtisch“ ist nicht möglich. Wir erinnern aber daran, dass die türkische Regierung kurz nach dem Referendum vom 16. April 2017 eine neue Verhaftungswelle gegen Beamte des Sicherheitsapparats vorgenommen hat. So sollen in der vergangenen Woche 2331 Polizisten als angebliche Anhänger von Fethullah Gülen in Haft genommen worden sein. 11) Laut BirGün sollen die Verhaftungen in allen 81 Provinzen der Türkei ausgeführt worden seien, namentlich seien Angehörige der Staatssicherheit (Emniyet) betroffen gewesen. 12) Da die Ermittlungsabteilung ein Teil dieses Apparats ist, ist klar, dass sich kein Beamter politischen Wünschen der Vorgesetzten widersetzen wird, um seinen Job nicht zu verlieren. Die gleichlautenden Artikel in so verschiedenen Zeitungen wie Yeniakit und Cumhuriyet, die letztlich auf eine Quelle zurückgehen, die sich wiederum auf die Polizei beruft, lassen den Verdacht auf ein Abkommen zwischen dem türkischen Präsidenten und der iranischen Regierung aufkommen. Dank der iranischen Erdölverkäufe via Türkei noch zu Zeiten des Embargos, aber auch türkischer Exporte in den Iran (z.B. Waffen) könnte da „höheres Staatsinteresse“ den beiden Seiten geraten haben, einen Schuldigen zu suchen, auf den sich beide einigen können. Das wären dann die Volksmudschahedin. Die jetzt verbreitete Version der Spitzelin des iranischen Regimes, die in die Firma eingedrungen ist, klingt dabei durchaus glaubwürdig, vielleicht hat man den Rest dann noch zur Ablenkung ergänzt. Die Wirklichkeit werden wir so bald nicht erfahren. Denn die Täter der früheren Auslandsmorde sind im Iran noch immer an der Macht.

Quellen
1)
http://news.gooya.com/2017/04/post-3228.php
vom 30. April 2017
had_fe fizikiye fa°°alane xarej-e keshvar ba terore modire jem ti vi kelid xord
2)
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/69047/
vom 29.04.2017, 22:42
sa°id karimiyan, modire °amele jem ti vi teror shod
3)
http://www.milliyet.com.tr/iranli-medya-patronu-istanbul-gundem-2441732/
vom 30.04.2017 08:35, letzte Aktualisierung 10:49
Son dakika: İstanbul‘da öldürülen İranlı iş adamının kimliği belli oldu!
4)
http://www.birgun.net/haber-detay/iranli-medya-patronu-ve-ortagi-istanbul-da-olduruldu-157525.html
vom 30.04.2017 11:30
İranlı medya patronu ve ortağı İstanbul‘da öldürüldü
5)
http://www.diken.com.tr/istanbulda-oldurulen-gem-tvnin-sahibinin-aile-yakini-iran-rejimi-tehdit-ediyordu/
vom 01/05/2017 09:16
İstanbul’da öldürülen GEM TV’nin sahibinin aile yakını: İran rejimi tehdit ediyordu
6)
http://www.hurriyet.com.tr/iranli-tv-patronuna-infazda-sir-perdesi-40443249
vom 30.04.2017 21:40, aktualisiert am 01.05.2017 10:58
Iranli TV patronuna infazda sır perdesi, von Fırat ALKAÇ/İSTANBUL
7)
http://www.asayis.pol.tr/Sayfalar/default.aspx
8)
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/730760/CiP_le_yol_kestiler…_istanbul_Sariyer_de_El_Alem_Tv_temsicisine_27_kursun__2_olu.html
vom 29.04.2017, 22:54
9)
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/731309/iste_Sariyer_deki_infazin_suphelisi__iran_Halkin_Mucahitleri.html
vom 01.05.2017, 09:44
İşte Sarıyer’deki infazın şüphelisi: İran Halkın Mücahitleri
10)
http://www.yeniakit.com.tr/haber/iste-sariyerdeki-infazin-suphelisi-iran-halkin-mucahitleri-317004.html
vom 01.05.2017, 10:17
İşte Sarıyer’deki infazın şüphelisi: İran Halkın Mücahitleri
11)
http://www.yenicaggazetesi.com.tr/feto-operasyonu-2331-kisi-gozaltina-alindi-162616h.htm
01.05.2017 13:17
12)
http://www.birgun.net/haber-detay/81-ilde-buyuk-feto-operasyonu-156989.html
vom 26.04.2017 09:12

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Sistan und Balutschistan (Iran): Tote an der Grenze

Laut eines Berichts des Öffentlichkeitsreferats der Generalstaatsanwaltschaft des Irans hat Hodschatoleslam Mouhedi-Rad, der allgemeine und Revolutionsstaatsanwalt von Sahedan (Zahedan) bestätigt, dass bei einem Angriff der „Armee der Gerechtigkeit“ (Jaysh ol-Adl) in der Region Mirdschawe (Mirjave) 10 Grenzsoldaten ums Leben gekommen seien. Der Angriff sei am 26. April um 20 Uhr im Grenzgebiet von Mirdschawe erfolgt. Mirdschawe liegt 75 km südöstlich der Provinzhauptstadt Sahedan. Das Grenzgebiet dort ist bewaldet. Mouhedi-Rad fügte hinzu, 11 Grenzsoldaten seien beim Schichtwechsel überfallen worden. Drei von ihnen seien fest angestellte Grenzwächter gewesen, acht seien Wehrpflichtige gewesen.
Bei dem Angriff seien acht Soldaten an Ort und Stelle gestorben, zwei seien im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen, ein Verletzter befinde sich in kritischer Verfassung im Krankenhaus. Ali Mouhedi-Rad erklärte, die Angreifer seien danach in der Deckung des Waldes nach Pakistan geflohen.
Die Gruppe Jaysh ol-Adl schreibt in einer Erklärung, der Angriff habe um 19 Uhr stattgefunden, es seien 12 Angehörige der Regierungskräfte ums Leben gekommen und weitere Personen verletzt worden. Die Wafen und Ausrüstung der Regierungskräfte seien erbeutet worden. Die Gruppe bezeichnete die Angreifer als Märtyrer-Ne‘matollah-Bataillon und die erschossenen Soldaten als Angehörige des Regiments von Tschahendu. Die Gruppe rechtfertigte ihren Angriff damit, dass die Regierung ihre „religiöse und ethnische Identität“ und ihre Rechte verletze, sie zu vernichten suche und Tausende von Menschen grundlos ins Gefängnis werfe. Jaysh ol-Adl behauptet von sich, für die Rechte der Balutschen zu kämpfen. Die Gruppe hatte Anfang 2014 acht iranische Grenzsoldaten als Geiseln genommen und fünf von ihnen umgebracht. Die iranischen Organe haben schon öfters bekannt gegeben, sie habe die Gruppe zerschlagen, aber die Kämpfe gehen weiter.

Quelle:

http://news.gooya.com/2017/04/post-3146.php
Thursday, Apr 27, 2017
joz‘iyate koshte shodane 10 nafar az mamurane marzbani dar sistan wa baluchestan

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Iran: Geiselnahme als Staatsgeschäft


Nazanin Zarghari-Ratcliffe und ihre Tochter

Shirin Ebadi, eine iranische Menschenrechtsaktivistin, die für ihre Arbeit den Friedensnobelpreis erhalten hat, wertet die jüngste Bestätigung des Urteils gegen die Journalistin Nazanin Zarghari-Ratcliffe durch das Revisionsgericht als Form der Geiselnahme zum Zweck der Gelderpressung. Es gebe bestimmte Kammern im Revisionsgericht, die schon als „Bestätigungskammern“ bekannt seien, weil sie alles bestätigten, was das Geheimdienstministerium sich als Urteil wünscht.
Shirin Ebadi beklagte, der vorige US-Präsident Obama habe die iranischen Machthaber zu einer schlechten Angewohnheit verleitet, als er Koffer mit Geld nach Teheran schickte, um die Freilassung von vier US-Staatsbürgern zu erreichen, die zugleich die iranische Staatsbürgerschaft hatten.
Die Tatsache, dass Nazanin Zarghari-Ratcliffe nur stark reduzierte Gelegenheiten gegeben werden, Besuchen und Telefonaten Angehörigen von Angehörigen im Iran zu erhalten und sie zum iranischen Neujahrsfest nicht einmal mit ihrer zweijährigen Tochter telefonieren durfte, die im Iran ist, wertete Shirin Ebadi als Schikane der iranischen Machthaber, um Druck auf die britische Regierung auszuüben und möglichst viel Geld zu erpressen.
Bislang wurde Nazanin Zarghari-Ratcliffe der Kontakt zur britischen Vertretung in Teheran verweigert. Die iranische Regierung erklärt, sie habe die iranische Staatsbürgerschaft und sei damit eingereist, alles andere interessiere sie nicht.
Im umgekehrten Fall, wenn nämlich iranische Staatsbürger mit doppelter Staatsbürgerschaft im Ausland inhaftiert werden, sieht das dann ganz anders aus. Shirin Ebadi berichtet, dass die iranischen Vertretungen in Malaysia, Indien, Armenien und Georgien sehr wohl dort inhaftierte iranische Gefangene mit doppelter Staatsbürgerschaft besucht und Rechtshilfe leistet. Dies zeigt deutlich, dass die Argumente nur vorgeschoben sind, eben um Geld zu machen.
Damit ergibt sich im Umgang mit dem Iran eine ähnliche Zwickmühle wie früher zwischen der BRD und der DDR, wo ja auch Geld gezahlt wurde, um Gefangene in der DDR freizukaufen.

Quelle
http://www.radiofarda.com/a/f3-ebadi-on-zaghari-prison/28454634.html
vom 17. Ordibehescht 1396 (27.04.2017)
ferestadane pul ba chamedan be tehran, jomhuriye eslami-ra bad °adat karde ast

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Türkei: Militarismus mit Kopftuch


Fatma Tunçer Öncü, Journalistin, schreibt in der Zeitung Yenikonya

Der folgende Artikel ist der dritte Teil unserer Miniserie zu Konya. Dieser Artikel ist ein Kommentar einer jungen Journalistin der Tageszeitung Yeni Konya (neues Konya) zu den internationalen Beziehungen der Türkei. Tenor des Kommentars ist das Schimpfen auf die Türkeipolitik nicht nur westlicher Länder, die angeblich von allen Seiten die Türkei in die Mangel nehmen. Aber ihre nationalistisch-militaristische Antwort darauf ist, dass die Türkei sich das nicht gefallen lassen wird, dass sie militärisch aufrüstet und ihr regionaler und internationaler Einfluß wachsen wird. Das Verhältnis anderer Länder zur Türkei würde sich umkehren und plötzlich wären sie es, die Angst bekommen vor der Türkei. Ein kleiner Einblick in einen Diskurs, der in der Türkei immer mehr an Einfluss gewinnt.

Der Westen bekommt es mit der Angst zu tun
von Fatma Tunçer Öncü
Yenikonya (neues Konya)
11. April 2017
Die letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass die Türkei inzwischen ein Land ist, das nicht mehr zu stoppen ist. Wenn das nur 80 Millionen Menschen sagen würden… aber das sagen 7,5 Milliarden. Raketen, Panzer, Flugzeuge, Schiffe, gepanzerte Fahrzeuge, Helikopter, Satelliten, Radar… Ein Verteidigungsindustriekomplex so groß wie die Welt. Dieses und vieles mehr stellt die Türkei her. Und diese nationale Verteidigungsattacke flößt dem Freund Vertrauen, dem Feind Angst ein. Die Stärke der Armee, die bislang nur ein Slogan war, wird Wirklichkeit. In den vor uns liegenden Tagen, Monaten und Jahren wird sie mit neuen Waffen, die ins Inventar der Verteidigungssysteme aufgenommen werden, sowohl in der Region wie auf der Welt etwas zu sagen haben. Von nun an wird die Türkei bewaffneten Streitkräften nicht mit dem Knüppel, sondern mit Stärke entgegen treten. Sie wird den Platz nicht mehr den Ländern überlassen, in denen die Waffenhändler das Sagen haben. Mit ihrer Stärke wird sie eine abschreckende Rolle ausüben. Ein Beispiel? Hier ist eins, bitte sehr. Von wem pflegte die Türkei bei ihren Operationen im Südosten und jenseits der Grenze geheimdienstliche Informationen zu erhalten? Von Amerika. Und das Ergebnis? Der Kampf gegen den Terror dauerte 40 Jahre. Von wem erhält die Türkei ihre geheimdienstlichen Informationen jetzt? Sie baut ihr eigenes Nachrichtensystem auf. Mit Hilfe unbemannter Flugzeuge (Drohnen) und ihrem eigenen Satelliten verfolgt sie alles per Satellit. Und das Ergebnis? Die Terrororganisation ist trotz der Unterstützung durch 36 Staaten der Welt an ihren Endpunkt gelangt. Wie ist das gelungen? Indem wir den Platz nicht den feindlichen Ländern überließen, die wir für Freunde hielten. Die Ereignisse des letzten Monaten haben ohnehin gezeigt, dass dem so ist. Die Schweiz hat dem Staatspräsidenten der Türkei die Pistole an die Schläfe gesetzt 1) Holland hat unseren Minister im Auto gefangen gehalten. Österreich hat gegen unsere Politiker ein Verbot verhängt. Deutschland hat eine Drohung nach der andern geäußert. Amerika hat allem schweigend zugeschaut. Russland wie gehabt. Israel reibt sich die Hände. Diejenigen, die unser Land am 15. Juli (erg. 2016, dem Tag des gescheiterten Putschversuchs) nicht in die Zange nehmen konnten, spielen in Syrien ein neues Spiel. Ein Ja am 16. April (dem Tag des Referendums über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei) bereitet ihnen Kopfzerbrechen. Aus Angst, dass die Türkei, die ihre eigenen Instrumente nicht verwendet, ihre Stärke vermehrt, arbeiten sie mit allen Kräften für ein Nein. Eine Türkei, die plötzlich ihre hundertjährige Trägheit abstreift, verärgert sie. Kurz gesagt, die Türkei ist nicht zu stoppen. Trotz der Hauptoppositionspartei, trotz der Fethullah-Terrororganisation, trotz der Terrororganisationen und ihrer politischen Mithelfer ist sie nicht zu stoppen. Die Hauptängste richten sich auf den 16. April. Am 16. April wird Merkel mehr noch als 80 Millionen (Türken) gespannt vor dem Fernseher sitzen. Trump wird das Fernsehen verfolgen. Und Putin hat sich schon jetzt die türkischen Kanäle in seinem Büro einrichten lassen. Wer sich auf guten Rat nicht bessert, den muss man streng tadeln. Wer sich auf Tadel nicht bessert, der verdient den Stock, sagt ein türkisches Sprichwort. Jetzt, wo wir der Welt gegenüber, die ein Wort im Guten nicht versteht, mit der Sprache auftreten, die sie versteht, nämlich mit der Nationalen (Militär)Industrie, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Wartet’s ab! Sie werden noch mehr Angst bekommen. (Es handelt sich um ein Wortspiel: der im Türkischen verwendete Ausdruck Angst haben ist hier: paçaları tutuştu – ihre Hosenbeine haben Feuer gefangen. Und darauf folgt nach Wartet’s ab! Sie werden keine Hosenbeine mehr finden, die noch Feuer fangen können.)

1: gemeint ist ein Plakat auf einer Demo in Bern, wo Erdogan mit Pistole am Kopf und dem Text „Kill Erdogan with his own weapons“ zu sehen war.
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/tuerkei-bestellt-schweizer-vizebotschafter-ein/story/31522359
27.03.2017
Plakat ist ein «gefundenes Fressen» für Erdogan

Quelle:
http://www.yenikonya.com.tr/yazar/fatma_tuncer_oncu-4233/pacalari_tutusan_bati-4233

Fatma Tunçer Öncü
fatmatuncer.oncu@yenikonya.com.tr
PAÇALARI TUTUŞAN BATI
11 nisan 2017

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Türkei – Konya: Waffen für Iran, Libanon, Afghanistan…

Im einem ersten Beitrag über Konya, einer großen Provinz in der Türkei, haben wir das Abstimmungsergebnis zum Verfassungsreferendum analysiert und mit Wahlergebnissen von 2015 verglichen: Türkei: Das Geheimnis von Konya.

In diesem zweiten Beitrag übersetzen wir einen völlig unkritischen Artikel aus der Internetausgabe von Yenikonya, aus dem ersichtlich wird, welche Bedeutung die Rüstungsindustrie für diese Provinz hat.

Konya bereitet sich auf einen Gipfel der Verteidigungsindustrie vor

Konya, das mit einer starken Präsenz der Verteidigungsindustrie an vorderster Stelle steht, bereitet sich auf einen Gipfel der Verteidigungsindustrie vor, der führende Produzenten wie Aselsan, Havelsan, MKE und Roketsan mit in Konya ansässigen Unternehmern an einen Tisch bringt.
19.04.2017 12:09

Memiş Kütükcü, Mitglied des Vorstands der TOBB (Türkiye Odalar ve Borsalar Birliği – Vereinigung der Türkischen Handelskammern und Börsen) und Vorsitzender der Industriekammer von Konya, erklärte, dass die Kammer am 24.-25. April einen Gipfel der Verteidigungsindustrie und „Tage des Beschaffungswesens“ abhalten werde. Auf der Fläche der Ausstellung, die während des zweitägigen Gipfels abgehalten wird, würden die Firmen ihre Erzeugnisse vorstellen. Kütükcu teilte mit, dass die Unternehmer, die an dem Gipfel teilnehmen möchten, auf dem auch Gespräche über duale Systeme stattfinden sollen, sich unter der Adresse www.savunma.kso.org.tr anmelden können.

Unsere Wettbewerbsfähigkeit im Verteidigungssektor wird mit Ur-Ge steigen

Ur-Ge (Staatliches Programm zur Förderung der Internationalen Wettbewerbsfähigkeit)

Kütükcü, der unterstrich, dass Konya eine der Städte ist, in der die Verteidigungsindustrie führend ist, hob hervor, dass man sich bemühe, Konya in diesem Sektor auf das Niveau der Zentren anzuheben.

Kütükcü sagte: „In diesem Moment sind unsere Waffenproduzenten in Beyşehir (einem Kreis der Provinz Konya) gemeinsam mit den Firmen, die in unserer Stadt diesem Sektor zuarbeiten, damit beschäftigt, das vom Wirtschaftsministerium unterstützte Ur-Ge-Projekt durchzuführen. Wenn wir dieses Projekt umsetzen, werden unsere Waffenproduzenten eine wettbewerbsfähigere Struktur erhalten.“

Volle Unterstützung für nationale Projekte

Kütükcü erklärte, dass die Schritte auf dem Weg zur Nationalisierung der Verteidigungsindustrie der Türkei allen Anlass zu Stolz gäben. „Auf dem Gebiet der Verteidigung waren wir vor 10 Jahren zu 80 Prozent vom Ausland abhängig. Dieser Anteil konnte jetzt auf Zahlen im Bereich von 40 Prozent reduziert werden. Als Land sind wir weltweit an 13. Stelle des Rüstungsexports. Konya hat einen beachtlichen Anteil an diesen Verteidigungsexporten unseres Landes und nimmt im Rüstungsexport den 5. Platz unter den Städten der Türkei ein. Diese Branche hat ihren Export 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 36,8% gesteigert und im Wert von 36 Millionen Dollar in 86 Länder exportiert. Im ersten Viertel dieses Jahres hat sich der Anstieg mit einem Zuwachs von 14% fortgesetzt. Im übrigen leisten unsere Industriellen in Konya einen wichtigen Beitrag zu den nationalen Projekten unseres Landes“, sagte er.

Von den 86 Staaten, in die die Verteidigungs- und Luftfahrindustrie von Konya im letzten Jahr exportiert hat, wurde in folgende 10 Staaten am meisten exportiert: USA, Australien, Afghanistan, Kanada, Iran, Libanon, Österreich, Frankreich, Ukraine und Tschechische Republik.

http://www.yenikonya.com.tr/ekonomi/konya_savunma_sanayi_zirvesine_hazirlaniyor-696427
vom 19.04.2017
Konya, savunma sanayi zirvesine hazırlanıyor

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EU-Sanktionen gegen 82 iranische Personen um ein Jahr verlängert

Seit 2011 hat die EU Reisebeschränkungen und Vermögenssperren gegen 82 wichtige Persönlichkeiten des Irans verhängt. Diese Sanktionen wurden am 11. April 2017 um ein weiteres Jahr verlängert.

Die EU begründet diese Sanktionen mit anhaltenden schweren Menschenrechtsverletzungen im Iran, für die diese Personen verantwortlich sind. Von diesen Personen seiein einige wichtige hier genannt:


Mohammad Ali Jafari, Befehlshaber der Revolutionswächter


Hassan Firuzabadi, früherer Oberbefehlshaber der iranischen Armee


Hojjatoleslam Ali Saidi, Vertreter von Ali Chamene‘i bei den Revolutionswächtern


Hojjatoleslam Hossein Ta‘eb, Leiter des Geheimdienstes der Revolutionswächter


Mohammad Reza Naghdi, vorheriger Befehlshaber der Bassidschi


Esmail Ahmadi Moghaddam, Befehlshaber der Polizei


Ayatollah Sadegh Larijani, Leiter der iranischen Judikative


Ghollam-Hossein Mohseni-Ejei, 1. Stellvertreter des Leiters der iranischen Judikative


Said Mortazawi, vorheriger Staatsanwalt in Teheran

und viele weitere Personen.

Auch das Vermögen einer Organisation bleibt eingefroren. Darüber hinaus bekräftigte die EU ein Exportverbot für Güter, die zur Unterdrückung und Überwachung der Bevölkerung eingesetzt werden können.

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Iran und Israel (Teil 2)

Der Kalte Krieg und eine neue Sicht auf Israel

Quelle:
http://www.iranianlobby.com/page1.php?id=114
Der erste Staat, der Israel in der verbindlichsten Form, nämlich de iure, als legitimen Staat offiziell anerkannte, war die Sowjetunion. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem die USA die Entstehung Israels nur „de facto“ anerkannte. Auch England gab am 18. Mai 1948 nur eine Erklärung ab, in der es eine Anerkennung des neuen Staates vermied. Am 8. des Folgemonats akzeptierte es dann die Existenz Israels de facto. (Quelle 3)
In den USA gab es eine tiefgreifende Meinungsverschiedenheit über die Anerkennung Israels. US-Präsident Harry Truman hatte abweichend von der Auffassung derer, die für die Außenpolitik des Landes verantwortlich waren, beschlossen, die Gründung Israels zu unterstützen. Nur wenige Minuten nach Bekanntwerden von Trumans Erklärung reichte die Mehrheit der Vertreter der USA in den Vereinten Nationen aus Protest gegen die Anerkennung Israels ihren Rücktritt ein. (Quelle 4)
Die Unterstützung der Sowjetunion für Israel reicht in die Zeit vor der Gründung dieses Staates zurück. So brachte Andrej Gromyko, der Vertreter der Sowjetunion in den Vereinten Nationen, im Verlauf einer in diesem Gremium im Jahre 1947 geführten Debatte über die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat die volle Unterstützung seines Landes für die Gründung Israels auf folgende Art zum Ausdruck: (Quelle 5)

„Im letzten Weltkrieg hatten die Juden ein sehr schweres und leidvolles Los zu tragen. (…) Angesichts der eigenen Charta der Menschenrechte dürfen die Vereinten Nationen nicht gleichgültig bleiben. Und angesichts der Tatsache, dass die westeuropäischen Staaten während des Krieges nicht imstande waren, die elementarsten Rechte der Juden zu wahren, sie nicht vor der Grausamkeit und den Verbrechen der Nazi-Henker schützen konnten, ist der Wunsch dieses Volkes, einen unabhängigen Staat zu gründen, verständlich. Diesen Wunsch des jüdischen Volks zu ignorieren und ihm dieses Recht zu verwehren, ist eine Form der Unterdrückung.“

Die Unterstützung der Sowjetunion für Israel ging noch darüber hinaus. Die Tschechoslowakei, einer der sowjetischen Satellitenstaaten, war der wichtigste Lieferant von Waffen und Kriegsausrüstung für Israel während des ersten arabisch-israelischen Kriegs im Jahr 1948. Man darf nicht vergessen, dass Stalin 1944 den Zionismus und die Gründung eine jüdischen Staates befürwortete. Er war überzeugt, dass dieser neue Staat mit seinen sozialistischen Tendenzen zum Niedergang des britischen Weltreichs und seines Einflusses in den arabischen Staaten beitragen würde.

Die positive Sicht der Sowjetunion auf Israel änderte sich jedoch mit Beginn des Kalten Krieges und der Annäherung Israels an die USA. In einem ersten Schritt erklärte das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei der Sowjetunion den Zionismus zu einem ideologischen Feind des Sozialismus und des Kommunismus. So hielt nach und nach die anti-jüdische Politik, die unter dem Zaren ihren Höhepunkt erreicht hatte, wieder in Russland Einzug. Die Diskriminierung und Schikanierung der Juden wurde zur offiziellen Politik der Sowjetunion. Je mehr sich die Konfrontation zwischen der Sowjetunion und den USA verschärfte, desto enger wurde die Freundschaft zwischen den USA und Israel. Zugleich nahm auch die staatliche Propaganda des Ostblocks gegen de Zionismus zu, der angeblich den Weltfrieden und die globale Sicherheit gefährde. Von nun an wurde der Zionismus als Instrument zur Verbreitung eines rassistischen Imperialismus im Dienste der Juden und der Amerikaner dargestellt. (Quelle 7)

So konzentrierte sich die amtliche Propaganda der Ostblockstaaten auf die „zionistische Weltverschwörung“, und wie der renommierte Historiker Howard Sachar erkärt (Quelle 8 ): „erreichte diese Propaganda nach dem Sechs-Tage-Krieg zwischen den Arabern und Israel im Jahr 1967 und der schweren Niederlage der Araber (und ihrer sowjetischen Verbündeten) einen Höhepunkt. Die amtlichen sowjetischen Zeitungen füllten sich mit anti-jüdischen und rassistischen Artikeln und Karikaturen, und die ganze judenfeindliche Propaganda, die Nazi-Deutschland ins Werk gesetzt hatte, wurde in diesem sozialistischen Land auf noch abstoßendere Art wieder aufgewärmt. Die „Protokolle der Ältesten von Zion“, eine Fälschung, die zur Zarenzeit fabriziert wurde, wurden nun in großem Umfang abgedruckt und verbreitet. Dieses Dokument soll belegen, dass Ende des 19. Jahrhunderts die Führer des Internationalen Zionismus einen Plan zur Weltbeherrschung entworfen hätten.

Diese Propagandaschlacht hatte starken Einfluss auf die öffentliche Meinung in den arabischen und islamischen Staaten, die nach der Niederlage gegen Israel auf der Suche nach Gründen und Ausreden waren. Von da an wurde der Konflikt zwischen Israel und den Arabern als Kampf zwischen dem sozialistischen Lager einerseits und dem Weltzionismus und dem amerikanischen Imperialismus andererseits präsentiert.


Palästina, das revolutionäre Kuba des Nahen Ostens

Die 60-er und 70-er Jahre waren der Höhepunkt des Kalten Krieges und verzeichneten zugleich ein nie dagewesenes Wachstum revolutionärer Bewegungen in den Ländern der Dritten Welt. In Südamerika entstanden nach der Revolution in Kuba und dank der besonderen Rolle, die Ernesto Che Guevara spielte, in vielen Staaten marxistische Bewegungen und Guerrilla-Gruppen. Als Antwort hierauf griffen die USA und ihre lokalen Verbündeten zu Militärputschen und umfangreichen Unterdrückungsmaßnahmen. Die wichtigsten Beispiele hierfür sind Brasilien, Argentinien und Chile. Das revolutionäre Kuba und der charismatische Che Guevara wurden zum Symbol des Kampfes gegen die imperialistische Aggression und die Militärdiktaturen. So wurde Kuba zum Wallfahrtsort der Revolutionäre Südamerikas. Diese Veränderungen dienten zahlreichen revolutionären Gruppen in verschiedenen Weltregionen ihrerseits als Inspirationsquelle.

Was den Nahen Osten und die islamischen Staaten anging, spielte Palästina für sie eine vergleichbare Rolle und wurde zu einem Magnet für revolutionäre und anti-amerikanische Strömungen. In dieser Zeit hatten die islamischen Bewegungen noch keine Macht und keinen Einfluss. Die Hegemonie lag bei den revolutionären Gruppen marxistischer Prägung. Von radikalen Gruppen in Deutschland bis hin zu japanischen Extremisten und arabischen Freiwilligen – alle strömten nach Libanon und Jordanien – Seite an Seite mit der 1964 frisch gegründeten Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, um Israel und dem US-Imperialismus eine Niederlage zuzufügen. Es versteht sich, dass die Palästina-Frage und die Existenz Israels unter diesen Umständen über einen Konflikt zwischen zwei Völkern um Land hinausging und supranationale Dimensionen annahm.

So kam es, dass in unserem Land, im Iran, nach der Schließung des politischen Freiraums und der Repression des Jahres 1342 (1963) revolutionäre Gruppen in Erscheinung traten, die neben dem Kampf gegen das Schahregime auch Sympathien für den Kampf des palästinensischen Volkes empfanden. Ein deutliches Beispiel hierfür war die „Palästina-Gruppe“, die von Schokrollah Pakneschad und seinen Freunden gegründet worden war. Die wichtigsten Mitglieder dieser Gruppe wurden 1348 (1969) bei ihrer Reise in den Irak, von wo sie weiter nach Libanon aufbrechen wollten, verhaftet und zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Der geachtete und kämpferische Pakneschad wurde 1360 (1981) unter Chomeini erneut verhaftet und nach brutalsten Folterungen hingerichtet.


Schokrollah Pakneschad, unter Chomeini im Ewin-Gefängnis erschossen. Worte von Schokrollah Pakneschad aus einer Verteidigungsrede vor Gericht:
„Solange es auf der Welt noch einen Menschen gibt, der gefangen, hungrig, unterdrückt oder rechtlos und kulturlos gehalten wird, solange ist Freiheit nur ein hohles, nichts-sagendes Wort.“
«تا زمانی که در روی زمین یک انسان زندانی، گرسنه، ستمکش، محروم و بی فرهنگ موجود باشد، آزادی یک کلمه پوچ و توخالی بیش نیست…»
Quelle: https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B4%DA%A9%D8%B1%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87_%D9%BE%D8%A7%DA%A9%E2%80%8C%D9%86%DA%98%D8%A7%D8%AF

Damals nahmen Jordanien, Syrien, Libanon und Irak Kämpfer aus den verschiedenen Ländern auf, die als Gäste der PLO gemeinsam mit den Palästinensern kämpfen und militärische Techniken und den Guerrilla-Kampf erlernen wollten. So kam es, dass viele wichtige iranische Intellektuelle den Kampf des palästinensischen Volkes als Teil des Kampfes gegen den Imperialismus und gegen ihre eigene Diktatur im Iran auffassten. Und so empfanden sie die Unterdrückung und Gewalt Israels gegen die Palästinenser viel direkter und schmerzhafter. Dadurch nahm die Unterdrückung, die von Israel ausging, eine herausragende Stellung ein. Entsprechend düster wurde das Bild dieses Landes unter den iranischen Intellektuellen, was seinerseits wiederum starken Einfluss auch die öffentliche Meinung der Iraner gegenüber Israel hatte.

Quellen:
3- The American Journal of International Law به این آدرس: http://www.jstor.org/pss/2193961

4- نگاه کنید به روزنگار روابط آمریکا و اسرائیل به این آدرسhttp://www.trumanlibrary.org/israel/palestin.htm

5- UN Debate Regarding the Special Committee on Palestine: Gromyko Statement. 14 May 1947 77th Plenary Meeting Document A/2/PV.77”

6- Paul Johnson, A History of the Jews (1987) p.527

7- Great Soviet Encyclopedia, 3rd Edition. 1969-1978

8- Howard Sachar, A History of the Jews in the Modern World (Knopf, NY. 2005) p.722

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Iran plant neue Auslandsmorde

Die iranischen Machthaber schrecken auch vor Morden im Ausland nicht zurück, wie die Ermordung des Kurdenführers Qassemlou am 13.7.1989 in Wien oder die seines Nachfolgers Scharafkandi am 17.9.1992 in Berlin beweist. Der oberste Auftraggeber von damals, Ajatalloh Chamene‘i, ist noch immer der Religiöse Führer des Landes.
Die iranische Webseite iran-emrooz.net berichtet unter Berufung auf die Deutsche Welle folgendes:
Am 27. März 2017 erging in Berlin ein Gerichtsurteil gegen einen 31-jährigen pakistanischen Staatsangehörigen namens Mustafa Haydar Syed (die persische Webseite schreibt „Mustafa Haydar S.“, deutsche Medien schreiben „Haydar Syed M.“, französische Quellen nennen den vollständigen Namen…). Er soll Ziele für künftige Mordanschläge in Berlin und Paris ausgekundschaftet und die Informationen an die Spezialeinheit „Qods“ (Jerusalem) der iranischen Revolutionswächter geleitet haben. Dafür habe er ein monatliches Gehalt von 2052 Euro erhalten. Deutsche Quellen (z.B. Quelle 2) sprechen dagegen von einem Agentenlohn von insgesamt 2052 Euro, zumindest ist das die nachweisbare Summe.

Französisch-israelischer Professor in Paris auf dem Korn
Vom Juli bis August 2015 soll Mustafa Haydar Syed in Paris die täglichen Wege des französisch-israelischen Professors David Rouach ausgekundschaftet haben, der an der „Universität von Paris“ Wirtschaftswissenschaften unterrichtet. Andere Quellen z.B. die französische Wikipedia (Quelle 3) geben seinen Namen mit Daniel Rouach an, der an der Ecole Supérieure de Commerce ESCP Europe (Quelle 4) in Paris unterrichtet. Mustafa Haydar Syed soll über 300 Photos und über 20 Videos über den Professor, den Campus und die Wege des Professors aufgenommen und seine Auftraggeber mit einer (?) Powerpoint-Präsentation über seine Ergebnisse informiert haben. Er informierte sie, wo Kameras (auf dem Campus) installiert sind, über die Anzahl der Wächter (an der Uni), über die Lage der Polizeiwache und über die Sicherheitsmaßnahmen auf der Strecke, die der Professor zurücklegt.

Und Reinhold Robbe, der damalige Vorsitzende der deutsch-israelischen Vereinigung in Berlin
Mustafa Haydar Syed spionierte auch die täglichen Gewohnheiten des deutschen Politikers Reinhold Robbe aus, des ehemaligen Vorsitzenden der deutsch-israelischen Vereinigung, sowie dessen Freunde und Angehörige. Reinhold Robbe ist Mitglied der SPD und war früher „Verantwortlicher des deutschen Parlaments für Armeefragen“. Bei dieser Bezeichnung wird wohl kaum ein iranischer Leser darauf kommen, was der „Wehrbeauftragte des Bundestags“ eigentlich macht.

Laut Aussagen eines Beamten des deutschen Verfassungsschutzes vor Gericht soll die Ausspähung dazu gedient haben, den Iran im Fall eines künftigen Kriegs gegen den Westen mit Infos über mögliche Anschlagziele zu versorgen.

Mustafa Haydar Syed wurde zu 4 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er verweigerte jede Aussage, obwohl das Gericht ihm bei einem vollen Geständnis eine Strafminderung von 15 Monaten in Aussicht stellte – rbb-online.de (Quelle 5) schreibt dagegen, dass das Gericht im Fall eines Geständnisses eine Strafe von höchstens 3 Jahren und 6 Monaten in Aussicht stellte. Laut Angaben seines Verteidigers soll der Angeklagte aus Angst vor den Auftraggebern geschwiegen haben.

Wahrheitsliebe nach Trumps Geschmack
Einmal abgesehen davon, dass die persische Darstellung in einzelnen Punkten sehr ungenau ist, übergeht sie eine doch recht wesentliche Tatsache. So schreibt die Berliner Zeitung am 20.03.2017 (Quelle 2): „Reinhold Robbe, 62, sitzt an diesem Montagmorgen vor dem Bildschirm im Kammergericht. Er nickt, oder er schüttelt den Kopf. Und sagt zu fast jedem Bild etwas. Nein, er habe gar keine Frau, sagt er. Robbe lebt mit seinem Partner zusammen, der auch in der Präsentation zu sehen ist. Allerdings als „guter Freund“. Die beiden angeblichen Söhne Johann und Holger gebe es auch nicht, sagt der SPD-Politiker.“ Das lässt den Eindruck aufkommen, dass dieser ehemalige Student der Ingenieurswissenschaften (Computerbereich) Mustafa Haydar Syed ein ziemlich durchtriebener Genosse ist, der seine Berichte auch mit „alternativen Fakten“ schmückte, wie Herr Trump das nennen würde. Hauptsache, er bekommt Geld dafür. Statt ihn zu verhaften, hätten die deutschen Dienste ihn ja noch mit weiteren alternativen Fakten versorgen können, das wäre langfristig sicherlich nützlicher als ihn ins Gefängnis zu stecken.

Denn sein zweites Ausspähungsopfer, Prof. Daniel Rouach, findet eine Strafe von etwas über 4 Jahren Gefängnis für eine Mordplanung reichlich dürftig (Quelle 6). Mit dem, was im Nahen Osten als Strafen üblich ist, kann die deutsche Rechtsprechung nicht konkurrieren. Und das ist gut so.

Interessant ist, dass die deutschen Zeitungsberichte nicht darauf eingehen, dass Mustafa Haydar Syed beim Raumfahrtzentrum in Bremen arbeitete (ehemals EADS Astrium, jetzt Astrium Bremen). (Quelle 7)

Quelle 1:
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/68540/
vom 27.03.2017 16:19
jasus-e iran dar alman be 4 sal zendan mahkum shod

Quelle 2:
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/prozess-mutmasslicher-iranischer-spion-schoss-hunderte-fotos-von-spd-politiker-26230076
vom 20.03.2017

Quelle 3:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Daniel_Rouach
Daniel Rouach, né à Meknès (Maroc)1, de nationalité franco-israélienne2, est un professeur universitaire et auteur de livres économiques, notamment sur la veille technologique.
Il est professeur à ESCP Europe (Département Stratégie, Hommes et Organisation du campus de Paris), codirecteur scientifique du Mastère Spécialisé Innover Entreprendre ESCP Europe3, enseignant à l‘université de Tel Aviv4 Président de la Chambre de Commerce & d‘Industrie Israel-France (CCIIF Tel-Aviv) (…) (abgerufen 28.03.2017)
Quelle 4:
http://www.escpeurope.eu/fr/escp-europe/histoire-de-escp-europe-business-school/
Ecole Supérieure de Commerce

Quelle 5:
http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/03/berlin-kammergericht-prozess-gegen-iranischen-spion.html
vom 08.03.2017

Quelle 6:
http://fr.timesofisrael.com/allemagne-prison-pour-un-pakistanais-accuse-despionner-pour-liran/
AFP 28 mars 2017, 14:47

Quelle 7:
http://www.israelvalley.com/news/2017/03/23/53045/france-isra-l-a-berlin-l-iran-accus-d-avoir-planifi-un-attentat-paris
23.03.2017

weitere Informationen:
https://www.i24news.tv/fr/actu/international/139699-170309-daniel-rouach
09/03/2017
Affaire d‘espionnage jugée à Berlin: Daniel Rouach en exclusivité sur i24NEWS

http://www.tagesspiegel.de/berlin/spionageprozess-in-berlin-mehrere-jahre-haft-fuer-iranischen-spion/19577612.html
27.03.2017 18:40 Uhr
Spionageprozess in Berlin – Mehrere Jahre Haft für iranischen Spion

https://de.wikipedia.org/wiki/Astrium_Bremen

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Iran und Israel (Teil 1)

Im folgenden wird der erste Teil eines Aufsatzes über die Entstehung der Israelfeindlichkeit im Iran vorgestellt. Der Text wurde aus dem Persischen übersetzt, Auslassungen sind mit (…) gekennzeichnet.
Quelle:
http://www.iranianlobby.com/page1.php?id=114

Von Israel zum Todesengel Esra‘il – Die Geschichte einer Verwandlung
Im Herbst 1341 (1962) reisten Dschalal (Jalal) Al-e Ahmad und seine Frau Simin Daneschwar, zwei berühmte iranische Schriftsteller, die zu den geachteten Intellektuellen ihrer Zeit gehörten, zu einem Besuch nach Israel, wo sie zwei Wochen als Gäste des israelischen Staates blieben. Auch Dariusch Aschuri und der verstorbene Chalil Malaki gehörten zu jenen Intellektuellen, die nach Israel reisten und ein positives Urteil über dieses Land fällten. Al-e Ahmad hielt nach seiner Rückkehr von dieser Reise einen Vortrag im Institut für sozialwissenschaftliche Studien und Forschung, in dem er über die Kibbuze in Israel (eine kollektive Form der Landwirtschaft) Bericht erstattete. Später verfasste er einen bekannt gewordenen Artikel unter dem Titel „Welayat-e Esra‘il“ (Der Gottesstaat Israel), in dem er auf die Geschichte der Unterdrückung der Juden in Europa hinwies, und die Unterdrückung und Verfolgung dieses Volks als Hauptgrund für die Gründung des Staates Israel bezeichnete. Der sehr positive Blick von Al-e Ahmad auf Israel führte zu Protesten der traditionellen iranischen Geistlichkeit, so seitens Seyyed Ali Chamene‘i, der damals noch in seinen Anfangsjahren stand.
(Fußnote 1)
(AdÜ: Ali Chamene‘i ist heute Ajatollah und der Religiöse Führer des Landes)

Aber das Urteil von Al-e Ahmad über Israel wandelte sich nach und nach, bis er 1967, nach der schweren Niederlage der Araber im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel einen Artikel unter dem Titel „Der Beginn einer Feindschaft“ schrieb, in dem er seine ganze Feindseligkeit und seinen Wut auf Israel zu Papier brachte. Dieser Artikel wurde später in einem Buch mit dem Titel „Reise in das Land des Todesengels“ (Safar be welayate °ezra‘il) abgedruckt. Al-e Ahmad schreibt darin – neben einer Attacke auf westliche und östliche Intellektuelle, dass Israel ein Zögling und Ableger des Kolonialismus und des internationalen Zionismus sei, und einen neuen Kreuzzug gegen den Islam eröffnet habe.

„Während die Europäer in den vergangenen Kreuzzügen eine Niederlage erlitten und zum Ausgleich die Wissenschaft und die Technologie der islamischen Welt als Beute mitnahmen, sind sie diesmal mit Hilfe eben dieser Wissenschaft und dieser Technologie und mit Unterstützung eines weiteren großen Helfers, des internationalen Kolonialismus, sowie eines kleinen Handlangers, nämlich des Zionismus, erneut zum Krieg ausgezogen… Angesichts der Tatsache, dass der Nationalsozialismus, die Krönung des westlichen Bürgertums, sechs Millionen vom Schicksal geschlagene Juden in jene Öfen steckte, in denen die Menschen verbrannt wurden, sind heute zwei bis drei Millionen Araber aus Palästina, dem Gasa-Streifen und dem Westjordanland zur Wahrung der Interessen der Kapitalisten der Wall Street und der Rothschild-Bank dazu verdammt, sich umbringen zu lassen oder ihr Heil in der Flucht zu suchen. Und da die werte europäische Intelligenz als Mittäter an den Verbrechen Hitlers mitgewirkt bzw. den Mund nicht aufgekriegt hat, hat sie jetzt den Juden im Nahen Osten einen Brückenkopf geschaffen, damit die Völker Ägyptens, Syriens, Algeriens und des Iraks eins übergezogen bekommen und gar nicht mehr auf die Idee kommen, gegen den westlichen Kolonialismus zu kämpfen, und den Suez-Kanal nicht mehr für die „zivilisierten Nationen“ sperren! Pfui, was für eine stinkende bourgeoise Kultur!“

Der offene Hass von Al-e Ahmad auf Israel ist unter den Intellektuellen und auch unter dem normalen Volk unseres Landes kein auf eine Einzelperson beschränktes Beispiel, Vergleichbares lässt sich in allen gesellschaftlichen Schichten des Irans finden. Für diesen Teil der Iraner ist das, was sich zwischen Palästina und Israel abspielt, mehr als nur ein Krieg zwischen Volksgruppen um Land und Wasser, mehr als nur die Besetzung von Land, das anderen gehört, etwas, was sich an irgendeinem Punkt der Welt ereignet hat. Für sie ist der Schmerz und das Leid der Palästinenser nicht vergleichbar mit dem, was andere Volksgruppen und Nationen dieser Welt in irgendeinem Winkel Asiens oder Afrikas an Leiden und Schutzlosigkeit erfahren. Das Unglück, das Palästina ereilt hat und die geballte Gewalt Israels sind für diesen Teil der Iraner eine persönliche Angelegenheit, eine Sache der Überzeugung und Gefühle und mitunter sogar wichtiger als die eigene nationale Sache. Was für Gründe gibt es dafür, dass die Iraner in so einem Ausmaß an der Palästinafrage Anteil nehmen und mit den Palästinensern mitfühlen und mitleiden?

Einmal abgesehen von dem Unrecht, das den Palästinensern widerfahren ist, spielen im negativen Urteil der Iraner bezüglich Israels zwei Faktoren eine wesentliche Rolle. Der erste war der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und der USA, der den Konflikt zwischen Israel und den Arabern zu einem der Hauptschauplätze des Kampfes zwischen diesen beiden Großmächten um die Hegemonie in der Region werden ließ. Dementsprechend änderte die traditionelle iranische Linke und ein wichtiger Teil der Intellektuellen ihre Sicht auf das Palästina-Problem und deutete ihn nicht mehr als Konflikt zwischen Volksgruppen oder Nationen, sondern als internationale Auseinandersetzung zwischen dem sozialistischen und dem imperialistischen Lager und verlieh ihm so eine ideologische Dimension. (AdÜ: auch Nationalismus ist eine Ideologie…)

Als zweiter Faktor ist das Wachsen islamischer Strömungen im Iran zu sehen, die insbesondere nach dem Tod von Ajatollah Borudscherdi und dem Aufstieg von Ruhollah Chomeini zu einer einflussreichen religiösen Autorität an Intensität und Stärke zunahmen. In dieser Denkschule wird der Konflikt zwischen Israel und Palästina als Krieg zwischen Islam und Ungläubigkeit ausgelegt, das Unrecht, das den Palästinensern widerfährt, steht somit auf einer Ebene mit dem Bösen, das der Teufel bewirkt. Die Opfer sind nicht nur die Palästinenser, vielmehr hat jeder einzelne Moslem dieser Welt an diesem Leid und Kummer Anteil und trägt eine Mitverantwortung.

Die Verwandlung von Al-e Ahmad ist eher dem zweiten Faktor, also der der „Islamisierung“ des Palästina-Problems zuzuschreiben. Denn ebenso, wie sich seine Sicht auf Israel änderte, geriet er auch selbst immer mehr ins religiöse Fahrwasser, bis er schließlich ein ergebener Anhänger von Ruhollah Chomeini wurde. Leider ging dieser große und mitfühlende Schriftsteller so weit, dass er 1343 (1964), auf einer Reise nach Mekka, einen servilen Brief an Chomeini schrieb, in dem er neben seinen Glückwünschen zu seiner Freilassung aus dem Gefängnis mehrfach seine Treue und Ergebenheit gegenüber diesem stockkonservativen Ajatollah zum Ausdruck brachte. (Fußnote 2)


Auszug aus dem Brief
(…)
(Es folgen wörtliche Zitate aus dem Brief, dessen serviler Stil aus der Wortwahl hervorgeht. Eine Übersetzung würde genau das Wichtigste, den Stil, verfälschen, da er nur gegen den Hintergrund des im Iran Möglichen und Wirklichen seine Wirkung entfaltet. Wir übergehen ihn daher).

Bevor wir uns mit dem Anwachsen des Islamismus, dem Aufstieg Chomeinis und ihrem zunehmenden Einfluss auf die anti-israelische Sichtweise befassen, wollen wir uns den anderen Faktor näher anschauen, der die Sichtweise vieler iranischer Intellektueller auf Israel änderte – die Rede ist hier vom Kalten Krieg.

Fußnote 1:
1- نگاه کنید به „کارنامه و یادنامه جلال آل احمد“ به این آدرس: http://www.hawzah.net/hawzah/Magazines/MagArt.aspx?MagazineNumberID=3957&id=24744

همچنین نگاه کنید به مصاحبه شمس آل احمد (برادر جلال) http://www.khabaronline.ir/news-89846.aspx

همچنین نگاه کنید به مقدمه مفصل شمس آل احمد در باره کتاب „سفر به ولایت عزرائیل“ به این آدرس http://www.seapurse.net/contents.php?ID=118

برای مطالعه این کتاب و مقدمه شمس آل احمد به این لینک مراجعه کنید: http://www.iranian-americans.com/docs/ezraeel.pdf

Fußnote 2:

2- مرکز اسناد انقلاب اسلامی، „نعمت بزرگی بنام جلال آل احمد“ بهمراه نامه وی به خمینی به این آدرس

http://www.irdc.ir/fa/content/10773/default.aspx

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Iran: Der Westen als Krankheit

Gharbsadegi – Vom Westen befallen
Dies ist die Diagnose einer Krankheit, an der nach Auffassung der herrschenden iranischen Geistlichkeit alle leiden, die gegen die islamischen Sitten – nach ihrem Verständnis – verstoßen. Das tun sie, wenn Männer und Frauen gemeinsam unterwegs sind, ohne verheiratet zu sein, gar gemeinsam tanzen, das tun sie, wenn Männer und Frauen gemeinsam Musik spielen oder singen oder auch nur im Fußballstadion der iranischen Mannschaft zujubeln, und das tun vor allem die Frauen, wenn sie sich „unislamisch“ kleiden, also nicht als schwarzer Sack verhüllt durch die Gegend laufen wollen.
Die Behandlung dieser „Krankheit“ erfolgt mit Methoden, die wenig mit der Medizin von Avicenna (Ibn Sina) und sehr viel mit dem europäischen Mittelalter zu tun haben, also gerade jener Region, von der man sich doch distanzieren möchte. Sie besteht im schlagfertigen Einsatz von Polizeiknüppeln, im Übergießen mit Säure, im Einsperren und Foltern.

Die Westkrankheit – eine Antwort auf den Kolonialismus
Wenigen ist heute bewusst, dass der Vorwurf der Verwestlichung „Gharbsadegi“ ursprünglich eine anti-kolonialistische Zielrichtung hatte und als Vorwurf gegen das Schahregime eingesetzt wurde. Einer der bekanntesten Schriftsteller des Irans der Zeit vor der Revolution von 1979 war Dschalal Al-e Ahmad, der mit seinem Buch „Gharbsadegi“ diesen Vorwurf in ein breites Publikum getragen hat. Seine Gedanken fanden auch Anklang bei Ajatollah Chomeini und Ajatollah Chamene‘i, und wie diese sie verarbeiteten, sehen wir ja an obigen Beispielen. Nicht so bekannt ist, dass Jalal (sprich: Dschalal) Al-e Ahmad auch ein begeisterter Anhänger des damals noch jungen Staates Israel war. Denn unter den Ajatollahs ist Israel zum zweiten Teufel aufgestiegen, gleich neben den USA als „großem Teufel“. „Marg bar Esra‘il“ (Tod über Israel) war nicht nur eine Parole, mit denen iranische Hisbollahis auf den Straßen demonstrierten, selbst Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad, der Vorgänger von Hassan Rouhani, erklärte noch öffentlich, Israel müsse vom Erdboden verschwinden. Wie es kommt, dass der theoretische Begründer einer der wesentlichen Merkmale der Islamischen Republik Iran, nämlich des Kampfes gegen die „Verwestlichung“, sich so positiv zu Israel äußert, erklärt im Folgenden Samuel Thrope in einem Artikel aus der israelischen Zeitung Ha-Aretz (Das Land) vom 19.02.2017, den wir für unsere Leserschaft ins Deutsche übersetzt haben.

http://www.haaretz.co.il/blogs/sadna/1.3870203
Blogs des Workshops für Sozialgeschichte

כיצד יישב אינטלקטואל איראני את סלידתו מהמערב עם הערצתו לישראל
Wie passt die Abneigung eines iranischen Intellektuellen gegen den Westen mit seiner Bewunderung für Israel zusammen?

Das junge, sozialistische Israel war auch im vorrevolutionären Iran „das Licht der Völker“. Der Besuch von Jalal Al-e Ahmad im Land enthüllt regionale Verbindungen, die heute unvorstellbar erscheinen.

Ha-Aretz 19.02.2017
Workshop für Sozialgeschichte
Shmuel Trop / Samuel Thrope

In den 60-er Jahren war Jalal Al-e Ahmad der bekannteste Schriftsteller und Intellektuelle im Iran. Al-e Ahmad fand Bewunderung dank des unabhängigen und scharfen Blicks, den er schon in seinen ersten Erzählungen in den 40-ern und 50-ern bewiesen hatte. Aber es war die Veröffentlichung seines Buchs „Gharbzadegi“ – das mit „Verwestlichung“ oder „West-Erkrankung“ übersetzt werden kann und im Jahr 1962 erschien, mit dem Al-e Ahmad den Höhepunkt seiner Bekanntheit und seines Einflusses erreichte. Das Buch attackierte scharf die Herrschaft von Mohammad Resa Schah Pahlawi, der den Iran von 1941-1979 regierte und Verbündeter der USA und auch Israels im Kalten Krieg war, sowie die verwestlichte Kultur des Irans in jenen Jahren.
„Gharbzadegi“ ist eine eindeutig anti-koloniale Schrift, die auf der klaren Trennung zwischen dem satten, dominanten und reichen Westen sowie dem hungrigen, armen und kranken Osten beruht. Al-e Ahmad ruft die Iraner ebenso wie die anderen Orientalen auf, aufzuhören, den Westen zu imitieren, und zu ihren kulturellen und religiösen Wurzeln zurückzukehren. Eine ganze Generation junger Iraner führte wenige Jahre später die Revolution von 1979 an. Gharbzadegi – die Verwestlichung – war ein Meilenstein der Politik und der Erkenntnis. Im Licht dieser Haltung, trafen überraschend schon 1963, nur ein Jahr nach der Veröffentlichung von Gharbzadegi, Al-e Ahmad und seine Frau, die Schriftstellerin Simin Daneschwar, auf Einladung der Israelischen Botschaft in Teheran zu einem zweiwöchigen Besuch in Israel (w. im Land) ein. Wie andere Intellektuelle, die Israel in jenen Jahren besuchten, so etwa Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, beschreibt Al-e Ahmad das junge Israel in dem Buch, das er über seinen Besuch schrieb, ganz unerwartet, ja sogar mutig. Eine Beschreibung, die sich zugleich auch mit der politischen und sozialen Lage im Iran befasst.


Die bekanntesten iranischen Intellektuellen: Jalal Al-e Ahmad und Simin Daneschwar in den 60-er Jahren

Nur wenige würden Israel heute zu den östlichen, anti-imperialistischen Kräften der Welt zählen. Aber Al-e Ahmad sah im Staat der Juden einen Teil des Ostens, „dessen eines Ende in Tel Aviv und dessen anderes in Tokyo“ liegt, so seine Worte. Sein Reisebericht, der den Besuch dokumentiert, wurde erst nach der Revolution und 15 Jahre nach dem Tod des Verfassers unter dem Titel „Reise in das Land des Todesengels“ veröffentlicht (welcher mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von Al-e Ahmad selbst gewählt wurde). In diesem Buch bringt Al-e Ahmad seine Bewunderung für die Kibbuzim (Kollektivsiedlungen auf dem Land) und für den Unterricht in hebräischer Sprache in Israel zum Ausdruck, neben der energischen Kritik an der Diskriminierung der arabischen Bürger Israels. Im letzten Kapitel des Buchs, das als Reaktion auf den Sechs-Tage-Krieg (5.-10. Juni 1967) geschrieben wurde, ist die Kritik von Al-e Ahmad schon viel schärfer und direkter. Selbst dann ist Israel, wie er schreibt, einschließlich all seiner Mängel und Gegensätze, in orientalischen Augen die Basis einer Macht, ein erster Schritt, die Botschaft einer nahenden Zukunft.

Das Interesse von Al-e Ahmad an Israel begann lange vor seinem kurzen Besuch im Februar 1963.
Wie viele Intellektuelle im Iran war Al-e Ahmad Mitglied der örtlichen kommunistischen Partei, der Tudeh-Partei. Er war der Partei in seiner Jugend beigetreten, im Alter von 21, und rasch ins Zentralkomitee der Partei gewählt worden. Seine ersten Erzählungen, die die Region seiner Kindheit in den Armenvierteln im Süden Teherans beschrieben, wurden in Zeitschriften der Partei veröffentlicht.

Aber im Jahr 1948, nach der Unterstützung der sowjetischen Seite durch die Tudeh-Partei im Konflikt mit der iranischen Regierung wegen Erdölkonzessionen, empörten sich Al-e Ahmad und andere und verließen die Partei (AdÜ: die Sowjetunion forderte für sich vergleichbare Erdölförderrechte im Iran wie Großbritannien sie hatte). Nach diesem dramatischen Schritt suchte Al-e Ahmad nach sozialistischen politischen Alternativen und fand den Kibbuz. Seine ersten Bekanntschaften mit der israelischen kollektiven Landwirtschaft ließen in ihm bald mehr und mehr den Wunsch nach Informationen über Israel und die Juden aufkommen. Er las die Protokolle der Nürnberger Prozesse, das Buch „Diebe in der Nacht“ von Arthur Koestler, das auf seinen Erfahrungen als Kibbuz-Reporter beruhten, und die Bibel. Er schrieb sogar eine Erzählung im Stil der Bibel mit dem Titel: „Das dritte Buch der Könige“.


Eines der Symbole der iranischen Revolution, und einer, der bis in seine letzten Jahre in Israel ein Model zur Nachahmung sah. Iranische Briefmarke aus dem Jahr 1988 zu Ehren der intellektuellen Leistungen von Al-e Ahmad (Wikipedia)

Es ist wichtig und interessant festzustellen, dass Al-e Ahmad keine Notwendigkeit sah, diese Themen mit iranischen Juden zu diskutieren, einer Gemeinschaft von mehreren Zehntausend in jenen Jahren. Juden und Judentum waren für Al-e Ahmad eine ausländische, externe Angelegenheit, kein Teil des Irans selbst.

Al-e Ahmad schreibt in seinem Buch, dass er auf eine Einladung der Israelischen Botschaft reagierte, das Land zu besuchen, „damit ich Dinge von Nahem begreifen konnte, von denen ich bislang nur in den Büchern gelesen hatte, und schließlich um alles, was so attraktiv war, zu sehen.“
Dies ist sicher richtig, aber viele andere Quellen, darunter die Briefe zwischen ihm und seiner Frau Simin Daneschwar zur Vorbereitung der Reise, seine anderen Bücher, und auch die Telegramme, die zwischen dem israelischen Außenministerium und den Botschaften in Teheran und London gewechselt wurden, zeichnen ein etwas komplexeres Bild. Erstens war Al-e Ahmad nicht der einzige iranische Intellektuelle, der in jenen Jahren zu einem Besuch nach Israel eingeladen wurde.
1961 traf Tsvi Rafi‘ach, damals ein junger israelischer Diplomat in seinem ersten Diensteinsatz, in Teheran ein und begann, Beziehungen zu einheimischen Schriftstellern, Künstlern und Denkern aufzubauen. Rafi‘ach brachte iranische Intellektuelle (Menschen des Geistes) nach Israel und ihre israelischen Kollegen in den Iran, als ein Weg, die kulturellen Beziehungen und dabei auch die engen Sicherheitsbeziehungen zwischen den Staaten zu verbessern, die schon bestanden. Neben Al-e Ahmad statteten in jenen Jahren auch der Cousin von Mohammad Resa Schah, Prinz Schahram Pahlawi, sowie führende Linke wie der Al-e Ahmad nahestehende Politiker Chalil Maleki Israel einen Besuch ab. Mit anderen Worten, Rafi‘ach wollte Menschen von beiden Seiten der politischen Landkarte dorthin bringen, und mit der Zeit schloss er sich den sozialen Kreisen jener Intellektueller an. In Briefen beschreibt Daneschwar den israelischen Diplomaten als jemanden, der auf natürliche Weise an die Parteien und Geschehnisse heranging.


Versuche, neben den Sicherheitsbeziehungen auch die kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zu entwickeln. Die iranische Delegation an der internationalen Konferenz über die Rolle der Wissenschaft zur Förderung junger Staaten am Weizmann-Institut in Rechovot (Israel), 1960
Quelle: Fritz Cohen

Für Al-e Ahmad war die Reise nach Israel mehr als nur ein Besuch. Er verbrachte vier Monate in Europa vor seiner Ankunft (erg.: in Israel). Wie aus seinen Briefen an Simin Daneschwar hervorgeht, schlug er ihr gegen Ende seiner Europa-Reise vor, den Iran für immer zu verlassen. Nach Abschluss seiner Israel-Reise schrieb ihr Al-e Ahmad, dass sie nach London oder Paris auswandern könnten statt heimzukehren, wo er seine literarische Tätigkeit unter freundlicheren Bedingungen fortsetzen könne. Es ist unmöglich festzustellen, wie ernsthaft dieser Gedanke war, obwohl auch andere Schriftsteller dem Schah-Regime entflohen, das zur gleichen Zeit immer repressiver wurde. Jedenfalls zerstörte die Enthüllung seiner Untreue gegenüber Simin Daneschwar durch einen Brief, der sie wenige Tage vor ihrem Treffen im Lande (= Israel) erreichte, diesen Traum.

Das Buch enthüllt noch viel mehr über Al-e Ahmad und seinen Besuch als Aktenordner und Briefe. Studiert man es heute, fallen die erstaunlichen Beschreibungen Israels von Al-e Ahmad am meisten auf, insbesondere im Licht des Bruchs und der Feindseligkeiten zwischen Israel und Iran in den heutigen Tagen. Al-e Ahmad sieht Israel nicht nur als Teil des Orients, er lobt dessen Regierung auch mit Bezeichnungen, welche für den idealen islamischen Staat reserviert sind. Er verurteilt die benachbarten arabischen Staaten wegen ihrer Abhängigkeit von der westlichen Kultur und ihres doppelgesichtigen Verhaltens in Sachen palästinensischer Flüchtlinge. Er beschreibt den Besuch in Yad Vashem, und die Tränen, in die er bei einer Gedenkfeier für einen holländischen Christen ausbrach, der in der Zeit des Holocaust Juden rettete. Andererseits stellt er anderenorts einen Vergleich zwischen Israel und Nazi-Deutschland auf, und nennt es „einen Brückenkopf des westlichen Kapitalismus im Nahen Osten“. Al-e Ahmad nimmt bezüglich Israel so unterschiedliche, und manchmal so widersprüchliche Positionen ein, dass es nicht möglich ist, ihn auf der Landkarte der Fixpunkte im israelisch-palästinensischen Konflikt zu orten.

Der Grund für die Widersprüche und Gegensätze ist, dass der Staat der Juden nicht das eigentliche Thema des Reiseberichts von Al-e Ahmad ist. Ähnlich wie viele andere Schriftsteller verschiedener Zeiten und Orte, beschreibt der Reisende das, was ihm auffällt, denkt aber dabei an seine Heimat.
So auch im Falle von Al-e Ahmad. Die Beschäftigung mit dem Kibbuz und Israels Rolle im Nahen Osten dient ihm zu einem anderen Zweck: seine Kritik am Iran des Schahs zu verschärfen und zu verstärken. Wenn Al-e Ahmad sagt, dass die Führer Israels Gottes auserwählte Vertreter sind und dass „Ben Gurion nicht geringer als Enoch und dass Mosche Dayan nicht geringer als Ijob (Hiob) ist“, ist schwer zu verstehen, wie diese geistlichen Lobbezeichnungen durch seine weltlichen Erfahrungen in Israel in den 60-er Jahren zustande gekommen sein sollen; abgesehen von dem durch einen Rabbi vorgetragenen Gesang:
„אל מלא רחמים“ (An den, der voller Gnade ist), den sie in Yad Vashem hörten, hat das iranische Ehepaar anscheinend weder eine Synagoge besucht noch an einer religiösen Zeremonie teilgenommen. Seine Wahl, Israel als Staat zu loben, der Bewunderung verdient, dient hauptsächlich dazu, zu markieren, was er bei sich zu Hause, im Iran, vermisst. Er preist Israel genau wegen jener Dinge, die – wie Al-e Ahmad ausdrücklich in „Gharbzadegi“ schrieb – im Iran im Argen liegen: ein gutes Bildungswesen, eine angemessene Landwirtschaft, Gleichheit, ein Festhalten an den kulturellen und religiösen Wurzeln, und ein Gleichgewicht zwischen Ost und West.


Al-e Ahmad kritisierte scharf die engen Beziehungen des iranischen Schahs zu den Vereinigten Staaten und die Verwestlichungstendenzen unter seiner Herrschaft. Der Schah Mohammad Resa Pahlawi mit einem hochrangigen Offizier der US-Luftwaffe, 1977
Photo: Sergeant Major Dunham, US-Luftwaffe

Dr. Samuel Thrope, in Jerusalem lebender Übersetzer und Journalist. Autor von „The Israeli Republic“ – seine Übersetzung von „Reise in das Land des Todesengels“ von Dschalal Al-e Ahmad,
herausgegeben 2017 von Restless Books.

Der Artikel enthält am Schluss noch einen Link auf die facebook-Seite des Workshops für Sozialgeschichte:
https://www.facebook.com/sadnale/

Im folgenden ein Link auf einen Vortrag des Trauerlieds אל מלא רחמים (Dem, der voll von Gnade ist) in Yad Vashem:
https://www.youtube.com/watch?v=4NdXmi6_oJE

Hinweis für weitere Lektüre:
https://www.foreignaffairs.com/articles/iran/2014-02-12/among-believers
Foreign Affairs: March/April 2014: Among the believers – Bernard Avishai; Jalal Al-e Ahmad

http://www.restlessbooks.com/bookstore/the-israeli-republic

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Iran: Die Fremdenlegion der Ajatollahs

Afghanische Staatsbürger leben zu Millionen im Iran, aber es geht ihnen dreckig. Der Staat verweigert ihnen eine Legalisierung, sie werden als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, und immer wieder gibt es Razzien, um die Afghanen nach Afghanistan abzuschieben. Da interessiert nicht, seit wieviel Jahren und Jahrzehnten die Menschen schon im Iran leben.

Das soll jetzt anders werden?
Nein, nicht wirklich. Es gibt aber einige Afghanen, die sich als Kämpfer gemeldet haben, um im Interesse der iranischen Machthaber in Syrien die Regierung von Baschar al-Asad militärisch zu unterstützen. Um sie zu ködern, hatten die Institutionen, die die Afghanen für die Kämpfe anwarben, versprochen, dass sie dafür die iranische Staatsbürgerschaft erhalten würden. Das ist ein hoher Anreiz. Der Haken an der Sache: Das Parlament konnte das so offen nicht als Gesetz verabschieden, schließlich bestreitet man ja gerne bei jeder Gelegenheit, in den Krieg in Syrien verwickelt zu sein.

Ajatollah Chamene’i, der Retter
Der Religiöse Führer, Ajatollah Chamene’i, hat jetzt denjenigen, die die Afghanen angeworben haben, aus der Patsche geholfen, so dem Vorsitzenden der Märtyrer-Stiftung, Mohammad-Ali Schahidi. Er hat erklärt, dass diejenigen, die die „Heiligtümer“ verteidigen, die iranische Staatsbürgerschaft erhalten sollen. Heiligtümer, die mit dem schiiten Glauben verbunden sind, stehen in Syrien wie auch im Irak. Damit ist die Sache fein umschrieben, und da der Führer eh das letzte Wort hat, braucht man jetzt auch das Parlament nicht mehr.

http://www.radiofarda.com/a/iran-citizenship-fighters-syria-khamenei/28365093.html
vom 22. Esfand 1395 (12. März 2017)
ra’ise bonyade shahid: dasture ayatollah xamene’i baraye e°taye tabe°iyate irani be modafe°ane haram

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