Archiv der Kategorie 'IS (ISIS)'

Iran: Schüsse im Parlament


Das iranische Parlament

Eine der frühesten Nachrichten über Schießereien im iranischen Parlament besagt, dass heute im Parlamentsgebäude Schüsse gefallen und eine Person verwundet worden sei. Ein Unbekannter habe auf einen Angehörigen der Sicherheitskräfte des Parlaments das Feuer eröffnet und ihn im Bereich des Handgelenks verletzt. In dieser – leider zeitlich nicht näher eingeordneten Nachricht heißt es auch, dass die Schießerei anhält, aber über die Identität und die Motive des Angreifers nichts bekannt sei. Diese Meldung spricht nur von einem bewaffneten Angreifer.

Der IS (Islamische Staat) wird als Täter präsentiert
Eine spätere Nachricht – ein Film – wird dem Publikum unter dem Titel: „Der Islamische Staat erklärt mit der Verbreitung eines 24 Sekunden dauernden Films aus einem der Zimmer des Parlamentsgebäudes, dass die terroristische Operation im iranischen Parlament anhält“. Es ist nicht sehr glaubwürdig, dass der IS eine Aktion, die er durchführt, selbst als terroristisch bezeichnet. Immerhin wird der Angriff aufs Parlament mit dieser Meldung in einen Kontext gerückt, der den Iran auf einer Linie mit anderen Opfern von Terroranschlägen des IS setzt. Außenpolitisch ein geschickter Schachzug. Aus der Tatsache, dass der IS Anschläge für sich reklamiert, kann man noch keine Schlüsse über den Wahrheitsgehalt der Behauptung ziehen. Der IS ist bekannt dafür, dass er auch Attentate für sich reklamiert, die er nicht organisiert hat, wenn sie ihm bei seiner Klientel Ruhm einbringen.

Geiselnahme der Ehefrauen zweier Parlamentsabgeordneter?
Der Parlamentsabgeordnete Ahmad Ali-Resa Begi sagte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Mehr, dass die Ehefrau und die Tochter des Abgeordneten von Schahr-Resa und die Ehefrau des Abgeordneten von Mobareke in den Büros der Abgeordneten in der Gewalt der Terroristen seien.

Terroranschlag?
Ein Journalist von CNN zeigte sich verwundert, wie es den Angreifern möglich gewesen sein soll, in das scharf bewachte Parlament einzudringen, wo jeder Eintretende mehrmals durchsucht wird. Hossein Taqwi Hosseini, der Sprecher des Ausschusses für Nationale Sicherheit des iranischen Parlaments erklärte, dass die Terroristen – 4 Personen – die erste Besucherschleuse mit Schüssen angegriffen und dabei zwei Angehörige der Sicherheitskräfte getroffen hätten. So seien sie ins Parlament eingedrungen. Das iranische Innenministerium spricht in einer Erklärung vom selben Tag, dass zwei Terrorteams fast gleichzeitig zwei Anschläge verübt hätten. Das erste Team, bestehend aus 2 Personen, sei um 10:30 Uhr ins Grabgebäude von Ajatollah Chomeini eingedrungen. Der eine habe sich durch einen Sprengsatz getötet, der zweite sei erschossen worden. Ein zweites Team aus vier Personen sei fast zeitgleich ins Verwaltungsgebäude des iranischen Parlaments eingedrungen. Einer habe sich dann selbst in die Luft gesprengt, drei weitere seien nach einem Schusswechsel mit den Sicherheitskräften in obere Stockwerke des Verwaltungsgebäudes geflüchtet und dann im Gefecht mit den Sicherheitskräften ums Leben gekommen. Insgesamt seien bei den beiden Angriffen 12 Menschen ums Leben und 42 verletzt worden. Der Angriff aufs Parlament sei um 15 Uhr von den Sicherheitskräften beendet worden. Hossein Zulfaqari, der Stellvertreter für Sicherheit und Sicherheitskräfte des iranischen Innenministers, hat in einem Nachrichtenprogramm erklärt: „Diese Personen sind mit Frauenkleidern und weiblicher Verhüllung (…) über den Besuchereingang eingedrungen und gerieten im Eingangsbereich in eine Auseinandersetzung mit den Schutzkräften des Parlaments.“ Die drei Fotos der Leichen, die im Internet veröffentlicht wurden, zeigen Männer in Hosen, ohne Frauenkleider. Angesichts der Tatsache, dass sie schon im Eingangsbereich in Gefechte verwickelt wurden, klingt es rätselhaft, wie sie Zeit gefunden haben sollen, sich umzuziehen. Sie müssten dann auch noch Männerkleider mitgenommen haben.


Auf diesem Foto ist angeblich einer der Angreifer zu sehen. Die Waffe, die er in der Hand hält, ist so groß, dass es fragwürdig erscheint, wie er damit überhaupt bis zum Parlamentseingang vordringen konnte, ohne aufzufallen.


erstes Foto von einem der getöteten Angreifer


zweites Foto von derselben Person

Das dritte Foto zeigt einen teilweise zerfetzten Körper, möglicherweise derjenige, der sich mit einer Sprengladung umgebracht hat. Es wird hier nicht gezeigt.
Auf den drei Fotos von erschossenen Tätern, die auf peykeiran (ID 130557) veröffentlicht wurden, ist zweimal derselbe Mann abgebildet, im mittleren Foto ein anderer. Man sieht, dass die Kleider des zweimal abgebildeten Manns einmal noch ganz waren, dann zerrissen. Offensichtlich ist nachträglich etwas an der Tatszene geändert worden. Auch der Stuhl, der gezeigt wird, ist verschieden, im ersten Foto sieht man zudem einen Metallkoffer. Man sollte eigentlich erwarten, dass nach einem Tötungsdelikt Spurensicherung durchgeführt wird, hier scheint das Gegenteil stattgefunden zu haben. Da nur zwei Tote gezeigt werden, ist fraglich, ob die Angaben des Innenministers zutreffen, dass alle vier Angreifer ums Leben kamen. Eventuell leben noch ein oder zwei und werden jetzt unter Folter verhört.

Täterkreis
Die vom iranischen Staat vorgetragene Version macht den IS (Islamischen Staat) verantwortlich. Das Motiv ist klar – die Regierung Rouhani kann sich so in einer Opferrolle präsentieren, die sie in die Nähe des Westens rückt. Außerdem kann man mal wieder Saudi-Arabien als Hintermann beschuldigen, was ebenfalls in die außenpolitische Linie des Religiösen Führers passt. Für den IS ist es ebenfalls nützlich, sich als Täter zu präsentieren, denn ein Angriff auf das Grab des Begründers der Islamischen Republik Iran, die ja die Schiitenmilizen im Irak und das Regime in Syrien unterstützt, macht sie als Verteidigerin der Interessen der Schiiten im Irak und Syrien umso angesehener. Die Frage nach den Motiven löst aber nicht das Rätsel der Urheberschaft. Es spricht vieles dafür, dass die strengen Sicherheitskontrollen nicht einfach umgangen werden konnten. Eher schon muss der Täterkreis im Inneren der Sicherheitskräfte zu suchen sein. Denn diese haben die Möglichkeiten, Waffen hineinzubringen und zu lagern. Es gibt auch keinen vernünftigen Grund, das Parlament als Ziel eines Angriffs zu wählen. Denn das Parlament hat im Iran nichts zu sagen, seine Beschlüsse können jederzeit vom Wächterrat und vom Religiösen Führer kassiert werden. Aber das Parlament ist ein Ort, an dem Pfründe verteilt werden, und vielleicht ging die Auseinandersetzung in Wirklichkeit darum. Es ist nicht zu erwarten, dass die Täter, wenn sie aus den Reihen der Bassidschi oder der Pasdaran (Revolutionswächter) stammen sollten, strafrechtlich verfolgt werden. Entweder sind die Hintermänner des Attentats stark genug, ihre Ziele durchzusetzen, oder es gibt eine Abrechnung hinter den Kulissen. Jedenfalls nichts für die Öffentlichkeit.
Deutlich ist auch, dass der Innenminister sich über die Todesumstände der 12 Toten ausschweigt. Vielleicht muss erst noch eine passende Version für die Öffentlichkeit angefertigt werden.
Die beiden Attentate bleiben vorerst ein dunkles Kapitel.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130527
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
fouri / tirandazi dar majles

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130555
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
fouri/film/ da°esh ba enteshare filmi 24 t_aniye’i az daxele yeki az otaqhaye saxtemane majles, mi guyad °amaliyate teroristi’ash dar parleman iran edame darad

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130556
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
hamsare 2 nemayandeye majles dar changale teroristha

https://www.radiofarda.com/a/f2-iran-isis-attacks-over-with-12-killed-42-injured-parliament/28533622.html
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
dar tehran ba 12 koshte be payan resid

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/69691/
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
hamelate teroristiye tehran 12 koshte wa 42 majruh bar jay god_asht
tir-andazi dar majles wa aramgahe ayatollah xomeini

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130557
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
°aks / ajsade teroristhaye koshte shode dar majles
3 Fotos der toten Angreifer

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Referendum in der Türkei: Kampf zwischen Kreuz und Halbmond

Die türkische Nachrichtenseite haberler.com, die dem Inhalt zufolge der Regierung nahe steht, hat einen Artikel über die Freudenfeier in Ceylanpinar zu Erdogans Sieg im Referendum vom 16. April 2017 veröffentlicht. Ceylanpinar ist ein Landkreis der Provinz Sanliurfa, der direkt an Rasulayn in Syrien angrenzt, das unter der Kontrolle der kurdischen PYD steht.
Die Zeitung zitiert die Rede von Menderes Atilla, des Bürgermeisters von Ceylanpinar, zum Wahlsieg:
Als Bürger von Ceylanpinar haben wir heute unsere Unterschrift unter einen großen Sieg gesetzt. Am 30. März haben wir alle gemeinsam die Gemeindeverwaltung mit einem Unterschied von 800 Stimmen aus den Händen einer Terrororganisation entrissen. Bei den Wahlen zum 1. November (2015) haben wir einen Unterschied von fast 2000 Stimmen hingelegt. Bei diesem Referendum haben wir einen Vorsprung von fast 5300 Stimmen erreicht. Sie haben uns viel Unterstützung gegeben. In diesem Kampf zwischen dem Recht (auch ein Beiname von Gott) und dem Westlichen, in diesem Kampf zwischen Kreuz und Halbmond haben sich die Bürger von Ceylanpinar auf die Seite von Recht (Gott) und Halbmond gestellt. Ich danke Ihnen, den Bürgern von Ceylanpinar.

Vormarsch im kurdischen Kernland
Aufschlussreich ist die Entwicklung der AKP-Stimmen vom Juni 2015 bis jetzt in diesem Landkreis: Hatte die AKP im Juni 2015 noch 12600 Stimmen erhalten, waren es im November 2015 schon 17500 und jetzt 20900. Die HDP dagegen fiel von 18300 auf 15700 und hat sich jetzt mit 15800 gehalten. Der AKP dürften im Referendum die Stimmen der anderen Parteien zugefallen sein.
http://www.yenisafak.com/secim-referandum-2017/sanliurfa-ceylanpinar-secim-sonuclari-referandum
EVET – Ja 20923
HAYIR – Nein 15780
Differenz: 5143 zugunsten von Erdogan
Insgesamt 37813 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/2015/ceylanpinar-secim-sonuclari/
1. November 2015
AKP 17476
HDP 15662
Differenz: 1814 zugunsten von AKP
Insgesamt 36035 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/7-haziran-2015-secimi/ceylanpinar-secim-sonuclari/
7. Juni 2015
HDP 18269
AKP 12573
Differenz: 5696 zugunsten von HDP
Insgesamt 34863 Stimmen abgegeben

Suruç – vom Massaker zum Wahlsieg
Suruç, ebenfalls ein Landkreis von Sanliurfa und ebenfalls direkt an der syrischen Grenze gelegen, geriet am 20. Juli 2015 in die Schlagzeilen. Damals verübte der IS (Islamischer Staat) ein Selbstmordattentat auf junge türkische Studenten, die zur Unterstützung der Bevölkerung im syrisch-kurdischen Kobani angereist waren, das vom IS belagert wurde. 34 Studenten kamen beim Anschlag ums Leben, über 100 wurden verletzt. Die türkische Regierung soll bis dahin auch gute geschäftliche Beziehungen zum IS unterhalten haben, indem sie irakisches Erdöl aus dem Machtbereich des IS zu günstigen Preisen importierte. Es wurde auch bekannt, dass der türkische Geheimdienst den IS mit Waffenlieferungen unterstützt hatte. Man sollte meinen, dass so ein Massaker die Bevölkerung aufrüttelt. Weit gefehlt.

Erdogan, der Wortkünstler
Erdogan reagierte damals umgehend:
„Diejenigen, die diese entsetzliche Tat verübt haben, verurteile und verfluche ich sowohl in meinem Namen als auch im Namen meines Volkes. Terror kennt keine Religion, keine Rasse, kein Volk, keine Volkszugehörigkeit und kein Vaterland. Wir haben stets erklärt, dass gegen den Terror ein umfassender internationaler Kampf geführt werden muss, und wiederholen dies.“
Das scheint angekommen. Vor dem Anschlag, am 7. Juni 2015, hatte die HDP 35600 Stimmen gegenüber 6800 Stimmen für die AKP erhalten. Am 1. November 2015 sah das Ergebnis für die HDP schon bescheidener aus: 29700 gegenüber 12200 für die AKP. Und jetzt, zum Referendum, hat Erdogan 23200 Stimmen erhalten, seine Gegner 24100. Damit haben die Gegner zwar noch eine Mehrheit, aber man sehe den steilen Abfall 35600 – 29700 – 24100. Und das in nur zwei Jahren. Von Solidarität mit den Opfern von Suruc ist nichts zu spüren. Die türkischen Studentinnen und Studenten erscheinen wie Boten einer fremden Welt, mit der man vor Ort nichts zu tun hat. Erdogan hat es geschafft, sich den Leuten in Suruc als jemand zu zeigen, der sie versteht, obwohl er objektiv für das Erstarken des IS mitverantwortlich war (neben den Hauptverantwortlichen – den USA und dem Iran).

Quellen:

http://www.haberler.com/suriye-sinirinda-referandum-sevinci-9511992-haberi/
17.04.2017 17:04
Suriye Sınırında Referandum Sevinci
Die Rede von Menderes Atilla:
Ceylanpınarlılar olarak bugün büyük bir zaferin altına imza attık. 30 Martta 800 oy farkla belediyeyi terör örgütünün elinden hep beraber aldık. 1 Kasım seçimlerine yaklaşık 2 bin oy fark attık. Bu referandumda ne oldu 5 bin 300′e yakın bir fark attık. Bizlere çok büyük bir destek verdiniz. Bu hak ile batılın savaşında, hac ile hilalin savaşında Ceylanpınarlılar hakkın hilalin yanında durdular. Teşekkürler Ceylanpınar.

https://tr.wikipedia.org/wiki/2015_Suru%C3%A7_sald%C4%B1r%C4%B1s%C4%B1
türkische Wiki-Seite über das Massaker von Suruc
Erdogans Worte: „Bu vahşeti işleyenleri ben de şahsım olarak, milletim adına lanetliyorum, kınıyorum. Terörün, dini yoktur, ırkı yoktur, milleti milliyeti yoktur, vatanı yoktur. Teröre karşı tüm uluslararası bir mücadelenin verilmesi gerektiğini hep ifade ettik, ediyoruz.“

http://secim.haberler.com/2017/sanliurfa/suruc-referandum-sonuclari/
EVET – Ja 23203
HAYIR – Nein 24054
Differenz: Erdogan hat 850 Stimmen weniger als die Gegner erhalten
Insgesamt 47257 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/2015/suruc-secim-sonuclari/
1. November 2015
AKP 12240
HDP 29675
Differenz: 17435 zugunsten von HDP
Insgesamt 43997 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/7-haziran-2015-secimi/suruc-secim-sonuclari/
7. Juni 2015
HDP 35587
AKP 6845
Differenz: 28742 zugunsten von HDP
Insgesamt 44743 Stimmen abgegeben

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Türkei: Meine Leichen, deine Leichen

Wir hatten berichtet: Am 4. November war in Diyarbakir ein Bombenanschlag auf das Gebäude der Staatssicherheit verrichtet worden, bei dem elf Menschen ums Leben kamen, etwa Hundert verletzt wurden und zahlreiche Wohnungen zerstört wurden. Reuters berichtete dann, dass der Islamische Staat die Verantwortung für den Anschlag übernommen habe, das Amt des Gouverneurs von Diyarbakir beschuldigte die PKK, später erschien dann auf der Webseite der TAK (Freiheitsfalken Kurdistans, einer PKK-Abspaltung) eine Erklärung, dass sie das Attentat verübt habe, und jetzt erscheint eine Zeitschrift, in der der Islamische Staat die Verantwortung erneut übernimmt, wie die türkische Nachrichtenseite diken.com.tr am 11 November 2016 unter Berufung auf sputnik-news berichtete. Sputnik-News erscheint in verschiedenen Sprachen, unter anderem auf Türkisch, und ist ein Nachfolger der Agentur RIA-Novosti. Sie dient der russischen Regierung dazu, ihre Versionen der Geschehnisse im Ausland unters Volk zu bringen.


auf sputnik veröffentlichtes Bild der Titelseite von Rumiyah, türkische Ausgabe 3

Rumiyah (Rom, Ost-Rom = Byzanz = Konstantinopel = Istanbul)
Über die erste Ausgabe der IS-Zeitschrift Rumiyah auf Türkisch hatten wir schon berichtet, hier handelt es sich um Nummer 3. Die deutsche Version hat offensichtlich andere Inhalte, wie eine Internetsuche ergab. Der Zugang zur türkischen Version der Zeitschrift Rumiyah erschien bei einer entsprechenden Suche im Internet, beim Versuch, die pdf-Datei herunterzuladen,verschwand jedoch das hier abgebildete Bild und der Computer blieb hängen. Beim zweiten Anlauf klappte es. Dort finden sich u.a. folgende Äußerungen:
„Greift die Mitglieder von Erdoğans Partei, ihre Unterstützer, ihre Helfer und die Mitglieder der anderen Parteien, die mit dieser Partei befreundet sind, an! Und während ihr diese Abtrünnigen angreift, vergesst nicht, zugleich auch wo immer ihr seid die Staatsangehörigen der Kreuzritter-Staaten umzubringen. Tötet sie so, dass es ihren Hinterbliebenen eine Lehre sein wird. Auf diese Weise werdet ihr eure Brüder rächen.“
(Erdoğan’ın parti üyelerine, destekçilerine, yardımcılarına ve onunla dostluk kuran diğer partilerin üyelerine saldırın! Bu mürtedlere saldırırken de aynı zamanda haçlı ülkelerinin vatandaşlarını bulduğunuz yerde öldürmeyi de ihmal etmeyin. Onları öyle öldürün ki; arkalarında kalanlara ibret olsunlar ve böylece sizler kardeşlerinizin intikamını almış olursunuz.)
Unklar bleibt, wer diese Zeitschrift betreibt. Geld dafür hat der IS, Fachleute auch, aber wer eine Webseite wirklich betreibt, ist bestenfalls für Institutionen mit besonderen Zugriffsrechten feststellbar.


der Zugang zur IS-Zeitschrift Rumiyah – beim 1. Download blieb der Computer hängen, beim 2. klappte es

Den Meldungen zufolge soll der Islamische Staat jedenfalls dazu aufgerufen haben, Mitglieder der türkischen Regierungspartei AKP, türkische Richter und Polizisten zu ermorden und hart gegen die „abtrünnigen“ türkischen Soldaten vorzugehen. Die Bewegung von Fethullah Gülen bezeichnet der IS als tağut und kafir.

taghut – Erklärung im persischen online-Wörterbuch parsi.wiki (von Dehkhoda)

tağut
Dieses Wort klingt in iranischen Ohren.
Als taghuti bezeichneten die iranischen Islamisten die Regierung des Schahs. Es bezeichnet jemanden, der Götzen anbetet und andere vom rechten Weg des Glaubens abbringt. Das Wort spielte in der Verfolgung von Gegnern nach der Machtergreifung durch Ajatollah Chomeini (Februar 1979) eine wichtige Rolle.
Jetzt taucht es also in der türkischen Form beim Islamischen Staat auf. Wenn man auf Türkisch im Internet nach der Bedeutung des Worts sucht, findet man an vorderster Stelle folgende Erklärungen:
tağut: Jemand, der geil, verdorben, führend in Schlechtigkeit und Verdorbenheit ist, Despot, Schaitan, Götze, Götzentempel, Wahrsager, Zaubrer. Alle Institutionen und Personen, die den Geboten GOTTES den Rücken kehren. Sein Infinitiv Tuğyan, der von der arabischen Wurzel Teğa gebildet wurde, bedeutet so viel wie Aufstand gegen GOTT den Erhabenen.
(TAĞUT: Azgın, sapık, kötülük ve sapıklık önderi, zorba, şeytan, put, puthane, kâhin, sihirbaz. ALLAH‘ın hükümlerine sırt çeviren kişi ve kuruluşların tümü. Arapça „Teğa“ kökünden türetilmiş olup kelimenin masdarı olan „Tuğyan“ ALLAH Teâlâ‘ya isyan etmek anlamına gelmektedir. (…))
Und wenig später kommt der Verfasser auch auf die politische Auslegung dieses Begriffs zu sprechen:
Die heute auf Erden Macht ausübenden Regime (POLITIK) sind alles Menschen-Regime und beschließen ihre Gebote selbst. Indirekt stehen sie damit in Opposition zu den Geboten GOTTES. In diesem Fall werden alle diese Regime als tağut bezeichnet. Selbst die demokratischen und laizistischen Regime, die den Massen als „attraktivste und am meisten akzeptable Regime“ vorgestellt werden, gehören zur Sorte der tağut.
(Bugün yeryüzünde yürürlükte olan rejimlerin(SİYASET) hepsi, beşerî rejimlerdir ve hükümlerini kendileri koymaktadırlar. Dolayısıyla da ALLAH (c.c)‘ın hükümlerine muhalefet etmektedirler. O halde bu rejimlerin hepsi „tağut“ olarak isimlenir. Hatta kitlelere „en cazip ve hüsn-ü kabul gören bir rejim“ olarak tanıtılan demokratik ve lâik rejimler de tağut hükmündedir.)

Sunnit – Schiit – die islamistische Auslegung deckt sich
Wer in Deutschland mit Menschen diskutiert, die bemüht sind, die gewalttätigen und intoleranten Auslegungsversionen des Islams unter den Tisch zu kehren, macht namentlich als Iraner immer wieder die Erfahrung, dass bei konkreten Beispielen mit Erfahrungen aus dem Iran die Antwort kommt: Ja, das ist bei den Schiiten so, aber nicht bei den Sunniten. So, als hätten die Schiiten einen anderen Koran und andere Hadise. Am Beispiel des Propagandabegriffs tağut kann man dagegen deutlich erkennen, dass die Denk- und Argumentationsweise sich deckt. Wer auf diesen Gleisen weiterfährt, endet in einem Regime, wie es seit 1979 im Iran herrscht. Dieser Zug endet in einer blutigen Sackgasse, egal ob mit sunnitischer Rhetorik wie beim IS oder schiitischer wie bei den Ajatollahs.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/isid-diyarbakirdaki-saldiriyi-bir-kez-daha-ustlendi-ve-emir-verdi-akp-uyelerini-oldurun/
IŞİD, Diyarbakır’daki saldırıyı yine üstlendi ve emir verdi: AKP üyelerini öldürün
11/11/2016 19:43

https://tr.sputniknews.com/ortadogu/201611111025767009-isid-turkiyedeki-militanlarina-ak-partilileri-oldurma-cagrisi-yapti/
IŞİD, Türkiye‘deki militanlarına AK Parti‘lileri öldürme çağrısı yaptı
Ortadoğu 18:38 11.11.2016(Güncellendi 18:40 11.11.2016) URL‘yi kısaltın Hikmet Durgun

Erklärung der Bedeutung von ta:ghut. auf Persisch (online-Wörterbuch von Dehkhoda)
http://www.parsi.wiki/fa/wiki/topicdetail/3ba6fcb15fa3434f958b4b9010dc6279

Erklärung der Bedeutung von tağut auf einer türkischen Webseite
https://www.frmtr.com/islam-ve-insan/2988450-tagut-nedir-mutlaka-okuyun-cok-onemli.html
Eski 24-08-09, 12:49 #1
ankara_bjk ankara_bjk çevrimdışı
Varsayılan TAĞUT Nedir?(MUTLAKA OKUYUN ÇOK ÖNEMLİ)

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Iran: Maschhad – die Folgen des Angriffs aufs saudische Konsulat

Im vergangenen Jahr hatten sogenannte „Eigenmächtige“, also von den Fundamentalisten organisierte Täter, die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran und das Konsulat des Landes in Maschhad angegriffen und versucht, die Gebäude in Brand zu setzen. Mohammad Qane’i, der Präsident des Hotelier-Verbands von Maschhad, hat jetzt gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur ILNA erklärt, dass darauf die Zahl der ausländischen Touristen in Maschhad um 80% zurückgegangen sei. Vor dem Überfall auf das saudische Konsulat wurde Maschhad jährlich von anderthalb Millionen Arabern besucht. Die wenigen, die jetzt noch kommen, bleiben kürzer und geben weniger Geld für Einkäufe aus. Das hat zu einer spürbaren Rezession in Maschhad geführt.

Die Frage ist, ob die Fundamentalisten mit Ajatollah Chamene’i als Führer diesen Unmut auch zu spüren bekommen und in welcher Form. Händler sind im Iran einflussreiche Leute und gewöhnlich mit der Geistlichkeit verbunden. Vielleicht führt dies zur Zunahme von Anhänger für Ajatollah Rafsandschani.

Quelle:
http://www.radiofarda.com/a/27965979.html
vom 4. September 2016 (14. Schahriwar 1395)
hamle be konsulgariye arabestan safare gardeschgarane xaredschi be maschhad-ra 80 dar sad kahesh dad

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Türkei – Syrien – Rojava: Einigung über Pufferzone?


braun: die kurdisch kontrollierten Gebiete, gelb die angeblich vereinbarte türkische Pufferzone, grau: IS, blaugrau: die syrische Armee (von Baschar al-Assad), blassrot: diverse Oppositionsgruppen

Wie die türkische Zeitung diken unter Berufung aus Quellen aus dem syrisch-kurdischen Verwaltungsgebiet Rojava berichtet, sollen sich nach Protesten der USA die türkische Regierung und die kurdischen Kämpfer in Syrien auf eine türkische Pufferzone und eine kurdische Verbindung zwischen den drei kurdischen Gebieten Afrin, Kobani und Cezire (Dschesire) geeinigt haben. Demnach soll die Türkei eine Pufferzone von Cerablus (Dscherablus, Jarablus) bis Ases (Azez) zugestanden bekommen und somit die eigene Grenze in diesem Abschnitt unter Kontrolle haben, während die Kurden den IS aus el-Bab vertreiben sollen und dann südlich der türkischen Pufferzone ihre Gebiete zusammenschließen sollen. Quellen aus dem türkischen Außenministerium sollen solche Meldungen dementiert haben. Es ist anzunehmen, dass die syrische Regierung nicht damit einverstanden sein wird, auf ihrem Gebiet eine türkische Pufferzone einzurichten.

Quelle:
http://www.diken.com.tr/rojavali-kaynaklar-turkiye-ypg-anlasti-tampon-bolge-de-kantonlar-da-olacak/
Rojavalı kaynaklar: Türkiye-YPG anlaştı, ‘tampon bölge’ de kantonlar da olacak
30/08/2016 19:15

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Türkei – Syrien – USA: Beim Lügen ertappt

Wir hatten vor zwei Tagen davon berichtet, dass der türkische Einmarsch in die syrische Grenzstadt Cerablus auch mit Unterstützung von US-Flugzeugen erfolgte. Dies soll sowohl der US-Vizepräsident Joe Biden wie das US-Verteidigungsministerium bestätigt haben. Nun hat der türkische Journalist Tolga Tanış diese Behauptung als Lüge entlarvt.
So schreibt er in der dem Militär nahestehenden Zeitung Hürriyet, dass die USA den türkischen Einmarsch in Cerablus keineswegs aus der Luft unterstütze. Dies gehe auch deutlich aus den Berichten des US-Zentralkommandos hervor, die am 24., 25. und 26. August 2016 veröffentlicht wurden. Sie decken jeweils den Vortag ab und erwähnen in keinem einzigen Fall Cerablus (oder Jarablus), sondern als nächsten Ort Manbij, das sich in der Hand kurdischer Kämpfer befindet. Tolga Tanış schreibt weiter, dass die US-Luftwaffe die Kämpfer in Cerablus auch gar nicht unterstützen könnte, selbst wenn sie wollte. Denn in Cerablus seien Organisationen aktiv, die nach Title 50 des Nationalen Sicherheitsgesetzes der USA vom CIA unterstützt würden, sie könnten damit nicht nach Title 10 desselben Gesetzes vom US-Verteidigungsministerium unterstützt werden. Ob das so stimmt, ist allerdings fraglich, wie ein Aufsatz von Andru E. Wall im Harvard National Security Journal von 2011 ausführlich erklärt. Die Auslegung sei den US-Juristen überlassen, Faktum ist jedenfalls, dass das US-Centcom keine Luftwaffeneinsätze aus dem fraglichen Zeitraum in Cerablus/Jarablus veröffentlicht hat.
Tolga Tanış schreibt auch, es sei fraglich, ob der militärische Einmarsch der Türkei vor allem dem IS gelte oder nicht viel mehr den Kurden. Die Tatsache, dass die IS-Kämpfer sehr plötzlich aus Cerablus verschwunden seien, sei keineswegs beruhigend für die Türkei.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/cerablus-operasyonu-tsk-sivillerin-zarar-gormemesi-icin-gerekli-tedbir-aliniyor/
Cerablus operasyonu | TSK: Sivillerin zarar görmemesi için gerekli tedbir alınıyor
28/08/2016 14:00

http://sosyal.hurriyet.com.tr/yazar/tolga-tanis_322/cerablus-problemleri_40209854
Cerablus problemleri – Tolga Tanış
28.08.2016 Pazar

http://www.centcom.mil/news/press-release/august-26-military-strikes-continue-against-isil-terrorists-in-syria-and-ir
August 26: Military Strikes Continue Against ISIL Terrorists in Syria and Iraq
8.26.16
August 26, 2016
Release # 20160826-01
http://www.centcom.mil/news/press-release/august-25-military-airtrikes-continue-against-isil-terrorists

August 25: Military airtrikes continue against ISIL terrorists in Syria and Iraq
8.25.16
August 25, 2016
Release # 20160825-01

http://www.centcom.mil/news/press-release/august-24-military-airstrikes-continue-against-isil-terrorists-in-syria-and
August 24: Military airstrikes continue against ISIL terrorists in Syria and Iraq
8.24.16
August 24, 2016
Release # 20160824-01

http://harvardnsj.org/wp-content/uploads/2012/01/Vol-3-Wall.pdf
Demystifying the Title 10-Title 50 Debate:
Distinguishing Military Operations, Intelligence Activities & Covert Action, Harvard National Security Journal, 2011 von Andru E. Wall*

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Russland und Iran: Partner im Syrienkonflikt


von Hamedan nach Syrien

Kürzlich kam durch Presse-Meldungen aus Russland – u.a. in der englischsprachigen Zeitung Russia Today (RT), ein Thema an die Öffentlichkeit, dass die iranischen Machthaber wohl lieber im geschlossenen Kämmerlein behandelt hätten. Die Nutzung des Nuzhe-Flughafens in Hamedan durch russische Bomber, die von hier ihre Angriffe auf Stellungen des IS und von an-Nusra in Syrien (Aleppo, Deir ez-Zor und Idlib) flogen. Unterstützt wurden sie dabei von russischen Jagdfliegern, die von Chmeimim, der russischen Luftwaffenbasis in Syrien starteten. Die Angriffe hätten fünf Waffenlager zerstört, wie das russische Verteidigungsministerium meldete. Die Zeitung schreibt auch von einem Abkommen zwischen Moskau und Teheran, das die Nutzung des Flughafens von Hamedan durch die russischen Kampfflugzeuge erlaube (RT 16.08.2016).
Ali Schamchani, der Sekretär des Obersten Rats für Nationale Sicherheit des Irans, erklärte gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur IRNA in einem Interview vom 16.08.2016, dass Teheran mit Moskau übereingekommen sei, seine militärischen Einrichtungen mit Russland zu teilen, um den Terrorismus in Syrien zu bekämpfen.

Von gemäßigten Revolutionswächtern und Hisbollahis
Russia Today schreibt weiter, dass Moskau und Teheran im Januar 2016 ein Abkommen über militärische Zusammenarbeit unterzeichnet hätten, das Ausbildung und Bekämpfung von Terrorismus umfasse. Auch Das Abkommen wurde unterzeichnet, als der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu den iranischen Verteidigungsminister Brigadegeneral Hossein Dehqan besuchte. Diese Zusammenarbeit wird vom britischen Kommentar John Wight auf den Seiten von Russia Today als Modell gepriesen. Wes Geistes Kind dieser John Wight ist, verrät sein folgender Kommentar: „Im Jahre 2016 gibt es in keine gemäßigten Kämpfer in Syrien, mit Ausnahme der Leute von der Russischen Luftwaffe, mit Ausnahme der Soldaten der Syrischen Arabischen Armee, die keiner bestimmten Volksgruppe angehört, und mit Ausnahme der iranischen Milizen und ihrer libanesischen Alliierten…“ Jetzt wissen wir also, die Bassidischis und Pasdaran sowie die Hisbollah sind gemäßigte Kämpfer. Da Russia Today russische Regierungspositionen vertritt, sollte man solche Artikel auch nicht als Privatsache abtun.

Solange wie nötig
Am 21. August schrieb Russia Today unter Berufung auf eine Pressekonferenz des iranischen Verteidigungsministers vom Vortag, dass der Iran Russland erlauben werde, den Flughafen in Hamedan so lange zu nutzen, wie es nötig sei. Die Zusammenarbeit sei vom Obersten Rat für Nationale Sicherheit des Irans gebilligt worden, es handle sich um eine militärische Entscheidung zur Bekämpfung des IS und anderer Terroristen, die auf Bitte der syrischen Regierung erfolge. Kritik aus dem iranischen Parlament wischte der Verteidigungsministern mit den Worten beiseite, das Parlament habe mit der Sache nichts zu tun.

Kooperationszentrum in Baghdad
Die Zeitung schreibt weiter: Im Herbst vergangenen Jahrs, als Moskau seine Luftangriffe startete, richteten Russland, Iran, Irak und Syrien ein gemeinsames Informationszentrum in Baghdad ein, um ihre Operationen gegen Kämpfer des IS zu koordinieren. Vor der Ausweitung der Zusammenarbeit hatten Russland und Iran ein Abkommen unterzeichnet, dass Russland die Stationierung von Militärflugzeugen in Hamedan erlaubte. Dadurch reduziert sich die Flugzeit für russische Bomber auf Ziele in Syrien drastisch.

Russische Bomber wieder abgezogen
Am 23. August meldete Russia Today, dass laut Angaben von Ali Schamchani, dem Sekretär des Obersten Rats für Nationale Sicherheit des Irans, die Einladung an die russischen Bomber, die militärischen Aktionen in Aleppo vom Iran aus zu unterstützen, vom Iran ausgegangen sei. Schamchani soll weiter erklärt haben, dass die russischen Bomber am Dienstag (23. August) das Land wieder verlassen hätten, und zwar ohne irgendwelchen Druck von außen.

Protest aus dem iranischen Parlament
Am 21. August widmete auch iran-emrooz.net dem Thema einen Artikel. Darin heißt es unter anderem, dass Am Samstag (20.08.2016) auch Ala‘eddin Borudscherdi die Existenz eines Abkommens zwischen Russland und dem Iran bestätigt habe. Es sei auch nicht das erste Mal in jüngster Zeit, dass Russland militärische Einrichtungen im Iran nutze. Die Meldung aus Russia Today, dass der Iran Russland erlaubt habe, den Flughafen in Hamedan für seine Bomber zu nutzen, griff auch die iranische Nachrichtenagentur ILNA auf. iran-emrooz.net zitierte auch die Meldung von der Bildung eines gemeinsamen militärischen Koordinationszentrums zwischen Russland, Iran, Syrien und Irak in Baghdad.
Der Abgeordnete Heschmatollah Falahat-Pische kritisierte, dass das Abkommen am Parlament vorbei erfolgt sei, ohne es auch nur zu informieren.

Moskaus zwielichtige Rolle im Irak und Iran
Heschmatollah Falahat-Pische stellt die Frage: „Was für eine Sicherheit gibt es, dass Russland unsere Informationen nicht an die USA weitergibt?
(…) Früher hatte Moskau um Baghdad eine der längsten Verteidigungslinien der Welt eingerichtet. Aber 1991 und nach 2003 haben die Russen die enstprechenden Informationen vollständig den USA zur Verfügung gestellt, so dass die USA die Verteidigungslinie durchbrechen und Baghdad bombardieren konnte. (…) Der Stolz des Irans war immer der, dass sein Verteidigungssystem ein einheimisches System war. Unter den jetzigen Bedingungen kommt die Angst auf, ob die notwendigen Verteidigungsmaßnahmen getroffen wurden, im Gegenzug dazu, dass wir den iranischen Luftraum und Militärbasen unseres Landes den Russen zur Verfügung stellen.“

Die Russen spielten immer die Rolle des Gegners
Falahat-Pische fährt fort: „Die Russen haben immer die Rolle des Gegners gespielt. In den Tagen des (iranisch-irakischen Kriegs, 1980-1987) sind die meisten Iraner durch russische Waffen umgekommen (mit denen Saddam Hussein ausgerüstet war). In den Tagen des Embargos haben die Russen sieben Resolutionen zugestimmt, Sanktionen gegen den Iran zu verhängen, sowie die Resolution, das Iran-Dossier an den UN-Sicherheitsrat zu übertragen. Sie haben die Sanktionen auch mitgetragen. Wir haben also historische Gründe, besorgt zu sein.“

Der Oberste Rat für Nationale Sicherheit hat Pflichten
Der Abgeordnete Falahat-Pische weist auch die Rechtfertigung des Verteidigungsministers Brigadegeneral Hossein Dehqani zurück, die Nutzung iranischer Einrichtungen durch russische Bomber sei vom Obersten Rat für Nationale Sicherheit des Irans beschlossen worden. Er verwies den Verteidigungsminister auf Artikel 176 des iranischen Grundgesetzes, wonach der Oberste Rat Pflichten habe, aber keine Vollmachten.

Reaktion des iranischen Verteidigungsministers
Brigadegeneral Hossein Dehqan gab am Sonntag, den 21. August, folgende Erklärung ab: „Grundsätzlich findet das Auftreten der Russen in Syrien in einigen Operationen gegen terroristische Strömungen auf Ersuchen der syrischen Regierung statt. Der Wunsch der syrischen Regierung besteht in einer Unterstützung durch Luftoperationen und Bodeneinsätze. Die ursprüngliche Abmachung bestand darin, dass die Russen einen Teil ihrer Luftflotte entsprechenden den Operationen der syrischen Armee dorthin verlegen und Operationen durchgeführt werden, was bislang der Fall ist. (…) Diese Luftflotte war bisher im Stützpunkt bei Latakiye stationiert und operierte von dort aus, aber in letzter Zeit, nach den Vorfällen in Aleppo, wollten sie ihre Bodenaktivitäten verstärken und so war eine Unterstützung aus der Luft erforderlich.“ Er verwies auch darauf, dass die russische Luftwaffe eine näher gelegene Basis benötigte, um ihre Bomber aufzutanken. Es handle sich nicht um die Überlassung von Stützpunkten an Russland, sondern nur um eine kurzfristige Nutzung zur Unterstützung der Operationen in Syrien.

Russische Angeberei
Auf die Frage, warum Russland überhaupt die Meldung von der Nutzung des Flughafens in Hamedan veröffentlicht habe, sagte Verteidigungsminister Dehqani: „Natürlich wollen die Russen zeigen, dass sie eine Großmacht sind und Einfluss haben und dass sie in allen Sicherheitsfragen der Region und der Welt präsent sind. Auch wollen sie sich im Rahmen der Operationen in Syrien als einflussreichen Faktor vorführen, um in Zukunft ihre Ansprüche gegenüber der USA anzumelden. Es steht aber auch ein gewisses Maß an Angeberei und unklugem Verhalten hinter dieser Veröffentlichung.“

Biographien
Heschmatollah Falahat-Pische, geb. 1350 (1971), Abgeordneter des Wahlkreises Islam-Abad-West, Dalahu, Gahware und Hamil in der kurdischen Provinz Kermanschah in der siebten, achten und zehnten Wahlperiode des iranischen Parlaments. Er ist u.a. wegen des Terroranschlags bekannt, der am 20.04.1395 (Juli 2016) auf das Auto verübt wurde, in dem u.a. dieser Abgeordnete und der Chef der Sicherheitsorgane von Dalahu saßen. Zwei Insassen kamen ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt, der Abgeordnete Falahat-Pische überlebte den Kugelhagel unversehrt. Für den Anschlag wird die kurdische Organisation Pezhak verantwortlich gemacht (was nicht heißt, dass das stimmt).

Ala‘eddin Borudscherdi (Alaeddin Boroujerdi), geb. 1329 (1950), Abgeordneter des Wahlkreises Borudscherd in der sechsten, siebten und achten Wahlperiode des iranischen Parlaments. Sowohl sein Großvater wie sein Vater waren bekannte Ajatollahs. Nach einem Techniker-Abschluss arbeitete er im Roter-Halbmond-Krankenhaus in Dubai. Nach der Revolution blieb er in Dubai, wo er ein Komitee der Islamischen Revolution gründete. 1360 (1981) kam er nach Teheran zurück und wurde wegen seiner Arabisch-Kenntnisse im Außenministerium eingestellt, wo er für die Staaten am Persischen Golf und den arabischen Nahen Osten zuständig war. In der 8. Wahlperiode des Parlaments war er Vorsitzender des Ausschusses für Nationale Sicherheit und Außenpolitik. Er war auch stellvertretender Außenminister unter Ali Akbar Welajati. Nach der Niederschlagung der Proteste gegen die Wahlfälschung vom Juni 2009 war °Ala:‘eddin Borudscherdi Mitglied eines Untersuchungsausschusses des Parlaments über die Haftbedingungen, dem Mehdi Chas‘ali – einer der damals Inhaftierten – Schönfärberei der Haftbedingungen vorwarf.

Quellen:
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/63953/
Sunday 21 August 2016
ra:sha: tudey : yek sa:l pish ba: ira:n qara:rda:d bastim
wazir-e defa°: rus-ha bi-ma°refati kardand

https://www.rt.com/news/356888-russia-iran-airfield-syria/
Russia used Iranian airfield for Syrian operation at Tehran’s invitation – official
Published time: 23 Aug, 2016 19:32

https://www.rt.com/news/356632-iran-russia-hamadan-indefinite/
Iran commits Hamadan airbase to Russia for ‘as long as needed’
Published time: 21 Aug, 2016 05:09

https://www.rt.com/op-edge/356172-iran-russia-base-syria-isis/
‚Russia anti-ISIS airstrikes from Iran base show model cooperation lacking in West‘
Published time: 16 Aug, 2016 16:19

https://www.rt.com/news/356098-russian-bombers-iran-hamadan/
Russian Tu-22M3 ‚Backfire‘ long-range bombers strike ISIS from Iran’s Hamadan airfield (VIDEO)
Published time: 16 Aug, 2016 08:17

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AD%D8%B4%D9%85%D8%AA%E2%80%8C%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87_%D9%81%D9%84%D8%A7%D8%AD%D8%AA%E2%80%8C%D9%BE%DB%8C%D8%B4%D9%87
Angaben über den Abgeordneten Falahat-Pishe
abgerufen am 23.08.2016 22:39

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B9%D9%84%D8%A7%D8%A1%D8%A7%D9%84%D8%AF%DB%8C%D9%86_%D8%A8%D8%B1%D9%88%D8%AC%D8%B1%D8%AF%DB%8C
Angaben über den ehemaligen Abgeordneten Ala‘eddin Boroujerdi (Borudscherdi)
abgerufen am 24.08.2016 06:40

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Türkei – Syrien – USA: Die nächste Wende im Krieg


die Bomben fallen hier

Am 20. August 2016 verübte der „Islamische Staat“ einen Bombenanschlag auf eine Hochzeit in Gaziantep, bei dem über 50 Menschen umgebracht wurden. Schon am nächsten Morgen, als die Täterschaft noch nicht eindeutig feststand, erklärte der türkische Staatspräsident Erdogan: „Zwischen der Fethullah-Terror-Organisation, der in der Nacht des bewaffneten Putschversuches vom 15. Juli 240 unserer Bürger zum Opfer fielen, der mordenden PKK, die allein im vergangenen Monat 70 Angehörige der Sicherheitskräfte aus Militär, Polizei und Dorfschützern umgebracht hat, und dem mutmaßlichen Attentäter von Gaziantep, dem „Islamischen Staat“, besteht für unser Land und unser Volk kein Unterschied.“

PKK-Terror unterstützt Erdogan
Und wie um seine Worte zu bestätigen, verübt die PKK in den letzten Tagen laufend bewaffnete Überfälle:
Am 25. August Überfall auf die Staatssicherheit in Van, am 26. August Überfall auf eine Baustelle in der Provinz Hakkari, wobei zwei Bauarbeiter umgebracht und zwei weitere schwer verletzt wurden – es ging um Straßenbau für Sicherheitskräfte, am 26. August ein Überfall auf eine Kommandozentrale der Jandarma-Spezialeinheiten in der Region Tunceli, und als „Krönung“ des Ganzen ein Überfall auf einen Fahrzeug-Konvoi in der Region Artvin, in dem der Vorsitzende der Türkischen Sozialdemokraten Kilicdaroglu saß. Die PKK gab zwar am Tag danach bekannt, ihr Ziel habe Spezialeinheiten der Jandarma gegolten, aber Kilicdaroglu hat den Vorfall zum Anlass genommen, Erdogans Cerablus-Feldzug öffentlich zu unterstützen. Die Region um Artvin ist traditionell lasisch-georgisches Siedlungsgebiet, so dass solche Attentate gewiss auch keine Sympathien für die kurdische Sache im benachbarten Georgien wecken.

Cerablus (Jarablus)
Es ist dieses Klima, das Erdogan ermöglicht, seine nächste Kehrtwende im Syrien-Krieg zu machen. Seine Annäherung an Russland, die sich nach dem Putschversuch vom 15. Juli noch verstärkte, und die auf eine Hinnahme des Weiterbestehens der Regierung von Baschar al-Assad in Syrien hindeutete, und jetzt, „dank“ des Attentats in Gaziantep, die Abwendung vom bisherigen Verbündeten „Islamischer Staat“ ermöglichten es Erdogan, nun tatsächlich in den Krieg gegen den IS einzutreten. So begann die türkische Armee am frühen Morgen des 24. Augusts von Karkamis aus, einem zur Provinz Gaziantep gehörigen Ort an der syrischen Grenze, den IS in Cerablus (Syrien) mit Spezialeinheiten, Artillerie- und Panzerbeschuss und Unterstützung der Luftwaffe anzugreifen, um sie aus der Stadt zu vertreiben.

Die USA ist wieder im Boot
Auch US-Flugzeuge unterstützen die türkische Luftwaffe bei diesem Angriff. Am selben Tag trifft auch US-Vizepräsident Joe Biden zu einem Besuch in der Türkei ein. Sowohl er wie auch das US-Verteidigungsministerium bestätigen, dass die US-Luftwaffe den Angriff unterstützt. Als Bodentruppe finden auch 1500 von der Türkei ausgebildete Kämpfer der „Freien Syrischen Armee“ Einsatz. Der Einmarsch türkischer Panzer in Syrien wird sowohl von Russland als auch von der Regierung Baschar al-Assad kritisiert.

Die kurdische Rechnung
Ziel des türkischen Einmarsches ist die Schaffung eines Keils zwischen den kurdischen Verwaltungsgebieten im Westen und im Osten des syrischen Nordens. Nachdem die Kämpfer der syrisch-kurdischen PYD Menbic (Manbij) westlich des Euphrats erobert hatten, sah die türkische Regierung die Gefahr eines durchgehenden kurdischen Grenzstreifens auf syrischer Seite. Um das zu verhindern, hat sie das Bündnis mit dem IS einstweilig geopfert. Wenn es nach der türkischen Regierung ginge, müssten die PYD-Kämpfer wieder aus Menbic abziehen, angeblich hat sich auch die US-Regierung verpflichtet, nicht zu dulden, dass die kurdischen Kämpfer den Euphrat nach Westen überschreiten. Entsprechend negativ fällt das Urteil der türkisch-kurdischen HDP und der PYD-Führung zu diesem Einmarsch aus.

Große Koalition gegen den IS
Die Angriffe auf die IS-Grenzstadt erfolgen nur wenige Tage nach den russischen Bombenangriffen auf IS-Stellungen in Aleppo, Deir ez-Zor im Osten und Idlib im Westen, für die der Iran den Nuzhe-Flughafen in Hamedan zur Verfügung stellte.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/erdogandan-saldiri-sonrasi-ilk-mesaj-ezanlar-susmayacak/
Erdoğan’dan Gaziantep saldırısı sonrası ilk mesaj: Ezanlar susmayacak
21/08/2016 09:59
http://www.diken.com.tr/vanda-emniyet-mudurlugune-havanli-saldiri-iki-polis-ve-iki-yurttas-yaralandi/
Van’da emniyet müdürlüğüne havanlı saldırı: İki polis ve iki yurttaş yaralandı
25/08/2016 23:29
http://www.diken.com.tr/pkk-hakkaride-santiye-basip-iki-isci-oldurdu-biri-agir-iki-de-yarali-var/
PKK Hakkari’de şantiye basıp iki işçi öldürdü; biri ağır iki de yaralı var
26/08/2016 14:12
http://www.diken.com.tr/pkk-tuncelide-ozel-harekat-taburuna-saldirdi/
PKK, Tunceli’de özel harekat taburuna saldırdı
26/08/2016 15:10
http://www.diken.com.tr/pkk-hedef-kilicdaroglu-degildi/
PKK: Hedef Kılıçdaroğlu değildi
26/08/2016 15:17
http://www.diken.com.tr/kilicdaroglu-kararli-ne-teror-bizi-yildirir-ne-de-baskalari-canimiz-feda-olsun/
Kılıçdaroğlu ‘kararlı’: Ne terör bizi yıldırır ne de başkaları, canımız feda olsun
25/08/2016 18:14
http://www.diken.com.tr/abdulkadir-selvi-tsk-karadan-cerablusa-girecek-abd-havadan-destekleyecekti/
Abdülkadir Selvi: TSK karadan Cerablus’a girecek, ABD havadan destekleyecekti
23/08/2016 08:03
http://www.diken.com.tr/cerablus-operasyonu-cavusoglu-ypg-firatin-dogusuna-gecmeli-yoksa-geregini-yapariz/
Cerablus operasyonu | Başbakan: PYD, Fırat’ın doğusuna geçene dek sürecek
24/08/2016 22:55

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Syrien: Kampf den Kurden

Kämpfe in Haseke
Die türkische Tageszeitung Diken („Der Stachel“) berichtet am 20.08.2016, dass die im Norden Syriens gelegene kurdische Stadt Haseke (unweit des Dreiländerecks Syrien-Irak-Türkei) seit Donnerstag, den 18.08.2016, vom Militär der syrischen Regierung bombardiert wird. Dies sei das erste Mal im fünf Jahre dauernden syrischen Krieg, dass die Regierungstruppen einen Luftangriff gegen die Kurden vorgenommen habe. Laut einer Meldung von Rudaw.net hatten die kurdischen Kräfte zuvor gemeinsam mit der syrischen Armee einen koordinierten Angriff auf Haseke gestartet, um den „Islamischen Staat“ aus der Stadt zu vertreiben.
Der Sprecher der syrisch-kurdischen YPG (Volks-Verteidigungs-Einheiten)Redur Halil erklärte, dass beim Angriff Stellungen der kurdischen Polizeikräfte „Asayisch“ getroffen worden seien und es dabei Tote und Verletzte gegeben habe.
Die irakisch-kurdische Webseite Rudaw.net berichtet am 18.08., dass Kampfflugzeuge der der syrischen Armee Angriffe auf die Stadt Haseke im kurdischen Gebiet Rojava geflogen hätten. Auch hätten Artillerie-Einheiten der Armee die Stadt unter Beschuss genommen.
Laut einer Meldung des YPG-Sprechers Redur Halil gegenüber Reuters seien 3 Stellungen bombardiert worden. 5 YPG-Kämpfer seien dabei ums Leben gekommen. Rudaw meldet weiter, dass die Kämpfe schon am 15. August begonnen hätten und „mit leichten Waffen“ fortgeführt würden.
Die kurdischen Sicherheitskräfte „Asayisch“ hätten bekannt gegeben, dass bei den Kämpfen 14 syrische Soldaten gestorben und 8 Zivilisten verletzt worden seien. Ein zwischenzeitlich ausgehandelter Waffenstillstand sei wieder gebrochen worden.
Die türkisch-kurdische Webseite Özgür Gündem meldet am 20.08.2016, dass die Kämpfe zwischen den kurdischen Kräften und den syrischen Regierungstruppen sowie paramilitärischen Kräften (welche?) noch anhalten. Laut YPG-Quellen hätten die Regierungskräfte auch Gasbomben eingesetzt. Das Kommando der YPG-Kräfte erklärt den Regierungsangriff mit dem Vorrücken der Kurden in Minbic (Menbiç, Manbij) und Schedade.

US-Militär greift ein
Laut dem türkischen Dienst von BBC habe der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums Jeff Davis erklärt, dass Kriegsflugzeuge nach Haseke geschickt worden seien, um die eigenen Streitkräfte zu schützen. Die syrischen Flugzeuge hätten sich darauf aus dem Gebiet entfernt. Auch habe die USA die syrische Regierung unter Vermittlung Russlands gewarnt, dass sie ihre Koalitionskräfte im Gebiet schützen werde, falls sie bedroht würden.
Laut Özgür Gündem kreisen die syrischen Kampfflugzeuge weiter über Haseke, würfen aber keine Bomben ab.


Cebel ekrad, Kürt dagi

Angriff auf Cebel ekrad – „Kurdenberg“
Wie Rudaw.net am 20. August meldet, hat die syrische Armee ganz im Westen des Landes, im ländlichen Gebiet der Region Latakiya, einen von Kampfflugzeugen unterstützten Artillerie-Angriff auf die Orte Kibbani und Kale-Dagi und Umgebung gestartet. Sie liegen im Gebiet von Cebel ekrad / Kürt Dagi / Kurdenberg. Schon früher, im Mai 2016, habe die syrische Armee drei Tage lang versucht, dieses unter kurdischer Kontrolle stehende Gebiet zu erobern. Der „Kurdenberg“ erstreckt sich bis zu einem Gebiet, wo die syrische Minderheit der Aleviten lebt – zu denen auch die Assad-Familie gehört.
In der Region „Kurdenberg“ leben 80.000 bis 90.000 Kurden, die 4 kurdischen Familienverbänden angehören. Sie sollen unter dem kurdischstämmigen Führer Saldin (Selahaddin Eyyubi) dort angesiedelt worden sein.

Und Cerablus?
Cerablus (Jarabulus auf der Landkarte, gesprochen Dscherablus) liegt ebenso wie Manbij auf der anderen (westlichen) Seite des Euphrat, den der türkische Außenminister Davutoglu in seiner Amtszeit als Ministerpräsident als „rote Linie“ bezeichnet hatte“, die die Kurden nicht (nach Westen) überschreiten dürften. Er hatte damals auch eingeräumt, dass die türkischen Streitkräfte zwei Angriffe gegen die syrischen YPG-Einheiten geführt hätten. Damals hatte ihn der HDP-Vorsitzende Demirtas gefragt, wieso die Armee denn nicht gegen die IS-Stellung in Cerablus direkt an der türkischen Grenze vorgehe? Im Gegensatz zur YPG bezeichne die Regierung diese auch nicht als Terroristen. Am 12. August 2016, als bekannt wurde, dass Manbij von den Kurden erobert und der IS dort vertrieben wurde, erinnerte Demirtas Davutoglu an seine damaligen Worte. Nun, die türkische Regierung scheint ihre Antwort nicht schuldig geblieben zu sein. Özgür Gündem berichtet am 19. August 2016, dass die türkische Armee zwei Tage lang Cerablus bombardiert habe und die Kämpfer des IS samt ihren Familien nach Bab abgezogen seien. Dafür seien aus der türkischen Nachbarstadt Karkamış Kämpfer der Ceyş El-Fetih (Dschejsch el-Fetih, Armee des Eroberers) nach Cerablus verlegt worden, einer von der türkischen Regierung unterstützten bewaffneten Gruppe, die nun die Nachfolge des IS in Cerablus antritt. Özgür Gündem berichtet auch, dass das Artilleriefeuer der türkischen Armee auf leere Flächen gerichtet gewesen sei, also wohl nicht in der Absicht erfolgt sei, die abrückenden oder anziehenden Kräfte zu treffen.

Nächster Seitenwechsel?
Die Vorgänge könnten ein Indiz dafür sein, dass der türkische Staatspräsident Erdogan seine Außenpolitik neu ausrichtet. Nach der Aussöhnung mit Russland, zu dem die Beziehungen wegen des Flugzeugabschusses im November 2015 stark abgekühlt waren, könnte die gemeinsame Sache gegen die Kurden auf eine Annäherung an die Regierung von Baschar al-Assad hinweisen. Die türkische Regierung und das Militär hatten schon immer einen PKK/YPG-freien Streifen entlang der türkischen Grenze (auf syrischem Gebiet) gefordert, die syrische Luftwaffe hat jetzt an zwei Punkten (Region Latakiya und Haseke) damit begonnen. Sie ist mit der russischen Luftwaffe verbündet, die jetzt nicht nur in Chmeimim (Syrien) sondern auch von Hamedan (Iran) aus operiert. Eine Koalition Türkei-Syrien-Iran-Russland erscheint aus türkischer Sicht durchaus sinnvoll, da das Verhältnis zu den USA und Westeuropa nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 stark abgekühlt ist. Der USA wird letztlich vorgeworfen, hinter dem Putschversuch zu stehen, der dem in Pensylvania lebenden Fethullah Gülen angelastet wird. Und der EU wird Scheinheiligkeit vorgeworfen. Wenn in einem EU-Land eine Terrorgruppe aktiv sei, würden die Menschenrechte auch ausgesetzt, und Deutschland habe nach der Vereinigung mit der DDR auch Hunderttausende aus dem Staatsdienst entlassen, das sei sogar im Einigungsvertrag gestanden. Da brauche man sich dort nicht über die Entlassungswelle in der Türkei zu beschweren.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/esad-ile-kurtler-arasindaki-catismaya-abd-de-dahil-oldu-haseke-icin-jetler-havalandi/
20/08/2016 10:00
http://rudaw.net/turkish/kurdistan/180820164
Kürdistan: HASEKE – Esad‘dan YPG‘ye bombalar! vom 18.08.2016
http://rudaw.net/turkish/kurdistan/200820166
Kürdistan: Kürt Dağı‘nda bombardıman (20.08.2016)
http://ozgurgundem1.com/haber/175895/hesek-de-rejime-agir-darbe
vom 20 Ağustos 2016 17:03
http://ozgurgundem1.com/haber/175853/dais-sehba-sinirini-turkiye-destekli-gruplara-birakiyor
vom 19 Ağustos 2016 13:42
http://www.diken.com.tr/demirtas-pyd-firatin-batisina-gecemeyecek-diyen-davutoglunu-tiye-aldi-o-zaman-dans/
12/08/2016 18:33

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Syrien: Deutscher Kriegsbeitrag

Nach der Armenien-Resolution des deutschen Bundestags hatte die türkische Regierung dem CDU-Abgeordneten und Staatssekretär im Verteidigungsministerium der Bundesrepublik Deutschland Ralf Brauksiepe den Besuch deutscher Einheiten im türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik bei Adana verweigert. Damit stand deren Anwesenheit in der Türkei einmal kurz im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Nach dem gescheiterten Putschversuch vom 15. Juli 2016 kursieren in der Türkei verschiedene Behauptungen, die US-Einheiten an diesem Luftwaffenstützpunkt seien ebenfalls in den Putsch verwickelt gewesen. Als „Beweise“ dienen in der Regel Äußerungen von US-Militärs, dass die derzeitige Verhaftungswelle in der Türkei dazu geführt habe, dass man keine Ansprechspartner mehr habe. Auch die deutschen Militärs haben wohl ähnliche Probleme. Die Tageszeitung diken berichtet bei dieser Gelegenheit, dass derzeit in Zusammenhang mit dem Kampf gegen die IS („Islamischer Staat“) in Syrien 238 deutsche Soldaten in Incirlik Dienst leisteten. Sie seien seit Beginn ihrer Aktivitäten („Aufklärungsflüge“, so nennt man Flüge, mit denen Ziele für Bombardierungen ausgekundschaftet werden, und Flüge mit Tankflugzeugen) insgesamt 600 Mal von der Basis Incirlik gestartet. Derzeit würden sie nur kurze Flüge zu „Verteidigungszwecken“ vornehmen.

http://www.diken.com.tr/turk-muhatap-bulamayan-incirlik-ussundeki-alman-birlikleri-icin-ek-guvenlik-onlemi/
03.08.2016

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Amoklauf oder IS-Terror

Es gibt einen sehr lesenswerten Artikel von Götz Eisenberg zu diesem Thema:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=34349#more-34349

Götz Eisenberg hat 30 Jahre lang als Gefängnispsychologe im Erwachsenenvollzug gearbeitet, das hat seine Blicke geschärft.

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Islamische Republik Türkei?

In der Türkei gibt es eine Menge Menschen, die befürchten, dass Erdogan aus dem Land einen islamischen Staat machen will. Die Ereignisse in der Nacht des gescheiterten Militärputsches vom 15. auf den 16. Juli 2016 verstärkten diesen Eindruck. Auch viele Iraner, die noch die Revolution von 1979 im Iran erlebt haben, fühlen sich ungut an die Anfänge der Islamisierung in Heimat erinnert. So zeigte ein iranischer Sender, dessen Korrespondent aus dem nächtlichen Ankara über das Geschehen berichtete, wie Gruppen von 50-100 Menschen mit dem Ruf Allahu ekber durch die Straßen zogen, die Frauen, die zu sehen waren, trugen das islamische Kopftuch, Demokraten oder Linke waren nicht zu sehen. Will Erdogan in der Türkei eine Islamische Republik ausrufen?

Erdogan als Politiker
Dazu ist zu sagen, dass Staatspräsident Erdogan unabhängig davon, was seine persönliche Überzeugung sein mag, politisch sehr flexibel ist. Hier einige Beispiele.

Folter und Todesstrafe
In Erdogans ersten Regierungsjahren ab 2003 war von „Null Toleranz gegen Folter die Rede“, Polizeiwachen wurden mit Kameras ausgestattet, die Misshandlungen verhindern sollten. 2004 wurde unter der ersten Regierung Erdogans die Todesstrafe aus der türkischen Verfassung und dem Strafgesetzbuch gestrichen. Diese Schritte dienten damals der Annäherung an die EU mit dem Ziel eines Beitritts. Und heute: Im türkischen Fernsehen sieht man Bilder in der Haft blutig geschlagener Generäle und entkleideter Rekruten, ohne dass es Erdogan einfiele, die Bestrafung der Folterer zu fordern. Schon in der Putsch-Nacht vom 15. zum 16. Juli 2016 ließ Erdogan den Oberbürgermeister von Ankara die Wiedereinführung der Todesstrafe fordern. Am 19.07.2016 ließ er Ministerpräsident Binali Yıldırım erklären: „Was die Bestrafung der Putschisten angeht, kann mein Volk beruhigt sein. Wenn die existierenden Strafen nicht ausreichen, werden wir uns nicht weigern, die erforderlichen Regelungen zu treffen. Die Forderungen des Volkes stehen für uns über allem.“ Erdogan selbst sagte am 18.07.2016 gegenüber CNN: „Wieso sollen wir die Anführer des Putsches jahrelang in Haft halten und durchfüttern?“

Aleviten
Als religiöse Minderheit, die schon zu osmanischen Zeiten immer wieder von Sunniten verfolgt wurden, stehen diese meist dem staatlichen Laizismus Atatürks näher, weil dieser den Einfluss der Geistlichen in der Politik beschränkte. Aber selbst dieser Laizismus schützte sie nicht vor Pogromen und Überfällen religiöser Fanatiker wie in Kahraman Maras 1977 oder in Sivas 1993. Als Oberbürgermeister von Istanbul (1994-1998) ist Erdogan den Aleviten als Friedhofs-Zerstörer in Erinnerung, einen Antrag der Aleviten, im Stadtteil Karacaahmet ein alevitisches Gebetshaus (Cemevi) errichten zu dürfen, lehnte OB Erdogan mit den Worten ab: “Cemevi Cümbüş evi, ne izni!” (Gebetshaus – von wegen, ein Vergügungshaus, und dafür eine Erlaubnis?!) In seiner Amtszeit als Ministerpräsident bezeichnete er dagegen das Massaker von Dersim (Tunceli) als zweites Kerbela (wo der von den Aleviten verehrte Imam Hüseyin den Märtyrertod stab). Eindeutig ein Versuch der Anbiederung an die Aleviten.

Kurden
Die Tatsache, dass Erdogan 1999 ins Gefängnis musste, weil den Militärs ein politisch-religiöses Gedicht missfiel, das er zitiert hatte, machte Erdogan auch in den Augen vieler konservativer sunnitischer Kurden sympathisch, die mit der ursprünglich marxistischen Ausrichtung der PKK nicht zufrieden waren und als Kaufleute auch von deren Schutzgelderpressung nicht erbaut waren. So überrascht es nicht, dass Erdogans AKP auch in den kurdischen Regionen hohe Stimmenanteile erzielen konnte. Hinzu kamen Gefängnisbesuche von AKP-Politikern, die den inhaftierten Kurden Verbesserungen in Aussicht stellten, und Geheimdienstkontakte zwischen Erdogans Regierung und der PKK mit dem Ziel einer friedlichen Lösung des Konflikts.

Millet oder Ümmet – Volk oder Glaubensgemeinschaft?
Die anhaltende Ablehnung der EU-Mitgliedschaft der beitrittswilligen Türkei führte zu einer Neuausrichtung, an der Professor Davutoglu wesentlichen Anteil hatte. Statt das ewige Schlusslicht in der EU-Warteschlange zu spielen, sollte sich die Türkei auf das Osmanische Reich zurückbesinnen, mit dem Sultan als Oberhaupt aller Sunniten – türkischer, arabischer, kurdischer oder auch kaukasischer Zugehörigkeit. Gerade das, was das Militär bekämpfte – religiöse Identität anstelle eines türkischen Nationalismus, sollte die Grundlage der Neuausrichtung sein.


Erdogan mit Chalid Masch°al, einem der Hamas-Führer

Israel
Der Annäherung an die arabischen Staaten standen allerdings die guten Beziehungen zu Israel im Wege. Die waren notwendig, so lange Syriens Regierung dem PKK-Führer Öcalan einen Sitz in Damaskus zur Verfügung stellte und der PKK die Bekaa-Ebene in Libanon für militärische Trainingszwecke überließ. Israel war der zuverlässigste Partner, um Syrien in Schach zu halten. Mit der Flucht Öcalans aus Damaskus im September 1998 war die Notwendigkeit guter Beziehungen zu Israel entfallen. Erdogan, der 2003 Ministerpräsident der Türkei wurde, nutzte die Gelegenheit und begann, Israel zu kritisieren, um sich bei den Palästinensern und ihren Verbündeten anzubiedern. Der Höhepunkt des Konflikts war die Beschießung von Schiffen mit türkischen Hilfsgütern für Palästina durch das israelische Militär im März 2010. Im Gegenzug gedieh der Handel mit den arabischen Staaten, allen voran mit Syrien, in dem türkische Unternehmen bald stärker vertreten waren als iranische. Der Grenzhandel blühte, wovon auch die türkischen Kurden profitierten.

Die Folgen des arabischen Frühlings
Als der arabische Frühling 2011 auch Syrien erreichte, war die türkische Regierung in einer Zwickmühle. Weiter auf das Assad-Regime zu setzen, das Massaker an der vorwiegend sunnitischen Zivilbevölkerung verübte, konnte den Verlust der Beziehungen zur arabischen Welt bedeuten. Andererseits war Syrien wichtiger Handelspartner. Erdogan sattelte um und begann, islamistische Oppositionsgruppen in Syrien zu unterstützen und irakisches Erdöl aus dem Herrschaftsbereich des „Islamischen Staats“ (IS) zu importieren. Am Grundproblem änderte das nichts: einen ausgewachsenen Krieg vor der eigenen Haustür und Millionen von syrischen Flüchtlingen im eigenen Land, die ihm zudem noch Probleme mit der EU einbrachten.


Erdogan mit Putin

Russland (1)
Erdogans Seitenwechsel in Syrien führte zur Konfrontation mit der russischen Regierung, die Baschar al-Assad unterstützte. Immerhin war das Assad-Regime noch zu Sowjetzeiten für Russland ein wichtiger Bündnispartner im Nahen Osten. Als es in Syrien zu brenzlig wurde, zog Russland sich zeitweilig militärisch zurück, so dass nur noch die iranischen Ajatollahs und ihre Revolutionswächter das syrische Regime stützten. Nach den Anschlägen des IS in Paris war plötzlich der Sturz des IS wichtiger als der von Baschar al-Assad, so dass Russlands Militär zurückkehrte.

Das türkische Militär und der Nationalismus
Der Krieg in Syrien führte dazu, dass die mit der PKK verbündeten syrischen Kurden der PYD weite Teile des syrischen Grenzgebiets zur Türkei unter ihre Kontrolle brachten, je nach Quellen mit Unterstützung der russischen und der US-Luftwaffe. Dass ein PKK-naher Verbündeter diese wichtige Grenze kontrollierte, löste unter nationalistischen Türken mehr Unruhe aus als IS-Anschläge in der Türkei. Bei den Parlamentswahlen im Juni 2015 gewann die nationalistische MHP 16% der Stimmen, das heißt, dass jeder 6. Wähler für sie stimmte. Die Regierungsunterstützung für den IS, die gegen die Kurden kämpft, führte auch zu einem Anstieg der Stimmen für die HDP, die die Interessen der Minderheiten im türkischen Parlament vertritt. Erdogan verlor sogar in seinem Kerngebiet wie Konya massiv an Stimmen. Die absolute Mehrheit der AKP im Parlament war futsch. Erdogan reagierte rasch.

Wahlkampf mit anderen Mitteln
Erdogan gab dem Militär freie Hand für den Krieg im Südosten der Türkei inklusive im Nordirak, die Gespräche mit der PKK wurden abgebrochen. HDP-Politiker wurden kriminalisiert und verfolgt. So konnte Erdogan einen Teil der MHP-Wähler zurückgewinnen und die Wahlmöglichkeiten der HDP-Wähler reduzieren. Der Erfolg: bei den erneuten Wahlen am 1. November 2015 hatte die AKP die absolute Mehrheit wieder.

Russland (2)
Jetzt ging es darum, die eigene Stellung auszubauen und der MHP weiter das Wasser abzugraben. Im Dezember 2015 eröffnete Erdogan mit Hilfe des Militärs den Städtekrieg in Diyarbakir und Sirnak, den Militärs versprach er Straffreiheit. Den kurdischen Politikern der HDP dagegen ließ er vom Parlament die Immunität aberkennen. Er sorgte dafür, dass das türkische Parlament ein Gesetz verabschiedete, wonach Ermittlungen gegen Militärs nur mit Einwilligung der Regierung aufgenommen werden können. Außerdem ließ Erdogan am 24. November 2015 einen russischen Kampfjet über syrischem Luftraum abschießen, wegen angeblicher Grenzverletzungen. Im Konflikt mit Putin schlug Erdogan nationalistische Töne an, er werde sich für den Abschuss des Piloten nicht entschuldigen. Dies führte zu einem gewaltigen Rückgang der russischen Touristen in der Türkei, mit entsprechenden Einbußen an Arbeitsplätzen. Der Krieg in der Türkei und die IS-Anschläge in der Türkei führten auch zu einem Rückgang von Touristen aus Westeuropa. Die Unterstützung für den IS und die Empfindlichkeit für Kritik aus Westeuropa kostete Erdogan dort weitere Sympathien, so dass er sich nach neuen Verbündeten umschauen musste.

Russland und Israel (3)
Die Wahl fiel auf Russland. Am 27. Juni 2016 kam die Meldung, Erdogan habe sich brieflich bei Putin für den Abschuss des russischen Piloten entschuldigt. Am 21. Juli 2016 erklärte Erdogan sogar gegenüber dem Sender al-Jazeera (22:42 Uhr): „Zwischen Pensilvania (dem derzeitigen Aufenthaltsort von Fethullah Gülen, den Erdogan als Drahtzieher des Putschversuchs vom 15. Juli 2016 bezeichnet) und den Piloten, die das russische Flugzeug abschossen, könnte ein Zusammenhang bestehen.“ (So als hätten die Piloten ohne sein Wissen und ohne seine Zustimmung gehandelt – unvorstellbar, wenn man seine damalige Reaktion betrachtet). Die Wiederaufnahme guter Beziehungen zu Russland dürfte auch ein indirekter Fingerzeig sein, dass Erdogan sich nicht mehr gegen den Erhalt des Assad-Regimes in Syrien wendet. Am 27. Juni 2016 kam auch die Meldung, dass Erdogan sich mit Israel geeinigt habe. Dies ist wohl der Abschied von der neo-osmanischen Politik und der Vorstellung, als politischer Wortführer der Sunniten aufzutreten. Es ist gut denkbar, dass Erdogan demnächst auch seine Glaubensbrüder vom IS fallen lässt, was seine Beziehungen zum Westen aufbessern würde.

Militär und Nationalismus (2)
Der gescheiterte Militärputsch vom 15./16. Juli 2016 bot Erdogan eine einmalige Chance, einen Keil zwischen die Armee und den türkischen Nationalismus zu treiben. Dadurch, dass das Militär Brücken in Istanbul mit Panzern sperrte und auf die Zivilbevölkerung schoss, konnte er ihm den Anspruch als Hüter des türkischen Nationalismus streitig machen. In diese Kerbe hieb er gleich in der Putschnacht. Das Militär habe die Panzer und Flugzeuge, die dem Volk gehörten, auf das Volk gerichtet. Er sagte: „Milleti havalimanlarına ve meydanlara davet ediyorum.“ „Ich rufe das Volk zu den Flughäfen und Plätzen auf.“ Das Volk, und nicht die Glaubensgemeinschaft! Islamische Rhetorik fehlte natürlich auch nicht, als er den Widerstand gegen das Militär damit rechtfertigte, mann solle einem Sklaven (Gottes) keine Sklavendienste leisten. Der Putschversuch gab ihm de Freiheit, Massenverhaftungen und Massenentlassungen einzuleiten, die Justiz, das Militär, die Polizei, die Schulen und Hochschulen, sämtliche Ministerien und Institutionen zu säubern, was in jedem anderen Kontext heftige Reaktionen im In- und Ausland ausgelöst hätte.

Macht ist sein Glaube
Wir sehen: Erdogan ist im Kampf um die Macht zu allem bereit, sogar dazu, seinen ehemaligen Weggefährten Fethullah Gülen zu dämonisieren und hinrichten zu lassen. Die Ideologie ist für ihn zweitrangig, er benutzt sie, wenn sie ihm zu Macht verhilft, und lässt sie fallen, wenn sie im Weg steht. In diesem Sinne ist er nicht mehr und nicht weniger religiös als Jörg Haider oder Silvio Berlusconi.

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Syrien: Tote und gefangene Pasdaran bei Aleppo (Halab)

Wie iranische Medien am vergangenen Samstag berichteten, wurde in Chan-Tuman, einer Siedlung südöstlich von Aleppo in 10-15 km Entfernung von der Provinzhauptstadt, eine größere Zahl von iranischen Kämpfern (Pasdaran) von Kämpfern der Dschebhe-ye n-nosre (Jebhe Nusra) umzingelt. Zwischen zehn und zwanzig iranische Soldaten sollen dabei umgebracht worden sein, es seien auch zahlreiche Verletzte zu beklagen. An der Meldung scheint etwas Wahres daran zu sein, da die Einheit „Kerbela“ der Revolutionswächter der iranischen Provinz Masandaran ein Flugblatt veröffentlichte, in dem bestätigt wurde, dass Angehörige der Pasdaran dieser Einheit aus Masandaran getötet wurden. Im Flugblatt heißt es laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim: „Unter Verletzung des Waffenstillstands durch Elemente, die Unglauben verbreiten, in der Umgebung von Aleppo in Syrien, und als Folge ihrer brutalen Angriffe auf die Siedlung Chan-Tuman“ sei „eine Zahl von Beraterkräften“ getötet worden.

Kommentar: Erstens werden die Kämpfer amtlich mal wieder als Berater bezeichnet, was nicht dafür spricht, dass die Pasdaran die Absicht haben, der iranischen Bevölkerung reinen Wein einzuschenken. Und zweitens lohnt es sich, daran zu erinnern, dass die Jebhe Nusra in der Türkei als die islamische syrische Oppositionsgruppe bezeichnet wurde, die noch vor dem sogenannten „islamischen Staat“ von Erdogan unterstützt wurde, als Stellvertreter für die Interessen des türkischen Staates im syrischen Krieg. Insofern ist es nicht zu verwundern, dass speziell diese Gruppe die iranischen Pasdaran als Ziel auswählt, die ja die Regierung von Baschar al-Assad unterstützen.

Quelle:
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/05/211990.php
Samstag, 07. Mai 2016
essarat wa talafate sangine niruhaye irani dar houmeye shahre halab
Gefangennahme und schwere Verluste für die iranischen Kräfte in der Umgebung von Halab (Aleppo)

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Türkei: Erdowie ErdoWo Erdogan

Für Kritik von Menschenrechtsorganisationen sind die meisten Machthaber der Welt in der Regel taub. Das können sie sich auch leisten, denn Politik und Wirtschaft interessieren sich für Menschenrechte höchstens dann, wenn es ihnen ins Geschäft passt. Saddam Hussein bombardiert den Iran? Kein Problem, kriegt die Waffen. Immerhin hat die iranische Revolution ja den Schah gestürzt, mit dem man so gut konnte. Saddam Hussein besetzt Kuwait? Oho, Kindermörder und so weiter, die Panzer und Flugzeuge rollen an. Weg vom Fenster.
Danach kommen die von den iranischen Ajatollahs finanzierten schiitischen Milizen unter Moqtada Sadr und terrorisieren die Bevölkerung Iraks. Kein Problem, Augen zu und durch, die Bomben fallen ja nicht bei uns. Dann kommt der IS (Islamische Staat) und massakriert die Christen, Jesiden und Schiiten im Irak und u.a. die Alawiten in Syrien? Böse, böse. Da müssen die Flugzeuge wieder anrollen. Die deutschen Flugzeuge zum Beispiel aus Incirlik in der Türkei.
Ja, so selektiv wird das mit den Menschenrechten präsentiert, da können amnesty international oder Human Rights Watch tonnenweise Berichte verfassen. Aber es geht auch anders. Bei der Satire-Sendung von extra 3 (NDR) wurde ein Satire-Video auf Erdogan veröffentlicht, das die Kritik knapp und treffend in zwei Minuten zusammenfasst und schon jetzt über 5 Millionen Zuschauer auf youtube erreicht hat.
Hier der link
https://www.youtube.com/watch?v=he6zbv5S6Zg
Es lohnt sich, das anzuschauen… Selbst Erdogan hat sich das nicht entgehen lassen, und gleich den deutschen Botschafter einbestellt. Wahrscheinlich findet er es lustiger, wenn sie den Film gemeinsam anschauen.

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Türkei: Im Osten nichts Neues

Mit Nevroz oder ohne Nevroz, der Krieg gegen die Kurden in der Türkei geht weiter.
Die Webseite des türkischen Generalstabs hält auf dem Laufenden, und auch wenn es nur die staatliche Version ist, spricht sie für sich:
http://www.tsk.tr/4_olaylar/4_2_onemli_yurtici_olaylar/onemliyurticiolaylar.html

Totenbilanz
Zum 30. März 2016 meldete das Militär mit Bezug auf den 29. März:
Militäroperation in Mardin/Nusaybin – vom 13.3.2016 bis jetzt 137 unschädlich Gemachte (in der Regel Tote)
Militäroperation in Şırnak (Zentrum) – vom 13.3.2016 bis jetzt 118 Tote
Militäroperation in Hakkari/Yüksekova – vom 12.3.2016 bis jetzt 92 Tote
Luftangriffe im Nordirak – allein am 11.3.2016 67 Tote (unter der Rubrik – wichtige Vorfälle im Inland (!) veröffentlicht)
Hinzu kommen die inzwischen abgeschlossenen Militäroperationen in
Şırnak / Cizre Mitte Dezember 2015 bis 26.02.2016 666 Tote
Şırnak / Silopie Mitte Dezember 2015 bis 23.01.2016 145 unschädlich Gemachte, davon 86 Verhaftete, also 59 Tote
Şırnak / Idil – 18.2.-10.3.2016 125 Tote
Diyarbakır / Sur Mitte Dezember 2015 bis 10.03.2016 286 Tote.
Zählt man die Zahlen zusammen, kommt man auf 1550 tote „Terroristen“ laut Meldungen des Militärs. Die Zivilisten sind dabei nicht berücksichtigt, die Vertriebenen auch nicht, und die Opfer des Militärs werden anderenorts veröffentlicht.

Erdogans Ziel
Das Ziel von Staatspräsident Erdogan bei diesem Krieg ist klar – der türkisch-nationalistischen MHP die Wähler abzuziehen. Zahlenmäßig sind das etwa so viele wie die prokurdische HDP erhalten hat, allerdings unter wesentlich schlechteren Voraussetzungen (Überfälle und gerichtliche Verfolgung gegen zahlreiche Aktivisten der Partei).

Und das Ziel der PKK?
Die Frage ist, was die PKK damit gewinnen wollte, als sie sich auf diesen Krieg einließ. Hat sie ihren politischen Spielraum überschätzt? Sie mag in Syrien mit ihrer kurdischen Schwesterpartei zwar erfolgreich gegen den „Islamischen Staat“ kämpfen und deshalb die Sympathien westlicher Machthaber genießen, aber weder die USA noch die EU haben bis jetzt auch nur die Einstufung der PKK als „terroristische Vereinigung“ aufgehoben.

Westliche Heuchelei von den Menschenrechten
Darauf weist Erdogan zu Recht hin, wenn er den Westen als doppelzüngig bezeichnet. Wie kann es sein, fragt er, dass man ihn nach Brüssel einlädt und die „Terroristen“ vor dem Ort des Treffens ein Zelt aufbauen dürfen? Auch in einem zweiten Punkt hat Erdogen nicht Unrecht: Der Kuhhandel der EU mit der Türkei, Geld zu geben, wenn die Türkei syrische Flüchtlinge zurücknimmt, sowie Visafreiheit für die Türken zu gewähren, ist ein Offenbarungseid in Sachen Menschenrechten. Syrische Flüchtlinge sind in der EU nur genehm, wenn sie von der Wirtschaft gesuchte Berufe ausüben. Erdogan meint dazu: Wir nehmen die Menschen nicht wegen der EU-Gelder zurück, sondern damit sie nicht vor verschlossenen Türen betteln müssen (sinngemäß für rezil olmasınlar). Was den Schutz syrischer Flüchtlinge in der Türkei angeht, verschweigt er zwar, dass der IS auch in der Türkei problemlos seine Kritiker ermorden kann und tödliche Terrorakte gegen türkische Linke verübte hat, aber inzwischen hat die Türkei wohl 3 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen – und welches EU-Mitglied könnte das von sich behaupten?

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