Archiv der Kategorie 'Islamismus'

Iran: Rückkehr zu den Waffen?


Screenshot von der Webseite „Heilige Verteidigung“ – auch das Regime nimmt das Wort Verteidigung für ihre Tätigkeit in Anspruch

Schüsse in Piranschahr
Am Sonntag berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf den Pasdaran-Befehlshaber Oberst Mohammad Pakpur, dass ein „terroristisches, konterrevolutionäres Kommando“ vorhatte, auf iranisches Gebiet einzudringen und in einem Gefecht mit den Landstreitkräften der Revolutionswächter (Pasdaran) „vernichtet wurde“. Ebenfalls am Sonntag berichtete die zentrale Webseite der Demokratischen Partei Kurdistans / Iran (DPKI), dass ihrer Partei angeschlossene Peschmerga-Kämpfer in der Nacht vom Freitag auf den Samstag in der Region Piranschahr eine bewaffnete Auseinandersetzung mit den Kräften der Revolutionswächter hatten und ihnen „einen tödlichen Schlag“ versetzt hätten. Während die Machthaber von „terroristischen Gruppen“ sprechen, redet die Demokratische Partei Kurdistans/Iran von einer „Verteidigung der Rechte der Kurden“.

Oberst der Pasdaran ums Leben gekommen
Zwei Wochen zuvor hatte der Stützpunkt „Hamse“ (qarargahe hamze-ye seyyed osh-shohada‘) der Landstreitkräfte der Revolutionswächter gemeldet, dass bei einer Auseinandersetzung mit einer „terroristischen Gruppe“ drei Mitglieder der Gruppe und ein Oberst der Revolutionswächter ums Leben gekommen seien. Der Stützpunkt Hamse war noch zu den Anfängen der iranischen Revolution, 1979, in der Region eingerichtet worden, um den bewaffneten Widerstand gegen die Islamische Republik zu brechen. Sein Oberkommando ist zentral in Teheran eingerichtet, die einzelnen Kräfte sind über das gesamte kurdische Gebiet verteilt und in den Kasernen der Pasdaran stationiert. Sie unterstehen aber nicht dem örtlichen Befehlshaber, sondern dem zentralen Kommando in Teheran.

Die Komele schießt auch

Auch Komele, eine andere kurdische Oppositionsgruppe im Iran, berichtete von bewaffneten Gefechten mit Kräften der Revolutionswächtern am 2. Tir 1396, also vor etwa 6 Wochen.

Iranische Streitkräfte beschießen Kurdische Autonomie/Nordirak
Etwa zehn Tage später wurde berichtet, dass iranische Streitkräfte das Gebiet der kurdischen Autonomie in Kurdistan beschossen habe.

Der Westen hat die Waffen wieder salonfähig gemacht
Dies alles macht deutlich, dass im iranischen Kurdistan wieder verstärkt mit Schusswaffen gekämpft wird. Was ist der Grund? Die DPKI hatte lange einen Kurs verfochten, durch Verhandlungen mit Vertretern der Islamischen Republik eine Anerkennung der Rechte der Kurden zu erzielen. Der Erfolg war, dass 1989/1991 ihre Anführer und Verhandlungsführer in Wien und Berlin ermordet wurden. Von einer Gewährung irgendwelcher Rechte an die Kurden ist im Iran nicht die Rede. Dies führt allmählich zu einer Radikalisierung in der Bevölkerung, die auf der einen Seite sehen, dass Wahlen im Iran nichts ändern, dass Verhandlungen nichts bringen, und andererseits feststellen, dass es neuere Gruppen gibt, die radikalere Wege einschlagen. So etwa die Anhänger von Peschwak, einer Gruppe, die ideologisch der PKK nahesteht. Andere, wir haben schon darüber berichtet, sehen ihr Heil in einer iranischen Variante der „Al-Kaida“. Wenn die DPKI nicht reagiert, kann sie nur zuschauen, wie ihr die „Schäfchen“ davonlaufen. Zugleich befindet sie sich in einer heiklen Lage. Ihre Zufluchtsgebiete im kurdischen Nordirak hängen vom Wohlwollen der Staaten ab, die die kurdische Autonomie im Irak unterstützen. Seit dem Krieg in Syrien und dem Aufkommen des „Islamischen Staats“ finden sich in westlichen Staaten immer mehr Befürworter der Unterstützung kurdischer Gruppen im Kampf gegen die Islamisten. Davon profitiert auch die DPKI. Sie hofft, mit dieser Rückendeckung und einem stärkeren bewaffneten Auftreten im iranischen Kurdistan ihre Anhängerschaft zurückzugewinnen. In der Darstellung der DPKI verübt diese keine Angriffe auf Kasernen oder Posten der iranischen Revolutionswächter, sondern greift lediglich zum Zweck der Verteidigung ein, um ihre eigenen Aktiven zu schützen, die unter der kurdischen Bevölkerung für ihre Ziele werben, oder auch um eine Verfolgung von Vertretern der Zivilgesellschaft zu verhindern, wenn diese Opfer staatlicher Übergriffe werden. So will die DPKI den Eindruck vermitteln, dass sie hinter der Bevölkerung steht. Das Kalkül der Komele ist in diesem Punkt ähnlich.

Wie stürze ich eine Diktatur?
Unabhängig davon, was Wahrnehmung, Darstellung und Wahrheit ist, lässt sich jedenfalls eine Zunahme von bewaffneten Auseinandersetzungen feststellen. Die Erfahrung zeigt leider, dass erfolgreicher Umgang mit Waffen nach dem erfolgreichen Sturz einer Regierung keineswegs die beste Schule zur Ausbildung einer demokratischen, an Menschenrechten orientierten politischen Elite ist. Die Frage, was man statt dessen tun könnte, um diese Diktatur endlich abzuschütteln, ist mit dieser Feststellung freilich nicht gelöst.

https://www.radiofarda.com/a/new-clash-between-irgc-and-armed-group-in-northwest-of-iran/28661822.html
vom 15. Mordad 1396 (Sonntag, den 6. August 2017)
dargiriye niruye zaminiye sepah ba yek goruhe mosallah dar mantaqeye marziye adherbayjane gharbi

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Istanbul: Meine Kleidung geht dich nichts an


Meine Kleidung geht dich nichts an!

Im Maçka-Park in Istanbul fand heute eine Kundgebung dagegen statt, dass ein Sicherheitsbediensteter versucht hatte, eine Frau aus dem Park zu werfen, weil sie nicht „anständig“ gekleidet sei. „Sie können hier nicht so herumlaufen, die anderen Menschen fühlen sich belästigt.“ hatte er behauptet. Und weiter: „Hier sind auch Familien. Und wenn Sie dann vergewaltigt werden, rufen Sie noch um Hilfe.“ Der Sicherheitsbeamte wurde laut Angaben der Stadtverwaltung Istanbul inzwischen vom Dienst suspendiert. Er arbeitete für eine Drittfirma. Wie man sieht, ist Leiharbeit auch beim türkischen Staat gang und gebe.

http://www.diken.com.tr/macka-parkinda-bir-kadini-taciz-eden-guvenlikci-aciga-alindi/
31/07/2017 16:30

Maçka Parkı’nda bir kadını taciz eden güvenlikçi açığa alındı

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Stoppt den Kulturterror!

Im Iran häufen sich die Fälle, dass genehmigte Konzerte nicht aufgeführt werden können, weil angeblich unbekannte Täter die Veranstaltung überfallen und die Durchführung des Konzertes verhindern. Über 500 Iranerinnen und Iraner, die in der Musikbranche tätig sind, haben jetzt einen offenen Brief an das Ministerium für Kultur und Religiöse Aufklärung geschrieben und fordern, dass diese Täter endlich ergriffen und gerichtlich verfolgt werden. Sie fordern auch die Einrichtung einer Kasse, aus der eine Entschädigung an die betroffenen Künstler gezahlt wird, deren Konzerte durch solche Überfälle verhindert werden.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=134050
vom 9. Mordad 1396 (31. Juli 2017)
nameye sar-goshade pansad fa°°ale houzeye musiqi be ershad / laghwe konserthara motewaqqef konid

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Türkei: Marsch für die Gerechtigkeit

Nach einem über 400 Kilometer langen Fußmarsch traf gestern der Führer der türkischen CHP in Maltepe ein, das in der Großregion Istanbul liegt und von einem CHP-Bürgermeister regiert wird. Dort forderte er im Beisein von anderthalb Millionen Anhängern Gerechtigkeit, eine weitere Million musste aus Platzmangel draußen warten. Der Fußmarsch und die gewaltige Kundgebung ist ein Symbol der nach wie vor starken Widerstände in der türkischen Gesellschaft gegen die Alleinherrschaftsansprüche von Staatspräsident Erdogan.
Oray Egin trifft aber in seinem Kommentar in der kritischen Internet-Zeitung diken (der Stachel) den wunden Punkt des Protests: Die Protestmarschierer entstammen im wesentlichen der Wählerbasis der CHP. Der Protest umfasste weder die Kurden, noch die Konservativen, noch Menschen aus dem religiösen Lager, die mit Erdogan unzufrieden sind – und das sind Millionen, wie wir beim Verfassungsreferendum sehen konnten. Oray Egin kritisiert auch, dass der CHP-Führer Kilicdaroglu in seinem 10-Punkte-Manifesto so etwas wie eine Petition verlesen hat. Ein Aktionsplan war es nicht. So mangelt es dem Protest nach wie vor am Willen und der Fähigkeit, Koalitionen mit anderen Unzufriedenen zu schmieden. Und so dürfte eintreffen, was Oray Egin in seiner Überschrift schreibt: Sollen morgen nur Wahlen sein und soll Kemal Kilicdaroglu Kandidat sein – gegen Erdogan wird er verlieren!

http://www.diken.com.tr/oray-egin-yarin-secim-olsun-kemal-kilicdaroglu-aday-olsun-erdogana-karsi-kaybeder/
vom 10/07/2017 09:29
Oray Eğin: Yarın seçim olsun, Kemal Kılıçdaroğlu aday olsun… Erdoğan’a karşı kaybeder

http://www.birgun.net/haber-detay/adalet-mitingi-icin-milyonlar-maltepe-ye-akin-etti-168933.html
vom 09.07.2017 11:08
Adalet Mitingi için milyonlar Maltepe‘ye akın etti

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Staatsterrorismus bis heute


Masih Alineschad

Es gibt namhafte Nahost-Forscher, die den Iran vor den Terrorismus-Vorwürfen Trumps in Schutz nehmen, wie etwa im unten zitierten Artikel in Le Monde. In der Form, wie Trump es darstellt, kann man es gewiss nicht stehen lassen. Andererseits besteht kein Zweifel, dass die iranischen Machthaber – also die Pasdaran (Revolutionswächter) und die Leute um den Religiösen Führer – bis heute im Ausland Terroranschläge verüben.

Said Karimian – 29. April 2017, Istanbul
Ein Beispiel dafür ist die Ermordung des iranisch-britischen Medienunternehmers Said Karimian in Istanbul am 29. April 2017. Die iranische Regierung und gewisse türkische Medien waren schnell dabei, die Volksmudschahedin zu beschuldigen, aber die Ermittlungen der türkischen Polizei verweisen deutlich auf die Urheberschaft der iranischen Machthaber.

Justizbeamter droht Masih Alineschad
Ein neuer Fall der Drohung mit einem Terroranschlag ist jetzt aus Großbritannien bekannt geworden. Resa Yathrebi, ein Mitarbeiter der iranischen Justizbehörde, und zwar der Abteilung, die für Richter und Strafvollstreckung im Bereich für Computerdelikte zuständig ist, hat in einem „comment“ auf der Instagram-Seite von Frau Masih Alineschad folgendes geschrieben:

„Haben Sie geglaubt, dass es schwer ist, Sie in England zu finden? Glauben Sie, dass es für uns schwer ist, Sie von der Erdkugel zu löschen? Mit Ihrem Programm der „Weißen Mittwoche“ treten Sie alle unsere Bemühungen in den Staub. Sie sollten den Zugang zu den Medien nicht gegen den Islam nutzten, pass auf, dass wir das, was wir mit Farokhzad (Farrochsad) gemacht haben, nicht eines Tages auch mit dir machen.“

Fereydoun Farokhzad 1992 in Bonn
Der iranische Dichter und Sänger Fereydoun Farokhzad war am 6. August 1992 in seinem Haus in Bonn ermordet worden. Dieser Mord wurde in Deutschland geflissentlich unter den Teppich gekehrt. Die Auftraggeber sind dieselben wie diejenigen, die den Mord am iranischen Kurdenführer Sadegh Scharafkandi am 17. September 1992 in Berlin durchführen ließen. Damals wurde der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i und der Außenminister Fallahian von einem deutschen Gericht als Tatverdächtige benannt. Die Straflosigkeit, die nun schon 25 Jahre anhält, zeigt deutlich, dass die iranischen Machthaber keine Notwendigkeit sehen, von Morden im Ausland Abstand zu nehmen.

Weißer Mittwoch
Der „weiße Mittwoch“ ist eine neue Aktion der Frauenbewegung im Iran, jeden Mittwoch in weißer Verschleierung an die Öffentlichkeit zu gehen, um so gegen die schwarze Zwangskleidung, die ihnen von den Islamisten aufgezwungen wird, zu protestieren.

http://news.gooya.com/2017/06/post-5044.php
vom 29. Juni 2017
tahdid be terore masih °ali-nezhad: manande faroxzad saketat mikonim

https://de.wikipedia.org/wiki/Fereydun_Farrochsad

https://de.wikipedia.org/wiki/Sadegh_Scharafkandi

http://www.lemonde.fr/idees/article/2017/05/29/l-iran-n-a-rien-a-voir-avec-le-terrorisme-djihadiste-qui-frappe-l-occident-depuis-2001_5135207_3232.html
L’Iran n’a rien à voir avec le terrorisme djihadiste qui frappe l’Occident depuis 2001, estime un collectif de chercheurs

Donald Trump accuse la République islamique d’être le « principal organisateur du terrorisme international ». Pure désinformation alors que de profonds changements sont intervenus dans le pays, déclare un collectif de chercheurs dans une tribune au « Monde ».

LE MONDE | 29.05.2017 à 06h38 • Mis à jour le 29.05.2017 à 15h00 | Par Thierry Coville (économiste, chercheur à l‘IRIS), Bernard Hourcade (géographe, directeur de recherche émérite au CNRS) et Azadeh Kian (sociologue, …

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Wie kommt das Volk dazu, jemandem Rechte zu verleihen?

Ajatollah Mesbah Yasdi, der Schutzpatron des vorigen Präsidenten Ahmadineschad und ein Vertreter der Betonfraktion unter den iranischen Islamisten, hat jetzt in einer Rede mal wieder deutlich gemacht, was er von Demokratie, von der Herrschaft des Volkes hält:
„Wer ist das Volk schon, dass sie jemandem Rechte verleihen? Hat das Volk denn selbst überhaupt ein Recht? Das Gesetz ist das, was Gott erlassen hat, und der Ausführende des Gesetzes ist der, der von Gott ernannt wurde.“
Link zum Video: https://youtu.be/GJFERsM9CU8

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=131692
vom 4. Tir 1396 (25. Juni 2017)
film / mesbahe yazdi: mardom che kare‘and ke be kesi haqq bedahand, aslan magar mardom xodeshan haqqi darand? / qanun an ast ke xoda gofte wa mojriye qanun kesi ast ke xoda ta°yin karde

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Wenn Terroristen von Terroristen sprechen

Wir hatten von den beiden dubiosen Attentaten auf das iranische Parlament und das Grabmal von Ajatollah Chomeini berichtet. Alle Indizien deuten darauf hin, dass diese von den Machthabern initiiert wurden, denn die Täter legten eine Gelassenheit an den Tag wie anderswo Beamte, die zur Arbeit gehen, um ihren täglichen Dienst zu verrichten. Natürlich waren die Toten nicht umsonst. Denn diese Attentate dienen jetzt als bequemer Vorwand, um gegen politische Gegner des Regimes unter Kurden, Arabern und Balutschen vorzugehen. Jetzt wird von der Verhaftung von „50 terroristischen Elementen“ aus Kermanschah, einer großen kurdischen Stadt im Iran, berichtet. Indem das Regime den „Islamischen Staat“ beschuldigte, die Attentate verübt zu haben, muss es auch keine große Kritik aus dem Westen befürchten…

https://www.radiofarda.com/a/f6_iran_arrests_weapons_kermanshah/28577970.html
vom 4. Tir 1396 (25. Juni 2017)
dastgiriye 50 tan az „°anasere mortabet wa poshtibane goruhhaye teroristi“ dar kermanshah

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Gefängnis im Iran: Das Labor der Zukunft


Der politische Gefangene Bahman Ahmadi Amu’i hat jetzt einen tiefblickenden Bericht über seine Gefängniserlebnisse aus dem Jahr 2010 veröffentlicht. Der Bericht hat diesmal nicht Folter und Misshandlungen zum Thema, sondern er beleuchtet die Denkweise und Herkunft einer neuen Bewegung, die nun auch im Iran Fuß fasst und auf die Entwicklung im Nahen Osten gewaltigen Einfluss nimmt. Von ihrer Tätigkeit ist auch Europa betroffen. Bahman Ahmadi Amu’i nennt diese Menschen „iranische Al-Kaida-Mitglieder“. Das darf man nicht zu wörtlich nehmen – Taliban, Al-Kaida oder Islamischer Staat haben in ihrer Gedankenwelt vieles gemeinsam, und es ist eindrucksvoll zu sehen, wie diese nächste Generation von Unzufriedenen mit ihren Mitgefangenen umgeht und zum iranischen Staat steht. Man weiß nie – morgen stehen diese Menschen vielleicht auf den Trümmern eines zerbrochenen Staats namens Iran.

Iranische Al-Kaida
Bahman beschreibt die Situation im Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses von Teheran im Juli/August (Jahr 2010). Es ist eine größere Zahl von islamistischen Gefangenen im Gefängnis eingetroffen, und die Gefängnisleitung versucht alles erstes, ihre Verbindungen zu zerschlagen, indem sie je zwei von ihnen in den verschiedenen Zellen unterbringt, die oft 30-40 Gefangene fassen. Aber die Renovierungsarbeiten in der Anstalt führen dazu, dass die Gefangenen sich ständig treffen können und nur zum Schlafen in ihren Zellen sind, die Islamisten bleiben unter sich. Darauf schlägt der Gefängnisdirektor eine neue Taktik ein. Eine Großzelle wird freigemacht, 10 „iranische Al-Kaida-Leute“ sollen darein, außerdem 14 andere Gefangene. Die anderen Gefangenen melden sich deshalb, weil in ihren überfüllten Zellen viel zu wenig Betten sind und sie auf dem Boden schlafen müssen.

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf
Die Lage der Gefangenen, die nicht der „Al-Kaida“ angehören, ist heikel. Sie sind zwar aus politischen Gründen in Haft und wie die Al-Kaida-Leute Gegner des Regimes der Islamischen Republik Iran, aber das ist auch fast alles, was sie gemeinsam haben. Bahman beschreibt, dass die Anhänger des „Andschomane Padeschahi“ (Monarchisten, die eine Rückkehr des Schahs in den Iran wünschen) sich in Gegenwart dieser Islamisten nur noch flüsternd unterhielten, weil sie Angst vor ihnen hatten. Andere Gefangene schauten morgens immer neugierig in ihre Zelle, ob die Nicht-Islamisten noch lebten. Die 14 Nicht-Islamisten waren außer Bahman Ahmadi Amu’i (Journalist) und Abdollah Mo’meni (ein politisch aktiver Student) ein Anhänger der Monarchisten (Andschomane Padeschahi), acht Anhänger der Grünen Bewegung (Reformisten) sowie drei Kurden, ebenfalls politische Gefangene (einer aus der Türkei, einer aus Syrien, einer aus dem Iran). Bahman Ahmadi Amu’i schreibt, in ihrer Zusammensetzung in der Zelle waren sie ein Abbild des Nahen Ostens im Kleinen. Zwischen den beiden Gruppen (10 iranische Al-Kaida-Leute, 14 andere Gefangene) gab es fast keine Kontakte. Bahman bemühte sich, Kontakt mit den Al-Kaida-Leuten zu bekommen, aber sie waren in sich geschlossen. Das Zusammenleben ist problematisch. Einer der 14 zieht es vor, wegen der Hitze im Gefängnis (Sommer in Teheran!) sein Oberhemd auszuziehen, so dass man seinen behaarten Oberkörper sehen kann. Die Al-Kaida-Leute warnen ihn jeden Tag, er solle das bleiben lassen, sonst würden sie zu Maßnahmen greifen.

Lügenfernsehen
Ein gemeinsamer Punkt ist ihr Zweifel am staatlichen iranischen Fernsehen. Als die 14-Uhr-Nachrichten berichten, dass zwei Personen bei Selbstmordanschlägen in Kabul drei Angehörige der Nato-Streitkräfte umgebracht haben“, protestieren die Al-Kaida-Leute, das iranische Fernsehen berichte zu Gunsten Amerikas. Wie könne es sein, dass bei zwei Selbstmordanschlägen nur drei Menschen ums Leben kämen? Einer der Islamisten ruft erfreut: „Die haben zwei Nullen weggelassen, es sind bestimmt 200 ums Leben gekommen.“ (Der Rechenfehler mag im Kopf dieses Islamisten erfolgt sein, ansonsten ist das ein Tippfehler im Persischen). Wann immer im Fernsehen die Nachricht von einem Terroranschlag kommt, umarmen sich die Al-Kaida-Leute und küssen sich vor Freude. Den anderen Mitgefangenen in der Zelle ist das unheimlich. Wie sollen sie damit umgehen?

Das Fest des Propheten
Der Tag, an dem Mohammad zum Propheten bestimmt wurde, wird als °Eyde Mab°ath bezeichnet, also Fest der „Sendung“. Die Al-Kaida-Leute in der Zelle verstehen darunter aber „Geburtstag“ des Propheten und lehnen es ab, sich an den Vorbereitungen zu diesem Fest zu beteiligen. Sie sagen, wenn das ein Tag zum Feiern wäre, warum hat der Prophet seinen Geburtstag selbst nicht gefeiert? Das Interessante an diesem Detail: Diese Islamisten wissen wohl nicht, was mab°ath eigentlich heißt, so schlecht sind ihre Arabisch-Kenntnisse und ihre religiöse Bildung.

Ich habe doch nur 8 ungläubige Amerikaner umgebracht
Abdollah, der Zellensprecher der Al-Kaida-Leute, berichtete einmal über die Umstände seiner Verhaftung. Er sagt: „Das ist wirklich Unrecht. Ich habe nur 8 ungläubige Amerikaner umgebracht. Aber der iranische Staat hält mich nun schon 11 Monate im Gefängnis fest. Das ist offenkundiges Unrecht. Auf der einen Seite sagt die iranische Regierung, dass Amerika der Feind ist, aber auf der anderen Seite verhaften sie diejenigen, die die Amerikaner in Afghanistan umbringen.“ Er wurde in Bukan (iranisches Kurdistan) verhaftet.

Teppichwaschen – der gemeinsame Nenner

In wenigen Dingen finden die beiden Fraktionen – die Mehrheit der Nicht-Islamisten und die 10 Al-Kaida-Leute – einen gemeinsamen Boden. So, als sie zwei alte Teppiche für die Zelle bekommen und sie gemeinsam waschen. In der Zelle werden verschiedene Aufgaben – Putzen, Kochen, Verteilung von rationiertem Essen – aufgeteilt. Die Gefangenen der Zelle einigen sich auch auf eine gemeinsame Begrüßung am Morgen: Dorud bar sharafetan – Ihre Ehre sei gesegnet.

Soziologie des neuen Islamismus
Die zehn islamistischen Gefangenen haben nur eine minimale Bildung. Keiner ist über 24 Jahre alt. Theorien und Analysen übersteigen ihren Horizont, und das, was sie aus dem Koran verstehen, kommt den anderen, die ja in einer islamischen Republik leben, zum Teil sehr komisch vor. Einer der 10 hat früher Haushaltsgeräte und Möbel repariert, ein anderer hatte einen kleinen Laden, zwei oder drei hatten einen Schulabschluss der neunten oder zehnten Klasse. Das einzige, wodurch sich die zehn voneinander unterschieden, war die Zahl der Einheiten (Joz’) des Korans, die sie auswendig wussten. Der Koran besteht aus insgesamt 30 Einheiten. Es waren keine Leute, die Romane, Erzählungen oder Gedichte lasen, auch soziologische Werke waren nicht ihr Thema. Sie lasen nur den Koran und lernten ihn auswendig. Das einzige, was sie an den im Gefängnis erhältlichen Zeitungen interessierte, war das Fernsehprogramm. Das Fernsehen schauten sie schon an.

Der Keim einer neuen Zensur

Was die 10 Al-Kaida-Leute auch machten, war, die Zeitungen in der Zelle darauf zu studieren, ob sie Worte enthielten, die nach ihrer Ansicht einer der Beinamen Gottes darstellten (und davon gibt es vielleicht über Hundert, nicht wenige davon sind auch übliche Vornamen, z.B. Aziz u.a.). Im Gefängnis dient die Zeitung u.a. dazu, das Klo zu reinigen. Nach Ansicht der Al-Kaida-Leute ist das Sünde, wenn die Zeitung einen der Beinamen Gottes enthält. Die Zeitungen, die im Gefängnis vorhanden sind, etwas Sobhan und Hemayat, sind dummerweise voll von solchen Wörtern, so dass die Islamisten an manchen Tagen die Zeitungen verbrannten, damit sie nicht „missbraucht“ werden konnten. Das war einer der alltäglichen Konflikte in der Zelle.

Sport und Spiel
Gemeinsames Volleyballspiel war eine der wenigen Tätigkeiten, die auch für die Islamisten akzeptabel war. Einer spielte sogar Schach. Ansonsten hockten sie in Gruppen zusammen, um den Koran auswendig zu lernen.

Nachrichten
Für die Islamisten waren nur Nachrichten über Bombenattentate der Al-Kaida im Irak und in Afghanistan interessant, außerdem Berichte, die mit ihrer Organisation zusammenhingen. Der Rest ließ sie kalt.

Zuwachs
Die Gefängnisleitung hielt sich nicht an die Abmachungen, und so füllte sich auch die neue Zelle. Bald waren es 17 Al-Kaida-Leute und 20 andere Gefangene in der Zelle. Täglich fand achtmal das Gemeinschaftsgebet in der Zelle statt – fünfmal von den Al-Kaida-Leuten und dreimal von den anderen Gefangenen – namentlich den Reformisten. In der Zelle war immer mehr Unruhe, denn auch die Islamisten der Nachbarzellen kamen zum Gebet. Inzwischen sind unter den Gefangenen auch ein Palästinenser, der an einer Uni in Kiew (Ukraine) studiert hat, und zwei Ägypter, die von der Türkei in den Iran eingereist waren, von dort weiter nach Pakistan, und dann auf dem Rückweg im Iran verhaftet worden waren. Sie warteten auf ihre Auslieferung an Ägypten. Ein oder zwei waren aus Aserbaidschan. Sie wollten weiter in den Irak und waren im Iran verhaftet worden. Die Gefängnisleitung beschloss darauf, die Al-Kaida-Leute in das Gefängnis von Radscha’i-Schahr (in Karadsch) zu verlegen.

Essen in der Zelle
Der Vorschlag von Bahman, gemeinsam um das Tischtuch am Boden zu sitzen und gemeinsam zu kochen und zu essen, stieß bei den Islamisten auf Ablehnung. Sie sagten, sie wüssten ja nicht, wie das Vieh geschlachtet worden sei – sprich, sie wollten nicht glauben, dass das Fleisch in der Islamischen Republik Iran nach islamischen Regeln geschlachtet worden sei. Das war ein Weg, mit der diese Islamisten ihren Zweifel an der Islamischen Republik ausdrückten. Dagegen hatten auch die anderen Gefangenen keine Argumente. Bevor sich diese jungen Männer der Al-Kaida angeschlossen hatten, unterschieden sie sich nicht in ihren Essensgewohnheiten. Diese Vorwände waren ein Mittel, um sich von den anderen abzuheben und sich selbst als Gruppe zu definieren. Dagegen ist mit Logik nicht anzukommen. Bart, weite Hosen bis zum Knöchel oder die Essensgewohnheiten waren sozusagen ihr Markenzeichen.

Konflikte

Einige der Gefangenen in der Zelle waren Kurden, die in Kurdistan mit Waffen gegen die Al-Kaida-Leute gekämpft hatten und dann vom Regime verhaftet wurden. Einer dieser Kurden hatte in Freiheit die Propagandisten der Kaida im Iran ausfindig gemacht, um auf sie Anschläge zu verüben. Seine Freunde im Irak waren ebenfalls damit beschäftigt, diese Islamisten zu bekämpfen. Zwischen den beiden Gruppen kommt es deshalb in der Gefängniszelle immer wieder zu Prügeleien. Einer beschuldigt den anderen, für die Zerstörung Kurdistans verantwortlich zu sein.

Labor des Nahen Ostens
So wird die Zelle zu einem Abbild des Zusammenlebens der gegnerischen Gruppen in der Region: Al-Kaida-Anhänger, reformistische Moslems, Anhänger eines säkularen Staats, Kurden, die bei der PKK oder bei Pezhak mitmachen, Anhänger der Volksmudschahedin und Atheisten.

Aktiv in den Grenzgebieten
Ständig kommen neue Gefangene aus den Gefängnissen der Grenzregionen. Aus Urumije und Sanandadsch, zum Beispiel. Teheran ist für sie Zwischenstation, dann geht es weiter nach Radscha’i-Schahr. Es handelt sich meist um junge Männer vom Land, die kaum Schulbildung haben, keine Analysefähigkeiten und keine organisatorischen Talente. Die Al-Kaida wirbt diese arbeitslosen, enttäuschten und unzufriedenen jungen Männer bevorzugt in den Grenzgebieten an. Sie schickt einen Teil von ihnen scheinbar zu religiösen Studien nach Pakistan. Die Schulung dort führt dann zur Radikalisierung, manche lernen auch das Kriegshandwerk in Afghanistan und im Irak. Das sind die Anfänge einer neuen Form des Islamismus mit dem Ziel des Aufbaus eines Islamischen Staats.

Studierte sind eine Seltenheit
Bahman hat in zwei Jahren etwa 50 Gefangene kennengelernt, die der iranischen Al-Kaida angehörten und für die seine Zelle Durchgangsstation war. Nur zwei davon hatten die Uni besucht. Mit diesen kam er wenigstens ins Gespräch. Die anderen stammten aus unteren Gesellschaftsschichten und waren ziemlich arm, einfache Arbeiter, Bäcker, fliegende Händler, Zwischenhändler auf dem Basar, Schneider, Schweißer. Nur wenige hatten die Schule bis zum Abitur besucht. Ihr Hauptunterschied in der Bildung lag in der Zahl der auswendig gelernten Koran-Suren.

Islamismus und militärisches Kalkül
Nach dem Angriff der USA auf den Irak war der Iran das Verbindungsglied zwischen den al-Kaida-Anhängern in Pakistan und Afghanistan auf der einen und denen im Irak auf der anderen Seite. Das irakische und das iranische Kurdistan nahmen eine Schlüsselstellung für die Verbindungswege ein. Deshalb wurde in Kurdistan intensiv für Al-Kaida geworben. Die Werber traten zum Beispiel als Lehrer an Koranschulen oder an Theologischen Schulen auf. Natürlich blieb das den iranischen Geheimdiensten nicht verborgen. Aber sie dachten, dass es besser sei, wenn die unzufriedene kurdische Jugend sich den Al-Kaida-Islamisten anschließt als der PKK, der Pezhak oder der Komele oder der Demokratischen Partei Kurdistans/Iran. Die iranischen Organe dachten sich, wenn die Amerikaner die Westgrenzen des Irans überschreiten sollten, dann hätten sie jedenfalls willige Verbündete unter diesen Al-Kaida-Leuten. Da mochten sie sich täuschen, denn einer der beiden Männer, die studiert hatten, erklärten gegenüber Bahman: „Wir hatten schon am Anfang die Politik der Islamischen Republik bemerkt und nutzten die propagandistischen Möglichkeiten, die sich uns boten, optimal. Aber wenn der Westen den Iran angegriffen hätte, wären wir nicht zugunsten des Irans in Aktion getreten.“ Faktum ist, dass die feindliche Haltung der staatlichen iranischen Organe gegenüber Minderheiten wie Kurden, Balutschen und Arabern und die Verfolgung der Sunniten zu Zulauf unter solchen Gruppen führt. So kann es passieren, dass die iranischen Machthaber heute den gleichen Fehler wiederholen, den der Westen in den 1970-er Jahren begangen hat. Damals hat man Leuten wie Ajatollah Chomeini Unterstützung gewährt – so konnte er von Frankreich aus einen Propaganda-Sender betreiben, in der Hoffnung, dass die iranischen Islamisten bei der Machtübernahme ein wirksames Bollwerk gegen die Sowjetunion sein werden. Dass sich das Blatt gegen sie selbst wendet, wie die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran zeigt, hatten sich diese Strategen nicht gedacht. Und genau diesen Fehler begehen jetzt die Ajatollahs auch.
Wie sagt man: Der Kluge lernt aus den Fehlern der andern.

http://news.gooya.com/2017/06/post-4573.php
vom 14. Juni 2017
10 mahe zendegi ba al-qa°ede’ihaye irani

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran unterstützt Kindersoldaten im Irak


Wunschtraum vieler Kinder?

Die paramilitärische Gruppe al-Hashad ash-sha°bi, eine im Irak aktive Miliz, wird von der Islamischen Republik Iran unterstützt. Nachdem Mossul 2014 in die Hände des IS gefallen war, hatte Ajatollah Sistani, für die irakischen Schiiten eine große Autorität, eine Fatwa erlassen, die zur Bildung dieser Miliz führte. Diese Miliz funktioniert ähnlich wie die iranischen Revolutionswächter.


Schule?

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim, die den Reformern nahesteht, hat eine Reihe von Fotos veröffentlicht, die zeigt, wie Kinder von dieser Miliz an Waffen trainiert werden und in den Krieg hineingezogen werden.


ein Anblick, der älteren Iranern noch aus der Zeit der Revolution bekannt ist, jetzt Wirklichkeit im Irak


Leider kein Kinderspielzeug


Heute die Waffe in der Hand, morgen die Krücke

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130820
vom 21. Chordad 1396 (11. Juni 2017)
°aks / estefade az kudakan dar niruhaye shebhe nezamiye shi°eye °eraq wa moured hemayate jomhuriye eslami

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Auspeitschung für öffentliches Essen im Monat Ramadan


Heute kann man immer wieder lesen, dass die Islamische Republik Iran „gemäßigt“ sei, weil sie im Ausland keine Terroranschläge verübe wie sie jüngst in Manchester und London begangen wurden. Das ist ein bisschen kurzsichtig. Zum einen trainieren und unterstützen die iranischen Revolutionswächter schiitische Milizen im Irak, die dort die Bevölkerung terrorisieren, sie kämpft Seite an Seite mit der syrischen Regierung gegen deren Gegner, und sie schreckt auch nicht davor zurück, Menschen im Ausland zu ermorden, wie den iranischen Medienunternehmer Karimian im April 2017 in Istanbul. Am 20. Juni 1994 fand ein Terroranschlag in Maschhad statt, für den die Volksmudschahedin und al-Qaida verantwortlich gemacht wurden. Später stellte sich heraus, dass der Anschlag vom iranischen Geheimdienst organisiert wurde. Vor kurzem fand ein Anschlag auf das iranische Parlament und das Grab von Ajatollah Chomeini statt, der dem IS in die Schuhe geschoben wurde – vom IS freudig bestätigt, aber vieles deutet darauf hin, dass auch hier die iranischen Geheimdienste am Werk waren. So weit her ist es mit der Mäßigung also nicht.
Auch auf dem Gebiet des ideologischen Zwangs steht die Islamische Republik Iran dem IS in nichts nach. Jetzt wurden 20 Menschen in Maschhad zu Peitschenhieben und Geldstrafen verurteilt, weil sie während des Fastenmonats Ramadan in der Öffentlichkeit gegessen hatten. Dies gab der Staatsanwalt und zugleich Revolutionsstaatsanwalt von Qaswin Esmail Sadeqi Niyareki am Sonntag in Qaswin bekannt. Das Urteil wurde gestern auch schon vollstreckt. Gegen insgesamt 90 Personen wurde wegen öffentlichen Fastenbrechens allein in Qaswin ein Verfahren eingeleitet.

Quelle zur Auspeitschung
https://www.radiofarda.com/a/f12-iran-lashes-for-ramadan/28540662.html
vom 21. Chordad 1396 (11. Juni 2017)
ejraye hokme shallaq wa jazaye naqdiye 20 nafar dar qazwin be dalile ruze xari

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Anschlag auf das Grab von Ajatollah Chomeini


Chomeinis Grab (mit ungewöhnlich viel Besuchern, das war heute wohl nicht der Fall)

Gegen 10:40 Teheraner Ortszeit griffen zwei bewaffnete Männer die Grabstätte von Ajatollah Chomeini an. Sie schossen dabei wild um sich und verletzten drei Sicherheitsbeamte, einen für die Grünflächen zuständigen Gärtner brachten sie dabei um. Die beiden Angreifer trugen Sprengstoffwesten. Im Eingangsbereich des Grabs, das die Gestalt einer Moschee hat, zündete der eine von ihnen die Sprengladung. Der zweite kam im Schusswechsel mit den Sicherheitsbeamten ums Leben, bevor er die Sprengladung zünden konnte. Dieser Meldung ging eine andere voraus, auf derselben Webseite, auf der die Darstellung etwas anders lautet.

Widersprüchliche Angaben
Dort heißt es nämlich: „Die bewaffneten Personen, die das Grab von Chomeini angriffen, waren 3. Einer von ihnen wurde dabei getötet, einer hat mit Zyanid Selbstmord begangen, und eine Person wurde lebend verhaftet.“
In dieser Nachricht heißt es unter Berufung auf den Pressesprecher des Grabmals von Chomeini, dass einer der Angreifer einen Sprengstoffgürtel angehabt habe und sich nach der Abgabe von 2 Schüssen selbst in die Luft gesprengt habe.
Man sieht: einmal ist von Sprengstoffwesten (jaliqeye enfejari) die Rede, einmal von einem Sprengstoffgürtel (kamarbande enfejari). Einmal ist davon die Rede, dass zwei Personen Sprengstoffwesten trugen, einmal ist es nur eine. Einmal heißt es, ein Angreifer wurde erschossen, bevor er die Sprengladung zünden konnte, einmal heißt es, dass er sich mit Zyanid vergiftet hat. Einmal ist von 3 Personen die Rede, von denen eine verhaftet worden sei, einmal nur von 2. So viele Widersprüche in so vielen Details ziehen die Glaubwürdigkeit der gesamten Darstellung in Zweifel.
Eine mögliche Erklärung der Widersprüche wäre, dass tatsächlich 3 Personen angegriffen haben, aber eine entwischen konnte, so dass man die missglückte Festnahme unter den Tisch fallen lässt und nur von 2 Personen berichtet. Ähnlich mit den Sprengstoffwesten. Es klingt viel heldenhafter, wenn die Sicherheitsbeamten einen erschießen konnten, bevor er den Sprengstoff ebenfalls zünden konnte, als wenn er sich mit Hilfe von Zyankali vorzeitig verabschiedet hat.
Aber auch das ist nur eine Spekulation. Außer der Tatsache eines Angriffs, der durch Videos von einer Sprengung im Bereich des Grabmals von Ajatollah Chomeini bestätigt wird, kann nichts als sicher gelten. Der Film ist unter folgendem Link zu finden:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130560

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130554
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
toud.ihate sarparaste haram dar bareye joz’iyate hadet_eye teroristi

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=130534
vom 17. Chordad 1396 (7. Juni 2017)
xabarhaye kutah az majles wa qabre xomeini – yek nafar siyanur xord wa xodkoshi kard

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran und Israel: Teil 4


Bahaullah – Begründer der Glaubensgemeinschaft der Bahai

Ein Blick auf Chomeinis Äußerungen über die Juden und Israel

„Israel will nicht, dass es in diesem Land kluge Menschen gibt. Israel will nicht, dass es in diesem Land einen Koran gibt. Israel will nicht, dass es in diesem Land islamische Geistliche gibt. Israel will nicht, dass in diesem Land die Gebote des Islams gelten. (…) Mein Herr (gemeint ist der Schah), da sind bestimmte Fakten im Spiel, die mir Kopfweh bereiten. Da sind bestimmte Fakten im Spiel.

„Meine Herrschaften, schauen Sie mal im Bahai-Kalender von vor zwei oder drei Jahren nach. Da steht geschrieben: Gleiche Rechte für Mann und Frau, das sagt Abdul-Baha‘ (der Sohn des Gründers der Bahai-Religion). Die Herrschaften leisten ihm Folge. Der Herr Schah tritt ebenfalls, ohne es zu merken, in diese Fußstapfen, und sagt: Gleiche Rechte für Mann und Frau. Mein Herr (AdÜ: an den Schah gerichtet), das haben sie dir eingeimpft, damit sie sagen können, du bist ein Bahai, und damit ich sage: Er ist ein Ungläubiger. Sie wollen dich nur vertreiben. Mach so was nicht, du Pechvogel. Mach das bloß nicht. Auch die allgemeine militärische Ausbildungspflicht für Frauen ist eine Forderung von Abdol-Baha‘.“ (Quelle 19)


Abdolbaha, Sohn von Bahaullah

Der Propagandapparat des Fernsehens ist einer Gruppe einer verhassten Minderheit (gemeint sind die Bahais) untergeordnet, die sich im ganzen Land ausbreiten soll. Dessen Eigentümer, Habib Sabet Pasal (AdÜ: eigentlich Habibollah Sabet) hat nicht nur die Wirtschaft unseres Landes in seinen Händen konzentriert, darüber hinaus ist die Pepsi-Cola-Fabrik auch ein Spionage-Nest. Im Fernsehen ist geplant, am 17. des Monats Dey (10. Monat des iranischen Jahres) eine Sendung über Frauen früher und heute auszustrahlen (also im Jahr 1341/1963 zum Jahrestag der Aufhebung der Verschleierung durch Resa Chan = Resa Schah Pahlawi)… Sie tun gut daran, meine Herrschaften, Ihren zentralen Behörden mitzuteilen, den 17. Dey nicht größer darzustellen als er ist, und die Menschen, deren Nerven ohnehin schon angespannt sind, nicht über das Fernsehen der Bahais weiter aufzuwiegeln. Dieser Propaganda-Apparat der Bahais und die Firma Pepsi-Cola sind Spionage-Einrichtungen der Juden Palästinas (gemeint ist Israel).“ (Quelle 20)


Habibollah Sabet mit Richard Nixon

„Ich habe auf der letzten Sitzung mit Doktor Sadr, dem Innenminister, erklärt: „Wir mischen uns nicht in Ihre Angelegenheiten ein, solange Sie sich nicht in unsere Religion einmischen.“ Aber nein, die können es nicht lassen. Nach und nach geben sie den Bahais in allen Behörden Zutritt und nehmen Kontakt zu den Juden auf. Und morgen heißt es dann, dass der Glaube überhaupt aus dem Gesetz gestrichen werden soll.“ (Quelle 21)

„Ihre Herrschaften sollten bedenken, dass viele heikle Posten in der Hand dieser Sekte (Bahais) sind und dass diese de facto Agenten Israels sind.“ (Quelle 22)

„Dieses Gesetz, das sie aufs ganze Land ausweiten möchten, wurde in der Partei von Herrn (Amir Assadollah) Alam entworfen (1962-1964 Premierminister des Irans). Herr Alam soll wissen, dass das Volk nicht nachgeben wird, bis der Entwurf aufgehoben wird. Und auch wenn das Parlament sich gebildet hat, wird es nicht schweigend dasitzen … Die Regierung soll ihre Pflichten wissen. Sie darf nicht zulassen, dass wir von einer Handvoll Juden, die sich selbst als Bahai ausgeben, zertreten werden. Wir wollen, dass die Aufhebung des Gesetzentwurfs genauso in den Zeitungen abgedruckt wird, wie seine Verabschiedung veröffentlicht wurde.“ (Quelle 23)

„Jetzt strecken sie ihre Hand auch schon nach dem Koran und der Ehre der Muslime aus. Die Provinzen dieses Landes müssen von den Muslimen bewahrt und verwaltet werden. Sie dagegen wollten mit der Verabschiedung von Entwürfen föderaler und regionaler Versammlungen und der Abschaffung der für Wähler und Gewählte gültigen Bedingung der islamischen Religionszugehörigkeit die Geschicke der Muslime in die Hände von Nicht-Muslimen wie der Bahai-Juden übergeben. Wenn die Provinzen dieses Landes in die Hände von Nicht-Muslimen fallen, werden aus den rauhen Kehlen derselben unislamische Laute erklingen. An diesem Tag wird man die großen Gefahren erkennen. Nicht nur, dass der Islam und der Koran nicht mehr beschützt werden, auch alles, was eure Würde und Stellung ausmacht, wird verschwinden. Die Wirtschaft, der Basar, die Reserven des Landes, alles, alles wird verschwinden. Gläubige, wacht endlich auf! Die Fremden sind auf den Gedanken verfallen, den Iran und das Land der Muslime zu beseitigen. Außer dem Koran sehen sie kein Hindernis mehr… Macht das Volk aufmerksam, damit es der Regierung sagt: Wir lassen es nicht zu, dass die Provinzen dieses Landes unter die Gewalt von Juden fallen, die sich als Bahais ausgeben. Seid euch dessen bewusst: Die Gefahr ist groß und die Aufgabe ist wichtig. Der Koran und die islamische Frömmigkeit haben ihre Rechte auf das Volk.“ (Quelle 24)


Erzbischof Gröber, Freiburg, Silvesterpredigt
Quelle: https://www.seemoz.de/lokal_regional/erzbischof-groeber-ehrungen-nicht-haltbar/
dort als Quelle angegeben: (Aus dem Amtsblatt für die Diözese Freiburg, Jg. 1941)

„Überall, wo man im Iran hinlangt, sieht man, das ist einer dieser Agenten Israels. An den heiklen Punkten, an den gefährlichen Punkten, und – bei Gott! – auch an den für die Krone dieses Herrn gefährlichen Punkten. Die Herrschaften sind sich dessen nicht bewusst. Das sind die Gleichen, die sich in Schemiran verschworen hatten, um Nasreddin Schah zu ermorden und den ganzen Iran in ihre Hände zu bringen. Schauen Sie in die Geschichte. Sie kennen die Geschichte doch. In Niyawaran (AdÜ: einem Ort im Kreis Schemiran) haben sie sich verschworen. In Niyawaran haben mehrere versucht, Nasreddin Schah umzubringen, einige waren auch in Teheran, um dort die Regierung zu übernehmen. Sie betrachten diese Regierung als ihr Eigentum. Sie (die Bahais) haben in ihren Büchern und Artikeln geschrieben, dass die Regierung ihnen gehört. Wir müssen eine neue Herrschaft errichten, eine neue Regierung, eine Regierung der Gerechtigkeit… Herr, hüten Sie sich vor denen. Das sind Ungeheuer, diese Leute.“ (Quelle 25)

übersetzt aus:

http://www.iranianlobby.com/page1.php?id=114

Quellen:

-19- صحیفه نور – جلد 1- صفحه 247

20- سخنرانی 20 اذر 1341 خطاب به رئیس شهربانی و رئیس ساواک قم

-21- سخنرانی در جمع روحانیون و طلاب 8تیر 1343در قم

-22- خطاب به آخوندهای یزد اردیبهشت 1342

-23- سخنرانی 2 آذر 1341 خطاب به بازاریان تهران – صحیفه نور – جلد 1- ص 103)

-24- سخنرانی 9 آذر در حضور جمعی از اهالی تهران صحیفه نور – جلد 1- ص 104)

-25- صحیفه نور، ج 1، ص 133.

aus: hassan.dai@yahoo.com
Iranian lobby 2005

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: der nächste Mord im Ausland (Teil 1)


Sa‘id Karimiyan (Saeed Karimian)

Der 45-jährige Sa’id Karimiyan (auch Saeed Karimian geschrieben) war ein iranischstämmiger Medienunternehmer mit britischer Staatsbürgerschaft, der in London GEM TV gründete, eine Fernsehgesellschaft, die später nach Dubai umsiedelte. Die Kanäle von GEM TV verbreiteten Sendungen auf Persisch, Kurdisch, Aseri und Arabisch und hatten im Iran eine breite Hörerschaft. Saeed Karimian betrieb mit GEM TV keine politische Propaganda gegen das Regime, aber schon die Tatsache, dass seine Sendungen nicht den Zensurregelungen der iranischen Fundamentalisten entsprachen, machten ihn zu einer Symbolfigur der „Verwestlichung“ islamischer Werte. Die direkt dem Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i unterstehende staatliche iranische Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Sima va Seda betrieb eine intensive Hetzkampagne gegen ihn. Am 29. April 2017 wurde er in Istanbul erschossen.

Hetzkampagne gegen Opposition im Ausland
Laut einem Bericht der persischen Nachrichtenwebseite news.gooya vom 30. April 2017, der einer Nachrichtenseite namens „Negam“ entstammt, haben die iranischen Staatsmedien über Saeed Karimian sowie zwei weitere Personen, von denen einer in Frankreich, einer in der Türkei lebt, Videos veröffentlicht, mit denen sie in den Schmutz gezogen werden. Die Schmutzkampagne führte aber nicht zum erwünschten Erfolg, worauf jemand versuchte, in die Wohnung des Aktivisten in Frankreich einzudringen. Es wurde dann versucht, ein Treffen in der Türkei zu arrangieren, um ihn dort in eine Falle zu locken, aber das scheiterte an der Vorsicht des Betreffenden. (Die Zeitung gibt keine weiteren Details und keine Namen, so dass eine Überprüfung der Angabe nicht möglich ist). Die Tatsache, dass das Fahrzeug der Attentäter in Brand gesetzt wurde, wertet dieser Bericht als Beweis für die Urheberschaft der iranischen Machthaber, die alles unternehmen, Beweismittel zu vernichten. 1)

Der Mord
Die persische Webseite Iran-emrooz bezieht sich am 29.04.2017 auf einen Bericht der türkischen Zeitung Hürriyet, wonach am selben Abend im Istanbuler Stadtteil Sariyer Saeed Karimian zusammen mit seinem kuwaitischen Geschäftspartner erschossen wurde. Die beiden verkleideten Täter entkamen mit ihrem Fahrzeug, das später ausgebrannt aufgefunden wurde. 2)
Milliyet schreibt am 30.04., dass die beiden Attentäter ihren Kopf mit einem Tuch verdeckt hatten und ihr Fahrzeug dem folgenden Auto der Opfer den Weg abschnitt. Die Täter eröffneten darauf das Feuer. Saeed Karimian sei an Ort und Stelle gestorben, sein Geschäftskollege M.M. sei im Krankenhaus verstorben. Saeed Karimians GEM TV habe im Iran 40 Satellitenkanäle besessen. 3)
Die türkische Oppositionszeitung BirGün schreibt am selben Tag über die Täter, dass diese ein Kopftuch trugen. Sie weist darauf hin, dass die Detektive der Ermittlungsabteilung der Polizei die Sicherheitskameras aus der Umgebung des Verbrechens auswerten. 4)
(Anmerkung: Der iranischen Regierung dürfte die Existenz solcher Kameras bekannt sein)
Die Ermittlungsabteilungen sind der Generalverwaltung der Staatssicherheit (Emniyet) untergeordnet und diese ein Teil des türkischen Innenministeriums. 7)

Mögliche Täter
Die türkische Oppositionszeitung Diken schreibt am 1. Mai unter der Überschrift „Familienangehöriger des in Istanbul ermordeten Eigentümers von GEM TV: Er wurde vom iranischen Regime bedroht“. Die Zeitung gibt den Namen des kuwaitischen Opfers des Mordanschlags mit Muhammed el Muhtari wieder. Sie verweist auf zwei Versionen über die möglichen Täter. So berichte Firat Alkac in einem Artikel von Hürriyet (s.u.), dass Karimian wegen der Produktion von Fernsehserien hohe Schulden angehäuft habe. Ein Angehöriger von Saeed Karimian habe im Interview mit BBC erklärt, dass dieser in den letzten drei Monaten vom iranischen Regime bedroht worden sei und geplant habe, Istanbul zu verlassen und nach London zurückzukehren.
Laut Reuters habe ein Gericht in Teheran gegen Karimian ein Gefängnisurteil von 6 Jahren in Abwesenheit verhängt. Die Anklage: „Propaganda gegen das System“ und „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit“. 5)
Die türkische Hürriyet weist in der Einleitung darauf hin, dass die Familie des Ermordeten erklärt habe, dass das Regime hinter ihm her war. Auch hier ist die Quelle ein BBC-Bericht. Laut BBC ist nach türkischen Regierungsquellen auch möglich, dass der Mord mit seinen Geschäften oder mit mafiösen Banden zu tun habe.
(Anmerkung: mafiöse Banden ist selbst ein irreführender Begriff, der nichts über politische Hintergründe aussagt, zumal die iranischen Revolutionswächter selbst mafiöse Methoden verwenden und auch Regime sich die Dienste solcher Organisationen zunutze machen können).
Hürriyet schreibt, dass GEM TV für seine Fernsehserien hohe Schulden angehäuft habe. Die Zeitung gibt aber auch eine Meldung von Reuters wieder, wonach Karimian im vergangenen Jahr wegen „Aktivitäten gegen die nationale Sicherheit“ und wegen „Propaganda gegen das System“ zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden sei. Gem besitze die Vertriebsrechte für eine Reihe beliebter türkischer Fernsehserien wie ‚Muhteşem Yüzyıl’, ‘Lale Devri’, ‘Karadayı’, ‘Fatmagül’ün Suçu Ne’ ve ‘Yaprak Dökümü’ im Nahen Osten, und betreibe 17 persisch-sprachige Kanäle. Wegen der persischen Wiedergabe (Doublage) der türkischen Serie ‚Muhteşem Yüzyıl’ sollen im Jahr 2012 sogar die persischen Sprecher von der iranischen Regierung festgenommen worden sein.
Die Auswertung der Kameras in der Umgebung des Mords habe ergeben, dass die Täter den Tatort vorher ausgekundschaftet hätten, namentlich, zu welchem Zeitpunkt die Opfer den Arbeitsplatz verließen und welchen Ausgang sie dabei verwendeten.6)
Die Zeitung Cumhuriyet berichtet am 29.04. abends nicht nur vom Mord, sondern veröffentlicht auch die Kennzeichen des Autos der Täter: Ein Jeep mit der Nummer 34 HD 9999. 8 )


Das ausgebrannte Auto der Täter

Fortsetzung der Schmutzkampagne?
In der Ausgabe vom 1. Mai nimmt die Berichterstattung der laizistischen Zeitung Cumhuriyet mit der Überschrift „Das sind die Tatverdächtigen des Mords von Sariyer: die iranischen Volksmudschahedin“ eine Wende. Laut eines Artikels von Mehmet Ali Demir in der Zeitung Vatan (Vaterland), auf den sich Cumhuriyet bezieht, konzentriert sich die türkische Polizei derzeit auf die iranischen Volksmudschahedin als mögliche Täter. Die Familie beschuldige dagegen das iranische Regime. Die türkische Polizei habe erfahren, dass der Vater von Saeed Karimian ein Regierungsgegner gewesen sei und vor 30 Jahren bei einer Operation des iranischen Regimes umgebracht worden sei. Darauf hätten sich die Volksmudschahedin um Saeed gekümmert, zu denen auch schon sein Vater Kontakt hatte. Die Volksmudschahedin hätten dafür gesorgt, dass Saeed Karimi zum Studium ins Ausland reisen konnte. Karimian habe zwei Jahre in der Schweiz studiert, dann sei er zu seinem Bruder Hamid Karimian in die USA gereist. Dort habe er ein Radio gegen die islamische Regierung gegründet. Anschließend habe er die GEM TV Fernsehgruppe in London gegründet. Die Kanäle seien im Iran zu empfangen gewesen. Im Rahmen dieser Tätigkeit hätten die iranischen Volksmudschahedin von Saeed Karimian finanzielle Unterstützung erhalten. Dann habe der Iran (sprich die Regierung) eine weibliche Agentin in der Firma platziert, die bis in die Führungsgremien aufgestiegen sei.
(AdÜ: Solche Methoden praktizieren die iranischen Machthaber auch gegen Privatunternehmer im Iran).
Nachdem diese Frau sich von der Firma getrennt habe, habe sie die gewonnenen Informationen der iranischen Regierung zur Verfügung gestellt. Das habe dazu geführt, dass viele Kanäle von GEM TV kurz vor der Schließung standen. Die iranischen Volksmudschahedin hätten Saeed Karimian für diesen Millionenverlust verantwortlich gemacht und ihn deshalb ermordet. 9)
Die fundamentalistisch-islamistische Zeitung yeniakit, ein Hetzblatt gegen Armenier, Juden, Demokraten etc. veröffentlichte nur eine halbe Stunde später unter derselben Überschrift einen Artikel gleichen Inhalts von derselben Quelle, diesmal ausgeschmückt mit 3 Fotos von den Volksmudschahedin, die den militärischen Charakter der Organisation hervorheben. Wobei das erste Foto schlicht ein verdunkelter Ausschnitt des zweiten Fotos darstellt. Der Text ist dann identisch mit dem in Cumhuriyet, wird dann aber mit einem Absatz über die Volksmudschahedin ergänzt und einem weiteren Nachtrag unter dem Titel: Millionengeschäfte auf halber Strecke. Demnach habe GEM TV 2016 zur Herstellung von Serienfilmen in der Türkei in Istanbul und Antalya Aufnahmen gedreht. Die Projekte wurden dann abgebrochen, Verträge in der Höhe von Millionen türkischer Lira gekündigt. GEM TV habe entsprechende Rechnungen nicht bezahlt. Die türkische Polizei hält es deshalb auch möglich, dass Saeed Karimian wegen dieser offenen Rechnungen umgebracht worden sein könnte. 10)

Hürden für die Aufklärung
Eine Aufklärung des Verbrechens „vom Schreibtisch“ ist nicht möglich. Wir erinnern aber daran, dass die türkische Regierung kurz nach dem Referendum vom 16. April 2017 eine neue Verhaftungswelle gegen Beamte des Sicherheitsapparats vorgenommen hat. So sollen in der vergangenen Woche 2331 Polizisten als angebliche Anhänger von Fethullah Gülen in Haft genommen worden sein. 11) Laut BirGün sollen die Verhaftungen in allen 81 Provinzen der Türkei ausgeführt worden seien, namentlich seien Angehörige der Staatssicherheit (Emniyet) betroffen gewesen. 12) Da die Ermittlungsabteilung ein Teil dieses Apparats ist, ist klar, dass sich kein Beamter politischen Wünschen der Vorgesetzten widersetzen wird, um seinen Job nicht zu verlieren. Die gleichlautenden Artikel in so verschiedenen Zeitungen wie Yeniakit und Cumhuriyet, die letztlich auf eine Quelle zurückgehen, die sich wiederum auf die Polizei beruft, lassen den Verdacht auf ein Abkommen zwischen dem türkischen Präsidenten und der iranischen Regierung aufkommen. Dank der iranischen Erdölverkäufe via Türkei noch zu Zeiten des Embargos, aber auch türkischer Exporte in den Iran (z.B. Waffen) könnte da „höheres Staatsinteresse“ den beiden Seiten geraten haben, einen Schuldigen zu suchen, auf den sich beide einigen können. Das wären dann die Volksmudschahedin. Die jetzt verbreitete Version der Spitzelin des iranischen Regimes, die in die Firma eingedrungen ist, klingt dabei durchaus glaubwürdig, vielleicht hat man den Rest dann noch zur Ablenkung ergänzt. Die Wirklichkeit werden wir so bald nicht erfahren. Denn die Täter der früheren Auslandsmorde sind im Iran noch immer an der Macht.

Quellen
1)
http://news.gooya.com/2017/04/post-3228.php
vom 30. April 2017
had_fe fizikiye fa°°alane xarej-e keshvar ba terore modire jem ti vi kelid xord
2)
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/69047/
vom 29.04.2017, 22:42
sa°id karimiyan, modire °amele jem ti vi teror shod
3)
http://www.milliyet.com.tr/iranli-medya-patronu-istanbul-gundem-2441732/
vom 30.04.2017 08:35, letzte Aktualisierung 10:49
Son dakika: İstanbul‘da öldürülen İranlı iş adamının kimliği belli oldu!
4)
http://www.birgun.net/haber-detay/iranli-medya-patronu-ve-ortagi-istanbul-da-olduruldu-157525.html
vom 30.04.2017 11:30
İranlı medya patronu ve ortağı İstanbul‘da öldürüldü
5)
http://www.diken.com.tr/istanbulda-oldurulen-gem-tvnin-sahibinin-aile-yakini-iran-rejimi-tehdit-ediyordu/
vom 01/05/2017 09:16
İstanbul’da öldürülen GEM TV’nin sahibinin aile yakını: İran rejimi tehdit ediyordu
6)
http://www.hurriyet.com.tr/iranli-tv-patronuna-infazda-sir-perdesi-40443249
vom 30.04.2017 21:40, aktualisiert am 01.05.2017 10:58
Iranli TV patronuna infazda sır perdesi, von Fırat ALKAÇ/İSTANBUL
7)
http://www.asayis.pol.tr/Sayfalar/default.aspx
8)
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/730760/CiP_le_yol_kestiler…_istanbul_Sariyer_de_El_Alem_Tv_temsicisine_27_kursun__2_olu.html
vom 29.04.2017, 22:54
9)
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/731309/iste_Sariyer_deki_infazin_suphelisi__iran_Halkin_Mucahitleri.html
vom 01.05.2017, 09:44
İşte Sarıyer’deki infazın şüphelisi: İran Halkın Mücahitleri
10)
http://www.yeniakit.com.tr/haber/iste-sariyerdeki-infazin-suphelisi-iran-halkin-mucahitleri-317004.html
vom 01.05.2017, 10:17
İşte Sarıyer’deki infazın şüphelisi: İran Halkın Mücahitleri
11)
http://www.yenicaggazetesi.com.tr/feto-operasyonu-2331-kisi-gozaltina-alindi-162616h.htm
01.05.2017 13:17
12)
http://www.birgun.net/haber-detay/81-ilde-buyuk-feto-operasyonu-156989.html
vom 26.04.2017 09:12

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Türkei: Das Geheimnis von Konya

Konya ist flächenmäßig die größte Provinz der Türkei. Die im Inneren Anatoliens gelegene Stadt samt den zugehörigen Kreisen hat schon seit einiger Zeit den Rang einer Großstadt, sie umfasst 31 Kreise (ilçe) und rund 1,5 Millionen Wahlberechtigte. Konya ist der Ort, in dem der Dichter und Mystiker Moulana Rumi (Mevlana Rumi) im 13. Jahrhundert gelebt und gewirkt hat, es ist zusammen mit Sanliurfa eines der wichtigen religiösen Zentren der Sunniten in der Türkei. Konya ist ein Zentrum der türkischen Rüstungsindustrie und gilt auch als Motor des islamischen Unternehmertums in der heutigen Türkei. Es ist der Wahlkreis, in dem der in Konya gebürtige Ahmet Davutoglu ins Parlament gewählt wurde. Ahmet Davutoglu war Vorsitzender der Regierungspartei AKP und Ministerpräsident der Türkei.


73% Ja-Stimmen
Schaut man sich die Abstimmungsergebnisse des Referendums zur Einführung des Präsidialsystems in Konya an, so stößt man zuerst überall auf den hohen Anteil von Ja-Stimmen mit 73% (im Landesdurchschnitt waren es 51%). Der Landrat von Selçuklu, des bevölkerungsreichsten Kreises von Konya, betonte, dass Konya unter den Großstädten mit die besten Ja-Ergebnisse vorzuweisen hat. Das ist für ihn wichtig, denn in den meisten Großstädten der Türkei hat das Nein gesiegt, und bald werden dort die Oberbürgermeister von der AKP abgesetzt bzw. erklären ihren Rücktritt.
Man sollte aber nicht Äpfel mit Eiern vergleichen, und Konya vergleicht man am besten mit Konya. Die letzten Wahlen waren am 1. November 2015, so dass es sich anbietet, die Wahlergebnisse von damals mit denen vom 16. April 2017 zu vergleichen. Das ist nicht ganz einfach, denn diesmal gab es nur die Möglichkeit, Ja oder Nein zu stimmen, damals konnte man Parteien wählen.

Wahlparolen der Parteien
Allerdings gibt es von einigen Parteien klare Positionen:
Die AKP ist natürlich für ein Ja,
Die MHP-Führung hat sich für ein Ja entschieden, es heißt aber, dass 1/3 der Wähler da nicht mitzieht, die CHP („Sozialdemokraten“) und HDP (Kurdenpartei) sind für ein Nein. Die Kurdenpartei HAK-PAR dürfte auf der Nein-Seite zu suchen sein, ebenfalls die kommunistische HKP, während man die religiöse Saadet und die religiös-nationalistische BBP auf der Ja-Seite ansiedeln kann. Mit diesem Wissen kann man nun die Stimmen von 2015 zusammenzählen und mit den heutigen Ja-Nein-Resultaten vergleichen.

Woher so viele Nein-Stimmen?
Man sieht erstens, dass die Ja-Stimmen um 8000 geringer sind als die Stimmenzahl der AKP vor anderthalb Jahren. Das ließe sich verkraften. Aber was ist mit den 21600 Neuwählern im Vergleich zu 2015? Da müsste doch auch was für die AKP abgefallen sein.
Fassen wir die „schwarzen“ Parteien (AKP, MHP, Saadet, BBP) zusammen, dann hätte es 171.000 Ja-Stimmen mehr geben müssen. Umgekehrt, fassen wir alle „roten“ Parteien (CHP, HDP, HAK-PAR und HKP) zusammen, so hat das Nein 192.000 Stimmen mehr erhalten als diese bei den letzten Wahlen verbuchten (Szenario 1).
Gehen wir nun zu realistischeren Szenarien über: 1/3 der MHP-Wähler von damals stimmt mit Nein, 2/3 mit Ja, die Neuwähler werden zu je 50% auf Ja und Nein verteilt (Landesdurchschnitt). Dann hat das Ja 134.000 Stimmen weniger erhalten, als es rechnerisch bekommen müsste (Szenario 5).
Verteilen wir die Neuwähler nach dem Durchschnitt von Konya, dann werden 73% der Neuwähler den Ja-Stimmen und 27% den Nein-Stimmen zugerechnet, MHP wie gehabt. Fazit: Das Ja hat 139.000 Stimmen zu wenig erhalten. Auf der Gegenseite hat das Nein im gleichen Ausmaß zu viel erhalten. Dafür gibt es eine Erklärung. Diese Wähler sind von der AKP ins Gegenlager abgewandert.

Jeder siebte AKP-Wähler in Konya hat mit Nein gestimmt!
134.00 von 937.000 (2015) macht 14%, also jeder siebte Wähler. Das ist eine harte Ohrfeige des Wählers für Erdogan. Die Frage ist nur noch: Wofür wurde diese Ohrfeige erteilt? In den gesäuberten Medien erfährt man nichts, ja, dort wird nicht einmal diese Rechnung aufgestellt. Man darf vermuten, dass die Säuberungswelle nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 gegen die angeblich für den Putsch verantwortlichen Anhänger von Fethullah Gülen und die kalten Enteignungen von Unternehmen, die der Gülen-Bewegung nahestehen, gerade in Konya viele religiöse Wähler getroffen und erschreckt hat. Man darf gespannt sein, wie sich das bei den nächsten Parlamentswahlen auswirkt, zumal innerhalb der AKP jetzt schon die nächste Säuberungswelle ansteht.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran und Israel (Teil 3)

Die iranische Geistlichkeit und der Staat Israel
Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, wurden die iranischen Geistlichen angesichts der beispiellosen Einwanderungswelle von Juden in das Land Palästina in den 40-er und 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts und angesichts der zunehmenden Konflikte zwischen den jüdischen Einwanderern und den arabischen Einwohnern dieses Landes aktiv und machten sich zu Fürsprechern der „palästinensischen muslimischen Brüder“. Als der Staat Israel gegründet wurde, trat Ajatollah Abu l-Qassem Kaschani auf den Plan. Er organisierte Kundgebungen, hielt Reden und Trauerversammlungen, und übernahm die Führung im Kampf um die Rechte der Palästinenser und die Rückeroberung ihrer Heimat. Der Druck der Geistlichkeit und der religiös gesinnten Bevölkerungsschichten war so groß, dass die Regierung des Schahs sich zwei Jahre lang nicht traute, Israel anzuerkennen. Erst im Esfand 1328 (6. März 1950) erkannte die iranische Regierung den Staat Israel de facto an. (Quelle 9)

Der Druck der Geistlichen nahm unter Premierminister Dr. Mossadeq noch zu, und da Ajatollah Abu l-Qassem Kaschani über beträchtlichen Einfluss verfügte, forderte er die Regierung Mossadeq auf, die Anerkennung Israels zurückzunehmen. Er war sich so sicher, das Mossadeq nachgeben würde, dass er in einem Interview mit der in Baghdad erscheinenden Zeitung al-Mesri davon sprach, dass die Annullierung der Anerkennung Israels durch den Iran sicher sei. Baqer Kasemi, der Außenminister des Kabinetts von Mossadeq, trat am 16. Tir 1330 (1951) vor die Abgeordneten des iranischen Parlaments und setzte sie in Kenntnis, dass die Regierung beschlossen habe, das iranische Konsulat in Jerusalem zu schließen. In einer öffentlichen Erklärung, die die Regierung am folgenden Tag verbreiten ließ, wurde als Begründung dafür freilich der Rückgang der Einnahmen infolge des Zusammenbruchs der Erdölexporte und die daraus resultierende Notwendigkeit für die Regierung angegeben, Devisen zu sparen. Die Araber fassten diese Maßnahme allerdings zu Unrecht als Aufhebung der de-facto-Anerkennung Israels auf. (Quelle 9)

Nach dem Putsch vom 28. Mordad 1332 (19. August 1953) wurden die Beziehungen zwischen dem Iran und Israel wieder ausgebaut, die Möglichkeiten der Geistlichen, die öffentliche Meinung aufzuputschen und die Regierung unter Druck zu setzen, nahmen ab. Als im Jahr 1339 (1960) John F. Kennedy in den Präsidentschaftswahlen in den USA siegte, nahm der US-Druck auf Mohammad Resa Schah zu, eine politische Öffnung und Reformen im Iran einzuleiten. So herrschte drei Jahre lang, bis zum Monat Mordad 1342 (Juli/August 1963), eine relativ freie Atmosphäre im Iran. Alte und neue politische Gruppen nahmen ihre Tätigkeit auf, die wichtigsten von ihnen waren die Nationale Front (Dschebheye Melli) und die Freiheitsbewegung (Nehsate Asadi). Auch die Geistlichen betraten nach und nach wieder die politische Bühne. Im Farwardin 1340 (März/April 1962) verstarb Ajatollah Borudscherdi, bis dahin die wichtigste unter den religiösen Autoritäten im Iran. Ruhollah Chomeini gelang es, in der Arena des Kampfes gegen den Schah einen besonderen Platz für sich zu erringen, und so wurde er zu einer einflussreichen Autorität auf der politisch-religiösen Bühne des Landes.


Rede von Ruhollah Chomeini in Qom am 4. Aban 1343 (1964) gegen die „Kapitulation“
Quelle: kapitulasyun dar iran
https://fa.wikipedia.org/wiki/%DA%A9%D8%A7%D9%BE%DB%8C%D8%AA%D9%88%D9%84%D8%A7%D8%B3%DB%8C%D9%88%D9%86_%D8%AF%D8%B1_%D8%A7%DB%8C%D8%B1%D8%A7%D9%86

Chomeini wurde zum Bannerträger der Opposition gegen die Reformen des Schahs, gegen die Verleihung des Stimmrechts an die Frauen und gegen das sogenannte Kapitulationsgesetz, das den US-Militärberatern diplomatischen Status einräumte, sie also der iranischen Rechtsprechung entzog. Das Kapitulationsgesetz wurde unter Premierminister Hassan Ali Mansur dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt. Chomeini rief in feurigen Reden die „Gemeinschaft der Muslime“ dazu auf, sich zu erheben. Am 15. Chordad 1342 (1963) schlugen militärische Einheiten eine Kundgebung des Volks nieder, wobei Dutzende von Menschen ums Leben kamen. Ein Jahr später wurde Hassan Ali Mansur von einer Gruppe von Chomeinis Anhängern der neu gegründeten Organisation „Hey‘ate Mo‘talefe“ (Die Koalition) ermordet. Chomeini, der auch ins Gefängnis gekommen war, wurde freigelassen und in die Türkei und später in den Irak verbannt. Sein Exil dauerte bis zum Sturz des Schah-Regimes.

Einmal abgesehen von der extrem reaktionären Haltung Chomeinis und seiner Gegnerschaft zu allen Symbolen der Zivilisation und der Demokratie, wurde in seinen Reden und Schriften vor allem eins sichtbar: Seine krankhafte Feindschaft gegen Israel und die Hetze gegen Juden. Sein Hass auf Israel und die Juden hatte erheblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung des gewöhnlichen Volks im Iran und veränderte dessen Sicht auf Israel.

Chomeini, ein Fundamentalist, der gegen Juden hetzt

Chomeini bezeichnete den Schah als Handlanger Israels und der Juden und stellte diesen Punkt als Hauptgrund für die Wut im Volk und für den Ausbruch der Revolution (erg.: von 1979) dar. Im Jahr 1357 (1978) erklärte er: „Wir hatten von Anfang an eine feste Meinung über die Zionisten. Einer der Gründe unserer Gegnerschaft zum Schah von Persien war seine Beziehung zu Israel. Diese Angelegenheit ist auch der Anlass, warum das Volk sich empört.“ (Quelle 10)

In einem seiner Flugblätter heißt es: „Von dieser Seite (=von mir) wurde wiederholt auf die Gefahr hingewiesen, die von Israel und seinen Lakaien mit dem Schah an der Spitze ausgeht. Ich habe davor gewarnt: Solange die islamische Nation (mellat-e eslam) diese Quelle der Verdorbenheit nicht mit Stumpf und Stil ausrottet, wird sie keinen glücklichen Tag erleben. Und solange der Iran in den Fängen dieser schändlichen Sippschaft festgehalten wird, wird er keine Freiheit sehen. Ich bitte Gott, den Erhabenen, um Beistand für die Muslime und um einen Misserfolg für Israel und seine finsteren Helfershelfer.“ (Quelle 11)

Chomeini, der einer krankhaften und megalomanen Gedankenwelt verhaftet war, war der Überzeugung, dass Israel den Iran kontrolliert und plant, den Iran und den Islam zu vernichten. In seiner bekannten Rede zum Aschura-Trauerfest vom 13. Chordad 1342 (3. Juni 1963) in Qom erklärte er: „Heute wurde mir zugetragen, dass einige Prediger abgeholt und zum Geheimdienst gebracht wurden. Dort hat man ihnen gesagt, dass sie von drei Dinge die Finger lassen sollten: Erstens vom Schah, zweitens von Israel, und drittens von der Behauptung, dass der Glaube in Gefahr sei. Wenn sie die drei Gebote beherzigten, dürften sie sagen, was sie wollten. Nun denn, wenn wir diese drei Bereiche auslassen, worüber sollen wir dann überhaupt sprechen? Denn alles, was uns Kopfschmerzen bereitet, sind doch gerade diese drei. Sie sind für alle unsere Probleme verantwortlich. Israel ist dabei, den Iran aufzulösen. Israel untergräbt die Herrschaft des Schahs. (…) Israel ist der Freund Ihrer Exzellenz, hier geht es um bestimmte Dinge, um bestimmte Fakten… Da wird also gesagt, wir sollten nicht über den Schah und nicht über Israel sprechen. Was für eine Beziehung besteht zwischen dem Schah und Israel? Vielleicht ist der Schah nach Meinung des Geheimdienstes ein Jude. Eben jener, der sich auf den Islam beruft und behauptet: Ich bin ein Moslem. Äußerlich ist er auch ein Moslem, aber vielleicht steckt ein Geheimnis dahinter.“ (Quelle 12)

Auch die Weiße Revolution betrachtete Chomeini als Werk Israels und des Zionismus, und er sprach sich gegen sie aus. „Gegen was an der Zivilisation richtet sich unsere Gegnerschaft? Gegen ihre Verdorbenheit. Wir sagen, dass Eure Reformprogramme von Israel für Euch erstellt werden. Wenn Sie ein Programm durchführen wollen, ist das Erste, was Sie tun, bei Israel vorstellig zu werden. Sie holen auch Militärfachleute aus Israel in dieses Land.“ (Quelle 13)

An den Schah gerichtet stellt Chomeini die Frage: „Mein Herr, sind Sie etwa Jude? Ist unser Land etwa ein jüdisches Land?“ (Quelle 14)

In einem Schreiben an die Geistlichen verkündete er, dass das ganze Land unter den Füßen der Juden zermalmt werde: „Israel hat in allen politischen und militärischen Angelegenheiten des Irans die Finger drin, und der Iran ist zu einer Militärbastion Israels geworden. Das Land wird unter jüdischen Militärstiefeln niedergetrampelt.“ (Quelle 15)

Für Chomeini waren die Bahai und Juden das gleiche. Er behauptete, dass sämtliche Pfeiler der Macht auf der ganzen Welt in der Hand der Juden seien. Und so seien auch im Iran die Agenten Israels mit Hilfe ihrer „Söldner“, mit den Bahais an der Spitze, darauf aus, die Gemeinschaft der Muslime zu zerstören. Er bezeichnete die Bahais als Juden und sagte in seiner berühmten Ansprache in Qom: „Wehe dem Land! Wehe den Herrschenden! Wehe dieser Welt! Wehe den schweigenden Geistlichen! Wehe dem schweigenden Nadschaf! Auch Qom schweigt. Auch Teheran schweigt. Auch Maschhad schweigt. Dieses tödliche Schweigen führt dazu, dass dieses unser Land und diese unsere Ehre und Sitten mithilfe eben dieser Bahais unter den Militärstiefeln Israels zertreten werden. (…) Wenn alle Gelehrten des Islams ein bestimmtes Thema ansprechen würden, dass nämlich jetzt der Islam in Gefahr ist, und diese Gefahr der Jude ist und die Glaubenspartei der Juden, nämlich die Partei der Bahais. Diese Gefahr ist jetzt ganz nahe gerückt. Wenn doch die Herrschaften, die Geistlichen, die Prediger und die Theologie-Studenten mit einer Stimme sprechen würden: Mein Herr, wir wollen nicht, dass der Jude die Geschicke unseres Landes bestimmt.“ (Quelle 16)
(AdÜ: Nadschaf im Irak und Maschhad im Iran sind schiitische Wallfahrtsorte, Qom ist das Zentrum der schiitischen Theologen, und Teheran wird als Hauptstadt des Irans erwähnt.)

In seiner Antwort auf eine Frage der Händler von Qom sagte Chomeini 1341 (1962): „Die Unabhängigkeit unseres Landes und seiner Wirtschaft werden von den Zionisten in Beschlag genommen, die im Iran als Glaubenspartei der Bahais auftreten. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis sie angesichts des tödlichen Schweigens der Muslime die gesamte Wirtschaft dieses Landes über ihre Agenten in ihre Gewalt bringen.“ (Quelle 17)

Chomeini verglich Israel mit einem Krebsgeschwür, das sich ausbreitet und dabei ist, das Leben der Muslime auf der ganzen Welt auszulöschen. So erklärte er selbst gegenüben den Führern der Islamischen Konferenz: „Die Oberhäupter der islamischen Staaten sollten bedenken, dass diese Quelle der Verdorbenheit, die ins Herz der islamischen Staaten gepflanzt wurde, nicht nur der Unterdrückung der arabischen Nation dient. Vielmehr ist der gesamte Nahe Osten mit dieser Gefahr und dem resultierenden Schaden konfrontiert. Der Plan ist es, die Welt des Islams unter die Herrschaft und Kontrolle des Zionismus zu bringen und das gesegnete Land und die ergiebigen Rohstoffquellen der islamischen Staaten besser auszubeuten. Nur Opferbereitschaft, Beharrlichkeit und ein Bündnis der islamischen Staaten kann uns vor dem Bösen dieses finsteren Alptraums der Ausbeutung retten.“ (Quelle 18)

8- Howard Sachar, A History of the Jews in the Modern World (Knopf, NY. 2005) p.722

9- نگاه کنید به „تاریخ روابط ایران و اسرائیل از 1327 تا انقلاب“ مجله ایرانشهر http://iranshahr.org/?p=6707

Die folgenden Zitate stammen aus Sahife-ye Nur, in dem die gesammelten Texte von Ajatollah Ruhollah Chomeini veröffentlicht sind.
Es ist jeweils der Band und die Seitenzahl auf Persisch angegeben.
Die Bände sind im Internet abrufbar unter
http://safarbank.persiangig.com/other/sahife%20noor/
nach Bänden geordnet, allerdings ohne Seitenzahl.

10- صحیفه نور جلد 5 ص 134

11-صحیفه نور جلد ۱ صفحه 207

12-صحیفه نور جلد ۱ ص ۵۶ ۱۳ خرداد

-13- صحیفه نور جلد ۱ ص ۷۷ ۲۵ ارديبهشت ۴۳

-14- صحيفه نور ج ۱ ص ۱۲ ۱۰ فروردين ۴۱

-15 – صحيفه نور ج ۱ ص ۱۵۷ ۱۹ بهن ۴۹ و همان ص ۴۶ ۱۲ ارديبهشت ۴۲

-16- (صحیفه نور- ج۱-ص ۲۱۳ و ۲۱۶

-17- .(صحیفه نور، ج1،ص108

-18- صحيفه نور, ج 5, ص 209

Quelle: http://www.iranianlobby.com/page1.php?id=114

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email