Archiv der Kategorie 'Islamismus'

Türkei: Militarismus mit Kopftuch


Fatma Tunçer Öncü, Journalistin, schreibt in der Zeitung Yenikonya

Der Westen bekommt es mit der Angst zu tun
von Fatma Tunçer Öncü
Yenikonya (neues Konya)
11. April 2017
Die letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass die Türkei inzwischen ein Land ist, das nicht mehr zu stoppen ist. Wenn das nur 80 Millionen Menschen sagen würden.. Aber das sagen 7,5 Milliarden. Raketen, Panzer, Flugzeuge, Schiffe, gepanzerte Fahrzeuge, Helikopter, Satelliten, Radar .. Ein Verteidigungsindustriekomplex so groß wie die Welt. Dieses und vieles mehr stellt die Türkei her. Und diese nationale Verteidigungsattacke flößt dem Freund Vertrauen, dem Feind Angst ein. Die Stärke der Armee, die bislang nur ein Slogan war, wird Wirklichkeit. In den vor uns liegenden Tagen, Monaten und Jahren wird sie mit neuen Waffen, die ins Inventar der Verteidigungssysteme aufgenommen werden, sowohl in der Region wie auf der Welt etwas zu sagen haben. Von nun an wird die Türkei bewaffneten Streitkräften nicht mit dem Knüppel, sondern mit Stärke entgegen treten. Sie wird den Platz nicht mehr den Ländern überlassen, in denen die Waffenhändler das Sagen haben. Mit ihrer Stärke wird sie eine abschreckende Rolle ausüben. Ein Beispiel? Hier ist eins, bitte sehr. Von wem pflegte die Türkei bei ihren Operationen im Südosten und jenseits der Grenze geheimdienstliche Informationen zu erhalten? Von Amerika. Und das Ergebnis? Der Kampf gegen den Terror dauerte 40 Jahre. Von wem erhält die Türkei ihre geheimdienstlichen Informationen jetzt? Sie baut ihr eigenes Nachrichtensystem auf. Mit Hilfe unbemannter Flugzeuge (Drohnen) und ihrem eigenen Satelliten verfolgt sie alles per Satellit. Und das Ergebnis? Die Terrororganisation ist trotz der Unterstützung durch 36 Staaten der Welt an ihren Endpunkt gelangt. Wie ist das gelungen? Indem wir den Platz nicht den feindlichen Ländern überließen, die wir für Freunde hielten. Die Ereignisse des letzten Monaten haben ohnehin gezeigt, dass dem so ist. Die Schweiz hat dem Staatspräsidenten der Türkei die Pistole an die Schläfe gesetzt 1) Holland hat unseren Minister im Auto gefangen gehalten. Österreich hat gegen unsere Politiker ein Verbot verhängt. Deutschland hat eine Drohung nach der andern geäußert. Amerika hat allem schweigend zugeschaut. Russland wie gehabt. Israel reibt sich die Hände. Diejenigen, die unser Land am 15. Juli (erg. 2016, dem Tag des gescheiterten Putschversuchs) nicht in die Zange nehmen konnten, spielen in Syrien ein neues Spiel. Ein Ja am 16. April (dem Tag des Referendums über die Einführung eines Präsidialsystems in der Türkei) bereitet ihnen Kopfzerbrechen. Aus Angst, dass die Türkei, die ihre eigenen Instrumente nicht verwendet, ihre Stärke vermehrt, arbeiten sie mit allen Kräften für ein Nein. Eine Türkei, die plötzlich ihre hundertjährige Trägheit abstreift, verärgert sie. Kurz gesagt, die Türkei ist nicht zu stoppen. Trotz der Hauptoppositionspartei, trotz der Fethullah-Terrororganisation, trotz der Terrororganisationen und ihrer politischen Mithelfer ist sie nicht zu stoppen. Die Hauptängste richten sich auf den 16. April. Am 16. April wird Merkel mehr noch als 80 Millionen (Türken) gespannt vor dem Fernseher sitzen. Trump wird das Fernsehen verfolgen. Und Putin hat sich schon jetzt die türkischen Kanäle in seinem Büro einrichten lassen. Wer sich auf guten Rat nicht bessert, den muss man streng tadeln. Wer sich auf Tadel nicht bessert, der verdient den Stock, sagt ein türkisches Sprichwort. Jetzt, wo wir der Welt gegenüber, die ein Wort im Guten nicht versteht, mit der Sprache auftreten, die sie versteht, nämlich mit der Nationalen (Militär)Industrie, bekommt sie es mit der Angst zu tun. Wartet’s ab! Sie werden noch mehr Angst bekommen. (Es handelt sich um ein Wortspiel: der im Türkischen verwendete Ausdruck Angst haben ist hier: paçaları tutuştu – ihre Hosenbeine haben Feuer gefangen. Und darauf folgt nach Wartet’s ab! Sie werden keine Hosenbeine mehr finden, die noch Feuer fangen können.)

1: gemeint ist ein Plakat auf einer Demo in Bern, wo Erdogan mit Pistole am Kopf und dem Text „Kill Erdogan with his own weapons“ zu sehen war.
http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/tuerkei-bestellt-schweizer-vizebotschafter-ein/story/31522359
27.03.2017
Plakat ist ein «gefundenes Fressen» für Erdogan

Quelle:
http://www.yenikonya.com.tr/yazar/fatma_tuncer_oncu-4233/pacalari_tutusan_bati-4233

Fatma Tunçer Öncü
fatmatuncer.oncu@yenikonya.com.tr
PAÇALARI TUTUŞAN BATI
11 nisan 2017

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Türkei: Das Geheimnis von Konya

Konya ist flächenmäßig die größte Provinz der Türkei. Die im Inneren Anatoliens gelegene Stadt samt den zugehörigen Kreisen hat schon seit einiger Zeit den Rang einer Großstadt, sie umfasst 31 Kreise (ilçe) und rund 1,5 Millionen Wahlberechtigte. Konya ist der Ort, in dem der Dichter und Mystiker Moulana Rumi (Mevlana Rumi) im 13. Jahrhundert gelebt und gewirkt hat, es ist zusammen mit Sanliurfa eines der wichtigen religiösen Zentren der Sunniten in der Türkei. Konya ist ein Zentrum der türkischen Rüstungsindustrie und gilt auch als Motor des islamischen Unternehmertums in der heutigen Türkei. Es ist der Wahlkreis, in dem der in Konya gebürtige Ahmet Davutoglu ins Parlament gewählt wurde. Ahmet Davutoglu war Vorsitzender der Regierungspartei AKP und Ministerpräsident der Türkei.


73% Ja-Stimmen
Schaut man sich die Abstimmungsergebnisse des Referendums zur Einführung des Präsidialsystems in Konya an, so stößt man zuerst überall auf den hohen Anteil von Ja-Stimmen mit 73% (im Landesdurchschnitt waren es 51%). Der Landrat von Selçuklu, des bevölkerungsreichsten Kreises von Konya, betonte, dass Konya unter den Großstädten mit die besten Ja-Ergebnisse vorzuweisen hat. Das ist für ihn wichtig, denn in den meisten Großstädten der Türkei hat das Nein gesiegt, und bald werden dort die Oberbürgermeister von der AKP abgesetzt bzw. erklären ihren Rücktritt.
Man sollte aber nicht Äpfel mit Eiern vergleichen, und Konya vergleicht man am besten mit Konya. Die letzten Wahlen waren am 1. November 2015, so dass es sich anbietet, die Wahlergebnisse von damals mit denen vom 16. April 2017 zu vergleichen. Das ist nicht ganz einfach, denn diesmal gab es nur die Möglichkeit, Ja oder Nein zu stimmen, damals konnte man Parteien wählen.

Wahlparolen der Parteien
Allerdings gibt es von einigen Parteien klare Positionen:
Die AKP ist natürlich für ein Ja,
Die MHP-Führung hat sich für ein Ja entschieden, es heißt aber, dass 1/3 der Wähler da nicht mitzieht, die CHP („Sozialdemokraten“) und HDP (Kurdenpartei) sind für ein Nein. Die Kurdenpartei HAK-PAR dürfte auf der Nein-Seite zu suchen sein, ebenfalls die kommunistische HKP, während man die religiöse Saadet und die religiös-nationalistische BBP auf der Ja-Seite ansiedeln kann. Mit diesem Wissen kann man nun die Stimmen von 2015 zusammenzählen und mit den heutigen Ja-Nein-Resultaten vergleichen.

Woher so viele Nein-Stimmen?
Man sieht erstens, dass die Ja-Stimmen um 8000 geringer sind als die Stimmenzahl der AKP vor anderthalb Jahren. Das ließe sich verkraften. Aber was ist mit den 21600 Neuwählern im Vergleich zu 2015? Da müsste doch auch was für die AKP abgefallen sein.
Fassen wir die „schwarzen“ Parteien (AKP, MHP, Saadet, BBP) zusammen, dann hätte es 171.000 Ja-Stimmen mehr geben müssen. Umgekehrt, fassen wir alle „roten“ Parteien (CHP, HDP, HAK-PAR und HKP) zusammen, so hat das Nein 192.000 Stimmen mehr erhalten als diese bei den letzten Wahlen verbuchten (Szenario 1).
Gehen wir nun zu realistischeren Szenarien über: 1/3 der MHP-Wähler von damals stimmt mit Nein, 2/3 mit Ja, die Neuwähler werden zu je 50% auf Ja und Nein verteilt (Landesdurchschnitt). Dann hat das Ja 134.000 Stimmen weniger erhalten, als es rechnerisch bekommen müsste (Szenario 5).
Verteilen wir die Neuwähler nach dem Durchschnitt von Konya, dann werden 73% der Neuwähler den Ja-Stimmen und 27% den Nein-Stimmen zugerechnet, MHP wie gehabt. Fazit: Das Ja hat 139.000 Stimmen zu wenig erhalten. Auf der Gegenseite hat das Nein im gleichen Ausmaß zu viel erhalten. Dafür gibt es eine Erklärung. Diese Wähler sind von der AKP ins Gegenlager abgewandert.

Jeder siebte AKP-Wähler in Konya hat mit Nein gestimmt!
134.00 von 937.000 (2015) macht 14%, also jeder siebte Wähler. Das ist eine harte Ohrfeige des Wählers für Erdogan. Die Frage ist nur noch: Wofür wurde diese Ohrfeige erteilt? In den gesäuberten Medien erfährt man nichts, ja, dort wird nicht einmal diese Rechnung aufgestellt. Man darf vermuten, dass die Säuberungswelle nach dem gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 gegen die angeblich für den Putsch verantwortlichen Anhänger von Fethullah Gülen und die kalten Enteignungen von Unternehmen, die der Gülen-Bewegung nahestehen, gerade in Konya viele religiöse Wähler getroffen und erschreckt hat. Man darf gespannt sein, wie sich das bei den nächsten Parlamentswahlen auswirkt, zumal innerhalb der AKP jetzt schon die nächste Säuberungswelle ansteht.

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Iran und Israel (Teil 3)

Die iranische Geistlichkeit und der Staat Israel
Wie im vorigen Abschnitt beschrieben, wurden die iranischen Geistlichen angesichts der beispiellosen Einwanderungswelle von Juden in das Land Palästina in den 40-er und 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts und angesichts der zunehmenden Konflikte zwischen den jüdischen Einwanderern und den arabischen Einwohnern dieses Landes aktiv und machten sich zu Fürsprechern der „palästinensischen muslimischen Brüder“. Als der Staat Israel gegründet wurde, trat Ajatollah Abu l-Qassem Kaschani auf den Plan. Er organisierte Kundgebungen, hielt Reden und Trauerversammlungen, und übernahm die Führung im Kampf um die Rechte der Palästinenser und die Rückeroberung ihrer Heimat. Der Druck der Geistlichkeit und der religiös gesinnten Bevölkerungsschichten war so groß, dass die Regierung des Schahs sich zwei Jahre lang nicht traute, Israel anzuerkennen. Erst im Esfand 1328 (6. März 1950) erkannte die iranische Regierung den Staat Israel de facto an. (Quelle 9)

Der Druck der Geistlichen nahm unter Premierminister Dr. Mossadeq noch zu, und da Ajatollah Abu l-Qassem Kaschani über beträchtlichen Einfluss verfügte, forderte er die Regierung Mossadeq auf, die Anerkennung Israels zurückzunehmen. Er war sich so sicher, das Mossadeq nachgeben würde, dass er in einem Interview mit der in Baghdad erscheinenden Zeitung al-Mesri davon sprach, dass die Annullierung der Anerkennung Israels durch den Iran sicher sei. Baqer Kasemi, der Außenminister des Kabinetts von Mossadeq, trat am 16. Tir 1330 (1951) vor die Abgeordneten des iranischen Parlaments und setzte sie in Kenntnis, dass die Regierung beschlossen habe, das iranische Konsulat in Jerusalem zu schließen. In einer öffentlichen Erklärung, die die Regierung am folgenden Tag verbreiten ließ, wurde als Begründung dafür freilich der Rückgang der Einnahmen infolge des Zusammenbruchs der Erdölexporte und die daraus resultierende Notwendigkeit für die Regierung angegeben, Devisen zu sparen. Die Araber fassten diese Maßnahme allerdings zu Unrecht als Aufhebung der de-facto-Anerkennung Israels auf. (Quelle 9)

Nach dem Putsch vom 28. Mordad 1332 (19. August 1953) wurden die Beziehungen zwischen dem Iran und Israel wieder ausgebaut, die Möglichkeiten der Geistlichen, die öffentliche Meinung aufzuputschen und die Regierung unter Druck zu setzen, nahmen ab. Als im Jahr 1339 (1960) John F. Kennedy in den Präsidentschaftswahlen in den USA siegte, nahm der US-Druck auf Mohammad Resa Schah zu, eine politische Öffnung und Reformen im Iran einzuleiten. So herrschte drei Jahre lang, bis zum Monat Mordad 1342 (Juli/August 1963), eine relativ freie Atmosphäre im Iran. Alte und neue politische Gruppen nahmen ihre Tätigkeit auf, die wichtigsten von ihnen waren die Nationale Front (Dschebheye Melli) und die Freiheitsbewegung (Nehsate Asadi). Auch die Geistlichen betraten nach und nach wieder die politische Bühne. Im Farwardin 1340 (März/April 1962) verstarb Ajatollah Borudscherdi, bis dahin die wichtigste unter den religiösen Autoritäten im Iran. Ruhollah Chomeini gelang es, in der Arena des Kampfes gegen den Schah einen besonderen Platz für sich zu erringen, und so wurde er zu einer einflussreichen Autorität auf der politisch-religiösen Bühne des Landes.


Rede von Ruhollah Chomeini in Qom am 4. Aban 1343 (1964) gegen die „Kapitulation“
Quelle: kapitulasyun dar iran
https://fa.wikipedia.org/wiki/%DA%A9%D8%A7%D9%BE%DB%8C%D8%AA%D9%88%D9%84%D8%A7%D8%B3%DB%8C%D9%88%D9%86_%D8%AF%D8%B1_%D8%A7%DB%8C%D8%B1%D8%A7%D9%86

Chomeini wurde zum Bannerträger der Opposition gegen die Reformen des Schahs, gegen die Verleihung des Stimmrechts an die Frauen und gegen das sogenannte Kapitulationsgesetz, das den US-Militärberatern diplomatischen Status einräumte, sie also der iranischen Rechtsprechung entzog. Das Kapitulationsgesetz wurde unter Premierminister Hassan Ali Mansur dem Parlament zur Abstimmung vorgelegt. Chomeini rief in feurigen Reden die „Gemeinschaft der Muslime“ dazu auf, sich zu erheben. Am 15. Chordad 1342 (1963) schlugen militärische Einheiten eine Kundgebung des Volks nieder, wobei Dutzende von Menschen ums Leben kamen. Ein Jahr später wurde Hassan Ali Mansur von einer Gruppe von Chomeinis Anhängern der neu gegründeten Organisation „Hey‘ate Mo‘talefe“ (Die Koalition) ermordet. Chomeini, der auch ins Gefängnis gekommen war, wurde freigelassen und in die Türkei und später in den Irak verbannt. Sein Exil dauerte bis zum Sturz des Schah-Regimes.

Einmal abgesehen von der extrem reaktionären Haltung Chomeinis und seiner Gegnerschaft zu allen Symbolen der Zivilisation und der Demokratie, wurde in seinen Reden und Schriften vor allem eins sichtbar: Seine krankhafte Feindschaft gegen Israel und die Hetze gegen Juden. Sein Hass auf Israel und die Juden hatte erheblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung des gewöhnlichen Volks im Iran und veränderte dessen Sicht auf Israel.

Chomeini, ein Fundamentalist, der gegen Juden hetzt

Chomeini bezeichnete den Schah als Handlanger Israels und der Juden und stellte diesen Punkt als Hauptgrund für die Wut im Volk und für den Ausbruch der Revolution (erg.: von 1979) dar. Im Jahr 1357 (1978) erklärte er: „Wir hatten von Anfang an eine feste Meinung über die Zionisten. Einer der Gründe unserer Gegnerschaft zum Schah von Persien war seine Beziehung zu Israel. Diese Angelegenheit ist auch der Anlass, warum das Volk sich empört.“ (Quelle 10)

In einem seiner Flugblätter heißt es: „Von dieser Seite (=von mir) wurde wiederholt auf die Gefahr hingewiesen, die von Israel und seinen Lakaien mit dem Schah an der Spitze ausgeht. Ich habe davor gewarnt: Solange die islamische Nation (mellat-e eslam) diese Quelle der Verdorbenheit nicht mit Stumpf und Stil ausrottet, wird sie keinen glücklichen Tag erleben. Und solange der Iran in den Fängen dieser schändlichen Sippschaft festgehalten wird, wird er keine Freiheit sehen. Ich bitte Gott, den Erhabenen, um Beistand für die Muslime und um einen Misserfolg für Israel und seine finsteren Helfershelfer.“ (Quelle 11)

Chomeini, der einer krankhaften und megalomanen Gedankenwelt verhaftet war, war der Überzeugung, dass Israel den Iran kontrolliert und plant, den Iran und den Islam zu vernichten. In seiner bekannten Rede zum Aschura-Trauerfest vom 13. Chordad 1342 (3. Juni 1963) in Qom erklärte er: „Heute wurde mir zugetragen, dass einige Prediger abgeholt und zum Geheimdienst gebracht wurden. Dort hat man ihnen gesagt, dass sie von drei Dinge die Finger lassen sollten: Erstens vom Schah, zweitens von Israel, und drittens von der Behauptung, dass der Glaube in Gefahr sei. Wenn sie die drei Gebote beherzigten, dürften sie sagen, was sie wollten. Nun denn, wenn wir diese drei Bereiche auslassen, worüber sollen wir dann überhaupt sprechen? Denn alles, was uns Kopfschmerzen bereitet, sind doch gerade diese drei. Sie sind für alle unsere Probleme verantwortlich. Israel ist dabei, den Iran aufzulösen. Israel untergräbt die Herrschaft des Schahs. (…) Israel ist der Freund Ihrer Exzellenz, hier geht es um bestimmte Dinge, um bestimmte Fakten… Da wird also gesagt, wir sollten nicht über den Schah und nicht über Israel sprechen. Was für eine Beziehung besteht zwischen dem Schah und Israel? Vielleicht ist der Schah nach Meinung des Geheimdienstes ein Jude. Eben jener, der sich auf den Islam beruft und behauptet: Ich bin ein Moslem. Äußerlich ist er auch ein Moslem, aber vielleicht steckt ein Geheimnis dahinter.“ (Quelle 12)

Auch die Weiße Revolution betrachtete Chomeini als Werk Israels und des Zionismus, und er sprach sich gegen sie aus. „Gegen was an der Zivilisation richtet sich unsere Gegnerschaft? Gegen ihre Verdorbenheit. Wir sagen, dass Eure Reformprogramme von Israel für Euch erstellt werden. Wenn Sie ein Programm durchführen wollen, ist das Erste, was Sie tun, bei Israel vorstellig zu werden. Sie holen auch Militärfachleute aus Israel in dieses Land.“ (Quelle 13)

An den Schah gerichtet stellt Chomeini die Frage: „Mein Herr, sind Sie etwa Jude? Ist unser Land etwa ein jüdisches Land?“ (Quelle 14)

In einem Schreiben an die Geistlichen verkündete er, dass das ganze Land unter den Füßen der Juden zermalmt werde: „Israel hat in allen politischen und militärischen Angelegenheiten des Irans die Finger drin, und der Iran ist zu einer Militärbastion Israels geworden. Das Land wird unter jüdischen Militärstiefeln niedergetrampelt.“ (Quelle 15)

Für Chomeini waren die Bahai und Juden das gleiche. Er behauptete, dass sämtliche Pfeiler der Macht auf der ganzen Welt in der Hand der Juden seien. Und so seien auch im Iran die Agenten Israels mit Hilfe ihrer „Söldner“, mit den Bahais an der Spitze, darauf aus, die Gemeinschaft der Muslime zu zerstören. Er bezeichnete die Bahais als Juden und sagte in seiner berühmten Ansprache in Qom: „Wehe dem Land! Wehe den Herrschenden! Wehe dieser Welt! Wehe den schweigenden Geistlichen! Wehe dem schweigenden Nadschaf! Auch Qom schweigt. Auch Teheran schweigt. Auch Maschhad schweigt. Dieses tödliche Schweigen führt dazu, dass dieses unser Land und diese unsere Ehre und Sitten mithilfe eben dieser Bahais unter den Militärstiefeln Israels zertreten werden. (…) Wenn alle Gelehrten des Islams ein bestimmtes Thema ansprechen würden, dass nämlich jetzt der Islam in Gefahr ist, und diese Gefahr der Jude ist und die Glaubenspartei der Juden, nämlich die Partei der Bahais. Diese Gefahr ist jetzt ganz nahe gerückt. Wenn doch die Herrschaften, die Geistlichen, die Prediger und die Theologie-Studenten mit einer Stimme sprechen würden: Mein Herr, wir wollen nicht, dass der Jude die Geschicke unseres Landes bestimmt.“ (Quelle 16)
(AdÜ: Nadschaf im Irak und Maschhad im Iran sind schiitische Wallfahrtsorte, Qom ist das Zentrum der schiitischen Theologen, und Teheran wird als Hauptstadt des Irans erwähnt.)

In seiner Antwort auf eine Frage der Händler von Qom sagte Chomeini 1341 (1962): „Die Unabhängigkeit unseres Landes und seiner Wirtschaft werden von den Zionisten in Beschlag genommen, die im Iran als Glaubenspartei der Bahais auftreten. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis sie angesichts des tödlichen Schweigens der Muslime die gesamte Wirtschaft dieses Landes über ihre Agenten in ihre Gewalt bringen.“ (Quelle 17)

Chomeini verglich Israel mit einem Krebsgeschwür, das sich ausbreitet und dabei ist, das Leben der Muslime auf der ganzen Welt auszulöschen. So erklärte er selbst gegenüben den Führern der Islamischen Konferenz: „Die Oberhäupter der islamischen Staaten sollten bedenken, dass diese Quelle der Verdorbenheit, die ins Herz der islamischen Staaten gepflanzt wurde, nicht nur der Unterdrückung der arabischen Nation dient. Vielmehr ist der gesamte Nahe Osten mit dieser Gefahr und dem resultierenden Schaden konfrontiert. Der Plan ist es, die Welt des Islams unter die Herrschaft und Kontrolle des Zionismus zu bringen und das gesegnete Land und die ergiebigen Rohstoffquellen der islamischen Staaten besser auszubeuten. Nur Opferbereitschaft, Beharrlichkeit und ein Bündnis der islamischen Staaten kann uns vor dem Bösen dieses finsteren Alptraums der Ausbeutung retten.“ (Quelle 18)

8- Howard Sachar, A History of the Jews in the Modern World (Knopf, NY. 2005) p.722

9- نگاه کنید به „تاریخ روابط ایران و اسرائیل از 1327 تا انقلاب“ مجله ایرانشهر http://iranshahr.org/?p=6707

Die folgenden Zitate stammen aus Sahife-ye Nur, in dem die gesammelten Texte von Ajatollah Ruhollah Chomeini veröffentlicht sind.
Es ist jeweils der Band und die Seitenzahl auf Persisch angegeben.
Die Bände sind im Internet abrufbar unter
http://safarbank.persiangig.com/other/sahife%20noor/
nach Bänden geordnet, allerdings ohne Seitenzahl.

10- صحیفه نور جلد 5 ص 134

11-صحیفه نور جلد ۱ صفحه 207

12-صحیفه نور جلد ۱ ص ۵۶ ۱۳ خرداد

-13- صحیفه نور جلد ۱ ص ۷۷ ۲۵ ارديبهشت ۴۳

-14- صحيفه نور ج ۱ ص ۱۲ ۱۰ فروردين ۴۱

-15 – صحيفه نور ج ۱ ص ۱۵۷ ۱۹ بهن ۴۹ و همان ص ۴۶ ۱۲ ارديبهشت ۴۲

-16- (صحیفه نور- ج۱-ص ۲۱۳ و ۲۱۶

-17- .(صحیفه نور، ج1،ص108

-18- صحيفه نور, ج 5, ص 209

Quelle: http://www.iranianlobby.com/page1.php?id=114

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Iran: Ebrahim Ra‘isi, ein würdiger Kandidat


Ebrahim Ra‘isi, Staatsanwalt am Sondergericht für Geistliche und Hauptverwalter der Imam-Resa-Stiftungen in Maschhad

Im Iran laufen die Vorbereitungen für die nächsten Präsidentenwahlen an, denn der derzeitige Staatspräsident Hassan Rouhani hat bald seine erste Amtszeit beendet. Die Fundamentalisten um den religiösen Führer Ajatollah Chamene’i haben schon einen geeigneten Kandidaten gefunden: Ebrahim Ra’isi (sprich: Ra’issi).
Als Ajatollah Chomeini zum Ende des iranisch-irakischen Kriegs 1988 ein Massaker unter den politischen Gefangenen anordnete, gehörte Ebrahim Ra’isi zu den Mitgliedern einer kleinen Kommission, die die Auswahl traf, welche Gefangenen umgebracht werden sollen. Ebrahim Ra’isi war damals der stellvertretende Staatsanwalt von Teheran. Die anderen Mitglieder der 12-köpfigen Todeskommission sind unter folgendem Link aufgeführt:
http://www.alischirasi.de/as040922.htm
Ahmad Montaseri, der Sohn des verstorbenen Ajatollahs Hossein-Ali Montaseri, verweist auf „die direkte unbestrittene Beteiligung“ von Herrn Ra’isi an den Massenhinrichtungen politischer Gefangener im Jahr 1988 und fügt hinzu: „Wenn sonst ein Kandidat jemanden auch nur einmal mit einem Messer attackiert hat, hat er keine Chance, von den zuständigen Behörden ein sauberes Führungszeugnis zu erhalten. So ein Fall ist sofort erledigt.“ Er macht damit auf den Widerspruch aufmerksam, dass ein Massenmörder, der bis heute nie für seine Verbrechen vor Gericht gestellt wurde, problemlos kandidieren kann. Er bezeichnete es als einen „Witz“ und eine „Beleidigung des iranischen Volks“, so jemanden als Kandidaten aufzustellen.

Die Wunder des Herrn Ra’issi: Blut zu Kohle, Staub zu Gold
Ahmad Montaseri hatte eine Datei mit den Äußerungen seines Vaters über dieses bis heute straflos gebliebene Staatsverbrechen veröffentlicht, das in der iranischen Öffentlichkeit ein breites Echo fand. Für diese Veröffentlichung war er vom Sondergericht für Geistliche zu 21 Jahren Gefängnis verurteilt worden, von denen 6 Jahre sofort vollstreckbar sind. Ebrahim Ra’isi ist Staatsanwalt am Sondergericht für Geistliche! Des weiteren übt er die Hauptverwaltung (Towliyate Astane Qodse Rasawi) sämtlicher Stiftungen in Maschhad aus, die dem Imam-Resa-Heiligtum gehören. Dies ist ein gigantischer Wirtschaftskomplex im Iran. Jährlich besuchen über 10 Millionen Schiiten das Heiligtum in Maschhad und spenden dort Geld, so dass es sich um das Heiligengrab auftürmt. Das ist so viel, dass man es laufend in Säcke füllt. Ghobar-rubi – Staubwischen – nennt man das. Und weil der persische Tuman laufend an Wert verliert, haben die Geistlichen bekannt gegeben, dass der besondere Verdienste im Jenseits erwirbt, der Dollars oder Pound vor’s Grab wirft. Den „Staub“ bekommt dann Ebrahim Ra’isi. Wenn wundert’s, dass Ebrahim Ra’isi genug Geld hat, alle wichtigen Amtsträger bei den Revolutionswächtern (Pasdaran) zu kaufen…

Quellen:
http://www.radiofarda.com/a/f3-montazeri-on-reisi-candidate-insult-nation/28420517.html
vom 21. Farwardin 1396 (10. April 2017)
ahmad montazeri: namzadiye ebrahim ra’isi touhin be mellate iran ast

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=126710
vom 17. Farwardin 1396 (6. April 2017)
ra‘isi, diruz °od.we hey‘ate marg, emruz namzade entexabat

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=79218
vom 17. Farwardin 1396 (6. April 2017)
qatele hazaran zendaniye siyasi kandidaye riyasate jomhuri shod

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Das letzte Argument des Islamischen Staats Iran: Todesstrafe


Mardschan Dawari (Marjan Davari)

Die inzwischen 38 Jahre dauernde Herrschaft der schiitischen Geistlichkeit hat den schiitischen Glauben im Iran so in Verruf gebracht wie die Folterungen und die Inquisition die Kirche in Europa. Das Ergebnis: Immer mehr Menschen suchen nach etwas Neuem. Im Iran bedeutet das zum einen die Wiederbelebung der Sufi-Traditionen, also eines mystischen Islams, in der Zuwendung zu christlichen und nachchristlichen Glaubensbekenntnissen wie etwa den Zeugen Jehovas, aber auch die Aufnahme noch ganz junger Religionen wie etwa „Eckankar“, von denen man in Deutschland wenig hört. Die Antwort des Regimes ist jedesmal Haft bis hin zur Todesstrafe, was sicherlich niemanden dazu bewegt, die Religion der Herrschenden nun für attraktiver zu halten als davor.

Eckankar
Die 50-jährige Mardschan Dawari (Marjan Davari) aus Karadsch war am 2. Mehr 1394 (im Jahr 2015) in der Wohnung ihres Vaters von Beamten des iranischen Geheimdienstes verhaftet worden. Sie war im Trakt 209 des Ewin-Gefängnisses in Teheran in Haft. Am 25.-27. Mehr 1395 (2016) und am 21. und 22. Adhar 1395 (2016) wurde die Anklage gegen sie vor der 15. Kammer des Revolutionstribunals in Teheran unter dem berüchtigten Richter Salawati verhandelt. Das Datum des Urteils ist nicht bekannt, wohl aber das Ergebnis. Mardschan Dawari wurde wegen „fessad fi-l-ars“ (Verderbnis auf Erden) zum Tode verurteilt. Ihr wurde vorgeworfen, Schriften über die Religion Eckankar verfasst und anderen zugänglich gemacht zu haben, auch soll sie eine Reihe religiöser Werke dieser jungen Religion ins Persische übersetzt haben. Das alles diente als „Beweis“ für den Vorwurf der Verbreitung von „Verderbnis auf Erden“. Ihre Hausbibliothek wurde beschlagnahmt, sie selbst wurde inzwischen aus dem Ewin-Gefängnis ins Qaratschak-Gefängnis in Varamin (Schahre Ray) verlegt.

Quellen:
http://news.gooya.com/2017/03/post-2273.php
29.03.2017
mahkumiyate marjan davari, motarjeme irani be e°dam

https://de.wikipedia.org/wiki/Eckankar

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Iran plant neue Auslandsmorde

Die iranischen Machthaber schrecken auch vor Morden im Ausland nicht zurück, wie die Ermordung des Kurdenführers Qassemlou am 13.7.1989 in Wien oder die seines Nachfolgers Scharafkandi am 17.9.1992 in Berlin beweist. Der oberste Auftraggeber von damals, Ajatalloh Chamene‘i, ist noch immer der Religiöse Führer des Landes.
Die iranische Webseite iran-emrooz.net berichtet unter Berufung auf die Deutsche Welle folgendes:
Am 27. März 2017 erging in Berlin ein Gerichtsurteil gegen einen 31-jährigen pakistanischen Staatsangehörigen namens Mustafa Haydar Syed (die persische Webseite schreibt „Mustafa Haydar S.“, deutsche Medien schreiben „Haydar Syed M.“, französische Quellen nennen den vollständigen Namen…). Er soll Ziele für künftige Mordanschläge in Berlin und Paris ausgekundschaftet und die Informationen an die Spezialeinheit „Qods“ (Jerusalem) der iranischen Revolutionswächter geleitet haben. Dafür habe er ein monatliches Gehalt von 2052 Euro erhalten. Deutsche Quellen (z.B. Quelle 2) sprechen dagegen von einem Agentenlohn von insgesamt 2052 Euro, zumindest ist das die nachweisbare Summe.

Französisch-israelischer Professor in Paris auf dem Korn
Vom Juli bis August 2015 soll Mustafa Haydar Syed in Paris die täglichen Wege des französisch-israelischen Professors David Rouach ausgekundschaftet haben, der an der „Universität von Paris“ Wirtschaftswissenschaften unterrichtet. Andere Quellen z.B. die französische Wikipedia (Quelle 3) geben seinen Namen mit Daniel Rouach an, der an der Ecole Supérieure de Commerce ESCP Europe (Quelle 4) in Paris unterrichtet. Mustafa Haydar Syed soll über 300 Photos und über 20 Videos über den Professor, den Campus und die Wege des Professors aufgenommen und seine Auftraggeber mit einer (?) Powerpoint-Präsentation über seine Ergebnisse informiert haben. Er informierte sie, wo Kameras (auf dem Campus) installiert sind, über die Anzahl der Wächter (an der Uni), über die Lage der Polizeiwache und über die Sicherheitsmaßnahmen auf der Strecke, die der Professor zurücklegt.

Und Reinhold Robbe, der damalige Vorsitzende der deutsch-israelischen Vereinigung in Berlin
Mustafa Haydar Syed spionierte auch die täglichen Gewohnheiten des deutschen Politikers Reinhold Robbe aus, des ehemaligen Vorsitzenden der deutsch-israelischen Vereinigung, sowie dessen Freunde und Angehörige. Reinhold Robbe ist Mitglied der SPD und war früher „Verantwortlicher des deutschen Parlaments für Armeefragen“. Bei dieser Bezeichnung wird wohl kaum ein iranischer Leser darauf kommen, was der „Wehrbeauftragte des Bundestags“ eigentlich macht.

Laut Aussagen eines Beamten des deutschen Verfassungsschutzes vor Gericht soll die Ausspähung dazu gedient haben, den Iran im Fall eines künftigen Kriegs gegen den Westen mit Infos über mögliche Anschlagziele zu versorgen.

Mustafa Haydar Syed wurde zu 4 Jahren und 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Er verweigerte jede Aussage, obwohl das Gericht ihm bei einem vollen Geständnis eine Strafminderung von 15 Monaten in Aussicht stellte – rbb-online.de (Quelle 5) schreibt dagegen, dass das Gericht im Fall eines Geständnisses eine Strafe von höchstens 3 Jahren und 6 Monaten in Aussicht stellte. Laut Angaben seines Verteidigers soll der Angeklagte aus Angst vor den Auftraggebern geschwiegen haben.

Wahrheitsliebe nach Trumps Geschmack
Einmal abgesehen davon, dass die persische Darstellung in einzelnen Punkten sehr ungenau ist, übergeht sie eine doch recht wesentliche Tatsache. So schreibt die Berliner Zeitung am 20.03.2017 (Quelle 2): „Reinhold Robbe, 62, sitzt an diesem Montagmorgen vor dem Bildschirm im Kammergericht. Er nickt, oder er schüttelt den Kopf. Und sagt zu fast jedem Bild etwas. Nein, er habe gar keine Frau, sagt er. Robbe lebt mit seinem Partner zusammen, der auch in der Präsentation zu sehen ist. Allerdings als „guter Freund“. Die beiden angeblichen Söhne Johann und Holger gebe es auch nicht, sagt der SPD-Politiker.“ Das lässt den Eindruck aufkommen, dass dieser ehemalige Student der Ingenieurswissenschaften (Computerbereich) Mustafa Haydar Syed ein ziemlich durchtriebener Genosse ist, der seine Berichte auch mit „alternativen Fakten“ schmückte, wie Herr Trump das nennen würde. Hauptsache, er bekommt Geld dafür. Statt ihn zu verhaften, hätten die deutschen Dienste ihn ja noch mit weiteren alternativen Fakten versorgen können, das wäre langfristig sicherlich nützlicher als ihn ins Gefängnis zu stecken.

Denn sein zweites Ausspähungsopfer, Prof. Daniel Rouach, findet eine Strafe von etwas über 4 Jahren Gefängnis für eine Mordplanung reichlich dürftig (Quelle 6). Mit dem, was im Nahen Osten als Strafen üblich ist, kann die deutsche Rechtsprechung nicht konkurrieren. Und das ist gut so.

Interessant ist, dass die deutschen Zeitungsberichte nicht darauf eingehen, dass Mustafa Haydar Syed beim Raumfahrtzentrum in Bremen arbeitete (ehemals EADS Astrium, jetzt Astrium Bremen). (Quelle 7)

Quelle 1:
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/68540/
vom 27.03.2017 16:19
jasus-e iran dar alman be 4 sal zendan mahkum shod

Quelle 2:
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/polizei/prozess-mutmasslicher-iranischer-spion-schoss-hunderte-fotos-von-spd-politiker-26230076
vom 20.03.2017

Quelle 3:
https://fr.wikipedia.org/wiki/Daniel_Rouach
Daniel Rouach, né à Meknès (Maroc)1, de nationalité franco-israélienne2, est un professeur universitaire et auteur de livres économiques, notamment sur la veille technologique.
Il est professeur à ESCP Europe (Département Stratégie, Hommes et Organisation du campus de Paris), codirecteur scientifique du Mastère Spécialisé Innover Entreprendre ESCP Europe3, enseignant à l‘université de Tel Aviv4 Président de la Chambre de Commerce & d‘Industrie Israel-France (CCIIF Tel-Aviv) (…) (abgerufen 28.03.2017)
Quelle 4:
http://www.escpeurope.eu/fr/escp-europe/histoire-de-escp-europe-business-school/
Ecole Supérieure de Commerce

Quelle 5:
http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2017/03/berlin-kammergericht-prozess-gegen-iranischen-spion.html
vom 08.03.2017

Quelle 6:
http://fr.timesofisrael.com/allemagne-prison-pour-un-pakistanais-accuse-despionner-pour-liran/
AFP 28 mars 2017, 14:47

Quelle 7:
http://www.israelvalley.com/news/2017/03/23/53045/france-isra-l-a-berlin-l-iran-accus-d-avoir-planifi-un-attentat-paris
23.03.2017

weitere Informationen:
https://www.i24news.tv/fr/actu/international/139699-170309-daniel-rouach
09/03/2017
Affaire d‘espionnage jugée à Berlin: Daniel Rouach en exclusivité sur i24NEWS

http://www.tagesspiegel.de/berlin/spionageprozess-in-berlin-mehrere-jahre-haft-fuer-iranischen-spion/19577612.html
27.03.2017 18:40 Uhr
Spionageprozess in Berlin – Mehrere Jahre Haft für iranischen Spion

https://de.wikipedia.org/wiki/Astrium_Bremen

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Iran und Israel (Teil 1)

Im folgenden wird der erste Teil eines Aufsatzes über die Entstehung der Israelfeindlichkeit im Iran vorgestellt. Der Text wurde aus dem Persischen übersetzt, Auslassungen sind mit (…) gekennzeichnet.
Quelle:
http://www.iranianlobby.com/page1.php?id=114

Von Israel zum Todesengel Esra‘il – Die Geschichte einer Verwandlung
Im Herbst 1341 (1962) reisten Dschalal (Jalal) Al-e Ahmad und seine Frau Simin Daneschwar, zwei berühmte iranische Schriftsteller, die zu den geachteten Intellektuellen ihrer Zeit gehörten, zu einem Besuch nach Israel, wo sie zwei Wochen als Gäste des israelischen Staates blieben. Auch Dariusch Aschuri und der verstorbene Chalil Malaki gehörten zu jenen Intellektuellen, die nach Israel reisten und ein positives Urteil über dieses Land fällten. Al-e Ahmad hielt nach seiner Rückkehr von dieser Reise einen Vortrag im Institut für sozialwissenschaftliche Studien und Forschung, in dem er über die Kibbuze in Israel (eine kollektive Form der Landwirtschaft) Bericht erstattete. Später verfasste er einen bekannt gewordenen Artikel unter dem Titel „Welayat-e Esra‘il“ (Der Gottesstaat Israel), in dem er auf die Geschichte der Unterdrückung der Juden in Europa hinwies, und die Unterdrückung und Verfolgung dieses Volks als Hauptgrund für die Gründung des Staates Israel bezeichnete. Der sehr positive Blick von Al-e Ahmad auf Israel führte zu Protesten der traditionellen iranischen Geistlichkeit, so seitens Seyyed Ali Chamene‘i, der damals noch in seinen Anfangsjahren stand.
(Fußnote 1)
(AdÜ: Ali Chamene‘i ist heute Ajatollah und der Religiöse Führer des Landes)

Aber das Urteil von Al-e Ahmad über Israel wandelte sich nach und nach, bis er 1967, nach der schweren Niederlage der Araber im Sechs-Tage-Krieg gegen Israel einen Artikel unter dem Titel „Der Beginn einer Feindschaft“ schrieb, in dem er seine ganze Feindseligkeit und seinen Wut auf Israel zu Papier brachte. Dieser Artikel wurde später in einem Buch mit dem Titel „Reise in das Land des Todesengels“ (Safar be welayate °ezra‘il) abgedruckt. Al-e Ahmad schreibt darin – neben einer Attacke auf westliche und östliche Intellektuelle, dass Israel ein Zögling und Ableger des Kolonialismus und des internationalen Zionismus sei, und einen neuen Kreuzzug gegen den Islam eröffnet habe.

„Während die Europäer in den vergangenen Kreuzzügen eine Niederlage erlitten und zum Ausgleich die Wissenschaft und die Technologie der islamischen Welt als Beute mitnahmen, sind sie diesmal mit Hilfe eben dieser Wissenschaft und dieser Technologie und mit Unterstützung eines weiteren großen Helfers, des internationalen Kolonialismus, sowie eines kleinen Handlangers, nämlich des Zionismus, erneut zum Krieg ausgezogen… Angesichts der Tatsache, dass der Nationalsozialismus, die Krönung des westlichen Bürgertums, sechs Millionen vom Schicksal geschlagene Juden in jene Öfen steckte, in denen die Menschen verbrannt wurden, sind heute zwei bis drei Millionen Araber aus Palästina, dem Gasa-Streifen und dem Westjordanland zur Wahrung der Interessen der Kapitalisten der Wall Street und der Rothschild-Bank dazu verdammt, sich umbringen zu lassen oder ihr Heil in der Flucht zu suchen. Und da die werte europäische Intelligenz als Mittäter an den Verbrechen Hitlers mitgewirkt bzw. den Mund nicht aufgekriegt hat, hat sie jetzt den Juden im Nahen Osten einen Brückenkopf geschaffen, damit die Völker Ägyptens, Syriens, Algeriens und des Iraks eins übergezogen bekommen und gar nicht mehr auf die Idee kommen, gegen den westlichen Kolonialismus zu kämpfen, und den Suez-Kanal nicht mehr für die „zivilisierten Nationen“ sperren! Pfui, was für eine stinkende bourgeoise Kultur!“

Der offene Hass von Al-e Ahmad auf Israel ist unter den Intellektuellen und auch unter dem normalen Volk unseres Landes kein auf eine Einzelperson beschränktes Beispiel, Vergleichbares lässt sich in allen gesellschaftlichen Schichten des Irans finden. Für diesen Teil der Iraner ist das, was sich zwischen Palästina und Israel abspielt, mehr als nur ein Krieg zwischen Volksgruppen um Land und Wasser, mehr als nur die Besetzung von Land, das anderen gehört, etwas, was sich an irgendeinem Punkt der Welt ereignet hat. Für sie ist der Schmerz und das Leid der Palästinenser nicht vergleichbar mit dem, was andere Volksgruppen und Nationen dieser Welt in irgendeinem Winkel Asiens oder Afrikas an Leiden und Schutzlosigkeit erfahren. Das Unglück, das Palästina ereilt hat und die geballte Gewalt Israels sind für diesen Teil der Iraner eine persönliche Angelegenheit, eine Sache der Überzeugung und Gefühle und mitunter sogar wichtiger als die eigene nationale Sache. Was für Gründe gibt es dafür, dass die Iraner in so einem Ausmaß an der Palästinafrage Anteil nehmen und mit den Palästinensern mitfühlen und mitleiden?

Einmal abgesehen von dem Unrecht, das den Palästinensern widerfahren ist, spielen im negativen Urteil der Iraner bezüglich Israels zwei Faktoren eine wesentliche Rolle. Der erste war der Kalte Krieg zwischen der Sowjetunion und der USA, der den Konflikt zwischen Israel und den Arabern zu einem der Hauptschauplätze des Kampfes zwischen diesen beiden Großmächten um die Hegemonie in der Region werden ließ. Dementsprechend änderte die traditionelle iranische Linke und ein wichtiger Teil der Intellektuellen ihre Sicht auf das Palästina-Problem und deutete ihn nicht mehr als Konflikt zwischen Volksgruppen oder Nationen, sondern als internationale Auseinandersetzung zwischen dem sozialistischen und dem imperialistischen Lager und verlieh ihm so eine ideologische Dimension. (AdÜ: auch Nationalismus ist eine Ideologie…)

Als zweiter Faktor ist das Wachsen islamischer Strömungen im Iran zu sehen, die insbesondere nach dem Tod von Ajatollah Borudscherdi und dem Aufstieg von Ruhollah Chomeini zu einer einflussreichen religiösen Autorität an Intensität und Stärke zunahmen. In dieser Denkschule wird der Konflikt zwischen Israel und Palästina als Krieg zwischen Islam und Ungläubigkeit ausgelegt, das Unrecht, das den Palästinensern widerfährt, steht somit auf einer Ebene mit dem Bösen, das der Teufel bewirkt. Die Opfer sind nicht nur die Palästinenser, vielmehr hat jeder einzelne Moslem dieser Welt an diesem Leid und Kummer Anteil und trägt eine Mitverantwortung.

Die Verwandlung von Al-e Ahmad ist eher dem zweiten Faktor, also der der „Islamisierung“ des Palästina-Problems zuzuschreiben. Denn ebenso, wie sich seine Sicht auf Israel änderte, geriet er auch selbst immer mehr ins religiöse Fahrwasser, bis er schließlich ein ergebener Anhänger von Ruhollah Chomeini wurde. Leider ging dieser große und mitfühlende Schriftsteller so weit, dass er 1343 (1964), auf einer Reise nach Mekka, einen servilen Brief an Chomeini schrieb, in dem er neben seinen Glückwünschen zu seiner Freilassung aus dem Gefängnis mehrfach seine Treue und Ergebenheit gegenüber diesem stockkonservativen Ajatollah zum Ausdruck brachte. (Fußnote 2)


Auszug aus dem Brief
(…)
(Es folgen wörtliche Zitate aus dem Brief, dessen serviler Stil aus der Wortwahl hervorgeht. Eine Übersetzung würde genau das Wichtigste, den Stil, verfälschen, da er nur gegen den Hintergrund des im Iran Möglichen und Wirklichen seine Wirkung entfaltet. Wir übergehen ihn daher).

Bevor wir uns mit dem Anwachsen des Islamismus, dem Aufstieg Chomeinis und ihrem zunehmenden Einfluss auf die anti-israelische Sichtweise befassen, wollen wir uns den anderen Faktor näher anschauen, der die Sichtweise vieler iranischer Intellektueller auf Israel änderte – die Rede ist hier vom Kalten Krieg.

Fußnote 1:
1- نگاه کنید به „کارنامه و یادنامه جلال آل احمد“ به این آدرس: http://www.hawzah.net/hawzah/Magazines/MagArt.aspx?MagazineNumberID=3957&id=24744

همچنین نگاه کنید به مصاحبه شمس آل احمد (برادر جلال) http://www.khabaronline.ir/news-89846.aspx

همچنین نگاه کنید به مقدمه مفصل شمس آل احمد در باره کتاب „سفر به ولایت عزرائیل“ به این آدرس http://www.seapurse.net/contents.php?ID=118

برای مطالعه این کتاب و مقدمه شمس آل احمد به این لینک مراجعه کنید: http://www.iranian-americans.com/docs/ezraeel.pdf

Fußnote 2:

2- مرکز اسناد انقلاب اسلامی، „نعمت بزرگی بنام جلال آل احمد“ بهمراه نامه وی به خمینی به این آدرس

http://www.irdc.ir/fa/content/10773/default.aspx

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Iran: Der Westen als Krankheit

Gharbsadegi – Vom Westen befallen
Dies ist die Diagnose einer Krankheit, an der nach Auffassung der herrschenden iranischen Geistlichkeit alle leiden, die gegen die islamischen Sitten – nach ihrem Verständnis – verstoßen. Das tun sie, wenn Männer und Frauen gemeinsam unterwegs sind, ohne verheiratet zu sein, gar gemeinsam tanzen, das tun sie, wenn Männer und Frauen gemeinsam Musik spielen oder singen oder auch nur im Fußballstadion der iranischen Mannschaft zujubeln, und das tun vor allem die Frauen, wenn sie sich „unislamisch“ kleiden, also nicht als schwarzer Sack verhüllt durch die Gegend laufen wollen.
Die Behandlung dieser „Krankheit“ erfolgt mit Methoden, die wenig mit der Medizin von Avicenna (Ibn Sina) und sehr viel mit dem europäischen Mittelalter zu tun haben, also gerade jener Region, von der man sich doch distanzieren möchte. Sie besteht im schlagfertigen Einsatz von Polizeiknüppeln, im Übergießen mit Säure, im Einsperren und Foltern.

Die Westkrankheit – eine Antwort auf den Kolonialismus
Wenigen ist heute bewusst, dass der Vorwurf der Verwestlichung „Gharbsadegi“ ursprünglich eine anti-kolonialistische Zielrichtung hatte und als Vorwurf gegen das Schahregime eingesetzt wurde. Einer der bekanntesten Schriftsteller des Irans der Zeit vor der Revolution von 1979 war Dschalal Al-e Ahmad, der mit seinem Buch „Gharbsadegi“ diesen Vorwurf in ein breites Publikum getragen hat. Seine Gedanken fanden auch Anklang bei Ajatollah Chomeini und Ajatollah Chamene‘i, und wie diese sie verarbeiteten, sehen wir ja an obigen Beispielen. Nicht so bekannt ist, dass Jalal (sprich: Dschalal) Al-e Ahmad auch ein begeisterter Anhänger des damals noch jungen Staates Israel war. Denn unter den Ajatollahs ist Israel zum zweiten Teufel aufgestiegen, gleich neben den USA als „großem Teufel“. „Marg bar Esra‘il“ (Tod über Israel) war nicht nur eine Parole, mit denen iranische Hisbollahis auf den Straßen demonstrierten, selbst Staatspräsident Mahmud Ahmadineschad, der Vorgänger von Hassan Rouhani, erklärte noch öffentlich, Israel müsse vom Erdboden verschwinden. Wie es kommt, dass der theoretische Begründer einer der wesentlichen Merkmale der Islamischen Republik Iran, nämlich des Kampfes gegen die „Verwestlichung“, sich so positiv zu Israel äußert, erklärt im Folgenden Samuel Thrope in einem Artikel aus der israelischen Zeitung Ha-Aretz (Das Land) vom 19.02.2017, den wir für unsere Leserschaft ins Deutsche übersetzt haben.

http://www.haaretz.co.il/blogs/sadna/1.3870203
Blogs des Workshops für Sozialgeschichte

כיצד יישב אינטלקטואל איראני את סלידתו מהמערב עם הערצתו לישראל
Wie passt die Abneigung eines iranischen Intellektuellen gegen den Westen mit seiner Bewunderung für Israel zusammen?

Das junge, sozialistische Israel war auch im vorrevolutionären Iran „das Licht der Völker“. Der Besuch von Jalal Al-e Ahmad im Land enthüllt regionale Verbindungen, die heute unvorstellbar erscheinen.

Ha-Aretz 19.02.2017
Workshop für Sozialgeschichte
Shmuel Trop / Samuel Thrope

In den 60-er Jahren war Jalal Al-e Ahmad der bekannteste Schriftsteller und Intellektuelle im Iran. Al-e Ahmad fand Bewunderung dank des unabhängigen und scharfen Blicks, den er schon in seinen ersten Erzählungen in den 40-ern und 50-ern bewiesen hatte. Aber es war die Veröffentlichung seines Buchs „Gharbzadegi“ – das mit „Verwestlichung“ oder „West-Erkrankung“ übersetzt werden kann und im Jahr 1962 erschien, mit dem Al-e Ahmad den Höhepunkt seiner Bekanntheit und seines Einflusses erreichte. Das Buch attackierte scharf die Herrschaft von Mohammad Resa Schah Pahlawi, der den Iran von 1941-1979 regierte und Verbündeter der USA und auch Israels im Kalten Krieg war, sowie die verwestlichte Kultur des Irans in jenen Jahren.
„Gharbzadegi“ ist eine eindeutig anti-koloniale Schrift, die auf der klaren Trennung zwischen dem satten, dominanten und reichen Westen sowie dem hungrigen, armen und kranken Osten beruht. Al-e Ahmad ruft die Iraner ebenso wie die anderen Orientalen auf, aufzuhören, den Westen zu imitieren, und zu ihren kulturellen und religiösen Wurzeln zurückzukehren. Eine ganze Generation junger Iraner führte wenige Jahre später die Revolution von 1979 an. Gharbzadegi – die Verwestlichung – war ein Meilenstein der Politik und der Erkenntnis. Im Licht dieser Haltung, trafen überraschend schon 1963, nur ein Jahr nach der Veröffentlichung von Gharbzadegi, Al-e Ahmad und seine Frau, die Schriftstellerin Simin Daneschwar, auf Einladung der Israelischen Botschaft in Teheran zu einem zweiwöchigen Besuch in Israel (w. im Land) ein. Wie andere Intellektuelle, die Israel in jenen Jahren besuchten, so etwa Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir, beschreibt Al-e Ahmad das junge Israel in dem Buch, das er über seinen Besuch schrieb, ganz unerwartet, ja sogar mutig. Eine Beschreibung, die sich zugleich auch mit der politischen und sozialen Lage im Iran befasst.


Die bekanntesten iranischen Intellektuellen: Jalal Al-e Ahmad und Simin Daneschwar in den 60-er Jahren

Nur wenige würden Israel heute zu den östlichen, anti-imperialistischen Kräften der Welt zählen. Aber Al-e Ahmad sah im Staat der Juden einen Teil des Ostens, „dessen eines Ende in Tel Aviv und dessen anderes in Tokyo“ liegt, so seine Worte. Sein Reisebericht, der den Besuch dokumentiert, wurde erst nach der Revolution und 15 Jahre nach dem Tod des Verfassers unter dem Titel „Reise in das Land des Todesengels“ veröffentlicht (welcher mit großer Wahrscheinlichkeit nicht von Al-e Ahmad selbst gewählt wurde). In diesem Buch bringt Al-e Ahmad seine Bewunderung für die Kibbuzim (Kollektivsiedlungen auf dem Land) und für den Unterricht in hebräischer Sprache in Israel zum Ausdruck, neben der energischen Kritik an der Diskriminierung der arabischen Bürger Israels. Im letzten Kapitel des Buchs, das als Reaktion auf den Sechs-Tage-Krieg (5.-10. Juni 1967) geschrieben wurde, ist die Kritik von Al-e Ahmad schon viel schärfer und direkter. Selbst dann ist Israel, wie er schreibt, einschließlich all seiner Mängel und Gegensätze, in orientalischen Augen die Basis einer Macht, ein erster Schritt, die Botschaft einer nahenden Zukunft.

Das Interesse von Al-e Ahmad an Israel begann lange vor seinem kurzen Besuch im Februar 1963.
Wie viele Intellektuelle im Iran war Al-e Ahmad Mitglied der örtlichen kommunistischen Partei, der Tudeh-Partei. Er war der Partei in seiner Jugend beigetreten, im Alter von 21, und rasch ins Zentralkomitee der Partei gewählt worden. Seine ersten Erzählungen, die die Region seiner Kindheit in den Armenvierteln im Süden Teherans beschrieben, wurden in Zeitschriften der Partei veröffentlicht.

Aber im Jahr 1948, nach der Unterstützung der sowjetischen Seite durch die Tudeh-Partei im Konflikt mit der iranischen Regierung wegen Erdölkonzessionen, empörten sich Al-e Ahmad und andere und verließen die Partei (AdÜ: die Sowjetunion forderte für sich vergleichbare Erdölförderrechte im Iran wie Großbritannien sie hatte). Nach diesem dramatischen Schritt suchte Al-e Ahmad nach sozialistischen politischen Alternativen und fand den Kibbuz. Seine ersten Bekanntschaften mit der israelischen kollektiven Landwirtschaft ließen in ihm bald mehr und mehr den Wunsch nach Informationen über Israel und die Juden aufkommen. Er las die Protokolle der Nürnberger Prozesse, das Buch „Diebe in der Nacht“ von Arthur Koestler, das auf seinen Erfahrungen als Kibbuz-Reporter beruhten, und die Bibel. Er schrieb sogar eine Erzählung im Stil der Bibel mit dem Titel: „Das dritte Buch der Könige“.


Eines der Symbole der iranischen Revolution, und einer, der bis in seine letzten Jahre in Israel ein Model zur Nachahmung sah. Iranische Briefmarke aus dem Jahr 1988 zu Ehren der intellektuellen Leistungen von Al-e Ahmad (Wikipedia)

Es ist wichtig und interessant festzustellen, dass Al-e Ahmad keine Notwendigkeit sah, diese Themen mit iranischen Juden zu diskutieren, einer Gemeinschaft von mehreren Zehntausend in jenen Jahren. Juden und Judentum waren für Al-e Ahmad eine ausländische, externe Angelegenheit, kein Teil des Irans selbst.

Al-e Ahmad schreibt in seinem Buch, dass er auf eine Einladung der Israelischen Botschaft reagierte, das Land zu besuchen, „damit ich Dinge von Nahem begreifen konnte, von denen ich bislang nur in den Büchern gelesen hatte, und schließlich um alles, was so attraktiv war, zu sehen.“
Dies ist sicher richtig, aber viele andere Quellen, darunter die Briefe zwischen ihm und seiner Frau Simin Daneschwar zur Vorbereitung der Reise, seine anderen Bücher, und auch die Telegramme, die zwischen dem israelischen Außenministerium und den Botschaften in Teheran und London gewechselt wurden, zeichnen ein etwas komplexeres Bild. Erstens war Al-e Ahmad nicht der einzige iranische Intellektuelle, der in jenen Jahren zu einem Besuch nach Israel eingeladen wurde.
1961 traf Tsvi Rafi‘ach, damals ein junger israelischer Diplomat in seinem ersten Diensteinsatz, in Teheran ein und begann, Beziehungen zu einheimischen Schriftstellern, Künstlern und Denkern aufzubauen. Rafi‘ach brachte iranische Intellektuelle (Menschen des Geistes) nach Israel und ihre israelischen Kollegen in den Iran, als ein Weg, die kulturellen Beziehungen und dabei auch die engen Sicherheitsbeziehungen zwischen den Staaten zu verbessern, die schon bestanden. Neben Al-e Ahmad statteten in jenen Jahren auch der Cousin von Mohammad Resa Schah, Prinz Schahram Pahlawi, sowie führende Linke wie der Al-e Ahmad nahestehende Politiker Chalil Maleki Israel einen Besuch ab. Mit anderen Worten, Rafi‘ach wollte Menschen von beiden Seiten der politischen Landkarte dorthin bringen, und mit der Zeit schloss er sich den sozialen Kreisen jener Intellektueller an. In Briefen beschreibt Daneschwar den israelischen Diplomaten als jemanden, der auf natürliche Weise an die Parteien und Geschehnisse heranging.


Versuche, neben den Sicherheitsbeziehungen auch die kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zu entwickeln. Die iranische Delegation an der internationalen Konferenz über die Rolle der Wissenschaft zur Förderung junger Staaten am Weizmann-Institut in Rechovot (Israel), 1960
Quelle: Fritz Cohen

Für Al-e Ahmad war die Reise nach Israel mehr als nur ein Besuch. Er verbrachte vier Monate in Europa vor seiner Ankunft (erg.: in Israel). Wie aus seinen Briefen an Simin Daneschwar hervorgeht, schlug er ihr gegen Ende seiner Europa-Reise vor, den Iran für immer zu verlassen. Nach Abschluss seiner Israel-Reise schrieb ihr Al-e Ahmad, dass sie nach London oder Paris auswandern könnten statt heimzukehren, wo er seine literarische Tätigkeit unter freundlicheren Bedingungen fortsetzen könne. Es ist unmöglich festzustellen, wie ernsthaft dieser Gedanke war, obwohl auch andere Schriftsteller dem Schah-Regime entflohen, das zur gleichen Zeit immer repressiver wurde. Jedenfalls zerstörte die Enthüllung seiner Untreue gegenüber Simin Daneschwar durch einen Brief, der sie wenige Tage vor ihrem Treffen im Lande (= Israel) erreichte, diesen Traum.

Das Buch enthüllt noch viel mehr über Al-e Ahmad und seinen Besuch als Aktenordner und Briefe. Studiert man es heute, fallen die erstaunlichen Beschreibungen Israels von Al-e Ahmad am meisten auf, insbesondere im Licht des Bruchs und der Feindseligkeiten zwischen Israel und Iran in den heutigen Tagen. Al-e Ahmad sieht Israel nicht nur als Teil des Orients, er lobt dessen Regierung auch mit Bezeichnungen, welche für den idealen islamischen Staat reserviert sind. Er verurteilt die benachbarten arabischen Staaten wegen ihrer Abhängigkeit von der westlichen Kultur und ihres doppelgesichtigen Verhaltens in Sachen palästinensischer Flüchtlinge. Er beschreibt den Besuch in Yad Vashem, und die Tränen, in die er bei einer Gedenkfeier für einen holländischen Christen ausbrach, der in der Zeit des Holocaust Juden rettete. Andererseits stellt er anderenorts einen Vergleich zwischen Israel und Nazi-Deutschland auf, und nennt es „einen Brückenkopf des westlichen Kapitalismus im Nahen Osten“. Al-e Ahmad nimmt bezüglich Israel so unterschiedliche, und manchmal so widersprüchliche Positionen ein, dass es nicht möglich ist, ihn auf der Landkarte der Fixpunkte im israelisch-palästinensischen Konflikt zu orten.

Der Grund für die Widersprüche und Gegensätze ist, dass der Staat der Juden nicht das eigentliche Thema des Reiseberichts von Al-e Ahmad ist. Ähnlich wie viele andere Schriftsteller verschiedener Zeiten und Orte, beschreibt der Reisende das, was ihm auffällt, denkt aber dabei an seine Heimat.
So auch im Falle von Al-e Ahmad. Die Beschäftigung mit dem Kibbuz und Israels Rolle im Nahen Osten dient ihm zu einem anderen Zweck: seine Kritik am Iran des Schahs zu verschärfen und zu verstärken. Wenn Al-e Ahmad sagt, dass die Führer Israels Gottes auserwählte Vertreter sind und dass „Ben Gurion nicht geringer als Enoch und dass Mosche Dayan nicht geringer als Ijob (Hiob) ist“, ist schwer zu verstehen, wie diese geistlichen Lobbezeichnungen durch seine weltlichen Erfahrungen in Israel in den 60-er Jahren zustande gekommen sein sollen; abgesehen von dem durch einen Rabbi vorgetragenen Gesang:
„אל מלא רחמים“ (An den, der voller Gnade ist), den sie in Yad Vashem hörten, hat das iranische Ehepaar anscheinend weder eine Synagoge besucht noch an einer religiösen Zeremonie teilgenommen. Seine Wahl, Israel als Staat zu loben, der Bewunderung verdient, dient hauptsächlich dazu, zu markieren, was er bei sich zu Hause, im Iran, vermisst. Er preist Israel genau wegen jener Dinge, die – wie Al-e Ahmad ausdrücklich in „Gharbzadegi“ schrieb – im Iran im Argen liegen: ein gutes Bildungswesen, eine angemessene Landwirtschaft, Gleichheit, ein Festhalten an den kulturellen und religiösen Wurzeln, und ein Gleichgewicht zwischen Ost und West.


Al-e Ahmad kritisierte scharf die engen Beziehungen des iranischen Schahs zu den Vereinigten Staaten und die Verwestlichungstendenzen unter seiner Herrschaft. Der Schah Mohammad Resa Pahlawi mit einem hochrangigen Offizier der US-Luftwaffe, 1977
Photo: Sergeant Major Dunham, US-Luftwaffe

Dr. Samuel Thrope, in Jerusalem lebender Übersetzer und Journalist. Autor von „The Israeli Republic“ – seine Übersetzung von „Reise in das Land des Todesengels“ von Dschalal Al-e Ahmad,
herausgegeben 2017 von Restless Books.

Der Artikel enthält am Schluss noch einen Link auf die facebook-Seite des Workshops für Sozialgeschichte:
https://www.facebook.com/sadnale/

Im folgenden ein Link auf einen Vortrag des Trauerlieds אל מלא רחמים (Dem, der voll von Gnade ist) in Yad Vashem:
https://www.youtube.com/watch?v=4NdXmi6_oJE

Hinweis für weitere Lektüre:
https://www.foreignaffairs.com/articles/iran/2014-02-12/among-believers
Foreign Affairs: March/April 2014: Among the believers – Bernard Avishai; Jalal Al-e Ahmad

http://www.restlessbooks.com/bookstore/the-israeli-republic

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Iran: Die Fremdenlegion der Ajatollahs

Afghanische Staatsbürger leben zu Millionen im Iran, aber es geht ihnen dreckig. Der Staat verweigert ihnen eine Legalisierung, sie werden als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, und immer wieder gibt es Razzien, um die Afghanen nach Afghanistan abzuschieben. Da interessiert nicht, seit wieviel Jahren und Jahrzehnten die Menschen schon im Iran leben.

Das soll jetzt anders werden?
Nein, nicht wirklich. Es gibt aber einige Afghanen, die sich als Kämpfer gemeldet haben, um im Interesse der iranischen Machthaber in Syrien die Regierung von Baschar al-Asad militärisch zu unterstützen. Um sie zu ködern, hatten die Institutionen, die die Afghanen für die Kämpfe anwarben, versprochen, dass sie dafür die iranische Staatsbürgerschaft erhalten würden. Das ist ein hoher Anreiz. Der Haken an der Sache: Das Parlament konnte das so offen nicht als Gesetz verabschieden, schließlich bestreitet man ja gerne bei jeder Gelegenheit, in den Krieg in Syrien verwickelt zu sein.

Ajatollah Chamene’i, der Retter
Der Religiöse Führer, Ajatollah Chamene’i, hat jetzt denjenigen, die die Afghanen angeworben haben, aus der Patsche geholfen, so dem Vorsitzenden der Märtyrer-Stiftung, Mohammad-Ali Schahidi. Er hat erklärt, dass diejenigen, die die „Heiligtümer“ verteidigen, die iranische Staatsbürgerschaft erhalten sollen. Heiligtümer, die mit dem schiiten Glauben verbunden sind, stehen in Syrien wie auch im Irak. Damit ist die Sache fein umschrieben, und da der Führer eh das letzte Wort hat, braucht man jetzt auch das Parlament nicht mehr.

http://www.radiofarda.com/a/iran-citizenship-fighters-syria-khamenei/28365093.html
vom 22. Esfand 1395 (12. März 2017)
ra’ise bonyade shahid: dasture ayatollah xamene’i baraye e°taye tabe°iyate irani be modafe°ane haram

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Iran: Machtkampf zwischen Staatspräsident und Religiösem Führer


Der Gouverneur der Region Süd-Chorasan, Ali-Akbar Parwisi, hat sich bei den Geistlichen der Region unbeliebt gemacht. Er hat öffentlich über den jämmerlichen Zustand der Künste in der Region geklagt und die Geistlichen als Behinderung des Fortschritts bezeichnet:
„Einige Herren stellen sich im Namen der Religion gegen alles. (…) In Teilen der Gesellschaft hat sich eine tyrannische Denkweise breit gemacht, und eine eng begrenzte Zahl von Personen sind das Haupthindernis des Fortschritts.“ Er kritisierte auch die Rolle der Sicherheitskräfte: „Die Ordnungskräfte sind dafür da, die Ordnung zu bewahren und den Verkehr zu regeln, in andere Dinge brauchen sie sich nicht einzumischen.“ Er findet es auch nicht weiter schlimm, wenn auf einer Hochzeitsfeier Männer und Frauen tanzen. Die Folge der ständigen Verfolgung sei nur, dass die Kultur in den Untergrund gewandert sei: „Wenn die traditionelle und lokale Musiktradition unterstützt worden wäre, dann gäbe es jetzt keine Untergrund-Musik.“
Die Antwort ließ nicht auf sich warten. Erst marschierten die Hisbollahis auf und forderten seinen Rücktritt. Wenn er nicht freiwillig gehe, würden sie mit Knüppeln losrücken. Er trat nicht zurück. Darauf erklärten einige Freitagsprediger der Region, sie würden die Freitagspredigt nicht mehr lesen, solange der Gouverneur im Amt sei.
Hierzu muss man wissen, dass der Gouverneur vom Staatspräsidenten Hassan Rouhani ernannt – und abgesetzt – wird, der Freitagsprediger (Freitags-Imam) dagegen vom Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i eingesetzt und abgesetzt wird.
Hier geht es also um einen Machtkampf auf einer unteren Ebene, mit denen vermutlich beide Seiten die Grenzen testen.

http://www.radiofarda.com/a/f7-clerics-protest-in-South-Khorasan-province-against-the-governor/28362206.html
vom 20. Esfand 1395 (10.03.2017)
xoddariye a’emeye jom°eye xorasane jonubi az eqameye namaz dar e°teraz be ostandar

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Iran: Ein Ajatollah zeigt die Zähne – Ahmad Montaseri kommt frei


Ajatollah Schobiri Sandschani – er setzte dem Religiösen Führer ein Ultimatum


links auf dem Foto: Ajatollah Chamene‘i

Ahmad Montaseri, der Sohn des 2009 verstorbenen Ajatollahs Montaseri, war vom Sondergericht der Geistlichkeit (Dadsaraye vizheye rouhaniyat) zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er Tonbandaufnahmen mit den Worten seines Vaters veröffentlicht hatte, in denen dieser das Gefängnismassaker von 1988 verurteilte – in dem Gremium, das dafür verantwortlich war. Die herrschende Geistlichkeit sah darin einen Angriff auf das System und brachte Montaseri vor Gericht. Nach dem Urteil kam Ahmad Montaseri ins Gefängnis. Kaum hatte Ajatollah Schobiri Sandschani davon erfahren, ließ er Ajatollah Chamene’i eine Botschaft zukommen. Solange Ahmad Montaseri in Haft sei, habe niemand aus dem Haus des Religiösen Führers Ajatollah Chamene’i das Recht, ihn in Qom zu besuchen.
Nur einen Tag später war Ahmad Montaseri frei.
Ajatollah Schobiri Sandschani war einer der Lehrer von Chamene’i, als er noch in Qom studierte.
Das Sondergericht der Geistlichkeit veröffentlichte darauf eine Erklärung, dass Ahmad Montaseri sich verpflichtet habe, nichts zu tun, was die Sicherheit des Systems gefährde, sonst müsse er seine 6-jährige Gefängnisstrafe antreten.
Ahmad Montaseri ließ darauf über die noch weiter existierende Webseite von Ajatollah Montaseri ein Dementi verbreiten, dass er nie eine Verpflichtung eingegangen sei.

http://news.gooya.com/2017/03/post-1442.php
vom 6. März 2017
ta°alloqe hokme ahmade montazeri ba°d az etmame hojjat shobiri zanjani ba rahbari

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Iran: Revo-Luzzi-Party


Ja, das muss man schon dazu schreiben, wer hätte sonst gedacht, dass das ein Revolutionär ist?

Der 22. Bahman (11. Februar 1979) ist in der iranischen Geschichte ein wichtiges Datum. Der Tag, an dem das Schahregime stürzte und es zu Straßenkämpfen zwischen der Armee und revolutionären Gruppen kam. Seither sind 38 Jahre vergangen, die Revolutionäre der ersten Stunde sind tot oder haben Fett angesetzt, und für die große Mehrheit der Bevölkerung des Landes, die nach der Revolution geboren ist, ist das nur noch öder Lernstoff und langweilige Pflichtübung. Mit dem Ergebnis, dass immer weniger Menschen an den staatlichen Feiern teilnehmen. Natürlich, die Revolutionswächter und Angehörigen der Bassidschi-Milizen samt Familie kommen noch, immerhin ist das ihr Brotverdienst,


und dann wird noch Essen verteilt, vorher sollte man allerdings auf einer dieser Fahnen rumtrampeln und passende Parolen brüllen, so marg bar amrika oder marg bar esrail (Tod für Amerika, Tod für Israel), vielleicht reicht ja auch ein kräftiges Helau oder Ho Narro, man sollte es mal probieren…


inzwischen gibt es auch das Angebot, sich kostenlos frisieren zu lassen, na ja, da kann man ja mal kommen.


„Astronomische Löhne“ – die könnten auch beim Karneval in Köln mitlaufen. Gemeint sind hier die horrenden Löhne der Großkopfeten, wir sehen, diese Themen sind international…


zu anderen Anlässen ein Fall für die Sittenpolizei – so viel Frauenhaar, aber jetzt ist ja Revo-Luzzi-Party, da darf man.


Es waren jedenfalls viel mehr Menschen zur Beerdigung von Ajatollah Montaseri oder von Ajatollah Rafsandschani auf der Straße als am diesjährigen 22. Bahman, der auf den 10. Februar fiel.


Die Feiern werden immer bunter,


links könnte man meinen, die Schwulen-und-Lesben-Bewegung habe ihren Auftritt


da werden Maskottchen verbrannt wie in Süddeutschland die Fasnachtspuppen,


andere schleppen den Galgen mit rum


wie die Jakobiner in der Konstanzer Fasnacht die Guillotine


der Tschador bekommt einen Maulkorb in iranischen Nationalfarben,


Schminke in rot-weiß-grün darf natürlich auch nicht fehlen, und selbst USA und Israel, früher der Große und der Kleine Teufel, sind inzwischen zu einem harmlosen Tierchen avanciert, wie man an diesem bunt gefärbten Esel sieht.


Man macht sich über sie lustig, aber wer hat Angst vor dem Esel? Wer will sein Leben für einen Kampf gegen den Esel opfern?

Und genau hier liegt der Wunde Punkt der Herrschenden: Der Glaube an die Islamische Revolution ist längst erloschen, nur die Angst vor dem Bösen Feind kann die Leute noch unter ihre Fittiche treiben. Wer über den Feind lacht, braucht keine Waffen mehr und keine Armee. Und das ist das Ende der Herrschaft der Mollas.

http://www.radiofarda.com/a/f3-revolution-carnival/28302885.html
vom 25. Bahman 1395 (13.02.2017)
karnavale 22 bahman 1395: xosh bashi va tamasxore siyasat

http://news.gooya.com/2017/02/post-625.php
vom 11.02.2017
hashiyehaye tasviriye marasem rahpeyma’iye 22 bahman

http://www.tabnak.ir/fa/news/665893/%D8%B1%D8%A7%D9%87%D9%BE%DB%8C%D9%85%D8%A7%DB%8C%DB%8C-%DB%8C%D9%88%D9%85-%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87-%DB%B2%DB%B2-%D8%A8%D9%87%D9%85%D9%86-%D8%AF%D8%B1-%D8%A7%D8%B3%D8%AA%D8%A7%D9%86%E2%80%8C%D9%87%D8%A7-%DB%B2
vom 10.02.2017
rahpeyma‘iye youm-ollah 22 bahman dar ostanha -2

http://news.gooya.com/2017/02/post-701.php
vom 10.02.2017
parchame amrika va esra‘il ruye badane olagh

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Plasco – Teheran: Anfänge iranischer Judenfeindlichkeit


Plasco – eines der markanten Teheraner Hochhäuser aus den 1960-er Jahren

Anfang der 1960-er Jahre, in der Zeit, als der Schah von Persien begann, das Land zu modernisieren, wurde in Teheran an der Istanbul-Straße das Plasco-Hochhaus mit 17 Stockwerken gebaut.


Es war damals das höchste Gebäude von Teheran, der Sitz der Plastikfirma Plasco, zahlreicher Büros und exklusiver Einkaufsläden.


Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

Habibollah Elqanian
Der Eigentümer war Habibollah Elqanian, dem auch die Firma Plasco gehörte. Plasco war damals der größte Kunststoffhersteller des Irans. Habibollah Elqanian war damals Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Teherans. Da das Hochhaus mit seinen Einkaufsläden ein modernes Gegenstück zum traditionellen Basar darstellte, waren die Basarhändler der Umgebung gegen den Bau des Hochhaus, bedeutete es doch eine neue Art von Konkurrenz, die sie als existenzbedrohend wahrnahmen. Es heißt, dass sogar Ajatollah Taleqani sich gegen den Bau des Hochhauses ausgesprochen hatte, und er war in vielen Punkten wesentlich demokratischer gesinnt als Ajatollah Chomeini.


Habibollah Elqanian vor dem Revolutionsgericht

Das Ende des Erbauers
Mit dem Sieg der iranischen Revolution am 22. Bahman 1357 (Februar 1979) ging es Habibollah Elqanian an den Kragen. Denn die Ajatollahs, die sich an die Spitze der Revolution setzten und mit dem Basar in enger Verbindung standen, ließen ihn als angeblichen Spion für Israel nur fünf Tage später verhaften. Am 19. Ordibehescht 1358 – 9. Mai 1979 – wurde er im Qasr-Gefängnis vom als Henker berüchtigten Richter Sadeq Chalchali zusammen mit sieben weiteren Personen in nur 20 Minuten abgeurteilt, ohne einen Verteidiger zu haben. Er wurde zum Tode verurteilt. Schon am nächsten Morgen wurde er erschossen. Er war der erste Jude, der vom Regime der iranischen Mollas hingerichtet wurde.


Sadeq Chalchali, der Scharfrichter der iranischen Revolution

Die Arisierer
Zur Nazizeit wurde in Deutschland und dem annektierten Österreich die Judenverfolgung von den neuen Machthabern dazu genutzt, sich am Eigentum der Opfer zu bereichern. Eine parallele Entwicklung war auch im Iran zu beobachten. Das Plasco-Hochhaus, Symbol des modernen Teherans, wurde der Bonyade Mostas’afin, der „Stiftung der Entrechteten“ übergeben, einer der größten Konzerne des heutigen Irans, dem das Eigentum zahlreicher geflohener oder verhafteter Schah-Anhänger übergeben wurde. Die Stiftung war dafür gedacht, das Geld „unter den Armen“ zu verteilen. Die Führung dieser Stiftung wird von einer Person ausgeübt, die der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i in dieses Amt einsetzt.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123492
vom 2. Bahman 1395 (21. Januar 2017)
saxtemane plasko dar bahmane 1342

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B3%D8%A7%D8%AE%D8%AA%D9%85%D8%A7%D9%86_%D9%BE%D9%84%D8%A7%D8%B3%DA%A9%D9%88
(zum Plasco-Hochhaus)

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AD%D8%A8%DB%8C%D8%A8%E2%80%8C%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87_%D8%A7%D9%84%D9%82%D8%A7%D9%86%DB%8C%D8%A7%D9%86
(über Habibollah Elqanian)

http://www.farhangnews.ir/content/245454
Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

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Iran: Rafsandschani und die Kurden


Die Demokratische Partei Kurdistans Iran hat vergangene Woche eine Erklärung zum Tod von Ajatollah Rafsandschani herausgegeben, in der sie darauf hinweist, dass Rafsandschani zu den Auftraggebern des Mords an Führer ihrer Partei Scharafkandi in Berlin gehörte und er im Gerichtsurteil von Berlin auch als solcher bezeichnet wird, zusammen mit Ajatollah Chamene’i, dem Religiösen Führer, Ali Fallahian, dem damaligen Geheimdienstminister, und Akbar Welajati, dem damaligen Außenminister.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=77743
vom 25. Dey 1395 (14. Januar 1395)
hezbe demukrate kordestane iran: rafsanjani dasture qatle rahbarane ma-ra sader kard

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Iran: 2 Motorradfahrerinnen verhaftet

Der Befehlshaber der Sicherheitskräfte von Desful, Oberst Ali Elhami, hat vergangenen Mittwoch im Interview mit der iranischen Nachrichtenagentur IRNA verkündet, dass die Sicherheitskräfte zwei Motorradfahrerinnen verhaftet hätten, die im Park „Bustane Dschangaliye Lale“ an der Straße von Desful nach Sardascht Motorrad fuhren. Das verstoße gegen die islamischen Werte und gegen die Islamische Revolution. Die beiden jungen Frauen seien den Justizorganen übergeben worden. Besonders empört zeigte sich dieser Sittenapostel, dass die Frauen solche Aktionen auch im Internet veröffentlichten. Mit anderen Worten: Es handelt sich um einen bewussten Verstoß der Jugend gegen die erstickenden islamistischen Regeln. So ist selbst Motorradfahren eine Form des Kulturkampfs und der Auseinandersetzung mit dem Islamismus geworden. Man kann sicher sein, dass das Regime mit diesem Vorgehen gegen die Jugend keine Sympathien gewinnt.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=122950
vom 23. Dey 1395 (12. Januar 2017)
dastgiriye 2 doxtare motor-sawar dar dezful

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