Archiv der Kategorie 'Islamismus'

Valentinstag im Iran

Während die iranische Geistlichkeit das Feiern des Valentinstags als unislamisch verurteilt und als Verwestlichung des Irans geißelt, lassen sich die wohlhabenderen Iranerinnen und Iraner diese Gelegenheit nicht entgehen, sich zu beschenken. Da hilft auch nicht das im letzten Jahr erlassene Verbot, entsprechende Waren zu verkaufen. Den Handel freut es, was ja auch der Grund für die Einführung dieses Fests im Westen war…
Interessant ist, dass sich hier ganz verschiedene Diktaturen begegnen: Auch in Usbekistan führt die Regierung derzeit eine Kampagne gegen den Valentinstag, dort, um sich als Kämpfer für islamische Werte zu präsentieren. Das vor dem Hintergrund, dass gläubige Muslime in Usbekistan mit drakonischer Verfolgung rechnen müssen, und da will der Diktator sein Image ein bißchen aufpolieren, indem er nun auch gegen diese unislamische Fest hetzen lässt.

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Iran: Bald sind Wahlen


links: Dr. Welajati, ehemaliger Außenminister, rechts: Haddad Adel, ehemaliger Parlamentspräsident, beides einflussreiche Berater von Ajatollah Chamene‘i

In knapp drei Wochen sind im Iran Parlamentswahlen. Die demokratische Opposition ist sowieso ausgeschlossen, die Reformisten sind ohnehin nicht zugelassen, so dass nur die Fundamentalisten mit ihren Kandidaten antreten können. Wer glaubt, dass das keine große Wahl ist, unterschätzt, wie stark sich die Herren an der Macht zerstritten haben. Sie sind gleich mit fünf Listen angetreten, und als würde das nicht reichen, wurden so kurz vor den Wahlen noch drei weitere gegründet. Mahnende Worte des Religionsführers Ajatollah Chamene‘i zur Einigung halfen nichts, die Zersplitterung hält an, und viel zu sagen hat der Ajatollah offenkundig nicht mehr. Genauer – reden darf er noch, aber es hört keiner auf ihn. Lediglich in einem Punkt hatte er noch Erfolg – da die meisten Listen nicht genug eigene Kandidaten besitzen, nehmen sie auch noch Fremdkandidaten in ihre Listen auf. Und dort steht an führender Stelle Haddad Adel, ehemaliger Parlamentspräsident, enger Berater von Ajatollah Chamene‘i und Schwiegervater von Modschtaba Chamene‘i, also dem Sohn des Ajatollahs. Er steht wohl gemerkt nicht nur auf einer Liste, sondern auf den meisten. Er, sowie Dr. Welajati, der ehemalige iranische Außenminister, ebenfalls ein einflussreicher Berater von Ajatollah Chamene‘i, zählen zu den Drahtziehern der Politik des Religionsführers.
Kommen wir nun zur Aufzählung der antretenden Formationen:

  • Dschebheje mottahede ossulgerajan – Vereinigte Front der Prinzipialisten, unter der Führung von Ajatollah Mohammad-Resa Mahdawi-Kani, dem Vorsitzenden des Expertenrats
  • Dschebheje pajdarije enqelab – Front des Fortbestands der Revolution, unter der Führung von Ajatollah Mohammad-Taqi Mesbah-Jasdi,
  • Dschebheje istadegi – Front des Ausharrens, unter der Führung von Mohsen Resa‘i, ehemaliger Oberbefehlshaber der Pasdaran und jetzt Sekretär des Rats zur Wahrung der Interessen des Systems,
  • Sedaje Mellat – Stimme des Volks, unter dem Parlamentsabgeordneten Ali Mottahari, Sohn des bekannten, verstorbenen Ajatollahs Mottahari,
  • Dschebheje bassirat wa bidari – Front der Scharfsicht und der Wachsamkeit, unter Schahabe d-Din Satr, Parlamentsabgeordneter.

Jetzt sind noch drei dazugekommen:

  • Dschebheje hamijane welajat – Front der Verteidiger der Herrschaft des Rechtsgelehrten
  • Dschebheje hamijane doulat – Front der Verteidiger der Regierung (gemeint ist Ahmadineschad)
  • Dschebheje touhid wa edalat – Front der Vereinigung und der Gerechtigkeit.

Wie wir sehen, an „Front“ ist die häufigste Bezeichnung dieser Parteien, und das ist wohl zutreffend.
Front heißt Krieg, und der Krieg, den die Herren untereinander austragen wollen, wird wohl blutig verlaufen.
Beeindruckend ist auch, dass hier für den „Bestand“ der Revolution gekämpft wird, um nicht zu sagen, für den Stillstand, was wohl das Gegenteil von Revolution ist.
Für das Volk heißt es in so einer Situation, dass es am besten ist, sich vom Geschehen fernzuhalten, um nicht unter die Räder einer dieser Fronten zu geraten.

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Iran: 33. Jahrestag der Revolution

Am 22. Bahman, also am 11. Februar, war der 33. Jahrestag der iranischen Revolution von 1978. Damals übernahm die Geistlichkeit unter Führung von Ajatollah Chomeini die Staatsgewalt. Vor 33 Jahren, in den Tagen der Revolution, gingen die Menschen zu Millionen auf die Straßen, es mögen in Teheran 6 Millionen gewesen sein.
Die Zeiten sind vorbei. Heute schafft der Staat es gerade noch, vielleicht 100.000 Menschen auf die Beine zu kriegen. Wer kommt, bekommt sein Sandwich-Paket, am besten auch zum Mitnehmen für die Familie daheim, und den Bustransport bekommt man auch nicht bezahlt, auch die Metro ist umsonst, da knausert der Staat nicht.
Hier ein Foto vom zentralen Freiheitsplatz, von oben.

Die Regimezeitungen bemühen sich natürlich, die Menge größer erscheinen zu lassen, da sind Luftaufnahmen nicht erwünscht. Man geht nah genug ran, damit der leere Platz hinter dem Fotografen nicht sichtbar ist, und siehe da, schon sieht die versammelte Menge gar nicht so wenig aus, 100.000 ist ja auch etwas.

Überhaupt ist das Ausland gemein und will nur alles madig machen, schaut nur, wie locker diese Frauen hier mit dem Kopftuch umgehen:

Die Frau in der Mitte ist auf dem Kopf ja geradezu nackt, wenn man von den Haaren absieht. Wenn das die Sittenstreife sähe! Aber die sieht es nicht, weil in den Wochen vor den Wahlen die weibliche Hälfte der Sittenpolizei nach Hause geschickt wurde, die männliche wurde in die Polizeieinheiten gesteckt, so dass die Bevölkerung ein bißchen Ruhe hat. Sonst bleiben die ja gleich zu Hause und gehen gar nicht zu den Wahlen, ein bißchen Freiheit muss schon sein, und sei es nur für zwei Wochen.
Aber seltsam ist es schon, wieso der junge Mann rechts neben der stolzen Frau seinen Kopf senkt und den Blick abwendet.
Und es scheint kein Einzelfall. Hier schon wieder:

Ist den Männern der Kopf zu schwer? Sollen sie gehenkt werden? Zuzutrauen wäre es dem Regime ja. Oder denken sie einfach ein bißchen weiter als Ajatollah Chamene‘i und Compagnon? Sie scheinen nicht zu glauben, dass das Regime noch lange steht, und so ein Foto, das kann man immer aus den Archiven holen. Wer heute die Dreckarbeit macht, wird morgen der Sündenbock sein. Die Frauen scheinen da unbekümmerter, Hauptsache, sie sind das Scheiß-Kopftuch los.

Das scheint diese Dame jedenfalls zu denken, da ist man dann auch bereit, ein Poster mit so einem bärtigen Typ zu halten. Und für den Fall eines Falles trägt man Sonnenbrille, das ist die elegante Form der Vermummung.
Tja, das war’s dann wohl mit der Revolution. Mal schauen, was nächstes Jahr zur gleichen Zeit gefeiert wird.

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Irans Mollas: Vom Papier-Tiger zum Pappkameraden?

In verschiedenen iranischen Städten waren kürzlich seltsam anmutende Gedenkfeiern zu sehen. Am 1. Februar 2012 war der 33. Jahrestag der Ankunft von Ajatollah Chomeini aus seinem Pariser Exil. Jahr für Jahr wurde das mit Paraden und Reden gefeiert. Diesmal war es anders. Die Regierung Ahmadineschad ließ übergroße Pappbilder von Ajatollah Chomeini anfertigen und stellte mit diesen Pappbildern verschiedene Stationen der Ankunft von Ajatollah Chomeini dar.


Hier steigt er aus dem Flugzeug aus und wird von einer Ehrengarde empfangen. Die beiden Offiziere, die ihn damals stützten, wurden wenig später von Chomeinis Regime umgebracht.


Sprechblase: „Das stimmt. Damals, 1979, war der Empfang genau so. Nur, die Leute, die hinter ihm standen oder in der Nähe der Treppe standen, sind hingerichtet worden, mussten fliehen oder sind im Gefängnis.“


Hier sieht man den Papp-Chomeini in der Alawi-Oberschule (Dabirestan-e Alawi), wo er nach dem Besuch des Beheschte-Sahra-Friedhofs, des allerersten Ziels seiner Ankunft im Iran nach zehn Jahren Exil, Audienz hielt und diverse Politiker empfing. Auch diese Politiker überlebten diesen Empfang nicht lang. Frauen, wie auf dieser von der Regierung nachgestellten Szene zu sehen, waren damals natürlich nicht zugegen.

Nun wird im Iran das Wort Pappe (Moqawaa) nicht immer in schmeichelhaften Zusammenhängen verwendet. Wenn man sagen will, dass ein Kühlschrank nichts taugt, sagt man, er ist aus Pappe. Wenn ein schnell gebautes Hochhaus schlampig und mit schlechtem Material hochgezogen wurde, sagt man auch, das ist aus Pappe, das hält höchstens zehn Jahre. Und Ahmadineschad ließ den Ajatollah ausgerechnet aus Pappe anfertigen. Auch der „Papier-Tiger des Imperialismus“, von dem Mao Tse Tung einst sprach, ist ein geflügeltes Wort geblieben. Sprich – vor den Geistlichen muss man sich nicht fürchten. Wenn man sieht, wie beharrlich Ahmadineschad die Geistlichen als korrupt darstellt und sich als angeblich unbestechlich präsentiert, wenn man hört, wie Ahmadineschads Vertreter öffentlich erklärt, dass Massaker nach den Protesten gegen die gefälschten Präsidentschaftswahlen sei von Ajatollah Chamene‘i zu verantworten („Wir haben den Schießbefehl nicht erteilt“), und wenn man sieht, wie Ahmadineschad auf die nationalistische Karte gegenüber der religiösen Machtansprüche setzt, erscheint diese seltsame Art von Gedenkfeier mehr als geschickte Vorlage für den spöttischen Volksmund als eine ernst gemeinte Angelegenheit.

Und der Volksmund bedankt sich: Überall macht man Witze, bei denen die zahllosen Parolen des Ajatollah-Regimes dankbar recyclet werden.

Hieß es früher:
Ruh-e mani Chomeini, Bot-shekani, Chomeini!
Du bist meine Seele, Chomeini, du bist derjenige, der den Götzen (=Schah) zerschlägt, Chomeini!

So heißt es heute:
Ruh-e mani Moqawaa, Bot-shekani, Moqawaa!
Du bist meine Seele, Pappe, du bist derjenige, der den Götzen (=Schah) zerschlägt, Pappe!
Im Persischen reimt sich das schön.

Oder:
Taa chun dar rage maast, Chomeini rahbare maast!
Solange Blut in unseren Adern fließt, ist Chomeini unser Führer!

Heute:
Taa chun dar rage maast, Moqawaa rahbare maast!
Solange Blut in unseren Adern fließt, ist Pappe unser Führer!
(In Deutschland wäre daraus bestimmt Pappnase geworden…)

Oder der Witz:
Was ist der Unterschied zwischen einer Pappe, die iranischen Boden betritt, und Chomeini? Antwort: Keiner – beide fühlen nichts dabei.
(Dies spielt auf eine Episode im Flugzeug Paris-Teheran an, als ein Journalist Chomeini fragte, was er denn fühle, jetzt, wo er nach zehn Jahren im Exil wieder in den Iran zurückkehre. Chomeini antwortete damals: „Nichts.“)

Ajatollah Chamene‘i hat bislang nicht dagegen protestiert, Ajatollah Rafsandschani sehr wohl, und die Reformisten genauso. Denn Leute wie Mussawi, die von den „Goldenen Zeiten Chomeinis“ schwärmen, fühlen sich natürlich nicht sehr wohl, wenn jetzt ihr Heiliger zum Volksgespött wird.

Wie wir sehen, beherrscht Ahmadineschad sein politisches Handwerk – von der Wahlfälschung, zur Folter, zum politischen Mord und zum Militärputsch, aber im Gegensatz zu so manchen verkalkten Turbanträgern nutzt er auch den Spott geschickt für seine Zwecke.

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Mitbegründer der Islamischen Republik Iran entschuldigt sich beim Volk


Doktor Ahmad-Sadr Hadsch-Seyyed Dschawadi

Doktor Ahmad-Sadr Hadsch-Seyyed Dschawadi, Mitglied des Revolutionsrats und der Provisorischen Regierung nach dem Sturz des Schahs, ein einflussreicher Berater von Ajatollah Chomeini, bereut heute seine Unterstützung für die Gründung der Islamischen Republik. Er bedauert, dass diese drei Jahrzehnte lang dem Volk ihre Herrschaft aufgezwungen hat, und entschuldigt sich beim Volk dafür, dass er bei der Gründung dieses Systems mitgewirkt hat, das dem Volk so viele materielle und moralische Schäden zugefügt hat.

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Chomeini: Lügen ist die höchste Pflicht

Als die Revolution gerade den Schah vom Thron gefegt hatte – das war im Jahr 1979 – und Ajatollah Chomeini die Macht ergriffen hatte, trat er im Fernsehen mit folgender Aufforderung an die Öffentlichkeit: „Bespitzelt eure Nachbarn und Familienangehörige, und wenn sie gegen die Islamische Republik sind, verratet sie der Polizei.“
Darauf schrieb Mehdi Basargan, damals noch iranischer Premierminister, einen offenen Brief an Ajatollah Chomeini. Darin fragte, wo im Iran denn geschrieben stehe, dass man seine Nächsten bespitzeln und ausspionieren solle. Das sei nicht das, was er über den Islam gelernt habe. Ajatollah Chomeini erwiderte darauf unter Berufung auf seine Position als „Oberster Rechtsgelehrter“ und „Vertreter Gottes auf Erden“, wenn es dem Islam diene, sei alles gerechtfertigt. Dann sei sogar „Lügen die höchste Pflicht“.

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Iran: Ajatollah Chamene‘i als Zielscheibe


Breitseiten gegen Ajatollah Chamene‘i

Mohammad Nurisade, einer der engsten Berater von Ajatollah Chamene‘i und dessen langjähriger Vertrauter, der als Journalist noch die Verfolgung der Reformisten nach den letzten Präsidentschaftswahlen verteidigte, ist jetzt im Gefängnis. Seine Ehefrau führt dies auf Intrigen von Modschtaba Chamene‘i zurück, der einen Konflikt mit ihrem Mann habe und eine Akte gegen Mohammad Nurisade fabriziert habe. Sämtliche richterlichen Entscheidungen gegen Nurisade folgten den Anweisungen von Modschtaba Chamene‘i.
Mohammad Nurisade hat aus dem Gefängnis zahlreiche Briefe an Ajatollah Chamene‘i veröffentlicht, in denen er den religiösen Führer kritisiert. Das war der erste Schritt.

Ihm folgte Abu l-Fasl Qaddayani, Mitglied der Organisation der Mudschahedin der Islamischen Revolution, hat ebenfalls aus dem Gefängnis heraus einen Brief veröffentlicht, in dem er Ajatollah scharf kritisierte.

Die Generäle schießen scharf
Der dritte Kritiker im Bunde ist General Hossein Alayi, der Begründer der Marine der Revolutionswächter. Er hat in der iranischen Regierungszeitung Ettela‘at einen Brief veröffentlicht, der es in sich hat. General Hossein Alayi nahm in seinem Brief Bezug auf die Zeit kurz vor dem Sturz des Schahregimes. Damals war in der – zu jener Zeit oppositionellen – Zeitung Ettela‘at ein Artikel erschienen, in dem die Politik des Schahs kritisiert wurde. Darauf schnappte sich der berüchtigte Geheimdienst des Schahs, der Sawak, die Autoren des Artikels. Das war am 19. Dey 1356 nach der iranischen Monatszählung (Januar 1978). General Hossein Alayi hat in seinem jüngst veröffentlichten Brief diesen Jahrestag zum Anlass genommen und den Lesern erklärt, warum das Schahregime nicht überleben konnte. Ein Regime, in dem gefoltert wird, in dem die Menschen von der Straße weg verhaftet werden, in dem die Polizei in die Privatwohnungen eindringt, in dem Demonstrationen freiheitsliebender Menschen brutal niedergeschlagen werden, in dem die Menschen in Schnellprozessen verurteilt werden – kurz, ein solches Regime sei zum Sturz verurteilt.
Einen Tag nach der Veröffentlichung dieses Briefes kam die Reaktion von 12 Pasdar-Generalen, die General Hossein Alayi den Vorwurf machten, er kritisiere ihren Heiligen Führer. Dabei hatte General Hossein Alayi an keiner Stelle den Namen von Ajatollah Chamene‘i erwähnt, auch wenn die Aufzählung der Ähnlichkeiten des damaligen und des heutigen Regimes natürlich Absicht war.
Wieder einen Tag später griffen die bezahlten Schlägertrupps, die sonst gegen Demonstranten und zur Botschaftsstürmung eingesetzt wurden, die Wohnung von General Hossein Alayi an und schlugen die Scheiben ein. Darauf musste General Hossein Alayi öffentlich im Fernsehen erklären, dass er mit seinem Brief nicht den Religiösen Führer gemeint habe und dass er die Herrschaft des Rechtsgelehrten selbstverständlich akzeptiere.

„Kritik am Führer ist keine Straftat“
Nun trat der vierte Kritiker General Ali Sani‘-Chani auf den Plan. Sein Brief wurde ebenfalls in der Zeitung Ettela‘at abgedruckt. Darin schrieb er zum einen, dass Kritik an der Gesellschaft und am Religiösen Führer laut der iranischen Verfassung keine Straftat sei. Im übrigen verbürgte er sich für General Hossein Alayi und betonte, dass dieser Mann ein überzeugter Anhänger der islamischen Revolution sei.

Emad Afrugh – die Abrechnung
Der fünfte ist Emad Afrugh, ein Fundamentalist und ehemaliger Abgeordneter des iranischen Parlaments.
Sie alle gehören zum engsten Kreis der Machthaber und sind von der Islamischen Republik fest überzeugt.
Neu und unerhört ist der scharfe Ton, mit der sie ihre Kritik am Religiösen Führer üben.

„Nirgends steht geschrieben, dass der Führer unfehlbar ist“
Hinzu kommt, dass sie selbst die Plattform des staatlichen Fernsehens nutzen konnten. So hat Emad Afrugh seine Kritik im Programm „Park-e Mellat“ (Volkspark) der staatlichen Radio- und Fernsehgesellschaft geäußert. Er sagte zum einen, es stehe nirgends geschrieben, dass der Religiöse Führer unfehlbar sei. Es gebe im Islam nur 14 Unfehlbare, nämlich die 12 Imame, der Prophet Muhammad und seine Frau Fateme. Das Recht des Volks, vom religiösen Führer Rechenschaft zu verlangen, sei sowohl im iranischen Grundgesetz wie in der Scharia verankert.
Mehr noch: Er verteidigte General Hossein Alayi mit den Worten, das sei einer, der auch seine Gesundheit für die Revolution geopfert habe, der im Krieg teilgenommen habe und als Kriegsversehrter mit einer Beeinträchtigung von 20% eingestuft sei. Ob der Religiöse Führer etwa davon gewusst habe, dass Banditen die Wohnung des Generals attackiert hätten? Und falls er nicht davon gewusst habe, warum seien die Gewalttäter dann nicht verhaftet worden?

„Wir sind Vertreter, kein Vormund“
Emad Afrugh hat im Fernsehen Worte ausgesprochen, die bei einem anderen zur sofortigen Verhaftung geführt hätten.
Er meinte: „Ma wakilim, qayyem nistim.“ Wir sind Vertreter (des Volkes), nicht sein Vormund. Und weiter: „Es geht nicht an, dass wir de facto völlig frei die Zügel in der Hand halten, ohne die Rechte des Volkes zu achten und so die Zügel der Politik führen.
Ich sehe tatsächlich bestimmte Auslegungen vor mir, dass das Volk überhaupt keine Rechte besitze.“

„Und wenn er keine Antwort geben kann, dann ist er automatisch abgesetzt“
Unter Berufung auf die Überlieferung der Worte von Imam Ali erklärt Emad Afrugh weiter: „Der Imam sagt, dass ein Mitglied der Gemeinschaft das Recht hat, vom Führer Erklärung zu verlangen, und dass der Führer ihm Rechenschaft ablegen muss. Und wenn er keine Antwort geben kann, dann ist er damit automatisch abgesetzt.“

Statt ihnen die kritische Feder aus der Hand zu reißen, sollten wir uns selber bessern
Der pensionierte Pasdar-General verteidigt in einem Brief, den er auf seinem Weblog veröffentlicht, die Worte von General Hossein Alayi und meint zu den 12 Pasdar-Generälen, die den General deshalb angegriffen hatten: „Wieso soll niemand an Ajatollah Chamene‘i Kritik üben dürfen?“ General Radscha‘i bemerkt, der General habe nur das öffentlich gemacht, was die Menschen ohnehin untereinander flüsterten. Er weist auch darauf hin, dass ihm General Hossein Alayi seinen Brief zugesandt habe, bevor er ihn veröffentlichte, und er finde, dass der Brief nur wohlgemeinte Ratschläge enthalte.
General Radscha‘i schreibt auch, wenn jemand an der absolutistischen und tyrannischen Herrschaftsweise von Ghaddafi Kritik übe, sei damit doch noch nicht automatisch gesagt, dass derjenige die innenpolitischen Verhältnisse im Iran kritisiere. Sprich, man solle den General an dem messen, was er geschrieben habe, und nicht an dem, was in den Text hinein interpretiert werden könne. Und er fügt hinzu: „Statt dass wir Menschen wie Alayi, Nurisade und Chas‘ali die Feder aus der Hand reißen, damit keine Kritik geschrieben wird, sollten wir uns selber bessern.“

Kommentar:
Die Menschen, die so schreiben und so sprechen, sind keine Reformisten, keine Menschenrechtler und keine Oppositionellen aus dem Ausland. Es sind Menschen, die Teil des Machtapparats sind, die eine fundamentalistische islamische Überzeugung besitzen und die die islamische Republik erhalten wollen. Wenn sie jetzt so kritisch auftreten, zeigt das, dass sie die Gefahr für das Überleben des Regimes und für den Bestand ihrer Ideologie spüren. Mit ihrem Auftritt wollen sie vermutlich versuchen, die Flut der Veränderung, die dieses System niederreißen wird, in eine Richtung umzulenken, die den Weiterbestand der Islamischen Republik retten soll.

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Iran: Die späte Reue des Mollas


Hinrichtung von Kurden in der Nähe von Urumije, Foto vermutlich aus dem Anfang der 1980er Jahre

Molla Gholamresa Hassani, ist der Freitagsprediger von Urumije und der Vertreter von Ajatollah Chamene‘i für West-Aserbaidschan, einem Gebiet, in dem viele Kurden leben. Er hat am Sonntag, den 22. Januar 2012, in einem Interview mit der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Ressa erstmals öffentlich Bedauern über die Hinrichtung seines Sohnes geäußert.
Sein Sohn Raschid war Anhänger der Volksfedayin, einer kommunistischen Gruppe, die gegen das Schahregime und anschließend auch gegen die Diktatur von Ajatollah Chomeini kämpfte. Raschid war nach der Machtergreifung Chomeinis in den Untergrund gegangen und hielt sich versteckt. Damals verriet Molla Hassani seinen Sohn an das islamische Revolutionskomitee. Der Sohn wurde abgeholt und hingerichtet, so wie viele andere. Molla Hassani äußerte nun erstmals leichte Selbstkritik, es sei vielleicht ein Mangel an Erziehung und Zuwendung gewesen, dass sich sein Sohn kommunistischem Gedankengut angeschlossen habe. Molla Hassani meint jetzt auch, über 30 Jahre nach der Hinrichtung, dass solche Menschen nie hätten hingerichtet werden dürfen, sie hätten ja nichts getan und nur eine andere Meinung gehabt.
Ehrlich ist Molla Hassani damit freilich noch immer nicht. Er ist bekannt dafür, dass er persönlich über 100 Hinrichtungsurteile gegen iranische Kurden gefällt hat, die gegen das Molla-Regime kämpften.

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Nackte Körper – der doppelte Standard der iranischen Mollas


Gholamresa Tachti, Ringkämpfer, Goldmedaillengewinner bei den Olympischen Spielen
Jeder, der im Iran aufgewachsen ist, kennt dieses Bild von Gholamresa Tachti. Er war zur Schahzeit ein bekannter Ringkämpfer, der für den Iran vier Goldmedaillen gewonnen hat. Als er in Japan war, gab er sogar bekannt, dass er aus Protest gegen das Schahregime nicht in den Iran zurückkehren werde. Als er später doch zurück reiste, kam er in einem Hotel in Teheran ums Leben. Die iranischen Behörden behaupteten damals, er habe wegen „familiärer Probleme“ Selbstmord begangen.
Die iranische Geistlichkeit hat danach diesen im Volk beliebten Sportler auch für ihre Propagandazwecke eingesetzt, das obige Bild ist auch in Moscheen zu sehen. Er wird als ein gläubiger Moslem dargestellt, der gegen das Schahregime gekämpft hat. Kurz – ein Held, und das in echt, nicht nur ein Filmschauspieler wie Schwarzenegger.


Filmschauspielerin Golschifte Farahani
Ganz anders ergeht es Golschifte Farahani. Eine sehr bekannte und im Iran beliebte Filmschauspielerin. Aufgrund des massiven Drucks im Iran musste sie ihre Heimat verlassen und lebt jetzt in Frankreich. Vor kurzem hat sie ein Foto von sich veröffentlicht, in dem sie nicht mehr Oberbekleidung trägt als Gholamresa Tachti. Wer glaubt, die Mollas hätten das Foto ebenfalls in den Moscheen aufgehängt, täuscht sich. Seit einiger Zeit läuft eine massive Hetzkampagne gegen die Schauspielerin, sie sei eine Hure und habe sich im Ausland verkauft. Mehr noch: Die Herren Mollas haben die Frau sogar zum Tod durch Steinigung verurteilt.

Wir unterstützen ihren mutigen Schritt: Es wird Zeit, dass Mann und Frau mit gleichem Maß gemessen werden. Gleiche Rechte und gleiche Chancen für alle!

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Iran: Die Mollas schießen scharf

Wer meint, bei so viel bewaffneten Organen bräuchte die iranische Geistlichkeit keine eigenen Waffen, der täuscht sich. Folgende Fotos wurden der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr veröffentlicht.

Sie zeigen hochrangige Theologen, die in Qom an den islamischen Lehrstätten unterrichten.

Dass sie jetzt zum Gewehr greifen, zeigt deutlich, wie der anstehende Machtkampf aussehen wird.

Diese Herren scheinen jedenfalls der Überzeugung zu sein, dass ihnen in naher Zukunft schöne Worte nicht mehr helfen.

Und es ist nicht das Volk, vor dem sie sich fürchten, es ist ihre Saat, die jetzt auf den Sesseln der Macht sprießt.

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Iran: Islamischer Kannibalismus


Mehdi Chas‘ali

Der bekannte iranische Regimekritiker Mehdi Chas‘ali, Sohn von Ajatollah Abulqasem Chas‘ali, einem Mitglied des Expertenrats und zugleich Vorsitzender der Ghadir-Stiftung, wurde am Montag, den 09.01.2012 auf brutale Art verhaftet. Er hatte zuvor eine gerichtliche Vorladung erhalten, konnte jedoch einen Aufschub erzielen, so dass er erst heute, am Dienstag, den 10.01.2012, vor der Justiz erscheinen sollte. Ohne sein Wissen wurde in der Zwischenzeit ein Haftbefehl gegen ihn erlassen, und als er am Montag Mittag zur Arbeit gehen wollte, musste seine Ehefrau mit ansehen, wie er vor ihren Augen von auflauernden Beamten überfallen und zu Boden geworfen wurde. Dabei brach er sich offensichtlich einen Handknochen, so dass die Hand stark anschwoll, auch ein Zahn brach ihm bei diesem Sturz. Obwohl er starke Schmerzen hatte, brachten ihn die Beamten nicht zur ärztlichen Behandlung, sondern zur Justizbehörde. Die Ehefrau wurde nicht zum Gericht vorgelassen, so dass sie die aktuellen Vorwürfe gegen ihn nicht kennt. Im Vorfeld war jedenfalls bekannt geworden, dass ihm Beleidung von Ahmad Dschannati, dem Vorsitzenden des Wächterrats, und „Propaganda gegen das System“ vorgeworfen wird.
Bislang war Mehdi Chas‘ali wegen seiner kritischen Artikel schon mehrfach verhaftet und später gegen Kaution freigelassen worden.

Kommentar:
Mehdi Chas‘ali ist nicht nur wegen der Stellung seines Vaters eine einflussreiche Persönlichkeit, die über einen beachtlichen Kreis von Unterstützern verfügt. Er hatte während des iranisch-irakischen Kriegs gekämpft – im Gegensatz zu Ahmadineschad, und ist der Überzeugung, dass die Islamische Republik Iran eine Republik für Leute wie seinesgleichen sein sollte. Wer wagt es, ihn so brutal anzugreifen?
Jeder kennt Ajatollah Rafsandschani, der als Präsident Vorgänger von Chatami war und jetzt Vorsitzender des Rats zur Wahrung der Interessen des Systems ist. Vor kurzem wurde seiner Tochter der Pass abgenommen und sie wurde „wegen Propaganda gegen das System“ zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Oder der Sohn von Ajatollah Yunessi. Ajatollah Yunessi war unter Chatami Minister des iranischen Geheimdienstes, jetzt ist er des öfteren Freitagsredner in Teheran. Sein Sohn wurde ebenfalls zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und ist jetzt in Haft.
Ali Mottahari, Sohn des bekannten iranischen Geistlichen Ajatollah Mortesa Mottahari, ist derzeit ein Mitglied des iranischen Parlaments. Ali Mottahari gehört der fundamentalistischen Gruppe der Prinzipialisten an und ist zugleich auch der Bruder der Ehefrau des Parlamentspräsidenten Ali Laridschani. Ali Mottahari ist ein energischer Kritiker von Präsident Ahmadineschad. Er wollte zu den bevorstehenden Parlamentswahlen kandidieren, seine Kandidatur wurde vom Wächterrat abgelehnt, weil er keine Gewähr dafür gebe, die Herrschaft des Rechtsgelehrten zu verteidigen.
Ajatollah Chas‘ali, Ajatollah Rafsandschani und Ajatollah Yunessi stehen alle in engem Kontakt mit Ajatollah Chamene‘i und sehen ihn regelmäßig. Wie kann es kommen, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Kinder vor dem Zugriff der staatlichen Organe zu schützen?


Hier geht es einmal nicht um einen Gegensatz zwischen „Reformisten“ und „Prinzipialisten“, sondern darum, dass zwar die alte Generation der Ajatollahs die Gallionsfiguren an den Fassaden der Machtorgane darstellen, aber die eigentliche Macht, die vollziehende Gewalt, in den Händen der jüngeren Generation liegt. Nicht Ajatollah Chamene‘i herrscht als Religiöser Führer, sondern sein Sohn Modschtaba Chamene‘i, der die Kanzlei seines Vaters leitet. Niemand kann mit seinem Vater sprechen, ohne die Zustimmung seiner Kanzlei zu besitzen. Und wir erinnern uns, dass Modschtaba Chamene‘i auch zu den Drahtziehern der blutigen Niederschlagung der Proteste nach der Wahlfälschung vom Juni 2009 gehörte.
Modschtaba Chamene‘i und seine Generation sehen die alten Ajatollahs nicht als Konkurrenten im Kampf um die Macht, wohl aber ihre Kinder. Wenn die Tochter von Rafsandschani ins Ausland reist, kann sie mit ihrem Wissen und ihren Kontakten den wahren Machthabern gefährlich werden. Wenn Mehdi Chas‘ali auf seinem Weblog seine beissende Kritik am korrupten Regime übt, hat er einen weiten Leserkreis, und den korrupten Herrschern ist es nicht recht, wenn ihre schmutzige Wäsche an der Öffentlichkeit gewaschen wird. Da schadet es nichts, so einem Typen die Knochen zu brechen und seine Zähne zu zerschlagen.
Wenn der Sohn von Ruhollah Amini im Weg ist, mag der Vater noch so einflussreich sein, ein toter Sohn hindert sie nicht mehr am Aufstieg, also wird er im Kahrisak-Gefängnis zu Tode gefoltert.
Es ist die Folgegeneration, die hier um die Macht kämpft, und da gibt es kein Pardon. Gott mag barmherzig sein und gnädig, seine selbsternannten Vertreter auf Erden sind es nicht.

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Iran: Die Armee des Schemr

Fasnacht im Iran?


Originelle Mäschgerle, würde da der Südkurier schreiben…


wie man sieht, man braucht keine Gummimasken, um ganz gruselig auszusehen


Pferde kann jeder, hier mal Kamele,
und was für ein stattlicher Teufel


da die Guggenmusik – mit Pauken


und Trompeten

Ja, so könnte ein uneingeweihter Besucher aus dem Westen denken, der in diese Art von Aufführungen gerät, die jetzt im ganzen Iran anlässlich der Trauerfeiern des schiitischen Aschura-Fests stattfinden.
Aber weit gefehlt, und wehe dem, der da Ho Narro! riefe.
Besagter Teufel ist kein anderer als der grausame Heerführer Schemr, der den Märtyrer Hossein samt seinen Getreuen und seiner Familie in der Wüste belagerte und dürsten ließ, alle Männer – bis auf einen – umbrachte und die Frauen in die Gefangenschaft verschleppte. So will es die schiitische Überlieferung, die vielen Menschen heilig ist.
Die rot gekleideten Männer symbolisieren die Armee des Schemr, die gelben ebenfalls, nur diejenigen, die Grün tragen, vertreten die Seite von Imam Hossein.

Hier die Bogenschützen von Schemrs Armee

Einer der Generäle von Schemr

der grausame Schemr sticht das Kind von Imam Hossein ab

hier tritt einer seiner Soldaten die Töchter des Imam und entführt sie,
und darunter gießt der teuflische Schemr das Wasser vor dem dürstenden Baby in den Wüstensand

die wüsten Männer von Schemrs Armee stecken Imam Hosseins Zelt in Brand.
Wie wird da wohl der einstimmige Ruf der Zuschauer lauten?
Kreuzigt ihn!

Und damit auch der Dümmste kapiert, wer heute gekreuzigt werden soll und in der Armee des Schemr marschiert, bitte sehr, ein Soldat der britischen Armee, vielleicht nicht mehr in der brandaktuellsten Uniform…
Vielleicht wird aus dem ganzen ja doch noch eine Fasnachtsveranstaltung, warten wir’s ab.

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Iran: Anschlagsvorwürfe der USA


Hodschatoleslam Mehdi Ta‘eb

Aus dem Stabsquartier des Amar
Die Rede ist von Hodschatoleslam Mehdi Ta‘eb, einem Dozenten an der House (einflussreiche Ausbildungsstätte für islamische Geistliche) in Qom, und zugleich Mitbegründer und Vorsitzender eines am 7. Februar 2011 gegründeten „Zentrums zur Anleitung der Front der Leute der Rechtsgelehrsamkeit“ (Markaze Rahbordiye Jebheye Ahle Wela‘) – kurz auch „Stabsquartier des Amar“ (Qarargahe Amar). Mit „Leute der Rechtsgelehrsamkeit“ sind die Anhänger der Herrschaft des religiösen Rechtsgelehrten gemeint, also die Anhänger einer religiösen Diktatur, wie sie vom inzwischen verstorbenen Ajatollah Chomeini begründet wurde. Zu den veröffentlichen Zielen gehören der politische und kulturelle Kampf um die „Werte der Revolution“, aber das ist nicht die eigentliche Tätigkeit des „Stabsquartiers des Amar“.
Zuerst einmal seien die Gründer dieser Organisation vollständig aufgeführt: Hodschatoleslam Mehdi Ta‘eb, Hodschatoleslam Ali-Resa Panahiyan, Mohammad-Mehdi Mandegari, Hamid Rassa‘i, Hassan Abbassi, Sa‘id Qassemi, Sa‘id Haddadiyan, Nader Talebsade, Mehdi Kutschiksade, Ali-Akbar Maddahi, Hassan Yekta.
Quelle hierzu: http://www.ammariyon.ir/fa/pages/?cid=6267

Theoretiker für Selbstmordanschläge
Hassan Abbassi ist ein wichtiger Theoretiker der Terroranschläge, er unterrichtet an militärischen Hochschulen den Begriff „Dschihad“ im Sinne eines gewalttätigen religiösen Kampfs, er liefert die theologische Rechtfertigung für Selbstmordanschläge etc. Mehdi Kutschiksade ist ein radikaler „Hisbollahi“, der als Abgeordneter im iranischen Parlament sitzt.
Das sind schon erste Indizien, dass die eigentliche Aufgabe dieses Hauptquartiers, für das nicht umsonst ein militärischer Namen gewählt wurde, im bewaffneten Kampf liegt, namentlich in der Schulung von rekrutierten Pasdaran für Selbstmordanschläge.

Wenn schon, dann holen wir uns den König
Hodschatoleslam Mehdi Ta‘eb, der Leiter dieses Hauptquartiers oder „Zentrums“, ist daher nicht irgendein unbedeutender Geistlicher, wenn er zum Thema des angeblich geplanten Mordanschlags auf den saudi-arabischen Botschafter in den USA Stellung nimmt.
Hodschatoleslam Mehdi Ta‘eb erkärte vergangene Woche gegenüber staatlichen iranischen „Presseklub“ (Bashgahe Chabarnegaran):
„Wir haben es nicht nötig, den Botschafter von Saudi-Arabien umzubringen. Wenn wir jemanden umbringen wollen, dann haben wir genügend Möglichkeiten, um König Abdullah (gemeint ist der saudische König Abdullah Saud) selbst umzubringen. Was sollen wir uns mit Kleingemüse begnügen?“

Iranische Reaktionen zum angeblich geplanten Mordanschlag auf den saudischen Botschafter
Diese Form des Dementis klingt schon etwas anders als die Äußerungen von Ajatollah Chamene‘i in Kermanschah, der meinte, die US-Regierung wolle nur von eigenen Problemen ablenken, etwa der Protestbewegung „Besetzt die Wall-Street“.
Der Parlamentssprecher Ali Laridschani meinte dagegen, die Leute, die von der US-Regierung als Täter bezeichnet worden seien, gehörten der iranischen Opposition an und hätten mit der Regierung nichts zu tun.
Der iranische „Präsident“ Mahmud Ahmadineschad erklärte, eine Untersuchung der Angelegenheit werde es von iranischer Seite nicht geben.
Das britische Finanzministerium hat unterdessen das Vermögen von fünf Personen eingefroren, die von der US-Regierung als mutmaßliche Täter bezeichnet werden: Es handelt sich um

  • Mansur Arbabsiyar, Mitglied der Qods-Kräfte der Pasdaran, der die iranische und die US-Staatsbürgerschaft besitzt,
    Gholam Shakuri, keine Angaben,
  • Hamed Abdullahi, ein hochrangiger Offizier der Qods-Kräfte der Pasdaran, der zu den Planern des Terroranschlags gehören soll,
  • Abduresa Schahla‘i, ein Assistent der Qods-Kräfte der Pasdaran und
  • Qassem Soleimani, den Oberbefehlshaber der Qods-Kräfte der Pasdaran.

Die beiden Letztgenannten sollen die Aufsicht über den geplanten Terroranschlag geführt haben.

Kommentar:
Wenn man die NZZ, die taz, die Frankfurter Rundschau, die Welt oder die Frankfurter Allgemeine anschaut, springt einem überall Misstrauen an der Richtigkeit der US-Vorwürfe in die Augen. Generell werden Zweifel angemeldet, dass die iranische Regierung dahinter stehe, weil das nicht in ihrem Interesse sei.
Es ist eine kuriose Situation: Die Art, wie die US-Regierung die Vorwürfe präsentiert, erinnert fatal an das Vorgehen der Vorgängerregierung zur Rechtfertigung des Kriegs gegen Saddam Hussein und den Irak. Danach erwiesen sich die damals erhobenen Vorwürfe als falsch.
Das Problem ist, dass die Vorwürfe diesmal zutreffen könnten, nur das Ziel, das dahinter steht, nämlich einen neuen Krieg anzuzetteln, ist natürlich verwerflich und schadet der iranischen Bevölkerung. Und statt sich mit diesen vermuteten Zielen der US-Regierung auseinanderzusetzen, ziehen es die hiesigen Medien vor, einfach die Vorwürfe herunterzuspielen. Dabei werden dann auch irgendwelche Fachleute zitiert, die mit den „iranischen Interessen“ argumentieren. Warum setzen die sich nicht mit der Ideologie der Herrschenden auseinander? Die „Theorie der Angst“ ist auch heute noch ein Herrschaftsinstrument der Mächtigen im Iran. Und da sich die Regierung in den letzten Jahren stark auf den Krieg gegen die eigene Bevölkerung konzentrieren musste, war sie im Westen weniger aktiv. Aber auch nur im Westen. In Syrien, Libanon oder Palästina sind die iranischen Pasdaran nach wie vor mit im Spiel, und es ist kein Zufall, dass syrische Demonstranten bei ihren Protesten nicht nur symbolisch den Sarg von Baschar Asad mit sich führen, sondern auch von Ajatollah Chamene‘i. Die iranischen Pasdaran sind gemeinsam mit den syrischen Organen diejenigen, die Demonstranten niederprügeln und erschießen. Dass das in Deutschland weniger zählt als ein Attentat in Berlin, ist eine verkleidete Form des Rassismus. Wenn die Opfer nur irgendwelche Araber „da hinten in Syrien“ sind, ist der iranische Auslandsterrorismus anscheinend nicht erwähnenswert und es wird gar seine Existenz bestritten.

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Staatsislam kennt keinen Dialog


Der Islam wird im Iran wie in anderen Staaten mit vielen verschiedenen Gesichtern gelebt. Die Frau auf dem Foto zum Beispiel hat die Haare bedeckt, ihr Körper ist verhüllt, aber sie ist eben kein schwarzer Sack, sondern hat ihre eigene Persönlichkeit bewahrt. Und das gefällt den staatlichen Streifen nicht.

Sie verlangen die Papiere und führen die Frau ab, sie muss in den Polizeibus steigen. Mit Muslimen kann man reden, mit dem Staat nicht. Er kennt keinen Dialog. Und wenn Regierungen im Westen mit dem iranischen Staat einen Menschenrechtsdialog führen wollen, ist das Betrug. Betrug und Verrat an allen Muslimen wie dieser Frau, die über sich bestimmen wollen, ohne dass der Staat reinredet.

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Iran: Schritt für Schritt Vorbereitung zum Opfer für den Islam

Vor der islamischen Revolution im Iran gab es durchaus auch eine religiöse Tradition, am Aschura Tag in bestimmten Erscheinungsformen seine Zugehörigkeit zu einer sehr radikal-islamischen, schiitischen Gruppe auszudrücken. Dazu gehörte, am Aschura – Tag öffentlich auf der Straße traurige Lieder zu vorzusingen, sich mit den Händen auf Brust und Kopf zu schlagen, sein Haupt mit einer kleinen Menge Schlamm zu bedecken oder sich sogar mit Dolchen den Kopf und mit Metallketten den Rücken blutig zu schlagen. Diese Praxis nahm während der Schah-Zeit mehr und mehr ab. Mit der neuen Islamischen Regierung unter Chomeini lebte diese Praxis wieder auf und wurde gezielt von der Regierung gefördert.

Eine bestimmte Fraktion der iranischen Rechtsgelehrten, zu denen auch der heute einflußreiche Ayatollah Mesbah Yazdi zählt, predigt die Lehre, dass durch ein derartiges Verhalten die Sünden der Vergangenheit ausgelöscht werden können und die Tür zum Paradies wieder offen steht. Zu diesem Zwecke sind von Mesbah Yazdi und anderen Ayatollahs, meist finanziert mit Regierungsgeldern, eine Vielzahl von Vereinen gegründet worden, die sich jeweils auf eine andere religiöse Praxis spezialisiert haben. Bei jeder Gelegenheit zu Trauern, ganz besonders am Aschura-Tag, sind deren Mitglieder verpflichtet, in der Moschee oder auf der Strasse ihr gruseliges Schauspiel vorzuführen.

In diesen Vereinen werden die Mitglieder in einer ersten Phase einer radikal-islamischen Indoktrination unterzogen. Gleichzeitig haben sie hier vom ersten Tag an Anspruch auf bestimmte Vergünstigungen wie Gutscheine oder Coupons, mit denen sich Lebensmittel, Kleidung, Benzin, etc. günstiger beziehen lassen. Je länger sie dabei bleiben, desto höher sind diese Vergünstigungen.

In einer zweiten Phase wird von den Mitgliedern erwartet, dass sie politisch in der Öffentlichkeit in Erscheinung treten und z.B. bei einem Führer des reformistischen Flügels handgreiflich protestieren oder sich bei Protesten gegen ausländische Regierungen beteiligen und vor Botschaften Parolen skandieren.

Bestimmte, körperlich geeignete und tief gläubige Aktivisten unter ihnen erhalten nochmals eine besondere, noch radikalere Ausbildung im Koran und werden an der Waffe geschult. Aus diesen Kreisen rekrutieren sich spätere Selbstmordattentäter, Führer von Terrororganisationen oder die Gründer von radikalreligiösen, politischen Vereinen in Ländern wie dem Irak, Libanon, Afghanistan, etc. aber auch in westlichen Ländern, wo sie das weitergeben, was sie in ihrer Ausbildung gelernt haben.


Jeder dieser Männer, Jugendlichen und Kinder hat seinen Kopf und seine Kleidung mit Schlamm bedeckt.


Alle schlagen sich im Takt der Trauermusik mit den Händen auf den Kopf


Die Windschutzscheibe des Lautsprecherwagens ist schlammverschmiert. Frauen unter dem Tschador beteiligen sich ebenfalls.


Einige tragen Handschuhe, denn es ist Winter.


Ein kleines Mädchen mit seinem Vater. Der Schriftzug „Ya Hossein“ ist eine Bitte um Hilfe von Imam Hossein.


Ein Vater führt sein Kleinkind in das Schauspiel ein.


Vor einer Moschee wurden Schlammbäder für die Gläubigen vorbereitet. Die Erde dazu wurde angeblich aus der heiligen Stadt Kerbala (Irak) herbeigeschafft.


Männer, die sich mit der Hand vor die Brust schlagen, im Hintergrund ist ein grosses Plakat mit einer Abbildung von Ayatollah Chomeini zu sehen.


Wiederum Männer, die sich vor die Brust schlagen.


Diese Männer wärmen sich an einem Feuer. Es ist Januar und auch im Iran sehr kalt.

Die bekannten Bilder der blutverschmierten Gläubigen, die sich mit Ketten und Dolchen geißeln, sind eine Steigerung des hier gezeigten Rituals. Wir haben darüber schon im Artikel „Wie die iranische Regierung die Menschen im Iran und in der ganzen Welt in Angst versetzen will“ (Aschura-Tag 2008) berichtet.

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