Archiv der Kategorie 'Islamismus'

Islamische Republik Iran – Schachmatt?

Am 8. Januar 2017 ist Ajatollah Ali Akbar Haschemi Rafsandschani im Alter von 82 Jahren infolge eines Herzinfarkts gestorben. Mit ihm hat die Islamische Republik Iran eine zentrale Figur verloren, die oft die Rolle des Vermittlers und Schiedsrichters zwischen den verschiedenen Fraktionen der Islamisten spielte.

Akbars Jugend
Der 1934 geborene Akbar Haschemi Rafsandschani war als junger Mann einer der zahlreichen Schüler von Ajatollah Ruhollah Chomeini. Als der Schah von Persien auf Betreiben des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy begann, im Iran eine Landreform durchzuführen und das Wahlrecht für Frauen einzuführen, bezog Chomeini gegen den Schah Stellung. Man darf nicht vergessen, dass religiöse Stiftungen zu der Zeit auch Großgrundbesitzer waren, wie früher die Kirchen und Klöster in Europa. Mit Hilfe seiner Redner in den Moscheen brachte Chomeini religiös gesinnte Menschen auf die Straße, was schließlich zum Rücktritt von Premierminister Ali Amini im Jahr 1962 führte, der versucht hatte, die Reformen voranzutreiben. Als einer der Drahtzieher der Proteste wurde Ajatollah Chomeini damals des Landes verwiesen, erst in die Türkei, wo er der Regierung jedoch nicht willkommen war, später nach Nadschaf in den Irak. Dort blieb er bis 1978 und musste schließlich das Land verlassen – damals nahm Frankreich den Ajatollah auf. Akbar Haschemi Rafsandschani hatte in der Zeit von Chomeinis Exil heimlich Kontakt zu seinem Lehrer. Ein Besuch in den schiitischen Heiligtümern in Nadaschaf und Kerbala (beide im Irak) war stets ein willkommener Vorwand, den Meister zu besuchen.

Bei den Mudschahedin
Zur Schahzeit gab es im Iran eine bewaffnete religiöse Gruppe, die Volksmudschahedin, die in ihren Anfängen eine Synthese aus marxistischen Sozialvorstellungen und Islam versuchte. Da Ajatollah Chomeini im Iran aufgrund seiner Position gegen die Landreform und gegen das Frauenwahlrecht unter den Intellektuellen als rückschrittlicher Mensch verschrien war, gab es in den Zeiten seines Exils viele Chomeini-Anhänger, die dies nicht offen zugaben. Eine wichtige Gruppe bildeten die Basar-Händler. Denn die Wirtschaftsreformen des Schahs führten zum Aufkommen von Supermärkten, die die Rolle des Basars angriffen. Aber auch viele Geistliche, die ihren Einfluss in der Gesellschaft behalten wollten, traten nicht offen für Chomeini ein. So auch Akbar Haschemi Rafsandschani. Er deutete bei verschiedenen Gelegenheiten an, dass er Anhänger der Mudschahedin sei. Die Mudschahedin betrachteten ihn ihrerseits als einen ihrer Anhänger. Dann kam es zur Spaltung der Mudschahedin. Ab 1974 trat eine Strömung unter Führung von Bahram Aram auf, die eine marxistische Linie verfolgte, während der andere Flügel auf islamistischen Positionen verharrte.

Verhaftung
Die Abspaltung der Marxisten – auch „Kommunisten“ genannt – führte dazu, dass die Anhänger Chomeinis unter den Volksmudschahedin kein Problem darin sahen, die Anhänger dieser Abspaltung zu verraten, wenn sie selbst verhaftet und verhört wurden. Denn aus islamistischer Sicht waren die Kommunisten genauso Feinde wie der Schah. In Chomeinis Augen waren die Kommunisten noch gefährlicher als die Anhänger des Kapitalismus, wie etwa der Schah, denn sie waren „Gottlose“. Zu den Verhafteten jener Zeit gehörte auch Akbar Haschemi Rafsandschani. Alle seine Kontaktleute zu den Mudschahedin wurden darauf auch verhaftet, es heißt, dass Rafsandschani den Behörden auch zeigte, wo sie wohnten. Mohammad Ali Radscha’i, später Kultusminister und dann Premierminister, gehörte ebenfalls zu Rafsandschanis Gesinnungsgenossen und soll auf diese Weise etwa 40 Personen hinter Gitter gebracht haben. Bekannt ist folgendes Detail von Rafsandschani: Der Führer der Mudschahedin Abspaltung, Bahram Aram, hatte in einem Versteck im Haus eines Autobatterie-Händlers in Teheran Unterkunft gefunden. Das Versteck flog auf, der Autobatteriehändler – Mehdi Ghayuran, und seine Frau – Tahere Sadschadi (Sajjadi), kamen ins Gefängnis. Der Autobatteriehändler Mehdi Ghayuran wurde damals von einem berüchtigten Folterer namens Arasch so misshandelt, dass seine rechte Seite gelähmt war und man einen Schlauch legen musste, damit sein Urin ausfließen konnte.

Im Krankenhaus
In der chirurgischen Abteilung des Polizeikrankenhauses von Teheran jener Zeit (bimarestane shahrbani) wurde Mehdi Ghayuran damals behandelt, freilich in ein Abteil, das von den normalen Patienten abgetrennt war. Ein Mitgefangener von Mehdi Ghayuran, der damals im gleichen Abteil war, erlebte, wie einmal der Folterer Arasch zusammen mit dem Folterer Manutschehri gegen Mitternacht erschienen und einen Gefangenen mitbrachten. Es war Akbar Haschemi Rafsandschani. Er gab zu, zusammen mit Radscha’i die eine oder andere Kleinigkeit ausgeplaudert zu haben und versuchte, Mehdi Ghayuran zu überzeugen, den Behörden zu verraten, wo die Autobatterien, die zu Zündbomben umgebaut worden waren, genau versteckt seien – am betreffenden Ort waren immerhin 10.000 Batterien auf Lager, unter denen die 5 umgebauten zu finden, war eine Arbeit, die sich die Behörden ersparen wollten. Akbars Einsatz war nur scheinbar umsonst, denn Mehdi Ghayuran blieb weiter dabei, dass er nichts davon wisse. Aber nachdem er aus dem Krankenhaus wieder ins Gefängnis zurück verlegt worden war, packte er aus. Durch Akbars Worte hatte er immerhin erfahren, dass die Behörden das Versteck der Batterien kannten, und das hatte seinen Widerstand gebrochen.

Die Belohnung
Als Ajatollah Chomeini nach dem Sturz des Schahs am 1. Februar 1979 aus dem Pariser Exil in den Iran zurückkam, wurde wenig später eine Übergangsregierung unter Mehdi Basargan gebildet. Akbar Haschemi Rafsandschani sorgte dafür, dass damals Habibollah Asgaroladi zum Handelsminister wurde und Mehdi Ghayuran zum Stellvertreter von Habibollah Asgaroladi bestimmt wurde. Mehdi Ghayuran war für diese Unterstützung dankbar. Auch seine Frau Tahere Sadschadi (Sajjadi) fand Anerkennung. Sie verfasste ein Buch über ihre Gefängniserinnerungen und machte eine bescheidene Karriere als Vortragsreisende. Ihre Erinnerung beschränkte sich freilich nur auf islamistisch orientierte Frauen in den Schah-Gefängnissen, andere kamen nicht vor.

Der Organisator
Dies ist nur ein kleines Detail aus dem Leben eines Mannes, der im Gefängnis viel Erfahrungen sammelte und ein fähiger Organisator und langfristig denkender Mensch war. Ali Akbar Haschemi Rafsandschani war es, der nach dem Sieg der Revolution daran ging, die Organisation der Revolutionswächter (Pasdaran) und der Volksmilizen (Bassidschi) als bewaffneten Arm der neuen Regierung aufzubauen. Es war Rafsandschani, der Chomeini davon überzeugte, mit Salamitaktik gegen die Gegner vorzugehen und nicht alle auf einmal zu attackieren. So nahm Rafsandschani als erstes die Volksmudschahedin aufs Korn – sie waren auf der ideologischen Seite Konkurrenten, und die Kommunisten der Tudeh-Partei waren auch deren Gegner, also brachte man die Linke nicht gegen sich auf, wenn man sie verfolgte. Zudem waren sie bewaffnet, bedrohten also das Gewaltmonopol, das Rafsandschani mit dem Aufbau der Pasdaran und Bassidschi anstrebte.

Der iranisch-irakische Krieg 1980-1988
Im iranisch-irakischen Krieg war Rafsandschani derjenige, der die eigenen Kräfte genau kannte, der wusste, was Armee – durch die Revolution dezimiert, Pasdaran und Bassidschi an Kräften zur Verfügung hatten, der die Waffenbestände kannte und wusste, wieviele Menschen täglich in den späteren Kriegsjahren desertierten. Mit diesen Daten ging er zu Ajatollah Chomeini und überzeugte ihn, den angebotenen Waffenstillstand zu akzeptieren.

Die Papstwahl
Nein, im Iran wird kein Papst gewählt, aber als Chomeini im Juni 1989 starb, war die Frage, wer sein Nachfolger werden sollte, ein entscheidender Punkt für das Überleben des islamistischen Regimes. Denn der religiöse Führer hat in allen Dingen das letzte Wort. Nach den eigenen Regeln des Islamischen Staates hätte eine religiöse Autorität – Mardscha’e Taqlid, wie die Bezeichnung auf Persisch lautet, Nachfolger von Ajatollah Chomeini werden müssen. Zum Beispiel Ajatollah Schirasi, Ajatollah Ardabili oder Ajatollah Montaseri. Letzterer kam aus der Sicht von Ali Akbar Haschemi Rafsandschani gar nicht in Frage, denn der hatte sich nach dem Waffenstillstand deutlich gegen das Gefängnismassaker ausgesprochen, das durch eine Fatwa von Ajatollah Chomeini durchgeführt wurde. In diesem Punkt stand Rafsandschani fest hinter Chomeini. Was tun? Jeder Ajatollah besaß eine eigene Autorität und schwächte damit die Rolle, die Rafsandschani bis dahin gespielt hatte.
Rafsandschani verfiel daher auf Chamene’i, der als Hodschatoleslam eigentlich gar nicht in die engere Wahl kam und deshalb im Schnellverfahren zum Ajatollah aufgewertet wurde. Damit der Expertenrat Chamene’i als Nachfolger akzeptierte, ersann Rafsandschani eine List. Er behauptete, dies sei die persönliche Empfehlung von Ajatollah Chomeini gewesen. Den Toten konnte keiner mehr fragen, aber diese Behauptung soll bei der Wahl im Expertenrat den Ausschlag gegeben haben.

Rafsandschani als Präsident
Von 1989 bis 1997 war Ali Akbar Haschemi Rafsandschani Staatspräsident. Er setzte Ali Fallahian als Geheimdienstchef ein, in dessen Amtszeit Dutzende von Morden an politischen Gegnern im Ausland stattfanden. Dazu gehört auch das Mykonos-Attentat in Berlin vom 17. September 1992, bei dem u.a. der Generalsekretär der Demokratischen Partei Kurdistans Iran (DKPI) Sadegh Scharafkandi ermordet wurde. Rafsandschani setzte somit die Politik der systematischen Beseitigung der Opposition fort, die im Inland durch das Gefängnismassaker von 1988 ihren Höhepunkt gefunden hatte.

Rafsandschanis Niedergang
Nun, Chamene’i erwies sich nicht als die Marionette, die Rafsandschani ihm als Rolle zugedacht hatte. Er begann mit der selben Salamitaktik, die Rafsandschani zuvor angewandt hatte, die Macht wichtiger Geistlicher zu beschneiden. Das ging soweit, dass sogar Mehdi Haschemi Rafsandschani, sein Sohn, und Fa’ese Haschemi Rafsandschani, seine Tochter, verhaftet wurden und ins Gefängnis kamen. Aber Achtung, dieser scheinbare Niedergang ist nur die halbe Wahrheit.

Die Alternative im Rahmen des Systems
Denn Rafsandschani konnte Chamene’i davon überzeugen, dass ein Sieg der Linken, der Nationalisten, der Monarchisten oder der Mudschahedin für sie beide gleichermaßen das Aus bedeuten würde. Für das Überleben der Islamischen Republik sei es daher wichtig, dass die unzufriedene Bevölkerung einen Pol habe, dem sie sich zuwenden könnte, nämlich ihn – Rafsandschani und die von ihm unterstützten „Reformer“. Eine inhaftierte Tochter und ein inhaftierter Sohn sind durchaus politisches Kapital, das einen in den Augen der Bevölkerung glaubwürdig macht, wenn das Regime von Ajatollah Chamene’i unglaubwürdig wird. So ist die Haft keineswegs nur Zeichen des Niedergangs, sondern auch ein Beweis für langfristiges Denken, in dem selbst die Niederlage noch Dividenden für die Zukunft abwirft. Man mag das für zynisch halten, aber Rafsandschani hat im Gefängnis des Schahs vieles gelernt, und dumm war er nicht. Man sollte auch nicht glauben, dass seine Kinder im Gefängnis der Folter ausgesetzt wurden, wie das viele andere noch heute in iranischen Gefängnissen erleben müssen. Der Schachspieler ist tot. Man wird sehen, ob seine Kinder das Spiel fortsetzen werden. Ob die sogenannten Reformer einen anderen Schutzpatron finden oder mit Rafsandschanis Tod auch ihre Totenglocken läuten, wird die nächste Zukunft zeigen.

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Türkei: Demonstrationen vor iranischen Vertretungen


Vergangenen Freitag fanden vor den iranischen Vertretungen in Ankara und Istanbul Kundgebungen von türkischen und syrischen Demonstranten gegen die Einmischung des Landes in Syrien statt. Hier ein paar Fotos, die von iran-emrooz veröffentlicht wurden. Die Polizei erlaubte den Demonstranten nicht, bis zur Botschaft oder zum Konsulat vorzudringen. Es gibt aber auch keine Berichte über brutale Polizeiangriffe auf die Demonstranten. Zusammen mit der AKP-Medienkampagne gegen den Iran und Russland ist daher davon auszugehen, dass diese Kundgebungen mit Unterstützung der türkischen Regierung erfolgen. Man sieht ja, wie die Polizei vorgeht, wenn Kurden oder Menschenrechtler in der Türkei auf die Straße gehen.


Iran –
yalan – Lüge, nifak – Heuchelei (im religiösen Sinn), katliam – Massaker

http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/66647/
vom 16.12.2016
e°teraz be naqshe hokumate iran dar koshtare mardome suriye

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Türkei: Die Verwandlung


Sultan Mehmet II der Eroberer (Fatih)

Ein junger, schlanker, gepflegt aussehender Mann (22 Jahre) in schwarzem Anzug und Krawatte, mit abgeschlossener Ausbildung als Polizist und seit zweieinhalb Jahren bei einer Spezialeinheit der Polizei in der Hauptstadt angestellt, das wäre sicher der Traumschwiegersohn nicht nur vieler türkischer, sondern auch eines beachtlichen Teils der deutschen Familien. Er betritt eine Gemäldegalerie, auf der ein ehrwürdiger, kultivierter Herr, der sogar des Koreanischen mächtig ist, gerade eine Fotoausstellung mit passenden Worten eröffnet. Der Herr ist nicht irgendwer, und die Anwesenden gehen davon aus, dass der junge Mann entsandt wurde, die Sicherheit des distingierten Herren zu gewährleisten. Er steht dezent im Hintergrund.

Und auf einmal zieht er die Waffe, gibt Schüsse ab, spricht in einer Fremdsprache, die er nur in Floskeln beherrscht, und wechselt dann wieder in seine Muttersprache. Den älteren Herrn erschießt er gnadenlos mit Schüssen in den Rücken. Lebten wir im Mittelalter, wäre die Erklärung einfach: Der Teufel ist in den Mann gefahren. Aber wir schreiben das Jahr 2016.


der Mann im schwarzen Anzug

Lebenslauf
Wie kommt es zu einer so lautlosen Verwandlung? Immerhin hat der junge Mann moralische Argumente vorgebracht, wieso er den 62-jährigen Herrn, den Botschafter Russlands in Ankara, ermordet hat, nämlich das Leiden der Menschen in Aleppo, das derzeit mit vereinten Kräften der russischen, iranischen und syrischen Regierungstruppen zurückerobert wird. Einen unbewaffneten Menschen hinterrücks zu erschießen, der zudem noch den besonderen Schutz des Staates genießt, für den man arbeitet, gilt weltweit nicht eben als Heldentat. Noch viel weniger, wenn man dabei einen Gast erschießt. Mit traditioneller türkischer Kultur hat das nichts zu tun. Was ist geschehen? Mert Altintas, ist 1994 in Söke (Provinz Aydın) auf die Welt gekommen, einer Region, die traditionell zu den schrumpfenden Hochburgen der „sozialdemokratischen“ CHP gehört. In Söke (Aydin) erzielte die CHP bei den letzten Parlamentswahlen vom 1.11.2015 41,5% der Stimmen, mit Abstand folgten mit 26,5% AKP, 18,8% MHP und 11,2% HDP. Auffällig ist das etwas über Landesdurchschnitt liegende Ergebnis für die nationalistische MHP, die Gegend kann man aber gewiss nicht als Hochburg der Islamisten bezeichnen. Mert Altintas hat in seiner Heimatstadt einen Abschluss am Cumhuriyet Anadolu Lisesi gemacht und sich damit zu einem Studium an der Polizeihochschule qualifiziert. Die vom OB von Ankara eilfertig verbreitete Behauptung, die FETÖ von Abdullah Gülen stecke hinter dem Anschlag, kann mit diesen Angaben jedenfalls nicht verfestigt werden. So wurde behauptet, dass Mert Altintas sich für die Prüfung an der Körfez Dershane vorbereitet habe, die der FETÖ zugerechnet wird. Die Mutter des Attentäters verneinte dies. Auch weitere Vorwürfe sind bislang recht windig. So soll ein Onkel von Mert Direktor einer Schule in Kuschadasi gewesen sein, die nach dem Putsch vom Juli 2016 geschlossen wurde. Der Onkel wurde festgenommen und dann unter Aufsicht freigelassen. Dieser Onkel soll Mert ermutigt haben, zur Polizei zu gehen. In der Wohnung des Attentäters soll zudem Literatur über Al-Kaida und die Gülen-Bewegung gefunden worden sein, was bei einem Mitarbeiter der Polizeiorgane eigentlich nicht erstaunen sollte. Man sollte seine Feinde kennen.

Wie man sieht, fehlt es an handfesten Belegen, die sind beim heutigen Stand der Justiz in der Türkei auch nicht erforderlich. Aber dass eine gewaltige Veränderung im Sicherheitsapparat des Staates stattgefunden hat, schildert der türkische Journalist Fatih Yaşlı sehr anschaulich in einem heute in Birgün veröffentlichten Artikel.


Das Schwert, mit dem Sultan Mehmet II Konstantinopel erobert hat

Der Eroberer-Marsch (Fetih Marşı)
Nur 24 Stunden vor der Ermordung des russischen Botschafters berichtete die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu Ajansı, dass die frisch ausgebildeten Beamten der Polizei-Sondereinsatztruppe Özel Harekat, die auch den Attentäter erschoss, zu ihrem Dienstantritt zuerst den Fetih Marşı gesungen und dann mit der Hand auf dem Koran den Amtseid abgelegt hätten.
Der Eroberer-Marsch wurde, hieran erinnert sich der Journalist noch, in den 1990er Jahren auf sämtlichen Parteiveranstaltungen der Refah Partisi und ihrer Nachfolgeparteien gesungen. Darin kommt der Refrain „Du bist im Alter, in dem Fatih Istanbul erobert hat“ vor. Fatih heißt Eroberer und ist ein Beiname von Sultan Mehmed II, der 1453 Istanbul (Konstantinopel) im Alter von 21(!) eroberte und damit dem Byzantinischen Reich ein Ende setzte. Ja, genau in dem Alter war Mevlüt Mert Altintas, der Mörder des russischen Botschafters, so dass der Journalist für seinen Artikel die Überschrift gewählt hat: „Du bist in dem Alter, in dem Mevlüt den russischen Botschafter ermordet hat.“ Auch die in Deutschland unrühmlich bekannte Bewegung Milli Görüş zählte den Eroberer-Marsch zu ihrem Arsenal. Jetzt also ist dieses Lied zum amtlichen Marsch der Polizei-Sondereinheiten geworden! Vor 20 Jahren, als Mevlüt Mert auf die Welt kam, waren diese Sondereinheiten fast zu 100% in der Hand der faschistischen MHP, die allerdings ganz andere Liedtraditionen hatte.

Das Problem ist der politische Islam
Die Zeiten haben sich gewandelt, schreibt Fatih Yaşlı. Inzwischen ist es zu einer Synthese des Islamismus mit dem Nationalismus gekommen, und keiner stellt mehr die Frage, wieso jetzt dieser Marsch zum Polizeimarsch wurde und in welchem Artikel der Verfassung oder in welchem Gesetz der Eid auf den Koran vorgesehen ist.
Der Autor weist auch auf das doppelzüngige Spiel der Regierungspartei hin. So hat die von der AKP gelenkte Presse in den Tagen vor dem Attentat eifrig auf Russland und den Iran als Verantwortliche für den Rauswurf von der Türkei gesponsorter Islamistengruppen in Aleppo gezeigt und die Stimmung angeheizt. Auf den folgenden Demos vor den Botschaften des Irans und Russlands in der Türkei wurden Plakate mit der Aufschrift „Mörder-Russland“ gezeigt, eine Gruppe kündigte an, demnächst mit der Fahne des Kalifats aufzukreuzen und zum Dschihad aufzurufen. Gleichzeitig handelt aber die türkische Regierung genau mit Russland, Iran und Syrien den Abzug dieser Einheiten aus Aleppo aus, ist also selbst Mitspieler. Das ist der Hintergrund, vor dem jetzt ein Polizist einer Spezialeinheit dem russischen Botschafter zuruft: „Wir haben nicht wie Sie Zivilisten in Syrien getötet“, „Vergesst Aleppo nicht“, „Vergesst Syrien nicht“. Und der arabische Vers, den Mevlüt Mert zitierte, ist besonders unter den an-Nusra-Anhängern verbreitet, die bislang von der Türkei in Syrien mit Waffen unterstützt wurden und ein Ableger von Al-Kaida sind.
Zu Recht bemerkt Fatih Yaşlı, dass es letztlich egal sei, ob der Täter von der Gülen-Bewegung, von an-Nusra oder einer anderen islamistischen Bewegung inspiriert gewesen sei. Das eigentliche Problem sei der politische Islam, der darauf abziele, die Türkei in einen religiösen Staat umzuwandeln.

http://www.birgun.net/haber-detay/mevlut-un-rus-elcisini-katlettigi-yastasin-140170.html
Mevlüt’ün Rus elçisini katlettiği yaştasın!
Fatih Yaşlı Fatih Yaşlı 20.12.2016 08:52
http://secim.haberler.com/2015/soke-secim-sonuclari/
http://www.hurriyet.com.tr/suikastcinin-annesi-duyunca-soka-girmis-40312554?_sgm_source=40312554&_sgm_campaign=scn_a0046116293a0000&_sgm_action=click
Suikastçının annesi duyunca şoka girmiş
AA 20 Aralık 2016 – 16:46Son Güncelleme : 20 Aralık 2016 – 18:09

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Ankara: Russischer Botschafter erschossen

Botschaften sind ein beliebtes Ziel für symbolische Handlungen – so die Besetzung der US-Botschaft in Teheran im November 1979. Diesmal galt der Anschlag dem russischen Botschafter Andrey Karlov in Ankara, als er eine Fotoausstellung eröffnete. Andrey Karlov hat übrigens auch als Russlands Vertreter in Nord- und Südkorea gearbeitet und verstand Koreanisch.
Die russische Zeitung Novaya Gazeta berichtete am 19.12.2016 um 19:15 vom Mordanschlag auf Andrey Karlov, den russischen Botschafter in Ankara. Die Zeitung berichtet weiter unter Berufung auf Habertürk, dass der Attentäter seit 2014 bei einer Spezialeinheit der türkischen Polizei gedient habe, im Rahmen der Entlassungswellen nach dem Putschversuch im Juli 2016 aber entlassen worden sei. Letzteres Detail geistert zwar auch durch andere Medien des ehemaligen Sowjetraums (z.B. in der georgischen Zeitung presa.ge), kann aber anhand der Meldung von habertürk (s.u.) nicht bestätigt werden. Nowaja Gazeta schreibt, der Todesschütze habe Allahu akbar und Sätze wie: „Vergesst Aleppo nicht, vergesst Syrien nicht!“ gerufen. Das Wort Dschihad fehlte natürlich auch nicht. Das persische Internetportal gooya.news ergänzt hierzu, dass der Attentäter einen arabischen Vers zitiert habe, den die Grabenkrieger des Islams in seinen Anfangszeiten auf ihren Lippen gehabt hätten:
„نحن الذین بایعوا محمداً علی الجهادِ ما حیینا ابداً“
Der Täter habe damit seine Gefolgschaft für Mohammad ausgedrückt (falls das sein wahres Motiv war, das wissen höchstens die, die ihn näher kennen…)
Novaya Gazeta erwähnt, dass einmal die Organisation Dschebhat an-Nusra und ansonsten die „FETÖ“ – wie die Glaubensgemeinschaft um den Prediger Fethullah Gülen in der staatlichen türkischen Propaganda genannt wird – als mögliche Täterorganisation hinter dem Attentat bezeichnet wurde. Novaya Gazeta zitiert weiterhin Reuters, wonach Fethullah Gülen den Mordanschlag verurteilt habe. Diese Meldung findet sich in den türkischen Medien nicht. Novaja Gazeta schreibt weiterhin, dass derzeit in der Türkei fast täglich Proteste gegen die russische Politik in Syrien (Krieg um Aleppo) stattfänden.

Was berichtet nun Habertürk?
Die Zeitung verweist zum einen auf das bevorstehende Treffen zwischen Vertretern Russlands, des Irans und der Türkei in Moskau zum Thema Syrien. Das Treffen werde nicht abgesagt. Die Zeitung schreibt weiter, dass der Attentäter die Polizeihochschule in Izmir nach zwei Jahren abgeschlossen habe. Und dann im Einzelnen: „Es wurde bekannt, dass in der Zeit, in der Mert Altintas (der jetzige Attentäter) in der Polizeihochschule aufgenommen wurde, das Erziehungsministerium in den Händen von FETÖ-Mitgliedern war, und dass in der Zeit, in der er seine Ausbildung erhielt, wie auch in der Zeit danach das unter- und übergeordnete Personal der Staatssicherheit sowie die Leute in seinem Umfeld unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der FETÖ aus ihrem Beruf ausgeschlossen wurden. Es wurde vorgebracht, dass Mert Altintas wie eine „schlafende Zelle“ innerhalb der FETÖ zu werten sei.“ (Das ist also die Quelle für seine angebliche Entlassung aus dem Staatsdienst).
Habertürk schreibt auch, dass der Vater des Attentäters, seine Mutter, seine Schwester und seine Gefährtin festgenommen worden seien. Der Vater arbeitet als Geselle auf Baustellen. Die Familie stammt aus Aydın, einer Provinz in der Westtürkei.
http://www.haberturk.com/gundem/haber/1338550-ankarada-silahli-saldiri
Rusya‘nın Ankara Büyükelçisi Andrey Karlov‘a silahlı saldırı
19 Aralık 2016 Pazartesi, 19:14:36 Güncelleme: 20 Aralık 2016 Salı, 00:01:46

Unschädlich gemacht
Interessant ist, wie die türkischen Amtspersonen auftreten, um von der Tötung des Attentäters durch die türkische Polizei zu berichten. Sowohl Ministerpräsident Binali Yıldırım wie das türkische Außenministerium erklärten, dass der Täter „in einen wirkungslosen Zustand versetzt“ worden sei, sprich er starb im Schusswechsel mit der Polizei. Die gleiche Floskel bekam man auch zu hören, als die Armee gegen die Grabenkämpfer in Diyarbakir und Mardin vorging. Denn der Staat ist ja gut und tötet niemanden…

Wie die türkische Internetzeitung diken am 19.12.2016 um 21:01 Uhr berichtet, hat der türkische Innenminister Süleyman Soylu Details über den Lebenslauf des Attentäters bekannt gegeben, der heute den russischen Botschafter in Ankara bei der Eröffnung einer Ausstellung in einer Galerie für zeitgenössische Kunst mit Schüssen in den Rücken erschoss. Es handelt sich um einen 22-Jährigen, der die Polizeihochschule in Izmir absolviert hat und seit zweieinhalb Jahren bei einer Spezialeinheit der Polizei in Ankara (Çevik Şube Müdürlüğü) Dienst tut. Reuters berichtet, er sei an diesem Abend nicht im Dienst gewesen.
Der Journalist Haşim Kılıç, der für Hürriyet arbeitet und bei dem Anschlag anwesend war, erklärte, dass der Botschafter seines Wissens nach nicht mit Leibwächtern herumzureisen pflegte und auch keinen Leibwächter dabei hatte. In der Kunstgalerie sei keine Polizei anwesend gewesen. Je nach Version heißt es, dass der Attentäter sich als Leibwächter des russischen Botschafters bezeichnet habe bzw. seine Polizeidienstkarte vorgewiesen habe, um in die Galerie eingelassen zu werden.
http://www.diken.com.tr/rusya-ankarada-silahli-saldiriya-ugrayan-buyukelci-karlov-hayatini-kaybetti/
Ankara’da silahlı saldırıya uğrayan Rus büyükelçi Karlov hayatını kaybetti
19/12/2016 21:01

Verbot in der Türkei für unabhängige Nachrichten und Kommentare
Der Radio- und Fernsehaufsichtsrat (RTÜK) gab laut einer Meldung von Habertürk bekannt, dass das Amt des Ministerpräsidenten bezüglich des Mordanschlags auf den russischen Botschafter eine Medienbeschränkung verhängt habe. Die Beschränkung umfasse alle Bilder, Filme und Kommentare, die nicht von amtlichen Stellen stammen.
Die Internet-Ausgabe der türkischen Zeitung Cumhuriyet berichtet um 22:34, dass nach dem Mordanschlag auf den russischen Botschafter in Ankara der Zugang zu Facebook, Instagram und Twitter erschwert sei und der Internetzugang sich verlangsamt habe.
http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/647873/Buyukelciye_suikast_sonrasi_internete_erisim_engeli.html#
Cumhuriyet 19.12.2016 22:34
Büyükelçiye suikast sonrası internete erişim engeli

weitere Quellen:
http://news.gooya.com/politics/archives/2016/12/221561.php
vom 29. Adhar 1395 (19.12.2016)
safire rusiye dar ankara be d.arbe golule koshte shod

https://www.novayagazeta.ru/articles/2016/12/19/70950-v-ankare-zastrelili-posla-rossii-v-turtsii
В Анкаре застрелили посла России в Турции Андрея Карлова
Москва назвала случившееся терактом
19:15 19. Dezember 2016

http://www.presa.ge/new/index.php?m=politics&AID=50987
ვინ იყო თავდამსხმელი, ვინც ანკარაში რუსეთის ელჩი მოკლა? (ფოტო 18+)
vin iqo tavdamsxmeli, vinc ank‘arashi rusetis elchi mok‘la?
22:49 19.12.2016

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Türkei: Straffreiheit für Vergewaltiger – Opfer heiraten

18 November 2016
Ein entsprechender Gesetzesvorschlag im türkischen Parlament, der Straffreiheit für Vergewaltiger vorsieht, wenn sie ihr Opfer heiraten – siehe die ai-Meldung unten, hat sowohl in der Türkei als auch im Iran heftige Wellen geschlagen. Die Iraner haben wenig Freiheit, ihre eigenen Machthaber zu kritisieren, also greifen sie Themen auf, die die Denkweise ihrer eigenen Herrscher widerspiegeln, und kritisieren sie im Nachbarland Türkei.


Polizei prügelt Bevölkerung, die gegen Straffreiheit für Vergewaltiger (im Fall der Heirat) auf die Straße geht

Proteste in der Türkei
In der Türkei hat dieser Gesetzesentwurf an vielen Orten zu Protesten geführt, und einmal mehr ist der Ausnahmezustand, den die Regierungspartei mit Unterstützung der sogenannten Opposition aus MHP und CHP nachträglich auch im Parlament absegnen ließ, ein willkommener Vorwand, Proteste zu verbieten und Demonstranten mit Tränengas und Polizeiprügeln zum Schweigen zu bringen, wie hier in Hopa, Provinz Artvin.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/istismar-onergesine-kolluk-kalkani-hopada-yurttaslara-polis-saldirdi/
İstismar önergesine ‘kolluk kalkanı’: Hopa’da yurttaşlara polis saldırdı
21/11/2016 17:45

Amnesty International
18. November 2016
Turkey: Proposal to free those convicted of sexual assault if they marry their victims must be rejected

In response to proposals submitted to the Turkish parliament that would potentially allow thousands of people convicted of sexual assault to be let out of jail if they marry the victim of their crime, Gauri van Gulik, Amnesty International’s Deputy Europe Director said:

“Suspending the sentence for any criminal offense, but in particular sexual assault, by offering the perpetrator to marry the victim can be dangerous, sends the wrong message and could lead to further abuse.”

“While the government claims these cases do not include any involving coercion, it is impossible in the case of a blanket suspensions to guarantee that there was in fact full and informed consent of the girl, not just of her family.”

According to news reports, Prime Minister Binali Yildirim said the aim of the proposal was to remedy the situation of men who are in jail and are married to women under the age of 18 in a religious ceremony and with the consent of their family. He said “it will end the victimhood of around 3,000 families”.

The proposal, which would apply to cases of sexual abuse that occurred before 16 November 2016, has attracted widespread condemnation and an online petition gathered over 500,000 signatures in less than 24 hours.

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Iran: Vom Sinn der Strafe

Wer sich mit dem Sinn von staatlichen Strafen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass die Todesstrafe nichts dazu beiträgt, dass die Menschen in einem Lande sicherer Leben, und dass Gericht und Gefängnis auch nicht unbedingt das Mittel der Wahl sind, unerwünschte Verhaltensweisen zu verhindern. Es gab Zeiten und Länder, in denen Alkohol verboten war, und trotzdem getrunken wurde, und gleiches gilt auch für andere Drogen der Neuzeit.
Im Iran sind Razzien gegen Jugendliche, die Alkohol trinken, oder Paare, die ohne Trauung zusammenleben, so häufig, dass sie meist nicht in den iranischen Medien veröffentlicht werden. Wieweit diese Razzien somit zur Abschreckung beitragen können, ist zweifelhaft. Wie kann mich etwas abschrecken, wovon ich nichts erfahren habe?

Die Wirkung von Strafe
Man kann natürlich auch schauen, wie die Strafen auf die Betroffenen wirken. In peykeiran ist jetzt ein Erlebnisbericht einer jungen Frau veröffentlicht, die von den Bassidschis mit Alkohol erwischt wurde, darauf verprügelt und gedemütigt wurde, indem man sie zwang, die Klos in der Bassidschi-Station zu putzen, die dann auf die Polizeiwache ging, um sich über die Misshandlung zu beschweren, was die Polizei gar nicht interessierte, die erkundigte sich nur nach der Herkunft des Alkohols, dann hatte sie eine 5-Minuten-Gerichtsverhandlung, auf der der Richter sie nur mit den Worten abwürgte – Halt’s Maul – (xafe shou), und dann erhielt sie eine saftige Geldstrafe und ein Urteil über 20 Peitschenhiebe.

Verletzung der Normen als Protest
Bei so viel Ungerechtigkeit sollte keiner erwarten, dass Jugendliche sich „bekehren“. Strafe erzeugt das Gefühl von Ohnmacht, Wut und Hass auf das System. In diesem Sinne erzieht die Islamische Republik die nächste Generation. Und es kann leicht passieren, dass diese Menschen die verbotene Handlung nun erst recht wiederholen, als Protest.

Quelle
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120155
vom 30. Aban 1395 (20. November 2016)
revayate hokme shalaq dar iran: sade-louh hastand agar fekr konand darse °ebrat shod, mashrub hala neshane
e°teraze man ast

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Iran: Die Basis der Macht – Erpressung


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: nicht islamisch verschleierte Frauen gehören ausgepeitscht

Am 16. Aban 1395, also am 6. November 2016, verstarb in Teheran im Alter von 84 Jahren der als islamischer Extremist bekannte Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni. Zur Schahzeit soll er mit Seyyed Modschtaba Nawwab Safawi zusammengearbeitet haben, dem Begründer der islamischen Terrorgruppe Dscham’iyate Fedayane Eslam (Vereinigung derer, die sich für den Islam aufopfern). Er war Abgeordneter im ersten Parlament der Islamischen Republik Iran nach der Revolution von 1979 und nach eigenen Angaben Ermittler (also Folterer) im Ewin-Gefängnis in Teheran. Er gehörte stets zu den massivsten Angreifern der Reformisten und schreckte auch vor Vorwürfen unter der Gürtellinie nicht zurück. Sein Tod wurde von Ajatollah Chamene’i entsprechend gewürdigt. Er sei ein mustergültiger Soldat im Kampf für den Islam gewesen.


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: in seiner Jugend

Bettgeschichten
So viel Moralismus wirkt als Herausforderung. Und die Historiker wurden fündig. So hat der SAVAK, der berüchtigte Geheimdienst des Schahs, eine Frau dazu benutzt, diverse Geistliche auf ihre Standfestigkeit zu testen. Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni gehörte zu denen, die sich einwickeln ließen. So wurden von ihm Aufnahmen gemacht, wie er mit einer Frau im Bett beschäftigt war, die nach eigenen Angaben verheiratet war. Nach der Auslegung der Scharia, die eben jener Hodschatoleslam Schodschuni verkündete, wäre das ein Grund für Steinigung, sowohl seiner selbst wie der Frau.

Versuch gescheitert
Als es darum ging, aus diesen Fotos politisches Kapital zu schlagen, geriet das Schahregime allerdings auf Glatteis. Der Geheimdienst wählte Hodschatoleslam Falsafi aus, der mit derselben Frau im Bett gewesen war, um Hodschatoleslam Schodschuni zu überzeugen, sich auf der Kanzel zu mäßigen, sonst würde man seine Fotos im ganzen Land verbreiten. Dazu merkte Hodschatoleslam Falsafi allerdings an, dass das Volk schon merken werde, dass die Fotos montiert seien und dass deren Veröffentlichungen den Zorn des Volks nur verdoppeln würde. Sprich: Der Schah scheiterte an der Redekunst der Geistlichen und an seiner eigenen Unglaubwürdigkeit. Wer glaubt schon Geheimdiensten?


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: am Sternenhimmel der Macht

Sieg der Revolution
Nach der Revolution fanden viele Leute vom Schlage Hodschatoleslam Schodschunis den Weg nach oben. Nicht ohne Grund: Ob Ajatollah Chomeini, ob Ajatollah Chamene’i, sie umgaben sich gern mit Menschen, deren Schwächen sie kannten. So waren sie erpressbar und willige Werkzeuge. Geradlinige Menschen mit eigener Überzeugung wie Ajatollah Montaseri oder Ajatollah Taleqani waren ihnen suspekt und wurden früher oder später entmachtet oder umgebracht. So ist es kein Wunder, dass Leute wie Haddad Adel unter Ajatollah Chamene’i aufstiegen, der früher mit dem Schahregime zusammengearbeitet hatte. Auch Sadegh Laridschani, bis kurz vor seiner Ernennung zum Oberhaupt der Justiz noch kein Ajatollah, gehört in die Kategorie. Dass er Geld im Wert von 250 Millionen Euro auf seinen Kontos bei der Iranischen Nationalbank hat, dürfte auch Ajatollah Chamene’i nicht verborgen geworden sein.


Hodschatoleslam Dscha’far Dschawad Schodschuni: sein Begräbnis

Ahmadineschad – ein gelehriger Schüler
Die Methode, kompromittierende Fakten über die Machthaber zu sammeln, übernahm auch Ahmadineschad in seiner Amtszeit als Präsident. Mit seinen Leuten im Geheimdienst ließ er auch den Apparat des Religiösen Führers bespitzeln und hat genügend belastendes Material über Modschtaba Chamene’i, den Sohn des Ajatollahs, über Haddad Adel, dessen Tochter mit Modschtaba Chamene’i verheiratet ist und der selbst ein enger Berater von Ajatollah Chamene’i ist, usw. Aus diesem Grund traut sich auch heute noch keiner an Ahmadineschad ran.

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AC%D8%B9%D9%81%D8%B1_%D8%B4%D8%AC%D9%88%D9%86%DB%8C
(abgerufen am 14.11.2016)

http://news.gooya.com/didaniha/archives/2016/11/220033.php
vom 22.11.2016
didani-ha: fesade axlaqiye hojaje eslam-ra behtar beshenasim

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Türkei: Meine Leichen, deine Leichen

Wir hatten berichtet: Am 4. November war in Diyarbakir ein Bombenanschlag auf das Gebäude der Staatssicherheit verrichtet worden, bei dem elf Menschen ums Leben kamen, etwa Hundert verletzt wurden und zahlreiche Wohnungen zerstört wurden. Reuters berichtete dann, dass der Islamische Staat die Verantwortung für den Anschlag übernommen habe, das Amt des Gouverneurs von Diyarbakir beschuldigte die PKK, später erschien dann auf der Webseite der TAK (Freiheitsfalken Kurdistans, einer PKK-Abspaltung) eine Erklärung, dass sie das Attentat verübt habe, und jetzt erscheint eine Zeitschrift, in der der Islamische Staat die Verantwortung erneut übernimmt, wie die türkische Nachrichtenseite diken.com.tr am 11 November 2016 unter Berufung auf sputnik-news berichtete. Sputnik-News erscheint in verschiedenen Sprachen, unter anderem auf Türkisch, und ist ein Nachfolger der Agentur RIA-Novosti. Sie dient der russischen Regierung dazu, ihre Versionen der Geschehnisse im Ausland unters Volk zu bringen.


auf sputnik veröffentlichtes Bild der Titelseite von Rumiyah, türkische Ausgabe 3

Rumiyah (Rom, Ost-Rom = Byzanz = Konstantinopel = Istanbul)
Über die erste Ausgabe der IS-Zeitschrift Rumiyah auf Türkisch hatten wir schon berichtet, hier handelt es sich um Nummer 3. Die deutsche Version hat offensichtlich andere Inhalte, wie eine Internetsuche ergab. Der Zugang zur türkischen Version der Zeitschrift Rumiyah erschien bei einer entsprechenden Suche im Internet, beim Versuch, die pdf-Datei herunterzuladen,verschwand jedoch das hier abgebildete Bild und der Computer blieb hängen. Beim zweiten Anlauf klappte es. Dort finden sich u.a. folgende Äußerungen:
„Greift die Mitglieder von Erdoğans Partei, ihre Unterstützer, ihre Helfer und die Mitglieder der anderen Parteien, die mit dieser Partei befreundet sind, an! Und während ihr diese Abtrünnigen angreift, vergesst nicht, zugleich auch wo immer ihr seid die Staatsangehörigen der Kreuzritter-Staaten umzubringen. Tötet sie so, dass es ihren Hinterbliebenen eine Lehre sein wird. Auf diese Weise werdet ihr eure Brüder rächen.“
(Erdoğan’ın parti üyelerine, destekçilerine, yardımcılarına ve onunla dostluk kuran diğer partilerin üyelerine saldırın! Bu mürtedlere saldırırken de aynı zamanda haçlı ülkelerinin vatandaşlarını bulduğunuz yerde öldürmeyi de ihmal etmeyin. Onları öyle öldürün ki; arkalarında kalanlara ibret olsunlar ve böylece sizler kardeşlerinizin intikamını almış olursunuz.)
Unklar bleibt, wer diese Zeitschrift betreibt. Geld dafür hat der IS, Fachleute auch, aber wer eine Webseite wirklich betreibt, ist bestenfalls für Institutionen mit besonderen Zugriffsrechten feststellbar.


der Zugang zur IS-Zeitschrift Rumiyah – beim 1. Download blieb der Computer hängen, beim 2. klappte es

Den Meldungen zufolge soll der Islamische Staat jedenfalls dazu aufgerufen haben, Mitglieder der türkischen Regierungspartei AKP, türkische Richter und Polizisten zu ermorden und hart gegen die „abtrünnigen“ türkischen Soldaten vorzugehen. Die Bewegung von Fethullah Gülen bezeichnet der IS als tağut und kafir.

taghut – Erklärung im persischen online-Wörterbuch parsi.wiki (von Dehkhoda)

tağut
Dieses Wort klingt in iranischen Ohren.
Als taghuti bezeichneten die iranischen Islamisten die Regierung des Schahs. Es bezeichnet jemanden, der Götzen anbetet und andere vom rechten Weg des Glaubens abbringt. Das Wort spielte in der Verfolgung von Gegnern nach der Machtergreifung durch Ajatollah Chomeini (Februar 1979) eine wichtige Rolle.
Jetzt taucht es also in der türkischen Form beim Islamischen Staat auf. Wenn man auf Türkisch im Internet nach der Bedeutung des Worts sucht, findet man an vorderster Stelle folgende Erklärungen:
tağut: Jemand, der geil, verdorben, führend in Schlechtigkeit und Verdorbenheit ist, Despot, Schaitan, Götze, Götzentempel, Wahrsager, Zaubrer. Alle Institutionen und Personen, die den Geboten GOTTES den Rücken kehren. Sein Infinitiv Tuğyan, der von der arabischen Wurzel Teğa gebildet wurde, bedeutet so viel wie Aufstand gegen GOTT den Erhabenen.
(TAĞUT: Azgın, sapık, kötülük ve sapıklık önderi, zorba, şeytan, put, puthane, kâhin, sihirbaz. ALLAH‘ın hükümlerine sırt çeviren kişi ve kuruluşların tümü. Arapça „Teğa“ kökünden türetilmiş olup kelimenin masdarı olan „Tuğyan“ ALLAH Teâlâ‘ya isyan etmek anlamına gelmektedir. (…))
Und wenig später kommt der Verfasser auch auf die politische Auslegung dieses Begriffs zu sprechen:
Die heute auf Erden Macht ausübenden Regime (POLITIK) sind alles Menschen-Regime und beschließen ihre Gebote selbst. Indirekt stehen sie damit in Opposition zu den Geboten GOTTES. In diesem Fall werden alle diese Regime als tağut bezeichnet. Selbst die demokratischen und laizistischen Regime, die den Massen als „attraktivste und am meisten akzeptable Regime“ vorgestellt werden, gehören zur Sorte der tağut.
(Bugün yeryüzünde yürürlükte olan rejimlerin(SİYASET) hepsi, beşerî rejimlerdir ve hükümlerini kendileri koymaktadırlar. Dolayısıyla da ALLAH (c.c)‘ın hükümlerine muhalefet etmektedirler. O halde bu rejimlerin hepsi „tağut“ olarak isimlenir. Hatta kitlelere „en cazip ve hüsn-ü kabul gören bir rejim“ olarak tanıtılan demokratik ve lâik rejimler de tağut hükmündedir.)

Sunnit – Schiit – die islamistische Auslegung deckt sich
Wer in Deutschland mit Menschen diskutiert, die bemüht sind, die gewalttätigen und intoleranten Auslegungsversionen des Islams unter den Tisch zu kehren, macht namentlich als Iraner immer wieder die Erfahrung, dass bei konkreten Beispielen mit Erfahrungen aus dem Iran die Antwort kommt: Ja, das ist bei den Schiiten so, aber nicht bei den Sunniten. So, als hätten die Schiiten einen anderen Koran und andere Hadise. Am Beispiel des Propagandabegriffs tağut kann man dagegen deutlich erkennen, dass die Denk- und Argumentationsweise sich deckt. Wer auf diesen Gleisen weiterfährt, endet in einem Regime, wie es seit 1979 im Iran herrscht. Dieser Zug endet in einer blutigen Sackgasse, egal ob mit sunnitischer Rhetorik wie beim IS oder schiitischer wie bei den Ajatollahs.

Quellen:
http://www.diken.com.tr/isid-diyarbakirdaki-saldiriyi-bir-kez-daha-ustlendi-ve-emir-verdi-akp-uyelerini-oldurun/
IŞİD, Diyarbakır’daki saldırıyı yine üstlendi ve emir verdi: AKP üyelerini öldürün
11/11/2016 19:43

https://tr.sputniknews.com/ortadogu/201611111025767009-isid-turkiyedeki-militanlarina-ak-partilileri-oldurma-cagrisi-yapti/
IŞİD, Türkiye‘deki militanlarına AK Parti‘lileri öldürme çağrısı yaptı
Ortadoğu 18:38 11.11.2016(Güncellendi 18:40 11.11.2016) URL‘yi kısaltın Hikmet Durgun

Erklärung der Bedeutung von ta:ghut. auf Persisch (online-Wörterbuch von Dehkhoda)
http://www.parsi.wiki/fa/wiki/topicdetail/3ba6fcb15fa3434f958b4b9010dc6279

Erklärung der Bedeutung von tağut auf einer türkischen Webseite
https://www.frmtr.com/islam-ve-insan/2988450-tagut-nedir-mutlaka-okuyun-cok-onemli.html
Eski 24-08-09, 12:49 #1
ankara_bjk ankara_bjk çevrimdışı
Varsayılan TAĞUT Nedir?(MUTLAKA OKUYUN ÇOK ÖNEMLİ)

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Iran: Hassmord an Baha’i


Farhang Amiri, wegen seines Glaubens in Jasd ermordet

Farhang Amiri, ein Angehöriger der Glaubensgemeinschaft der Baha’i, wurde vor etwa einem Monat in Jasd (Zentraliran) von zwei Männern vor seinem Haus ermordet. Die Männer, zwei Brüder, hatten unter einem Vorwand das Gespräch gesucht, der eine hielt ihm dann den Mund zu, während der andere ihn mit dem Messer tödlich verwundete. Farhang Amiri erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen.
Die Mörder, die verhaftet wurden, beriefen sich für ihr Tun auf den Koran, ohne auch nur sagen zu können, auf welchen Koranvers sie sich dabei beziehen. Wie die Eltern der Mörder berichteten, hatten sie bemerkt, dass die Söhne in fundamentalistisches Fahrwasser gerieten und auch den Geheimdienst informiert, er solle ein Auge auf sie haben.
Das einzige, was der iranische Staat im Vorfeld geleistet hat, waren Hausdurchsuchungen beim Opfer. Nach der Ideologie der iranischen Mollas sind Baha’is unrein und rechtlos, seit dem Sieg der iranischen Revolution sind schon eine ganze Reihe Baha’is umgebracht worden.
http://www.iran-emrooz.net/index.php/news1/65526/
vom 26.10.2016, 23:19
joz’iyati az qatle farhange amiri, shahrwande baha’i dar yazd

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Iran: Im Paradies für Männer

Für die Männer gibt es im Paradies laut dem Koran Sure 52 (at-Tus – der Berg) nicht nur großäugige Jungfrauen (Huri genannt) (in Vers 20 der Sure 52), sondern sie werden von Jünglingen mit Früchten, Fleisch und Getränken versorgt.

Sure 52, Vers 24 – deutsch

Zu diesen Jünglingen lautet eine deutsche Internet-Übersetzung:
Sure 52, Vers 24: Und unter ihnen gehen Jünglinge umher, die zu ihnen gehören, als wären sie wohlverwahrte Perlen.
Quelle: http://islam.de/13827.php?sura=52
(Von den Frauen im Paradies ist hier nicht die Rede…)


Das arabische Original, mit Lautzeichen und Punkten, die in frühen Fassungen des Korans noch nicht existierten

Sure 52, Vers 24 – englisch

Englische Übersetzungen dieser Stelle sind online zahlreich verfügbar, hier sieben Versionen auf dem Quranic Arabic Corpus
Verse 52:24

Sahih International: There will circulate among them [servant] boys [especially] for them, as if they were pearls well-protected.
Pickthall: And there go round, waiting on them menservants of their own, as they were hidden pearls.
Yusuf Ali: Round about them will serve, (devoted) to them, young male servants (handsome) as Pearls well-guarded.
Shakir: And round them shall go boys of theirs as if they were hidden pearls.
Muhammad Sarwar: They will be served by youths who will be as beautiful as pearls.
Mohsin Khan: And there will go round boy-servants of theirs, to serve them as if they were preserved pearls.
Arberry: and there go round them youths, their own, as if they were hidden pearls.

http://corpus.quran.com/translation.jsp?chapter=52&verse=24

Sure 52, Vers 24 – türkisch
Eine türkische Übersetzung lautet:

24- Kendileri için (hizmet eden) civanlar, etrafında dönüp dolaşırlar; sanki (her biri) ‘sedefte saklı inci gibi tertemiz, pırıl pırıl.’
Für sie (dienende) Jünglinge, die um sie herum hin- und her gehen; als wäre (jeder einzelne) wie eine in der Muschel verborgene Perle rein und glänzend.
http://www.turkcekuran.net/52-tur-suresi/

Sure 52, Vers 24 – persisch

Und hier der oben abgebildete persische Koranlehrer Gharaati aus dem Iran:
Er berichtet den Zuhörern mit Verweis auf diese Koranstelle, dass die Männer im Paradies von hübsch aussehenden Jungen bedient werden, die nur ihnen zur Verfügung stehen, da werde einem das Essen noch mehr schmecken.
Der Herr ist nicht irgendwer: Zur Schahzeit war er Religionslehrer (Islamische Lehre) an einer Oberschule, ein beliebter Kollege, auch wenn keiner genau wusste, wie es um seine Beziehungen zum Geheimdienst SAVAK stand. Später gründete er in der Moschee einen „Islamischen Verein“, das sind Gremien, die unislamisches Verhalten ausforschen, was für die Betroffenen schwere Folgen haben kann, bis hin zum Arbeitsplatzverlust und Haft.
Nach der Revolution von 1979 stieg er zum Koranlehrer der Nation auf, indem er im staatlichen Rundfunk und Fernsehen (Seda wa Sima) den Koran unterrichtete.
Inzwischen ist er ein betagter, angesehener Lehrer, der mehrmals wöchentlich im staatlichen Fernsehen den Koran auslegt…

Quelle für den Film:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=118771

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Iran – Kurdistan: Männer dürfen keine Frauenkleider nähen

Was die Schaffung von Arbeitsplätzen für die jährlich über 1 Million junger Menschen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen, angeht, ist der Iran gewiss kein Spitzenreiter. Das Land – genauer gesagt, die herrschende Elite – hat ganz andere Probleme. So verkündete jetzt der für Kurdistan zuständige Sekretär des Stabs zur Umsetzung der Einhaltung des (islamisch) Gebotenen und zur Unterbindung des (islamisch) Verbotenen (Setade Ahyaye Amr be Ma°ruf wa Nahy az Monker), Herr Mahmud Allahmoradi: „Im Schneidergewerbe haben wir Probleme. Denn manchmal nehmen Herren das Maß für Frauenkleider und nähen diese. In diesem Monat fand deshalb eine Sitzung mit den Berufsverbänden der Provinz Kurdistan unter Anwesenheit der Sicherheitskräfte der Provinz statt.“ Das Ergebnis ist das, was wir in der Überschrift lesen.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=117956
mamnu°iyate duxte lebase zanane tawassote xayyatane mard dar kordestan
vom 19. Mehr 1395 (10. Oktober 2016)

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Iran: 6 Jahre Gefängnis für unveröffentlichte Erzählung


Golroch Ebrahimi

Am Donnerstag, den 6. Oktober 2016, machte Amnesty International in einer Erklärung darauf aufmerksam, dass die iranische Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Golroch Ebrahimi demnächst für eine Erzählung ins Gefängnis kommt, die noch nicht einmal gedruckt wurde. Die Erzählung behandelt das Thema Steinigung. Golroch Ebrahimi wurde deshalb u.a. wegen der „Beleidigung von Dingen, die dem Islam heilig sind“ zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt und soll demnächst ihre Gefängnisstrafe antreten.

http://www.radiofarda.com/a/o2-rb-amnesty-international/28036360.html
°afw beyn ol-melal: golrox ebrahimi baraye dastani cap nashode be zudi rawaneye zendan mi shawad
vom 15. Mehr 1395 (6. Oktober 2016)

http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-174-2013-2/ehepaar-haft
Iran
UA-174/2013-2 Index: MDE 13/2520/2015 28. September 2015
Herr ARASH SADEGHI
Frau GOLROKH EBRAHIMI IRAEE

https://www.amnesty.org/en/latest/news/2016/10/iran-writer-facing-imminent-imprisonment-for-story-about-stoning/
Iran: Writer facing imminent imprisonment for story about stoning
6 October 2016, 11:36 UTC

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Iran: Von der Party in den Knast


In den beiden Städten Nejschabur und Maschhad in der Region Chorasan wurden von den Bassidschi-Milizen laut iranischen Pressemeldungen 46 Menschen in Haft genommen, die an zwei „illegalen nächtlichen Partys“ teilgenommen hatten. Sie hätten Alkohol konsumiert und illegale Beziehungen untereinander gehabt.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/10/218306.php
vom 12. Mehr 1395 (3. Oktober 2016)
46 nafar dar xorasan-e razavi bazdasht shodand

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Türkei: Erst war das Kopftuch verboten, jetzt der Short


Protest in Istanbul

Die Krankenschwester Ayşegül Terzi war in Istanbul verprügelt worden, weil sie im städtischen Bus eine kurze Hose (Short) trug. Das führte an vielen Orten zu Protesten, so wie hier vor dem Beşiktaş Kartal-Denkmal in Istanbul, wo auch die Väter aus Protest Shorts anzogen.
Die Zeitung Birgün hat einige der teilnehmenden Frauen befragt. Mucize Ayrık erklärte: „Es hieß doch immer, dass der Islam eine tolerante Religion sei. Tatsächlich wird die Religion aber missbraucht und das lässt meine Begeisterung abkühlen. Der Islam ist schließlich keine Religion, anderen etwas mit Gewalt aufzuzwingen und ihnen den Kopf abzuschneiden“, sagte sie. Sie fuhr fort: „In den heiligen Büchern sind immer die Männer an erster Stelle. Heißt das, dass die Bücher nach den Interessen der Männer geschrieben wurden? Warum soll ich mich verhüllen? Damit die Männer nicht von den Reizen verführt werden? Dann könnte ich doch als Frau auch von den Reizen eines Manns verführt werden, dann sollen sich auch die Männer verhüllen. Bin ich dann gezwungen, mich zu verhüllen, bloß weil die Männer es wollen?“

http://www.birgun.net/haber-detay/carsi-da-kadinlardan-sortlu-protesto-129332.html
Çarşı’da kadınlardan şortlu protesto
26.09.2016 08:27

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Iran: Ajatollah Hadsch-Scheich Hossein Arab kritisiert Ajatollah Dschannati


links im Bild Ajatollah Dschannati, Vorsitzender des Wächterrats und zugleich des Expertenrats, rechts Ajatollah Hadsch-Scheich Hossein Arab

Ajatollah Dschannati gehört zu den sogenannten Fundementalisten innerhalb der iranischen Geistlichkeit. Er hatte am 10. September in seiner Freitagspredigt den verstorbenen Ajatollah Montaseri als naiv bezeichnet, ein beliebtes Vorgehen der islamistischen Machthaber, die es nicht ertragen konnten, dass Ajatollah Montaseri ihr brutales Vorgehen gegenüber den Gefangenen kritisierte.
Jetzt hat einer von Montaseris Schüler, Ajatollah Hadsch-Scheich Hossein Arab, der in Kaschan Theologie-Unterricht der obersten Stufe erteilt, in einem Brief an Ajatollah Dschannati gegen diese Schmähung des Verstorbenen protestiert. Er fordert Ajatollah Dschannati deshalb erneut zu einem theologischen Streitgespräch auf, worauf der Angesprochene aber schon früher nicht einging. Er fragt auch, wie es kommt, dass Ajatollah Dschannati einen so vulgären und plumpen Mann wie Ahmadineschad bis zur letzten Minute unterstützte.
Auch macht er Ajatollah Dschannati zum Vorwurf, dass dieser zum Anlass des Todes des Königs von Saudi-Arabien nicht etwa sein Beileid geäußert hat, wie dies den islamischen Sitten entspricht, sondern seine Glückwünsche geäußert hat!
Der Schreiber kritisiert auch das unfaire Vorgehen von Ajatollah Dschannati in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Wächterrats, Kandidaten vor den Wahlen aufgrund von Verleumdungen und unbelegter Vorwürfe ohne Anhörung der Beschuldigten von der Wahl auszuschließen.
Als besonders ungerecht empfindet es Ajatollah Hadsch-Scheich Hossein Arab, dass Ajatollah Dschannati in seiner Freitagspredigt den verstorbenen Ajatollah Montaseri wegen seiner Kritik am Gefängnismassaker von 1988 angegriffen hat. Der Rechtsgelehrte schreibt Ajatollah Dschannati ins Stammbuch: „Sie sind es, die sich am Tage des Jüngsten Gerichts für dieses ungerechte und unfaire Urteil (gegen die Gefangenen) verantworten müssen, nicht Ajatollah Montaseri.“
Klare Worte an die Adresse eines Mörders.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/09/217306.php
vom 20. Schahriwar 1395 (10. September 2016)
name-ye shagerde ayatollah montazeri be ayatollah jannati

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