Archiv der Kategorie 'Kurdistan'

Kurdistan (Irak): Gemeinsamer Aufmarsch von Iran und Türkei

Unter Berufung auf eine Quelle namens yuronyuz Euro-News berichtet das Internetportal gooya.com, dass die Streitkräfte der iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) einen Tag vor dem Unabhängigkeitsrefendum in der Kurdischen Autonomie im Nordirak im irakisch-iranischen Grenzgebiet Kriegsübungen abhalten. Laut der iranischen Agentur Tasnim finden die Manöver in den Regionen Kurdestan und West-Aserbaidschan statt. Lokale Quellen berichten dagegen schlicht und einfach von der Bombardierung grenznaher Dörfer in der Kurdischen Autonomie. Die PUK (kurdische Partei im Irak) berichtete am 24. September, dass 6 Dörfer im Gebiet Balkayti und Hadsch Omran in der Provinz Arbil von der iranischen Artillerie bombardiert wurden. Auch die Nachrichtenagentur Kordpa, die der Demokratischen Partei Kurdistans Iran nahesteht, berichtete von einer Beschießung der kurdischen Dörfer im Nachbarland durch die Artillerie der Pasdaran. In der Meldung von Kordpa sind die Gebiete Balkayti und Sidkan als Zielpunkt der Beschießung genannt.
Menschen seien dabei nicht ums Leben gekommen. In den letzten Tagen hätten die Streitkräfte der Pasdaran zudem schwere Waffen nach Oschnawiye (iranische Grenzstadt) verlegt.
Die amtlichen iranischen Stellen schweigen sich bislang über den nicht erklärten Krieg aus. Mohammad Pakpur, einer der oberen Befehlshaber der Pasdaran-Kräfte, sprach vor Ort davon, dass dieses Gebiet in der Vergangenheit mit Vorliebe von konterrevolutionären Kräften aufgesucht worden sei. Die Gegend sei jetzt von diesem konterrevolutionären Gesindel gesäubert worden.
Auch die „Militärmanöver“ der Türkei an der türkisch-irakischen Grenze halten noch an.

http://news.gooya.com/2017/09/post-7719.php
vom 24. September 2017
golule-barane manateqe marziye kordestane °eraq hamzaman ba razmayeshe sepah

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Kurden im Irak, Iran und der Türkei

Im Iran bilden die Kurden in drei Regionen – Kurdestan, West-Aserbaidschan und Kermanschah – eine kompakte Bevölkerungsgruppe. Aufgrund der Siedlungspolitik der Qadscharen-Dynastie und später von Resa Schah findet man Kurden aber auch in den Regionen Ilam, Hamedan, Lorestan, Chusestan, Gilan, Masenderan, Qaswin, Teheran, Isfahan, Fars, Chorassane shomali, Chorassane rasawi, Kerman, sowie Sistan und Balutschistan. Allein in den ersten drei Regionen beträgt ihre Zahl 7 Millionen (Quelle?). Die Kurden, die heute in Syrien, Irak und der Türkei leben, standen einst unter der Herrschaft des Osmanischen Reichs. Hinzu kommen noch kurdische Gruppen in Aserbaidschan, Armenien, Usbekistan und Tadschikistan.
Die Zahl der Kurden in der Türkei wird auf 23 Millionen geschätzt (von wem?).
Die Zahl der Kurden in der Kurdischen Autonomie im Nordirak beträgt 5 Millionen. In der kurdischen Autonomie leben aber auch andere Bevölkerungsgruppen: Turkmenen, Armenier, Araber, christliche Assyrer etc.
Die Angabe zu Syrien in diesem Artikel ist ? Prozent der Bevölkerung von 20 Millionen. Das Fragezeichen steht hier, weil der Originaltext an dieser Stelle einfach leer ist. Stattdessen treffen die Verfasser die Vorhersage, dass Iran, Türkei und Irak die Minderheiten in der Kurdischen Autonomie aufhetzen werden, um dort im Falle der Unabhängigkeit einen Bürgerkrieg anzuzetteln.
http://www.pyknet.net/1396/06mehr/02/page/kurds.php

vom 2. Mehr 1396 (24.09.2017)
be monasebate hame-porsiye esteqlal dar kordestane °eraq
chand milyun kord dar iran, torkiye, °eraq wa suriye‘and?

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Iran: Sperrung der Flüge von und zur Kurdischen Autonomie Irak

Der Hohe Rat für Nationale Sicherheit des Irans hat die Luftgrenze zur Kurdischen Autonomie des Iraks auf Ersuchen der irakischen Zentralregierung geschlossen. Laut einer BBC-Meldung wurden die Flüge aus dem Iran nach Suleymaniye und Arbil sowie die Flüge, die aus dem Gebiet der Kurdischen Autonomie in den Iran führen, gestrichen.
Bei der Bekanntgabe dieses Beschlusses sprach Keyvan Khosravi (Keywan Chosrawi), der Sprecher des Hohen Rats für Nationale Sicherheit des Irans, von „wohlmeinenden politischen Bemühungen des Irans“, um das Referendum über die kurdische Unabhängigkeit, das am 25.09.2017 in der Kurdischen Autonomie des Iraks abgehalten wird, zu verhindern.

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=137809
vom 2. Mehr 1396 (24. September 2017)
iran marze hawa‘i ba kordestane °eraq-ra bast

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Iran und Türkei: Klares Nein zu unabhängigem Kurdistan im Irak


Ali Schamchani, der Sekretär des Hohen Nationalen Sicherheitsrats der Islamischen Republik Iran

Ali Schamchani, der Sekretär des Hohen Nationalen Sicherheitsrats der Islamischen Republik Iran hat am Sonntag, den 17. September, also eine Woche vor dem Unabhängigkeitsreferendum in der Kurdischen Autonomie im Nordirak, deutlich gemacht, was für eine Haltung die iranischen Machthaber einnehmen. Sollte die Kurdische Autonomie im Nordirak ihre Unabhängigkeit vom Irak erklären, werde der Iran sämtliche militärischen und Sicherheitsabkommen mit den nordirakischen Kurden annullieren. Außerdem werde der Iran sämtliche Grenzübergänge zum Nordirak schließen und werde noch ganz anders als bisher gegen alle Kräfte vorgehen, die in Gegnerschaft zur iranischen Regierung stehen.

Hier werden keine Häuser gebaut und keine Felder bestellt…
Parallel dazu hält die türkische Armee an der irakischen Grenze in der Region Silopi-Habur Militärmanöver ab, deren Ende sie offen lässt. Bei diesem Manöver werden über 100 Militärfahrzeuge eingesetzt. Mit Baggern wurden Stellungen ausgehoben und Kanonen in Schussstellung gebracht. Die Kanonen zielen auf die Hayırsız dağları (türkische Bezeichnung einer Bergkette im Nordirak).

…sondern Kanonen in Stellung gebracht

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=82189
vom 26. Schahriwar 1396 (17. September 2017)
tahdide sarihe jomhuriye eslami °aleyhe referandom dar kordestane °eraq

http://www.diken.com.tr/irak-sinirindaki-tatbikattan-detaylar-obusler-ve-fuze-bataryalari-mevzilendi/
vom 18/09/2017 20:09
Irak sınırındaki tatbikattan detaylar: Obüsler ve füze bataryaları mevzilendi

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Bane (Kurdistan/Iran): Grenzbataillon erschießt 2 Lastenträger


Wie iranische Medien berichten, haben heute Angehörige des iranischen Grenzbataillons zwei kurdische Lastenträger in Bane (Mantaqeye Bazare Bane – Marktgebiet Bane) erschossen. Die Medien sprechen von „tirandazi“ (Schusswechsel), es steht aber keineswegs fest, dass die Lastträger bewaffnet waren oder geschossen hätten. Der Vorfall wurde vom örtlichen Abgeordneten auch im iranischen Parlament zur Sprache gebracht. Die Lastenträger sind im iranisch-irakischen Grenzgebiet tätig und bringen Ware aus dem Irak auf dem Rücken (manche auch auf Reittieren) in den Iran. Schon die Naturgefahren machen den Weg lebensgefährlich, aber selbst wenn die Gefahren überstanden sind, lauert immer noch der Staat. Detaillierte Informationen über den Vorfall sind noch nicht zugänglich, die Angehörigen der beiden Erschossenen haben heute jedenfalls vor dem Amtssitz des Chefs der Sicherheitsorgane von Bane (Farmandari) demonstriert.

http://www.jamnews.ir/detail/News/827064
vom 13. Schahriwar 1396 (4. September 2017)
koshte shodane do kulebare bane‘i dar tirandaziye hange marzi

https://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=136432
vom 13. Schahriwar 1396 (4. September 2017)
tajammo°e xanewadehaye kulebaran motewaffiye bane‘i moqabele farmandari

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Irak: Unabhängigkeitsreferendum in der Kurdischen Autonomie-Region

Rahe Kargar (Weg des Arbeiters) ist eine iranische Oppositionsgruppe, die schon zur Schahzeit existierte und auch in der Kurdischen Autonomie im Irak ihre Leute hat. Sie ist der iranischen Linken zuzuordnen.
Das Exekutivkomitee dieser Organisation hat am 28. August 2017 eine Erklärung zum Unabhängigkeitsreferendum im Nordirak herausgegeben. Zuerst weist Rahe Kargar darauf hin, dass sie für das Recht der Nationalitäten eintritt, ihre Unabhängigkeit zu erklären. Das bedeute aber nicht, dass dies unbedingt ein Ziel sein müsse. Wer für das Recht auf Scheidung sei, vertrete auch nicht unbedingt die Meinung, dass alle Ehen geschieden werden müssten. Dieses Recht sorge aber dafür, dass die Beteiligten aufgrund gemeinsamen Einverständnisses zusammen leben und nicht unter Zwang. Was die Umstände des Unabhängigkeitsreferendums in der Kurdischen Autonomie (Irak) angeht, das am 25. September stattfinden soll, erklärt das Exekutivkomitee folgendes.

Kurdische Autonomie im Irak
Zum ersten seien die Rechte, über die die Kurdische Autonomie im Irak verfüge, beachtlich. Sie hätten eine eigene Armee, was in Föderalen Systemen nur selten zu finden sei, sie hätten ihren Anteil an den Erdöleinnahmen, sie hätten ihre Minister in der irakischen Zentralregierung, ihre eigene Regierung mit einer eigenen Außenpolitik und anderes mehr. Der Anteil an den Erdöleinnahmen habe zu einem Boom im Nordirak geführt, der allerdings kaum zur Entwicklung von Industrie und Landwirtschaft genutzt wurde. Die Erdölgelder seien hauptsächlich in den Import von Konsumgütern und eine Steigerung des Lebensstandards gegangen. Der Konflikt zwischen den beiden herrschenden Sippen der Barsanis und Talebanis sei nach mehreren Jahren bewaffneter Konflikte mit Tausenden von Toten) im Jahr 2007 so gelöst worden, dass die Barsanis die politische und wirtschaftliche Vormacht im irakischen Kurdistan erhalten hätten, während Talebani den Posten als Präsident der Republik Irak erhalten habe. Der Einbruch des Erdölpreises habe dazu geführt, dass die Kurdische Autonomie gegenüber dem Zentralstaat den Anspruch erhoben habe, das Erdöl aus seinem Gebiet direkt zu verkaufen – meist in die Türkei. Die Einnahmen wurden zwischen den Sippen der Barsanis und Talebanis aufgeteilt, während die Einkommen in der Bevölkerung drastisch sanken und der Abstand zwischen Arm und Reich immer größer wurde. Das führte zu gestiegener Unzufriedenheit und Protesten der Bevölkerung.

Unterdrückung
Die Antwort der kurdischen Machthaber bestand darin, die Unterdrückung zu verstärken. Seit 2015 ist das kurdische Parlament in Arbil de facto suspendiert. Masrur Barsani, der Leiter des kurdischen Sicherheitsapparats, wird vorgeworfen, seine Gegner im Gefängnis misshandeln zu lassen und Personen, die nicht bereit waren, ihm einen Anteil an ihren Firmen zu überschreiben, foltern zu lassen. Kamal Sa°id Qadir wurde 2005 verhaftet, weil er kritische Artikel über die Barsani-Sippe veröffentlicht hatte, und in einer 15 Minuten dauernden „Gerichtsverhandlung“ zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Aufgrund des Drucks der öffentlichen Meinung kam er zwar wieder frei, aber im Februar 2008 erhob Kamal Sa°id Qadir in Wien gegen Masrur Barsani und fünf seiner Leibwächter den Vorwurf, ein Attentat auf ihn vorbereitet zu haben. Die Staatsanwaltschaft von Wien lehnte Ermittlungen allerdings ab. Im Jahr 2010 wurde Sardascht Othman, ein kurdischer Satiriker, der in der Zeitschrift Aschtiname über die Korruption der Barsani-Sippe berichtete, entführt und dann später mit gefesselten Händen tot aufgefunden.

Unabhängigkeit statt Freiheit und Entwicklung
In diesem Kontext erscheint das Unabhängigkeitsreferendum nur als ein Trick der machthabenden Elite, wieder etwas Unterstützung in der kurdischen Bevölkerung zu gewinnen und den wirtschaftlichen Niedergang zu übertünchen. Kritiker des Referendums werden in der Kurdischen Autonomie des Iraks gleich als Verräter abgetan. Das Referendum dient somit nur dazu, von den eigentlichen Problemen abzulenken und die Herrschaft der Barsanis zu verlängern.

Quellen:
http://www.rahekargar.net/browsf.php?cId=1090&Id=42&pgn=
vom 6. Schahriwar 1396 (28.08.2017)
bayaniyeye hey‘ate ejra‘iye sazemane kargarane enqelabiye iran (rahe kargar)
dar bareye hame-porsiye esteqlale kordestane °eraq

http://derstandard.at/1219060203883/Kurdischer-Regimekritiker-berichtet-von-Ueberfall-in-Wien
vom 20. August 2008, 13:40
Kurdischer Regimekritiker berichtet von Überfall in Wien
Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen gegen Barzani-Sohn ab: Beweislage „zu dünn“

http://alischirasi.blogsport.de/2015/10/26/der-niedergang-des-kurdistans-irak/
vom 26.10.2015

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Iran – Berlin: Die Kurdenkiller wittern Morgenluft


zerstörte Gedenktafel an den Mykonos-Mord in Berlin

Die persische Nachrichtenseite news.gooya.com berichtet unter Berufung auf die kurdische Webseite www.rojikurd.net, dass die Gedenktafel an Dr. Sadeq Sharafkandi (Scharafkandi), den Führer der Demokratischen Partei Kurdistans/ Iran (DPKI), und seine Begleiter, die am 17. September 1992 in Berlin im Mykonos-Restaurant im Auftrag des Religiösen Führers der Islamischen Republik Iran, Ajatollah Chamene‘i, ermordet wurden, zerstört wurde. In Deutschland war es später zu einem Prozess gegen die ausführenden Täter, den Iraner Kazem Darabi und seine vier libanesischen Mithelfer, gekommen. In dem Verfahren, das sich über fünf Jahre hinzog, wurde deutlich, dass der Mord direkt von der iranischen Vertretung in Berlin organisiert wurde. Der Mörder selbst war den deutschen Behörden kein Unbekannter.
Die Auftraggeber – der Religiöse Führer, der damalige Geheimdienstminister, der Außenminister und Ajatollah Rafsandschani – konnten sich bislang einer Strafverfolgung entziehen, weil sie weiterhin an der Macht sind. Lediglich Ajatollah Rafsandschani ist inzwischen gestorben, weil er beim Religiösen Führer in Ungnade gefallen ist. Es heißt, er sei im Schwimmbad ertränkt worden – es wurde rechtzeitig für einen Stromausfall gesorgt, so dass die Täter unerkannt blieben und im Dunkeln agieren konnten.
Bedenkt man, dass Mohammad Jafari Sahrarudi, der Anführer des Terrorkommandos, das im Juli 1989 in Wien den Kurdenführer und Scharafkandis Vorgänger Ghassemlou ermordete, heute die rechte Hand des iranischen Parlamentssprechers Ali Laridschani ist und sogar an der Münchner „Sicherheitskonferenz“ teilgenommen haben soll, sieht man, dass die wahren iranischen Machthaber heute wieder Aufwind verspüren und sich selbst im Ausland wieder aus den Löchern trauen. Der Mord am iranischen Fernsehunternehmer Saeed (Sa‘id) Karimian am 29.04.2017 in Istanbul ist offenkundig das Signal, dass im Iran die Betonköpfe das Ruder übernommen haben. Vom Westen scheinen sie nichts zu befürchten.

Quellen:
http://news.gooya.com/2017/08/post-6486.php
vom 16. August 2017
taxribe louhe yadbude qorbaniyane terore mikonos az suye °awamele rezhime iran dar berlin

http://www.rojikurd.net/fa/%d8%aa%d8%ae%d8%b1%db%8c%d8%a8-%d9%84%d9%88%d8%ad-%db%8c%d8%a7%d8%af%d8%a8%d9%88%d8%af-%d9%82%d8%b1%d8%a8%d8%a7%d9%86%db%8c%d8%a7%d9%86-%d8%aa%d8%b1%d9%88%d8%b1-%d9%85%db%8c%da%a9%d9%88%d9%86%d9%88/

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Türkei: Mauerbau


Mauerbau an der iranisch-türkischen Grenze

Am vergangenen Dienstag (8.8.2017) gaben türkische Medien bekannt, dass mit dem Bau einer Grenzmauer zum Iran begonnen wurde. Dabei kommen 2 m hohe, 3 m breite und 7 Tonnen schwere Fertigbetonblöcke zum Einsatz. Süleyman Elban, der Gouverneur der Provinz Ağrı, stattete den Bauarbeiten einen medienwirksamen Besuch ab, begleitet von Kenan Yıldız, dem Direktor der Staatssicherheit der Provinz Ağrı und von Oberst Gökhan Şahin, dem Kommandanten der Jandarma der Provinz Ağrı. Anschließend besuchte Süleyman Elban das Kommando des dort stationierten 4. Grenzbataillons, trug sich ins Ehrenbuch ein und nahm gemeinsam mit den dort dienst tuenden Wehrpflichtigen eine Mahlzeit ein.


an der Grenze zu Syrien

Mauerbau an der syrischen Grenze
Eine vergleichbare Mauer an der türkisch-syrischen Grenze wurde schon im vergangenen Jahr begonnen und soll eine Länge von 911 Kilometern erreichen. Sie besteht aus 4 Meter langen Beton-Modulen und soll verhindern, dass syrisch Flüchtlinge in die Türkei gelangen können. Im Februar 2017 war die Hälfte der Strecke fertig gestellt. Wenn die Mauer an der syrischen Grenze fertig gestellt ist, werden Laternenmasten mit Lampen zur Beleuchtung der Grenzzone installiert. Anschließend sollen 8 Meter hohe, gepanzerte Wachtürme aufgestellt werden, die gegen Schüsse und Raketen Schutz bieten sollen.

70 Kilometer Mauern an der iranischen Grenze
Wie Serpil Çevikcan am 8. August in der Tageszeitung Milliyet schreibt, soll an einem 70 km langen Grenzabschnitt zwischen Ağrı und Iğdır eine vergleichbare Mauer an der Grenze zum Iran entstehen, die übrigen Grenzabschnitte werden mit Stacheldraht und Wachtürmen gesichert. Als Begründung wird angegeben, dass die PKK nach Angaben türkischer Geheimdienste auf iranischer Seite in Makü (Maku), Dambat, Navur, Kotr, Kenereş und Şehidan Militärlager eingerichtet haben soll, um von dort Anschläge in der Türkei zu verüben. In diesen Lagern sollen 800-1000 Kämpfer untergebracht sein. Laut Radio Farda soll eine Quelle aus dem iranischen Außenministerium diesen Mauerbau am 19. Ordibehesht 1396 (Anfang Mai 2017) begrüßt haben.

Zwischen Fakten und Propaganda
Angaben von Geheimdiensten sollte man erst einmal als Zwecklügen betrachten und nicht als Fakten, zumal der Artikel von Serpil Çevikcan ganz auf der Propagandalinie der türkischen Regierung liegt, nämlich PKK und die Anhänger von Fethullah Gülen in einen Topf zu werfen. Da inzwischen selbst der Vorstandsvorsitzende von Amnesty International in der Türkei inhaftiert wurde, mit dem nachweislich falschen Vorwurf, bei sich ein Datenverschlüsselungsprogramm namens Bylock installiert zu haben, was in der Türkei ausreicht, Menschen als Anhänger der „Fethullah-Terror-Organisation“ (FETÖ) abzustempeln, muss man sich immer bewusst machen, dass Terrorist in der Türkei an erster Stelle ein aus den Fingern gesaugter Vorwurf ist, um alles in der Bevölkerung zu unterdrücken und zu verfolgen, was nicht auf Erdogan-Linie liegt. Deswegen ist das einzige, was sicher ist, der Mauerbau. Die EU-Innenminister werden Erdogan dankbar dafür sein. Denn natürlich wird das die Zahl der Flüchtlinge verringern.


der türkisch-syrische Flüchtlingsschutzwall – die AfD hat gesiegt

https://www.radiofarda.com/a/turkey-building-wall-ran-border/28666150.html
vom 18. Mordad 1396 (9. August 2017)
torkiye saxte diwar dar marzhaye xod ba iran ra aghaz kard

http://www.diken.com.tr/pkknin-sizma-girisimine-karsi-suriyenin-ardindan-iran-sinirina-da-duvar/
vom 08.05.2017 11:22
PKK’nın ‘sızma’ girişimine karşı: Suriye’nin ardından İran sınırına da duvar
http://www.milliyet.com.tr/yazarlar/serpil-cevikcan/pkk-ve-feto-yle-mucadelede-son-2446277/
vom 08.05.2017 0:56
PKK ve FETÖ’yle mücadelede son tablo
von Serpil Çevikcan
http://www.hurriyet.com.tr/suriyeden-sonra-iran-sinirina-guvenlik-duvari-40543826
vom 08 Ağustos 2017 – 12:54
Suriye‘den sonra İran sınırına ‚Güvenlik duvarı‘
von Oğuzhan HANÇER/AĞRI (DHA)

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Iran: die Unterwelt lässt grüßen

Vergangenen Samstag, am 5. August 2017, erfolgte die Vereidigung des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani zu seiner zweiten Amtszeit. Zu dieser Vereidigung waren auch zahlreiche ausländischen Gäste geladen. In Empfang genommen wurden sie von Parlamentssprecher Ali Laridschani und von Mohammad Jafari Sahrarudi (Mohammad Dscha°fari Sahrarudi). In seiner Einführungsrede wiederholte Hassan Rouhani sein Versprechen, sich für die Verwirklichung der Bürgerrechte einzusetzen.*)


Mohammad Jafari Sahrarudi ist der erste von rechts, links von ihm Parlamentssprecher Ali Laridschani, links von ihm Staatspräsident Hassan Rouhani

Bürgerrechte – aber nicht für Frauen, nicht für Sunniten, nicht für Kurden, Balutschen, Araber und Turkmenen
Zur Vereidigung nicht eingeladen waren Vertreter der iranischen Sunniten.
In seinem neuen Kabinettt finden sich weder Frauen noch Vertreter der Sunniten.
In seinem neuen Kabinett finden sich keine Kurden, keine Balutschen, keine Araber und keine Turkmenen. Sie wurden nicht nur von sämtlichen Ministerposten ausgeschlossen, sondern auch vom Amt des Stellvertreters und des Beraters.


Mohammad Jafari Sahrarudi neben Ajatollah Mohammadi Golpayegani, dem Leiter des Sekretariats des Religiösen Führers

Das Siegeslächeln der Mörder
Der neue Justizminister von Hassan Rouhani heißt Ali-Resa Awa‘i. Er war Mitglied der Todeskommission in der Provinz Chusestan. Wir erinnern: Als Ajatollah Chomeini einen Waffenstillstand im iranisch-irakischen Krieg akzeptierte, ließ er 1988 in den iranischen Gefängnissen eine Massenhinrichtung politischer Gegner durchführen, auch solcher, die ihre Haftstrafe schon abgesessen hatten. Zur Auswahl der Opfer bildete er eine zentrale Todeskommission, außerdem wurden in den verschiedenen Landesteilen regionale Todeskommissionen gebildet. Chusestan ist eine an den Irak angrenzende Region, die auch von der arabischen Minderheit besiedelt wird.
Der neue Minister für Arbeit, Wohlstand und Sozialversicherung, Ali Rabi‘i, war früher nicht nur stellvertretender Geheimdienstminister, sondern auch Verhörbeamter und Folterer. Der Minister für Industrie und Bergbau, Mohammad Schariatmadari, ist einer der Begründer des iranischen Geheimdienstes (VEVAK) und gilt als einer der Drahtzieher der Wirtschaftsmafia um den religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i und um Ajatollah Mohammad Mohammadi Reyschahri.


Man sieht noch die Narbe der Schussverletzung am Hals von Mohammad Jafari Sahrarudi, die er sich beim Mordanschlag auf den Kurdenführer Ghassemlou in Wien zugezogen hat

Mohammad Jafari Sahrarudi
In den Wochen vor der Vereidigung von Präsident Hassan Rouhani wurde er sogar als möglicher Kandidat für das Amt des Leiters des Nationalen Sicherheitsrats des Irans erwähnt. Mohammad Jafari Sahrarudi war einer der Befehlshaber der Pasdaran (Revolutionswächter) während des iranisch-irakischen Kriegs (1980-1988). Dann leitete er das Terrorkommando, das den Führer der Demokratischen Partei Kurdistans / Iran, Dr. Abdul Rahman Ghassemlou (Qassemlu) und zwei seiner Begleiter am 13. Juli 1989 in Wien erschoss. Aus bis heute nicht geklärten Gründen erlitt er dabei eine Schussverletzung am Hals und wurde verhaftet. In Geheimverhandlungen mit den österreichischen Behörden erreichte der Iran, dass Mohammad Jafari Sahrarudi in den Iran ausreisen durfte. (Fußnote 1, s.u.). Erst fünf Monate später, am 22. Dezember 1989, als Jafari Sahrarudi schon längst wieder in Teheran lebte, wurde ein internationaler Haftbefehl gegen ihn und zwei seiner Komplizen ausgestellt.


Mohammad Jafari Sahraverdi im Interview mit dem irakischen Fernsehsender Asia

Nach seiner Rückkehr in den Iran wurde Jafari Sahrarudi zuerst zum Befehlshaber des Pasdaran-Stützpunkts „Ramadan“ im Westen des Irans ernannt, wo er sich der Unterdrückung der Kurden und der Niederschlagung der kurdischen Bewegungen widmete. Nach dem US-Angriff auf den Irak im Jahr 1991 – als Reaktion auf die irakische Besetzung des Kuwaits – und der Schaffung einer Kurdischen Autonomie im Irak in den 1990-ern wuchs sein Einfluss in Zusammenhang mit der Kurdistan-Frage. Auch bei der Niederschlagung der Studentenbewegung im Iran 1999 soll er eine wichtige Rolle gespielt haben. Nach dem Wahlsieg von Mahmud Ahmadineschad bei den Präsidentenwahlen 2005 ernannte dieser Ali Laridschani zum Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats des Irans und bestimmte Mohammad Jafari Sahrarudi zu dessen Stellvertreter.

Um die Bedeutung des Amts des Stellvertreters des Nationalen Sicherheitsrats zu verdeutlichen, sei darauf hingewiesen, dass Ali Schamchani der derzeitige Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats ist, während sein Stellvertreter General Resa Seyfollahi ist. Seyfollahi war einer der Begründer der Revolutionswächter in Isfahan, Befehlshaber des Geheimdienstes der Revolutionswächter (Pasdaran) in den 1980-ern, stieg dann in die Führung des Zentralstabs der Revolutionswächter auf, und wurde 1371 (1992) Befehlshaber der Polizeikräfte.

Gescheiterte Verhaftung
Ab 2005 wurde Mohammad Jafari Sahrarudi als stellvertretender Sekretär des Nationalen Sicherheitsrats auch in einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Kurdistan blieb nach wie vor einer seiner Schwerpunkte. Am 21. Dey 1385 (11. Januar 2007) drangen US-Militärs um 3 Uhr morgens ins Verbindungsbüro der Islamischen Republik Iran in Erbil (Kurdische Autonomie, Nordirak) ein, um Mohammad Jafari Sahrarudi zu verhaften. Sie verhafteten 7 iranische Staatsbürger. Mohammad Jafari Sahrarudi war nicht darunter. Er soll sich zu diesem Zeitpunkt auf einem Gastmahl befunden haben, das von den Behörden der Kurdischen Autonomie veranstaltet wurde. Mit Hilfe seiner Gastgeber konnte er noch in der selben Nacht über die Landesgrenze in den Iran fliehen. Eine Flucht per Flugzeug war nicht möglich, weil die US-Militärs auch einen Angriff auf den Flughafen von Erbil unternommen hatten.


Mohammad Jafari Sahrarudi geleitet Scheich Na°im Qassem, den Stellvertreter des Generalsekretärs der Hisbollah Hassan Nasrollah

Büroleiter von Ali Laridschani
Nur vier Monate später, während die sieben verhafteten Angehörigen der Al-Qods-Brigade der Pasdaran sich in US-Gewahrsam befanden, fand in Sharm el-Sheikh eine Internationale Irak-Konferenz statt. Die US-Außenministerin Condoleezaa Rice und ihre Begleiter saßen auf der Konferenz gegenüber dem iranischen Außenminister Manouchehr Mottaki (Manutschehr Mottaki) und seinen Begleitpersonen, zu denen auch Mohammad Jafari Sahrarudi gehörte.
Nachdem Ali Laridschani im Mai 2008 zum Parlamentssprecher aufgestiegen war, wurde Mohammad Jafari Sahrarudi sein Büroleiter. Sahrarudis Zuständigkeit für die Kurdistan-Thematik blieb weiter bestehen.


Mohammad Jafari Sahrarudi wird von Natschirwan Barsani, dem Ministerpräsidenten der Kurdischen Autonomie im Irak empfangen

Kurdistan auf der Tagesordnung
Im Monat Aban 1392 (Oktober/November 2013) berichteten die Medien vom Besuch einer hochrangigen iranischen Delegation unter der Führung von Mohammad Jafari Sahrarudi in der Kurdischen Autonomie im Nordirak. Mohammad Jafari Sahrarudi wurde dabei als Berater von Ali Laridschani bezeichnet. Die Delegation führte Gespräche mit Politikern der PUK (Patriotic Union of Kurdistan, Führer Jalal Talabani), des Movement for Change (Führer Nawshirwan Mustafa Gorran), der KDP (Kurdistan Democratic Party, Führer Massoud Barzani) und dem Vorsitzenden der Kurdischen Autonomie. Es ging um die Lage in der Region nach den Parlamentswahlen vom September 2013. Auch Qassem Soleymani, der Kommandant der Al-Qods-Brigade der Pasdaran, soll an diesen Gesprächen teilgenommen haben.

Internationaler Haftbefehl wirkungslos
Trotz des gegen ihn bestehenden internationalen Haftbefehls kann Mohammad Jafari Sahrarudi ungehindert ins Ausland reisen. Im Monat Mehr 1392 (September/Oktober 2013) nahm er in Begleitung von Ali Laridschani an der interparlamentarischen Konferenz in Genf teil, später an der Sicherheitskonferenz in München (eine Jahresangabe hierzu fehlt).

Anmerkung des Übersetzers: Im Persischen lautet die Buchstabenfolge s.-h.-r-a:-r-u/w-d-i, in der Bezeichnung der Fotos mit lateinischer Schrift ist Sahraverdi zu lesen. Ein Vertauschen von r und u/w hätte die unterschiedliche Lesung Sahrarudi oder Sahraverdi zur Folge. In der Wienerzeitung vom 6.6.2000 ist der Name als Saharoodi angegeben. Das -oo- entspräche der englischen Umschreibung für den Laut u, der Name hat allerdings ein -r- zu wenig.
http://www.wienerzeitung.at/weltpolitik/350084_Habe-Ghassemlou-selbst-erschossen.html?em_cnt=350084

*) Die Informationen des folgenden Artikels stammen im wesentlichen von Iraj Mesdaqi (Mesdaghi), einem ehemaligen politischen Gefangenen aus dem Iran, der 1994 in Schweden Zuflucht gefunden hat.

Fußnote
1) Vor ein paar Jahren hat ein aus den Reihen der Pasdaran entlassener General in einem Brief an Mohammadi Nurizad bislang unveröffentlichte Informationen über die Umstände des Terroranschlags auf Ghassemlou bekannt gegeben. Siehe bei nurizad.info
[1] چند سال پیش یکی از سرداران اخراجی سپاه پاسداران در نامه به محمدی نوری‌زاد اطلاعات منتشر نشده‌ای راجع به چگونگی ترور دکتر قاسملو انتشار داد.
http://nurizad.info/?p=19349

Quellen:
http://news.gooya.com/2017/08/post-6253.php
vom 09. August 2017
qatele qassemlu mizbane maraseme tahlife rouhani – iraj mesdaqi
www.irajmesdaghi.com

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/01/11/AR2007011100427.html
U.S. Troops Raid 2 Iranian Targets in Iraq, Detain 5 People
By Robin Wright and Nancy Trejos
Washington Post Staff Writers
Friday, January 12, 2007

http://www.aljazeera.com/programmes/insideiraq/2007/05/200852518388310313.html
The Sharm El-Sheikh conferencehttps://iran1988.org/seyyed-alireza-avaei/
Will economic stability alone stop the violence in Iraq?
04 July 2007 11:22 GMT

http://blogs.timesofisrael.com/khamennei-supreme-leader-supreme-dealer/
The Supreme Leader who is also supreme BMW dealer
by Saeed Ghasseminejad
April 28, 2013, 6:15 pm

https://iran1988.org/seyyed-alireza-avaei/
zur Rolle von Ali-Resa Ava‘i in der Todeskommission von Chusestan (Desful)
über die Rolle von Ajatollah Mohammad Reyshahri

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Iran: Rückkehr zu den Waffen?


Screenshot von der Webseite „Heilige Verteidigung“ – auch das Regime nimmt das Wort Verteidigung für ihre Tätigkeit in Anspruch

Schüsse in Piranschahr
Am Sonntag berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf den Pasdaran-Befehlshaber Oberst Mohammad Pakpur, dass ein „terroristisches, konterrevolutionäres Kommando“ vorhatte, auf iranisches Gebiet einzudringen und in einem Gefecht mit den Landstreitkräften der Revolutionswächter (Pasdaran) „vernichtet wurde“. Ebenfalls am Sonntag berichtete die zentrale Webseite der Demokratischen Partei Kurdistans / Iran (DPKI), dass ihrer Partei angeschlossene Peschmerga-Kämpfer in der Nacht vom Freitag auf den Samstag in der Region Piranschahr eine bewaffnete Auseinandersetzung mit den Kräften der Revolutionswächter hatten und ihnen „einen tödlichen Schlag“ versetzt hätten. Während die Machthaber von „terroristischen Gruppen“ sprechen, redet die Demokratische Partei Kurdistans/Iran von einer „Verteidigung der Rechte der Kurden“.

Oberst der Pasdaran ums Leben gekommen
Zwei Wochen zuvor hatte der Stützpunkt „Hamse“ (qarargahe hamze-ye seyyed osh-shohada‘) der Landstreitkräfte der Revolutionswächter gemeldet, dass bei einer Auseinandersetzung mit einer „terroristischen Gruppe“ drei Mitglieder der Gruppe und ein Oberst der Revolutionswächter ums Leben gekommen seien. Der Stützpunkt Hamse war noch zu den Anfängen der iranischen Revolution, 1979, in der Region eingerichtet worden, um den bewaffneten Widerstand gegen die Islamische Republik zu brechen. Sein Oberkommando ist zentral in Teheran eingerichtet, die einzelnen Kräfte sind über das gesamte kurdische Gebiet verteilt und in den Kasernen der Pasdaran stationiert. Sie unterstehen aber nicht dem örtlichen Befehlshaber, sondern dem zentralen Kommando in Teheran.

Die Komele schießt auch

Auch Komele, eine andere kurdische Oppositionsgruppe im Iran, berichtete von bewaffneten Gefechten mit Kräften der Revolutionswächtern am 2. Tir 1396, also vor etwa 6 Wochen.

Iranische Streitkräfte beschießen Kurdische Autonomie/Nordirak
Etwa zehn Tage später wurde berichtet, dass iranische Streitkräfte das Gebiet der kurdischen Autonomie in Kurdistan beschossen habe.

Der Westen hat die Waffen wieder salonfähig gemacht
Dies alles macht deutlich, dass im iranischen Kurdistan wieder verstärkt mit Schusswaffen gekämpft wird. Was ist der Grund? Die DPKI hatte lange einen Kurs verfochten, durch Verhandlungen mit Vertretern der Islamischen Republik eine Anerkennung der Rechte der Kurden zu erzielen. Der Erfolg war, dass 1989/1991 ihre Anführer und Verhandlungsführer in Wien und Berlin ermordet wurden. Von einer Gewährung irgendwelcher Rechte an die Kurden ist im Iran nicht die Rede. Dies führt allmählich zu einer Radikalisierung in der Bevölkerung, die auf der einen Seite sehen, dass Wahlen im Iran nichts ändern, dass Verhandlungen nichts bringen, und andererseits feststellen, dass es neuere Gruppen gibt, die radikalere Wege einschlagen. So etwa die Anhänger von Peschwak, einer Gruppe, die ideologisch der PKK nahesteht. Andere, wir haben schon darüber berichtet, sehen ihr Heil in einer iranischen Variante der „Al-Kaida“. Wenn die DPKI nicht reagiert, kann sie nur zuschauen, wie ihr die „Schäfchen“ davonlaufen. Zugleich befindet sie sich in einer heiklen Lage. Ihre Zufluchtsgebiete im kurdischen Nordirak hängen vom Wohlwollen der Staaten ab, die die kurdische Autonomie im Irak unterstützen. Seit dem Krieg in Syrien und dem Aufkommen des „Islamischen Staats“ finden sich in westlichen Staaten immer mehr Befürworter der Unterstützung kurdischer Gruppen im Kampf gegen die Islamisten. Davon profitiert auch die DPKI. Sie hofft, mit dieser Rückendeckung und einem stärkeren bewaffneten Auftreten im iranischen Kurdistan ihre Anhängerschaft zurückzugewinnen. In der Darstellung der DPKI verübt diese keine Angriffe auf Kasernen oder Posten der iranischen Revolutionswächter, sondern greift lediglich zum Zweck der Verteidigung ein, um ihre eigenen Aktiven zu schützen, die unter der kurdischen Bevölkerung für ihre Ziele werben, oder auch um eine Verfolgung von Vertretern der Zivilgesellschaft zu verhindern, wenn diese Opfer staatlicher Übergriffe werden. So will die DPKI den Eindruck vermitteln, dass sie hinter der Bevölkerung steht. Das Kalkül der Komele ist in diesem Punkt ähnlich.

Wie stürze ich eine Diktatur?
Unabhängig davon, was Wahrnehmung, Darstellung und Wahrheit ist, lässt sich jedenfalls eine Zunahme von bewaffneten Auseinandersetzungen feststellen. Die Erfahrung zeigt leider, dass erfolgreicher Umgang mit Waffen nach dem erfolgreichen Sturz einer Regierung keineswegs die beste Schule zur Ausbildung einer demokratischen, an Menschenrechten orientierten politischen Elite ist. Die Frage, was man statt dessen tun könnte, um diese Diktatur endlich abzuschütteln, ist mit dieser Feststellung freilich nicht gelöst.

https://www.radiofarda.com/a/new-clash-between-irgc-and-armed-group-in-northwest-of-iran/28661822.html
vom 15. Mordad 1396 (Sonntag, den 6. August 2017)
dargiriye niruye zaminiye sepah ba yek goruhe mosallah dar mantaqeye marziye adherbayjane gharbi

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Iran: Wenn Terroristen von Terroristen sprechen

Wir hatten von den beiden dubiosen Attentaten auf das iranische Parlament und das Grabmal von Ajatollah Chomeini berichtet. Alle Indizien deuten darauf hin, dass diese von den Machthabern initiiert wurden, denn die Täter legten eine Gelassenheit an den Tag wie anderswo Beamte, die zur Arbeit gehen, um ihren täglichen Dienst zu verrichten. Natürlich waren die Toten nicht umsonst. Denn diese Attentate dienen jetzt als bequemer Vorwand, um gegen politische Gegner des Regimes unter Kurden, Arabern und Balutschen vorzugehen. Jetzt wird von der Verhaftung von „50 terroristischen Elementen“ aus Kermanschah, einer großen kurdischen Stadt im Iran, berichtet. Indem das Regime den „Islamischen Staat“ beschuldigte, die Attentate verübt zu haben, muss es auch keine große Kritik aus dem Westen befürchten…

https://www.radiofarda.com/a/f6_iran_arrests_weapons_kermanshah/28577970.html
vom 4. Tir 1396 (25. Juni 2017)
dastgiriye 50 tan az „°anasere mortabet wa poshtibane goruhhaye teroristi“ dar kermanshah

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Iran: Regime erschießt kurdische Kämpfer


Am 23. Juni 2017 hatten die iranischen bewaffneten Organe in der Stadt Sanandadsch (Kurdistan – Iran) einen Angriff auf untergetauchte Kämpfer von Kumele durchgeführt, bei dem drei Kämpfer ums Leben kamen. Dies berichtet das Sekretariat des Zentralkomitees der Partei Kumele – Kurdistan/Iran. Das Regime berichtete von einer Aktion zur „Vernichtung von Terroristen“.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=80704
vom 3. Tir 1396 (24. Juni 2017)
3 °ozwe kumele kordestan dar yureshe niruhaye amniyati jan baxtand

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Gefängnis im Iran: Das Labor der Zukunft


Der politische Gefangene Bahman Ahmadi Amu’i hat jetzt einen tiefblickenden Bericht über seine Gefängniserlebnisse aus dem Jahr 2010 veröffentlicht. Der Bericht hat diesmal nicht Folter und Misshandlungen zum Thema, sondern er beleuchtet die Denkweise und Herkunft einer neuen Bewegung, die nun auch im Iran Fuß fasst und auf die Entwicklung im Nahen Osten gewaltigen Einfluss nimmt. Von ihrer Tätigkeit ist auch Europa betroffen. Bahman Ahmadi Amu’i nennt diese Menschen „iranische Al-Kaida-Mitglieder“. Das darf man nicht zu wörtlich nehmen – Taliban, Al-Kaida oder Islamischer Staat haben in ihrer Gedankenwelt vieles gemeinsam, und es ist eindrucksvoll zu sehen, wie diese nächste Generation von Unzufriedenen mit ihren Mitgefangenen umgeht und zum iranischen Staat steht. Man weiß nie – morgen stehen diese Menschen vielleicht auf den Trümmern eines zerbrochenen Staats namens Iran.

Iranische Al-Kaida
Bahman beschreibt die Situation im Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses von Teheran im Juli/August (Jahr 2010). Es ist eine größere Zahl von islamistischen Gefangenen im Gefängnis eingetroffen, und die Gefängnisleitung versucht alles erstes, ihre Verbindungen zu zerschlagen, indem sie je zwei von ihnen in den verschiedenen Zellen unterbringt, die oft 30-40 Gefangene fassen. Aber die Renovierungsarbeiten in der Anstalt führen dazu, dass die Gefangenen sich ständig treffen können und nur zum Schlafen in ihren Zellen sind, die Islamisten bleiben unter sich. Darauf schlägt der Gefängnisdirektor eine neue Taktik ein. Eine Großzelle wird freigemacht, 10 „iranische Al-Kaida-Leute“ sollen darein, außerdem 14 andere Gefangene. Die anderen Gefangenen melden sich deshalb, weil in ihren überfüllten Zellen viel zu wenig Betten sind und sie auf dem Boden schlafen müssen.

Wer hat Angst vor dem bösen Wolf
Die Lage der Gefangenen, die nicht der „Al-Kaida“ angehören, ist heikel. Sie sind zwar aus politischen Gründen in Haft und wie die Al-Kaida-Leute Gegner des Regimes der Islamischen Republik Iran, aber das ist auch fast alles, was sie gemeinsam haben. Bahman beschreibt, dass die Anhänger des „Andschomane Padeschahi“ (Monarchisten, die eine Rückkehr des Schahs in den Iran wünschen) sich in Gegenwart dieser Islamisten nur noch flüsternd unterhielten, weil sie Angst vor ihnen hatten. Andere Gefangene schauten morgens immer neugierig in ihre Zelle, ob die Nicht-Islamisten noch lebten. Die 14 Nicht-Islamisten waren außer Bahman Ahmadi Amu’i (Journalist) und Abdollah Mo’meni (ein politisch aktiver Student) ein Anhänger der Monarchisten (Andschomane Padeschahi), acht Anhänger der Grünen Bewegung (Reformisten) sowie drei Kurden, ebenfalls politische Gefangene (einer aus der Türkei, einer aus Syrien, einer aus dem Iran). Bahman Ahmadi Amu’i schreibt, in ihrer Zusammensetzung in der Zelle waren sie ein Abbild des Nahen Ostens im Kleinen. Zwischen den beiden Gruppen (10 iranische Al-Kaida-Leute, 14 andere Gefangene) gab es fast keine Kontakte. Bahman bemühte sich, Kontakt mit den Al-Kaida-Leuten zu bekommen, aber sie waren in sich geschlossen. Das Zusammenleben ist problematisch. Einer der 14 zieht es vor, wegen der Hitze im Gefängnis (Sommer in Teheran!) sein Oberhemd auszuziehen, so dass man seinen behaarten Oberkörper sehen kann. Die Al-Kaida-Leute warnen ihn jeden Tag, er solle das bleiben lassen, sonst würden sie zu Maßnahmen greifen.

Lügenfernsehen
Ein gemeinsamer Punkt ist ihr Zweifel am staatlichen iranischen Fernsehen. Als die 14-Uhr-Nachrichten berichten, dass zwei Personen bei Selbstmordanschlägen in Kabul drei Angehörige der Nato-Streitkräfte umgebracht haben“, protestieren die Al-Kaida-Leute, das iranische Fernsehen berichte zu Gunsten Amerikas. Wie könne es sein, dass bei zwei Selbstmordanschlägen nur drei Menschen ums Leben kämen? Einer der Islamisten ruft erfreut: „Die haben zwei Nullen weggelassen, es sind bestimmt 200 ums Leben gekommen.“ (Der Rechenfehler mag im Kopf dieses Islamisten erfolgt sein, ansonsten ist das ein Tippfehler im Persischen). Wann immer im Fernsehen die Nachricht von einem Terroranschlag kommt, umarmen sich die Al-Kaida-Leute und küssen sich vor Freude. Den anderen Mitgefangenen in der Zelle ist das unheimlich. Wie sollen sie damit umgehen?

Das Fest des Propheten
Der Tag, an dem Mohammad zum Propheten bestimmt wurde, wird als °Eyde Mab°ath bezeichnet, also Fest der „Sendung“. Die Al-Kaida-Leute in der Zelle verstehen darunter aber „Geburtstag“ des Propheten und lehnen es ab, sich an den Vorbereitungen zu diesem Fest zu beteiligen. Sie sagen, wenn das ein Tag zum Feiern wäre, warum hat der Prophet seinen Geburtstag selbst nicht gefeiert? Das Interessante an diesem Detail: Diese Islamisten wissen wohl nicht, was mab°ath eigentlich heißt, so schlecht sind ihre Arabisch-Kenntnisse und ihre religiöse Bildung.

Ich habe doch nur 8 ungläubige Amerikaner umgebracht
Abdollah, der Zellensprecher der Al-Kaida-Leute, berichtete einmal über die Umstände seiner Verhaftung. Er sagt: „Das ist wirklich Unrecht. Ich habe nur 8 ungläubige Amerikaner umgebracht. Aber der iranische Staat hält mich nun schon 11 Monate im Gefängnis fest. Das ist offenkundiges Unrecht. Auf der einen Seite sagt die iranische Regierung, dass Amerika der Feind ist, aber auf der anderen Seite verhaften sie diejenigen, die die Amerikaner in Afghanistan umbringen.“ Er wurde in Bukan (iranisches Kurdistan) verhaftet.

Teppichwaschen – der gemeinsame Nenner

In wenigen Dingen finden die beiden Fraktionen – die Mehrheit der Nicht-Islamisten und die 10 Al-Kaida-Leute – einen gemeinsamen Boden. So, als sie zwei alte Teppiche für die Zelle bekommen und sie gemeinsam waschen. In der Zelle werden verschiedene Aufgaben – Putzen, Kochen, Verteilung von rationiertem Essen – aufgeteilt. Die Gefangenen der Zelle einigen sich auch auf eine gemeinsame Begrüßung am Morgen: Dorud bar sharafetan – Ihre Ehre sei gesegnet.

Soziologie des neuen Islamismus
Die zehn islamistischen Gefangenen haben nur eine minimale Bildung. Keiner ist über 24 Jahre alt. Theorien und Analysen übersteigen ihren Horizont, und das, was sie aus dem Koran verstehen, kommt den anderen, die ja in einer islamischen Republik leben, zum Teil sehr komisch vor. Einer der 10 hat früher Haushaltsgeräte und Möbel repariert, ein anderer hatte einen kleinen Laden, zwei oder drei hatten einen Schulabschluss der neunten oder zehnten Klasse. Das einzige, wodurch sich die zehn voneinander unterschieden, war die Zahl der Einheiten (Joz’) des Korans, die sie auswendig wussten. Der Koran besteht aus insgesamt 30 Einheiten. Es waren keine Leute, die Romane, Erzählungen oder Gedichte lasen, auch soziologische Werke waren nicht ihr Thema. Sie lasen nur den Koran und lernten ihn auswendig. Das einzige, was sie an den im Gefängnis erhältlichen Zeitungen interessierte, war das Fernsehprogramm. Das Fernsehen schauten sie schon an.

Der Keim einer neuen Zensur

Was die 10 Al-Kaida-Leute auch machten, war, die Zeitungen in der Zelle darauf zu studieren, ob sie Worte enthielten, die nach ihrer Ansicht einer der Beinamen Gottes darstellten (und davon gibt es vielleicht über Hundert, nicht wenige davon sind auch übliche Vornamen, z.B. Aziz u.a.). Im Gefängnis dient die Zeitung u.a. dazu, das Klo zu reinigen. Nach Ansicht der Al-Kaida-Leute ist das Sünde, wenn die Zeitung einen der Beinamen Gottes enthält. Die Zeitungen, die im Gefängnis vorhanden sind, etwas Sobhan und Hemayat, sind dummerweise voll von solchen Wörtern, so dass die Islamisten an manchen Tagen die Zeitungen verbrannten, damit sie nicht „missbraucht“ werden konnten. Das war einer der alltäglichen Konflikte in der Zelle.

Sport und Spiel
Gemeinsames Volleyballspiel war eine der wenigen Tätigkeiten, die auch für die Islamisten akzeptabel war. Einer spielte sogar Schach. Ansonsten hockten sie in Gruppen zusammen, um den Koran auswendig zu lernen.

Nachrichten
Für die Islamisten waren nur Nachrichten über Bombenattentate der Al-Kaida im Irak und in Afghanistan interessant, außerdem Berichte, die mit ihrer Organisation zusammenhingen. Der Rest ließ sie kalt.

Zuwachs
Die Gefängnisleitung hielt sich nicht an die Abmachungen, und so füllte sich auch die neue Zelle. Bald waren es 17 Al-Kaida-Leute und 20 andere Gefangene in der Zelle. Täglich fand achtmal das Gemeinschaftsgebet in der Zelle statt – fünfmal von den Al-Kaida-Leuten und dreimal von den anderen Gefangenen – namentlich den Reformisten. In der Zelle war immer mehr Unruhe, denn auch die Islamisten der Nachbarzellen kamen zum Gebet. Inzwischen sind unter den Gefangenen auch ein Palästinenser, der an einer Uni in Kiew (Ukraine) studiert hat, und zwei Ägypter, die von der Türkei in den Iran eingereist waren, von dort weiter nach Pakistan, und dann auf dem Rückweg im Iran verhaftet worden waren. Sie warteten auf ihre Auslieferung an Ägypten. Ein oder zwei waren aus Aserbaidschan. Sie wollten weiter in den Irak und waren im Iran verhaftet worden. Die Gefängnisleitung beschloss darauf, die Al-Kaida-Leute in das Gefängnis von Radscha’i-Schahr (in Karadsch) zu verlegen.

Essen in der Zelle
Der Vorschlag von Bahman, gemeinsam um das Tischtuch am Boden zu sitzen und gemeinsam zu kochen und zu essen, stieß bei den Islamisten auf Ablehnung. Sie sagten, sie wüssten ja nicht, wie das Vieh geschlachtet worden sei – sprich, sie wollten nicht glauben, dass das Fleisch in der Islamischen Republik Iran nach islamischen Regeln geschlachtet worden sei. Das war ein Weg, mit der diese Islamisten ihren Zweifel an der Islamischen Republik ausdrückten. Dagegen hatten auch die anderen Gefangenen keine Argumente. Bevor sich diese jungen Männer der Al-Kaida angeschlossen hatten, unterschieden sie sich nicht in ihren Essensgewohnheiten. Diese Vorwände waren ein Mittel, um sich von den anderen abzuheben und sich selbst als Gruppe zu definieren. Dagegen ist mit Logik nicht anzukommen. Bart, weite Hosen bis zum Knöchel oder die Essensgewohnheiten waren sozusagen ihr Markenzeichen.

Konflikte

Einige der Gefangenen in der Zelle waren Kurden, die in Kurdistan mit Waffen gegen die Al-Kaida-Leute gekämpft hatten und dann vom Regime verhaftet wurden. Einer dieser Kurden hatte in Freiheit die Propagandisten der Kaida im Iran ausfindig gemacht, um auf sie Anschläge zu verüben. Seine Freunde im Irak waren ebenfalls damit beschäftigt, diese Islamisten zu bekämpfen. Zwischen den beiden Gruppen kommt es deshalb in der Gefängniszelle immer wieder zu Prügeleien. Einer beschuldigt den anderen, für die Zerstörung Kurdistans verantwortlich zu sein.

Labor des Nahen Ostens
So wird die Zelle zu einem Abbild des Zusammenlebens der gegnerischen Gruppen in der Region: Al-Kaida-Anhänger, reformistische Moslems, Anhänger eines säkularen Staats, Kurden, die bei der PKK oder bei Pezhak mitmachen, Anhänger der Volksmudschahedin und Atheisten.

Aktiv in den Grenzgebieten
Ständig kommen neue Gefangene aus den Gefängnissen der Grenzregionen. Aus Urumije und Sanandadsch, zum Beispiel. Teheran ist für sie Zwischenstation, dann geht es weiter nach Radscha’i-Schahr. Es handelt sich meist um junge Männer vom Land, die kaum Schulbildung haben, keine Analysefähigkeiten und keine organisatorischen Talente. Die Al-Kaida wirbt diese arbeitslosen, enttäuschten und unzufriedenen jungen Männer bevorzugt in den Grenzgebieten an. Sie schickt einen Teil von ihnen scheinbar zu religiösen Studien nach Pakistan. Die Schulung dort führt dann zur Radikalisierung, manche lernen auch das Kriegshandwerk in Afghanistan und im Irak. Das sind die Anfänge einer neuen Form des Islamismus mit dem Ziel des Aufbaus eines Islamischen Staats.

Studierte sind eine Seltenheit
Bahman hat in zwei Jahren etwa 50 Gefangene kennengelernt, die der iranischen Al-Kaida angehörten und für die seine Zelle Durchgangsstation war. Nur zwei davon hatten die Uni besucht. Mit diesen kam er wenigstens ins Gespräch. Die anderen stammten aus unteren Gesellschaftsschichten und waren ziemlich arm, einfache Arbeiter, Bäcker, fliegende Händler, Zwischenhändler auf dem Basar, Schneider, Schweißer. Nur wenige hatten die Schule bis zum Abitur besucht. Ihr Hauptunterschied in der Bildung lag in der Zahl der auswendig gelernten Koran-Suren.

Islamismus und militärisches Kalkül
Nach dem Angriff der USA auf den Irak war der Iran das Verbindungsglied zwischen den al-Kaida-Anhängern in Pakistan und Afghanistan auf der einen und denen im Irak auf der anderen Seite. Das irakische und das iranische Kurdistan nahmen eine Schlüsselstellung für die Verbindungswege ein. Deshalb wurde in Kurdistan intensiv für Al-Kaida geworben. Die Werber traten zum Beispiel als Lehrer an Koranschulen oder an Theologischen Schulen auf. Natürlich blieb das den iranischen Geheimdiensten nicht verborgen. Aber sie dachten, dass es besser sei, wenn die unzufriedene kurdische Jugend sich den Al-Kaida-Islamisten anschließt als der PKK, der Pezhak oder der Komele oder der Demokratischen Partei Kurdistans/Iran. Die iranischen Organe dachten sich, wenn die Amerikaner die Westgrenzen des Irans überschreiten sollten, dann hätten sie jedenfalls willige Verbündete unter diesen Al-Kaida-Leuten. Da mochten sie sich täuschen, denn einer der beiden Männer, die studiert hatten, erklärten gegenüber Bahman: „Wir hatten schon am Anfang die Politik der Islamischen Republik bemerkt und nutzten die propagandistischen Möglichkeiten, die sich uns boten, optimal. Aber wenn der Westen den Iran angegriffen hätte, wären wir nicht zugunsten des Irans in Aktion getreten.“ Faktum ist, dass die feindliche Haltung der staatlichen iranischen Organe gegenüber Minderheiten wie Kurden, Balutschen und Arabern und die Verfolgung der Sunniten zu Zulauf unter solchen Gruppen führt. So kann es passieren, dass die iranischen Machthaber heute den gleichen Fehler wiederholen, den der Westen in den 1970-er Jahren begangen hat. Damals hat man Leuten wie Ajatollah Chomeini Unterstützung gewährt – so konnte er von Frankreich aus einen Propaganda-Sender betreiben, in der Hoffnung, dass die iranischen Islamisten bei der Machtübernahme ein wirksames Bollwerk gegen die Sowjetunion sein werden. Dass sich das Blatt gegen sie selbst wendet, wie die Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran zeigt, hatten sich diese Strategen nicht gedacht. Und genau diesen Fehler begehen jetzt die Ajatollahs auch.
Wie sagt man: Der Kluge lernt aus den Fehlern der andern.

http://news.gooya.com/2017/06/post-4573.php
vom 14. Juni 2017
10 mahe zendegi ba al-qa°ede’ihaye irani

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Iran: 6 kurdische Parteien boykottieren Wahl


Am 29. Ordibehescht (19. Mai) dieses Jahres finden im Iran Präsidentschaftswahlen statt. Die sechs größten kurdischen Parteien im Iran haben zu diesem Anlass eine gemeinsame Erklärung herausgegeben. Sie werden die Teilnahme an der Wahl boykottieren und rufen die kurdische Bevölkerung auf, nicht zur Wahl zu gehen. Bei den sechs Parteien handelt es sich um: Hezbe Demokrate Kordestan, Komeleye Zahmatkeshane Kordestan, Komele Kordestan Iran, Hezbe Demokrat Kordestan Iran, Sazemane Chebate Kordestane Iran und Komeleye Shaxeye Hezbe Komuniste Iran. Ihre Begründung für diesen ersten gemeinsamen Schritt ist, dass die Oppositionsparteien im Iran für illegal erklärt wurden und ihre Tätigkeit unterbunden wird, dass dem kurdischen Volk die elementarsten Grundrechte vorenthalten werden. Die Wahlen dienten nur dazu, die diktatorische Herrschaft fortzusetzen. Arash Saleh, Vertreter der Demokratischen Partei Kurdistans – Iran in den USA erklärte gegenüber Radio Farda: „Es handelt sich um einen bislang einmaligen Schritt der wichtigsten Parteien des iranischen Kurdistans, nämlich dass sie eine gemeinsame politische Erklärung unterschreiben und eine gemeinsame Aktion verfolgen. (…) Die strukturellen Voraussetzungen, damit diese Wahlen oder auch nur die vorhandene Spaltung der politischen Flügel im Iran zu einer Einführung der Demokratie im Iran beitragen, sind im heutigen Iran unter keinen Umständen gegeben. Die Geschichte der letzten zwei Jahrzehnte der Islamischen Republik zeigt deutlich, dass trotz der hohen Beteiligung der Bevölkerung und trotz der Spaltung innerhalb der politischen Eliten, die Herrschenden es geschafft haben, die Konzentration der Macht in den Händen von Chamene’i, seinem Amt und den Pasdaran auszubauen.“
Die genannten kurdischen Parteien waren schon in den ersten Monaten nach der Revolution von 1979 von der Regierung der Islamischen Republik für illegal erklärt und ihre Tätigkeit verboten worden.

http://www.radiofarda.com/a/o2-kuridsh-parties-boycott-election/28455974.html
vom 8. Ordibehescht 1396 (28. April 2017)
shish hezbe siyasi kordestane iran: entexabat-ra tahrim mi konim

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Referendum in der Türkei: Kampf zwischen Kreuz und Halbmond

Die türkische Nachrichtenseite haberler.com, die dem Inhalt zufolge der Regierung nahe steht, hat einen Artikel über die Freudenfeier in Ceylanpinar zu Erdogans Sieg im Referendum vom 16. April 2017 veröffentlicht. Ceylanpinar ist ein Landkreis der Provinz Sanliurfa, der direkt an Rasulayn in Syrien angrenzt, das unter der Kontrolle der kurdischen PYD steht.
Die Zeitung zitiert die Rede von Menderes Atilla, des Bürgermeisters von Ceylanpinar, zum Wahlsieg:
Als Bürger von Ceylanpinar haben wir heute unsere Unterschrift unter einen großen Sieg gesetzt. Am 30. März haben wir alle gemeinsam die Gemeindeverwaltung mit einem Unterschied von 800 Stimmen aus den Händen einer Terrororganisation entrissen. Bei den Wahlen zum 1. November (2015) haben wir einen Unterschied von fast 2000 Stimmen hingelegt. Bei diesem Referendum haben wir einen Vorsprung von fast 5300 Stimmen erreicht. Sie haben uns viel Unterstützung gegeben. In diesem Kampf zwischen dem Recht (auch ein Beiname von Gott) und dem Westlichen, in diesem Kampf zwischen Kreuz und Halbmond haben sich die Bürger von Ceylanpinar auf die Seite von Recht (Gott) und Halbmond gestellt. Ich danke Ihnen, den Bürgern von Ceylanpinar.

Vormarsch im kurdischen Kernland
Aufschlussreich ist die Entwicklung der AKP-Stimmen vom Juni 2015 bis jetzt in diesem Landkreis: Hatte die AKP im Juni 2015 noch 12600 Stimmen erhalten, waren es im November 2015 schon 17500 und jetzt 20900. Die HDP dagegen fiel von 18300 auf 15700 und hat sich jetzt mit 15800 gehalten. Der AKP dürften im Referendum die Stimmen der anderen Parteien zugefallen sein.
http://www.yenisafak.com/secim-referandum-2017/sanliurfa-ceylanpinar-secim-sonuclari-referandum
EVET – Ja 20923
HAYIR – Nein 15780
Differenz: 5143 zugunsten von Erdogan
Insgesamt 37813 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/2015/ceylanpinar-secim-sonuclari/
1. November 2015
AKP 17476
HDP 15662
Differenz: 1814 zugunsten von AKP
Insgesamt 36035 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/7-haziran-2015-secimi/ceylanpinar-secim-sonuclari/
7. Juni 2015
HDP 18269
AKP 12573
Differenz: 5696 zugunsten von HDP
Insgesamt 34863 Stimmen abgegeben

Suruç – vom Massaker zum Wahlsieg
Suruç, ebenfalls ein Landkreis von Sanliurfa und ebenfalls direkt an der syrischen Grenze gelegen, geriet am 20. Juli 2015 in die Schlagzeilen. Damals verübte der IS (Islamischer Staat) ein Selbstmordattentat auf junge türkische Studenten, die zur Unterstützung der Bevölkerung im syrisch-kurdischen Kobani angereist waren, das vom IS belagert wurde. 34 Studenten kamen beim Anschlag ums Leben, über 100 wurden verletzt. Die türkische Regierung soll bis dahin auch gute geschäftliche Beziehungen zum IS unterhalten haben, indem sie irakisches Erdöl aus dem Machtbereich des IS zu günstigen Preisen importierte. Es wurde auch bekannt, dass der türkische Geheimdienst den IS mit Waffenlieferungen unterstützt hatte. Man sollte meinen, dass so ein Massaker die Bevölkerung aufrüttelt. Weit gefehlt.

Erdogan, der Wortkünstler
Erdogan reagierte damals umgehend:
„Diejenigen, die diese entsetzliche Tat verübt haben, verurteile und verfluche ich sowohl in meinem Namen als auch im Namen meines Volkes. Terror kennt keine Religion, keine Rasse, kein Volk, keine Volkszugehörigkeit und kein Vaterland. Wir haben stets erklärt, dass gegen den Terror ein umfassender internationaler Kampf geführt werden muss, und wiederholen dies.“
Das scheint angekommen. Vor dem Anschlag, am 7. Juni 2015, hatte die HDP 35600 Stimmen gegenüber 6800 Stimmen für die AKP erhalten. Am 1. November 2015 sah das Ergebnis für die HDP schon bescheidener aus: 29700 gegenüber 12200 für die AKP. Und jetzt, zum Referendum, hat Erdogan 23200 Stimmen erhalten, seine Gegner 24100. Damit haben die Gegner zwar noch eine Mehrheit, aber man sehe den steilen Abfall 35600 – 29700 – 24100. Und das in nur zwei Jahren. Von Solidarität mit den Opfern von Suruc ist nichts zu spüren. Die türkischen Studentinnen und Studenten erscheinen wie Boten einer fremden Welt, mit der man vor Ort nichts zu tun hat. Erdogan hat es geschafft, sich den Leuten in Suruc als jemand zu zeigen, der sie versteht, obwohl er objektiv für das Erstarken des IS mitverantwortlich war (neben den Hauptverantwortlichen – den USA und dem Iran).

Quellen:

http://www.haberler.com/suriye-sinirinda-referandum-sevinci-9511992-haberi/
17.04.2017 17:04
Suriye Sınırında Referandum Sevinci
Die Rede von Menderes Atilla:
Ceylanpınarlılar olarak bugün büyük bir zaferin altına imza attık. 30 Martta 800 oy farkla belediyeyi terör örgütünün elinden hep beraber aldık. 1 Kasım seçimlerine yaklaşık 2 bin oy fark attık. Bu referandumda ne oldu 5 bin 300′e yakın bir fark attık. Bizlere çok büyük bir destek verdiniz. Bu hak ile batılın savaşında, hac ile hilalin savaşında Ceylanpınarlılar hakkın hilalin yanında durdular. Teşekkürler Ceylanpınar.

https://tr.wikipedia.org/wiki/2015_Suru%C3%A7_sald%C4%B1r%C4%B1s%C4%B1
türkische Wiki-Seite über das Massaker von Suruc
Erdogans Worte: „Bu vahşeti işleyenleri ben de şahsım olarak, milletim adına lanetliyorum, kınıyorum. Terörün, dini yoktur, ırkı yoktur, milleti milliyeti yoktur, vatanı yoktur. Teröre karşı tüm uluslararası bir mücadelenin verilmesi gerektiğini hep ifade ettik, ediyoruz.“

http://secim.haberler.com/2017/sanliurfa/suruc-referandum-sonuclari/
EVET – Ja 23203
HAYIR – Nein 24054
Differenz: Erdogan hat 850 Stimmen weniger als die Gegner erhalten
Insgesamt 47257 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/2015/suruc-secim-sonuclari/
1. November 2015
AKP 12240
HDP 29675
Differenz: 17435 zugunsten von HDP
Insgesamt 43997 Stimmen abgegeben

http://secim.haberler.com/7-haziran-2015-secimi/suruc-secim-sonuclari/
7. Juni 2015
HDP 35587
AKP 6845
Differenz: 28742 zugunsten von HDP
Insgesamt 44743 Stimmen abgegeben

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