Archiv der Kategorie 'Medien'

Iran: Peitschenhiebe für Internet-Journalisten


Mostafa Barari und Arasch Scho’a’e Scharq, zwei Journalisten, die die Webseiten Gilan-Nowin und Gilan-Nou betrieben, wurden auf Verlangen des Parlamentsabgeordneten von Rascht (Region Gilan), Gholamresa Dscha’farsade Iman-Abadi, vom Bezirksgericht Rascht (Dadgahe Keyfari Schahrestane rascht) zu 114 bzw. 40 Peitschenhieben verurteilt. Ihnen wurde Verbreitung einer Publikation ohne Erlaubnis und Verbreitung unwahrer Nachrichten zu Last gelegt. Außerdem sollen sie an den Abgeordneten eine Geldstrafe wegen Verleumdung bezahlen. Ein dritter Journalist, der die Webseite Chazar-online betrieben hatte, wurde vom Gericht freigesprochen.
http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=78011
vom 10. Bahman 1395 (29.01.217)
154 d.arbe shalaq baraye do xabarnegare ostane gilan

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Russland in Syrien: 2 Jahre Straflager für Blogger


Regionalgericht Tyumen (Russische Föderation)

Während die Außen- und Verteidigungsminister des Irans, Russlands und der Türkei heute in Moskau über den Krieg in Syrien und die Lage in Aleppo verhandelten, fand heute vor dem Regionalgericht in Tyumen ein Prozess hinter geschlossenen Türen gegen den bekannten Blogger Aleksey Kungurov statt.
http://kungurov.livejournal.com/
Er hatte den Eintritt Russlands in den Syrienkrieg im November 2015 auf seinem Blog kritisiert, namentlich sein Artikel «Кого на самом деле бомбят путинские соколы» (Wen bombardieren die Putinschen Falken wirklich?) wurde viel gelesen. Am 3. März 2016 wurde er festgenommen, seine Wohnung durchsucht und sein Computer beschlagnahmt. Mit Hilfe eines „Experten“ des Nationalen Sicherheitsdienst wurde ein Gutachten erstellt, auf dessen Grundlage gegen ihn Anklage wegen „Rechtfertigung von Terrorismus“ erhoben wurde. Seit Juni 2016 ist Aleksey Kungurov in Untersuchungshaft. Heute fällte das Gericht in Tyumen das Urteil: Zwei Jahre Straflager für den Blogger.
So, wie Erdogan den Journalisten Can Dündar einsperren ließ, als dieser über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes MIT an Islamisten in Syrien berichtete, so nimmt sich Putin heute seinen Kritiker Kungurov vor.

https://www.novayagazeta.ru/news/2016/12/20/127608-tyumenskiy-bloger-poluchil-dva-goda-kolonii-za-post-o-sirii
Тюменский блогер получил два года колонии-поселения за пост о Сирии
Политика
15:39 20 декабря 2016
Евгений Ширяев
корреспондент

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Türkei: Das Land der Pinguine

Der folgende Artikel stammt vom derzeit im Exil lebenden türkischen Journalist Can Dündar. Er wurde im Oktober-Heft des ai-Journals 2016 veröffentlicht. Sämtliche Urheberrechte liegen bei Can Dündar.

Im Oktober 2016 schrieb Can Dündar im AI-Journal folgenden Gastbeitrag (Amnesty Journal Oktober 2016):

Die Pinguine und der Pool
Wie türkische Medien zum Schweigen gebracht werden. Ein Gastbeitrag von Can Dündar, dem ehemaligen -Chefredakteur der Tageszeitung „Cumhuriyet“.
„In der Türkei waren die Medien nie im eigentlichen Sinne frei. Doch eine derart drastische Knechtschaft gab es ebenfalls noch nie. Um diese starke Zwinge zu schaffen, die nicht einmal die Militärregime vor ihm zustande brachten, verfolgte Staatspräsident Erdoğan innerhalb von zehn Jahren eine dreistufige Strategie: Er übernahm zunächst die Kontrolle der Zentrumsmedien, dann baute er eine von ihm abhängige Medienmacht auf und schließlich brachte er die übrig gebliebenen
Oppositionellen zum Schweigen.

Es fing in Deutschland an
Die erste Stufe setzte 2007 in Deutschland ein. Im April durchsuchte die deutsche Polizei den Verein „Leuchtturm“ und die Europa-Vertretung des türkischen TV-Senders „Kanal 7″ in Frankfurt. Es hatte sich herausgestellt, dass der Löwenanteil der 41 Millionen Euro, die der Verein von Türken in Deutschland als Spenden eingesammelt hatte, zugunsten des regierungsnahen Senders Kanal 7 in die Türkei geschafft worden war. Die Zeitungen nannten das die „Veruntreuung des Jahrhunderts“. Türkische Staatsanwälte nahmen auch in der Türkei Ermittlungen auf. Der Fernsehsender, dem das überwiesene Geld zugeschanzt worden war, wurde durchsucht, die Verantwortlichen wurden festgenommen. Die Ermittlungen zeitigten in beiden Ländern allerdings unterschiedliche Ergebnisse:
In Deutschland wurden die Schuldigen verurteilt und inhaftiert. In der Türkei dagegen wurden die Staatsanwälte, die die Ermittlungen eingeleitet hatten, vom Dienst suspendiert und die Akten geschlossen.
Für Erdoğan, damals Premierminister, wurde dieser Fall zu einem Wendepunkt. Er begriff, dass er nicht zum Staatspräsidenten würde aufsteigen können, wenn er widerständige Medien nicht zerschlug und sich zugleich eine eigene Medienmacht aufbaute. Er krempelte deshalb unverzüglich die Ärmel hoch.

Die größte Strafe aller Zeiten
Im Januar 2007 war die deutsche Axel-Springer-Gruppe mit -einem über die Deutsche Bank transferierten Betrag zum 25-prozentigen Anteilseigner der Doğan Yayın Holding geworden, der größten Mediengruppe der Türkei. Die türkische Regierung ärgerte sich wegen der Ermittlungen sowohl über die Deutschen als auch über die Doğan-Gruppe, weil sie täglich Schlagzeilen zu den Ermittlungen brachte. Nun war die einmalige Chance für Vergeltung da. Der Doğan-Holding wurden zwanzig Steuerbeamte auf den Hals geschickt, die 330 Tage lang die Bücher des Unternehmens prüften. Am Ende wurde in zwei Wellen die größte Steuerstrafe in der Geschichte der türkischen Republik gegen die Doğan-Gruppe verhängt: Rund drei Milliarden Dollar. Damit waren die „Leuchtturm“-Ermittlungen gerächt.
(Anmerkung: Dies könnte auch erklären, warum die BILD, die sich eigentlich nicht für die Menschenrechte einsetzt, zu den vehementen Erdogan-Kritikern in Deutschland gehört.)
Diese Strafe sorgte dafür, dass in den Sendern und Publikationsorganen der Doğan-Gruppe nie wieder über Veruntreuung und Korruption berichtet wurde, zugleich war die Botschaft bei allen anderen Medienbetreibern angekommen: „Seid auf der Hut!“ Und zwar so nachhaltig, dass die Medienunternehmer, die der Reihe nach die renommiertesten Zeitungen der Türkei aufkauften, fortan bei Erdoğan persönlich anfragten, wen sie als Chefredakteur einsetzen sollten. Er verkündete dann die genannten Namen stolz in der Presse. Natürlich wurden auch die Listen mit Personen, die gefälligst aus den Medien entfernt -werden sollten, den neuen Medienmogulen von Ministern und Beratern persönlich überreicht. So entstanden die sogenannten „Pinguin-Medien“.

Pinguin-Medien
Seit drei Jahren werden in der Türkei von Regierungsseite übernommene Medien als „Pinguin-Medien“ bezeichnet. Warum, werden Sie fragen, wurden sie nicht beispielsweise nach Straußen, sondern ausgerechnet nach Pinguinen benannt? Lassen Sie mich das erklären: In der Nacht, als sich der Protest, der sich am Widerstand gegen die Rodung der Bäume im Istanbuler Gezi-Park 2013 entzündet hatte, über die ganze Türkei ausdehnte, sendete der wichtigste Nachrichtensender des Landes eine Dokumentation über Pinguine. Während Medien in aller Welt live aus Istanbul berichteten, richteten die türkischen Fernsehsender ihre Kameras auf das Leben am Pol, dies war exemplarisch. Wie Sie sich denken können, gehörte der Sender, der die Dokumentation über Pinguine sendete, die zum Symbol einer Epoche werden sollten, zu eben jener Mediengruppe, die Erdoğan mit der Supersteuerstrafe belegt hatte. Seither werden Medien, die vor der Realität die Augen verschließen und Selbstzensur zur Sende- bzw. Publikationspolitik machen, als „Pinguin-Medien“ bezeichnet.

Pool-Medien
Doch die Zentrumsmedien zum Schweigen gebracht zu haben, reichte Erdoğan noch nicht. Nun ging es um Stufe 2: Es galt, umso lauter zu reden, wenn andere schweigen, sich selbst darzustellen und auch jene zum Schweigen zu bringen, die eventuell noch reden würden. Die Medien, die diese Aufgabe übernahmen, wurden nun „Pool-Medien“ genannt. Warum, werden Sie fragen, „Pool-Medien“ und nicht zum Beispiel „regierungstreue Medien“? Lassen Sie mich auch das erläutern: Die Gezi-Proteste fanden im Mai und Juni 2013 statt. Erdoğan, damals Premierminister, trommelte im August ihm nahestehende Unternehmer zusammen und „befahl“
ihnen, eine der führenden Mediengruppen der Türkei zu kaufen. Die Unternehmer waren zunächst abgeneigt, doch als Gegenleistung wurden ihnen die 22-Milliarden-Euro-Ausschreibung für den dritten Istanbuler Flughafen sowie einige weitere Ausschreibungen in den Sektoren Eisenbahn, Brücken, Staudämme und U-Bahn versprochen. Angesichts der Summen, die sie verdienen würden, waren die verlangten Medieninvestitionen Peanuts. Damit war Abhilfe für ihre Unlust geschaffen. Mit insgesamt 630 Millionen Dollar von sechs Unternehmern wurde ein Kapitalpool gebildet. Das Geld wurde in einem gepanzerten Fahrzeug zur Bank gebracht, die „Pool-Medien“ waren gegründet. Die Fernsehsender und Zeitungen dieser vor drei Jahren aufgekauften Mediengruppe rühmen noch heute einhellig die Regierung und verdammen die Oppositionellen. Und die Unternehmen, denen die Mediengruppe heute gehört, wachsen aufgrund der ihnen zugeschanzten Ausschreibungen weiter.

Die Propagandamaschine
Die Resultate dieser Medienstrategie stellten sich prompt ein: Im Wahlkampf vor den Parlamentswahlen vom November 2015 bekam der Vorsitzende der Regierungspartei mehr Redezeit als alle Vorsitzenden der anderen Parteien zusammen. Wie das beim staatlichen Fernsehen aussah? Innerhalb von 25 Tagen -erhielten Staatspräsident und Premierminister 59 Stunden Sendezeit, die Vorsitzenden der drei Oppositionsparteien aber nur insgesamt 6,5 Stunden. Welchen Sender man auch einschaltete, Erdoğan war überall. Diese Propaganda-Offensive hatte ihren Anteil daran, dass die Regierung mehr als 40 Prozent der Wählerstimmen erhielt.

Die Überbleibsel
Kommen wir zur dritten Stufe der Strategie. Dabei geht es um uns. Wir, die aller Drangsalierung zum Trotz nicht schweigen, sondern weiter couragiert reden und schreiben: ein paar Zeitungen, ein paar Fernsehsender und eine Handvoll Journalisten, die sich hartnäckig für ihren Beruf einsetzen. Erdoğan hat versucht, einen Teil dieser Kräfte durch Beleidigungsklagen zu verschrecken. Seine Anwälte, die jede Kritik an ihm als Beleidigung auffassen, strengten mehr als 2.000 Prozesse gegen jeden an, der ein Wort gegen Erdoğan sagte. Wer sich dennoch nicht „bessern“ wollte, wurde damit bedroht, „einen hohen Preis zu zahlen“ und hatte von der Regierung ermunterte Attacken zu befürchten, es kam zu tätlichen Angriffen, Prügeln und Schüssen. Schließlich ergriff die Regierung beim militärischen Umsturzversuch im Juli 2016 die Gelegenheit beim Schopfe, bootete Justiz und Parlament vollständig aus und leitete eine Hexenjagd gegen die Medien ein. Sie schloss mehr als 100 Presseeinrichtungen und steckte mehr als 100 Journalisten ins Gefängnis. Sie verwandelte die Türkei in das weltgrößte Gefängnis für Journalisten.

Pinguine im Pool
Soweit die Geschichte der Übernahme der türkischen Medien. Ist es nun unmöglich geworden, etwas anderes zu sagen als die Regierung und oppositionelle Texte zu schreiben? Nein, das nicht. Aber Zeitungen, die kritisch berichten, müssen damit rechnen, geschlossen zu werden. Journalisten, die abweichende Äußerungen wagen, riskieren Haftstrafen. Angesichts dieser Aussichten ziehen es die meisten Pinguine vor, im schmutzigen Pool zu schwimmen – und keinen Fuß auf vermintes Terrain zu setzen, indem sie sich mit Veruntreuung, Korruption, der kurdischen Sache oder der Repressionspolitik beschäftigen.“

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe.

Quelle
http://www.amnesty.de/journal/2016/oktober/die-pinguine-und-der-pool?destination=node%2F3031

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Türkei: Auslöschen der Erinnerung

Die türkische Internet-Zeitung radikal, die in den Besitz der Dogan-Medien-Gruppe übergegangen war, hatte am 6. April 2016 ihr Erscheinen eingestellt. Angeblich, weil sie nicht rentabel war. Heute, den 9.11.2016, wurde nun auch das Internet-Archiv der Zeitung, das einen Zeitraum von 20 Jahren umfasste und viele wichtige Hintergrundartikel umfasste, gelöscht. Dies entgegen der Zusagen, die die Verantwortlichen des Medien-Unternehmens bei der Schließung der Zeitung gegeben hatten.
Türkischen Leserinnen und Lesern wird damit der Zugriff auf eine kritische Sicht der türkischen Geschichte massiv erschwert, denn viele andere Zeitungen (Milliyet, Hürriyet und ähnliche) sind ohnehin nur Sprachrohr der Machthaber oder üben Selbstzensur.
Es ist anzunehmen, dass dies ein weiterer Akt der Unterwerfung der Dogan-Gruppe unter die Wünsche von Erdogan ist.


Titelseite von Milliyet am 9. November 2016

Zeitung Milliyet hetzt gegen Journalisten
Es passt in die Atmosphäre, dass die Zeitung Milliyet, die von Erdoğan Demirören gekauft wurde, einem Anhänger von Präsident Tayip Erdoğan, am 9. November 2016 auf der Titelseite mit einem Artikel gegen Can Dündar erschien, der bis zum 1. August 2013 selbst 12 Jahre lang für diese Zeitung geschrieben hatte. Es war Can Dündar, der die Affäre aufgedeckt hatte, dass der türkische Geheimdienst MIT den IS in Syrien mit Waffenlieferungen unterstützte. Can Dündar wurde auf persönliche Intervention von Tayip Erdoğan bei Erdoğan Demirören, dem neuen Besitzer der Zeitung Milliyet, auf die Straße gesetzt. Sein Artikel über die Tätigkeiten des türkischen Geheimdienstes führten auf Betreiben von Tayip Erdoğan zu seiner Verhaftung und Verurteilung. Da Can Dündar nach dem Putsch vom 15. Juli 2016 ins Exil ging und jetzt in Paris die Ehrenbürgerschaft erhielt, nutzt der türkische Präsident offensichtlich seine Verbindungen, Can Dündar über die auch in Europa gelesene Milliyet als Terroristen zu verunglimpfen. So lautet die Überschrift von Milliyet: „Paris hat das flüchtige FETÖ-Mitglied in die Arme geschlossen.“ FETÖ ist der Propaganda-Begriff der türkischen Regierung für die Anhänger der Bewegung von Fethullah Gülen, die Präsident Erdogan für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich macht. Das ist genauso absurd wie die Vorwürfe gegen die jüngst verhafteten Mitglieder der Cumhuriyet-Redaktion, sie hätten die FETÖ und die PKK unterstützt. Cumhuriyet hat stets eine laizistische Richtung im Sinne Atatürks vertreten und war im Gegensatz zu Präsident Erdogan nie als Verbündeter von Fethullah Gülen aufgetreten.

Quellen:
https://www.evrensel.net/haber/295339/radikalin-dijital-arsivi-silindi
Radikal‘in dijital arşivi silindi
09 Kasım 2016 23:38

http://www.diken.com.tr/milliyet-eski-yazari-dundari-firari-fetocu-ilan-etti/
Milliyet, eski yazarı Dündar’ı ‘firari FETÖ’cü’ ilan etti
09/11/2016 14:19

http://alischirasi.blogsport.de/2016/05/06/tuerkei-erdogan-mit-vollgas-in-die-diktatur/

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Türkei: Bewaffnete Überfälle von Polizei und PKK

Wir hatten berichtet, dass die Tageszeitung Özgür Gündem am 16. August 2016 auf Gerichtsbeschluss von Sondereinheiten der Polizei geschlossen wurde und die Journalisten unter Gewaltanwendung abgeführt wurden. Am Abend des 18.08.2016 berichtete die Zeitung Diken von der Freilassung von 22 der 25 Journalisten. Weiterhin in Haft sind Zana Kaya, İnan Kızılkaya und Aslı Erdoğan. Sie werden in der Anti-Terror-Abteilung der Staatssicherheit der Provinz Istanbul festgehalten.


Aslı Erdoğan

Nach einer Meldung von Diken von 14:15 war die Schriftstellerin Aslı Erdoğan wegen einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustands kurz in ein Krankenhaus gebracht worden, wurde danach aber wieder zur Staatssicherheit von Istanbul zurückgebracht. Es soll ihr gut gehen, aber bis zu diesem Zeitpunkt wurde ihr noch nicht erlaubt, mir einem Anwalt oder einer Anwältin zu sprechen.


Naci Adıyaman

Militärköpfe in der PKK in der Überhand?
Die Zeitung Diken berichtete am 13. August davon, dass die PKK den Leiter der AKP-Jugendorganisation des Landkreises Beytüşşebap (Provinz Şırnak) Naci Adıyaman und seinen Bruder Fikret Adıyaman auf der Straße angehalten hätten und sie aus dem Auto aussteigen ließen. Die Leiche von Naci Adıyaman sei 1 km von diesem Ort entfernt gefunden worden. Nach dem Verbleib von Fikret Adıyaman forschen die Sicherheitsorgane noch. Naci und Fikret Adıyaman sind die Neffen von Tahir Adıyaman, des Oberhaupts des Jirki-Familienverbands, und zugleich Anführer von sogenannten „Dorfschützer“-Einheiten.

Angriffe in Elazığ und Van
Am 18.08.2016 wurden zwei bewaffnete Angriffe verübt: einer auf die Staatssicherheit von Elazığ (Name einer kurdischen Provinz und ihrer Hauptstadt) und einer auf die Polizeikommandantur von Van. Vor der Staatssicherheit in Elazığ explodierte ein mit Bomben beladenes Fahrzeug, worauf laut Ministerpräsident Yildirim 3 Polizisten ums Leben gekommen und 217 Menschen verletzt worden seien. Als CNN Türk einen Augenzeugen befragte, und dieser von einer großen Zahl von Toten in der Staatssicherheit sprach, fuhr der Moderator des Programms dazwischen und forderte den Zeugen auf, nicht auf die Zahl der Toten einzugehen. Der Augenzeuge sagte später zum Moderator, dass man ihn (den Moderator) falsch informiert habe, es gebe eine große Zahl von Toten.“
Während Zeitungen wie Milliyet sofort die PKK für die Anschläge verantwortlich machte, schreibt die Zeitung Özgür Gündem nichts über die möglichen Urheber. Sollte die PKK tatsächlich für die Angriffe verantwortlich sein, spräche dies für einen Sieg der Militaristen in der Organisation. Aus militärischer Sicht ist die Schwächung der türkischen Armee durch die Säuberungen der jüngsten Wochen ein Vorteil, aus politischer Sicht ist jeder Terrorakt ein propagandistischer Trumpf in der Hand der Machthaber, die Kurden noch intensiver zu verfolgen. Dies beweist auch die jüngste Razzia gegen die Zeitung Özgür Gündem.

Quellen
http://www.diken.com.tr/akp-ilce-genclik-kollari-baskani-sirnakta-pkklilarca-olduruldu/
AKP ilçe gençlik kolları başkanı Şırnak’ta ölü bulundu
13/08/2016 17:53

http://www.diken.com.tr/ozgur-gundem-yazari-asli-erdogan-gozaltinda-rahatsizlanarak-hastaneye-kaldirildi/
Özgür Gündem yazarı Aslı Erdoğan gözaltında rahatsızlanarak hastaneye kaldırıldı
18/08/2016 14:15

http://www.diken.com.tr/ozgur-gundemde-gozaltina-alinan-25-gazeteciden-22si-serbest-birakildi/
Özgür Gündem’de gözaltına alınan 25 gazeteciden 22’si serbest bırakıldı
18/08/2016 19:18

http://ozgurgundem1.com/haber/175799/2-ayri-noktada-polise-saldiri-olu-ve-yaralilar-var
2 ayrı noktada polise saldırı; ölü ve yaralılar var
18 Ağustos 2016 14:00

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Türkei: Die Gesichter des Widerstands

Die Internetseite der von einem Gericht in Istanbul geschlossenen türkisch-kurdischen Zeitung Özgür Gündem (Freie Tagesordnung) berichtet von ihren Mitarbeitenden und den staatlichen Repressionen.


Razzia bei Filiz Koçali
Noch am selben Tag, an dem die Zeitungsredaktion gestürmt wurde, fand eine Razzia in der Privatwohnung der Journalistin Filiz Koçali im Istanbuler Stadtteil Bakırköy statt. Die Journalistin war zu diesem Zeitpunkt nicht zu Hause.
http://ozgurgundem1.com/haber/175763/yazarimiz-filiz-kocalinin-evine-baskin
16 Ağustos 2016 20:36


Eren Keskin: Die Schweigenden sollten sich bewusst sein, dass sie die nächsten sind
Die Rechtsanwältin Eren Keskin, eine ehemalige Chefredakteurin der Zeitung, berichtet, dass in der vergangenen Nacht eine Polizeirazzia gegen ihre Wohnung stattfand, wo auch ihre 85-jährige Mutter lebt. Sie selbst befand sich zu diesem Zeitpunkt in Diyarbakir. Sie sagte, sie sei bereit, sich selbst bei der Staatsanwaltschaft zu melden, wenn ein Haftbefehl gegen sie vorliege. Das Vorgehen des Staates habe nur ein Ziel: Angst und Schrecken zu verbreiten. Aber diejenigen, die jetzt schweigen, sollten wissen, dass sie als nächstes dran sind.
Eren Keskin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur DIHA, dass sie bislang keinerlei amtliche Mitteilung erhalten habe. Eren Keskin berichtet weiter: „In den 1990ern war ich einem massiven bewaffneten Angriff ausgesetzt und ich kam ins Gefängnis. Aber zum ersten Mal wurde eine Razzia von mit Gewehren ausgerüsteten Personen auf mein Haus verübt, wurde das Viertel, in dem ich wohne, von der Polizei abgeriegelt. Dies macht vor aller Augen deutlich, wie weit der Faschismus in diesem Land gediehen ist. Das alles dient dazu, Angst und Schrecken zu verbreiten.“

http://ozgurgundem1.com/haber/175769/keskin-susanlar-bilsinler-ki-sira-onlara-da-gelecek
17 Ağustos 2016 11:25
http://www.diken.com.tr/kapatilan-ozgur-gundemin-manseti-boyun-egmeyecegiz/
Kapatılan Özgür Gündem’in manşeti: ‘Boyun Eğmeyeceğiz’
17/08/2016 10:08


Ragip Zakarolu
Spur der Verwüstung in der Wohnung seines Sohns
Der Journalist, Schriftsteller und Menschenrechtsaktivist Ragip Zakarolu, der bei seinem Sohn Sinan Zakarolu gemeldet ist, berichtet, dass am 16. August eine Razzia in der Wohnung seines Sohns stattfand. Er schreibt auf seiner Facebook-Seite:
„Mein Sohn befindet sich derzeit in Ferien. Da ich in seiner Wohnung gemeldet bin, fand gestern Nachmittag von einer Bande, die behauptete, von der Polizei zu sein, ein Überfall auf die Wohnung statt, bei dem die Stahltür aufgebrochen wurde. Die Bücher über das Massaker an den Armeniern, an den Pontos-Griechen und an den Assyrischen Christen, die ich übersetzt, verlegt und meinem Sohn geschenkt hatte, wurden beschlagnahmt. Ich protestiere gegen dieses barbarische Verhalten.
Vierzig Jahre lang wurde ich in Prozessen gegen die Presse angeklagt… Dabei erhielt ich jedesmal von der Staatsanwaltschaft eine amtliche Mitteilung. Ich ging dann hin und verteidigte das, was ich geschrieben hatte und gab meine Antwort auf die unsinnigen Vorwürfe. Aber so etwas Hinterhältiges habe ich noch nicht erlebt. Nicht einmal in den Jahren des Schmutzigen Krieges in den 1990ern.
Aber die Barbarei, der Rassismus und die Bücherfeindschaft werden nicht siegen, sonder die Wahrheit, die Menschlichkeit, die Freiheit und die Demokratie.“

http://ozgurgundem1.com/haber/175767/ragip-zarakolunun-evi-basildi
17 Ağustos 2016 10:42


Dem Verschwindenlassen entronnen – die Schriftstellerin Asli Erdogan
Die mit dem Staatspräsidenten nicht verwandte Schriftstellerin Aslı Erdoğan, die auch für Özgür Gündem schreibt, wurde nach der Razzia gegen die Zeitung in ihrer Privatwohnung festgenommen. Noch um 12 Uhr war nach einer Meldung von Bianet, die von der Zeitung Diken zitiert wurde, nicht bekannt, wo sich die Festgenommene befand. Erst um 14 Uhr konnte Özgür Gündem zumindest in dieser Hinsicht „Entwarnung“ geben. Aslı Erdoğan wurde in die Wache der Istanbuler Staatssicherheit (İstanbul Emniyet Müdürlüğü) in der Vatan caddesi gebracht. Die Anwälte konnten die Gefangene einige Zeit nicht erreichen.
Da Aslı Erdoğan 2012 Writer in Residence in Zürich war, ist die Nachricht von ihrer Festnahme auch gleich in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen, siehe der Link auf einen Artikel von Angelika Schader. (Der Link wird wohl nur kurz aktiv sein!).

http://ozgurgundem1.com/haber/175770/asli-erdoganin-nereye-goturuldugu-ogrenildi
17 Ağustos 2016 14:20
http://www.diken.com.tr/kapatilan-ozgur-gundemin-manseti-boyun-egmeyecegiz/
Kapatılan Özgür Gündem’in manşeti: ‘Boyun Eğmeyeceğiz’
17/08/2016 10:08

http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/schriftstellerin-asli-erdogan-verhaftet-zu-nah-am-feuer-ld.111479
Schriftstellerin Asli Erdogan verhaftet
Zu nah am Feuer
von Angela Schader 17.8.2016, 14:32 Uhr

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Türkei: Staatsterrorismus gegen Journalismus


Demokratie? – Zeichnung des brasilianischen Karikaturisten Carlos Latuff

Am 16. August 2016 ordnete das 8. Amtsgericht von Istanbul (İstanbul 8’inci Sulh Ceza Hakimliği) die Schließung der türkisch-kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem (Freie Tagesordnung) an. Als Begründung wurde „Propaganda für die Terrororganisation PKK“ angegeben.


Gerichtsbeschluss zur Schließung von Özgür Gündem

100 Prozesse seit Januar 2016
Wie massiv die staatliche Verfolgung dieser Tageszeitung ist, zeigt schon die Zahl der Prozesse, die allein dieses Jahr gegen die Zeitung Özgür Gündem eingeleitet wurden: Es sind über 100. So startete die Zeitung am 3. Mai 2016, dem Internationalen Tag der Presse, eine Aktion unter dem Namen „Diensthabender Chefredakteur“. Die Idee war, dass abwechselnd verschiedene Schriftsteller, Journalisten und Künstler kurzzeitig das Amt des Chefredakteurs der Zeitung ausüben. 56 Menschen nahmen an der Aktion teil, gegen 50 wurden Ermittlungen eingeleitet, 16 davon mündeten in ein Gerichtsverfahren.


IMC TV berichtet live

Razzia gegen Redaktion
Am Nachmittag des 16. August 2016 fand ein Polizeieinsatz gegen die Zeitung statt. Die Polizei wollte dadurch das Erscheinen der Zeitung am Folgetag verhindern. Die Polizei nahm allen Zeitungsmitarbeitern den Ausweis weg, auch den Mitarbeitern des Fernsehsenders IMC TV, die gerade Aufnahmen bei der Zeitung machten. Die Kameras des Fernsehsenders wurden beschlagnahmt. 14 JournalistInnen wurden in Gewahrsam genommen: Der Chefredakteur, die Redakteure, die Korrespondentin von IMC TV Gülfem Karatas, die vom Vorgefallenen berichtete, der Kameramann des IMC TV Gökhan Çetin und der Korrespondent der Nachrichtenagentur DIHA Mesut Karnak. Bei der Festnahme wurden einige Journalisten geschlagen.


Der Karikaturist Halil İncesu zeichnet die Szene der Festnahme von Doğan Güzel nach, der dabei geprügelt wurde, des Hemd zerrissen wurde und dem von hinten Handschellen angelegt wurden.


Titelseite der geschlossenen Zeitung Özgür Gündem vom 17. August 2016:
Boyun Eğmeyeceğiz – Wir werden uns dem Druck nicht beugen
Die Zeitung veröffentlicht darin die Fotos ihrer Mitarbeitenden, die Opfer der Polizeigewalt wurden, und schreibt weiter:
„Genauso wenig wie die Folterer werden auch eure Bosse es nicht schaffen, uns zum Schweigen zu bringen. Wir haben den Putsch vom 28. Februar (1997), den die islamistischen Medien totgeschwiegen haben, als 28. Februar-Putsch beim Namen genannnt und haben uns auch dem Militärputsch-Versuch von gestern entgegengestellt. Diese Haltung legen wir auch heute ohne Wenn und Aber an den Tag. Wir werden uns auch dem AKP-Putsch entgegen stellen. Wir haben nicht geschwiegen, und ihr werdet uns auch nicht zum Schweigen bringen können.“

So sehen die heldenhaften Putschisten von heute aus

Welche Zeitung hat seit 1992 89 ermordete Journalisten zu verzeichnen?
Die Journalistin Mehves, Evin schreibt in ihrem Kommentar zu den Ereignissen, dass Özgür Gündem eine wichtige Zeitung der kurdischen Bewegung ist. Laut einer Erklärung der Gewerkschaft DİSK Basın-İş sind seit 1992 89 MitarbeiterInnen der Zeitung während ihrer Arbeit ermordet worden. In das Gebäude der Zeitung wurden Bomben gelegt, die Mitarbeiter und Chefs wurden wegen ihrer politischen Ansichten ins Gefängnis geworfen.

Rechtlosigkeit
Der Gerichtsbeschluss für die Schließung der Zeitung führt keine konkreten Artikel oder Fotos an, die für die Begründung „PKK-Proganda“ herangezogen wurden. Die Webseite der Özgür Gündem wurde allein im vergangenen Monat zweimal ohne Begründung blockiert. Zur Durchsetzung des Schließungsbefehls wurden maskierte Spezialeinheiten der Polizei eingesetzt. (Die Maskierung sichert die Straflosigkeit der amtlichen Täter). Die verhafteten Journalisten wurden verprügelt und mit Handschellen auf dem Rücken abgeführt. Selbst die Journalistin Gülfem Karatas, , die für IMC TV von der Polizeirazzia berichtete, war der Polizeigewalt ausgesetzt. Der Schriftstellerin Asli Erdogan, die nach einer Razzia in ihrer Privatwohnung festgenommen wurde ein Gespräch mit einem Rechtsanwalt verweigert. Die Behörden beriefen sich dabei auf die Bestimmungen des Ausnahmezustands, der nach Behauptung von Ministerpräsident Binali Yildirim nur auf die angeblichen Putschisten angewandt werden sollte. Noch um 12 Uhr des Folgetages (17. August) war nicht bekannt, wo Asli Erdogan festgehalten wurde.

Plünderung statt Beweissicherung
Mehves, Evin schreibt, dass das Vorgehen der Staatsgewalt gegen die Zeitung und ihre MitarbeiterInnen mehr an eine Plünderung als an eine Beweissicherung erinnert. So wurden die Computer mutwillig beschädigt, deren Hard disk herausgenommen wurde, selbst Exemplare alter Zeitungen, die an der Wand hingen, wurden abgerissen und in Säcke gestopft. Alle Bücher wurden ebenfalls in Säcke gestopft. Begleitet war das Vorgehen der Polizisten mit Flüchen und Beschimpfungen. Bei der Verhaftung von Dschihadisten oder Gewalttätern gegen Frauen legt die türkische Polizei wesentlich mehr Anstand und Zurückhaltung an den Tag als wenn es gegen Kurden und Linke geht. Dies sieht man auch bei den Razzien gegen Büros der prokurdischen HDP. Keine andere im Parlament vertretene Oppositionspartei musste so etwas je erleben.

Quellen:

http://www.diken.com.tr/ozgur-gundem-teror-orgutu-propagandasi-yapmak-iddiasiyla-kapatildi/
‘Terör örgütü propagandası’ iddiasıyla kapatılan Özgür Gündem’e polis baskını
16/08/2016 17:35
http://www.diken.com.tr/kapatilan-ozgur-gundemin-manseti-boyun-egmeyecegiz/
Kapatılan Özgür Gündem’in manşeti: ‘Boyun Eğmeyeceğiz’
17/08/2016 10:08
http://www.diken.com.tr/darp-edilerek-gozaltina-alinan-ozgur-gundem-karikaturistini-incesu-ve-latuff-cizdi/
Darp edilerek gözaltına alınan Özgür Gündem karikatüristini İncesu ve Latuff çizdi
17/08/2016 14:48
http://ozgurgundem1.com/haber/175770/asli-erdoganin-nereye-goturuldugu-ogrenildi
Aslı Erdoğan‘ın nereye götürüldüğü öğrenildi
17 Ağustos 2016 14:20
http://www.diken.com.tr/ozgur-gundem-baskini-ve-talan-kulturu/
Özgür Gündem baskını ve talan kültürü
17/08/2016 21:35
http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/schriftstellerin-asli-erdogan-verhaftet-zu-nah-am-feuer-ld.111479
Schriftstellerin Asli Erdogan verhaftet
Zu nah am Feuer
von Angela Schader 17.8.2016, 14:32 Uhr

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Amoklauf oder IS-Terror

Es gibt einen sehr lesenswerten Artikel von Götz Eisenberg zu diesem Thema:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=34349#more-34349

Götz Eisenberg hat 30 Jahre lang als Gefängnispsychologe im Erwachsenenvollzug gearbeitet, das hat seine Blicke geschärft.

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Iran: Kampf dem Satellitenfernsehen


Plakate, die über die schädlichen Wirkungen des Satellitenfernsehens für Vater, Mutter, Tochter, Sohn und Kind aufklären (für jedes ein extra Plakat – Arbeitsplätze für die Familien der Bassidschis und Pasdaran)

Am Sonntag, den 24. Julil 2016, fand in Gegenwart des Leiters der Bassidschi-Milizen General Mohammad Resa Naqdi und einiger Mollas die feierliche Vernichtung von 100.000 Satelliten-Antennen statt. Nach eigener Darstellung der Bassidschis hat die Bevölkerung diese 100.000 Antennen freiwillig den Bassidschis übergeben.

Rechts vorne die Menschenmassen, die die Vernichtung der Satellitenantennen feiern

Zu solchen Meldungen sagen die Iraner, dass sich die Machthaber wenigstens ein bißchen mehr Mühe geben sollten, wenn sie schon lügen. Wieso sollte es jemandem einfallen, und in diesem Fall gleich 100.000 Menschen, eine Antenne, die sie für teures Geld gekauft und montiert haben, loszuwerden, indem sie die Bassidschis anrufen? Wenn die Menschen so begeistert bei der Sache waren, wieso sind dann bei der feierlichen Vernichtung gerade mal um die 50 Personen erschienen?

General Mohammad Resa Naqdi hält eine Ansprache

Das Geschäft mit den Antennen
Eine andere Sache ist, dass die Antennen meist importiert sind. Wer importiert sie denn? Die Schmuggelbrüder, die Pasdaran. Und dabei verdienen sie eine Menge Geld. Und dann kommen die Bassidschis und sammeln die Antennen wieder ein. So hält man das Geschäft am Leben…

Bulldozer am Werk – Plakat mit der Aufschrift „Programm zum freiwilligen Einsammeln der Satellitenantennen im ganzen Land“

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=113107
vom 3. Mordad 1395 (24. Juli 2016)
wahshate abadiye jomhuriye eslami az dastresiye mardom be ettela’at / leh kardane mahware ba louder

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Amir Ghotbi – Henker der iranischen Medien

Auf diesem Foto ist ein wichtiger Mann der iranischen Staatsanwaltschaft abgebildet. Es handelt sich um Amir Ghotbi, den Leiter der Abteilung für Kultur und Medien, einem guten Freund des Generalstaatsanwalts von Teheran, Abbas Dscha°fari Doulat-Abad.

Amir Ghotbis Abteilung ist zuständig für das Überwachen der in Zeitungen verbreiteten Inhalte. Aufgrund guter Kontakte zum iranischen Geheimdienst fällt ihm dies besonders leicht. Auf sein Konto gehen zahlreiche Verbote von iranischen Zeitungen wie Aseman, Shargh, Etemad, usw. Darüber hinaus hat er immer wieder Künstler jeglicher Kunstrichtung, sei es MalerInnen, KarikaturistInnen, MusikerInnen verfolgt. Zuletzt hat er sein Aufgabengebiet auch auf Sportler und Sportlerinnen ausgedehnt. Aufgrund seiner Aktivitäten können viele Kulturschaffende ihren Beruf nicht mehr ausüben oder sind vor Gericht gekommen.

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Iran: „Das Gesetz“ wird beschlagnahmt

Auf Beschluss der Generalstaatsanwaltschaft von Teheran (also keines Gerichts) wurde die Zeitung Qanun (Das Gesetz) am 20. Juni 2016 aufgrund einer Klage der Revolutionswächter beschlagnahmt. Die Revolutionswächter erhoben den Vorwurf, die Zeitung habe Lügen verbreitet, um die öffentliche Meinung anzustacheln.
Der Beschluss der Beschlagnahmung wurde mit Abschnitt 5 Grundsatz 156 des iranischen Grundgesetzes begründet.


„Liebe Freunde, wenn Sie mit dem neuen Vorhaben gegen Rouhani einverstanden sind, sagen Sie bitte „Ja“ und dann werde ich hier dran ziehen.“ (Anm.: In dem Kreis versammelt sind Vertreter des Geheimdienstes, der Revolutionswächter, der Bassidschi, der Prinzipialisten und Vertreter des Religiösen Führers.)

Neben einigen anderen Artikeln war den Pasdaran wohl besonders ein Artikel vom 5. Chordad (also von Ende Mai) aufgestoßen, in dem diese Zeitung die Verabschiedung eines Gesetzes durch das Parlament kritisierte, das dem Geheimdienst der Pasdaran (Revolutionswächter) besondere Rechte einräumt. Das iranische Parlament hatte am Dienstag, den 4. Chordad, – wohl auf Druck seitens der bewaffneten Organe – ein Gesetz verabschiedet, wonach die Verwaltungsbehörden bei der Einstellung einer Person auf heikle Positionen beim Geheimdienstministerium, bei der Obersten Justizbehörde und beim Geheimdienst der Revolutionswächter Erkundigungen einholen müssen, ob sie das dürfen.
Diese Vollmacht führt dazu, dass keine Person je für ein Amt eingestellt werden darf, bei der auch nur eines der drei genannten Organe Einwände hat.

http://www.radiofarda.com/content/f8-ghanoon/27809314.html
vom 31. Chordad 1395 (20. Juni 2016)
ruzname-ye qanun touqif shod (Die Zeitung qanun (Das Gesetz) wurde beschlagnahmt).

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Iran: „Trockener Hungerstreik“ eines inhaftierten Journalisten

Der iranische Journalist Ehsan Masandarani, der im Gefängnis sitzt und einen Hungerstreik eröffnet hatte, hat am Sonntag, den 5. Juni 2016, wegen der demütigenden und beleidigenden Behandlung durch die Gefängnisbehörden und aus Protest gegen die Schläge, die er im Krankenhaus erhalten hat, einen „trockenen Hungerstreik“ eröffnet, bei dem er auch keine Flüssigkeit zu sich nimmt.
Ehsan Masandarani war vergangenen Dienstag ins Sina-Krankenhaus in Teheran verlegt worden, weil er an einer Entzündung der Speiseröhre, der Lunge und der Därme litt. Im Krankenhaus wurde er von von seiner Schwester und der 11-jährigen Tochter seiner Schwester besucht. Der bewachende Pasdar beleidigte darauf die Anwesenden und vertrieb die Besucherinnen mit den Worten, sie seien keine Verwandten ersten Grades. Bei der Gelegenheit „beschlagnahmte“ der Revolutionswächter auch gleich das I-Pad des 11-jährigen Mädchens. Aus Protest gegen dieses Verhalten erklärte Ehsan Masandarani, er wolle ins Gefängnis zurück, und versuchte, sich im Bett aufzurichten. Der Pasdar stürzte sich darauf auf ihn und drückte so fest auf den rechten Arm des Patienten, an dem eine Infusionslösung angeschlossen war, dass Ehsan Masandarani ohnmächtig wurde.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=110134
vom 17. Chordad 1395 (6. Juni 2016)
ehsan mazandarani, ruznamenegare zendani, e°lame e°tesabe ghad_a’iye xoshk kard
(tamase telefoni ahmade montazeri ba xanewadeye nargese mohammadi)

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Iran: Journalist wieder im Gefängnis


Mohammad Sadiq Kabudwand

Der iranische Journalist und Menschenrechtsverteidiger Mohammad Sadiq Kabudwand, der 2007 wegen „staatsfeindlicher Tätigkeit“ zu 11 Jahren Gefängnis verurteilt wurde – in der Berufung auf 10 Jahre reduziert, ist noch immer in Haft. Aufgrund seines miserablen Gesundheitszustands und des Versuchs, ihm zusätzliche Delikte anzuhängen, ist er Donnerstag, den 19. Mai 2016, in Hungerstreik getreten. Er wurde darauf am Samstag, den 21. Mai 2016, ins Taleqani-Krankenhaus verlegt. Da er aber seinen Hungerstreik nicht abbricht, solange auf seine Forderungen nicht eingegangen wird, wurde er heute wieder ins Gefängnis zurück verlegt.

http://www.akhbar-rooz.com/news.jsp?essayId=73789
vom 3. Chordad 1395 (23. Mai 2016)
bazgashte mohammad sadiq kabudwand az bimarestan be zendan, tadawome e°tesabe ghad_a

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Iran: Mordanschlag auf Bruder des Oppositionsführers Mussawi

Wie am Sonntag, den 8. Mai 2016, bekannt wurde, erfolgte in der Nacht vom Samstag zum Sonntag ein Mordanschlag auf den Bruder von Mir-Hossein Mussawi, den Sieger der Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009, der Dank der Wahlfälschung von Ajatollah Chamene’is „spontanen Elementen“ die Wahl verlor und dann unter Hausarrest gestellt wurde.
Der Bruder, Mir-Mahmud Mussawi, wurde nachts auf der Straße an seinem Auto von drei Männern in Zivil angegriffen. Einer schrie herum und beschimpfte ihn, einer griff ihn von vorne an, einer versetzte ihm von hinten Messerstiche – er hatte es auf die Halsschlagader abgesehen. Mir-Mahmud Mussawi überlebte den Anschlag und begab sich ins Krankenhaus, wo er verbunden wurde. Die Ärzte rieten ihm, dazubleiben, aber er zog es vor, wieder zu gehen, vermutlich, weil er sich im Krankenhaus nicht sicher fühlte.


Ex-Diplomat Mir-Mahmud Mussawi, Bruder des unter Hausarrest stehenden Reformpolitikers Mir-Hossein Mussawi

Mir-Mahmud Mussawi war in der vorausgegangenen Woche schon zweimal von „Unbekannten“ angegriffen worden.
Von diesem Mordanschlag berichtete die gedruckte iranische Presse nichts, offensichtlich lieben die Drahtzieher im Hintergrund keine Öffentlichkeit. Schon das zeigt deutlich, dass die Täter von weit oben gedeckt werden.
Man sollte diese Vorfälle in Zusammenhang mit den Morddrohungen sehen, die kürzlich gegen den ebenfalls 2009 als Präsident kandidierenden Karubi von Amtspersonen geäußert wurden.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/05/211995.php
Nachricht vom 8. Mai 2016
Su’e qasd be jane baradare mir-hossein mussawi

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Türkei: Erdogan auf den Spuren von VEB Horch und Greif


Ebru Umar, niederländische Journalistin

In der Nacht zum Sonntag wurde die niederländische Journalistin Ebru Umar, die sich gerade im beliebten türkischen Ferienort Kuşadası aufhielt, von der türkischen Polizei abgeholt. Ebru Umar hatte in der holländischen Zeitung Metro darüber geschrieben, dass das türkische Konsulat in Rotterdam „Türken in der Region aufgefordert (habe), jede mutmaßliche Beleidigung Erdoğans in den sozialen Netzwerken zu melden. “ (Zitat aus: 24. April 2016, 17:33 Uhr Quelle: ZEIT ONLINE). Sie hatte Erdogan deshalb als Diktator tituliert.
Die niederländische Website Geenstijl schrieb, Umar habe ihr mitgeteilt, sie sei festgenommen worden, nachdem jemand ihre Twitterbotschaften einer Hotline der türkischen Behörden gemeldet habe. Die Folge: Festnahme wegen „Beleidigung des Staatspräsidenten“.
Erst wurde Ebru Umar einer Gesundheitskontrolle unterzogen, dann wurde sie zum Amt für Staatssicherheit von Kuşadası gebracht (Kuşadası Emniyet Müdürlüğü Güvenlik Büro Amirliği), wo sie die Nacht verbrachte. In den Mittagsstunden wurde sie an die Justiz überstellt. Dort wurde sie von der Staatsanwaltschaft vernommen und mit dem Antrag auf Haft an den zuständigen Haftrichter überweisen. Vom Haftrichter wurde sie unter der Bedingung, die Türkei nicht zu verlassen, auf freien Fuß gesetzt.
Darauf schickte sie folgende Twittermeldung:

Das Verfahren gegen sie geht somit weiter.

Kommentar:
Es ist beachtlich, dass türkische Botschaften inzwischen über eine Hotline verfügen, um Nachrichten über Beleidigungen des Präsidenten entgegen zu nehmen.
Man sollte sich aber nicht täuschen: Erdogan wird von türkischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern im In- und Ausland gewählt, der Rest kann ihm erstmal egal sein. Erdogan ist ein Meister der Polarisierung, und er wählt seine Opfer in der Regel so, dass sie als Minderheit wahrgenommen werden und ihm das bei den Wahlen ein Stimmenplus einbringt. Ob Linke, die nahe der syrischen Grenze von IS-Terroristen ermordet werden, ob Kurden, ob die scheinheiligen Europäer (wobei natürlich alles in einen Topf geworfen wird, kritische Bürger wie heuchlerische Politiker). Kritiker seiner Politik diffamiert er als Staatsfeinde, denen man am besten die Staatsbürgerschaft aberkennen sollte. Das erinnert sehr an die Sympathisanten-Hetze eines Franz Josef Strauß, der damals sogar Heinrich Böll aufs Korn nahm.

Erdogan – der türkische Franz Josef Strauß
Und wie man sieht, hat die Straußenpartei sogar den Tod ihres Gebieters als Regierungspartei überlebt. Es ist also keineswegs gesagt, dass Erdogans Methoden ihm dabei schaden, in der Türkei an der Macht zu bleiben. Etwas weniger demokratisch als die Straußenvögel, aber das liegt daran, dass die Gewaltenteilung in der Türkei noch schlechter funktioniert als in Süddeutschland. Solange die Polarisierung die Minderheiten trifft und Erdogan bei der Mehrheit seiner Wähler den Eindruck erweckt, die Wirtschaft ins Laufen zu bringen und Arbeitsplätze zu schaffen, wird er in Wahlen weiter siegen.
Mit Menschenrechten haben erfolgreiche Politiker nichts am Hut, aber mit Macht!


Dieser Hut ist Erdogan nicht zu groß.

Wettbewerb: Wer schreibt das beleidigendste Gedicht über Erdogan?
Insofern ist es ein ohnmächtiges Strampeln, wenn die britische Zeitung Spectator ihre Leserinnen und Leser auffordert, beleidigende Gedichte auf Erdogan zu verfassen und zuzuschicken. Ein Leser setzte sogar einen Preis von 1000 britischen Pfund aus. Erdogan wird das nicht aus dem Sattel heben. Aber es ist allemal besser als Leisetreterei. Die Menschen in der Türkei können sich nur unter viel höheren Kosten wehren, und erfolglos, da sollten wir wenigstens die Freiheit nutzen, solange wir sie haben. Nicht zur Beleidigung, aber dazu, den Staatsverbrechern und ihren Komplizen im Westen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen.

Spectator, Douglas Murray, 23 April 2016, 9:00 AM

Quellen:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-04/pressefreiheit-tuerkei-journalistin-entlassung-recep-tayyip-erdogan
24. April 2016, 17:33 Uhr

http://www.n-tv.de/politik/Niederlaendische-Journalistin-ist-wieder-frei-article17541801.html
Sonntag, 24. April 2016

http://blogs.spectator.co.uk/2016/04/introducing-the-president-erdogan-offensive-poetry-competition/

http://www.spectator.co.uk/2016/04/send-us-your-entries-for-our-president-erdogan-insulting-poetry-competition/
23 April 2016

http://www.evrensel.net/haber/278341/gozaltina-alinan-hollandali-gazeteci-serbest-birakildi
24.4.2016/ 24 Nisan 2016 12:28

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