Archiv der Kategorie 'Minderheiten'

Iran: Bewaffneter Konflikt zwischen Pasdaran und Demokratischer Partei Kurdistans/Iran

Der Sprecher des Militärrats der Demokratischen Partei Kurdistans/Iran wie auch der Befehlshaber der Landstreitkräfte der Revolutionswächter haben davon gesprochen, dass es am Mittwoch, den 26. Chordad 1395 (15. Juni 2016) im ländlichen Bereich der Region Oschnawije (südlich von Urumije) zu einer bewaffneten Auseinandersetzung gekommen ist.
Nach einer Meldung des Medienbüros erklärte der Befehlshaber der Landstreitkräfte der Revolutionswächter Mohammad Pakpur: „Zwei terroristische Banden, die einer konterrevolutionären Gruppierung angehörgen, hatten vor, Sabotageakten und terroristische Aktionen durchzuführen, das Grenzgebiet um Oschnawije zu durchqueren und ins Landesinnere zu gelangen. Sie wurden von den mutigen Kämpfern der geheimdienstlich und operativ tätigen Kräfte der Basis „Hamze“ der Landstreitkräfte der Revolutionswächter enttarnt.“
Mohammad Pakpur fuhr fort: „Nach einer mehrstündigen Auseinandersetzung erschossen die Kräfte der Revolutionswächter eine Reihe von bewaffneten Individuen.“
Auch eine informierte Person aus der Demokratischen Partei Kurdistans / Iran hat im Interview mit Radio Farda bestätigt, dass es in der Region Oschnawije zu einem bewaffneten Zusammenstoß kam.
Laut „Kurdistan Media“ hat auch der Sprecher des Militärrats der Demokratischen Partei Kurdistans / Iran bestätigt, dass eine Gruppe vom Peschmerga der Demokratischen Partei Kurdistans / Iran in der Region Oschnawije zwischen den Ortschaften Sargiz und Qara-Saqal politische Aktivitäten unter der Bevölkerung durchführte, als sie von den Streitkräften der Pasdaran angegriffen wurden. Es sei zu einem heftigen Gefecht zwischen den beiden gekommen. Der Sprecher erklärte weiter, bei den Pasdaran habe es eine Reihe von Verlusten gegeben, die Toten und Verletzten dieser Auseinandersetzung seien ins Krankenhaus von Oschnawije verlegt worden. Die Staatsbehörden hätten der Bevölkerung untersagt, das Krankenhaus in dieser Zeit aufzusuchen.“ Offensichtlich soll auf diesem Weg verhindert werden, dass unzensierte Einzelheiten über den Vorfall an die Öffentlichkeit gelangen.“
Auf der Landkarte ist ersichtlich, dass Oschnawije nicht weit vom Länderdreieck Iran-Irak-Türkei liegt. In den letzten Wochen war die türkische Grenzprovinz Hakkari, vor allem die Gebiete Yüksekova und S,emdinli Ziel fast täglicher Bombenangriffe der türkischen Luftwaffe. Es fällt auf, dass jetzt auch die iranische Seite kriegerische Handlungen vornimmt. Die Aussagen der iranischen Pasdaran wie der Kurdenpartei deuten darauf hin, dass die Pasdaran die Demokratische Partei Kurdistans bei ihrer politischen Tätigkeit in den Dörfern überrascht hat und die Gelegenheit nutzen wollte, zuzuschlagen. Dabei haben die Pasdaran wohl die Kräfteverhältnisse falsch eingeschätzt.

http://www.radiofarda.com/content/o2-irgc-kurdistan--attacked/27801025.html
vom 31. Chordad 1395 (20. Juni 2016)
dargiriye niruhaye sepah wa pishmargehaye hezbe demokrate kurdestan dar oshnawiye

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Studienausschluss fürs Tanzen

Wie berichtet, hatte ein Parlamentsabgeordneter der Region Sistan und Balutschistan, der offensichtlich fundamentalistisches Gedankengut vertriet, kritisiert, dass auf einer Musikveranstaltung von Studenten auch nicht-traditionelle, moderne Tänze getanzt wurden, die im Internet veröffentlicht wurden.
Inzwischen hat die Disziplinarkommission der Universität von Sahedan, der Hauptstadt von Sistan und Balutschistan, getagt und Strafen gegen sieben Studenten verhängt, dafür, dass sie getanzt haben. Fünf Studenten wurden für zwei Semester vom Studium ausgeschlossen, zwei weitere für ein Semester. Unter den Ausgeschlossen befinden sich auch zwei Moderatoren des Abendprogramms. Einer der betroffenen Studenten (es waren nur männliche Jugendliche anwesend, so will es der staatliche Geschlechterrassismus) meinte, wieso sie bestraft würden. Sie hätten doch niemanden geschädigt und nur getanzt.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=110689#
vom 26. Chordad 1395 (15. Juni 2016)
mahrumiyat az tahsil-e 7 daneshju be ettehame harekat-e mouzun (raqsidan)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Islamisten im Iran – denen kann man’s nie Recht machen

In Sahedan, der Hauptstadt der Region Sistan und Balutschistan, fand im größten Saal der Universität von Sistan und Balutschistan kürzlich ein Fest mit Tanz und Musik statt. Im Saal waren nur männliche Jugendliche, auch auf der Bühne waren keine Frauen anwesend, aber die Islamisten haben schon wieder was auszusetzen, diesmal aus dem Munde des Parlamentsabgeordneten von Sahedan. Ihm missfiel, dass einzelne Studenten dort „fränkische Karatespiele“ getanzt hätten – mit fränkisch ist hier europäisch gemeint, und mit Karate bezeichnet er ruckartige Handbewegungen. Der Abgeordnete will jetzt den Rektor der Uni vor Gericht stellen lassen, weil er den Ferdousi-Salon der Uni für so was hergegeben habe.
Schrecklich! Die islamische Republik wird untergehen! (und das hoffentlich bald)
Gegen die besonders islamisch Gesinnten Balutschen haben die selben Herrschaften übrigens auch einiges: Die bewaffnete Gruppe Dschond-ollah (Soldat Gottes) wird amtlich – nicht zu Unrecht – als Terrorgruppe eingestuft.

Ein Filmausschnitt vom Tanz ist derzeit unter diesem Link zu finden:
http://news.gooya.com/didaniha/archives/2016/06/213487.php
vom 22. Chordad 1395 (11. Juni 2016)
didaniha – filme raqs wa qarati-baziye farangiye daneshjuyane daneshgahe sistan wa baluchistan

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran – Ewin-Gefängnis: Anhänger von Mohammad Ali Taheri protestieren


„Ansicht des Menschen“ – von der Webseite von Erfan Halgheh

Gestern, den 5. Juni 2016, versammelten sich Anhänger von Mohammad Ali Taheri vor dem Ewin-Gefängnis in Teheran. Mohammad Ali Taheri war 2011 unter anderem wegen „Blasphemie“ zu 74 Peitschenhieben und außerdem zu einer Geldstrafe von 900 Millionen Tuman verurteilt worden. Im August 2015 wurde er vom Revolutionstribunal wegen „Verderbnis auf Erden“ zum Tode verurteilt. Er hatte eine philosophisch-mystisch-esoterische Denkschule gegründet, die unter dem Namen Erfan Halgheh bekannt ist. Die Anhänger, die offen für ihn eintreten, wurden selbst schon von den Behörden verfolgt und vor Gericht gestellt, aber sie geben nicht nach.

http://www.kanoonjb.co/index.php/human-rights/news/item/2582-mysticism-fans-gathered-in-front-of-evin-prison-ring
https://en.wikipedia.org/wiki/Mohammad_Ali_Taheri
Webseite von Erfan-Halgheh:
http://www.halghehacademy.com/

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Irans Nomaden: Almauftrieb

Almauftrieb der Familien der Baqir-Bek Yurdi, aus dem Großverband der Tschelebiyanlu von Qara-Dagh, die ihre Sommerweidegebiete 30 km nordwestlich von Ahar (Region Ost-Aserbaidschan, Iran) und 40 km südwestlich von Kalibar im Arasbaran-Gebirge haben.


Wo liegt das?


nach der Beschreibung liegt das Ziel südlich des roten Kreises

Dieses Jahr hat sich der Auftrieb wegen des schlechten Wetters und der Krankheit tab-e barfaki (Schneefieber), wie die Maul- und Klauenseuche im Iran heißt, um 20 Tage verzögert.

diese und viele weitere Fotos finden sich auf:
http://tabnak.ir/fa/news/592955/%DA%A9%D9%88%DA%86-%D8%B9%D8%B4%D8%A7%DB%8C%D8%B1-%D9%82%D8%B1%D9%87-%D8%AF%D8%A7%D8%BA
vom 8. Chordad 1395 (28. Mai 2016)
kuche ashayere qara-dagh (Almauftrieb der Nomaden ins Asbaran-Gebirge)

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Türkei – Denunziantenstaat

Wie die türkische Tageszeitung Evrensel (Universell) auf ihrer Webseite am 18. Mai 2016 berichtete, wurde in İzmit, der Hauptstadt der an die Provinz Istanbul angrenzenden Provinz Kocaeli, eine Presse-Erklärung der türkischen Gewerkschaft BES abgebrochen. Ein Bürger hatte sich an die Polizei mit der Behauptung gewandt, ein Mitglied der Gewerkschaft habe den Staatspräsidenten (Erdogan) beleidigt. Die Polizei wollte daraufhin das Gewerkschaftsmitglied Ayhan Yüce umgehend verhaften. Einer Intervention der CHP-Abgeordneten des Wahlkreises Kocaeli, Frau Hürriyet Kaplan, war zu verdanken, dass es wenigstens nicht dazu kam. Die BES ist eine Gewerkschaft, die Arbeitnehmer im Bereich Bürowesen, Banken und Versicherung vertritt und in zahlreichen staatlichen Einrichtungen vertreten. Sie soll über 18000 Mitglieder haben.
An dieser Stelle sei auch daran erinnert, dass die Staatsanwaltschaft Mainz laut Bericht der Süddeutschen Zeitung vom 27. April 2016 mehrere Hundert Strafanzeigen gegen Jan Böhmermann wegen „Beleidigung des Staatspräsidenten“ (Erdogan) erhalten hat.
Auch die Webseite des Generalstabs der Türkischen Armee berichtet immer wieder von Fahndungserfolgen Dank Denunziationen von Bürgern, so am 13. Mai 2016 in der kurdischen Provinz Siirt, wo 700 kg Ammoniumnitrat in 83 Dampfdruckkochtöpfen auf dem Gelände einer Grundschule entdeckt worden seien.

Zuwendung zum Rechtsstaat?
So unerquicklich die Erscheinung des Denunziantentums ist, könnte man sie ja als Indiz dafür werten, dass die türkischen Bürger (und Bürgerinnen?) zunehmend mehr zu rechtsstaatlichen Methoden greifen und auf die Justiz vertrauen, statt zu Selbstjustiz zu greifen. Das wäre eine Fehldeutung. Nicht nur der Mord an Hrant Dink, auch der Mordversuch am Cumhuriyet-Chefredakteur Can Dündar in einer Pause der Gerichtsverhandlung vom 6. Mai 2016, zeigen deutlich, dass der Griff zur Waffe nach wie vor als Alternative gesehen wird. In den beiden Fällen wird deutlich, dass die Täter aus einem „patriotisch“ gesinnten Milieu stammen. Insofern ist das Denunziantentum kein Ersatz, sondern eine Ergänzung zu den Methoden der körperlichen Gewalt.

Die Wurzeln
Dass Denunziantentum zur Festigung der staatlichen Gewalt eingesetzt wird, ist auch in der Türkei nicht neu. Anfang der 1980-er Jahre kam ein Reiseleiter aus Konstanz für mehrere Monate hinter Gittern, weil er im Osten der Türkei in Zusammenhang mit armenisch-christlichen Denkmälern auch vom Völkermord an den Armeniern Anfang des 20. Jahrhunderts gesprochen hatte. Ein deutsch sprechender Türke verpfiff ihn bei der Polizei und der Reiseführer wurde verhaftet. Das Denunziantentum ist letztlich Ausdruck einer Nationalismuspolitik, die dem kleinen Bürger Macht verschafft, indem er angebliche Gegner an den Staat ausliefert. Der Bürger wird stark – so glaubt er, indem er den Staat stark macht. Auf Kosten von Feinden, die ihm die staatliche Propaganda serviert.

Bürger zu Kollaboranten
Erdogan kann sich daher rühmen, ein Heer von kostenlosen informellen Mitarbeitern geschaffen zu haben. Dabei macht er sich die nationalistische Denkweise zunutze, die unter Atatürks Zeitgenossen und Nachfolgern herrschte und darin bestand, alles als „Feinde“ auszugrenzen, die sich dem türkischen Nationalismus nicht unterordnen wollten. Das betraf bevorzugt Kurden, Armenier und internationalistisch denkende Linke. Durch die Wiederaufnahme des Kriegs gegen bewaffnete Kurden (PKK) hat Erdogan wieder die nationalistische Atmosphäre geschaffen, mit der sich die Bürger mobilisieren lassen. Heute bekommt man in der Türkei schon Probleme, wenn man Frieden – als Gegensatz zum Krieg – fordert, denn in der Türkei gibt es keinen Krieg, sondern nur „Kampf gegen Terrorismus“. Obwohl Erdogan also das gleiche Vorgehen und Vokabular wie seine türkisch-nationalistischen Vorgänger benutzt, setzt er diese Methoden zu anderen Zielen ein: Ihm geht es darum, die ohnehin bescheidene staatliche Gewaltenteilung zu zerstören und alles den Befugnissen des Präsidenten unterzuordnen. Am Ende steht kein gestärkter Staat, was den Bürgern vorgetäuscht wird, sondern ein gestärkter Alleinherrscher.

Quellen:
http://www.evrensel.net/haber/280468/basin-aciklamasi-sirasinda-cumhurbaskanina-hakaret-fisleme
Basın açıklaması sırasında ‚Cumhurbaşkanına hakaret‘ fişleme, İŞÇİ-SENDİKA
18 Mayıs 2016 22:23

https://tr.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCro_Emek%C3%A7ileri_Sendikas%C4%B1
abgerufen 20.05.2016

http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/528327/Karar_kursun_gibi_agir…_Gazetecilik_m_hkum_edildi.html
7 Mayıs 2016 Cumartesi

http://www.tsk.tr/4_olaylar/4_2_onemli_yurtici_olaylar/onemliyurticiolaylar.html
13 Mayıs 2016: Siirt’de, Gökçebağ Beldesi İlköğretim Okulu bölgesinde vatandaşların ihbarı üzerine yapılan aramada, ayrı ayrı 83 düdüklü tencere içerisine hazırlanmış toplam 700 kg el yapımı patlayıcı (amonyum nitrat) ele geçirilerek imha edilmiştir.

http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/turkiye/529162/Can_Dundar_a_saldiran_Murat_Sahin__Sedat_Peker_e_mesaj_mi_atti_.html
7 Mayıs 2016 Cumartesi

http://www.sueddeutsche.de/medien/streit-um-erdoan-gedicht-zahl-der-strafanzeigen-gegen-boehmermann-steigt-auf-mehrere-hundert-1.2968939
27. April 2016, 09:32 Uhr
Streit um Erdoğan-Gedicht: Zahl der Strafanzeigen gegen Böhmermann steigt auf mehrere Hundert. Laut der Mainzer Staatsanwaltschaft liegt die Zahl „im oberen dreistelligen Bereich“.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Ghaschghai – Hochzeit im Iran

Die Kaschgai oder auch Ghaschghai sind eine Stammesgesellschaft von heute ca. 1,5 Mio. Menschen, die im Süden des Irans teilweise nomadisch leben. Hier sind Bilder einer farbenprächtigen Hochzeit zu sehen.

Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Kaschgai

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Wahlfälschung und Kolonialismus in Balutschistan

Abdos-Sattar Doshoki ist ein bekannter Gegner des islamistischen Regimes im Iran, der in London lebt und dort eine Oppositionspartei der Balutschen gegründet hat.
Er berichtet über die Methoden der Wahlfälschung in der Stadt Sahedan, der Hauptstadt der iranischen Region Sistan und Balutschistan. Im Verlauf der Wahlen hatte sich herauskristallisiert, dass der Anführer der Fundamentalisten, ein Herr namens Hossein-Ali Schahriyari, abgeschlagen hinter zwei anderen Kandidaten erst an dritter Stelle der ausgezählten Stimmen zu finden war. Den ersten Platz hielten zwei in der Region beliebte Personen, namentlich Gholamresa Asisiyan (Schiit aus Sistan) Alim Yarmohammadi (Rigi) (Sunnit aus Balutschistan).
Plötzlich geschah ein Wunder. Nachdem die Frist der Ablieferung der Wahlurnen schon längst abgelaufen war, tauchte in der Wahlbehörde des Vertreters des Innenministeriums (die Vertretung wird Farmandari genannt) 35 noch nicht geöffnete Urnen auf. Keiner hat gesehen, woher sie kamen. Aber es traute sich auch keiner, dieses „Geschenk“ der Polizei zu übergeben, um ein Verfahren gegen Wahlfälschung einzuleiten. So kam es, dass der berüchtigte Hossein-Ali Schahriyari die anderen Kandidaten auf einmal überholte. Das war freilich nicht seine einzige Methode. Wie Herr Doshoki berichtet, hat er 20.000 Personalausweise zur Verfügung, die er bei den Wahlen einsetzen kann (Wähler finden sich immer, im Notfall auch aus den bewaffneten Organen des Staats).


Eine Busladung voll Bassidschis

Und wie folgender Film zeigt, gibt es noch einen dritten Weg. Während in Deutschland die Stimme an den gemeldeten Wohnort gebunden ist, kann man im Iran auch als im Inland Reisender anderswo die Stimme abgeben. Das nützt Hossein-Ali Schahriyari weidlich aus und lässt Busladungen von Bassidschis (paramilitärische Miliz) ankarren, um die Wahlen zu seinen Gunsten zu beeinflussen. In diesem Film sieht man, wie die Wähler gegen diese Form des Wahlbetrugs protestieren. Ein Mann bittet den Heiligen (Imamsade), dessen Wallfahrtsort hier ist, den Bus zu vernichten.

http://news.gooya.com/politics/archives/2016/02/209154.php
Autor: Abdos-Sattar Doshoki
عبدالستار دوشوکی
مرکز مطالعات بلوچستان
دوشنبه ١٠ اسفند ١٣٩٤
doshoki@gmail.com

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Innenministerium warnt vor Ausbreitung des IS in den Iran

Es ist absurd: In einem Staat, in dem religiöse Extremisten seit 1979 einen Islamischen Staat am Leben erhalten, warnt man jetzt vor der Ausbreitung des „Islamischen Staats“. Die Warnung selbst und ihre Hintergründe sind allerdings ernst zu nehmen.


Dr. Sadeq Scharafkandi, vom iranischen Regime ermordeter Kurdenführer

Bericht aus dem Innenministerium
So berichtet der in den USA finanzierte Nachrichtensender Radio Farda, der auch eine Webseite betreibt, am 10. Februar 2016 folgendes:
In der 17. Ausgabe der Zeitschrift „Rahbord“ (Wegweiser) wurde von Fachleuten aus dem iranischen Innenministerium ein Bericht unter dem Titel „Die innere Sicherheit der Islamischen Republik Iran und die Einflussnahme und Wirkung salafitisch-dschihadistischer Parteien im irakischen und iranischen Kurdistan“ (amniyate daxeliye jomhuriye eslamiye iran wa ta‘t_ir wa ta‘at_t_ore ahzabe salafi-takfiriye kordestane °eraq wa kordestane iran) veröffentlicht. Das hier verwendete arabisch-persische Wort takfir bedeutet eigentlich jemand anderen als Ungläubigen zu bezeichnen, was Islamisten üblicherweise tun. Es dient aber im Gebrauch des iranischen Regimes zur Bezeichnung von Gruppen, die nach Meinung der Ajatollahs den Unglauben verbreiten und deshalb zu bekämpfen sind. Es ist also kein juristischer Begriff, sondern eine propagandistische Bezeichnung wie etwa das Wort „Terrorist“. Hierzulande wird mit der gleichen propagandistischen Zielrichtung gern der Begriff „dschihadistisch“ verwendet. Die Zeitschrift „Rahbord“ wird zentral vom iranischen Innenministerium herausgegeben und richtet sich ausschließlich an einen eng begrenzten Kreis von Amtsträgern.


Ajatollah Chomeini, Begründer der Islamischen Republik Iran, Dschihadistenführer, erklärte im August 1979 den Dschihad gegen Kurdistan

Neue Generation radikaler Sunniten
Die Autoren des Berichts schreiben, dass Strömungen, die die Organisation „Islamischer Staat“ unterstützen, in den kurdischen Gebieten des Irans dabei seien, Unterstützer anzuwerben. Angesichts der heiklen Situation könne jeder scheinbar unbedeutende Fehler der zuständigen Behörden in diesen Gebieten zu einem Domino-Effekt führen. In den letzten Jahren hätten Bewegungen, die mit dem IS sympathisieren, in allen kurdischen Gebieten des Irans intensiv geworben, so dass deren Gedankengut nicht mehr als „fremd und importiert“ bezeichnet werden könne. In allen kurdischen Gebieten von Urumiye bis Pawe seien nicht an eine Organisation gebundene Aktivitäten der salafitischen Strömung zu beobachten, Dutzende von bekannten Geistlichen wie auch jungen Theologiestudenten propagierten salafitisches Gedankengut. Die Autoren warnen vor dem Heranwachsen einer neuen Generation sunnitischer Geistlicher, die mit der alten Schule nichts mehr gemeinsam habe und eifrig unter dem Volk für die salafitische Denkweise Werbung machten. In den Gebieten von Bukan, Sar-e Pol-e D_ahab, Urumiye und Dschawanrud seien sie einigermaßen erfolgreich gewesen.
Dies könne man am Auftreten von Verhaltensweisen beobachten, die bislang unter den iranischen Kurden nie zu beobachten gewesen seien. So trügen jetzt Männer „kurze Hosen“, die bis oberhalb des Fußknöchels gingen, und ließen sich einen dichten Bart wachsen, während die Frauen einen Gesichtsschleier anlegten. Das sei unter Kurden nie üblich gewesen, auch die traditionelle sunnitische Geistlichkeit unter den Kurden habe so etwas nie gefordert.


Moulawi Abdolhamid, ein angesehener Vertreter der Sunniten in Sistan und Balutschistan, Kritiker der Diskriminierung von Sunniten durch die Regierung

Diskriminierung der Sunniten
Zu diesem Thema hatte sich schon früher Moulawi Abdolhamid, der Freitagsimam der Sunniten in Sahedan (Region Sistan und Balutschistan) wiederholt warnend geäußert. Er wies darauf hin, dass die grundlosen Schikanen und unhaltbare Diskriminierung von Sunniten „extremistischen Elementen“ in die Hände spielten, was zu Unruhen führen könne. So betonte Moulawi Abdolhamid, dass der Bau einer sunnitischen Moschee in Teheran eine Forderung sei, die auch noch 37 Jahre nach dem Sieg der Islamischen Revolution (im Iran) unerfüllt geblieben sei. Moulawi Sadati, der Freitagsimam der Sunniten in Sarawan (Balutschistan) meinte hierzu: „Auch wenn in den hochrangigen Führungsgremien des Landes den Sunniten keine Ämter eingeräumt werden, ist das doch kein Grund dafür, ihnen die Religionsfreiheit zu entziehen.“
Der Freitagsimam von Sahedan, Moulawi Abdolhamid, kritisierte auch den Plan der Gründung von sunnitischen Religionsschulen, in denen die Vertreter des Obersten Rechtsgelehrten, also des schiitischen Ajatollahs Chamene‘i, das Sagen hätten, und verurteilte die Scheinheiligkeit der Regierenden, die einerseits die Anwesenheit ausländischer Theologiestudenten (aus Afghanistan und Tadschikistan) in den Religiösen Lehranstalten der Sunniten kritisierten, während in Qom – dem religiösen Zentrum der schiitischen Geistlichkeit – allein an der Dschame‘e l-Mostafa 10.000 ausländische Theologiestudenten studierten, von denen die Mehrheit Sunniten seien.


Moulawi Abdulsamad Sadati, Freitagsimam der Sunniten in Sarawan (Balutschistan)

In einer Predigt in Sahedan hatte Moulawi Abdolhamid klar geäußert: „Wir fordern, dass das Gesetz für alle gilt, dasselbe Gesetz, das für Qom gilt, muss auch für uns gelten. Wo liegt der Unterschied zwischen denen in Qom und uns? Wir sind genauso Iraner!“
Auch Ali Yunessi, der Sonderbeauftragte von Staatspräsident Hassan Rouhani für Fragen der Volksgruppen und religiösen Minderheiten, hatte eingeräumt, dass unter den ethnischen und religiösen Minderheiten „ein Gefühl der Ungleichheit“ herrsche. Er betrachtet das Thema des „Wachstums von religiösen Minderheiten mit Gefährdungspotential“ unter dem Sicherheitsaspekt.


Hodschatolleslam Ali Yunessi, ehemaliger Chef des iranischen Geheimdienstes, jetzt Sonderbeauftragter des Präsidenten Hassan Rouhani für ethnische und religiöse Minderheiten


Empfehlungen gegen eine Ausbreitung des IS-Gedankenguts

Die Empfehlungen der Verfasser des Berichts aus dem iranischen Innenministerium an die zuständigen Behörden lauten wie folgt: Einschränkungen der Handlungsfreiheit von radikalen Geistlichen, von Moscheen, die den Tendenzen nahestehen und von Satelliten-Programmen, die von ihnen betrieben werden. Verstärkte Kontrolle der Ein- und Ausreise an den Grenzen, begrenzte und dosierte Unterstützung von volksnahen Organisationen, von Strömungen, die Sufi-Gedanken vertreten, und von sunnitischen Geistlichen, die in der Bevölkerung verankert sind. Die Autoren empfehlen außerdem, jegliche diskriminierenden Maßnahmen und Äußerungen gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten zu vermeiden, namentlich im Westen und Nordwesten des Landes. Wer hiergegen verstoße, solle zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Umfeld der Radikalisierung

Im Bericht des Innenministeriums heißt es, dass die sunnitische Geistlichkeit im iranischen Kurdistan sich traditionell nicht in die Politik eingemischt habe und gewöhnlich das herrschende System unterstützt habe. Als sich aber das Gedankengut der Muslimbrüder im irakischen Kurdistan ausgebreitet habe, habe es aufgrund der engen wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Verflechtungen auch auf das iranische Kurdistan übergegriffen. Die Verfasser des Berichts schreiben auch: „Die Tätigkeit fundamentalistischer schiitischer Gruppen blieb auch nicht ohne Einfluss auf das Anwachsen islamisch-fundamentalistischer Denkweisen unter den Kurden.“ Zugleich sei das Verhalten einiger Schiiten während einiger religiöser Feste – hier dürften die Aschura-Umzüge im Fastenmonat Moharram gemeint sein – beleidigend für die Sunniten, erklärt Ali Yunessi, der Sonderbeauftragte des Präsidenten für ethnische und religiöse Minderheiten.

Übersicht über islamistische Parteien und Organisationen im iranischen Kurdistan

Maktab-e Qoran“ – Die „Koranschule“. Ihr Gründer sei Ahmad Mofti-Sade, aus einer Familie eines sunnitischen Geistlichen in Sanandadsch, die ursprünglich aus Pawe stammt. Ihre Einflusssphäre erstrecke sich auf sunnitische Kurden in Mariwan, Sanandadsch, Saqes, Kermanschah, Dschawanrud und Pawe. Sie habe keine Kontakte zu Parteien im irakischen Kurdistan.

Ahmad Mofti-Sade vor seiner Verhaftung


Hinweis: An dieser Stelle wird deutlich, wie einseitig sowohl die Darstellung des iranischen Innenministeriums als auch die von Radio Farda ist:
Ahmad Moftizadeh (Mofti-Sade) hat zwar auch theologische Studien im Irak betrieben, da ihm dies als Sunnit im Iran nicht möglich war, aber seine Koranschule als islamistische Bewegung zu bezeichnen, klingt eher nach Propaganda. Er hatte Ajatollah Chomeini vertraut, als dieser den Kurden Autonomie zusicherte, wurde deshalb auch von den nationalistischen und kommunistischen Kurden geschnitten, aber als er feststellte, dass sich das Ajatollah-Regime nicht an die Vereinbarungen hielt, kündigte er seine Loyalität. Er wurde 1983 verhaftet, zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt und im Gefängnis massiv gefoltert, so dass er 1993 starb.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmad_Moftizadeh


Ahmad Mofti-Sade im neunten Jahr der Haft – ein Opfer eines Islamischen Staats namens Islamische Republik Iran

Jama°at-e da°wat wa eslah-e Iran“ – Gesellschaft zur Missionierung und Reformierung des Irans, die den Muslimbrüdern nahestehe. Ihre Zielgruppe sei die Mittelschicht, vor allem Akademiker, Geistliche und Meinungsbildner. Sie verfüge im iranischen Kurdistan über beträchtlichen Einfluss. Viele ihrer Anhänger beherrschten auch Fremdsprachen und hätten enge Kontakte zur entsprechenden Organisation im irakischen Kurdistan, der „Yekgirtuy ‚islami kurdistan“ (Islamische Union Kurdistan), deren Führer Mahmud Faradsch sei.
Weitere Einzelheiten zur Islamischen Union Kurdistan: https://en.wikipedia.org/wiki/Kurdistan_Islamic_Union
Webseite der Jama°at-e da°wat wa eslah-e Iran: http://www.islahweb.org/about-us

Beide Organisationen zielten auf Veränderungen ab, seien aber gemäßigt.

Eine dritte Organisation sei die „Jarayan-e jama°at-e tablighi“ – „Strömung der Vereinigung zur (religiösen) Werbung“. Ihr Verständnis sei wichtig, um sowohl die Denkweise der missionarischen wie der salafitisch-dschihadistischen Gruppen zu verstehen. Sie habe sich sowohl in der Region Sistan und Balutschistan wie auch in Kurdistan ausgebreitet. Sie gehe erst von Einzelpersonen aus und entwickle sich dann zu einer gesellschaftlichen Strömung. Unter den gegenwärtigen Umständen befürworte sie Selbstläuterung und Selbsterziehung, die Praktizierung sunnitischer Traditionen, Verzicht auf Beteiligung an der Politik und Abstand von der Praxis des „nahy monker“ – damit ist die oft gewaltsame Unterbindung von Handlungen gemeint, die als religiös unzulässig eingestuft werden. Diese Doktrin ist die ideologische Basis für die Verfolgung von „unzureichend verschleierten“ Frauen an der Öffentlichkeit.

Eine vierte Strömung sei die salafitisch-dschihadistische, die in allen Abweichlern Ungläubige sehe und sich in einen propagandistischen und einen aktiv die „Ungläubigen“ bekämpfenden Zweig aufspalte. Die beiden Zweige unterschieden sich nicht in der islamischen Überzeugung und auch nicht in der Auslegung der Texte. Vielmehr sei der propagandistische Zweig der Wegbereiter für den andern.


Abdul Rahman Ghassemlou, Kurdenführer der DPK-I, 1989 in Wien ermordet. Einer der Täter wurde unter Polizeischutz zum Wiener Flughafen eskortiert, so dass er der österreichischen Justiz entging..


Anwerbung iranischer Kurden für den IS (Islamischen Staat)

Angesichts der Tatsache, dass der IS 32% des irakischen Territoriums kontrolliere und diese Organisation auch das irakische Kurdistan angreife, sei eine vermehrte Mobilisierung dschihadistischer Gruppen im irakischen Kurdistan und in der Folge im iranischen Kurdistan zu erwarten. Im Bericht aus dem Innenministerium heißt es auch: „Die intensive Werbung des ‚Islamischen Staats‘ und anderer dschihadistischer Gruppen über Satellitenfernsehen und Internet hat dazu geführt, dass zahlreiche iranische salafitische Kurden ihre Bereitschaft erklärt hätten, sich ihnen im Irak anzuschließen, und viele auch nach Syrien ausgewandert seien.“
(Zahlenangaben fehlen leider. Sollte die Behauptung zutreffen, ist der Bürgerkrieg in Syrien zugleich auch schon der Beginn eines iranischen Bürgerkriegs, denn auf der Gegenseite – an der Seite von Bascher al-Assad, stehen die iranischen Pasdaran. Diejenigen, die heute in Syrien auf der Seite des IS kämpfen, werden morgen mit Kampferfahrung in den Iran zurückkehren).
Im besagten Bericht heißt es weiter: „Die salafitisch-dschihadistische Strömung im Iran wirbt derzeit junge iranische Kurden für den IS an, um sie in den Irak zu übersenden. Es vergeht kein Tag im iranischen und irakischen Kurdistan, an dem nicht die Leichen dieser Personen beerdigt und sie als Helden im Kampf gegen die Ungläubigkeit und den Satan gefeiert werden.“
Die Propaganda des IS im Irak legt den Schwerpunkt auf den Gegensatz zwischen Schiiten und Sunniten und stellt die Schiiten als Feinde der Sunniten dar, was angesichts der Erfahrungen mit dem Staat auch für iranische Sunniten glaubhaft klingt. Die islamistische Elite im irakischen Kurdistan betrachte den IS als Rächer der Sunniten im Irak, die von der schiitischen Regierung im Irak unterdrückt würden. Diese Wahrnehmung falle auch im Iran auf fruchtbaren Boden, so dass der Bericht davon ausgeht, dass viele iranische Kurden und Balutschen dem IS anschließen werden.

Was nicht zur Sprache kommt

Radio Farda bemängelt in seinem Artikel über diesen Bericht des iranischen Innenministers, dass ein ganzes Spektrum von Themen vernachlässigt wurden. So die Tatsache, dass das Thema der Minderheiten vor allem unter dem Blickwinkel der Sicherheit betrachtet werde, das Misstrauen der Zentralregierung ihnen gegenüber, der fehlende direkte und ehrliche Dialog zwischen beiden Seiten, gegenseitige Beschuldigungen, Ernennung von Führungskadern, die nicht aus dem Kreis der Einheimischen kommen und oft Schiiten sind, selbst wenn sie in sunnitischen Gebieten eingesetzt werden, die Übermittlung von einseitigen und verfälschten „Tatsachenberichten“ über Vorkommnisse in der Region an die Zentralbehörden, die Abneigung, Angehörige der Elite der ethnischen und religiösen Minderheiten auf den oberen Etagen der Macht einzustellen, obwohl es auch in den sunnitischen Gebieten und in den Gebieten ethnischer Minderheiten eine Schicht von Akademikern gibt, die Armut und unzulängliche Versorgung in diesen Gebieten, speziell in der Region Sistan und Balutschistan, das Ignorieren des Rechts auf Unterricht in der Muttersprache in diesen Gebieten, ungleiche Verteilung der Chancen auf dem Arbeitsmarkt, in der Politik, in der Gesellschaft, der Kultur und der Wirtschaft für die Minderheiten.
Moulawi Abdolhamid hat dieses Gefühl der Diskriminierung direkt ausgesprochen: „Zur Erhaltung der Einheit (des Landes) haben wir 30 Jahre lang die Schwierigkeiten ertragen, aber unsere Kinder, die an der Uni studieren, haben eine ungewisse Zukunft. Sie werden zu Spezialisten ausgebildet und haben einen Hochschulabschluss, aber sie werden nicht eingestellt.“


Ajatollah Ali Chamene‘i, Religiöser Führer der Islamischen Republik Iran nach dem Tod von Ajatollah Chomeini


Ajatollah Chamene‘is Unterschrift – die hat er unter dem Befehl gesetzt, Dr. Scharafkandi zu ermorden.

Vorschläge, um dem IS entgegenzuwirken
Der Bericht des Innenministeriums macht auf dem Gebiet der Sicherheit und der Politik Vorschläge, wie man der Gefahr begegnen kann:
- Bildung von konkurrierenden Strömungen unter den salafitischen Gruppen im Iran, um deren Zusammenhalt zu untergraben,
- Freiheitsbeschränkungen für Geistliche und Moscheen, die salafitisches Gedankengut verbreiten,
- vermehrte Zusammenarbeit mit den anderen kurdischen und sunnitischen Geistlichen, namentlich in der Form von amtlich zugelassenen, gemäßigten Strömungen
- vermehrte Kontrolle der Ausreise sunnitischer Theologiestudenten aus dem Iran zum Studium in Pakistan, in den Golfstaaten und in Saudiarabien.
- Aktivierung von Beobachterposten im Irak, um die salafitisch-dschihadistischen Gruppen im dortigen Kurdistan und ihre Kontakte zu gleichgesinnten Elementen im Iran zu überwachen
- Überwachung der Einreisen und Ausreisen an den Westgrenzen des Irans, namentlich von sunnitischen Kurden und Balutschen, wenn sie in den irakischen Kurdistan reisen
- ständige Beobachtung von salafitischen Satellitenprogrammen
- Ausübung von „Druck“ auf die Golfstaaten, die Tätigkeit dieser Sender einzuschränken.
Zu den politischen Vorschlägen zählen:
- eine ernsthafte Bekämpfung von religiös oder ethnisch diskriminierenden Maßnahmen gegen Sunniten,
- eine begrenzte, kontrollierte Stärkung volksnaher Institutionen in der Region, namentlich von Sufi-Anhängern wie den Qaderi, den Naqschbandi und den Yarsan sowie den Ahle Haqq
- Unterstützung der im Volk verankerten sunnitischen Geistlichen
- Kontrolle der religiösen Propaganda im Fastenmonat Ramadan und zu anderen religiösen Festen.


Foad Mostafa Soltani, einer der Begründer der kurdischen Komala

Foad Mostafa Soltani, einer der Begründer der linken iranischen Kurdenpartei Komala. Er wurde zur Schahzeit inhaftiert und schwer gefoltert, im Revolutionsjahr 1979 wurde er nach vier Jahren aus dem Gefängnis entlassen und von Tausenden Kurden in Mariwan gefeiert. Er machte sich gleich an die Arbeit und begann die Kurden zu organisieren, um ihre Autonomie zu verwirklichen. Dies führte dazu, dass Ajatollah Chomeini noch im selben Jahr, im August 1979, den Dschihad gegen die Kurden erklärte. Im September 1979 besetzten die bewaffneten Kräfte des Ajatollah-Regimes Marivan und ermordeten viele Einwohner, darunter auch die beiden Brüder von Foad Mostafa Soltani, Hossein und Amin. Foad Mostafa Soltana eilte darauf nach Mariwan und wurde unterwegs von den Pasdaran umzingelt. Er kam im Gefecht ums Leben.
https://en.wikipedia.org/wiki/Foad_Mostafa_Soltani

Die Dornensaat geht auf
Auch der Bericht von Radio Farda weist seine blinden Flecken auf. So ist die Entstehung des „Islamischen Staats“ im Irak selbst auch eine Reaktion auf die Schulung und Unterstützung schiitischer Milizen im Irak durch die Islamische Republik Iran. Wir hatten wiederholt über die Rolle des irakischen Geistlichen Moqtada Sadr berichtet, der im Iran ausgebildet wurde und mit iranischer Hilfe seine bewaffneten Einheiten im Irak aufbaute. Der Ausbau des iranischen Einflusses im Irak war eine direkte, wenn auch nicht beabsichtigte Folge des US-Kriegs gegen den damaligen irakischen Diktator Saddam Hussein. Die USA besiegten zwar die irakischen Truppen, aber auf die Stunde danach waren sie nicht vorbereitet, dafür aber der Iran.
Auch führte die Entmachtung der irakischen Armee durch die USA dazu, dass der IS auf eine große Reserve an ausgebildeten Militärs und Geheimdienstlern zurückgreifen konnte, die nun eine Chance sahen, wieder zu Einfluss zu gelangen. Die enge Waffenbrüderschaft zwischen dem syrischen Regime von Baschar al-Assad und den iranischen Pasdaran ist ebenfalls bekannt. Auch sie stärkt den IS, weil der Aufbau von (schiitischen) „Volksmilizen“ in Syrien durch die Pasdaran es ihrer Propaganda leicht machte, den schiitisch-sunnitischen Gegensatz in den Vordergrund zu rücken. Und wenn das iranische Innenministerium jetzt darüber jammert, dass die Radikalen im iranischen Kurdistan an Oberhand gewinnen, darf man auch die Frage stellen, welche Alternativen der iranische Staat ihnen denn lässt.


Das Grab des in Berlin ermordeten Kurdenführers Dr. Sadeq Scharafkandi

Die Demokratische Partei Kurdistans (Iran) ist seit Jahrzehnten Zielscheibe des iranischen Regimes, der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i selbst ist einer der Hauptverantwortlichen für die Ermordung des damaligen Chefs dieser kurdischen Partei in Berlin (Mykonos-Attentat). Die deutsche Bundesregierung war schon damals bemüht, die Täter, die von der iranischen Botschaft in Berlin organisiert wurden, laufen zu lassen, und redet auch heute lieber von Dialog und Verständigung als von der Notwendigkeit, Ajatollah Chamene‘i vor Gericht zu stellen. Die kurdische Komele wird ebenfalls verfolgt, die der PKK nahestehende Pejwak auch. Wenn also alle linken und demokratischen Parteien verfolgt werden, bleibt in einem fundamentalistisch-religiösen Staat nur ein Freiraum: religiöser Fundamentalismus. Das ist die Saat, die der Islamische Staat der Ajatollahs gesäht hat. Aber wie so oft in der Geschichte, bleiben nicht die Anführer an den Dornen hängen, es ist das normale Volk, das verblutet…

Quelle:
http://www.radiofarda.com/content/o2-sunni-hardliners-kurdistan/27522716.html

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Hinrichtungen im Iran

Laut amtlichen Quellen wurden im Iran vergangene Woche mindestens 24 Menschen hingerichtet. Da im Iran keine unabhängige Justiz existiert, kann auch nichts darüber ausgesagt werden, ob die Vorwürfe gegen die Verurteilten überhaupt den Tatsachen entsprechen. In der Regel schiebt der Staat Drogendelikte vor. In der Region Qaswin wurden 17 Menschen hingerichtet, in der Region Hormosgan wurden 5 weitere Gefangene im Zentralgefängnis in Bandar Abbas hingerichtet. Sie wurden u.a. als „bewaffnete Banditen“ bezeichnet. In der Stadt Schiras wurden zwei Personen auf einem öffentlichen Platz erhängt. Über diese Angaben hinaus hat die Menschenrechtsnachrichtenagentur Horana von der Hinrichtung von fünf (Balutschen?) in Kerman erfahren. Im Parsilun-Gefängnis von Chorram-Abad wurden am Freitag drei Verurteilte in Einzelzellen verlegt, von dort geht es zur Hinrichtung.
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=100331

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Sistan und Balutschistan: Polizei schießt auf Autofahrer

Im Kreis Chasch in der Region Sistan und Balutschistan hat die Polizei vergangenen Donnerstag das Feuer auf einen jungen Autofahrer eröffnet und ihn dabei schwer am Bein verletzt. Die Polizei behauptet, er habe keinen Führerschein gehabt und nicht auf das Halt-Zeichen geachtet. Dieser Behauptung scheint die örtliche Bevölkerung keinen Glauben geschenkt zu haben, denn es kam anschließend zu einer Menschenansammlung am Ort des Geschehens. Die Bevölkerung attackierte dabei auch das Polizeiauto.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Nationalismus im Iran: vom Fernsehen auf die Straßen


Der Film, um den es geht
http://news.gooya.com/politics/archives/2015/11/204543.php

Kürzlich wurde im iranischen Fernsehen in der Sendung „fitile“ (Docht, Zündschnur), die für Kinder und Jugendliche bestimmt ist, ein Sketsch gezeigt, in dem sich zwei iranisch-aserbaidschanische Gäste, deren Persisch mit türkischen Wörtern durchsetzt ist, bei der Rezeption des Hotels beschweren, weil es in ihrem Zimmer so stinkt. Der Mann an der Rezeption versucht die beiden – Vater und Sohn – zu beschwichtigen, wobei er auch ein paar türkische Redewendungen zustande bringt, und den Grund der Beschwerde zu ermitteln. Es kommt heraus, dass der Vater dem Sohn die Zähne mit der Klobürste geputzt hat und dass es aus dem Mund des Sohnes stinkt. Der Rezeptionist versucht dem Vater diplomatisch beizubringen, dass es für kleine empfindliche Kindermünder extra kleine Zahnbürsten gibt…


Aseris demonstrieren gegen ihre Verunglimpfung im Fernsehen

Diese Art von Witz ist den iranischen Türken (Aseris) genauso sauer aufgestoßen wie einem in Deutschland die Türkenwitze auf den Wecker gehen können. Mehr noch, sie empfanden es als Beleidigung des aseri-türkischen Volks und gingen heute auf die Straße. In mehreren Städten – Tabris, Urumije, Ardabil und Meschkin-Schahr – kam es deshalb zu Zusammenstößen mit den angeblichen Sicherheitskräften, die nicht nur Knüppel, Tränengas und Pfefferspray einsetzten, sondern auch Sonderkräfte einsetzten, die mit dem Motorrad rücksichtslos in die Menge fuhren.


Motorrad-Armee vor dem Angriff aufs Volk

Das iranische Fernsehen reagierte zwar mit einer Entschuldigung für diese Sendung und versprach, die Schuldigen zu bestrafen, aber mit so einer Art von Polizeieinsätzen wird das Klima gewiss nicht besser. Dem Staat ist offensichtlich bewusst, dass er hier ein riskantes Spiel spielt, aber er ist offensichtlich nicht willens und nicht fähig, über den Schatten des persischen Nationalismus hinwegzuspringen. Das verheißt nichts Gutes für den Fortbestand des Staates, denn dieses Regime wird genauso wegbrechen, wie die Sowjetunion, und dann können solche gärenden Konflikte enden wie in Jugoslawien.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Strafverlegung eines kurdischen Gefangenen

Mohammad-Amin Abdollahi, ein kurdischer Gefangener aus Bukan, war bis vor kurzem im Gefängnis von Tabas in Haft, wo er seit zwei Jahren fern seiner Heimat und Familie festgehalten wurde.
Vor zwei Monaten hatte Mohammad-Amin Abdollahi einen Hungerstreik eröffnet, damit er heimatnah verlegt wird und Hafturlaub erhält. Der Gefängnisdirektor sagte ihm dies zu, wenn er den Streik abbreche.
Eingehalten wurden die Versprechen nicht. Deshalb trat Mohammad-Amin Abdollahi erneut in den Hungerstreik. Schon am zweiten Tag, am Sonntagmorgen, wurde er um vier Uhr früh mit Gewalt aus der Zelle geholt und in ein noch weiter entferntes Gefängnis nach Birdschand in der östlich gelegenen Region Chorassan gebracht.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iranische Kurdenpolitik: die nächste Hinrichtung


Sirwan Neschawi

Wie gestern bekannt wurde, wurde Sirwan Neschawi (Nezhavi) aus Sardascht im Gefängnis von Urumije hingerichtet. Er war 2011 zusammen mit Ibrahim Issa verhaftet worden und später vom Revolutionstribunal von Mahabad wegen „Kriegs gegen Gott“ (moh.a:rebe) zur Hinrichtung verurteilt worden. Er soll Mitglied von PJAK (Partei eines Freien Lebens in Kurdistan) gewesen sein, einer iranischen „Tochter“ der PKK. Einen Anwalt hatte er vor Gericht nicht. Auch bekam er vor seiner Hinrichtung nicht einmal einen Besuchstermin. Sein Name fügt sich in die lange Liste hingerichteter Kurden des Ajatollah-Regimes.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Doppelzüngige Kurdenpolitik

Während der iranische Staatspräsident Hassan Rouhani bei seinen jüngsten Reisen im iranischen Kurdistan auf Sympathiewerbung aus war, die Einrichtung eines kurdischen Dienstes der staatlichen Nachrichtenagentur versprach und die Schaffung eines Studiums der kurdischen Sprache zum kommenden Herbst in Aussicht stellte, kann man von Vertretern kurdischer Organisationen anderes hören.
So berichtet die Organisation „Komele“, dass auf Resa Ka‘bi in der Nacht vom 7. auf den 8. August ein Attentat verübt wurde. Der Täter hatte die Organisation infiltriert, um ans Ziel zu kommen. Resa Ka‘bi, Sekretär des Exekutivkomitees der Komele, überlebte den Anschlag unversehrt. Die gleiche Untergruppe von Komele berichtet auch, dass sie in letzter Zeit 4 Bomben in Stützpunkten der Komele entdeckt hat. Sie beschuldigt den iranischen Staat, wieder zur alten Politik des Terrors zurückzukehren.
Ein anderer Sprecher von „Komele“, Abdollah Mohtadi, erklärte in einem Interview mit dem in den USA ansässigen Radio Farda, dass an ihrem Stützpunkt in Suleymaniye im Irak fünf Bomben entdeckt wurden. Es habe sich um einen ausgeklügelten Anschlagsversuch gehandelt. Die Explosion der ersten Bombe hätte dazu geführt, dass Helfer an den Ort der Explosion geeilt wären. Die weiteren vier Bomben mit sehr hoher Sprengkraft hätten dann aus der Entfernung mit einem Telefon gezündet werden sollen.
Man darf nicht vergessen, dass im Juli 1989 der iranische Kurdenführer Ghassemlu in Wien ermordet wurde, im September 1992 wurde ein weiterer Kurdenführer, Sadegh Scharafkandi zusammen mit weiteren Kurden in Berlin im Mykonos-Restaurant ermordet. Hinter beiden Attentaten steckte der iranische Staat, das deutsche Gericht bezeichnete namentlich Ajatollah Chamene‘i als einen der verantwortlichen Auftraggeber. Er ist bekanntlich noch immer im Amt…

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email