Archiv der Kategorie 'Ökonomie'

China halbiert seine Erdölimporte aus dem Iran

China war im Jahr 2011 Großkunde für iranisches Öl. In den Monaten Januar und Februar des laufenden Jahres hat China seine Ölimporte aus dem Iran halbiert.

Laut der Nachrichtenagenur Reuters gab eine chinesische Quelle an, dass China im Jahr 2011 20% des vom Iran exportierten Öls importiert hat. Im Jahr 2011 importierte China 555.000 Barrel Öl pro Tag. Im Vergleich dazu hat China seit Januar täglich 285.000 Barrel Öl weniger importiert. Das wird sich auch im März fortsetzen.

Ursache für diese Entwicklung soll laut offizieller Stellen im Iran sein, dass China den Preis für das Öl weiter reduzieren wollte, obwohl sie bereits 8 Dollar pro Barrel weniger bezahlen müssen als üblich. Ausserdem wollte China laut dieser Quelle den Preis mit chinesischen Warenexporten verrechnen, anstatt Cash zu bezahlen.

Der Mineralölkonzern Sinopek hat im Jahr 2011 75.000 Barrel Flüssiggas pro Tag aus dem Iran importiert. Für die Monate Januar bis bis April 2012 ist der Import gänzlich gestoppt worden.

China versucht seine Ölnachfrage nun vermehrt bei Ländern wie Irak, Russland, Australien und Saudi-Arabien zu decken.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Sanktionen gegen den Iran zeigen ihre Wirkung

Aufgrund der Sanktionen hat sich die wirtschaftliche Situation im Iran zunehmend verschlechtert. Unter anderem drückt sich das bei den aktuellen Schwierigkeiten aus, Reis-Importe zu bezahlen.

Indische Reisexporteure beklagen, dass gelieferter Reis von 200.000 Tonnen un dim Wert von 144 Mio. US-Dollar nicht bezahlt worden sei. Sie mussten sich an ihre Regierung wenden, mit der Bitte, dass die in diesem Konflikt vermittelt. Die indischen Reisexporteure haben angekündigt, vorerst keinen weiteren Reis mehr zu liefern.

Auch andere Länder wie Pakistan, Vietnam und die Philippinen vermeiden derzeit Reislieferungen an den Iran.

Am heutigen Dienstag, den 7.2.2012, hat die Zeitung Dschahane San-at (Welt der Industrie) geschrieben, dass im Verlauf der letzten drei Wochen die Handelsbanken von Dubai Zahlungen an Exportfirmen gestoppt haben. Daher konnten 20 Schiffe mit Reis- und Getreidefracht in iranischen Häfen nicht entladen werden.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Streik der LKW-Fahrer für Baumaterialien in Teheran

Die Fahrer der LKWs für Baumaterialien in Teheran streiken seit einigen Tagen. Sie haben ihre Arbeit niedergelegt, um der Forderung nach einer Verdoppelung ihres Lohns Nachdruck zu verleihen. Sie begründen das mit den rasant steigenden Lebenshaltungskosten.

Selbst die Unternehmer leiden derzeit unter der Inflation, verbunden mit Festpreisen in bestimmten Segmenten. So weigern sich viele, ihre Ware zu den von der Regierung vorgeschriebenen Preisen zu verkaufen.

Einige LKW-Fahrer waren in den letzten Tagen mit privaten Autos unterwegs, um den Streik auch gegen Streikbrecher durchzusetzen. Es wurden die Windschutzscheiben der LKWs eingeworfen, die sich nicht an den Streik hielten. Die Lastwägen dürfen in Teheran grundsätzlich nur in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens fahren.

Nicht nur die Transporte von Baumaterialien waren durch den Streik betroffen. Auf vielen Baustellen konnten auch andere Maschinen nicht betrieben werden, weil die Baumaterialien fehlten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Lokomotivführerstreik im Iran


Ein iranischer Schaffner

Seit etwa einer Woche streiken vor allem im Nordosten des Irans Lokomotivführer. Sowohl über das Ausmaß des Streiks wie auch über die Forderungen der Lokomotivführer ist wenig bekannt geworden. Das Vorgehen der Streikenden ist für die Reisenden sehr ärgerlich, aber originell. Die Lokomotivführer steigen an irgendeiner Station der Strecke aus und gehen. Der Zug bleibt dann stehen, samt Insassen. Aus verschiedenen Städten – aus Maschhad, Arak, Semnan – werden mehrstündige Zugverspätungen gemeldet. Die staatlichen Stellen versuchen, Lokomotivführer aus anderen Landesteilen zu holen, um die stehenden Züge wieder in Bewegung zu setzen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Keine Devisen für Arzneimittelhersteller

Die Arzneimittelhersteller im Iran, die auf den Import von Wirkstoffen, angewiesen sind, beklagen sich, dass sie entgegen der staatlichen Vorschriften in den letzten drei Monaten keine Devisen (zum amtlichen Kurs) erhalten haben, so dass sie auch keine Wirkstoffe importieren können. Dies berichtete der im Wahlkreis Sahedan gewählte Abgeordnete Hossein-Ali Schahriyar gegenüber der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Mehr. Die iranische Arzneimittelindustrie weist darauf hin, dass eine weitere Vorenthaltung von Devisen durch die Regierung dazu führt, dass die Kranken im Iran nicht mehr mit lebenswichtigen Medikamenten – z.B. zur Krebsbehandlung – versorgt werden können.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Teheran: Asbest fürs Volk

Mohseni Bandpey, der iranische Parlamentsabgeordnete für die Region Nouschahr-Tschalus (im Norden am Kaspischen Meer), kritisierte kürzlich, dass der Iran chinesische Bahnwaggons für den städtischen Zugverkehr (vermutlich für die Metro) importiere, deren Bremssysteme Asbest freisetzen. Auch im Iran ist die Verwendung von Asbest inzwischen verboten, aber diese Waggons werden ohne jegliche Kontrolle importiert. Der Abgeordnete wies darauf hin, dass der Asbestgehalt in der Luft von Teheran 50-mal höher sei als in Amerika und Europa. Konkrete Zahlen nennt er leider nicht.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Irans Wirtschaft im freien Fall


Chomeinis Haupt zählt nicht mehr viel: 2200 Tuman für einen Dollar

Der am Montag, den 23.01.2012, von der EU beschlossene Importstopp für iranisches Rohöl ab dem 1. Juli 2012 hat im Iran zu einer massiven Nachfrage nach harter Währung geführt.
Während der Tuman zum Ende des Schahregimes eine starke Währung war, die mit einem Kurs von 7 Tuman gegen 1 Dollar eingetauscht wurde, ist der Wechselkurs ist inzwischen auf 2200 Tuman für einen Dollar gestiegen. Während vor der Revolution der Tuman auch bei Auslandsreisen z.B. in die benachbarte Türkei als Zahlung akzeptiert wurde, ist der Tuman heute selbst im Inland bei größeren Käufen nicht gern gesehen. Wer im Iran ein Auto kaufen will, bekommt vom Händler den Preis in Dollar gesagt. Wenn der Händler sehr großzügig ist, erlaubt er dem Kunden, beim nächsten Devisenhändler nachzuschauen, wie hoch der aktuelle Wechselkurs von Tuman in Dollar ist, dann muss der Kunde den Wagenpreis entsprechend diesem Kurs in Tuman entrichten.
Farroch Qabbadi, ein iranischer Wirtschaftsfachmann, der Zugang zu Informationen aus Regierungskreisen hat, meinte kürzlich, es sei leicht, die Schuld für die Krise auf die Profiteure, auf die Geldwechsler und auf die von den Feinden ausgestreuten Gerüchte zurückzuführen. Die Gründe der Krise lägen tiefer.

Chinesische Grabsteine und Peitschen zur Selbstgeißelung
So seien die illegalen und ungeordneten Importe ein wesentliches Problem, die dazu führten, dass die einheimischen Produzenten gegenüber der Importkonkurrenz nicht mehr mithalten könnten und ihre Tätigkeit einstellten. Er machte darauf aufmerksam, dass inzwischen nicht nur Grabsteine und Peitschen zur Selbstgeißelung aus China importiert werden. So habe man festgestellt, dass in Dubai und Antalya „iranische“ Fabriken stehen, die aus China importierte Waren mit inländischen Markenzeichen versehen und so als Ware „made in Iran“ in den Iran exportieren. Ein anderes Beispiel sind 200-Liter-Fässer mit Tomatenmark aus China, die in Fabriken im Iran in 1-Kilo-Dosen umgefüllt werden und dann als iranisches Tomatenmark auf den Markt gebracht werden.
De facto werde das iranische „Freundschaftsgeld“ an die Chinesen ausbezahlt.

Iranische Industriezonen: Fast alles steht still

Der iranische Parlamentsabgeordnete Tawakkoli, der zugleich der Vorsitzende des Parlamentarischen Forschungszentrums ist und zu den Gegnern der Regierung Ahmadinschad zählt, berichtet, dass die Energie- und andere Produktionskosten so stark gestiegen sein, dass viele Unternehmen still stünden oder auf Sparflamme produzierten. Bei einem Besuch mehrerer Abgeordnete in einer iranischen Industriezone konnten sie mit eigenen Augen sehen, dass die zahlreichen dort angesiedelten Firmen bis auf zwei gar nicht produzierten. Eine einzige Firma, die Speiseöl verpackte, arbeitete normal, eine zweite Firma mit halber Kapazität. Das war alles. Wer Kapital besitze, investiere derzeit nicht und warte ab.

Goldmünzen im Supermarkt?
Mehdi Pasuki, ein anderer Wirtschaftsfachmann, erklärt, dass die Menschen kein Vertrauen mehr in die iranische Zentralbank hätten. So behaupte die Führung der Zentralbank, sie habe so viele Goldmünzen, dass sie diese sogar in den Supermärkten zum Verkauf anbieten könnte, aber wenn die Kaufinteressenten zur Zentralbank gehen, um wenigstens dort ihren Tuman gegen Goldmünzen zu tauschen, bekommen sie nur eine begrenzte Zahl von Münzen. Nach der Bekanntgabe der EU-Sanktionen am Montag sammelten sich vor der iranischen Zentralbank mehrere Tausend Kaufwillige, die Goldmünzen kaufen wollten.

Die Sanktionen wirken
Auf die Behauptungen von Ajatollah Chamene‘i und Mahmud Ahmadineschad, wonach die Sanktionen keine Wirkung zeigten und zu Produktionssteigerungen im Inland geführt hätten, entgegnet Freydun Chawand, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Paris, man könne jetzt mit eigenen Augen sehen, dass das Gegenteil der Fall sei. Sogar die Erdölproduktion sei infolge der Sanktionen zurück gegangen. Erschwerend komme hinzu, dass die Machthaber in mehrere verfeindete Flügel aufgespaltet seien, die jeder ihre eigene Wirtschaftspolitik entsprechend der eigenen Interessenlage verfolgten. Dadurch gebe es keine konsequente Wirtschaftspolitik, die eine wirksame Antwort auf die Sanktionen darstellen könnte.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran wird zum Vorposten Chinas

Übernahme der Flughäfen
Im September 2010 hat sich die iranische Seite (die Führung der Pasdaran zusammen mit Ajatollah Chamene‘i) auf ein wichtiges gemeinsames Vorhaben geeinigt. Die Volksrepublik China wird schrittweise die Leitung der acht wichtigsten iranischen Flughäfen (Tabris, Schiras, Kerman, Bandar-Abbas, Chomeini-Flughafen in Teheran u.a.) übernehmen, des weitern die Führung sämtlicher iranischer Häfen am Persischen Golf und die Kontrolle über die iranische Eisenbahn.

Neue Bahnlinie durch Zentralasien
Außerdem haben sich die beiden Seiten geeinigt, den Iran per Eisenbahn an die Volksrepublik China anzuschließen. Die Verbindung erfolgt über Turkmenistan, Usbekistan und Kasachstan bis an die chinesische Grenze, eventuell ist auch ein Zweig über Kirgisistan vorgesehen.
Die Kosten für den Bau der Eisenbahnverbindung belaufen sich auf:

  • 8,5 Milliarden Dollar in Kasachstan. Hiervon übernimmt China 700 Millionen Dollar, Iran den Rest.
  • 2,4 Milliarden Dollar in Usbekistan. Hiervon übernimmt China 400 Millionen Dollar, Iran den Rest.
  • 4,1 Milliarden Dollar in Turkmenistan. Der Iran zahlt diesen Betrag allein.

Sofern Kirgisistan an diesem Projekt Interesse hat, soll dort 1,1 Milliarden Dollar investiert werden. Hier teilen sich Iran und Volksrepublik China die Kosten zu je 50%. Die Bauarbeiten hat sich schon die chinesische Seite reserviert, wird also von chinesischen Arbeitern ausgeführt, wie das jetzt schon in Zentralasien zu beobachten ist. Außerdem hat sich die chinesische Seite ausbedungen, dass sie die für den Bau dieser Bahnstrecken erforderliche Mengen an Benzin und Diesel zum staatlichen iranischen Preis erhält. Da der Iran diese Waren selbst importieren muss, dürfte das auch auf dem iranischen Markt zu spüren sein.

Shanghai Cooperation Organization – die Eintrittskarte
Damit der Iran in der Shanghai Cooperation Organization Mitglied werden darf, musste das Land auch noch ein paar weitere Bedingungen akzeptieren. Dazu gehört, dass der Iran seine Handelsflotte nicht mehr in Großbritannien, Indien und Südkorea überholen und reparieren lässt, sondern die Verträge kündigt und statt dessen chinesische Werften beauftragt.

Das Geheimabkommen ist bislang nicht unterschrieben. Ajatollah Chamene‘i, dessen Unterschrift in dieser Sache aussteht, hat jedenfalls schon klargestellt, dass das iranische Parlament nicht an diesem Vertrag beteiligt wird, damit das Thema nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten wird. Denn dass dieser nationale Ausverkauf im Iran nicht auf Begeisterung stoßen wird, ist klar. Aus diesem Grund soll auch die Übernahme der Leitung der iranischen Flughäfen, Häfen und Eisenbahn schrittweise erfolgen, damit die Bevölkerung sich daran gewöhnt.

Der Vertrag ist freilich nicht umsonst. Das chinesische Konsortium verpflichtet sich, die iranischen Pasdaran zu 30 Prozent am Gewinn aus dem Betrieb dieser Transporteinrichtungen zu beteiligen, mindestens aber 4 Milliarden Dollar im Jahr zu zahlen. Die Pasdaran haben zum Empfang dieser Gelder extra zwei Firmen gegründet. Die übrigen 70% des Gewinns verbleiben den chinesischen Partnern.

General Haghtalab, der bei den Pasdaran als Oberbefehlshaber für die Flughäfen fungiert, schlägt zudem der chinesischen Seite vor, zur Gewährung der Sicherheit der Eisenbahnbauprojekte Pasdaran vom Stützpunkt Chatam ul-Anbija als „Berater“ zu engagieren, für saftige Gehälter, versteht sich.

Im übrigen soll das chinesische Konsortium die Reparatur und den Bau von 11 Kraftwerken im Iran zugeschlagen bekommen, ohne Ausschreibung, versteht sich.

Der Vertrag soll bis 2035 gültig sein. Die chinesische Vertragspartei hat das Recht, den Vertrag mit einem Jahr Vorankündigung für 2025 einseitig zu kündigen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Embargo gegen Iran : Rupien statt Dollar

Während die Republikaner in den US-Präsidentschaftswahlen mit der Forderung auftrumpfen, einen Krieg gegen den Iran zu beginnen, fordert die französische Regierung unter Nicolas Sarkozy, die Guthaben der iranischen Zentralbank im Westen einzufrieren. Auch ein Weg, die Krisenbanken zu sanieren…

Angesichts der westlichen Forderungen nach einem Embargo der iranischen Ölexporte und der von der US-Regierung verhängten Behinderung des Zahlungsverkehrs kommt die iranische Regierung in Geldnöte. Indien hat zwar Erdöl erhalten, gibt aber an, es nicht mehr in Dollar bezahlen zu können, der Iran könne dafür ja indische Rupien bekommen. Und Griechenland bietet großzügig an, weiterhin iranisches Erdöl abzunehmen – auf Kredit freilich. Auch die italienische Regierung lässt sich nicht lumpen. Sie fordert keine de facto kostenlose Lieferung von iranischem Erdöl wie die griechische, sondern findet, dass der Iran noch zwei Milliarden Schulden für gelieferte italienische Waren offenstehen habe, da könne er jetzt ja mit dem Öl die Schulden abzahlen. Die Volksrepublik China, die der wichtigste Außenhandelspartner des Irans hat, hat im Januar die Rohöl-Importe aus dem Iran deutlich reduziert und will sie mit Öl aus anderen Quellen ersetzen, u.a. aus Saudi-Arabien, Russland und Vietnam.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Ajatollah Chamene‘i: Wir setzen Drohung gegen Drohung

Angesichts der Revolutionen im Nahen Osten und der Verschärfung der Wirtschaftssanktionen durch den US-Präsidenten Barak Obama, der kürzlich ein Embargo gegen die Iranische Nationalbank verhängt hat, entwickeln die iranischen Machthaber eine neue Doktrin, die Ajatollah Chamene‘i mit folgenden Worten formuliert hat: „Wir sind eine Nation, die auf jegliche Aggression, auf jegliche Drohung standhaft und mit aller Macht antworten wird. Wir sind keine Nation, die dasitzt und zuschaut, wie die innerlich leeren, materialistischen Mächte, die vom Wurm zerfressen und von den Ameisen zerlöchert sind, die standhafte und stählerne iranische Nation bedroht. Wir setzen Drohung gegen Drohung!“

Wir sind bereit, den Raketenschirm der NATO in der Türkei zu bombardieren
Im Rahmen dieser neuen Doktrin hat der Oberbefehlshaber der Luftstreitkräfte der Pasdaran erklärt: „Für den Fall, dass wir einer Drohung ausgesetzt werden, sind wir bereit, zuerst den Raketenschirm der Nato in der Türkei zu bombardieren, danach werden wir uns anderen Zielen zuwenden.

Schließung der Meerenge von Hormos
Auch die Drohung, die Meerenge von Hormos zu schließen, falls die iranischen Erdölexporte mit einem Embargo blockiert werden, und das Abhalten von Manövern der Marine bis zum Meer von Oman, Cyber-Attacken, Verhaftungswellen gegen angebliche Spione und der angebliche Abschuss eines Spionageflugzeugs gehören zu dieser neuen Strategie.

Besetzung der britischen Botschaft
In diesem Kontext ist die Besetzung der britischen Botschaft durch Handlanger des Regimes nur eine Fortsetzung des psychologischen Kriegs mit dem Ziel, Drohkulissen aufzubauen. Im Vergleich zur Besetzung der US-Botschaft in Teheran von 1979 war diese Aktion allerdings nur ein dürftiger Abklatsch des großen Vorbilds. Damals diente die Aktion der Ausschaltung des liberalen Flügels unter den Geistlichen und der Unterdrückung der linken Bewegungen, denen Ajatollah Chomeini auf diese Weise die Parole vom „Kampf gegen den Imperialismus“ raubte. Heute finden sich keine echten Studenten mehr, die so eine Aktion durchführen, und in der Bevölkerung interessiert sich keiner dafür. Denn mit einem neuen Rekordstand des Wechselkurses für den Dollar von 1 zu 1800 (1800 Tuman für 1 Dollar) werden die Importe immer teurer, und das trifft auch Menschen, die keinen Zugang zu Dollars haben.

Zum Streiten gehören zwei
Das interessiert die politische Führung allerdings nicht, solange die außenpolitischen Ziele dieser Drohungen erreicht werden: Das westliche Lager zu spalten und bessere Konditionen für heimliche Verhandlungen mit den USA zu erzielen. Dabei sollte auch nicht unter den Tisch fallen, dass für den Wettlauf der Drohungen zwei Seiten notwendig sind. Dass die westlichen Staaten nicht die Menschenrechte im Auge haben und für sie die mit der Militarisierung des Irans einhergehende Zunahme der Unterdrückung im Land nur „Kollateralschäden“ sind, darf man nicht aus den Augen verlieren.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Schlechte Zeiten für Steuersünder?

Staaten wie der Iran, deren Regierung hauptsächlich vom Erdöleinkommen lebt, pflegen in der Regel kein großes Gewicht auf das Eintreiben von Steuern zu legen. Da die Bevölkerung der Ansicht ist, dass die Taschen der Regierung ohnehin gefüllt sind und längst nicht alle gleichmäßig in den Genuss der Erdöleinnahmen kommen, ist es aus der Sicht der Betroffenen auch nicht vernünftig, Steuern zu bezahlen, und bislang haben sich Basarhändler recht erfolgreich gegen die Einführung oder Erhöhung von Steuern gewehrt. In dem Maß, wie die Wirtschaftssanktionen wegen des iranischen Atomprogramms zu greifen beginnen, macht sich die Regierung auf die Suche nach neuen Einnahmen.
So wundert es nicht, dass der Oberbefehlshaber der Polizeikräfte Esmail Ahmadi Moqaddam laut Angaben der Zeitung Keyhan (Teheran) am 31. Dezember 2011 erklärt hat, dass man sich auf die Gründung einer Banken- und Zollpolizei vorbereite. Diese Polizei solle auch den Schmuggel bekämpfen.
Das wird wohl bedeuten, dass nur noch der Schmuggel der Revolutionswächter erlaubt sein wird und alle anderen Wege geschlossen werden sollen. Durch Ausschluss der Konkurrenz werden so die Einnahmen der Pasdaran und die Preise der geschmuggelten Ware erhöht, was zwar in diesem Fall die Staatseinnahmen nicht vermehrt, wohl aber die privaten Taschen der Machthaber.
Die Polizei soll auch Steuerbetrug bekämpfen und dabei Zugang zu Bankkonten bekommen. Esmail Ahmadi Moqaddam meinte, hätte es diese Polizei schon früher gegeben, dann wäre der jüngste Skandal der Veruntreuung von 3 Milliarden Dollar im iranischen Bankensystem gar nicht so weit gekommen. Das sollte man nicht für bare Münze nehmen, aber zumindest diejenigen, die nicht auf der Seite von Ahmadineschad stehen, dürften nun Ärger mit dieser Polizei bekommen. Mittelfristig könnte dies zur weiteren Schließung von Firmen und Fabriken führen. Ob sich die Regierung allerdings traut, sich noch einmal mit den Basarhändlern anzulegen, wird die Zukunft weisen.
Der Polizeibefehlshaber wies im übrigen zu Recht darauf hin, dass die Vorstellung irrig sei, man könne den Schmuggel verhindern, indem man eine hohe Mauer ums Land ziehe. Solange es der Bevölkerung schlecht gehe und infolge der Wirschaftskrise keine andere Möglichkeit offenstehe, für seinen Unterhalt zu sorgen, werde es Schmuggel geben.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran in der Inflationsspirale

Wie der Abgeordnete von Sarawan im iranischen Parlament, Abdulasis Dschamschidsehi, der zugleich Mitglied im Gesundheitsausschuss des Parlaments ist, gegenüber der Zeitung Chorassan erklärt, sind in den letzten zwei Monaten die Preise für Medikamente im Schnitt um 8 bis 10 Prozent gestiegen, die von Importmedikamenten sogar um 40 Prozent. Die Importe sind durch den fallenden Wert der iranischen Währung teurer geworden, die Preise für im Iran produzierte Medikamenten sind durch den Anstieg der Preise für Gas, Wasser, Strom und Löhne (?) ebenfalls angestiegen.
Für Kranke und ihre Angehörigen ist das eine schlechte Nachricht.
Der Abgeordnete kritisierte außerdem, dass bei der Abschaffung der Subventionen vor zehn Monaten und der Einführung des „Freundschaftsgelds“ (Yarane) erklärt worden sei, dass ein Teil der eingesparten Subventionen ans Gesundheitsministerium überwiesen würden. Das sei nicht geschehen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iranische „Freundschaftshilfe“: Ohrfeigen im Parlament

Vor etwa einem Jahr wurde im Iran die Einführung der „Freundschaftshilfe“ (Yarane) als Ersatz für die generelle Subvention diverser Waren (Benzin, Brot etc.) begonnen. Die „Freundschaftshilfe“ wurde als monatliche Unterstützungszahlung (also eine Art Sozialhilfe) für den ärmeren Teil der iranischen Bevölkerung angekündigt und sollte die Unzufriedenheit abfedern, die nach den absehbaren Preiserhöhungen zu erwarten war. Der voraussichtliche Kreis der Nutznießer wurde mehrmals enger gezogen, weil das iranische Budget, das vor allem auf den Erdöleinnahmen beruht, von denen ein Teil ohnehin in den Taschen der Mächtigen verschwindet, nicht ausreichte, die angekündigten Leistungen zu finanzieren.


„Freundschaftshilfe“ (Yarane)

Obiger Ausschnitt einer Webseite des iranischen Energieministeriums zur Zuteilung der „Freundschaftshilfe“ im Bereich Wasser und Strom gibt einen Eindruck von den schönen Worten, an denen bei der Einführung der „Freundschaftshilfe“ nicht gespart wurde:
„Mit Bekanntmachung durch den Präsidenten der Republik hat der Vollzug des Gesetzes zur Zuteilung der „Freundschaftshilfen“ im Lande begonnen. Mit dem heutigen Tag hat das Land mit gleichmäßigen Schritt den Weg zur Reform der Wirtschaftsstruktur in Angriff genommen, um diese goldene Gelegenheit zu nutzen und einen Schritt nach vorne auf diesem Weg zu machen, dessen strahlende Zukunft gesichert ist. (…)“

Parlamentarische Anfrage endet mit Ohrfeigen
Am Dienstag, den 27. Dezember 2011, wurde im iranischen Parlament eine Anfrage zum Thema „Freundschaftshilfe“ behandelt. Es ging um den Vorwurf, dass diese Hilfe an die Firmen im Gas-, Strom- und Wassersektor nicht ausgezahlt werde. Am Vortag hatte der Abgeordnete Mohammad Dehqan kritisiert, dass der Vollzug des Gesetzes über die Zuteilung der „Freundschaftshilfe“ zahlreiche Projekte aus dem Gas-, Wasser- und Stromsektor empfindlich gestört habe und viele Firmen aus diesem Sektor nicht nur den Forderungen ihrer Gläubiger (z.B. Lieferanten) nicht mehr nachkommen können, sondern auch Schwierigkeiten haben, den Lohn ihres Personals auszubezahlen.
Um mehr über die Auszahlung der staatlichen „Freundschaftshilfe“ zu erfahren, war der Direktor der Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe (Saseman-e Hadafmandi-ye Yarane-ha) Behrus Moradi, vom Parlament eingeladen worden. Er erklärte bei der Anhörung am Dienstag, dass die Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe das Gesetz ausführe und es keinen Grund für Erläuterungen gebe. Die Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe führe das aus, was Paragraph 12 des Gesetzes vorsehe.


Behrus Moradi, Direktor der „Freundschaftshilfe“-Behörde

Behrus Moradi, der nicht sehr auskunftsfreudige Direktor dieser „Sozialhilfe“-Behörde, rastete schließlich aus, als Hossein Hosseini, der Abgeordnete von Feriman, Zahlen über die „Freundschaftshilfe“ vortrug. „Was ist das für eine Gassen-und-Basar-Statistik, was Sie da vortragen?“ rief Behrus Moradi aus.
Der erboste Abgeordnete wollte ihm eine Ohrfeige verabreichen, traf ihn aber im Nacken, ritzte seine Haut und es floss Blut. Behrus Moradi gab darauf dem Abgeordneten Hossein Hosseini eine Ohrfeige und die anderen Parlamentarier hatten Mühe, die Streithähne auseinander zu bringen. Wie im Kindergarten üblich, kam es auch noch zum Streit darüber, wer angefangen hat.
Behrus Moradi, der an Hochdruck leidet und außerdem ein Medikament einnimmt, dass die Blutgerinnung behindert, musste von einem anwesenden Abgeordneten, der im Zivilleben Herzspezialist ist, verarztet werden.
Zum Schluss trafen sich Behrus Moradi und Hossein Hosseini beim Präsidium des Parlaments, wo sich Hossein bei Behrus entschuldigte und sich die beiden versöhnten, wie die iranischen Medien berichten.
Der Parlamentspräsident Ali Laridschani soll im übrigen in einem Brief über einen Bericht der Parlamentskommission zur Wirtschaftsreform bezüglich der Ausführung des Gesetzes zur Zuteilung der „Freundschaftshilfen“ befürwortet haben, dass die Sache an die Justiz überstellt wird.

Kommentar:
Dass ein Behördenchef einen Abgeordneten schlägt oder zurückschlägt – je nach Version, zeigt deutlich, mit was für Leuten Präsident Ahmadineschad seine Behörden besetzt hat und was für Typen im Parlament sitzen. Und dass derjenige, der über die Zuteilung staatlicher Leistungen entscheidet, wie Behrus Moradi, von diesen Leistungen etwas für sich abzweigt, wäre bei den iranischen Verhältnissen keine Überraschung. Beachtlich ist, dass die Auseinandersetzung unter den Machthabern so weit gediehen ist, dass Korruptionsfälle ins Parlament und in die Medien getragen werden. Das verstummt dann wieder, wenn Ajatollah Chamene‘i ein Machtwort spricht, und geht wenig später von neuem los.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Tabris: Autofabrik schließt – Massenarbeitslosigkeit

Laut einer Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA hat das Montagewerk für ein Modell der iranischen Marke „Peykan“ in Tabris (Nordwestiran) die Einstellung der Produktion bekannt gegeben. Dadurch werden auf einen Schlag 1500 Montagearbeiter arbeitslos. Weitere 10.000 Arbeiter in der Ersatzteil- und Zuliefererindustrie werden ebenfalls arbeitslos. Derzeit stehen 40.000 Autos des produzierten Modells auf Halde.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Im Reich des Dollars und des britischen Pfunds

Während die Bassidschi-Milizen auf Ajatollah Chamene‘is Geheiß die britische Botschaft gestürmt haben, sinkt das Vertrauen in die heimische Währung (Rial/Tuman) im Lande immer mehr. Für ein Land, dessen Einnahmen wesentlich durch den Verkauf von Erdöl bestimmt werden, bedeutet ein Bankembargo zugleich auch ein Zahlungsembargo, weil selbst ausländische Kunden, die iranisches Erdöl gekauft haben, keine Bank finden, mit deren Hilfe sie ihre Schulden bezahlten können. Dadurch wird ausländische Währung rar, der Wert des Tuman fällt. Die Iraner, die Geld haben, stehen schon in den frühen Morgenstunde Schlange vor den Banken, um das Geld gegen Goldmünzen zu tauschen und Fremdwährung wie Dollar und Pfund zu kaufen. Der wirkliche Wechselkurs für ein britisches Pfund liegt inzwischen in Teheran bei 2190 Tuman.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email