Archiv der Kategorie 'Ökonomie'

Iran – der wilde Osten: Hirten und Nomaden protestieren

Vor der Sicherheitsbehörde (Farmandari) der Stadt Gatsch-Saran (Provinz Kuhgiluye und Boyer Ahmad) haben sich rund 100 Hirten und Nomaden versammelt, um dagegen zu protestieren, dass ihnen das Vieh geraubt wird und sich die Behörden überhaupt nicht darum kümmern. So sollen die Nomaden allein im letzten Jahr 2000 Stück Vieh durch Viehdiebe verloren haben.
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=125165
vom 2. Esfand 1395 (20.2.2017)
°ashayere gachsaran dar e°teraz be na-amni moqabele farmandariye in shahr tajammo° kardand

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Iran: Revolutionäre – die Feinde der Arbeiter

Die Firma Sadra ist im Iran ein großer Industriebetrieb. Bau und Reparatur von Schiffen, Terminals von Erdölpipelines, und Bau von Anlagen für Erdöl- und Erdgas an der Küste gehört zu ihrem Aufgabenbereich. Kein Wunder, dass der Stützpunkt Chatamu l-Anbiya der Revolutionswächter (Pasdaran) des öfteren als Hauptaktionär der Firma auftaucht, denn auf den lukrativen Erdöl- und Erdgassektor hatten es die Revolutionäre stets abgesehen. Man sollte meinen, diese Firma schwimme im Geld, aber nach Medienberichten (s.u.) ist das Gegenteil der Fall, so dass Pläne aufkamen, zumindest den Schiffbaubereich auszugliedern, um die Verluste klein zu halten.
Durch den ständigen Besitzerwechsel ist für Außenstehende schwer zu überprüfen, wer derzeit tatsächlich die Firma kontrolliert. Faktum ist, dass die Firmenleitung derzeit jedenfalls bei den Arbeitern spart und seit Monaten die Löhne nicht ausbezahlt hat. Deshalb haben rund 2000 Arbeitnehmer von Sadra in Buschehr heute vor der Firma gestreikt, aber die Manager hatten es nicht nötig, auch nur mit den Arbeitern zu sprechen. Sie drohten aber damit, diejenigen zu entlassen, die den Streik organisiert hatten, und ließen heute in der Kantine kein Essen austeilen. Von einem „Dialog zwischen Tarifparteien“ weit entfernt, hier bestimmt noch die nackte Gewalt. Und falls die Pasdaran weiter hinter der Firma stecken, ist der Weg ins Gefängnis nicht weit.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=125182
vom 2. Esfand 1395 (20. Februar 2017)
nadadane ghad_a va tahdid be exraj, e°teraze do hezar kargare sadra-ye bushehr edame darad

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B4%D8%B1%DA%A9%D8%AA_%D8%B5%D9%86%D8%B9%D8%AA%DB%8C_%D8%AF%D8%B1%DB%8C%D8%A7%DB%8C%DB%8C_%D8%A7%DB%8C%D8%B1%D8%A7%D9%86
sherkate san°atiye darya’iye iran
vom 20.02.2017

http://www.dw.com/fa-ir/%D9%82%D8%B1%D8%A7%D8%B1%DA%AF%D8%A7%D9%87-%D8%AE%D8%A7%D8%AA%D9%85%D8%A7%D9%84%D8%A7%D9%86%D8%A8%DB%8C%D8%A7-%DB%8C%DA%A9-%D8%B4%D8%B1%DA%A9%D8%AA-%D8%A8%D8%B2%D8%B1%DA%AF-%D8%AF%D8%B1%DB%8C%D8%A7%DB%8C%DB%8C-%D8%B1%D8%A7-%D9%88%D8%A7%DA%AF%D8%B0%D8%A7%D8%B1-%DA%A9%D8%B1%D8%AF/a-17030617
vom 19.08.2013
qarargahe xatam ol-anbiya yek sherkate bozorge darya’i-ra vagod_ar kard

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Iran – Irak: 16 Grenzgänger von Lawine verschüttet


Grenzhandel – zu Fuß durchs eisige Wasser

Das kurdische Grenzgebiet zwischen Iran und Irak ist auch Schauplatz des kleinen Grenzhandels, der den Schmuggelbrüdern – den Pasdaran und Co. – ein Dorn im Auge ist. Die Menschen, die sonst keine Arbeit finden, weil im Iran viele Fabriken stillgelegt wurden, transportieren Waren aus dem Irak in den Iran auf dem Rücken oder, wenn sie etwas mehr Geld haben, zu Pferde. Vor einem Monat, am 9. Dey 1395, wurden dabei 16 solcher Lastenträger von einer Lawine im Grenzgebiet verschüttet. Die Lokalbevölkerung versuchte, sie zu retten, aber 4 konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Der Leiter der Sicherheitsbehörden von Sardascht (Farmandar), Mir-Aschkan Mahdawi, war schnell dabei, die Opfer zu kriminalisieren und als Schmuggler zu bezeichnen. Auf diese Weise versuchen die staatlichen Machthaber, von ihrer eigenen Verantwortung für die hohe Arbeitslosigkeit abzulenken.

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123972
vom 11. Bahman 1395 (30. Januar 2017)
farmandare sardasht: kulbaran motewafa donbale qachaq budand/ fa°alane kargari: agar gorosnegi wa faqr nabashad, kesi soraghe kulbari nemiraft

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Plasco – Teheran: Machtkampf endet in Flammen


Am 19. Januar 2017 brannte in Teheran an der Istanbul-Straße das Plasco-Hochhaus ab, ein markantes Kennzeichen der Stadt aus den 1960-er Jahren.

In dem 17-stöckigen Hochhaus waren Wohnungen, Geschäfte, Büros und Werkstätten zur Textilherstellung (Hemdennäherei) untergebracht.

Als bekannt wurde, dass in dem Gebäude ein Feuer ausgebrochen war, rückte die Feuerwehr an. Angeblich wurde das Gebäude evakuiert. Der Feuerwehr gelang es nicht, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, und es waren noch nach amtlichen Angaben 25 Feuerwehrmänner im Gebäude, als dieses plötzlich kollabierte. Die Behörden – so Qalibaf, der Oberbürgermeister von Teheran, waren bemüht, die Zahlen für die Zahl der Opfer möglichst klein zu halten.


Bekannt ist aber, dass Leute in das Gebäude zurückgegangen waren, um ihr Eigentum zu retten, und inwieweit die Angaben zutreffen, dass das Gebäude tatsächlich evakuiert wurde, ist von hier nicht zu überprüfen. Es gibt keinen Anlass, die Angaben der iranischen Behörden für bare Münze zu nehmen. Viele Iraner sind sogar des Ansicht, dass der Einsturz Folge einer herbeigeführten Explosion gewesen sei, da mögen sie aber die Rasanz und die Zerstörungskraft des Feuers unterschätzen.

Rivalität zwischen Stiftung der Entrechteten und Pasdaran
Die Spekulationen über die Brandursache soll Sache der Teheraner bleiben. Keine Spekulation dagegen ist, dass das Plasco-Gebäude nach der Revolution 1979 zugunsten der Bonyade Mostas’afin (Stiftung der Entrechteten) enteignet wurde – der Eigentümer Habibollah Elqanian wurde hingerichtet. Diese Stiftung gehört zu den größten Wirtschaftskonzernen des Irans, ihr Manager wird vom Religiösen Führer – Ajatollah Chamene’i – persönlich eingesetzt. Das Büro- und Handelszentrum, das im Eingangsbereich auch eine florierende Handelspassage aufwies und mehrere Textilwerkstätten beherbergte, befand sich unweit eines anderen Gebäudes, das den Pasdaran (Revolutionswächtern) gehört. Letzteres steht zur Hälfte leer, weil das Plasco-Gebäude offensichtlich attraktiver war. Mit dem Brand ist die Konkurrenz gelöst. Jetzt werden sich die Überlebenden, die Geld genug haben, darum streiten, Räumlichkeiten in dem Gebäude der Pasdaran zu erhalten.

Brandschutz – was hat der Oberbürgermeister zu verbergen?
Nach dem zerstörerischen Brand kam natürlich auch die Frage auf, wie es um die Brandsicherheit bestellt war. Iranische Versicherungsgesellschaften sollen sich schon vor Jahren geweigert haben, das Gebäude zu versichern, weil es an entsprechenden Brandschutzeinrichtungen fehlte. Die Stiftung der Entrechteten wäre dafür zuständig gewesen, die nötigen Baumaßnahmen durchzuführen. Aber nach der Revolution entwickeln sich so manche Revolutionäre zu den schlimmsten Bürokraten, und ohne die Genehmigung der Stadtverwaltung von Teheran geht nichts. Die ließ auf sich warten. Über Jahre. Und so steht der Oberbürgermeister von Teheran, Qalibaf, auch ein Zögling von Ajatollah Chamene’i, heute im Zentrum der Kritik. Er war auch einer der ersten, die die Zahl der Opfer herunterzuspielen versuchte. Möglicherweise ist der Brand das Ende seiner weiteren Karriere, denn es heißt, dass er einmal die Nachfolge von Hassan Rouhani als Präsident des Staates antreten wollte – mit dem Religiösen Führer im Rücken.


Wasserwerfer statt Feuerlöscher
Kalame (Das Wort), eine Internet-Zeitung der iranischen Reformisten, sprach aus, was viele IranerInnen denken mögen. Zur Niederschlagung von Aufständen hat der iranische Staat angeschafft was nur ging, Wasserwerfer, die 70 Meter weit die Straße leerfegen von „bösen Demonstranten“, gepanzerte Fahrzeuge mit Geschütztürmen, zu allem bereit, um gegen das eigene Volk in den Krieg zu ziehen. Aber dafür, dass die Feuerwehr mit geeignetem Gerät ausgestattet wird, hat man kein Geld.

Innenminister warnt vor unerlaubten Versammlungen

Nach dem Tod von Ajatollah Rafsandschani, der im Schwimmbad ums Leben gekommen ist, wie inzwischen bekannt wurde und das in einem Moment, als dort das Licht ausging (!), haben die Machthaber Angst vor weiteren Anlässen, die dazu führen könnten, dass die Bevölkerung spontan auf die Straße geht. Deshalb hat der iranische Innenminister Abdolresa Rahmani Fasli erklärt, dass keinerlei ungenehmigte Versammlungen zugunsten der Opfer des Brandunglücks stattfinden dürften, und zwar landesweit.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123415
vom 1. Bahman 1395 (20. Januar 2017)
tasawiri az diruz wa shabe god_ashte-ye plasku

http://saten.ir/126817/%D8%B5%D8%A7%D8%AD%D8%A8-%D9%88-%D8%B3%D8%A7%D8%B2%D9%86%D8%AF%D9%87-%D8%B3%D8%A7%D8%AE%D8%AA%D9%85%D8%A7%D9%86-%D9%BE%D9%84%D8%A7%D8%B3%DA%A9%D9%88-%DA%A9%DB%8C%D8%B3%D8%AA%D8%9F-%D8%B9%DA%A9%D8%B3/
saheb wa sazandeye saxtemane plasku kist?
vom 30. Dey 1395 (19. Januar 2017)

http://news.gooya.com/politics/archives/2017/01/222891.php
vom 2. Bahman 1395 (21. Januar 2017)
darde ma dastgahe atash-neshani ast ya abpashe zedde shuresh?

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123581
vom 4. Bahman 1395 (23. Januar 2017)
wazire keshwar: har tajammo°i baraye dar-god_ashtegane plasku bayad mojawwez dashte bashad

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Plasco – Teheran: Anfänge iranischer Judenfeindlichkeit


Plasco – eines der markanten Teheraner Hochhäuser aus den 1960-er Jahren

Anfang der 1960-er Jahre, in der Zeit, als der Schah von Persien begann, das Land zu modernisieren, wurde in Teheran an der Istanbul-Straße das Plasco-Hochhaus mit 17 Stockwerken gebaut.


Es war damals das höchste Gebäude von Teheran, der Sitz der Plastikfirma Plasco, zahlreicher Büros und exklusiver Einkaufsläden.


Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

Habibollah Elqanian
Der Eigentümer war Habibollah Elqanian, dem auch die Firma Plasco gehörte. Plasco war damals der größte Kunststoffhersteller des Irans. Habibollah Elqanian war damals Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Teherans. Da das Hochhaus mit seinen Einkaufsläden ein modernes Gegenstück zum traditionellen Basar darstellte, waren die Basarhändler der Umgebung gegen den Bau des Hochhaus, bedeutete es doch eine neue Art von Konkurrenz, die sie als existenzbedrohend wahrnahmen. Es heißt, dass sogar Ajatollah Taleqani sich gegen den Bau des Hochhauses ausgesprochen hatte, und er war in vielen Punkten wesentlich demokratischer gesinnt als Ajatollah Chomeini.


Habibollah Elqanian vor dem Revolutionsgericht

Das Ende des Erbauers
Mit dem Sieg der iranischen Revolution am 22. Bahman 1357 (Februar 1979) ging es Habibollah Elqanian an den Kragen. Denn die Ajatollahs, die sich an die Spitze der Revolution setzten und mit dem Basar in enger Verbindung standen, ließen ihn als angeblichen Spion für Israel nur fünf Tage später verhaften. Am 19. Ordibehescht 1358 – 9. Mai 1979 – wurde er im Qasr-Gefängnis vom als Henker berüchtigten Richter Sadeq Chalchali zusammen mit sieben weiteren Personen in nur 20 Minuten abgeurteilt, ohne einen Verteidiger zu haben. Er wurde zum Tode verurteilt. Schon am nächsten Morgen wurde er erschossen. Er war der erste Jude, der vom Regime der iranischen Mollas hingerichtet wurde.


Sadeq Chalchali, der Scharfrichter der iranischen Revolution

Die Arisierer
Zur Nazizeit wurde in Deutschland und dem annektierten Österreich die Judenverfolgung von den neuen Machthabern dazu genutzt, sich am Eigentum der Opfer zu bereichern. Eine parallele Entwicklung war auch im Iran zu beobachten. Das Plasco-Hochhaus, Symbol des modernen Teherans, wurde der Bonyade Mostas’afin, der „Stiftung der Entrechteten“ übergeben, einer der größten Konzerne des heutigen Irans, dem das Eigentum zahlreicher geflohener oder verhafteter Schah-Anhänger übergeben wurde. Die Stiftung war dafür gedacht, das Geld „unter den Armen“ zu verteilen. Die Führung dieser Stiftung wird von einer Person ausgeübt, die der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i in dieses Amt einsetzt.

Quellen:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=123492
vom 2. Bahman 1395 (21. Januar 2017)
saxtemane plasko dar bahmane 1342

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%B3%D8%A7%D8%AE%D8%AA%D9%85%D8%A7%D9%86_%D9%BE%D9%84%D8%A7%D8%B3%DA%A9%D9%88
(zum Plasco-Hochhaus)

https://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AD%D8%A8%DB%8C%D8%A8%E2%80%8C%D8%A7%D9%84%D9%84%D9%87_%D8%A7%D9%84%D9%82%D8%A7%D9%86%DB%8C%D8%A7%D9%86
(über Habibollah Elqanian)

http://www.farhangnews.ir/content/245454
Photo von Habibollah Elqanian am Modell des Plasco-Hochhauses

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Brombeer-Ernte im Iran


Brombeeren wachsen im Iran vor allem in den Wäldern der Region Gilan am Schwarzen Meer. Dort werden sie gepflückt (wilde Brombeeren, keine angepflanzten) und später auf dem Markt verkauft. Eine dornige Angelegenheit.

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Bauern protestieren bei Vortrag der Vizepräsidentin der Regierung Rouhani

Auf einer öffentlichen Veranstaltung von Masoumeh Ebtekar, Vizepräsidentin der Regierung Rouhani und Chefin der Umweltschutzorganisation des Irans, protestieren Bauern lautstark und verlangen Redezeit.


https://www.youtube.com/watch?v=X4MNzHYURm8

In dem oben verlinkten Video sieht man Szenen des mitgeschnittenen Vortrags von Masoumeh Ebtekar in Isfahan, in der sie mehrfach von protestierenden Bauern unterbrochen wird. Nachdem einer seine Stimme erhoben hat, melden sich auch noch andere Bauern zu Wort. Sie widersprechen den von Masoumeh Ebtekar vorgetragenen Statistiken und verlangen wenigstens 5 Minuten sprechen zu können, um ihre Fehler richtig zu stellen. Frau Masoumeh Ebtekar will sich darauf jedoch nicht einlassen und beharrt auf ihrem Rederecht. Verschiedene Organsiatoren versuchen die Bauern zu beruhigen, was aber eher die gegenteilige Wirkung erzielt.

Hintergrund des Ärgers der Bauern sind die niedrigen Lebensmittelpreise, die ihnen kein Auskommen mehr ermöglichen.

Quelle: http://news.gooya.com/didaniha/archives/2016/12/221568.php

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Proteste von Bauern in Hormozgan, Südiran

Seit Tagen protestieren Bauern aus Hormozgan gegen zu niedrige Preise für Gemüse.

Hormozgan ist eine Provinz ganz im Süden des Irans. Die Straße von Hormuz (pers. Hormoz) hat ihren Namen von dieser Gegend. Hier leben etwa 1,5 Mio. Menschen. Einer der Hauptwirtschaftszweige ist die Landwirtschaft. Es kann aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen ganzjährig Gemüse angebaut werden. Es wird in die benachbarten arabischen Länder und auch bis in den Norden des Irans geliefert.

Die Preise, die die Bauern mit ihren Produkten erzielen, können kaum ihr Überleben sichern. Im Vergleich zu den Einnahmen der Zwischenhändler, die die Ware weiter in andere Städte transportieren und dort mit Gewinn weiterverkaufen, sind ihre Einnahmen gering. Sie machen nur einen Bruchteil des Gesamtpreises auf den späteren Märkten aus. In Teheran z.B. kostet das Kilo Auberginen ca. 5000 Tooman und das Kilo Tomaten ca. 3000 Tooman. Die Zwischenhändler kaufen diese Waren für 200 Tooman bzw. 50 Tooman. Das lohnt sich für die Bauern nicht.

Die Landwirte aus Bidan, Minab, Roodan, … protestieren seit einer Woche vor den Gouverneursgebäuden von Minab und Bandar Abbas, der Provinzhauptstadt. Sie haben erklärt, dass sie für derart niedrige Preise die Ernte nicht mehr einbringen werden, sondern sie auf den Felder kaputt gehen lassen.

Da die Gouverneure sich nicht blicken lassen, haben die Bauern damit begonnen, ihre verderbliche Ware auf die Straßen zu kippen.

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Ahwas (Iran): Mit Elektroschock gegen Straßenhändler


„Ordnungs“kräfte im Einsatz

Vergangene Woche, am 6. Dezember, ging eine Gruppe von 12 Vollzugsbeamten der Stadtverwaltung von Ahwas, die mit Elektroschockgeräten bewaffnet waren, gegen Straßenhändler vor. Sie attackierten auch eine 70-jährige Frau, die dabei zu Boden fiel. Die Frau verkaufte vor dem Laden ihres Sohns mit dessen Einwilligung Waren. Infolge des Angriffs muss der Sohn seine Mutter täglich zweimal ins Krankenhaus bringen.

http://www.radiofarda.com/a/f7-avaz-attack-to-paddler/28168741.html
vom 20. Adhar 1395 (10. Dezember 2016)

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Iran: informelle Berufe


da:d-zan (Ausrufer) gesucht: eine Stellenanzeige…

In einem Land, in dem schon seit längerem ein großes Firmensterben um sich greift – und der Iran gehört zu der Sorte, ist es naturgemäß schwer, Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze zu finden. Das bedeutet nicht, dass es in solchen Gesellschaften nichts zu tun gibt, aber meistens ohne Fachausbildung, ohne Kontrollen, ohne Gewerkschaften. Alles geradezu ein kapitalistisches Wunderland, sollte man meinen.

Die Webseite peykeiran hat eine Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Mehr über einige Berufe veröffentlicht, die in der Islamischen Republik Iran heutzutage ausgeübt werden. Manche Berufe sind schon älter, manche existieren in Abwandlung auch hierzulande, andere muten schon recht fremd an.
Wir führen hier die persischen Bezeichnungen und die deutschen Erklärungen auf:

sharr-xar – (sharr – Bandit, Verbrecher, Schurke, xar – von xaridan, kaufen)
Ein Gläubiger, der die Schulden nicht eintreiben kann, wendet sich an so eine Person, die mit Gewalt, Messer und anderen Formen der Erpressung (Kindesentführung etc.) den Schuldner dazu bringt, die Schulden zu begleichen. Ein solcher Schuldeneintreiber hat gewöhnlich keine Angst davor, ins Gefängnis zu kommen. Für seine „Mühen“ erhält er einen Teil des eingetriebenen Geldes. Im „zivilisierten“ Deutschland übernehmen zwielichtige Anwaltsfirmen diese Funktion, die z.B. windige Rechnungen von Internet-Anbietern unter Androhung von Prozessen eintreiben.

da:d-zan (Rufer, Schreier)
Wer seine Pizza oder seine Ware auf der Straße anpreisen will, mietet sich für einen Tag so einen Ausrufer.

tra:kt-paxsh-kon (Flyer-Verteiler)
Verteilt die Werbeflyer einer Firma, auch hier ein gängiger, aber nicht eben einträglicher Beruf, der meistens von Schülern ausgeübt wird.

pla:k-mahw-kon (Nummernschild-Auslöscher)
In der Hauptstadt Teheran gibt es diverse Bereiche, in die keine Autos fahren dürfen. Wer es trotzdem tut, wird geblitzt und muss dann eine Strafe zahlen. Um dies zu umgehen, warten an solchen Stellen Personen mit ausufernden Mänteln, die vor oder hinter dem Auto hergehen, je nachdem, wo die Kamera steht, und so dafür sorgen, dass zwar ein Foto vom Auto gemacht wird, aber das Nummernschild verdeckt ist.

ja:-ye pa:rk-gir (Parkplatz-Besetzer)
Leute, die Parkplätze mit irgendwas vollstellen und dann gegen Entgelt den (nicht ihnen gehörenden) Platz freigeben, wenn jemand einen Parkplatz sucht. Wäre sicher auch in Konstanz eine einträgliche Beschäftigung.

gerye-kon-e mara:sem tarh.im (Trauerfrau, Trauermann)
Leute, die auf Begräbnissen kräftig und laut weinen und klagen und die Verdienste des Verstorbenen preisen. Solche Personen werden gern auf Staatsbegräbnissen angeheuert.

dast-forush (Straßenverkäufer)
Wer seine Ware bei sich trägt und auf der Straße verkauft, heute in Teheran besonders häufig in der Metro und in den Metro-Stationen. Sind recht aufdringlich.

hamra:h-e bimar (Krankenbegleiter)
Wenn die Angehörigen arbeiten müssen und sich nicht um den im Krankenhaus liegenden Patienten kümmern können, heuern sie die Dienste eines Krankenbegleiters an. Er verrichtet auch nicht-medizinische Hilfleistungen, z.B. Begleitung zur Toilette u.ä. Angesichts der starken Einsparungen im öffentlichen Gesundheitswesen in Deutschland sollten wir uns nicht wundern, wenn der Beruf hier bald auch auftaucht. Man sieht, man kann von Entwicklungsländern lernen…

sha:hed-e da:dga:h (Gerichtszeuge)
Unfall, Überfall, Ehestreit? Sie suchen einen Zeugen? Alles zu kaufen.

do°a:-newis (Gebetsschreiber)
Ein alter Beruf. Diese Leute schreiben einen Koranspruch oder ein Gebet auf ein Stück Papier. Wer krank ist, wirft den Zettel in ein Glas Wasser und trinkt das Wasser aus, dann wird er wieder gesund. Es gibt Bücher, in denen diverse Gebete stehen, die helfen, dass man Arbeit findet, gesund wird, die Ernte reich ausfällt etc.

noubat-forushi (Schlangensteher)
Wer etwas bei der Deutschen Botschaft oder auf der Bank zu erledigen hat, muss warten. Es sei denn, er kauft sich den Platz in der Warteschlange bei einer entsprechenden Person.

ka:r-ra:h-benda:z (der die Sache auf den Weg bringt)
Eine Person, die als Vermittler tätig wird, wenn man zum Beispiel später zum Militärdienst will oder als Student eine Wohnung benötigt u.s.w.

rang-ka:r-e morakkaba:t (Zitrusfrüchte-Anmaler)
Mitunter sieht die Schale von Orangen oder Zitronen farblich nicht so attraktiv aus, wie man sich selbige vorstellt. Dafür gibt es diese Art von Malern, die die Schalen färben. Wenn die Früchte dann noch in einem Netz verkauft werden, merkt man das nicht gleich. Evtl. kann man es am Geruch feststellen, aber das benötigt Erfahrung. Wer es beim Einkaufen eilig hat, hat das Nachsehen.

Quelle

http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=120423
vom 5. Adhar 1395 (25. November 2016)
ba ajibtarin mashaghele kadhebe iran ashna shawid

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Iran: ein Bild der Zerstörung

Der iranische Soziologe Madschid Mohammadi stellt in einem Interview mit Radio Farda seine Analyse der gesellschaftlichen Entwicklung im Iran vor.
Seine Worte sind auf drei Grafiken dargestellt, die hier in den wichtigsten Punkten auf Deutsch wiedergegeben werden.


Ziegelproduktion mit Kinderarbeit im Iran

Die Wurzeln des sozialen Niedergangs im Iran
Armut: Zwei Drittel der Bevölkerung des Landes leben unter der relativen Armutsgrenze, 15 Millionen leben in absoluter Armut (Gesamtbevölkerung 80 Millionen Menschen).
Arbeitslosigkeit: 7-11 Millionen Menschen sind arbeitslos, rund 50% der Akademiker sind ebenfalls arbeitslos
Umweltkrise: Verschmutzung des Grundwassers, Austrocknen der Flüsse, Seen, Meere und Sümpfe. In der Folge sind 30.000 Dörfer menschenleer geworden

Formen der sozialen Krise im Iran
Bildung von Slumvierteln: über 20 Millionen Menschen leben in Slums an den Stadträndern
Drogensucht inkl. Alkoholismus: 4-7 Millionen, hinzu kommen 20 Millionen Nikotinsüchtige
Fehlernährung: betrifft zig Millionen
Prostitution: betrifft Hunderttausende, sie reicht inzwischen bis zur Altersgruppe der 10-Jährigen
Studienabbruch: betrifft jeden 4. Studierenden
Kinderarbeit: 1,5 bis 7 Millionen Kinder müssen arbeiten
Kinderehe: betrifft Hunderttausende von Kindern
Obdachlosigkeit: betrifft 150.000 Menschen, die im Freien auf Kartons übernachten

Mitschuld der Regierung

  • zu ungleiche Verteilung des Nationaleinkommens durch die Regierung (Erdöl)
  • Aufrechterhaltung der gespannten Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Iran und dem Westen
  • Staat fördert Bevölkerungswachstum, ohne entsprechend für Wohnraum, Arbeitsplätze, Bildungsmöglichkeiten etc. zu sorgen
  • Kein Interesse an der Einführung und Durchsetzung von Umweltnormen in der Industrie
  • nicht durchdachte Staudammprojekte
  • Abholzung der Wälder
  • Vergeudung von Milliarden US-Dollar für militärische Zwecke (Atombombenbau, Raketenbau)
  • Politik stützt sich auf Interessen der Pasdaran und der Geistlichen, ohne Fachleute zu berücksichtigen
  • institutionalisierte Korruption

http://www.radiofarda.com/a/f3-social-problems-iran/28126330.html
vom 1. Adhar 1395 (21. November 2016)
saxtare asibhaye ejtema°i dar iran dar se nemudar

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Iran: Erfolgreicher Streik


Heute vormittag haben 1500 Arbeiter der Firma Saypa, die zwischen Teheran und Karadsch liegt und Metallformen herstellt, vor dem Verwaltungsgebäude der Firma gestreikt, um ihre schon im Vorjahr versprochene Lohnerhöhung einzufordern.

Personalchef beim Betrug ertappt
Es erschien darauf der Personalchef, der ein Dokument vorlegte, wonach schon im Juli dieses Jahrs ein Brief bezüglich der Lohnerhöhung ans Arbeitsministerium geschickt worden sei. Die Arbeitervertreter schauten sich das Dokument genauer an und stellten fest, dass es nur die Unterschrift des Personalchefs trug. Auch hat das Arbeitsministerium mit der Lohnerhöhung nichts zu tun. Der Betrug flog auf und der Personalchef verschwand wieder im Verwaltungsgebäude.

Verhandlungen zwischen Management und Arbeitern
Als die Arbeiter nicht nachließen, kamen drei Vertreter der Firmenführung und setzten sich mit zehn Vertretern der Arbeiter an einen Tisch, wo sie bis 17 Uhr verhandelten. Sie kamen zu einem Ergebnis – es wird sich zeigen, ob die Firma diesmal ihr Versprechen hält. Immerhin wäre dies einer der seltenen Berichte über erfolgreiche organisierte Lohnverhandlungen im Iran.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=76494
vom 17. Aban 1395 (7. November 2016)
tajammo°e e°teraziye kargarane saypa dar karxane

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Iran: Die höchsten Diebe – Ajatollah Sadeq Laridschani


links Ajatollah Chamene‘i, rechts Ajatollah Sadeq Laridschani

Ajatollah Sadeq Laridschani ist Oberhaupt der iranischen Justiz. In dieses Amt wurde er vom Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i eingesetzt. Eine der ersten Handlungen von Ajatollah Sadeq Laridschani war die Ernennung von Sa’id Mortasawi zum Generalstaatsanwalt des Landes.

Sadiq Laridschani: 250 Millionen Euro auf 63 Kontos
Am 2. Aban 1395 (also am 23. Oktober 2016) berichtete laut einer Meldung von Sahham News der iranische Internet-Fernsehkanal Dorr TV (http://dorrtv.org/) von der Existenz von 63 Bankkonten, die unter dem Namen von Sadeq Laridschani, dem Oberhaupt der iranischen Justiz, bei der iranischen Nationalbank eröffnet wurden. Dorr TV berichtete, dass auf diesen Konten 1000 Milliarden Tuman lägen, das entspricht 250 Millionen Euro (Umrechung: 4000 Tuman entspricht einem Euro).

Wirtschaftsminister in Kenntnis gesetzt
Ein hoher Beamter der Justizorgane soll in einem Interview mit Amad-News die Existenz dieser 63 Bankkonten auf den Namen Sadeq Amoli Laridschani (das ist der vollständige Name) bestätigt haben und noch weitere Informationen über diese Konten gegeben haben. Jemand (nicht näher bezeichnet) soll die Direktoren der Nationalbank über die Existenz dieser Privatkonten in Kennntnis gesetzt haben, worauf zwei der Direktoren Informationen über diese Konten zusammenstellten und dem iranischen Wirtschaftsminister Tayeb-Niya zur Verfügung stellten.

62 Millionen Euro Zinsen im Jahr!
Amad-News soll auch gemeldet haben, dass Ajatollah Sadeq Laridschani für diese 1000 Milliarden Tuman jährlich 250 Milliarden Tuman (62,5 Millionen Euro) Zinsen erhält. Das entspricht einem Zinssatz von jährlich 25%, was selbst angesichts der amtlichen iranischen Inflationsrate von derzeit 12% beachtlich ist. Es sollen wohl auch Klagen iranischer Bürger wegen dieser Konten anhängig sein, näheres wurde bislang aber nicht bekannt.

Bericht an den Staatspräsidenten und den Führer
Auf der Grundlage des Berichts der beiden Bankdirektoren wurden die Direktoren der Landesweiten Kontrollorganisation (Sazemane Bazresiye Kolle Keschwar) eingeschaltet, der Wirtschaftsminister Tayeb-Niya brachte das Thema im Kabinett (Hey’ate Dowlat) zur Sprache und informierte den Staatspräsidenten Hassan Rouhani.
Staatspräsident Rouhani suchte den Religiösen Führer Ajatollah Chamene’i auf und berichtete von der mutmaßlichen Veruntreuung.

Wer die schlechte Nachricht überbringt…
Ajatollah Sadeq Amoli Laridschani lud darauf den Wirtschaftsminister Ali Tayeb-Niya vor und beschwerte sich darüber, wieso der das Thema dem Kabinett vorgelegt und Hassan Rouhani informiert habe. Nach diesem Treffen wurden zwei Direktoren der Nationalbank sowie zwei Experten der Landesweiten Kontrollorganisation verhaftet und ins Gefängnis gebracht, weil sie die Korruption des Oberhaupts der Justiz in die Öffentlichkeit gebracht hätten.

Ausblick
Wenn man sieht, wie die Machthaber reagieren, wenn sie ihre Interessen gefährdet sehen – 2009 ließen sie den Leiter der Obersten Wahlbehörde ermorden, weil er den Wahlsieg von Mirhossein Mussawi bekannt gegeben hatte, 1999 hatten sie Said Emami, den stellvertretenden Minister des Geheimdienstes im Gefängnis ermordet, der über die Hintergründe der Serienmorde an Oppositionellen Bescheid wusste, so ist zu befürchten, dass sowohl die Direktoren wie die Ermittler nicht mehr lange leben und auch ihre Informanten in der Bank mit Verfolgung rechnen müssen. Das ändert aber nichts mehr daran, dass die Katze aus dem Sack ist und diese Nachricht sich in der Bevölkerung rasant verbreiten wird. Ob Sadiq Laridschani dann noch in seiner Position zu halten ist, wird sich zeigen.

Quelle:
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=119371
vom 15. Aban 1395 (5. November 2016)
fesade maliye daste kam hezar milyard tumaniye ra’ise qowe qazaye + sud 250 milyard tumani salane

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Iran: 2000 Gewerkschafter vor dem Parlament


Versammlung der Gewerkschafter vor dem Parlament – das Gebäude ist nicht zu sehen

Am Sonntag, den 30. Oktober 2016, versammelten sich vor dem iranischen Parlament rund 2000 Gewerkschafter, die aus dem ganzen Land gekommen waren. Sie vertraten die Arbeitnehmer der ehemals staatlichen Fernmeldegesellschaft (Moxaberat), die dann scheinprivatisiert wurde, also in die Hände der Pasdaran (Revolutionswächter) überging. Die Gesellschaft ist in Untergesellschaften aufgesplittet, die aber der Zentrale unterstehen. Im Vorfeld hat die Zentrale die Einzelfirmen aufgefordert, für den 30. Oktober keinen Urlaub zu genehmigen und genehmigten Urlaub zu widerrufen. Dass trotzdem 2000 Arbeitnehmer gekommen sind, ist ein beachtlicher Erfolg. 10 Abgeordnete des Parlaments kamen raus, um mit den Gewerkschaftern zu sprechen. Sie bestätigten, dass die Fernmeldegesellschaft die staatlichen Gesetze über Lohnzahlungen verletze und sie der Sache nachgehen werden. Von der Seite des Arbeitgebers erschien niemand – warum auch, im Iran haben die Pasdaran das Sagen, nicht das Parlament.
Die Gewerkschafter erklärten, dass sie ohne konkrete Zusagen weiter in Teheran bleiben werden.

http://www.akhbar-rooz.com/article.jsp?essayId=76341
vom 9. Aban 1395 (30. Oktober 2016)
tajamo°e kargaran wa personele baxshe xosusiye moxaberat dar moqabele majles

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Iranischer Ölminister: 200 Mrd. Dollar an Investitionen erforderlich

Der iranische Erdölminister Bijan Zanganeh hat heute, den 18.10.2016, bekannt gegeben, dass die Erdölindustrie im Iran Investitionen in Höhe von 200 Mrd. Dollar benötigt. Der größere Teil dieser Summe, 134 Mrd. Dollar, wird allein für die Entdeckung und Förderung der iranischen Erdölvorkommen benötigt, 52 Mrd. Dollar werden für die Petrochemie, der Rest für sonstige Ausgaben im Erdölsektor.

Diese Summe entspricht laut Bijan Zanganeh 14 mal den Erdöleinnahmen aus den letzten 10 Monaten. Der Iran sei daher auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen. Laut dem Minister hat der Iran in den letzten 6 Monaten 3,8 Mio. Barrel Öl pro Tag gefördert. Bis Jahresende soll die Förderung auf 4,3 Mio. Barrel pro Tag steigen.

Ausländische Unternehmen werden aufgefordert, sich mit ihren Investitionswünschen vorzustellen. Ali Karder, ein hoher Vertreter der iranischen Erdölindustrie erklärte, dass heute Anzeigen in internationalen Zeitungen geschaltet wurden, mit der Aufforderung, sich zu bewerben. Die Unternehmen, die sich bewerben, würden vom Ministerium dahingehend geprüft, ob sie z.B. in der Lage sind, ihre Vorhaben auch durchzuführen und würden dann, wenn die Bedingungen zu den iranischen Interessen passen, eine Genehmigung erhalten.

Die Äußerungen stammen von einem Mitglied der iranischen Regierung Rouhani und entsprechen deren Politik, sich gegenüber dem Westen zu öffnen, verlässliche Vereinbarungen zu treffen und sich ein Stück auf Abhängigkeiten vom Ausland einzulassen. Die eigentlichen Machthaber, Anhänger von Chamene‘i, fundamentalistische Rechtsgelehrte, Bassidschi, Revolutionswächter und Geheimdienste haben daran keinerlei Interesse. Nach dem Verständnis einer Fraktion der Fundamentalisten ist es verboten, mit dem Ausland auch nur zu sprechen, geschweige denn Vereinbarungen zu treffen. In ihren Zeitungen und politischen Pamphleten weisen sie ständig darauf hin. Manche gehen so weit, dass sie geradezu das Erscheinen des 12. Imams herbeiführen wollen, der nach ihrer Vorstellung erst auftreten wird, wenn die Zustände in der Gesellschaft so katastrophal sind, dass alles den Bach herunter geht.

Die Bassidschi und Revolutionswächter haben einen großen Teil der iranischen Wirtschaft in ihren Händen und forcieren seit vielen Jahren eine rasante Deindustrialisierung im Iran. Ihre Geschäfte laufen dann am besten, wenn im Iran Mangel herrscht und wenn alle Waren aus dem Ausland importiert (bzw. geschmuggelt) werden müssen.

Wer kann also diese 200 Mrd. US Dollar in die Ölindustrie investieren? Der Iran selber kann es natürlich nicht. Ausländische Firmen haben Erfahrung mit dem Iran und sind mittlerweile mit ihren Investitionen sehr vorsichtig geworden. Direktinvestitionen erfordern ein hohes Maß an Vertrauen und nicht zuletzt Rechtssicherheit.

Vor über einem Jahr wurden die ausländischen Sanktionen gegenüber dem Iran gelockert und viele ausländische Wirtschaftsdelegationen kamen in den Iran um Geschäftsmöglichkeiten zu prüfen. Bislang gab es aber nur Versprechungen und von großen Abschlüssen war noch nicht viel zu hören. Auch die Probleme im Bankensektor sind weiterhin vorhanden.

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